Wedding Diaries 15: Minimoon Gran Canaria – Tipps für die kanarische Insel

Nach der Hochzeit haben wir beide maximal noch eine Woche frei. Das reicht nie im Leben für Flitterwochen, wie ich sie mir erträumt habe. Einziger Ausweg – wie er zu mir passt: Zwei Mal wegfahren. Einmal kurz. Einmal lang. Minimoon und Honeymoon. – Also sind wir nach der Hochzeit für eine Woche nach Gran Canaria gereist.

Am Flughafen steigen wir in eine kleine Blechbüchse, die an ein Spielzeug erinnert: Unseren gemieteten Fiat 500. Noch nie zuvor habe ich in so einem kleinen Auto gesessen. Wir fahren am Meer entlang in Richtung Norden, lassen Las Palmas hinter uns und fahren an vielen kleinen Orten vorbei bis wir unser Airbnb in „El Roque“ erreichen.

Ein weißes Häusermeer auf einem großen Felsen, der weit ins Meer hinaus ragt. – Die Häuser türmen sich nach oben, rechts und links klatschen die Wellen gegen das Gestein. Am Fuße des Massivs parken wir das Auto. Ab hier gibt es nur noch Fußgängerwege. Wir schlängeln uns vorbei an Leuten, die auf der Veranda ihren Kaffee genießen und den neusten Klatsch austauschen und schieben unsere Koffer bis zur Spitze des Felsens. – Denn hier werden wir drei Nächte verbringen.

Der Ausblick von unserer Unterkunft

Die Unterkunft in „El Roque“

Die Wohnung ist unglaublich schön: Große Wohnküche und großer Balkon und daneben ein Schlafraum, den man mit einem Vorhang abtrennen kann. Die perfekte Größe für ein frisch verheiratetes Paar. Abends sitzen wir bei Rotwein am Fenster, essen unsere selbstgemachte Pasta und hören stundenlang dem Meer zu. Fast unwirklich kommt es mir vor, dass wir vor drei Tagen erst geheiratet haben und jetzt schon in einer ganz anderen Welt sind: Auf Gran Canaria.

 

Weit weg vom Vorbereitungsstress und der Angst, ob wohl alles gut gehen wird. An der Küchentür hängt mein Brautkleid. Ich habe es mitgenommen, damit wir Bilder am Strand von Gran Canaria machen können. Ein ewiger Traum von mir. Das Kleid haben wir für den Transport einmal gefaltet und in einen extra Koffer gepackt. Ich freue mich, dass es hier nochmal einen Auftritt bekommt. Nachts schlafe ich tief und fest – und wache morgens mit dem Rauschen der Wellen auf. Als ich aus dem Fenster schaue, traue ich meinen Augen nicht: Direkt neben „El Roque“ gibt es einen Surfspot. Allerdings nicht für mich, sondern für Menschen mit deutlich mehr Erfahrung. Aber mir reicht es schon zuzuschauen, wie die Surfer eine Welle nach der anderen anpaddeln, stehen und auf das Land zusausen.

 

Ausblick von El Roque

Der Norden Gran Canarias

Wir setzen uns in das Miniauto, um den Norden Gran Canarias kennenzulernen. Die großen Hotels befinden sich alle im Süden, denn da ist das Klima nochmal deutlich milder – und es gibt mehr Sonnentage. Verrückt oder? Von Las Palmas de Gran Canaria in den Süden nach Maspalomas braucht man 40 Minuten mit dem Auto und trotzdem gibt es verschiedene Klimazonen. Bei uns im Norden ist es oft diesig und neblig am Meer.

An dem Tag verzieht sich der Dunst aber schnell und wir fahren durch den Sonnenschein an der nördlichen Küste. Die Straße erinnert ein wenig an die “Route One” in Kalifornien: Die führt am Meer entlang und hängt immer wieder waghalsig an den großen Felsen am Meer. Der Ausblick ist einfach gigantisch. Immer wieder halten wir an, um die Weite, das Meer und die Höhe auf uns wirken zu lassen. Die meisten Felsen sind kark. Zwischendurch fahren wir aber durch kleine Täler, wo man sieht, dass manchmal ein Bach hindurch führt (je nach Wasser- und Regenlage). Und plötzlich ist es grün und ein paar Häuser stehen herum – in Wassernähe.

Unterwegs mit dem Mini-Auto

Wir begegnen nur wenigen Autos – Ende September scheint hier im Norden wenig los zu sein. Zwischendurch machen wir Halt in Galdar und laufen durch kleine Gassen und sehen Bewohner in der Mittagshitze im Schatten dösen. Und danach fahren wir noch zum Hafen von Agaete: Hier legen Fähren zu anderen kanarischen Inseln ab. Ein ruhiges Örtchen am Wasser: Ich fühle mich rundum wohl.

Waghalsige Straßen auf Gran Canaria

Las Palmas de Gran Canaria

Surfen

Stadt mit Strand, Stadt mit Hafen, Stadt mit historischen Gebäuden. Las Palmas de Gran Canaria entspricht genau meinem Beuteschema. Auf solche Städte fahre ich ab. Verzeiht mir, wenn ich hier mit der verklärten Brille schreibe. Wer verliebt ist, sieht alles ein bisschen heller und schöner.

Wir wohnen in einer kleinen Ferienwohnung in einem Mietshaus: Ein Zimmer, Küche, Bad: Klein aber nur für uns. Die Strandpromenade befindet sich keine 2 Minuten entfernt. Morgens schlendern wir am Wasser entlang. Sitzen ein wenig am endlosen Sandstrand und laufen schließlich weiter – bis ans Ende der Bucht, denn da befindet sich der Beachbreak für Gelegenheitssurfer wie uns: La Cicer. Und direkt dahinter, neben dem künstlichen Wellenbrecher ist ein Spot für Menschen mit besseren Skills und größerem Surfer-Selbstbewusstsein: Muellitos. Die Kanarischen Inseln sind einfach perfekt, um surfen zu lernen. Oder an seinen “Skills” zu arbeiten.

Wir finden einen kleinen, gemütlichen Surf-Verleih, lassen uns die Spots erklären und laufen mit den Boards über den warmen Asphalt in Richtung Wasser. Wie hatte ich dieses Gefühl vermisst: In die Wellen werfen, alles geben bis ich meine Arme nicht mehr spüren und meine Kehle brennt vor Durst. Und trotzdem will ich nicht aufhören. Surfen ist wie eine Droge. Eine Welle noch. Na gut noch eine. Vielleicht noch eine letzte?

Der Strand in Las Palmas

Als die Sonne uns zu sehr auf dem Kopf zu brennen beginnt, bringen wir die Boards zurück und schlendern über die Promenade zurück.

In der Gegend unserer Unterkunft ist das Wasser ruhig: Gleiche Bucht, aber ganz andere Aussicht. Hier kann man stundenlang schnorcheln oder mit dem Stand Up Paddle Board herumdümpeln. Verrückt wieviele verschiedene Gesichter das Meer hat.

Allein das reicht mir. Tagelang könnte ich an den Strand gehen, surfen, am Strand sitzen, abends ein Bier trinken, schlafen.. und wieder surfen oder paddeln.

Vegueta – Las Palmas de Gran Canaria

Wir haben den Tipp bekommen, dass wir uns noch das Viertel Triana und die Altstadt Gran Canarias anschauen sollen: Vegueta. Die Calle Triana ist im Grunde eine klassische Einkaufsstraße. – Aber mit einer viel schöneren Architektur als in den meisten anderen Städten: Gebäude, die um das Jahr 1900 erbaut worden sind und verwunschene Fassaden im Jugendstil. Und wie von alleine haben wir auf einmal Vegueta erreicht.

Die Altstadt

Durch die Altstadt Vegueta führen kleine Gassen im zick zack, auf einmal stehen wir vor der Kathedrale Santa Ana aus dem Jahr 1497, sitzen auf gemütlichen Plätzen und bewundern das alte Rathaus. Wir kommen extra am Donnerstag her, denn abends verwandelt es sich in ein kleines Tapas-Paradies. In jeder Kneipe, an jeder Ecke werden die verschiedensten Häppchen aufgebaut und man „isst sich die Straße entlang”. Hier ein Spieß mit Hähnchen, da ein Avocado-Brot-Häppchen, da ein Stück Wurst. Und dazu Bier in Plastikbechern. Es erinnert ein bisschen an eine ausgelassene Studentenparty – nur, dass es hier deutlich besseres Essen gibt. Aus allen Häusern strömen Menschen, die offenbar wirklich das Glück haben dort zu leben und genießen ihren Feierabend an den Tischen neben uns.

Wellness im Süden

Wir sind ja nicht nur zum Spaß hier auf der wunderbaren Insel Gran Canaria. Es ist noch immer unser Minimoon. Da muss es ja wohl auch ein paar kleine Flitterwochenelemente geben, denke ich mir und stelle fest, dass man im Süden der Insel einen guten Wellness-Tag einlegen kann. Rund um Maspalomas stehen viele große Hotelanlagen und in vielen davon gibt es Spas, Pools oder Massage-Tempel. Und die meisten kann man auch für einen Tag besuchen, ohne dass man in einem solchen Hotel schlafen muss. Perfekt. Wir entscheiden uns für ein Thalasso-Paket im Lopesan Villa del Conde Resort & Thalasso. – Vorher hatte ich nie davon gehört. Thalasso ist Heilkraft aus dem Meer und wird auch zur Behandlung von Krankheiten benutzt. Dafür braucht man aber natürlich mehr als einen Tag Zeit.

Im Lopesan Spa machen wir einen Rundgang durch verschiedene Schwimmbecken mit unterschiedlichsten Temperaturen. – Mal mit mehr und mal mit weniger Salz drin. Im ersten werden die Muskeln angenehm entspannt, denn es gibt unendlich viele Wasserstrahlen: Über Wasser und unter Wasser. In einem anderen Becken ist so viel Salz, dass man von alleine oben schwimmt und schwebt. Super entspannend! Zwischendurch entspannen wir auf warmen Liegen, laufen durch das kalte Kneipp-Becken und lassen unsere Füße von kleinen Steinchen massieren, stehen unter Öl-Duschen, oder sitzen im Dampfbad und zum krönenden Abschluss gönnen wir uns noch eine Massage. So tiefenentspannt wie an diesem Tag war ich noch nie.

Maspalomas: Zauberhafte Dünen im Süden

Nicht abschrecken lassen: Im Süden – gleich neben ein paar Luxushotels – befinden sich auch die wundervollen Dünen von Maspalomas. Das ist auch der Ort für unser Honeymoon-Shooting. Endlose Hügel aus Sand, über die man in Richtung Strand und Meer spazieren kann.

Bei Nacht werden sie vom Wind oft wieder hübsch aufgepustet, so dass man durch unberührten Sand laufen und seine Fußabdrücke hinterlassen kann. Es lohnt sich etwas Zeit mitzubringen und mindestens 15 Minuten zu laufen. Die meisten bleiben nämlich in Sichtweite des Hotels. Sobald man Dünen ganz für sich allein hat, ist es wirklich ein unbeschreiblich schöner Ausblick. Das war einer dieser Momente, in denen ich versucht habe, die ganze Umgebung mit den Augen zu fotografieren und einzuatmen. Damit ich dieses wunderbare Gefühl, das mir der Ort gegeben hat, nie wieder vergesse. 

Hochzeits-Shooting in Maspalomas

Fotos: Raphael Pi Permantier & Aljosa Petric

Wedding Diaries 14: Warum der Freitag der perfekte Tag für eine Hochzeit ist

Wann sollen wir heiraten? Die Euphorie über den Antrag macht sich breit. Langsam aber sicher realisiert man: Wir werden wirklich heiraten! Schon geht die Suche nach Datum und Location los. Wenn ihr nicht zwei Jahre im Voraus planen wollt, könnte der Freitag der perfekte Hochzeitstag für euch sein. Für uns war er es in jedem Fall! Deshalb möchte ich euch heute den Freitag ans Herz legen, denn er wird häufig unterschätzt.

Kurz nach dem Antrag an Heiligabend 2016 haben wir uns auf die Suche nach einer Location gemacht. Und die anfängliche Euphorie à la „wirschaffendasaufjedenFall2017“ die ist schnell verschwunden.

Die meisten Orte, die wir angefragt haben, konnten nur müde lachen, als wir nach einem Samstag zwischen Juni und Ende September gefragt haben. „Sie meinen aber schon 2018? Da hätten wir noch den ein oder anderen Samstag frei.“ Kam dann als Antwort.

Klar: In der Zeit, in der man sich auch in Deutschland mal nicht den Arsch abfriert und eine Chance auf Sommerwetter hat, wollen ALLE heiraten. Irgendwie verständlich. Nur waren wir einfach viel zu spät dran. Nachdem wir einige schöne Locations besucht haben, die allerdings nur noch Freitage frei hatten, haben wir angefangen Pros und Contras zu suchen. Und uns für einen Freitag auf Gut Hebscheid in Aachen entschieden. Da mir viele in den vergangenen Wochen erzählt haben, dass sie gerade vor der gleichen Frage stehen, möchte ich euch die vielen Vorteile des Freitags aufzeigen. Und den einen Nachteil natürlich auch. Vielleicht werdet ihr ja mit dem Freitag genauso glücklich wie wir.

Der perfekte Hochzeitstag: Freitag

Der Nachteil: Die Gäste müssen sich freinehmen

Wenn eine Hochzeit am Freitagvormittag beginnt – erst Standesamt, nachmittags Freie Trauung, danach Essen und dann Party – dann liegt das Grundproblem auf der Hand: Viele müssen sich den Tag freinehmen. Und einen Tag Urlaub für euch opfern. Ja, da brauchen wir nicht drum herum reden. Das ist so. Das gilt zumindest für alle, die ihr bei den frühen Terminen dabei haben wollt. Es gibt ja auch die Möglichkeit erst mit der Familie zu starten und viele Freunde erst später zur Party einzuladen. Aber das ist ein anderes Thema.

Spitzen wir das Ganze zu: Ihr hofft, dass sich eure liebsten Menschen für den wichtigsten Tag in eurem Leben freinehmen. Das kann man doch hoffen, oder?

Fakt ist: Es gibt einige wenige Menschen, die müssen ihren Urlaub sehr lange im Voraus planen. Daher mein Tipp: Schickt so früh wie möglich ein „Save the Date“ raus, damit sich alle die möchten auch wirklich freinehmen können. Bei uns konnte von knapp 100 Gästen genau eine Person nicht kommen, weil es ein Freitag war. Relativ wenig, oder? Die Einladungen haben wir dann entspannt danach entworfen und verschickt.

Unsere DIY-Einladung

Vorteil 1: Der Preis – günstiger heiraten am Freitag

Viele Locations bieten die Termine an Freitagen günstiger an. Das liegt unter anderem daran, dass viel weniger Paare an einem Freitag heiraten wollen. Sogar einige Dienstleister könnt ihr an einem Freitag günstiger buchen. Und es ist wahrscheinlicher, dass euer Lieblings-DJ oder Redner noch verfügbar ist: Die Auswahl ist einfach größer.

Nur durch die Wahl eines anderen Wochentags könnt ihr also die Gesamtkosten etwas reduzieren.

Unsere Tischkarten

 Vorteil 2: Dekoration der Location am Vortag

In den meisten Locations steigen im Sommer am Ende jeden Freitag und Samstag Hochzeiten. Donnerstags allerdings eher selten. Deshalb konnten wir auf Gut Hebscheid zum Beispiel schon Donnerstagvormittag aufbauen und dekorieren. Ein Teil von uns war Blumen schneiden, ich habe Sitzkärtchen und Tischbücher verteilt, wir haben eine Girlande aufgehangen, die Candy Bar aufgebaut… und sogar DJ Christian hat am Vortag schon einen Probeaufbau für sein Equipment gemacht.

Unsere Blumen

Wir hatten viel Zeit eingeplant, waren aber trotzdem schon am Mittag fertig und hatten dann tatsächlich frei. Den ganzen Nachmittag! Das kann ich wirklich jedem Brautpaar empfehlen: Nehmt euch am Tag vor der Hochzeit ein paar Stunden Zeit, um herunterzukommen und zu entspannen. Wir haben uns zum Beispiel nochmal Gedanken über unsere Ehegelübde gemacht. Mit meinen besten Freundinnen war ich noch im Pool im Hotel. Diese entspannte Zeit hat mir persönlich sehr geholfen, um ohne Stress in die Hochzeit am Freitag zu starten. Am Hochzeitstag selbst konnte ich nur an uns, unseren Tag, die Getting Ready Party, das Brautkleid und unser “ja” denken. Ich habe keine Gedanken mehr an den Ablauf oder die Deko verschwendet und konnte jede Sekunde genießen.

Das Paar, das am Samstag nach uns geheiratet hat, konnte erst am Samstagmorgen in die Location und dekorieren. – Nachdem der Raum geputzt war. Dieser Vorteil ist mir tatsächlich erst kurz vor der Hochzeit aufgefallen.

Unsere DIY-Deko: Aufgebaut am Donnerstag

Vorteil 3: Freies Wochenende nach der Party

Der schönste Tag im Leben ist zauberhaft, intensiv, emotional, auch mal anstrengend und lang. Hinterher waren wir unendlich glücklich, dass die Hochzeit viel schöner war, als wir es uns jemals erträumen konnten. Wir waren aber auch komplett müde und kaputt.

Das gehört dazu: Ich glaube danach braucht jedes Brautpaar Ruhe und Zeit. Allein wenn ich mir vorstelle danach nur einen Tag – den Sonntag – freizuhaben und nichts zu tun zu haben und danach geht es schon wieder los mit Arbeit… Unvorstellbar! Selbst eine Reise am Tag danach hätte ich mir nicht vorstellen können. Ich wollte nichts tun. Einfach in meinem Bett liegen, mich über die unendlich vielen Gänsehautmomente am Vortag freuen, die Karten der Gäste lesen, schlafen und die Ruhe genießen.

Und so ging es nicht nur mir als Braut. Auch meine Eltern und viele Freunde und Verwandte haben uns hinterher gesagt, dass sie sich sehr über das freie Wochenende danach gefreut haben. Einige haben noch einen Kurzurlaub in Aachen und Umgebung drangehängt. Andere sind am Samstag entspannt nach Hause gefahren und hatten noch am Sonntag Ruhe und Zeit, bevor die neue Woche wieder losging.

Liebe künftige Brautpaare: Ich persönlich kann euch den Freitag als Hochzeitstag wirklich ans Herz legen. Wir konnten dadurch im Wunschjahr in unserer Traumlocation feiern und hatten danach noch ein ganzes Wochenende Zeit den Tag revue passieren zu lassen, uns an kleinen Momenten zu freuen und zu merken: Es ist wirklich passiert! Wir sind jetzt offiziell verheiratet! Wir sind Herr und Frau Pi Permantier.

Wann heiratet ihr? Für welchen Tag habt ihr euch entschieden?

Nach unserer Freien Trauung

Fotos: Tomek Wozniakowski

Wedding Diaries 13: Unsere Hochzeit – The Big Day

Augen auf. Ist es tatsächlich schon soweit? Ja! Der große Tag ist da. Der Tag, auf den wir neun Monate hingefiebert haben: Unsere Hochzeit. Ich bin ich schlagartig hellwach und es kribbelt überall: Von den Füßen bis hoch in den Kopf. Als hätte ich alleine eine Flasche Sekt geleert. Aber ich bin stocknüchtern. Ich fange von alleine an vor mich hinzugrinsen und springe aus dem Bett. Auf geht’s.

Was hatte ich mir die Tage vor der Hochzeit den Kopf zerbrochen: Was wenn wir krank werden? Was wenn wir verschlafen? Was wenn es aus Eimern schüttet? Was wenn…

Ich mache die Vorhänge auf und sehe Sonne und ein paar Wolken. Perfekt. Krank sind wir auch nicht und verschlafen haben wir natürlich auch nicht. Ich verschlafe nie. Aber ich mache mir gern Sorgen – auch wegen Sachen, die vermutlich nicht eintreten werden.

Entspannt in den Tag starten

Nachdem ich monatelang alle Brautmagazine auswendig gelernt hatte, war klar: An dem Morgen darf kein Stress aufkommen. Also sind wir früh genug wach, um ausgiebig frühstücken und mehrere Kaffee trinken zu können.

Einige verschlafene Hochzeitsgäste gesellen sich zu uns, darunter meine beste Freundin. Gemütlichkeit vor dem Sturm. Ich merke, dass mich heute nicht viel aus der Bahn werfen kann und schalte um in den „Jetzt geht’s los-Modus“. Monatelang habe ich mich auf diesen Tag vorbereitet und mir vorgenommen die Hochzeit in vollen Zügen zu genießen. Komme was wolle. Denn ich kenne mich: Ich rege mich schnell auf oder steigere mich in Dinge hinein, die es nicht wert sind und hinterher habe ich deshalb eine schlechte Zeit. So weit darf es am Hochzeitstag nicht kommen.

Das Styling von Corinna Hof

Getting Ready Party

Punkt acht Uhr ist die Stylistin da, wir teilen uns auf und beginnen unsere zwei Getting ready – Partys: Eine für die Männer und eine für uns Frauen und meinen Trauzeugen. Meine liebsten Mädels sind dabei – aus aller Welt angereist – meine Mama ist da und mein Bruder. Mein Herz macht einen Purzelbaum vor Freude und Dankbarkeit, als ich mich im Hotelzimmer umschaue. So viele Lieblingsmenschen sind gekommen, um an diesem Morgen schon dabei zu sein.

Die Stylistin stylt erst eine Freundin und meine Mama und danach mich. Es fühlt sich an, als wäre ich ein Filmstar, der für einen großen Auftritt fertiggemacht wird. Und ehrlich gesagt ist es ja auch der größte Auftritt, den ich bisher hatte. Haare werden geglättet, gezupft, hochgesteckt, neben dem Blumenkranz verstaut. Und das Gesicht wird so geschminkt, dass es noch nach Athene aussieht (in wach und frisch und strahlend) und dass das Make – Up trotzdem bis spät in die Nacht hält. Genau wie wir es vorab geübt hatten. Mir fällt es schon schwer einen Lidstrich bei mir zu ziehen. Ganz generell. Ich finde es unendlich bewundernswert, was Frau Hof da für eine Arbeit macht: Seelenruhig und gekonnt.

Erst Haare dann Make-Up
Der letzte Check

Die Zeit bis zum Standesamt rennt

Wir stoßen mit alkoholfreiem Sekt an und merken nicht, wie sehr die Zeit rennt. Auf einmal wird es dann doch wuselig: 10:30 wollten wir aufbrechen. Es ist 10:30. Zack zack. Rein ins Brautkleid. Mama und ich hatten das geübt, aber wir sind beide keine Expertinnen, was lange Kleider mit mehreren Lagen Tüll und Reifröcke angeht. Und so braucht es ein paar Anläufe bis ich im Kleid stecke und alles sitzt. Einmal durchatmen. Mit Brautstrauß bewaffnen und los – die eigene Hochzeit wartet. Haben wir alles? Ich hoffe. Der Rest muss improvisiert werden, denke ich bei mir. Und bin froh, dass der Personalausweis und die Ringe sicher bei meinem Trauzeugen lagern. Eine Sorge weniger.

Die Wahrheit: Jede Braut braucht einen Schleppenträger

Standesamt: Der Märchentraum im Weißen Saal

Ich liebe Aachen, meine Heimat, meine Lieblingsstadt: Wunderbare Architektur, süße Gässchen und ein pompöses gotisches Rathaus, das um 1350 gebaut, mehrfach zerstört und restauriert wurde. In diesem Gebäude befindet sich sogar der alte Krönungssaal, wo heute noch der Karlspreis verliehen wird. Ich war wirklich begeistert, als ich herausgefunden habe, dass man im „Weißen Saal“ standesamtlich heiraten kann. Das ist natürlich etwas teurer als klassisch in einem Trauzimmer im Standesamt zu heiraten, für mich allerdings auch viel schöner. Außerdem kommt hinzu, dass man im „Weißen Saal“ mehr als 70 Leute unterbringen kann. Die meisten davon müssen allerdings stehen.

Zur Sicherheit: Braut und Bräutigam gehen verschiedene Wege

Raphael und seine Jungs sind schon auf dem Weg, als wir um 10:44 endlich im Auto in Richtung Stadt sitzen. Um 11:30 beginnt die Trauung. Allerdings wollte ich eigentlich um kurz vor 11 da sein. Für falls. Fest steht, dass daraus nichts wird. Fest steht allerdings auch, dass trotzdem noch genug Zeit ist. Wir fahren in die Stadt, stellen das Auto im Parkhaus ab und laufen enstpannt in Richtung Markt. – Einmal durch die Annastraße und dann in Richtung Markt bis zum Katschhof. Dort treffen wir meinen Vater, denn er wird mich in den Saal begleiten.

Mit Raphaels Truppe hatten wir vorher ausgemacht, dass sie einen anderen Weg gehen, damit wir uns nicht treffen.

Auf dem Weg in den Weißen Saal.

Ich genieße jede Sekunde

Als wir auf dem Katschhof ankommen, wartet Thomas da in der strahlenden Sonne. Wo kommt die denn her? Die ganze Woche über hatte es geregnet und auf einmal kämpft sie sich durch. Es ist schon ein besonderes Gefühl im Brautkleid quer durch die Altstadt von Aachen zu laufen: Überall bleiben Menschen stehen, wünschen alles Gute, manche kichern, andere schicken bewundernde Blicke und sagen motivierende Dinge. Das Beste: Ich kann jede Sekunde genießen.

Einzug zu Geigenmusik

Die Gesellschaft auf dem Markt verschwindet mitsamt dem Bräutigam im Rathaus. Auch mein Bruder ist auf einmal weg. Er sollte uns eigentlich ein Zeichen geben, da er aber Trauzeuge ist, wird er nicht mehr aus dem Saal gelassen. Eine Freundin checkt für uns die Lage und gibt uns das “Go”. Langsam steige ich die Treppe zum Rathaus hinauf. Bloß nicht hinfallen, denke ich. Aus dem Saal klingt Geigenmusik, die ein Freund der Familie live für uns spielt. Ich liebe es!

Unser First Look

Unser First Look im Rathaus

Mein Herz macht einen dreifachen Salto als ich um die Ecke biege und den Weißen Saal mitsamt der Freunde und Familie sehe: Goldene Verzierungen an der Decke, lächelnde Gesichter und vorne steht er. Raphael. Ich könnte ewig weiterlaufen, aber der Weg bis zu ihm ist zu kurz. Als wir uns zum ersten mal sehen, bin ich wirklich geflasht: Von ihm und von diesem Moment. So oft hatte ich mir ausgemalt, wie es sein würde auf Raphael zuzulaufen. Und plötzlich ist der ersehnte Moment da. Ich sehe Tränen in seinen Augenwinkeln und bin sicher er hat auch welche in meinen erblickt. Liebe, Sonne, Herz, Vertrauen, Freude, Zuversicht, jetzt, du, ich, wir. Alles fügt sich.

Der Weiße Saal im Rathaus

Eine aufgeregte Standesbeamtin strahlt uns an

Als ich die Standesbeamtin bemerke, stelle ich fest: Sie ist noch aufgeregter als wir. Vielleicht hat auch sie der Moment gepackt? Vielleicht ist ihr Herz offen für Geigenmusik? Keine Ahnung – aber verständlich wäre es. Jedenfalls muss sie sich erst sammeln, bevor sie anfängt zu sprechen und Worte über uns und unser Kennenlernen zu verlieren. Ich hatte ihr extra vorher ein paar Zeilen über unsere Geschichte zukommen lassen und sie hat sich gut auf diesen Moment vorbereitet: Das ist keine 0815 Rede, die sie hält. Es geht nur um Raphael und mich. Sie hatte keine Ausbildung zur Rednerin, das merkt man schon. Aber ich finde es in dem Moment einfach klasse, wie sie sich ihren Job zu Herzen nimmt und unsere standesamtliche Eheschließung unverwechselbar werden lässt.

The Kiss

Beim Kuss prickelt es mehr als je zuvor

Endlich dürfen wir beide nacheinander „Ja“ zueinander sagen und unterschreiben. Dann ist der große Moment des Kusses da. Wir sind offiziell verheiratet. Wow. Die Zeit steht still. Ist irgendjemand da? Keine Ahnung. Egal. Unter meiner Haut prickelt es stärker als je zuvor. Und in dem Moment wird die Liebe für mich greifbar. Zwischen uns. Einfach da. Einfach gut. Einfach wir.

Wie gern hätte ich in diesen Momenten die Zeit angehalten. Nun schreibe ich sie auf, damit ich mich für immer an diesen süßen Tag – an unsere Hochzeit – mit allen Momenten erinnern kann.

Kurz nach dem “Ja-Wort”

Gratulation auf dem Marktplatz – und die Sonne feiert mit

Schon auf der Treppe des Rathauses beginnen Menschen zu gratulieren, langsam arbeiten wir uns vor auf den Marktplatz und nehmen dankbar die vielen guten Wünsche und Umarmungen entgegen. Danach versuchen wir noch alle Konstellationen an Freunden und Familie auf verschiedene Fotos zu bekommen. Denn fest steht: All diese Menschen bekommen wir erstmal nicht mehr an einen Ort. Erst bei der nächsten Hochzeit wieder. Also formieren wir uns auf dem Katschhof auf der Treppe. Die Sonne strahlt fast ein bisschen zu sehr. Manch einer tut sich schwer die Augen offen zu halten. Aber ich hatte mir die Sonne so sehr gewünscht, da will ich sie nicht verteufeln. Schön, dass auch sie mit uns feiert.

Sektempfang in der Annastraße

Mit der ganzen Gruppe laufen wir anschließend gemütlich zum Laden meiner Mutter in der Annastraße. Vor ihrem Geschäft hat ein Freund ein Zelt aufgebaut. Es gibt Sekt und kleines Laugengebäck. Die Familien lernen sich kennen und Raphael und ich können durchatmen. Der erste Schritt ist geschafft! Jetzt stoßen auch wir mit richtigem Sekt an und freuen uns, frisch verheiratet zu sein. Fühlt sich gut an. Und leicht. Und aufregend.

Shooting in der Altstadt

Nach einer Stunde setzen wir uns ab. Gemeinsam mit den engsten Freunden und dem Fotografen machen wir noch ein paar Bilder in der Aachener Innenstadt. Viel zu schön ist es hier, um die Kulisse nicht zu nutzen.

Mit einer Engelsgeduld zubbeln die Mädels mir die Schleppe und die vielen Lagen des Kleids immer wieder zurecht, reichen mir Puder und bringen uns zum Lachen. Ich kann jedem nur empfehlen, sich Leute zu suchen, die einen an jenem Tag unterstützen. Es gibt so viele Aufgaben und wenn man sie auf viele Schultern verteilt wird es für keinen stressig. Die Mädels zum Beispiel hatten einzig die Aufgabe an dem Tag für mich da zu sein. Und das waren sie – von morgens bis abends!

Wir. In Aachen

Freie Zeremonie auf Gut Hebscheid – mein Highlight

Heiratet ihr kirchlich oder standesamtlich?“ „Standesamtlich und am Nachmittag soll es bei unserer Hochzeit noch eine Zeremonie im Freien geben.“ So war unser Wunsch. Und so haben wir es dann auch geplant.

Nach einer Pause finden sich um 17:30 die Gäste an unserer Location „Gut Hebscheid“ ein. Im Hof stehen Bierbänke, ein Pavillon, Tisch, Blumen und Stühle. Der DJ hat Mikrophone und Lautsprecher aufgestellt und an einer Seite hat sich der Chor meiner Mutter formiert. Es sieht viel schöner aus, als ich es mir am Vortag erträumt habe. Romantisch, ein bisschen rustikal und Vintage und gleichzeitig trägt es unsere Handschrift. Ich fühle mich wohl.

Unser gemeinsamer Einzug

Einzug des Brautpaars zu „Bridge over troubled water“

Der Chor stimmt „Bridge over troubled water“ an, Raphael und ich nehmen uns bei der Hand und gehen diesmal gemeinsam rein. Vorbei an den vielen bekannten und geliebten Gesichtern der Menschen, die sich freuen uns zu sehen. Vorne wartet Reni – sie ist eine Kommilitonin von Raphael und unsere Hochzeitsrednerin. Im Vorfeld hatten wir sie getroffen und ihr unsere Geschichte bis ins kleinste Detail erzählt, damit sie Stoff hat für ihre Rede heute. Ich wusste vorher, dass sie es perfekt machen würde. Aber als sie anfängt zu reden, haut sie mich wirklich um.

Unsere Trauzeremonie

Die Hochzeitsrede mit Liebe zum Detail

Mit viel Liebe, tausend Details und einem Lächeln auf den Lippen erzählt sie, wie Raphael und ich zueinander gefunden haben. Dass uns die Familie und Freunde wichtig sind, immer einen Platz bei uns haben. Sie erzählt von unserer gemeinsamen Passion: Dem Reisen. Und macht unsere Liebe durch ihre Rede greifbar und erlebbar. Immer wieder habe ich Gänsehaut und merke, dass mein Herz vor Glück zu platzen droht.

Hinterher sprechen Raphaels Eltern einen Segen für uns beide und geben uns ihre Wünsche mit auf den Weg und danach singt meine beste Freundin Vanesa „Save the best for last“ für uns. Den Text hat sie an unsere Situation angepasst und spätestens jetzt sehe ich viele Gäste nach Taschentüchern kramen. Auch ich brauche eins. Ihre Stimme trifft mich mitten ins Herz. Gesang bei der Hochzeit toppt alles.

Während der Freien Trauung

 Kein “Ja”, aber ein Eheversprechen

Wir haben uns entschieden in dieser Zeremonie nicht noch einmal „ja“ zueinander zu sagen. Stattdessen wollen wir uns im Rahmen der Hochzeit ein paar persönliche Worte sagen: Unsere Eheversprechen, die wir extra füreinander geschrieben hatten. Vor diesem Moment hatte ich besonders viel Angst. Ich habe mich gefragt, ob mir wohl die Stimme wegbleibt. Ob ich stocke und nicht weitersprechen kann. Raphael ging es vermutlich ähnlich. Es ist was ganz anderes im Radio zu sprechen als vor Freunden und Familie, finde ich. Ich war aufgeregt wie noch nie. Aber als der Moment dann da war, hieß es durchatmen und sprechen. Und am Ende ist es ganz einfach. Keine Ahnung welcher Hebel in mir sich da von alleine umgelegt hat. Aber die Worte kamen wie von allein aus mir heraus.

Vor unserem Eheversprechen

Gänsehaut im Herzen

Als Raphael nach mir spricht, ist die Welt einfach perfekt. Ich bin sicher: In diesem Moment bin ich die glücklichste Braut der Welt. Wie kleine Glühwürmchen nehme ich die Liebe zwischen uns wahr. Sie ist greifbar. Da. Warm. Liebevoll. Gütig. Herzlich. Und echt. Nie zuvor habe ich so etwas erlebt.

Beim Auszug danach singt der Chor extra für uns „Your Song“. Und ich kann nicht mehr aufhören zu grinsen. Unsere Gäste pusten Seifenblasen und wir laufen lachend und tanzend an ihnen vorbei. Umgeben von unendlich vielen Blasen, die eine märchenhafte Kulisse zaubern. Die Zeremonie war und ist für mich das Herzstück unserer Hochzeit. Der Unbezahlbar- und Unvergesslich- Moment, den ich sorgfältigst in meinem Herzen verstaut habe.

Unter Seifenblasen ist das Leben doppelt schön.

Erst Essen, dann Party: Augen zu und tanzen

Von einem langen Tag gibt es viel zu erzählen! Nach der Zeremonie und einem kleinen Sektempfang im Hof dürfen sich die Gäste in der Scheune hinsetzen und ihre Nachbarn kennenlernen. Wir haben versucht die Sitzordnung so zu gestalten, dass jeder bekannte Gesichter in seiner Nähe hatte – aber auch die Chance hatte ein paar neue Menschen kennenzulernen. Die Scheune ist voll: 11 Tische gibt es insgesamt. Jeden einzelnen haben wir dekoriert.

Der Zeremonienmeister kümmert sich um den Ablauf

Durch das Abendprogramm führt unser Freund Kim. Er ist auch unser Zeremonienmeister und damit zuständig für die Programmpunkte, den Ablauf des Abends und die Ansagen. Den Rahmen hatten wir gesteckt: Nicht zu viele Beiträge, jeder Beitrag darf maximal 5 Minuten lang sein und keine klassischen Hochzeits-Spiele. (keinen Baumstamm zersägen etc.)

Unser Zeremonienmeister Kim

Hochzeitsspiele nein – Wortbeiträge gern

Da mag jetzt nach Spielverderbern klingen, aber das kann ja jedes Paar machen wie es möchte. Bei mir ist es so: Auf jeder Hochzeit, wo ich bisher war, habe ich mich bei Spielen wie „Baumstamm sägen“ oder „Bräutigam füttern“ wahlweise gelangweilt oder fremdgeschämt. Warum sollte das dann also am schönsten Tag des Lebens auf unserer Hochzeit stattfinden? Es gibt keinen Grund.

Was ich allerdings sehr gerne mag, sind Reden. Für mich das Highlight auf jeder Hochzeit, wenn sie nicht zu lang dauern. Deshalb hatte ich mir explizit eine solche von meinem Vater gewünscht und die hält er gleich zum Start in den Abend. Einfach toll – das beste Geschenk überhaupt!

Zwischen den Gängen werden Reden gehalten

Daraufhin gibt es Vorspeise. In dieser Location wird ausschließlich Buffet angeboten. Wenn man genug Zeit und Puffer einplant ist das auch eine schöne Sache, denn so stehen die Gäste immer wieder auf und es gibt Bewegung im Raum. Zwischen Vor- und Hauptspeise halten Raphaels Eltern gemeinsam eine Rede und finden viele zauberhafte Worte für uns.

Immer wieder schaue ich mich in der Scheune um: So viele Menschen sind gekommen, um mit uns zu feiern. Das ist schon außergewöhnlich, finde ich. Und mein Herz hat sich über den Tag hinweg immer mehr mit Dankbarkeit gefüllt.

Ich bin überrascht wie lecker das Essen ist. Italienisches Buffet steht auf der Speisekarte und von Lachs-Lasagne bis hin zu Schnitzelchen schmeckt alles ausgezeichnet. Nach der Hauptspeise gibt es noch zwei Filme für uns, die Freunde vorbereitet haben. Für uns eine komplette Überraschung –und der ganze Saal hat was zu lachen. Natürlich auch auf unsere Kosten. Aber im Guten, falls ihr versteht, was ich meine.

Unsere Lemon Basier Torte

Die Torte gibt es zum Nachtisch

Zum Nachtisch gibt’s die lang ersehnte Lemon Baiser Torte auf mehreren Stockwerken. Ein wahres Kunstwerk. Der DJ legt “Candyman” auf und wir schneiden die Torte an. Beziehungsweise wir probieren es – das ist gar nicht so leicht (so ohne Fondant), denn die Torte fällt schnell auseinander. Schon beim ersten Bissen weiß ich wieder genau, warum wir diese Torte beim Café zum Mohren gewählt haben. Viel zu lecker, leicht und zitronig. Sie hat zum Glück auch den Gästen sehr gut geschmeckt: Am Ende war viel weniger übrig, als erwartet. Und trotzdem konnten wir uns noch am nächsten Tag daran sattessen.

Und die Torte schmeckt auch noch!

Der Eröffnungstanz zu Aschenbrödel

Gegen 22 Uhr ist es Zeit Tische wegzuräumen und mit dem Eröffnungstanz den späten Abend zu beginnen. Denn für diese Zeit haben wir noch mehr Freunde eingeladen. Ein heikler Punkt in der Abendplanung, denn wir wollen natürlich nicht, dass die Gäste auf einmal im Raum stehen, alle essen und für sie gibt es keinen Platz.

Aber Zeremonienmeister Kim hat alles im Blick und kümmert sich darum, dass die Tische zur richtigen Zeit abgebaut werden. Und als die ersten Gäste reinkommen, nimmt er sie noch vor uns in Empfang und schafft die perfekte Überleitung bis wir bereit stehen zu tanzen.

Der Hochzeitstanz – ein Moment nur für uns.

Beim Tanz fühle ich mich wie eine Prinzessin

Ihr wisst: Ich bin kitschig veranlagt und schaue um Weihnachten herum seit der Kindheit „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Also Kitschbox auf: Deshalb hatte ich mir gewünscht auf den Song aus dem Film zu tanzen. – Also auf genau den Song, zu dem Aschenbrödel mit dem Prinzen tanzt. Und so kam es dann auch. Raphael hat sich darauf eingelassen. Auf genau diesen Song haben wir Walzer geübt und meinen Märchentraum wahr werden lassen. Kitschbox zu.

Tanzen = Glück

Danach sollte es keine Pause geben. Die Party sollte sofort starten. Und damit der DJ es beim Start leicht hat, hat eine Freundin, die Sounddesignerin ist, uns die folgenden Songs zusammengebaut: Ein Walzer für alle. Und danach ein genialer Übergang zu Fatboy Slim – Rockafeller Skank. Es funktioniert: Viele Leute trauen sich von Anfang an zu uns auf die Tanzfläche. Das war einer dieser Punkte, die ich mir gewünscht hatte: Dass möglichst viele Gäste mit uns tanzen. Ich finde: tanzen macht glücklich. Und an einem solchen Tag, an dem man so viele Erinnerungen sammelt, ist tanzen die perfekte Krönung. Ich schmeiße die Volants von meinem Kleid durch die Gegend, drehe mich wild im Kreis und freue mich über das Leben.

Die Wahrheit: Sneakers sind die perfekte Alternative am späten Abend

Sneaker zur Hochzeit – das perfekte Andenken

Irgendwann ist es Zeit für die Hochzeits-Sneaker. Schuhe, die wir uns extra für diesen Tag designt und bestellt haben – mit unserem Datum drauf. Und weiter geht’s. Springen, drehen, ein paar Latino-Songs gröhlen.

Und am Ende des Abends der krönende Abschluss: Queen – Don’t stop me now. Gemeinsam mit den letzten Gästen setzen wir das i-Tüpfelchen auf diesen Abend und feiern das Leben. Ich habe mich noch nie so glücklich und lebendig gefühlt. Es lohnt sich wirklich die Liebe mit einem großen Fest zu feiern. Ich kann es jedem empfehlen. Und während ich den Punkt hinter diese letzten Worte setze, spüre ich wieder dieses Kribbeln. Es ist wirklich passiert. Das war unsere Hochzeit. Und für uns war sie einfach… perfekt. Eine wundervolle Zeit seit dem “Ja” zum Verlobungsring an Weihnachten.

P.S. Tipps packe ich hinter diesen langen Text keine mehr. Aber zu allen Abschnitten wird es noch einzelne Artikel und „How tos“ geben. – Voller Tipps.

Für mich ein ganz besonderes Bild: Klassisch, grün und mit der Hochzeitsjacke meiner Oma

Fotos: Tomek Wozniakowski und Martin Permantier

Wedding Diaries 11: How I said yes to my dress – der Kauf des Brautkleides

Der Kauf eines Brautkleides hat etwas Magisches. Ich glaube das liegt daran, dass man dabei komplett auf Herz und Bauch hören und den Kopf abschalten muss. Es ist wirklich so, wie sie erzählen: Brautkleid und Braut müssen sich finden. Und während dieses Prozesses habe ich viel über mich gelernt. Hier geht’s zu meinem persönlichen “Wow-Moment”.

Meine Knie zittern, als ich gemeinsam mit zwei Freundinnen auf dem Weg zum Hochzeitshaus in Karlsruhe bin. Dabei war ich vorbereitet: Wochenlang hatte ich Bilder gesammelt, Links gespeichert und mir überlegt wie das Brautkleid aussehen könnte. Und doch hatte ich keine Ahnung. Denn ich hatte noch nie ein langes Kleid an. Und hier beginnt das Spiel. Das Einzige, was ich sicher wusste, war: Ich wünsche mir ein langes Brautkleid, Farbe Ivory. (nicht reinweiß, sondern elfenbeinfarben)

Aber steht mir das überhaupt? In meinem Ausweis steht, dass ich 1,60 Meter groß bin. Und wenn ich ehrlich bin, dann sind es höchstens 1,59.

Würde ich ein Kleid finden, das bezahlbar ist, mir gefällt und mir auch noch gut steht? Es fühlt sich an, als wäre ich auf der Suche nach der perfekten Zahlenkombi für einen Lottogewinn. Und wir wissen ja alle, wie unwahrscheinlich es ist diese zu knacken.

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Mein Wunsch: Ein Brautkleid zum Tanzen, lieben, wohlfühlen. Hier trage ich es auf Gran Canaria – Bild: Aljosa Petric

Versuch 1 im Februar: Hochzeitshaus Karlsruhe

Das Hochzeitshaus in Karlsruhe ist riesig. Die Verkäuferin bringt uns zu unserer Umkleide und ich bin gleich erstmal enttäuscht: Uns wird kein Sekt angeboten. Bekommt man hier wohl nur, wenn man sein Kleid findet. Dann trinken wir halt Wasser und Kaffee. Um uns herum überall Kleider in verschiedenen Weiß-Tönen. Ein Mädchen-Wunderland aus Tüll. Am liebsten möchte ich sofort losrennen und alle Kleider anfassen. Das ist hier aber nicht erlaubt. Die Verkäuferin fragt mich nach meinen Wünschen und sucht daraufhin Kleider für mich heraus. Also erzähle ich ihr alles, was ich bis dahin weiß: „Ich suche ein schlichtes, langes Kleid. Keine Prinzessin. Kein Mermaid. Kein Godet. Kein Empire. Kein Glitzer. Kein Reifrock. Es soll nicht zu schwer sein. Und unser Budget liegt bei maximal 1.500 Euro.“

Allein über die verschiedenen Schnitte könnte man eine Klausur schreiben. Sehr kompliziert alles für jemanden, der mit langen Kleidern bisher nichts zu tun hatte. Aber die Verkäuferin spricht natürlich meine Sprache und bringt mir ein Kleid nach dem anderen in die Kabine. Sie hat meine Anweisungen genau befolgt und doch fühle ich mich in 80% der Kleider unwohl. Leider durfte man in diesem Laden keine Fotos machen, sonst könnte ich euch zeigen warum. Viele der langen, fließenden, leichten Kleider haben mich aussehen lassen, als wäre ich noch kleiner. Und wenn der Rock unten auf der Hüfte erst breiter wird, sieht es aus, als hätte ich kurze Stummelbeinchen. Und was ich vorher auch nicht wusste: Grobe Spitze steht mir gar nicht.

Die Richtung steht: Es wird eine Prinzessin

Schließlich bringt mir die Verkäuferin ein romantisches Prinzessinnenkleid mit Corsage. Der Tüllrock ist mit kleinen Punkten verziert und als Highlight binden wir einen Seidengürtel in altrosa um die Hüfte. Oh ja. Ich merke wie sich mein Körper von allein aufrichtet und ich anfangen muss zu lächeln. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl: In die Richtung könnte es gehen. Allerdings ist mir das Kleid vom Gewicht her zu schwer. Und der Stoff fühlt sich nicht besonders hochwertig an. Das ist es noch nicht. Aber meine Begleiterinnen und ich sind uns einig: in die Richtung könnte es gehen. Bye bye fließendes Kleid. Es wird wohl eher nichts Schlichtes. Erste Lektion gelernt: Fotos reichen nicht. Am Körper muss man es spüren.

Versuch 2 im April: Rena Sposa, Stuttgart

Mit dem Wissen der ersten Anprobe habe ich weiter recherchiert – nach Kleidern, die mir gefallen könnten. Einen Oooooh-Moment hatte ich, als ich im Netz eine Ballet-Brautkleid-Fotostrecke entdeckt habe mit einem romantischen Kleid mit Volant-Rock. Das ist es!! Ein leichtes Kleid mit einem mehrstufigen Rock. Wie früher, als ich Fee spielen wollte. Leicht und doch viel Stoff, romantisch verspielt. Ich finde Kleider, die mir in dieser Richtung gefallen könnten bei den Marken Watters und Enzoani. Deshalb vereinbare ich den nächsten Termin bei einem Brautladen in Stuttgart, der diese Marken führt. Diesmal ist nur meine Mama dabei. Auf dem Weg nach Stuttgart bitte ich sie darum, mich mit ihrer Meinung bestmöglich zu unterstützen. Nur einen Satz bitte ich sie sich zu verkneifen: „Willst du nicht doch ein kurzes Kleid anprobieren?“ Sie hatte mir vorher schon gesagt, dass sie sich nur schlecht ein langes Brautkleid an mir vorstellen kann. Aber das mit dem langen Kleid hatte ich mir in den Kopf gesetzt. Das stand fest.

Im Rena Sposa darf man Fotos machen und Kleider selbst aussuchen. Gleich zwei Dinge, die mir viel besser gefallen. Auch, dass das Geschäft deutlich kleiner und familiärer ist, mag ich sehr. Ein großer Raum voller unterschiedlicher Traumkleider.

Gemeinsam suchen wir ca 6 Kleider aus und es geht los. Ein Kleid hat es mir besonders angetan, weil es den Kleidern ähnelt, die ich im Netz gefunden habe: Extravaganter Volant-Rock, Herzausschnitt, kurze Corsage, keine Träger, ultra romantisch. – Marke: Watters. Ich verschwinde mit der Verkäuferin hinter einem großen Vorhang, während es sich meine Mama auf der riesigen Couch davor gemütlich macht.

Was wenn mir das Traumkeid nicht steht?

Meine Beraterin fragt mich mit welchem Brautkleid ich anfangen möchte und ich sage: „Mit dem von Watters – mit dem schönsten. Dann kann ich mir meinen Traum gleich abschminken, falls es mir nicht steht.“ Keine Ahnung warum das aus meinem Mund kommt. Irgendwie habe ich Angst: Dieses Kleid ist einfach zu schön für diese Welt. Es kann unmöglich gut an mir aussehen. Und doch ist da dieses kleine Fünkchen Hoffnung, dass es – falls es doch passen sollte – DAS Kleid sein könnte.

Kribbeln im Bauch

Ich hebe die Arme, die Beraterin wirft mit gekonnt das Kleid über, fixiert es hinten mit zwei Klammern an meinem Körper damit es passt und der Vorhang geht auf. Noch bevor meine Mama irgendwas sagen kann. Noch bevor ich mich im Spiegel sehe, habe ich ein unbekanntes Kribbeln im Bauch. „Wow,“ sagt meine Mama. „Dir stehen tatsächlich lange Kleider. Das bist genau du. Wie ich dich immer gekannt habe.“ Und endlich sehe ich es auch. Ein luftiger, langer Traum in Ivory. Durch den stufigen Volant-Rock wirke ich in diesem Kleid nicht zu klein – sondern genau richtig. Vergessen sind die Kleider, in denen ich daherkam. Meine Augen leuchten und ich kann nicht mehr aufhören zu grinsen. „Es passt ja doch,“ stammel ich. Und die Beraterin lacht: „Klar, das ist genau dein Schnitt.“ Und das ist es. Macht euch keine Gedanken über die Größe, die im Kleid steht oder darüber, was nicht gut aussieht. Es gibt Kleider für jede Figur. Man muss sie nur finden. Und das ist schwer genug.

Das Kleid liegt angenehm auf der Haut, ich tanze von rechts nach links durch den Raum und es fühlt sich einfach genau richtig an. Wir stoßen mit Sekt an und es geht weiter.

Aber nur ein Kleid anprobieren, wäre ja öde. Also ziehe ich auch noch ein paar andere Kleider an, die mich immer wieder bestätigen: Selena von Watters. DAS ist mein Kleid. In den anderen wirke ich mal klein, mal breit, mal sind sie mir einfach zu schlicht.

Plötzlich Prinzessin

Und tadaaaa: Ich bin tatsächlich zur Prinzessin mutiert! Wie konnte das passieren? War ich das vielleicht insgeheim schon immer? Und wollte es nur nicht wahrhaben? Meine Mama würde jetzt sicher rufen: „Ja.“ Aber im Grunde tut es nichts zur Sache. Wichtig ist nur dieses einzigartige Gefühl im Herzen und im Bauch. Darauf gilt es zu hören.

Am Ende ziehen wir „Selena“ noch einmal an – zur Sicherheit – und schon grinse ich wieder mit mir selbst um die Wette. Nur eine Sorge habe ich: Könnte mir das Brautkleid auf Dauer zu schwer werden? Ich bitte die Schneiderin um Rat und sie zeigt mir, dass man ohne Probleme einige Lagen Stoff aus dem Kleid herausnehmen kann, ohne dass es seine Form verliert. Puh. Perfekt!

Aber einmal drüber schlafen – das muss drin sein. Außerdem haben wir am nächsten Tag noch einen Termin. Gleich danach will ich mich bei „Rena Sposa“ melden, damit sie mir das Kleid bestellen und anfertigen lassen.

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Kann man sehen, wenn eine Braut “ihr” Brautkleid gefunden hat? Ich denke ja!
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Und zwar auf den ersten Blick… im Vergleich zu den anderen Kleidern

Versuch 3 im April: Jolie in Bruchsal

Das Jolie in Bruchsal ist ein echter Kitschtraum für Vintage-Bräute. Zu Beginn meiner Brautkleidsuche war ich sicher, hier etwas zu finden. Hier gibt es Kleider von Küss die Braut und Anna Cara. Viel Spitze und leichte Stoffe. Alles was das Boho-Herz begehrt. Nur bin ich zu diesem Zeitpunkt ja längst auf dem Prinzessinnendampfer unterwegs. Ob ich da noch etwas finden kann?

Im Geschäft fühl man sich, als wäre man in eine romantische „Dawanda-Welt“ eingetaucht. Schöne Altbau-Räume, nostalgisch eingerichtet. Die Möbel und die Bilder an der Wand sind allerdings nicht wirklich alt. Irgendwas ist unstimming. Eine Freundin und meine Mama sind dabei und letztere fällt ihr Urteil als Designerin schnell: Die Einrichtung geht ihrer Meinung nach gar nicht. Ganz so drastisch sehe ich es nicht, ist aber auch egal, denn wir wollen ja Kleider shoppen und nicht einziehen. Ein drittes Mal erzähle ich der Beraterin was ich suche. – Auch, dass ich inzwischen einen weiten Tüllrock wünsche. Und, dass das Kleid bitte nicht zu schlicht und fließend sein soll, weil mir das leider nicht steht.

Ein Traum für Vintage-Bräute

Wir laufen durch den Raum mit Kleidern und es ist gar nicht so einfach: Lauter Kleider, die ich mir toll an anderen Frauen vorstellen kann. Aber nicht mehr an mir. Genau zwei Kleider schaffen es in die engere Auswahl. Ein paar andere ziehe ich an um zu sehen, ob es nicht doch etwas sein könnte. Aber nein. Könnte es nicht. Die zwei Prinzessinnenkleider durfte ich euch leider auch nicht fotografieren. Eins davon hätte mir dann doch noch fast mein Herz gestohlen. Wenn Selena da nicht schon einen festen Platz drin gehabt hätte.

Hier hat meine Beraterin aber auch nicht gut aufgepasst. Ich ziehe den Tülltraum in Champagner an und tanze in den Raum hinein. Und wir sind uns einig, dass es wirklich toll aussieht – sehr viel Tüll und dabei sehr hochwertig gearbeitet. Toller Stoff, genialer Schnitt. Und als ich die Beraterin frage, was es denn kostet, wird ihr blass um die Nase. Denn das Kleid sieht nicht nur hochwertig aus. Es ist auch noch von einem teuren Designer – Spose di Gio. Und soll eigentlich 4000 Euro kosten. Ich lache und denke mir: Wie praktisch, die Entscheidung ist gefallen. Auch wenn sie mir mit dem Preis noch etwas entgegenkommen wollen, merke ich, dass es das einfach nicht ist. Das Gefühl kommt einfach nicht an das heran, was ich am Tag zuvor in Stuttgart empfunden habe. Wir verlassen den Laden, ich zücke mein Handy und schaue mir das Bild von mir in „Selena“ noch einmal genau an und sage: „Das ist es. Und sonst nichts.“

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Nach der Entscheidung in “meinem” Brautkleid: Die Volants sind und bleiben für mich das Highlight
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Details des Brautkleids: Die Blumen am Rücken

Die Entscheidung und das Wiedersehen mit dem Brautkleid

Völlig glücklich rufe ich in Stuttgart an und verkünde meine Entscheidung für das Kleid „Selena“. Die Chefin am Telefon freut sich mit mir gemeinsam und verspricht das Kleid zu bestellen. Geschafft! Da ich mich innerhalb weniger Tage entschieden habe, bekomme ich Rabatt auf das Kleid und zahle am Ende ca 1100 Euro dafür. Hinzu kommen am Ende natürlich noch die Änderungen. Und die Accessoires. Dafür komme ich an einem späteren Termin wieder. Schuhe finde ich hier leider nicht. Aber eine kleine Tasche, die ich mir in unserer Hochzeitsfarbe Lagune einfärben lasse.

Es ist ein tolles Gefühl wieder in dem Laden zu stehen: Mitten zwischen den vielen Kleidern, die mit Sicherheit andere Bräute glücklich machen werden. Manchmal träume ich ganz heimlich davon, nebenher auch Kleider zu verkaufen. Und die wahren Wünsche der Bräute zu verstehen. Ich quetsche die großartige Verkäuferin über ihren Job aus und sehe endlich das Kleid wieder. Beziehungsweise ich lerne MEIN Brautkleid kennen. Extra für mich gefertigt.

Accessoire-Termin

Heute darf ich dazu alle Jäckchen, Boleros, Handschuhe und Haarteile anprobieren. Sogar einen Schleier probiere ich an, um mich dann – wie erwartet – dagegen zu entscheiden. Auch wenn manche Berater bei „Tüll und Tränen“ im Fernsehen behaupten: Ohne Schleier ist man keine echte Braut. Ich sehe das anders. Ich finde Schleier bei anderen manchmal schön. Aber ich persönlich hätte mich damit nur verkleidet gefühlt. Wieder so ein Shopping-Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Ich habe mich in dem Laden wirklich top beraten gefühlt und die Verkäuferinnen haben mit mir gestrahlt. Es war als würde man mit Freunden shoppen gehen, die viel mehr Ahnung von Mode haben als man selbst. Und die einem dadurch unbezahlbare Tipps geben können – bis ihr euer Brautkleid gefunden habt.

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Damit das Brautkleid leichter wurde, haben wir einige Lagen Tüll entfernt.
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Das Änderungskonzept der Schneiderin: Alles wurde auseinander genommen.

Änderungen in der Schneiderei

Ein letzter Schritt fehlt noch, bis ich mit dem Kleid auf meiner eigenen Hochzeit tanzen kann. Es muss mir noch passen. Bestellt haben wir das Kleid im April. Ende Juli ist es endlich da. Ende August ist der Termin bei einer Schneiderin, die mit dem Hochzeitsgeschäft kooperiert. Im April hätte es sein können, das mir das Kleid am Ende eine Nummer kleiner passt. Aber genau weiß das keiner. Und ich wollte nicht am Ende vor der Hochzeit hungern müssen, um ins Kleid zu passen. Was für ein schrecklicher Gedanke! Also habe ich das Kleid größer bestellt und wusste: Da ist noch einiges dran zu nähen. Aber Brautkleider müssen zu 99 Prozent geändert werden. Fast niemand trägt Standardgröße.

Als ich im August endlich auf dem Weg nach Stuttgart für den Termin zum Abstecken bin, werde ich angerufen, weil meine Schneiderin einen medizinischen Notfall hat. Der Termin bei ihr kann nicht stattfinden. Da die Verkäuferinnen im Geschäft wissen, dass ich von weit her komme und bald heirate, helfen sie sofort. Sie setzen alle Hebel in Bewegung und besorgen mir einen Termin bei einer anderen Schneiderin ihres Vertrauens. Sie schiebt mich dazwischen. Ich habe nicht einmal Zeit mir Sorgen darüber zu machen. Völlig untypisch für mich, denke ich einfach: Das muss jetzt klappen.

Wenig Zeit – viel Vertrauen

Zusammen mit meiner Mutter gehe ich in das Atelier von Johanna Beerwerth. Urig eingerichtet und verwinkelt. Man merkt, dass Frau Beerwerth viel zu tun hat. Trotzdem nimmt sie sich Zeit und nimmt mir meine Aufregung. Schnell ist klar: Das Brautkleid wird proportional gekürzt, damit der Stil der Volants nicht verloren geht. Außerdem wird es an allen Seiten aufgetrennt und genau auf mich angepasst. Damit ich es am Tag der Hochzeit ohne BH tragen kann und keine Angst haben muss, dass es rutscht. Ich bewundere diese Schneider-Arbeit wirklich sehr. Das Kleid wird an allen Seiten abgesteckt und sie gibt mir noch wertvolle Tipps zum Styling. Meine Angst verwandelt sich langsam in Vorfreude.

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Mein Brautkleid von Watters: Endlich in der passenden Größe und Länge

Wenige Tage später darf ich mein Brautkleid anprobieren. Wir haben extra mehr Zeit eingeplant, denn normalerweise gibt es eine zweite Anprobe und später den dritten Termin zur Abholung. Aber weil ich aus Karlsruhe nach Stuttgart komme, habe ich vorher darum gebeten, es am nächsten Termin abholen zu können. Die Auszubildende der Schneiderin hilft mir ins Kleid, erklärt mir wie ich es am Tag der Tage anziehe und wie ich allein auf die Toilette gehen kann. (Ich hatte vorher schon Angst, dass es nicht gehen würde.) Außerdem zeigt sie mir die Knöpfe, mit denen ich die Schleppe hochstecken kann. Frau Beerwerth begutachtet mich von allen Seiten und stellt fest, wo die Anpassungen noch optimiert werden müssen. Ich hätte es nicht gemerkt. Gut, dass sie vom Fach ist. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben. Daraufhin setzte ich mich ins Café an der Ecke, wo Raphael auf mich wartet und trinke einen Milchkaffee. Es passt genau: Als ich den letzten Schluck nehme, ruft die Schneiderin an und sagt, dass sie nun fertig ist.

Endlich kann ich mein Brautkleid mit nach Hause nehmen! Wir verpacken es in einen blickdichten Kleidersack und es fährt mit uns nach Karlsruhe. – Um auf seinen großen Auftritt zu warten. Dann erst wird Raphael es kennenlernen.

Showtime für das Brautkleid
Glück.

Das passende Brautkleid: Real Love

Ich wusste vorher nicht, dass ich Liebe für ein Kleid empfinden kann. Aber es muss Liebe sein. Bis zur Hochzeit habe ich es immer wieder anschauen und bewundern müssen. Wollte seine Volants sortieren und mit dem Tüllrock kuscheln. Mit Schmetterlingen im Bauch und Herzchen in den Augen. Weil es mein Traumkleid ist. Und wenn die Aufregung kommt, weiss ich: Zumindest ist mein Brautkleid für mich perfekt.

P.S. In diesem Brautkleid habe ich mich am Hochzeitstag komplett wohlgefühlt. Seit dem Moment, wo ich es morgens angezogen habe. Und ich finde: Es hat perfekt in unsere Location “Gut Hebscheid” gepasst.

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Das Brautkleid durfte auch in der Aachener Innenstadt posieren.

Tipps:

  • Vorab: Pinterest und Zeitschriften bieten endlose Möglichkeiten an Inspiration, was Brautkleider angeht. Es ist gut und wichtig sich vorher darüber Gedanken zu machen, wie das Traumkleid aussehen soll: Länge, Stoff, Schnitt. Dennoch sehen Kleider an einem selbst am Ende oft ganz anders aus. Gebt euch dem eigenen Erfahrungsprozess hin und bleibt offen. Hauptsache ist doch, dass ihr am Tag der Tage strahlt.
  • Fakt ist: Brautkleider sind aufwendig genäht, benötigen viel Stoff und sind daher logischerweise teuer. Überlegt euch vorher genau, wieviel ihr ausgeben wollt und was euch wichtig ist. Zum Beispiel: Wo wird das Kleid produziert, welche Stoffe werden verwendet…
  • Wenn ihr sparen wollt, sind gebrauchte Brautkleider eine gute Option: Deutlich günstiger, nur einmal getragen und wenn ihr es für euch kürzen lasst, ist so ein Kleid wie neu. Sowohl bei ebay Kleinanzeigen als auch in richtigen Second Hand Brautläden gibt es viel Auswahl. Nur bei der Größe muss man Glück haben.
  • Rabatte: Oft gibt es in Brautgeschäften Rabattaktionen, wenn neue Kollektionen kommen. Auch auf die Ausstellungsstücke bekommt man häufig Prozente. Außerdem kann man auf Hochzeitsmessen Kleider günstiger bekommen. In meinem Geschäft gab es außerdem Rabatt, wenn man sich schnell (innerhalb von 3 Tagen) für ein Kleid entscheidet.
  • Vereinbart eure Termine in den Brautgeschäften mindestens 5 Monate vor der Hochzeit, damit ihr Auswahl habt. Wenn ein Kleid in eurer Größe bestellt werden muss, dauert das oft 3-5 Monate. So war es auch bei mir.
  • Die Chemie mit den Brautberatern ist das A und O. Wenn ihr euch unwohl fühlt oder den Eindruck habt, der Berater versteht nicht, was ihr euch wünscht, dann ist es einfach nicht das richtige Geschäft für euch. Fühlt euch nicht unter Druck gesetzt. Es geht um euren großen Tag.
  • Überlegt euch genau, wer zur Anprobe mitkommen darf. Die Meinung von Vertrauten ist wichtig, aber viele Meinungen können einen verwirren. Und das Bauchgefühl trüben. Ich persönlich würde maximal drei Personen mitnehmen zum Brautkleid-Kauf. Denkt immer daran: Das soll EUER Kleid werden und nicht das der besten Freundin, Trauzeugin oder Mama. Jeder hat einen eigenen Geschmack und wenn ihr in eurem Kleid erstrahlt, weil es das richtige ist, dann werden das alle bemerken. Versprochen.
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Das Brautkleid in der Ferienwohnung auf Gran Canaria

Bilder: Martin Permantier, Tomek Wozniakowski, Aljosa Petric, Babette Permantier, Raphael Pi Permantier

Wedding Diaries 8 – Endspurt und Panik: Was soll schon schiefgehen?

Der September hat angefangen und damit unser großer Monat. Der Countdown läuft, es ist Zeit die letzten Dinge zu erledigen: Sitzordnung, Walzer lernen, Outfits fertigstellen, Deko organisieren, hoffen, dass das Wetter mitmacht… und und und. Die Zeit rennt. Und die Gedankengänge in meinem Kopf schlagen Purzelbäume. Was wäre wenn? Hier gibt’s die ganze Wahrheit über den schön-schaurigen Wahnsinn in diesen Tagen.

Ich wollt doch noch. Hab ich eigentlich schon? Und was ist eigentlich mit? Und wer macht eigentlich? Schaffen wir das alles? Und was, wenn das Brautkleid nicht mehr passt? Was wenn ich hinfalle? Was wenn Leute nicht kommen, ohne abzusagen? Was wäre wenn?

Kein Scheiß. So geht das seit Wochen in meinem Kopf ab und seit der September begonnen hat, ist es noch ein bisschen schlimmer geworden. Auch wenn wir uns diverse Ratgeber durchgelesen haben und ich sämtliche Brautmagazine in diesem Jahr gekauft und durchgearbeitet habe: Es hört nicht auf. Die Aufregung bleibt. Irgendwie auch logisch: Immerhin hat keiner von uns Eventmanagement studiert noch haben wir je so ein Großevent organisiert. Und auch, wenn ich unfassbar viel Spaß an der Planung der Hochzeit habe. Die Angst gehört auch hier einfach dazu. Sie wird immer da sein, wenn ich meine Komfortzone verlasse und etwas neues ausprobiere oder kennenlerne. Seit ich das über mich gelernt habe, ist vieles einfacher. Ich muss die Angst nicht mehr kleinreden, ich kann mit ihr umgehen. Damit sie mich nicht lähmt.

Einatmen. Ausatmen. Hier hilft nur noch ein Realitätscheck. Malen wir uns den Worst-Case aus.

Realitätscheck: Was wäre wenn?

Nehmen wir uns die Szenarios vor: Es kann vieles schief gehen. Ist so.

Was wenn es den ganzen Tag nur regnet und mein Kleid schon zu Beginn des Termins beim Standesamt klatschnass ist? Und wenn der Sektempfang ins Wasser fällt?

Was wenn die Torte nicht geliefert wird?

Oder wenn das Buffet nicht schmeckt? Oder der Wein?

Was wenn der DJ nicht kommt. Oder fast schlimmer: Was wenn er Schlager auflegt?

Was wenn wir uns beim Hochzeitstanz auf die Füße treten – obwohl wir extra zwei Privatstunden genommen haben?

Was wenn am Ende um 1 Uhr morgens keiner mehr tanzen will und die Party vorbei ist?

Und was wenn Plätze leer bleiben, weil Menschen spontan nicht kommen?

Ok, ich merke es selbst: Vieles davon ist unwahrscheinlich und bei einigen Dingen heisst es dann am Tag der Tage einfach: Deal with it. Tanz im Regen. Tanz weiter, schieb die Tische zur Seite und lach dem Tag ins Gesicht.

Denn das schlimmste wäre doch: Was wenn Raphael und ich am 22.09.2017 keinen Spaß an unserer eigenen Feier hätten? Oder Kopfschmerzen vor zu viel Stress in den Tagen davor?

Nein. Das geht gar nicht. Und ich werde alles dafür tun, dass es nicht soweit kommt.Deshalb schreibe ich diesen Text.

Ich muss damit klarkommen, dass wir noch so viel planen können und am Ende doch alles anders wird. Alles wird gut. Aber auf seine ganz eigene Art und Weise. Und wenn wir jetzt schon genau wüssten, wie es uns in einer Woche am Tag nach der Party geht, dann wäre das ziemlich langweilig, oder?

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Gedankensamba

So sieht das im Moment in meinem Kopf aus. Es ist aufregend. Es ist unbekannt. Es ist neu. Es brennt und es wärmt.

Aber am Ende ist leicht zusammengefasst, was wirklich zählt. Was ich mir für uns und die Gäste wirklich von unserem Hochzeitstag wünsche. Und dabei geht es nicht mehr um Tanzschritte oder Essen. Und auch nicht um Regen.

Ich wünsche mir, dass unsere Familien danach keine Fremden mehr sind.

Dass wir gemeinsam lachen.

Und am Abend: Schmerzende Füße von stundenlangem Tanzen.

Ich wünsche uns einen Regen aus Seifenblasen.

Gänsehaut im Herzen.

Und Spontanität und Großherzigkeit.

Ich wünsche uns Schmetterlinge im Bauch.

Liebe, die uns zu Kopf steigt.

Und Freudentränen.

Ich wünsche uns einen unvergesslichen Tag, der unser Herz mit zauberhaften Erinnerungen füllt.

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Nachtrag: Und am Ende wurde alles gut! Sowohl am Morgen als auch am Tag der Hochzeit. Die Hochzeit war viel schöner als jemals erträumt. Liebe Bräute: Habt keine Angst. Genießt euren schönsten Tag.

Was wäre wenn am Ende alles gut wird? Inklusive Meer aus Seifenblasen

Tipp:

Den gibt’s überall. Aber er ist wirklich immer brauchbar! Bindet viele Leute ein. Holt euch Hilfe! So konnte ich mich zumindest immer darauf besinnen, sobald Stress aufkam: Wir sind nicht allein! Viele Verwandte helfen uns. Alles wird gut.

Foto: Martin Permantier

Neue Impulse beim Reisen: Wie Gespräche das eigene Leben bereichern

Und wo übernachtet ihr, wenn ihr auf Reisen seid? – Hotel? Appartment?“ – „Am liebsten bei anderen“, antworte ich darauf meistens. Denn so sind wir auf Reisen immer im Austausch – von ganz allein. Und das ist für mich unfassbar wertvoll. Andere Menschen und ihre Perspektiven auf das Leben. – Was für eine große Bereicherung. Manche Sätze können die eigene Sichtweise für immer verändern.

Ich habe festgestellt: Im Alltag umgibt man sich immer mit den gleichen Leuten, geht ähnliche Wege und dadurch dreht sich vieles im Kreis. Auf Reisen, im Kontakt mit anderen Menschen ergibt sich von ganz alleine die Chance neue Perspektiven auf unser Leben zu bekommen. – Oder andere Denkansätze. Und das einfach nur, weil ein Gespräch entsteht und aus diesem Gespräch gibt es am Ende einen Satz. Und der bleibt für immer. Der verändert vielleicht sogar etwas – für immer.

Und manchmal liegt es einfach daran, dass Urlaub ist und da nehme ich mir mehr Zeit zuzuhören und gelernte Muster in Frage zu stellen. Und dabei müssen es gar nicht immer die tiefgründigen Gedanken sein. Manchmal reicht es, wenn einem ein Fremder seine Wahrheit und Weltsicht vor den Latz knallt – und schon schwimmen die Gedanken in eine neue Richtung. Hier habe ich ein paar Beispiele für euch, von Menschen, die meine Gedankenwelt durch ihre kleinen Sätze verändert und bereichert haben.

Unser Surfmobil in Kalifornien mit den Boards von Carlos Santana

„You have to commit to the wave“ – Carlos Santana

Huntington Beach, Kalifornien

Huntington Beach ist einer der Orte in Kalifornien, wo viele Schüler noch morgens vor der Schule Surfunterricht bekommen. Surfen, Entwicklung und Wellenreiten – das gehört hier einfach dazu. Wir haben bei Christine und Carlos Santana gewohnt, ein sehr außergewöhnliches Pärchen. Sie ist gelernte Opernsängerin, die inzwischen ihr Geld verdient, indem sie Möbel im Dawanda-Style upcyclet. In ihrer Garage stehen abgebeizte Tische, die sie zum Beispiel mit Silberfolie verziert. Sehr… originell! Carlos ist Unternehmer, verkauft Autos und er ist leidenschaftlicher Surfer. (Ja, er heisst wirklich Carlos Santana, ist mit besagtem aber weder verwandt noch verschwägert).

Gleich zu Beginn unseres Besuchs hat Carlos uns seine Surfboards ausgeliehen, uns gesagt wohin wir am besten fahren und um wieviel Uhr. Diese Boards haben wir in unseren Mietwagen gepackt und los.

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Ein ganz normaler Tag in Kalifornien

Die Gespräche mit ihm waren lang und ausgiebig. Er ist eine dieser schillernden Persönlichkeiten, die man unbedingt öfter um sich herum haben will, weil sie einem ein gutes Gefühl geben und neue Ideen. Von ihm kam der Satz, den ich mir JEDES Mal beim Surfen wieder ins Gedächtnis rufe. Als er uns eines morgens eine Trocken-Surfstunde auf dem Boden gegeben hat, sagte Carlos auf einmal: Wenn du es nur halb willst, dann kannst du es auch lassen. Du wirst die Welle nicht bekommen, sie wird dich umschmeissen. Um eine Chance zu haben, dass es klappt gibt’s nur einen Weg: „You always have to commit to the wave.“

Es liegt auf der Hand, es ist so logisch. Und doch erklärt es mir so viele Surftage, an denen ich Weißwasser (Schaum gebrochener Wellen) gefressen hab und mich gefragt hab, warum es gerade nicht läuft. Es lag meistens an mir und meinem Einsatz und Willen. Danke Carlos für diesen Satz.

„Bigger board more fun“ – Andy

Bali, Indonesien

Auf Bali hatten wir einen Surfguide, der war die personifizierte Grumpy Cat. Andy lebt mitten im Paradies, hat aber leider trotzdem meistens miese Laune. Außerdem war er insgesamt kein besonders guter Surflehrer. Selten hat er es geschafft einen zu motivieren, eine etwas größere Welle anzupaddeln. Ich hatte immer den Eindruck er hat keinen Bock auf uns und seinen Job. Nach der Session fiel ihm immer ein Satz ein, mit dem er uns einen reinwürgen konnte, wenn er einem gesagt hat: “Wenn du davor schon Angst hast, wie willst du jemals besser werden? Eigentlich hatte ich mir vorgenommen hinterher keinen müden Gedanken mehr an grumpy Andy zu verschwenden. 

Die Boards auf Bali

Aber dann kam der eine Tag, als er meinen Surfboardstolz durch einen Satz für immer verändert hat. Es gab kleine Wellen, eigentlich perfekt zum Üben – vor allem mit einem großen, langen Surfboard. Aber ich hab mich aus Stolz mit einem kleineren Board abgekämpft und die Wellen nicht bekommen. Sie wollten mich einfach nicht mitnehmen. Es lag natürlich auch an meiner fehlenden Kraft. (Ich gehe zwar ins Fitness-Studio und trainiere gezielt die Arme, dennoch surfe ich einfach zu selten) Nach der Session sagte Andy dann (etwas schnippisch): „Well, bigger board more fun.“ Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich später noch an Irgendwas von ihm erinnern würde, aber dieser Satz hat sich eingebrannt.

Einen Tag später habe ich mir am Strand einfach ein großes Board geliehen und es hat einfach gewuppt. Auf einer Welle nach der anderen bin ich Richtung Strand gesurft und es war einfach großartig. Natürlich ist das keine große Philosophie. Und doch hat es etwas bei mir verändert. Wenn ich am Strand bin, möchte ich möglichst viel Spaß haben. Und das klappt bei mir – bisher – mit großem Board besser. Und daher bin ich froh, Andy getroffen zu haben.

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It´s always fun if you proceed.“ Ste` en

Raglan, Neuseeland

Ste`en – was für ein außergewöhnlicher Typ! Der hat verstanden, dass es im Leben nicht um die große Karriere geht. Er lebt im verschlafenen Surferort Raglan in Neuseeland, arbeitet nebenher für ein Snowboardmagazin und er surft sooft er kann. Hauptberuflich kümmert er sich allerdings um sein Haus, hält es instand und vermietet ein kleines Apartment daraus an Reisende. Da sind auch wir gelandet und hatten die Chance ihn auf unserer Reise durch das wunderschöne Neuseeland kennenzulernen.

Ste´en verkörpert für mich den perfekten Surferlebensstil, wie er sich in der Realität leben lässt. Er läuft zum Beispiel 20 Minuten mit dem Board über Klippen, um an die eine geheime Stelle zu gelangen, wo die Wellen besonders schön brechen. Mit dem Snowboarden hat er vorerst aufgehört, weil er dort nicht mehr weitergekommen ist – er hat sich nicht mehr entwickelt, sagt er selbst. Und dadurch vorerst die Motivation dafür verloren. In diesem Zusammenhang fiel auch sein Satz: Es macht immer so lange Spaß, wie du dich entwickelst, wie du einen Prozess spürst, besser wirst oder eine innere Weiterentwicklung bemerkst: „It´s always fun if you proceed.“

Entwicklung im Surfkurs: Glücksmoment

Wie recht er hatte. Das sage ich mir immer wieder. Jedes Mal, wenn ich am Anfang eines Surfurlaubs wieder das Gefühl habe, eine neue Sportart zu erlernen. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nichts mehr kann, weil die letzte Welle viel zu lange her ist. Eigentlich ist es gar nicht schlecht, dass surfen eine so große Herausforderung ist. So bleibt sie mir immer erhalten – es bleibt für immer einzigartig, neu und aufregend – genauso wie die Wellen. Unberechenbar – und plötzlich, wenn man gar nicht mehr damit rechnet, wächst man über sich hinaus und steht eine – für die eigenen Verhältnisse – besonders große Welle.

Passion: Wichtige Sätze sammeln

Solche Sätze sammeln ist inzwischen meine kleine Passion. Ich schreibe sie auf, damit sie nicht plötzlich verpuffen und freue mich schon auf die nächsten Reisen. Und die nächsten Impulse.

Habt ihr von euren Reisen auch schon inspirierende Sätze mitgebracht? Sätze, die euer Leben oder eure Sichtweise verändert haben? Schreibt sie mir gern in die Kommentare!

Wellenzauber in Neuseeland

Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Wedding Diaries 4: Eine Hochzeitstorte bitte – aber ohne Fondant

Die Wahl der Hochzeitstorte ist kompliziert und mächtig. Aber das geht vorbei sobald man sich eingesteht, aufs Herz und den eigenen Geschmack zu hören – und nicht auf die Bilder in amerikanischen Hochzeitsfilmen. Es geht schließlich um eine Torte – und keine Skulptur.

Ich sitze an einem großen runden Tisch. Immer wieder kommt eine mütterliche Konditorin rein und stellt mir ein neues Tellerchen mit Häppchen von einem anderen Kuchen vor die Nase. Die Aufforderung ist klar: „Bitte probieren, bitte probieren.“ Natürlich schmecken alle Füllungen fantastisch und hinterher weiß ich noch immer nicht, welche Torte ich haben möchte. So lief das ab. In meinem Traum.

In echt leider nicht. Ich gebe zu, ich bin kein großer Tortenfan. Mit Marzipan, Sahnecreme oder Fondant kann man mich jagen. Und Raphael geht es da ähnlich. Uns findet man nicht in der Konditorei an der Ecke am Wochenende. Wir essen lieber Eis. Oder salzig. Aber eine Hochzeitstorte gehört ja irgendwie schon dazu, fanden auch wir. Kurz haben wir überlegt, ob es eine Torte aus Käse sein soll. Oder aus Sushi. Möglich ist das alles, hat es schließlich auch alles schon gegeben.

Aber so ein mehrstöckiges Kuchendings, das das Brautpaar gemeinsam anschneidet, wollten wir dann doch haben. In süß. Aber bitte ohne Sahne und nicht zu süß. Uns war also schnell klar, dass wir uns nicht einfach für eine Torte in der Auslage entscheiden können, ohne sie probiert zu haben. Also rufe ich in der Konditorei „Lammerskötter“ in Aachen Burtscheid an und vereinbare einen Termin. Das ist immerhin eine Traditionskonditorei und ein Familienbetrieb mit gutem Ruf. Da muss es doch etwas Passendes für uns geben. Wir hoffen sehr auf diesen Termin, überlegen dann aber noch „inkognito“ in anderen Konditoreien ein paar Stücke Torte zu probieren, um uns ein besseres Bild zu verschaffen.

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Auf der Suche nach Torte in der Aachener Altstadt

Die heimliche Kostprobe möglicher Hochzeitstorten

Café zum Mohren

An einem sonnigen Tag flanieren wir also durch die Altstadt von Aachen und setzen uns als erstes ins Café zum Mohren. Auch mich Nicht-Torten-Fan lachen hier viele süße Stücke an: Eistorten, Obst-, Schoko-Torten und die Baiser-Torten sehen ausgezeichnet aus. Wir entscheiden uns für ein Stück fruchtige Eistorte und Lemon-Baiser. Bei der Eistorte dachte ich: Ok! Lecker – aber keine Hochzeitstorte für mich. Es fehlte der gewisse Kick.

Wir haben uns fast ein bisschen geschämt, dass wir Lemon-Baiser ausgewählt hatten, obwohl wir eigentlich auf der Suche einer Hochzeitstorte waren. Denn die seltenen 0815 Besuche in einer Konditorei laufen bei uns immer so ab:

Was willst du?“

Hmmmmm. Weiß nicht. Sieht mir alles zu sahnig-süß aus. Haben die was mit Zitronencreme und Baiser?“

Ja, schau da!“

Ah geil. Nehm ich.“

Ok ich auch.“

Echt? Beide das gleiche?“

Ja. Ist das einzige, was mich anlacht.“

Na gut.“

So ist es tatsächlich jedes Mal. Daher kennen wir uns mit Lemon-Tartes ganz gut aus. Geschmacklich zumindest. Als wir die erste Gabel dieser Lemon-Baiser-Torte probieren, schauen wir uns ungläubig an. Kann es sein, dass diese Torte 100 Mal genialer schmeckt, als all jene, die wir bisher von Chile über Neuseeland bis Deutschland probiert haben? Ja, es kann. Und ja, es ist so. Diese Lemon-Baiser-Torte ist der absolute geschmackliche Wahnsinn. Locker-leicht und fast tänzerisch verziert das Baiser die Torte oben drauf. Unten drunter leichte schichten Zitronencreme und Teig, die sich aneinanderschmiegen als wüssten sie, wie gut sie harmonieren und zusammenpassen.

Ich fühle mich wie auf einem Kuchentrip. Noch nie war ich so happy nach einem Stück Torte. Ich war immer die, die auf Omas Geburtstag gesagt hat: „Für mich bitte nur ein halbes Stück! Oder ein ganz schmales!“ Für die Torten-Fans dieser Welt sicher unvorstellbar, aber wahr. Und ich fange schon an zu bezweifeln, dass wir noch was leckereres finden können. Aber ist eine Lemon-Baiser-Torte nicht etwas unpassend für eine Hochzeit? Stapeln kann man sie ja schonmal nicht.

Lemon-Baiser: Das wird unsere Hochzeitstorte

Café Middelberg

Danach steht bei uns das Café Middelberg auf dem Programm: Hier trifft Caféhaus auf Tradition – und das gleich neben dem Marktplatz. In Aachen ist es wirklich überraschend, wieviele Menschen unter der Woche mittags im Café sitzen und Kuchen genießen. Das scheint hier ein großer Markt zu sein. Wir gesellen uns dazu. Mir fällt es allerdings schon in der Auslage schwer einen Kuchen zu finden, den ich überhaupt probieren möchte: Überall Marzipan, Buttercreme und Schokolade. Jedes Stück wirkt übermächtig deftig süß. Wir bestellen trotzdem zwei Stücke mit unterschiedlichen Füllungen: Einmal Käse- Sahnetorte und einmal Himbeercreme.

Nach zwei Bissen steht für mich fest: Hier bestellen wir keine Torte. Gegen den Geschmack an sich kann ich nichts sagen – außer dass ich einfach kein Fan bin von zu viel süßer Creme in einer Torte. Kurz überlege ich, ob andere vielleicht genau das von einer Hochzeits-Torte erwarten. Aber selbst wenn. So what. Das können sie auf ihrer eigenen Hochzeit gerne anbieten, wenn sie mögen. Überzuckert verlassen wir das Café. In dem Moment bin ich froh, dass wir hier keinen Termin vereinbart hatten.

Café Middelberg, Aachen: Keine Hochzeitstorte für uns

Lammerskötter

Die letzte Konditorei auf unserer Liste ist in meiner Heimat Burtscheid – ein kleines Familienunternehmen mit gutem Ruf in der Region und einer ausgezeichneten Homepage. Davon können die anderen nur träumen. Die Chefin – eine echte Lammerskötter – begrüßt uns freundlich im Konditoreiladen. Allerdings bleiben wir auch genau da während der gesamten Beratung stehen. Sie holt ihr iPad und zeigt uns die verschiedenen Optionen, die wir auch schon vorher auf der Internetseite gesehen haben. Auf die Frage, welche Sorten wir denn jetzt mal probieren können, wird klar: Keine. Also Torten gibt es schon, aber keine einzige Füllung der typischen Hochzeitstorten ist gerade vorrätig da. Das ist natürlich schade, weil wir extra aus Karlsruhe angereist waren – auch um diese Torten zu probieren und eine Entscheidung zu treffen. Auch hier gibt es eine Torte mit Zitronencreme und Baiser, die auf der Homepage ausgezeichnet aussieht. Außerdem haben sie wunderschöne Naked-Cakes im Angebot. Aber ohne sie zu probieren, würde ich keine mehrstöckige Hochzeitstorte bestellen.

Hinterher waren wir etwas geknickt: Wir wurden zwar super nett beraten, aber ich hatte es mir einfach anders vorgestellt. Als wir abwägen, ob wir noch einen neuen Termin vereinbaren, gehen wir auch nochmal alle Torten durch, die wir gegessen haben und stellen fest: Eigentlich haben wir längst einen Favoriten.

Die Entscheidung: Es wird eine Lemon-Baiser-Torte

Wir rufen in der Konditorei des „Café zum Mohren“ an und fragen, ob sie die Lemon-Baiser-Torte für uns als mehrstöckige Hochzeits-Torte herstellen würden. Und ja, sie wollen und werden! Natürlich wird diese Torte nicht direkt übereinander gestapelt. Das ist bei Baiser wohl nicht so einfach möglich. Sie würden sie uns aber auf einer Etagère servieren und damit unseren Geschmackstraum wahr werden lassen.Am großen Tag liefern sie die Torte direkt zu unserer Location.

Ich bin begeistert und tanze durch die Küche. Klar: Eigentlich hätte ich mir schon vorher denken können, dass es keine klassische Torte bei uns wird. Aber jetzt bin ich mir sicher. Und es fühlt sich einfach fantastisch und richtig an. Warum nicht einfach das bestellen, was zu uns passt? Auf der ganzen Welt haben wir die Zitronen-Tartes schon probiert. Hier schließt sich der Kreis. Während ich das hier schreibe, bekomme ich Hunger. Das wird toll!

Wir werden unsere Hochzeits-Torte übrigens nicht am Nachmittag servieren und auch nicht an Mitternacht. Wir servieren sie einfach als Nachtisch, damit hinterher nichts die Party unterbricht. “Zucker und Sitzen” am späten Abend kann nämlich zum Partykiller Nr. 1 werden, schreibt Hochzeits-Dj Thomas Sünder. Und das glaube ich sofort.

Jetzt hoffen wir, dass unsere Gäste diese Torte ebenso gern wie wir essen werden. Wenn nicht, esse ich sie eben drei Tage lang. Kein Problem.

P.S. Wir wurden nicht enttäuscht: Die Gäste und wir haben die Torte geliebt.

Unser Stolz: Unsere Hochzeitstorte

Facts:

  • Testet auf jeden Fall den Geschmack verschiedener Torten und fragt bei den Konditoreien, ob die extra Probier-Termine anbieten (Wir konnten bei unserem Termin leider nicht eine Füllung probieren.)
  • Auch salzige Alternativen, wie ein Käseturm anstelle einer Hochzeitstorte kann überzeugen. Nehmt nur das, was euch schmeckt.
  • Ein Stück Torte hat in und um Aachen immer ca 4 Euro gekostet. Je nachdem wieviele Stücke man braucht, kann man sich leicht ausrechnen, warum eine Hochzeitstorte schnell 500 Euro kostet
  • Uhrzeit: Zu welcher Zeit wollt ihr die Torte servieren? Nachmittags oder als Dessert? Warum die Mitternachtstorte nicht die beste Option ist, kann man sehr unterhaltsam im Hochzeits-Bestseller von Thomas Sünder nachlesen: Er beschreibt anschaulich, wie die Mitternachtstorte die Party-Stimmung unterbricht, die danach oft nur noch schleppend in Gang kommt. Das Buch heißt: „Wer Ja sagt, darf auch Tante Inge ausladen.“ Dieses Buch kann ich generell nur jedem ans Herz legen.

Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Wedding Diaries 3: Der Tanz mit den Behörden

Wir sagen „Ja“ zueinander – vor unseren Freunden und Verwandten und hinterher ein rauschendes Fest. Ich gebe zu, ich habe es mir deutlich einfacher vorgestellt den Papierkram bei den Behörden zu erledigen. Nach dem ersten Anruf beim Standesamt dachte ich echt: Das schaffen wir nie. Aber lest selbst.

Antrag an Heiligabend, Location-Suche zwischen den Jahren und der Versuch alle Papiere möglichst schnell zusammenzubekommen. Die Feiertage rund um Weihnachten haben mich und meine Nerven stark herausgefordert. Ich dachte bei mir: „Geh ich halt kurz ins Internet auf die Seiten des Standesamtes und finde heraus, welche Unterlagen wir so brauchen“. Tja. Und dann steht da sinngemäß: Wer im Ausland geboren ist, findet hier keine Infos und muss erst einmal bei uns vorsprechen. Ganz schön lange können Feiertage dauern, wenn man darauf wartet, jemanden im Amt zu erreichen. Als es endlich soweit ist, haben wir eine Dame am Telefon, die uns erklärt, dass sie keine Beratung am Telefon macht. Der nächste freie Termin sei in 5 Wochen.

“Der nächste freie Termin beim Standesamt – in 5 Wochen”

Ich war – mal wieder – kurz vorm Ausrasten. Ungerecht. Da will man nur seine Hochzeit planen und alle stehen einem im Weg mit ihren Regeln und ihrer Bürokratie. Klar, auch 5 Wochen gehen zugegebenermaßen irgendwann vorbei. Aber in der Zeit bis dahin konnten wir uns um nichts kümmern. Und all das, weil man in einem anderen Land – in meinem Fall in Chile – geboren worden ist. Wenn beide Partner deutsche Staatsbürger sind, nicht im Ausland geboren wurden und noch nicht verheiratet waren, ist es deutlich einfacher. Die Facts dazu habe ich euch unten zusammengefasst.

Anmeldung zur Eheschließung

Im Wesentlichen sind es die folgenden Schritte, bis man in Deutschland heiraten kann: Frühestens sechs Monate vor dem Hochzeitstermin kann man die sogenannte „Anmeldung zur Eheschließung“ im Standesamt vornehmen lassen. Ab dem Termin hat man dann sechs Monate Zeit auch wirklich zu heiraten. Wenn man einfach in einem normalen Trauzimmer unter der Woche heiraten möchte, ist das normalerweise auch kein Problem. Wer etwas Spezielles möchte oder an einem besonderen Ort heiraten will, muss den natürlich länger im Voraus reservieren. Ihr seht: Hier ist viel Orga nötig und wie so oft ist der, der genau weiß was er will, klar im Vorteil.

Der “Weiße Saal” im Aachener Rathaus

Wunschort: Der Weiße Saal im Aachener Rathaus

Nachdem wir uns dazu entschieden haben auf Gut Hebscheid zu feiern, wollten wir auch standesamtlich in Aachen heiraten – und zwar an einem besonders historischen Ort: Dem „Weißen Saal im Rathaus“. Ein wunderschöner, leuchtender Raum im Rokoko-Stil: Ab 1727 haben ihn italienische Stukkateure zum kleinen Festsaal des Rathauses verziert. Ich könnte mir wirklich keinen märchenhafteren Ort im Zentrum Aachens für meine Hochzeit vorstellen!

Es gibt mehrere besondere Trau-Orte in Aachen. Diese sind allerdings schnell ausgebucht und reserviert. Und im Aachener Standesamt ist es nicht leicht jemanden ans Telefon zu bekommen. Eines Freitags habe ich innerhalb von 4 Stunden ca. 50 Mal dort angerufen, bis ich endlich eine Dame am Telefon hatte, die mir den Saal für den Vormittag unseres Wunschtermins reserviert hat. Allerdings nur bis Ende April. Bis dahin sollten unsere Unterlagen beim Aachener Standesamt vorliegen. Das heißt: Bis dahin musste es mit der Anmeldung der Eheschließung beim Karlsruher Standesamt geklappt haben.

Das Rathaus

Als der Termin im Standesamt in Karlsruhe endlich gekommen war, hat uns dort eine bezaubernde Mitarbeiterin empfangen. All meine Vorurteile, die sich nach dem ersten Telefonat breitgemacht hatten, waren wie weggeblasen. Endlich ein netter Mensch hinter der Behörde. Sie hat uns Mut gemacht, dass wir früh genug dran sind und, dass das sicher alles klappen würde. Puh. Gut für meine Nerven. Meine verschiedenen Unterlagen aus Chile und Deutschland sind daraufhin geprüft worden und Raphael musste sich eine Abschrift aus dem Geburtenregister im Amt seines Geburtsortes besorgen. Das hat sogar funktioniert ohne, dass er hinfahren musste. 2017er Style: Online beantragen und per Online-Überweisung bezahlen. Fertig.

Sechs Monate vor dem geplanten Hochzeitstermin waren wir wieder beim Standesamt: Ich konnte es kaum glauben, aber unsere Unterlagen haben soweit gepasst. Und der große Berg an Arbeit, der im Januar vor uns zu liegen schien, war auf einmal gar nicht mehr so groß.

Der Eingang vom Rathaus. Das wird der Ausblick nach der Eheschließung im “Weißen Saal” sein – auf den Marktplatz

 Soll es ein Familienname sein?

 

Am Morgen dieses Termins hat Raphael mich beiseite genommen und mir erklärt, dass er sich Gedanken über unseren künftigen Namen gemacht hat. Ich war aufgeregt wie damals an Heiligabend, als er sich auf einmal vor mich gekniet und mir den Antrag gemacht hat. Wenn man über 30 ist und heiratet, ist es -meiner Meinung nach – nochmal eine viel größere Entscheidung, ob man einen Familiennamen haben möchte, einen Doppelnamen, oder ob jeder weiterhin seinen Namen behält.

Man hat sich so oft mit Nachnamen vorgestellt, unterschrieben und seinen Namen am Telefon diktiert. Ein Name ist ja auch ein großer Teil der eigenen Identität.

Wie oft habe ich schon folgendes Gespräch geführt:

Ich: „Athene Pi Permantier heiße ich.“

Irgendjemand: „Athene Pi was?“

Pi Permantjeeeee – Pi, neues Wort, kein Bindestrich. P E R M A N T I E R.“

Oha! Das habe ich ja noch nie gehört. Woher kommt der Name? Ist das ein Künstlername?“

Ne, ein Künstlername ist es nicht. Ich bin in Chile geboren worden. Da bekommen alle Kinder den ersten Nachnamen des Vaters und den ersten der Mutter. Mein Vater heißt Pi Garcia mit Nachnamen und meine deutsche Mutter heisst Permantier. So bin ich zu den zwei Nachnamen ohne Bindestrich gekommen.“

Ach krass! Und Athene? Warum kein deutscher oder chilenischer Vorname?“

Ehrlich gesagt einfach so: Die zwei haben Homer gelesen, als meine Mama schwanger war und da haben sie über Athene gelesen und sich für diesen Vornamen entschieden.“

Familie Pi Permantier

Das ist die Kurzversion. Dadurch, dass der Nachname international zusammengesetzt ist, hat ihn niemand anderes. Und deshalb habe ich mir gewünscht, meinen Namen behalten zu können. Ich kann aber auch jeden anderen verstehen, der seinen Namen nicht ändern möchte und das hatte ich Raphael auch so gesagt. Umso geflashter war ich, als er beim morgendlichen Kaffee zu mir gesagt hat, dass er sich wünscht, dass wir einen gemeinsamen Familiennamen haben. Und dass er sich deshalb vorstellen kann, seinen Namen zu ändern.

Natürlich habe ich vor Freude Rotz und Wasser geheult, als er mir das eröffnet hat.

Und später als die Standesbeamtin uns nach Namenswünschen gefragt hat und Raphael sein Vorhaben wiederholt hat, da habe ich gleich nochmal geweint – Ganz viele Freudentränen. Es ist einfach viel zu schön: Wir werden eine Familie. Mit einem Familiennamen. Wir werden die „Pi Permantiers“. Hihi.

Nachdem wir alles auf dem Amt unterschrieben haben, ging unser Papierkram auf die Reise nach Aachen.

Aachener Altstadt

Einmal bezahlen bitte und die Trauung kann kommen

Anfang April bekamen wir endlich Post aus Aachen. Im Brief stand, dass unsere Unterlagen angekommen sind und wir nun die letzten Formalitäten erledigen können. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Aachener Standesamt war klar: Auch da müssen wir nochmal persönlich vorbei. Wer im „Weißen Saal“ heiraten will, zahlt dafür nämlich zusätzlich 200 Euro Raummiete. Außerdem kosten Heiratsurkunden und die Eheschließung selbst nochmal Geld und das Aachener Standesamt „möchte gern, dass das in bar oder mit Karte bezahlt wird. Online Überweisung geht leider nicht.“

Im Nachhinein bin ich aber froh, dass wir auch nochmal dort waren. Der lustige Standesbeamte hatte noch viele nützliche Infos für uns. Zum Beispiel wünsche ich mir, dass ich etwas später als die restlichen Gäste in den Raum komme. (Wie man es sonst aus der Kirche kennt.) Und uns wurde versichert, dass das möglich ist. Und: Wir können auch den Standesbeamten vorher Infos über uns schicken. Zum Beispiel darüber wie der Antrag war und wie wir uns kennengelernt haben. Das wird dann in die Rede bei der Eheschließung einfließen. Das hätte ich bei einer standesamtlichen Trauung gar nicht für möglich gehalten und finde es großartig! Ich bin sehr gespannt, was der Standesbeamte aus den Infos machen und wie er die Eheschließung im „Weißen Saal“ gestalten wird.

Und damit haben wir den Tanz mit den Behörden geschafft – der große Tag kann kommen.

Der Katschhof in Aachen

Facts

  • Unterlagen, die in Karlsruhe für die “Anmeldung der Eheschließung” nötig sind: Gültiger Personalausweis oder Reisepass, Auszug aus dem Geburtenregister, Aufenthaltsbescheinigung
  • Sobald einer der EheparterInnen im Ausland geboren worden ist oder schon verheiratet war, wird es deutlich komplizierter.
  • Kosten in Karlsruhe: Anmeldung der Eheschließung mit Einbezug der ausländischen Dokumente 80 Euro. – Und für den Abgleich mit der Meldedatei 11 Euro
  • Kosten für Trauung in Aachen im Weißen Saal: 200 Euro Raummiete, Eheschließung selbst 40 Euro und drei Eheurkunden 20 Euro
  • Wichtig: Früh anfangen, Nerven bewahren und immer freundlich bleiben.

Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Wedding Diaries 1: Der Antrag – wenn das eigene Leben süßer schmeckt als Schokolade

Oh hi! Eine kleine Warnung vorweg – Zu Risiken und Nebenwirkungen sozusagen: Es wird kitschig. Ab jetzt. Dieser Text ist voller rosaroter Gefühle. Also einfach mal gar nichts für alle, die es rational und analytisch mögen. Obwohl – sowas bekommt man bei mir ja eh nie. Aber diesmal ist es besonders krass. Romantik-Overload an Weihnachten 2016: Als ich an Heiligabend den Heiratsantrag bekommen habe.

Ich habe schon immer davon geträumt mal zu heiraten. In einem langen Kleid. Obwohl ich mir das eigentlich ja gar nicht vorstellen kann, weil ich es noch nicht gemacht habe. Es ist wohl auf der einen Seite der Traum davon, dass einen jemand anderes so einzigartig findet, dass er sein Leben mit dir verbringen will. Auf der anderen Seite aber natürlich auch, dass ich so für jemanden empfinde. Und dass sich genau das für mich in genau diesem Moment perfekt anfühlt.

Ich gebe zu: Mit der Zeit habe ich nicht mehr so wirklich daran geglaubt, dass es wirklich passiert. Es ist eine unpraktische Eigenschaft von mir, dass ich manchmal vom Schlechten ausgehe – nur um nicht schlimmer enttäuscht zu werden.

Was ich allerdings sicher wusste, als er in meinem Leben angekommen war: In Raphael hatte ich einen Gefährten gefunden. Einen Freund, Liebhaber, Kindskopf, Reisenden und besten Freund in einem. Manchmal lernt man Menschen kennen und alles ist einfach: Kochen, reisen, schlafen, sitzen, Filme schauen und auch mal schweigen. Den anderen im Leben zu haben fühlt sich einfach angenehm und kuschelig warm an. Und dadurch zu gut um wahr zu sein.

Der Disney-Moment beim Heiratsantrag

Seit wir zusammen sind verbringen wir Weihnachten beispielsweise wie selbstverständlich zusammen. An Heiligabend sitzen wir immer in meinem Elternhaus im Wohnzimmer. So auch im Dezember 2016. Bei uns ist es Tradition, dass jeder nacheinander ein Geschenk auspacken darf. Einer nach dem anderen. Ganz am Ende stand da noch ein relativ großes Päckchen mit meinem Namen darauf. Ich öffne es, es ist so unwirklich leicht, als wäre eine wertvolle Feder darin versteckt. In diesem Päckchen drin versteckt sich ein etwas kleineres Päckchen – und da steht „Raphael“ drauf geschrieben. Also reiche ich das Paket weiter und er beginnt zu erzählen:

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Als alles begann: Roadtrip Italien

Vor drei Jahren haben wir uns kennengelernt. Auf der Arbeit – in der Redaktion. Als „die neue“ habe ich an Weihnachten und Silvester einige Schichten übernommen und war auf einmal ziemlich einsam in Baden-Baden. Ich kannte da ja fast niemanden! – Außer Raphael. Wir haben uns von Anfang gut verstanden und so haben wir uns verabredet Silvester zusammen zu feiern. Keine große Party. Silvester wird meiner Meinung nach eh überbewertet. Raphael hat nur gesagt: „Du und ich wir machen was an Silvester. Das steht fest.“ Und das war das beste was er mir sagen konnte. Unsere Freundschaft bestand damals nur aus kleinen Fäden, die schnell durchtrennt werden können. Aber wir haben nicht nur Silvester zusammen verbracht. Wir haben gekocht, Tatort geschaut, uns unsere Geschichten und unsere kleinen Monster anvertraut und so wurden aus den kleinen Fäden erst Bänder und dann immer festere Seile.

Aus Freundschaft wurde Liebe

Zusammengekommen sind wir auf einem spontanen Roadtrip nach Italien: Wir hatten genau vier Tage Zeit zu verreisen, haben das Auto genommen und Richtung Süden gefahren. Im Februar. Übrigens ein echter Geheimtipp: Genua und Livorno im Februar. Aber das ist ein anderes Thema. Wir saßen am Strand, haben Eis gegessen und natürlich viel Pizza und dazu gab es Wein und Geschichten aus dem Leben: Am letzten Abend der Reise haben wir uns an der Promenade geküsst und sind seitdem fest zusammen. Es ist abends passiert – auf der Promenade von Livorno, die nichts mit den prunkvollen anderen Städten in der Gegend, wie Pisa gemeinsam hat. Livorno ist bodenständig und als großer Hafen-Fan finde ich es ausgezeichnet, dass unsere Liebe genau dort begonnen hat.

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Ich schweife ab. Raphael hat sich da an Weihnachten deutlich kürzer gefasst. Vom Grundstein unserer Liebe kam er zu den vielen unterschiedlichen Reisen, die wir unternommen haben: Chile, Bali, Kalifornien, Neuseeland und und und. Und während er gesprochen hat, war ich wie im Trance. Ich kann mich nur daran erinnern, weil meine Familie zum Glück auch da war und mir hinterher geholfen hat alle Puzzleteile dieses Abends zusammenzubekommen.

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Auf Bali

Raphael hat mit seiner warmen Stimme von unseren bisherigen gemeinsamen Reisen erzählt und dann sagte er auf einmal: „Aber eigentlich ist es egal wohin wir gereist sind, denn das einzig wichtige war, dass wir zusammen sind. Und dann: Jetzt steh bitte auf“. Und während ich seiner Bitte gefolgt bin, ist er auf die Knie gegangen und hat die großen Worte gefragt:

Willst du mit mir gemeinsam auf die Reise dieses Lebens gehen? Willst du mich heiraten?“

„Ja“ – das habe ich sofort gesagt. – Allerdings nicht mit der festen Stimme, mit der ich es mir vorgenommen habe. Rotz und Wasser habe ich geheult und „Ja“ gestammelt. Dieser Moment als der Heiratsantrag da war, hat mich einfach komplett umgehauen. Ich bin nicht oft sprachlos. Da war ich es fast. Ich habe mich gefühlt, als würde ich fliegen. Und dann hat er mir auch noch einen zauberhaften Prinzessinnen-Ring an den Finger gesteckt. – Viel schöner als alle anderen Ringe, die ich bisher gesehen habe. Erst hinterher, viel später habe ich realisiert, was da an diesem Abend passiert ist.

Atacama Wüste Chile

Das war die größte Magie in meinem Leben bisher. Dieser Moment, diese Gefühle und die Gewissheit: Das ist genau das richtige. Das ist Liebe. Wahre Liebe. Und in meinen Romantik-Filmen hatten sie doch ein bisschen recht. Manchmal ist das Leben genauso kitschig und großartig. Zum Glück. Das macht Mut. Wir werden heiraten. Wahnsinn.

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P.S. Ja, viele Selfies – die sind in diesem Fall auch mal erlaubt.

Karibische Hochzeit im All-Inclusive Hotel in Punta Cana

Eine meiner besten Freundinnen heiratet in der Dominikanischen Republik in einem All-Inclusive Hotel in Punta Cana und aus aller Welt reisen Menschen an, um dieses Ereignis zu feiern. Es wird eine richtige Destination Wedding. Eine unvergessliche, großartige Erfahrung – auch wenn meine eigene Hochzeit anders sein wird. Herzensmomente in traumhafter Kulisse und wieviel eine Hochzeit in der Karibik kostet, findet ihr hier.

Die Sonne brennt, klock klock klock. Ich versuche möglichst aufrecht durch die Hotelanlage zu gehen und komme mir dabei verkleidet vor in meinem türkisen Kleid und in den hohen Schuhen. Der Boden ist uneben, ich schaue immer wieder nach unten, um nicht hinzufallen und stelle mir vor, dass ich aussehe wie ein kleines Trampeltier. „Hätte ich nur damals beim High-Heels Training besser aufgepasst“, denke ich und hoffe anzukommen – im besten Fall bevor ich hinfalle.

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Der Ausblick von den Zimmern aus

Der Plan: Destination Wedding im Hotel in Punta Cana

Es ist der große Tag für meine Freundin Vanesa. Sie heiratet hier und heute in diesem riesigen Hotel in Punta Cana, in der Dominikanischen Republik. In einem All-Inclusive Resort am glitzer-blauen Meer. Gleich neben Pool, Bar und Animation wird sie “ja” sagen.

Es fühlt sich an wie in einer Fotokulisse

Seit ich hier gelandet bin, fühlt es sich an als wäre ich in eine Fototapete gestolpert. Die Natur ist wirklich unfassbar schön: Heller Sand, das türkise Meer und Palmen soweit das Auge reicht. Das einzige was stört sind die vielen Menschen, die sich hier nebeneinander am Strand auf den Liegen sonnen und kleinen Ölsardinen ähneln. Unser Hotel ist eins von vielen All-Inclusive-Resorts in Punta Cana. Und in fast allen kann man auch Hochzeit feiern. Menschen aus der ganzen Welt kommen hierher um so eine Destination Wedding zu feiern. 

Vanesa macht das allerdings nicht nur, um im Urlaub “Ja” zu sagen. Ihre Familie kommt aus der Dominikanischen Republik. Und ihr Verlobter stammt aus den USA. Deshalb feiern wir  hier. In den vergangenen zwei Tagen sind Menschen aus der ganzen Welt angereist, um den großen Tag der beiden mitzuerleben. Wir haben gemeinsam Salsa tanzen geübt, am Strand gelegen und am VIP-Pool vor dem Zimmer des Brautpaares gefeiert. Es hat ein bisschen was von einer Luxus-Klassenfahrt, wenn man sich so umschaut. Sobald man die vorgemixten All-Inclusive-Drinks probiert, allerdings schon nicht mehr: Der „Mojito“ schmeckt bestenfalls nach passiertem Minz-Zuckerwasser an billigem Rum. Aber darum geht es nicht. Die Aussicht und die Freunde entschädigen für alles.

Getting Ready hora latina

Während ich quer durch die Anlage stöckle, macht sich Aufregung in meinem Magen breit. Es ist soweit. Sie wird wirklich heiraten. Wir haben und bei ihr auf dem Zimmer verabredet, um im großen Moment der Aufregung bei ihr zu sein. Um ihr ins Brautkleid zu helfen und um fürs perfekte Styling zu sorgen. Vanesa ist allerdings noch lange nicht soweit. Das Zimmer ist leer, ich finde sie im Spa, wo sie für den großen Auftritt geschminkt wird. „Tschaka, bisher nicht hingefallen! Und schade, dass sie nicht im Zimmer bei Sekt gestylt wird“, denke ich und bewundere Vanesa und ihre Mutter wie sie geduldig da sitzen und sich anmalen lassen – natürlich schon 30 Minuten zu spät. Hora latina. Gehört wohl dazu.

Mein deutsches Zeitgefühl und ich werden nervös

Kurz darauf warte ich im Zimmer weiter auf die Dame des Tages, als der Bräutigam hereinstolpert. Null gestylt. Er müsse das jetzt schnell machen, sagt er. Mein deutsches Zeitgefühl und ich wir werden etwas nervös. Da bin ich altmodisch: Der Bräutigam soll die Braut auf KEINEN Fall vor der Hochzeit sehen. Aus dem einfachen Grund, dass sonst die Überraschung und die Vorfreude zerstört wird. Während Alan sich in aller Ruhe seinen Anzug anzieht und darüber nachdenkt welche Socken wohl am besten zu seinem Anzug passen, habe ich das Gefühl aufgeregter zu sein als er. Endlich nimmt er seinen Hut in die Hand und macht sich auf zum Ort der Trauung dieser Destination Wedding.

Auch bei einer Destination Wedding: Der wartende Bräutigam

Eine Stunde nach Plan kommt die Braut dann endlich ins Zimmer gerannt und ich bin beeindruckt wie schnell auf einmal alles geht: Rein ins Kleid, straffen straffen, Korsage hinten festziehen und setzen. Schuhe an und fertig. Wir besten Freundinnen bekommen noch Seestern-Klämmerchen ins Haar, die zu Vanesas Haarschmuck passen und es kann losgehen.

Einmal quer durch die Anlange zum Ort der Trauung

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Jede nimmt ein Stück von ihrem Kleid, damit nichts auf dem Boden schleift und dann heisst es wieder: Stöckeln stöckeln nur nicht fallen. Neben uns zwei Fotografen, die den Tag aus allen Perspektiven festhalten. Immer wieder halten wir an: Foto Foto Foto – zum Beispiel auf der Brücke am Pool. Natürlich geht um uns herum das normale Hotelleben weiter. Menschen mit Handtuch in Badehose und Bikini schlendern an uns vorbei, sie sind auf dem Weg zum Strand oder zum Buffet und schauen neugierig rüber zu der Frau, die heute heiraten wird. Welten prallen aufeinander. Ich stelle mir die Situation von außen vor uns muss grinsen.

Die Zeremonie neben dem Main Pool

Die größte Enttäuschung bei dieser angeblichen “Strand-Hochzeit”: Der Ort der Zeremonie. Ich war mir vorher so sicher gewesen (oder hatte es gehofft), dass wir einen feinen kleinen Pavillon am Strand haben würden, wo die Trauung stattfindet. Schließlich hatte ich das so schon in amerikanischen Filmen gesehen. Aber nein. Aber unsere Destination Wedding findet mitten im Herz der Anlage statt. In einem Pavillon am Main-Pool – wo genau an diesem Nachmittag die Miss Bikini gewählt wird.

Direkt neben der Trauung wird die Miss Bikini gewählt

Nach einer langen Wanderung quer durch die Anlage übergeben wir Vanesa an den Arm ihres dominikanischen Vaters. Showtime.

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Die Braut und ihr Vater auf dem Weg zur Trauung

Wir sitzen auf weißen Klappstühlen rund um den Pavillon und da läuft sie ihrem neuen Leben entgegen. Mit festen Schritten. Sie weiß was sie tut, das sieht man ihr an. Und genau das erfüllt mich in dem Moment mit Stolz und Freude. Man sieht dem Bräutigam an, dass er lange gewartet hat. – Dort in der Hitze, während sie gestylt worden ist. Aber jetzt sieht er beruhigt aus. Sie hat es sich nicht anders überlegt. Natürlich nicht.

Eine Zeremonie in gebrochenem Englisch

20161203-IMG_9689Ein Dominikaner hält die Zeremonie in gebrochenem Englisch. Ich wünschte er hätte Spanisch sprechen und emotional werden dürfen. Aber darum geht es nicht. Vanesa strahlt mit sich selbst um die Wette und es ist ein Geschenk sie dabei anschauen zu dürfen. So glücklich habe ich sie in all den Jahren nicht gesehen. Nach zwei Bekenntnissen und „Yes I do“, sind die beiden verheiratet.

Eine Frau im Bikini schaut zu und weint

Eine Frau im Bikini hat extra ihre Liege umgedreht, um zuschauen zu können – jetzt weint sie vor Glück. Alle freuen sich mit den beiden, gratulieren und schmücken das Brautpaar mit Seifenblasen.

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Glück unter Seifenblasen

Bevor die Sonne weg ist: Fotos am Strand

Das ging fast ein bisschen zu schnell, aber auf einmal höre ich wieder die Musik der Animation und bin froh, dass wir nun an den Strand gehen, um da die ersehnten kitschigen Hochzeitsbilder zu machen.

Wir ziehen unsere hohen Schuhe aus und springen durch den Sand, wie kleine Mädchen. Der Fotograf macht einen fantastischen Job und nimmt sich alle wichtigen Fotokonstellationen vor bevor die Sonne für heute verschwindet. Dieser Moment bleibt: Auf Fotos und in unseren Herzen – in der Erinnerung. Ich halte kurz inne, blicke aufs Meer und freue mich über so viel Schönheit durch Liebe und Natur, dass es sich anfühlt als würde ich platzen.

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Girl Squad

Der Abend und die kurze Feier

Die Hochzeitsfeier unserer Destination Wedding findet in einem der vielen Restaurants des Hotels statt, das wir an diesem Abend nur für uns allein haben. Wir dürfen uns einen Platz an runden Tischen suchen. Das Brautpaar sitzt vorne an einem Tisch zu zweit. – Für alle gut zu sehen, auf dem Präsentierteller.

Zwischen Wein und drei Gängen an leckerem Essen verfliegt die Zeit. Vanesas Bruder spielt Songs auf der Gitarre und schließlich steht die Braut selbst auf und schmettert einen Liebessong für ihren Bräutigam. In den Augen der Gäste ist Überraschung zu sehen: Offenbar wussten nur wenige, wie toll sie singen kann. Jetzt ist der Moment gekommen: Ich kämpfe mit den Tränen, denn ich bin unfassbar gerührt. Und Musik bringt mich eh schnell zum Weinen. Als der Brautstrauß geworfen wird, bin ich deshalb gar nicht richtig bei der Sache. Ich fange ihn nicht. Vanesa schimpft hinterher, sie habe ihn extra in meine Richtung geworfen. Es hat nicht sollen sein. Eine andere war schneller. Aber wer muss schon einen Brautstrauß fangen.

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Der Brautstrauß fliegt – Athene ist weit weg

Kurz tanzen – die Dominikaner geben den Takt vor

Danach bringt uns Vanesas lateinamerikanische Familie bei wie tanzen wirklich geht. Ein Onkel kann zu jedem Latino-Song eine Choreographie. Wirklich außergewöhnlich und schön anzusehen. Nur eins hat bis hier gefehlt: Ein paar Worte über das Brautpaar. Ich persönlich bin großer Fan von Reden: Für mich ist es ausgezeichnet, wenn Worte über die Verliebten ausgepackt werden. Das muss auch keine lange Rede sein. Einfach eine Anekdote. Etwas Echtes. Der Stiefbruder des Bräutigams bricht schließlich das Eis und spricht den ersten Toast. Es folgen weitere Worte von Freunden aus den USA – vor allem vom Bräutigam.

Worte an das Brautpaar mit zitternden Knien

Ich fasse mir schließlich ein Herz und gehe vor, obwohl ich Schiss davor habe Englisch zu reden vor all den Amerikanern. Aber egal. Wenn du weißt: Wenn du jetzt nicht gehst, wirst du es bereuen. Ich schlucke den Kloß im Hals runter und sage ein paar Sätze: Über Vanesas und meine Zeiten im Studium, als wir bei Kakao zusammengesessen und regelmäßig unsere Herzen zusammengeflickt haben. Über den Mut der beiden, den ich sehr bewundere. Ich wünsche ihnen, dass die unwirkliche Schönheit dieser Tage der Hochzeit in der Dominikanischen Republik sie immer begleitet und ihnen Glück bringt. Zu zweit.

Am Ende des Abends steht fest: Diese Reise, um zwei Liebende bei ihrer Hochzeit zu begleiten, hat sich gelohnt.

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Braut und Bräutigam am Strand

Facts:

Kosten für so eine Hochzeit im Hotel kann stark variieren. – Je nach Paket, das man bucht. Diese Hochzeit mit 70 Gästen hat rund 5000 US-Dollar gekostet (inkl. Übernachtungen des Brautpaares im Hotel, Zeremonie, Essen, Kuchen, Cocktailempfang, Häppchen etc – ohne Fotograf, Kleidung, Flüge)

Hier lest ihr im Artikel der Braut, wie sie das organisiert hat:

How to have a dream wedding for 5k

  • Hochzeiten im Hotel lohnen sich vor allem für internationale Paare, um Menschen aus aller Welt zusammenzubringen
  • Wir haben im Be Live Hotel Punta Cana gefeiert. Die Braut kann sehr gut handeln und hat gute Preise für die Zimmer der Gäste ausgehandelt
  • All-Inclusive ist nicht jedermanns Sache und heisst oft nur so. Vieles kostet am Ende extra – in unserem Fall zum Beispiel das WLAN
  • Besonders toll sind die Erinnerungsfotos am Strand mit paradiesischer Kulisse

Fotos: Raphael Pi Permantier & Gregory Martinez