Wedding Diaries 6: Ein Ehering für immer

Die Suche nach den passenden Eheringen für zwei Verlobte ist fast so kompliziert wie die Einrichtung der ersten eigenen Wohnung. Schließlich muss man sich einig werden über zwei Schmuckstücke, die beide den Rest ihres Lebens am Finger tragen wollen. Da treffen Ideologien und Geschmäcker aufeinander und beide können das „Ja-und-zwar-für-immer-sagen“ schon einmal üben: „Hallo Ring, dich nehme ich hiermit als meinen Ehering an. Ich werde dich lieben und ehren und vor allem immer gern am Finger tragen. Egal wie die Mode sich ändert. Versprochen“

Bei der ersten Suche im Netz nach „Ehering“ lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. „Ernsthaft?“ Dachte ich. „So etwas kaufen Menschen und tragen es ab der Hochzeit für immer mit sich herum?“ Tausend glitzernde Steinchen, die in Wellen auf dem Ring verteilt sind. Mischungen aus gelb- rose- und weißgold in den wildesten Mustern. Gepunktete Eheringe, Herzchenringe, geflochtene Ringe. Wow. Ich klappe den Laptop zu und bin sicher: Wir werden nichts finden.

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Auf unserer ersten Reise in Italien – zwei Tage später sind wir offiziell “zusammengekommen”

Erste Inspiration auf der Hochzeitsmesse

Kurz darauf schleife ich Raphael auf die Hochzeitsmesse in Karlsruhe, denn ich habe gelesen, dass dort auch viele Aussteller ihre Eheringe präsentieren. Da bekommt man schnell einen Überblick und kann im Zweifel fix zum nächsten Stand weiterlaufen. Auf der Messe wird mir dann klar, dass ich im siebten Himmel gelandet bin: Traumhafte Kleider, Einladungen, Torten und Ringe soweit das Auge reicht. Der Hochzeits-Virus hat mich inzwischen so sehr gepackt, dass die Endorphine in mir Salsa tanzen, sobald ich nur ein bisschen weißen Tüll sehe. Wir laufen durch die Eingangshalle und am ersten kleinen Stand mit Eheringen bleiben wir stehen. Das kleine Schmuckatelier Egger aus Karlsruhe hat nicht unendlich viele Ringe. Aber ich bin positiv überrascht. Auch wenn uns die Probierringe alle zu groß sind, gibt es hier ein Set, das mir sehr gut gefällt: Breite, schlichte Ringe in Rotgold. Die Variante für die Dame ist mit drei klitzekleinen Brillanten verziert. „Brillanten? Brauch ich nicht“ schreit es mir aus meinem Innersten entgegen. Aber der Ring fasziniert mich. Auf allen Fotos, die ich vorher im Netz gesehen hatte, fand ich Ringe in rose- oder rotgold eher abschreckend. Am Finger sieht das aber ganz anders aus: Im Gegensatz zu den Ringen in gelbgold geht dieser eine viel schönere Symbiose mit meiner Haut ein. – Auch weil der Kontrast nicht so groß ist. Ehrlich gesagt habe ich mich auf den ersten Blick in diesen Ring verliebt. Aber das erstbeste nehmen? Auf keinen Fall. Außerdem gibt es auf der Messe noch so viele weitere Stände.

Massenabfertigung – nein danke

Wir schauen und schauen – und ich werde mir an diesem Tag immer sicherer, was ich nicht will. Das ist ja auch schonmal was. In der Haupthalle herrscht Hochbetrieb bei einem Juwelier. An 10 Tischen werden im Akkord Brautpaare beraten. In mir kommt dieses zwiespältige Gefühl auf: Will ich da unbedingt hin und auch mal gucken, weil es da so viele hinzieht? Oder ist mir das zu sehr Massenabfertigung?

Während ich noch darüber nachdenke, ruft uns ein Mann herüber und weist uns einen Platz zu. Eine Sekunde zu lang vor dem Stand herumgestanden. Wir lassen uns auf das Spiel ein. Ein junger, unerfahrener Typ „berät“ uns. Obwohl, das ist eigentlich zu viel gesagt, denn er stellt uns einfach nacheinander kleine Boxen mit verschiedenen Ringen vor die Nase und sagt: „Sowas? Oder eher sowas?“ Und ich denk mir nur: „Neeeeein! Nichts von alledem“ Ich fühl mich zurück in meine erste Google-Suchanfrage katapultiert und will weglaufen. Raphael geht es ähnlich und so stammeln wir nach wenigen Minuten: „Danke für ihre Mühen. Da war leider nichts dabei.“ Und weiter geht’s.

Am Abend haben wir gelernt: Massenabfertigung wollen wir nicht, 99 % der Juweliere fallen raus und beim offiziellen Fair-Trade-Shop in Karlsruhe gibt es schöne Ringe, aber dennoch nichts, was uns wirklich gefällt. Aber bei der ersten kleinen Goldschmiede, die wir auf der Messe entdeckt haben, schon. Also vereinbaren wir einen Termin beim Schmuckatelier Egger – es ist gleich bei uns um die Ecke.

Unser Wunsch: Keine Ringe von der Stange

 

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Damals in Italien

Bei den Eggers schauen wir mehrmals vorbei. Sie haben eine zauberhafte kleine Goldschmiede in Karlsruhe und strahlen all das aus, was mir gefällt: Es sind normale, nette Leute, die ihr Handwerk verstehen. Geduldig erklären sie uns alles über die verschiedenen Zusammensetzungen des Goldes, das ein Ehering niemals zersägt werden sollte (Unendlichkeit und Kreis und so). Wenn man ihn irgendwann mal von der Größe her anpassen will, dann nur indem man ihn enger staucht oder weiter dehnt. Außerdem beziehen sie in diesem Atelier – zu unserer Begeisterung – nur zertifiziertes Gold. Man kann also genau verfolgen, wo das Gold herkommt und dass niemand dafür ausgebeutet worden ist.

Wir probieren alle Ringe durch und am Ende steht fest: Der erste Ring ist es noch immer. Mir war es von Anfang an klar, aber ich war froh, dass sich auch Raphael für ihn begeistern kann. Anfangs hadert er noch etwas mit sich wegen der breiten, abgerundeten Form. Aber da wir die Ringe genau nach unseren Vorstellungen schmieden lassen können, ist es kein Problem:

Raphael bekommt einen etwas flacheren als ich. Ansonsten sind die aber weiterhin ein Paar, bei dem man sofort sieht: Sie gehören zusammen. Ich bin begeistert, kann mich aber noch nicht entscheiden, ob ich mir Steinchen gönnen möchte oder nicht. „Brauche ich sie wirklich? Nerven sie vielleicht irgendwann? Gehören auf einen Ehering Steinchen? Rotgold ist gerade im Trend – was wenn er uns irgendwann nicht mehr gefällt?“ Seltsame Gedanken, die durch meinen Kopf schwirren. Schließlich weiß ich eigentlich genau: Es ist egal, was „man“ macht. Ist ja schließlich nicht mans Hochzeit, sondern unsere.

Um völlig sicher zu sein gehen wir zum Vergleich noch in einen 0815 Traditionsjuwelier und lassen uns deren Ringe zeigen. Wir fühlen uns ein bisschen vom Schicksal verarscht, als die Ringe, die uns dort am besten gefallen den Namen „Livorno“ tragen. Das ist der Ort, an dem wir uns zum ersten Mal geküsst haben. Und dieser Tag ist seitdem unser „Zusammenkomm-Tag.“ Mist. Aber in diesem Juwelier haben sie leider kein zertifiziertes Gold. Und der Bauch und das Herz verlangen nach diesen jenen anderen Ringen bei den Eggers. Die Entscheidung steht. Sie musste nur untermauert werden.

 

 

 

Und am Ende sollte es Funkeln: 3 Steinchen bitte

Nach unserer Zusage machen sich die Eggers daran, unsere Ringe zu schmieden. Ich habe sie gebeten meinen erst einmal ohne Brillanten herzustellen, damit ich mich bei der Anprobe final für oder gegen die Steinchen entscheiden kann. Bisher kann ich mir den Ring auch gar nicht wirklich vorstellen, denn bisher waren sie immer vieeeeeel zu groß. Das Herz rast vor Freude, als ich ihn mir zum ersten Mal über den Finger streife. WUNDERSCHÖN. Aber etwas fehlt. Ohne Steinchen sieht er tatsächlich etwas nackt aus. Ich hadere mit mir und kann oder will mich (mal wieder) nicht entscheiden, als Frau Egger sagt: „Eigentlich haben sie sich doch schon für die Brillanten entschieden, oder?“ Oha. Sie hat es mir angesehen und ja, sie hat recht. Ich bin ihr unendlich dankbar für diesen Satz.

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Natürlich lassen wir die Ringe auch noch gravieren. Allerdings nicht mit der Maschine (das wäre ohne Aufpreis möglich gewesen). Wir entscheiden uns für die Handgravur beim Fachmann. Eine tiefe Gravur mit Namen und Hochzeitsdatum, die man fühlen kann. Das ist zwar teurer, aber für uns steht fest: Wir wollen nicht an dem sparen, was am längsten bleiben wird nach dieser Hochzeit. Die Ringe sollen für uns perfekt sein.

Zwei Ringe, die der Hand schmeicheln

Zwei Wochen später holen wir sie ab und als ich die funkelnden Steinchen sehe, kommen mir die Tränen. Wow. Einfach perfekt – perfekt für uns: Schlicht, breit, wunderbare Handschmeichler, extra für uns gefertigt und aus zertifiziertem Gold.

Psst – bis zur Hochzeit schaue ich sie mir alle 3 Tage an und freue mich jedes Mal aufs Neue, dass wir im Wust der großen, verrückten Auswahl genau das Richtige für uns gefunden haben.

“Und ja, lieber Ring: Ich werde dich lieben und ehren und vor allem immer gern am Finger tragen. Egal wie die Mode sich ändert. Versprochen. Deine Athene”

Showtime für die Ringe. Foto: Tomek Wozniakowski

Tipps:

  • Hochzeitsmessen sind eine gute Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen
  • Wenn euch Nachhaltigkeit interessiert, fragt unbedingt nach der Herkunft des Goldes. Ist es Fair-Trade und damit zertifiziert?
  • Eine Hochzeit ist teuer. Definitiv. Allerdings sind die Ringe das, was euch am längsten bleibt von diesem Tag. Von daher würde ich sagen: Die Investition in hochwertige Ringe lohnt sich. Unser Ringpaar hat am Ende 1400 Euro gekostet und wurde individuell von Herrn Egger für uns gefertigt.
  • Manche Ateliers bieten an, dass man sich die Ringe selbst schmieden kann. Das ist nichts für ungeduldige Menschen wie mich. Aber eine tolle Idee, oder? Schaut hier

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