Wedding Diaries 10: Was gehört in die Einladung?

Das Netz schwappt über vor Ideen für eine Hochzeitseinladung. Leider gefällt mir davon wenig bis gar nichts. Daher war ich froh, dass es in der Familie Designer gibt, die meinen Geschmack teilen. Hier habe ich euch zusammengefasst, was alles in einer Einladung stehen kann, damit eure Gäste alle wichtigen Infos bekommen.

„Bitte kommt zu unserer Feier, wir würden uns so freuen. Aber bitte sagt fest zu, ja?! Mit „wahrscheinlich kommen wir“ kann man bei der Hochzeitsplanung so gaaaar nichts anfangen. Ach ja – und bitte schenkt uns einfach Geld für die Hochzeitsreise. Unsere Wohnung ist nämlich leider sehr voll. Und einen gemeinsamen Haushalt haben wir schon.“

Das schwirrte mir im Kopf herum, war aber kein bisschen druckreif. Schon die Gästeliste allein ist die reinste Mammutaufgabe. Wie sollten wir die richtigen Worte für die Einladung finden? Und sicherstellen, dass keine Informationen verloren gegen?

Wenigstens um das Design mussten wir uns keine Sorgen machen: Schnell war klar, dass das mein Vater übernehmen würde. Denn er ist Designer und kann das ausgezeichnet. Wir haben überlegt, was uns wichtig ist. Ein paar Ideen und ein Foto haben wir ihm geschickt, als wir uns generell Gedanken über den Style und das Farbkonzept gemacht haben. Und dann haben wir ihn gebeten einfach loszulegen. Ich selbst kann es nämlich überhaupt nicht leiden, wenn mir jemand eine Aufgabe überträgt und mir danach immer reinredet. – So als würde er es eigentlich lieber selbst machen wollen.

Generell kann ich jedem raten, zuerst ein Farbkonzept für die Feier zu machen und sich zu überlegen wie der Stil der Feier sein soll. Denn es ist wirklich schön, wenn am großen Tag alles zueinander passt: Einladung, Kleidung des Brautpaares, Location und Tischdeko.

Das System mit den Papieren

Schnell war klar, dass wir nicht alle Gäste zu den gleichen Programmpunkten einladen können: Vor allem aus Platzgründen. Also soll der engste Familienkreis mit zum Standesamt kommen, Familie und engste Freunde zu Zeremonie und Essen auf dem Gut und weitere  gute Freunde zur Party am Abend. Weil unsere Familien auf beiden Seiten sehr groß sind, wäre es gar nicht anders gegangen. Also sollte es ein Blatt mit Infos zur Party geben. Und auf weiteren Blättern sollte jeweils etwas zum Standesamt und Essen stehen – oder nur zum Essen. So, dass jeder die für ihn passende Einladung bekommt.

Dieses System eignet sich nicht für jeden. Es ist vor allem praktisch wenn – wie bei uns – klar ist, dass abends viele ältere Menschen gehen werden. Es gleichzeitig aber viele Leute gibt, mit denen man gerne anstoßen und feiern würde.

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Unsere Einladung

Der Text in der Einladung

Über den passenden Worten haben wir lange gebrütet, drüber geschlafen und überarbeitet.

Wichtig ist vor allem, dass die Gäste alle Informationen haben, um euch und die Location zu finden. Dass sie wissen, was sie schenken können. Welche Übernachtungsmöglichkeiten es gibt. Ganz wichtig: Bis wann sie fest zusagen sollen. Und wie ihr mit dem Programm umgehen wollt. Uns war es zum sehr Beispiel wichtig, dass keine klassischen Hochzeitsspielchen stattfinden. Also haben wir unseren genialen Freund und Zeremonienmeister Kim beauftragt, diese Beiträge freundlich und bestimmt abzulehnen. Er war für die Planung des Abendprogramms zuständig und ich kann jedem ans Herz legen, diese Aufgabe abzugeben.

Und weil das doch viele Aspekte sind, die überlegt werden müssen, hat es eine Weile gedauert bis unsere Einladungen endlich fertig waren. Damit am Ende aber trotzdem möglichst viele Menschen Zeit haben und sich den Termin reservieren, hatten wir kurz nach der Verlobung schon „Save-The-Date-Nachrichten“ verschickt. Das hat insgesamt gut funktioniert.

Diese Infos dürfen nicht fehlen:

  • Komplette Namen von Braut und Bräutigam und Kontaktdaten
  • Ort, Datum und Zeit der Trauung, des Essens und der Feier
  • Was wünscht ihr euch? (z.B. Wir freuen uns über einen Zuschuss zu den Flitterwochen. Unsere Wohnung ist bereits ausgestattet, aber wir würden uns über finanzielle Unterstützung freuen, – wir sparen gerade auf ein neues Auto..)
  • Kontaktdaten der Trauzeugen mit Angabe ihrer Aufgabe (Falls ihr etwas zum Programm beitragen möchtet, meldet euch bitte bei XY, Beiträge müssen vorher vom Trauzeugen gecheckt werden)
  • Inspiration zu Übernachtungsmöglichkeiten
  • Datum für Zu- und Absagen (Bitte gebt uns bis zum XY Bescheid, ob ihr dabei sein werdet)
  • Dresscode (z.B. Um festliche Kleidung wird gebeten)
  • Falls zwischen den Programmpunkten viel Zeit liegt: Der Nachmittag steht zur freien Verfügung. So weiß jeder, dass er nicht warten muss und ein Päuschen machen kann.

Besonders der Aspekt mit den Geschenken hat uns beschäftigt. Fest stand: Wir wollen verreisen. Und zusätzlich zu den Hochzeitskosten wird das einfach zu teuer. Also war klar, dass wir uns Geld für diese Reise wünschen wollen. Aber einfach Geld schenken, ist nicht jedermanns Sache. Also haben wir eine Seite eingerichtet, auf der wir unsere ganze Hochzeitsreise in Sri Lanka durchgeplant haben. So konnten sich die Gäste ein Bild davon machen wohin wir genau reisen wollen und Teile davon schenken. Wir selbst fanden das perfekt. Als Hochzeitsgäste hatten wir uns vorher schon sehr darüber gefreut, als Freunde eine solche Seite hatten. So kann man einen konkreten Wunsch erfüllen und nicht „nur“ Geld verschenken.

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Das Design der Einladung haben wir komplett in die Hände meines Vaters gelegt. Er hat uns irgendwann einen Entwurf geschickt. Wir waren wirklich begeistert. Und als das Design vollendet war, hat mein Vater alles ausgedruckt. Aber damit waren sie noch lange nicht fertig. Dann hieß es für uns: basteln! Denn die Idee war, die Blätter in einen Einband aus Kraftpapier einzubinden. – Und die Einladungen mit zwei Schleifen zu versehen. Wunderhübsch finde ich sie bis heute. Aber es war vieeeel Arbeit – und viel mehr DIY als gedacht. Wir zwei haben an jenem Tag so viel gebastelt wie seit der Grundschule nicht mehr. Trotzdem: Ich würde es sofort wieder so machen. Das ist wie früher beim Weihnachtsgeschenke basteln. Man denkt die ganze Zeit an das Event und die lieben Menschen, mit denen man es feiern will. Und das füllt das Herz mit Liebe und Freude.

Tipps:

  • Macht euch keinen Stress mit der Einladung: Verschickt erst die „Save the Date“-Nachrichten und nehmt euch danach Zeit, um die passende Einladung zu finden.
  • Habt die Einladungs-Infos am Ende auch nochmal als pdf parat. Es kann immer sein, dass manche ihre Einladungen zu Hause vergessen oder sie nicht ankommen (Ist mir drei Mal passiert). Dann ist es gut, wenn man sie schnell per Mail verschicken kann, um die Gäste mit der passenden Info zu versorgen.
  • Die Einladung sollte im besten Fall euch und den Stil eurer Feier widerspiegeln. Daher bietet es sich an vorher das Farb- und Dekokonzept zu erarbeiten und die Einladungen daran anzupassen.

Wedding Diaries 9: Unsere DIY – Deko für die Location

Do it yourself. Sobald das in der Beschreibung für ein Produkt steht, mache ich normalerweise einen großen Bogen darum. Vor meinem inneren Auge sehe ich mich voller Kleber und Fäden mit einem hässlichen Papp-Dings in der Hand. Wie früher im Kindergarten. Basteln und Dinge selber bauen, traue ich mir eigentlich nicht zu. Rückblickend bin ich selbst überrascht, wieviel DIY am Ende dann doch in unserer Hochzeit gesteckt hat. Und ich finde, es hat sich sehr gelohnt.

Unsere Location: Eine Scheune, die zu einer Event-Location umgebaut worden ist. Ich gebe zu: Es schreit nach DIY, handmande und ein bisschen Boho. Und am Ende ist es genau das geworden, ohne dass ich es vor hatte.

Und genauso war es gut für uns. Denn hätte ich vorher geahnt, dass ich stundenlang Buchstaben auf Tischkärtchen stempeln würde, hätte ich wohl aufgegeben, noch bevor ich angefangen habe. In diesem Fall hatte ich eine Vision vor Augen: Von einer Scheune mit Girlanden, Platzkarten aus Kraftpapier und Wiesenblumen auf den Tischen. Am besten in vielen Gläsern. Das war es. Und dann haben wir angefangen. Eins nach dem anderen.

Foto: Tomek Wozniakowski

Wenn ich eins von Anfang an verstanden habe ist es: Bei der Hochzeitsvorbereitung ist es wichtig, sich Hilfe zu holen. Entweder man bezieht Freunde und Familie ein oder man beauftragt professionelle Wedding Planer und Dekorateure. Alles ist möglich. Je nach Geschmack. Ich bin unendlich dankbar, dass wir so viel kreative Hilfe aus der Familie bekommen haben. Als studierte Designerin habe ich meine Mutter schon ganz zu Anfang (kurz nach der Verlobung) gefragt: „Würdest du dich um die Deko kümmern?“ Und sie hat zu unserem Glück gleich „ja“ gesagt. Ich war mir also gleich zu Beginn sicher, dass unsere Deko Stil haben wird. Alles andere haben wir gemeinsam herausgefunden. Vor allem indem ich erst einmal das Moodboard erstellt habe und wir daraufhin die Farben für die Deko festgelegt haben. Darüber habe ich hier geschrieben. Unsere Farbe ist „Lagune“, wir mögen Kraftpapier und wilde Blumen. Damit standen alle Basics.

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Deko der Scheune

In der Woche vor der Hochzeit war es an der Zeit die Deko für den Raum fertigzustellen: Neben den Platzkärtchen sollte ein persönliches Goodie auf jedem Platz liegen. Die Tische sollten nach Ländern benannt werden, die wir schon bereist haben. Außerdem sollten auf jedem Tisch Einmalkameras aufgestellt und Gästebücher aufgestellt werden. Und natürlich Blumen. Als Tüpfelchen auf dem I hatte meine Mutter – Head of Deko – noch die Idee eine Girlande aus Stoffresten selbst zu machen und durch den Raum zu spannen. Schöne Idee dachte ich erst. Und als ich die Girlande schließlich im Raum hängen sah, war es viel perfekter als erwartet. Grün blau bunt. Sie hat den Stil rund gemacht.

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Foto der Party unter der Girlande von Jan Suchland

Platzkarten stempeln

Damit jeder Gast seinen Platz findet, sollte es Platzkärtchen geben. Dafür hatten wir im Netz einfache Kärtchen aus Kraftpapier bestellt. Und bis zu jenem Tag war ich mir nicht sicher, wie ich sie beschriften sollte. Zum einen hatte ich schwarze, einfache Stifte dafür. Außerdem lagen Stempel bereit, um jeden Buchstaben einzeln auf die Kärtchen zu drücken. Nachdem ich es an einer Karte getestet hatte, stand fest: Namen schreiben, ist zwar möglich. Sieht allerdings nicht besonders schön aus. Namen stempeln ist unfassbar viel Arbeit. Ich finde es allerdings unendlich schön und passend zu unserem Style. Also habe ich – ohne zu lange darüber nachzudenken – einfach angefangen zu stempeln. Und zu stempeln. Und zu stempeln. Stundenlang. Buchstabe für Buchstabe. Irgendwann brummte mir der Kopf. Aber ich würde es jederzeit wieder so machen!

Foto: Tomek Wozniakowski

Zeitkapseln und Tischbücher

Um unsere Tische zu benennen und hinterher ein Andenken an die Menschen an dem Tisch zu haben, hatte ich mir eine Kombi-Lösung ausgedacht. Nach dem Motto: Keine tausend Sachen auf einem Tisch. Lieber einzelne Ideen kombinieren. Und hinterher ein schönes Andenken haben. So entstanden die Zeitkapsel-Tischbücher.

Die Idee ist die: Am Eingang gab es eine Übersicht. An einer Wäscheleine hatten wir auf Kraftpapier kleine Listen geschrieben. Darauf standen jeweils die Leute, die an einem Tisch sitzen sollen. Also zum Beispiel: Tisch Neuseeland: Oma, Opa, Iris, Robert usw. So wussten sie, dass sie in der Scheune nach Tisch Neuseeland suchen sollen. Auf Tisch „Neuseeland“ stand ein schwarzes kleines Buch. Darauf ein Bild von Raphael und mir aus Neuseeland und darin viel Platz für die Wünsche unserer Gäste. Auf die erste Seite des Buches hatte ich Ihnen eine kleine Anleitung geschrieben. Ein paar Zeilen über unseren Urlaub in Neuseeland. Und dass dieses Buch noch eine zweite Aufgabe hat: Es soll eine Zeitkapsel für uns in der Zukunft werden. Die Gäste sollten uns Wünsche für einen bestimmten Hochzeitstag schreiben. Und erst dann werden wir sie Bücher wieder öffnen und alle Wünsche lesen.

Wir sind also jetzt versorgt mit Zeitkapseln bis zum 20. Hochzeitstag. Denn jeder Tisch hat einen anderen Jahrestag zugeteilt bekommen. Das ist wirklich sehr spannend! Inzwischen habe ich alle Bücher mit Schleifen versehen, sortiert und in einen Schuhkarton gepackt. Und freue mich sehr darauf, sie durchzublättern.

Ich gebe zu: Etwas schwierig zu erklären. Aber Kombi-Lösung trifft es ganz gut. Und zu uns als Reisemenschen haben diese Bücher einfach gepasst.

Foto: Tomek Wozniakowski

 

Andenken

Von Gastgeschenken halte ich eigentlich nicht besonders viel. Bei Hochzeiten, wo wir bisher waren, lagen am Ende des Abends immer noch viele Gastgeschenke auf den Tischen herum. So schade darum! Deshalb wollte ich ursprünglich von Gastgeschenken absehen. Dann hatte mich aber die Planungswut gepackt. Und da war die Idee: Warum nicht jedem eine kleine Botschaft an den Platz legen? Und zwar ein Foto aus dem Land des Tisches, das wir geschossen haben. Also ein Foto aus Chile, Indonesien….Panama, USA… mit einer kleinen persönlichen Botschaft auf der Rückseite mit persönlicher Anrede für den Gast. Schon wieder viel Arbeit. Aber ich fand es einfach zu passend, um es nicht zu machen. Also haben wir im Internet Fotos im Polaroid-Style bestellt. Und jedes Foto mit einer kleinen Widmung versehen und an den Platz den Gastes gelegt. So hatte jeder eine Kleinigkeit als Andenken. Nichts, was einem die Wohnung voller macht. Einfach eine kleine Aufmerksamkeit. Wir waren uns einig: Dieses Mini-Gastgeschenk hat gut zu uns gepasst, weil es etwas mit uns zu tun hatte und gleichzeitig eine persönliche Botschaft an jeden Gast übermittelt hat. Das hat es für mich „besonders“ gemacht.

Hier noch ein Tipp am Rande: Falls ihr so etwas machen wollt, sucht euch vorher einen Stift, der gut auf Folie schreibt. Ein paar Bilder habe ich versaut, weil ich den falschen Stift verwendet habe.

Foto: Tomek Wozniakowski

Blumen schneiden

Am Donnerstag – also einen Tag vor der Hochzeit – war „Blumen schneiden“ auf unserer To-Do-Liste. Meine Mutter hatte einen Ort in Aachen gefunden, wo man für eine gewisse Zeit selber Blumen schneiden darf. Man zahlt pro Person und kann alle Blumen mitnehmen, die man geschnitten hat. Viel Arbeit – aber für uns Wiesenblumen-Fans ein Traum. Da ich am Mittwoch allerdings schon bei der Maniküre war und noch tausend andere Dinge zu basteln und zu erledigen hatte, war ich unendlich dankbar, dass meine Mutter mit anderen Blumen schneiden gegangen ist. Mein Bruder und meine Cousine hatten mir noch Hilfe angeboten und ich bin unendlich froh, dass ich sie angenommen und die zwei eingebunden habe. Das hat uns sehr geholfen. Die drei kamen vollbepackt mit bunten Blümchen bei der Location an. Einzigartig und viel schöner als ich es mir erträumt hatte. Wenn man die Zeit und die Manpower dazu hat, ist es auf jeden Fall eine gute und günstige Alternative Blumen selbst zu schneiden und aufzustellen.

Foto: Tomek Wozniakowski

Aufbau: Der Vorteil des Freitags

Auf Gut Hebscheid finden den ganzen Sommer bis in den September an den Wochenenden Hochzeiten statt. Am Freitag und am Samstag. Als wir im Januar auf Location-Suche gegangen sind, haben wir noch noch einen Freitag im September auf Gut Hebscheid reservieren können. Alle Samstage waren schon weg. Während wir anfangs noch unsicher waren, ob der Tag eine gute Wahl war, bin ich inzwischen sicher: Er war perfekt! Ein Vorteil zum Beispiel: Wir konnten schon am Donnerstagvormittag an der Location aufbauen. Hätte es an dem Tag eine Veranstaltung gegeben, dann hätten wie nachmittags aufbauen können. Als Vergleich: Alle Paare, die an einem Samstag heiraten, können natürlich erst Samstagmorgen in die Location. Das macht vieles in der Planung komplizierter und stressiger.

Gegen 11 Uhr haben wir uns an der Scheune getroffen: Meine Mutter, ihre Helfer und die Blumen. Der DJ, der einen Probeaufbau gemacht hat. Raphaels Trauzeuge, mein Vater, Raphael und ich. Außerdem waren noch die Mitarbeiter von Gut Hebscheid da, die für den Aufbau und Eindecken der Tische zuständig waren. Der alte, nervige Spruch: „Viele Hände, schnelles Ende“ hat hier auf jeden Fall gut gepasst. Die Blumen-Schneider haben die Blumen angerichtet, auf viele kleine und große Gläser verteilt und schließlich auf die Tische gestellt.

Raphaels Bruder und mein Vater haben Girlanden aufgehangen. Raphael und ich haben die Candy Bar aufgestellt und hinterher noch Tischbücher, Platzkarten und Andenken auf jedem Platz verteilt. Und ganz am Ende ist unser Head of Deko nochmal durch den Raum gelaufen und hat alles wohlwollend geprüft und Blumen zurechtgeschoben. Fertig. Rückblickend hatte ich mir diesen Tag deutlich stressiger vorgestellt. Den Nachmittag über hatten wir frei. Wir sind ins Hotel umgezogen, ich war im Pool, wir konnten uns entspannen und auf den großen Tag freuen.

Foto: Tomek Wozniakowski

Tipps:

  • Macht nur so viel selber, dass es nicht in Stress ausartet. Die Tage vor der Hochzeit werden stressig genug.
  • Wenn euch Freunde und Bekannte Hilfe anbieten: Nehmt sie an und vertraut ihnen.
  • Nehmt euch ein paar Tage vor der Hochzeit Zeit, um alles zu organisieren. So könnt ihr ohne Stress noch letzte Besorgungen machen und eure eigenen spontanen Ideen umsetzen. Wir waren eine Woche früher in Aachen und haben diese Zeit auch gebraucht.

Wedding Diaries 8 – Endspurt und Panik: Was soll schon schiefgehen?

Der September hat angefangen und damit unser großer Monat. Der Countdown läuft, es ist Zeit die letzten Dinge zu erledigen: Sitzordnung, Walzer lernen, Outfits fertigstellen, Deko organisieren, hoffen, dass das Wetter mitmacht… und und und. Die Zeit rennt. Und die Gedankengänge in meinem Kopf schlagen Purzelbäume. Hier gibt’s die ganze Wahrheit über den schön-schaurigen Wahnsinn in diesen Tagen.

Ich wollt doch noch. Hab ich eigentlich schon? Und was ist eigentlich mit? Und wer macht eigentlich? Schaffen wir das alles? Und was, wenn das Kleid nicht mehr passt? Was wenn ich hinfalle? Was wenn Leute nicht kommen, ohne abzusagen?

Kein Scheiß. So geht das seit Wochen in meinem Kopf ab und seit der September begonnen hat, ist es noch ein bisschen schlimmer geworden. Auch wenn wir uns diverse Ratgeber durchgelesen haben und ich sämtliche Brautmagazine in diesem Jahr gekauft und durchgearbeitet habe: Es hört nicht auf. Die Aufregung bleibt. Irgendwie auch logisch: Immerhin hat keiner von uns Eventmanagement studiert noch haben wir je so ein Großevent organisiert. Und auch, wenn ich unfassbar viel Spaß an der Planung der Hochzeit habe. Die Angst gehört auch hier einfach dazu. Sie wird immer da sein, wenn ich meine Komfortzone verlasse und etwas neues ausprobiere oder kennenlerne. Seit ich das über mich gelernt habe, ist vieles einfacher. Ich muss die Angst nicht mehr kleinreden, ich kann mit ihr umgehen. Damit sie mich nicht lähmt.

Einatmen. Ausatmen. Hier hilft nur noch ein Realitätscheck.

Was wäre wenn?

Nehmen wir uns die Szenarios vor: Es kann vieles schief gehen. Ist so.

Was wenn es den ganzen Tag nur regnet und mein Kleid schon zu Beginn des Termins beim Standesamt klatschnass ist? Und wenn der Sektempfang ins Wasser fällt?

Was wenn die Torte nicht geliefert wird?

Oder wenn das Buffet nicht schmeckt? Oder der Wein?

Was wenn der DJ nicht kommt. Oder fast schlimmer: Was wenn er Schlager auflegt?

Was wenn wir uns beim Hochzeitstanz auf die Füße treten – obwohl wir extra zwei Privatstunden genommen haben?

Was wenn am Ende um 1 Uhr morgens keiner mehr tanzen will und die Party vorbei ist?

Und was wenn Tische leer stehen bleiben, weil Menschen spontan nicht kommen?

Ok, ich merke es selbst: Vieles davon ist unwahrscheinlich und mit einigen Dingen heisst es dann am Tag der Tage einfach: Deal with it. Tanz im Regen. Tanz weiter, schieb die Tische zur Seite und lach dem Tag ins Gesicht.

Denn das schlimmste wäre doch: Was wenn Raphael und ich am 22.09.2017 keinen Spaß an unserer eigenen Feier hätten? Oder Kopfschmerzen vor zu viel Stress in den Tagen davor?

Nein. Das geht gar nicht. Und ich werde alles dafür tun, dass es nicht soweit kommt.

Ich muss damit klarkommen, dass wir noch so viel planen können und am Ende doch alles anders wird. Alles wird gut. Aber auf seine ganz eigene Art und Weise. Und wenn wir jetzt schon genau wüssten, wie es uns in einer Woche am Tag nach der Party geht, dann wäre das ziemlich langweilig, oder?

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Gedankensamba

So sieht das im Moment in meinem Kopf aus. Es ist aufregend. Es ist unbekannt. Es ist neu. Es brennt und es wärmt.

Aber am Ende ist leicht zusammengefasst, was ich mir für uns und die Gäste wirklich von unserem Hochzeitstag wünsche. Und dabei geht es nicht mehr um Tanzschritte oder Essen. Und auch nicht um Regen.

Ich wünsche mir, dass unsere Familien danach keine Fremden mehr sind.

Dass wir gemeinsam lachen.

Und am Abend: Schmerzende Füße von stundenlangem Tanzen.

Ich wünsche uns einen Regen aus Seifenblasen.

Gänsehaut im Herzen.

Und Spontanität und Großherzigkeit.

Ich wünsche uns Schmetterlinge im Bauch.

Liebe, die uns zu Kopf steigt.

Und Freudentränen.

Ich wünsche uns einen unvergesslichen Tag, der unser Herz mit zauberhaften Erinnerungen füllt.

Tipp:

Den gibt’s überall. Aber er ist wirklich immer brauchbar! Bindet viele Leute ein. Holt euch Hilfe! So konnte ich mich zumindest immer darauf besinnen, sobald Stress aufkam: Wir sind nicht allein! Viele Verwandte helfen uns. Alles wird gut.

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Wedding Diaries 7: Wie wird unser Farbkonzept?

Die Farbe von Anzug und Kleid waren schnell gefunden: Ich werde „ivory“ tragen und Raphael dunkelblau. Aber welches Farbmotto soll die Hochzeit bekommen? Ein Thema, das viel zu oft in den Hintergrund gerät, finde ich. Deshalb bekommen unsere Farben ein eigenes Kapitel.

Welche Farben sind das Spotlight, das sich in Einladung, Accessoires, und auf den Tischen am Abend der Feier wiederfindet? Was passt zu uns? Als Tochter von Designern habe ich mir über diese Frage etwas länger den Kopf zerbrochen. Aber zum Glück habe ich als Kind von meiner Mutter gelernt, was in so einem Fall zu tun ist. – Und wie man sich der passenden Farbe nähern kann.

Schritt 1: Hochzeits- und andere bunte Magazine besorgen

Ich habe mich mit unzähligen Hochzeitsmagazinen eingedeckt, sie durchgelesen und danach Seiten markiert, auf denen besonders schöne Farbkombinationen zu sehen waren. (Hochzeitsmagazine kann ich übrigens jedem nur empfehlen, wenn man gerade voller Brauthormone ist. Sie sind einfach sehr inspirierend.)

Schritt 2: Magazine zerstören und Chaos zulassen

Die allerschönsten Stellen habe ich aus den (gelesenen) Zeitschriften herausgerissen und wild im Zimmer verteilt. Und um eine besonders gute Auswahl zu haben, habe ich daraufhin auch noch andere alte und bunte Zeitschriften durchforstet. Das Zimmer war ein einziges buntes Chaos. Aber für jemanden wie mich, der seit der Grundschule nicht mehr gebastelt hat, war es ein sehr befreiender Prozess. Ich hatte so viel Spaß wie lange nicht, ohne zu wissen wohin mich das Chaos führen würde. Und genau da liegt – glaube ich – das Geheimnis.

Das fertige Moodboard

Schritt 3: Sortieren, anordnen, verwerfen

Irgendwann war der Moment von ganz alleine da und ich dachte: Es reicht! Ich habe ein DIN-A3 Papier genommen und darauf angefangen die verschiedenen Schnipsel in allen bunten Farben anzuordnen und hin und her zu schieben. Immer wieder neu und anders. Guter Nebeneffekt: Das macht den Kopf frei! Immer wieder bin ich von dem bunten Allerlei weggetreten und habe es mir aus der Distanz angeschaut. Hier und da optimiert, bis ich schließlich das Gefühl hatte: Ja! Perfekt! Genau so will ich das! Dann habe ich die vielen Schnipsel festgeklebt und hatte mein Moodboard mit den Grundfarben für die Hochzeit fertig.

Vom Moodboard zur Einladung

Ein bisschen Vintage, dank Craft-Papier, ein bisschen türkis, grün, gelb und blau. Die Richtung stand. Raphael hat es zum Glück auch sofort gefallen. Das Ganze habe ich dann an meine Eltern geschickt, denn mein Vater hat uns die Einladungskarten designt und sich an unseren Farbwünschen orientiert. Da kann ich nur sagen: Schwein gehabt, Designer in der Familie zu haben! Die Einladung hätte ich mir schöner nicht wünschen können: Eine braune Karte aus Craft-Papier als Einband und darin weiße Blätter mit den genauen Informationen für die Gäste. Und drum herum Schleifen aus bunten Bändern in braun und hellblau.

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Die Einladung

Der Accessoire-Stoff

Für unsere Outfits habe ich mir einen kleinen Wiedererkennungswert gewünscht. Einen roten Faden (nur eben nicht in rot), der sich bei Raphael, den Trauzeugen und mir wiederfindet. Wir haben uns also auf die Suche nach einem Stoff gemacht, aus dem wir Accessoires und Details nähen können. Eine kraftvolle Farbe sollte es sein, die zu unseren Outfits passt und trotzdem eine starke Wirkung hat. Meine Mutter (Textildesignerin) und ich waren in unzähligen Stoffläden und haben uns dank einer Farbprobe schließlich für einen Stoff aus Wildseide aus dem Internet entschieden. – Farbe „Lagune“, also ein schimmerndes blau-grün. Aus diesem Stoff haben wir jetzt Raphaels Krawatte genäht, ich bekomme einen kleinen Gürtel in der Farbe und die Trauzeugen bekommen Einstecktücher. Und ich habe meine Handtasche in der gleichen Farbe einfärben lassen.

Stoff
Unsere Farbe – unser Stoff (am großen Tag werden es allerdings echte Blumen sein)

Die Tischdeko

Am Tag der Hochzeit sollen sich diese Farben auch auf den Tischen wiederfinden: Zum Beispiel in den Wildblumen, die wir aufstellen wollen. Außerdem sollen Tisch- und Platzkarten in dem gleichen braun sein wie die Einladungskarten. – So wird die alte Scheune auf Gut Hebscheid in Aachen zu unserer persönlichen „Herr und Frau Pi“ – Hochzeitslocation.

P.S. Inzwischen ist die Hochzeit vorbei. Und ich möchte euch nicht vorenthalten, wie die Scheune am großen Tag hergerichtet war. Hier ist der Arikel dazu.

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Tipps

  •  Lasst eurer Phantasie freien Lauf und spielt mit vielen bunten Farben. So werdet ihr herausfinden, welche Farbkombinationen euch besonders gut gefallen
  •  Accessoires aus einem eigens gewählten Hochzeitsstoff runden die Outfits mit einer persönlichen Note ab
  •  Nach der Hochzeit wollen wir neben das Moodboard Fotos von der Hochzeit hängen und eine Erinnerungswand daraus gestalten

Wedding Diaries 5: Und was mach ich mit den Haaren? Die Testfrisur

Wenn ich diesen Titel so lese, klingt das sehr amerikanisch: Wir machen eine Testfrisur vor der Hochzeit und dann ein Test-Essen und danach am besten noch eine Testparty. So läuft es natürlich nicht. Aber ich muss zugeben, diese eine Sache ergibt schon Sinn, die Frooooooonck da immer in der Fernsehsendung „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ sagt: „Gib dich in die Hände der Leute vom Fach und du hast eine Sorge weniger.“ Warum eine Testfrisur unfassbar Druck von einem nimmt und die Vorfreude steigen lässt, lest ihr hier.

Die Hochzeit findet in Aachen statt – auf Gut Hebscheid – ich allerdings wohne in Karlsruhe und zum Friseur gehe ich eigentlich in Bühl. Komplizierte Sache. Hinzu kommt, dass ich auch gar keine Friseure in Aachen kenne. Also habe ich erst einmal angefangen rumzufragen bis mir eine Freundin ihre Friseurin empfohlen hat und ironischerweise heiratet sie auch noch eine Woche vor uns. Wir konnten aus der Testfrisur also ein kleines Mädels-Event machen. Und das fand im Juni endlich statt. Vorher hatte ich allerdings gefühlt schon alle Brautmagazine der Welt, plus Instagram und Pinterest nach Brautfrisuren und Make-Up durchsucht und erstmal herausgefunden, was ich alles nicht will. – Oder was alles nicht geht: Hallo, ich bin Athene, 160 cm klein, Sommersprossen, wenig bis null Erfahrung mit Make-Up und außerdem habe ich dünne Haare, die einfach nicht wachsen wollen. Ist echt so: Meine Haare wachsen so langsam, dass sich sogar Friseure darüber wundern! Ab der Schulter hören sie einfach auf zu wachsen. Das wird also nichts mit langen, märchenhaften Wellen und offenen Haaren. Und Make-Up-Pinsel und ich, wir kennen uns nur von weitem.

Was mach ich nur mit meinen Haaren?

Als ich angefangen hab, darüber nachzudenken, was ich machen könnte, ist mir natürlich erst einmal alles eingefallen, was mit meinen Haaren leider nicht geht. Meine Güte, meine Güte, drei Bonbons und keine… (Tüte). Lassen wir das. Was nicht ist, ist nicht. Haarteile, die einem mehr Haar zaubern, konnte ich mir bei meiner Haarlänge auch nicht vorstellen. Zu streng hochgesteckt, passt einfach nicht zu mir.

Die erste Idee kam in einem Brautladen, als ich zu einem Kleid (das ich nicht genommen habe) einen kleinen Blumenkranz angezogen und meine Haare unordentlich da reingesteckt habe. – „Wild hochgesteckt“, würde ich es mal nennen. In der Fachsprache der Brautmagazine nennen sie es „Undone-Look“ – also so wild, dass es aussieht, als wäre man gerade aus dem Bett aufgestanden und hätte sich nur mal eben die Haare hochgesteckt und gleichzeitig aber so gezaubert, dass es den ganzen Tag hält. Das mag ich, das passt. Ich bin ja auch im normalen Leben nie lange im Bad beschäftigt, dazu fehlt mir einfach die Muße. Außerdem gefällt mir der Bruch durch diese Frisur zu einem langen Brautkleid (der Artikel dazu kommt noch, versprochen) sehr.

 

Und dazu soll es ein Blumenkranz sein. Stand jetzt: Kein Schleier, nur ein Kranz, der nicht zu groß sein darf. Sonst würde es ja aussehen, als ginge der Kranz mit mir spazieren. Die Blumen werde ich mir in der Woche vor der Hochzeit bei „Drei Blüten“ in Aachen zusammenstellen. Das steht schon fest. Sonst nichts. Für die Testfrisur brauchte ich aber ja auch einen Kranz, also habe ich das Internet kreuz und quer nach einer günstigen Alternative aus Kunststoff abgesucht und bin bei Amazon fündig geworden.

Und „für falls“ wie ich gerne sage, also falls am großen Tag etwas mit den frischen Blumen schiefgehen sollte, habe ich mir noch einen Ersatzkranz aus getrockneten Blumen bestellt. Denn ich möchte auf keinen Fall Plastik auf dem Kopf haben.

Meine ganzen Ideen habe euch übrigens ich in diese Pinterest-Galerie gepackt.

Und das Make-Up?

Das war einfacher! Die einzige Sorge: Kann die Friseurin das so natürlich und schlicht, wie ich mir das wünsche? Also kann sie auf meine Wünsche eingehen und trotzdem dafür sorgen, dass ich von morgens bis abends fit, wach und strahlend aussehe, obwohl ich vermutlich Augenringe bis zum Mars haben werde?

 

Mädelsmorgen mit Testfrisur

Den Tag der Testfrisur habe ich Ende Juni organisiert, damit ich – falls ich gar nicht zufrieden sein sollte – noch Zeit habe, mir wen anderes zu suchen.

An dem Morgen hakt es aber erst einmal bei uns. Meine Freundin schreibt mir, dass sie verschlafen hat. „Das kann ja noch was werden“, denke ich und muss gleichzeitig lachen. Mit 15 Minuten Verspätung brausen wir nach Horbach, einen Ort bei Aachen zu Corinna Hof. Als wir ankommen fühle ich mich in Teenie-Zeiten zurückversetzt, weil in der Gegend einige Freundinnen von mir gewohnt haben.

Frau Hof nimmt uns die kleine Verspätung nicht übel. Sie hat ihren Friseursalon in ihrem Wohnhaus: Ein Raum, klein und gemütlich mit genau zwei Plätzen für uns. Sofort strahlt sie uns an und auch, wenn ich an dem Morgen sehr aufgeregt war, habe ich bei ihr gleich das Gefühl in guten Händen zu sein. Ich zeige ihr die verschiedenen Bilder aus dem Netz und erkläre ihr bis ins kleinste Detail, was ich mir vorstelle. Zeige ihr den Testkranz und frage sie nach ihrer Meinung zu allem. Das ist mir besonders wichtig, denn ich kenne mich mit Styling und Schminke einfach nicht aus. In meiner Familie sind die Frauen eher so drauf: Kajal, Mascara, Labello, fertig. Und mit dem Kajal ist das oft schon ein kleiner Kampf. Ich hätte grundsätzlich schon gern mehr Ahnung davon, aber es ist unrealistisch, dass ich das noch vor der Hochzeit lerne. Sie erklärt mir, dass die Frisur auf jeden Fall den ganzen Tag hält, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Und dass wir das Make-Up so hinbekommen, dass ich nicht „angemalt“ aussehe. Puh. Los geht’s.

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Sie glättet mir die Haare, zupft hier und da, setzt mir den Blumenkranz auf und hantiert mit hundert Klämmerchen, um das Maximum aus meinen dünnen Haaren herauszuholen. Das macht sie nicht zum ersten Mal. Das merkt man gleich. Immer wieder fragt sie mich, ob es so passt. Wir ändern Kleinigkeiten ab und am Ende bin ich wirklich zufrieden, mit dem was die mir auf den Kopf gezaubert hat. Wir hoffen allerdings beide, dass meine Haare noch etwas wachsen bis September. Auch meine Freundin ist begeistert – ich bin froh, dass sie dabei ist: Eine zweite Meinung ist einfach unbezahlbar.

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Und dann das Make-Up. Davor hatte ich fast noch mehr Schiss, bin aber sofort beruhigt als sie mir sagt, dass wir im Grunde komplett auf Make-Up verzichten könnten. Das hätte ich nicht gedacht! Weil ich mich aber mental so darauf eingestellt hatte, dass ich an dem Tag unbedingt Make-Up ausprobieren will, lasse ich mich nicht abbringen. Wie ich ohne aussehe, weiss ich ja. Also pinselt sie mir das helle Zeug einmal quer durchs Gesicht. An dieses – gestylt werden – könnte ich mich gewöhnen! Ein tolles Gefühl hergerichtet zu werden.

Nach dem Make-Up, werden die nächsten Entscheidungen getroffen: Welcher Lidschatten soll es sein? Welcher Kajal? Wieviel von alledem? Dabei verlasse ich mich auf das Auge meiner Expertin. Ich habe das Gefühl, dass wir uns verstehen und, dass sie weiß, dass ich nicht zu viel Farbe im Gesicht haben möchte. Mein Ziel: Auch am Hochzeitstag ich selbst sein. Natürlich aufgehübscht und gestylt, aber eben nicht übermalt. Es gibt ja Frauen, die schminken sich jeden Tag und sehen einfach fantastisch so aus, aber ich nicht. Vor allem, weil ich mich so nicht kenne. Am Ende suche ich noch einen matten Lippenstift aus, der gut zum Gesamtbild passt und kaufe ihn auch gleich bei ihr. So kann ich am großen Tag immer nachlegen, wenn mir danach ist.

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Nach eineinhalb Stunden ist alles fertig und ich darf Beweisbilder machen. Jetzt ist meine Freundin an der Reihe. Die bekommt eine lockige Flechtfrisur, die wirklich toll aussieht an ihr. Da sieht man mal wieder was die unterschiedlichen Typen ausmachen. Es macht übrigens mindestens genauso viel Spaß jemandem dabei zuzusehen, wenn er zurechtgemacht wird, wie selbst gestylt zu werden.

Als wir beide fertig sind, wird alles genau zusammengerechnet und ein Zeitplan für den Hochzeitstag erstellt, damit da auf keinen Fall Stress aufkommt.

Am großen Tag wird Corinna Hof zu mir ins Hotel kommen und sich um alles kümmern. Die Vorfreude steigt inzwischen ins Unendliche – besonders weil ich jetzt keine Angst mehr haben muss, mich am Ende doch noch selbst stylen zu müssen.

Der Test in der Stadt

Hinterher laufe ich beschwingt durch die Aachener Innenstadt und fühle mich wie eine Prinzessin. Vielleicht fange ich hier und da aus Versehen sogar an ein wenig zu tanzen. Wer weiß. Es ist ein besonderer Sommertag in Aachen. Alle sind gut drauf, weil die Sonne mal ein paar Tage am Stück scheint. Ich bin wirklich überrascht, wie viele Menschen mich anlächeln und nach meiner Frisur fragen. So ein Blumenkranz macht echt was aus! Das werde ich mir merken. Auch für andere – nicht-hochzeitliche Feste.

Tipps:

  • Wenn ihr nicht an dem Ort heiratet, wo ihr wohnt: Auf jeden Fall Freunde und Bekannte fragen. Friseure sind so unterschiedlich!
  • Überlegt euch vorher genau, was ihr wollt und was nicht. Der Friseur kann nicht eure Gedanken lesen.
  • Nehmt auf jeden Fall jemanden, dem ihr vertraut zur Testfrisur mit. Eine zweite Meinung ist unbezahlbar.
  • Kosten für ein Braut-Styling variieren stark. Meine Friseurin kostet ca: Frisur 40-55 Euro. Make-Up: 25-35 Euro und dazu kommen natürlich noch Fahrtkosten, wenn sie zu einem ins Hotel kommt.

Wedding Diaries 4: Eine Hochzeitstorte bitte – aber ohne Fondant

Die Wahl der Hochzeitstorte ist kompliziert und mächtig. Aber das geht vorbei sobald man sich eingesteht, aufs Herz und den eigenen Geschmack zu hören – und nicht auf die Bilder in amerikanischen Hochzeitsfilmen. Es geht schließlich um eine Torte – und keine Skulptur.

Ich sitze an einem großen runden Tisch. Immer wieder kommt eine mütterliche Konditorin rein und stellt mir ein neues Tellerchen mit Häppchen von einem anderen Kuchen vor die Nase. Die Aufforderung ist klar: „Bitte probieren, bitte probieren.“ Natürlich schmecken alle Füllungen fantastisch und hinterher weiß ich noch immer nicht, welche Torte ich haben möchte. So lief das ab. In meinem Traum.

In echt leider nicht. Ich gebe zu, ich bin kein großer Tortenfan. Mit Marzipan, Sahnecreme oder Fondant kann man mich jagen. Und Raphael geht es da ähnlich. Uns findet man nicht in der Konditorei an der Ecke am Wochenende. Wir essen lieber Eis. Oder salzig. Aber eine Hochzeitstorte gehört ja irgendwie schon dazu, fanden auch wir. Kurz haben wir überlegt, ob es eine Torte aus Käse sein soll. Oder aus Sushi. Möglich ist das alles, hat es schließlich auch alles schon gegeben. Aber so ein mehrstöckiges Kuchendings, das das Brautpaar gemeinsam anschneidet, wollten wir dann doch haben. In süß. Aber bitte ohne Sahne und nicht zu süß. Uns war also schnell klar, dass wir uns nicht einfach für eine Torte in der Auslage entscheiden können, ohne sie probiert zu haben. Also rufe ich in der Konditorei „Lammerskötter“ in Aachen Burtscheid an und vereinbare einen Termin. Das ist immerhin eine Traditionskonditorei und ein Familienbetrieb mit gutem Ruf. Da muss es doch etwas Passendes für uns geben. Wir hoffen sehr auf diesen Termin, überlegen dann aber noch „inkognito“ in anderen Konditoreien ein paar Stücke Torte zu probieren, um uns ein besseres Bild zu verschaffen.

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Auf der Suche nach Torte in der Aachener Altstadt

Die heimliche Probe

An einem sonnigen Tag flanieren wir also durch die Altstadt von Aachen und setzen uns als erstes ins Café zum Mohren. Auch mich Nicht-Torten-Fan lachen hier viele süße Stücke an: Eistorten, Obst-, Schoko-Torten und die Baiser-Torten sehen ausgezeichnet aus. Wir entscheiden uns für ein Stück fruchtige Eistorte und Lemon-Baiser. Bei der Eistorte dachte ich: Ok! Lecker – aber keine Hochzeitstorte für mich. Es fehlte der gewisse Kick.

Wir haben uns fast ein bisschen geschämt, dass wir Lemon-Baiser ausgewählt hatten, obwohl wir eigentlich auf der Suche einer Hochzeitstorte waren. Denn die seltenen 0815 Besuche in einer Konditorei laufen bei uns immer so ab:

Was willst du?“

Hmmmmm. Weiß nicht. Sieht mir alles zu sahnig-süß aus. Haben die was mit Zitronencreme und Baiser?“

Ja, schau da!“

Ah geil. Nehm ich.“

Ok ich auch.“

Echt? Beide das gleiche?“

Ja. Ist das einzige, was mich anlacht.“

Na gut.“

So läuft das tatsächlich jedes Mal ab. Daher kennen wir uns mit Lemon-Tartes auch ganz gut aus. Geschmacklich zumindest. Als wir die erste Gabel dieser Lemon-Baiser-Torte probieren, schauen wir uns ungläubig an. Kann es sein, dass diese Torte 100 Mal genialer schmeckt, als all jene, die wir bisher von Chile über Neuseeland bis Deutschland probiert haben? Ja, es kann. Und ja, es ist so. Diese Lemon-Baiser-Torte ist der absolute geschmackliche Wahnsinn. Locker-leicht und fast tänzerisch verziert das Baiser die Torte oben drauf. Unten drunter leichte schichten Zitronencreme und Teig, die sich aneinanderschmiegen als wüssten sie, wie gut sie harmonieren und zusammenpassen. Ich fühle mich wie auf einem Kuchentrip. Noch nie war ich so happy nach einem Stück Torte. Ich war immer die, die auf Omas Geburtstag gesagt hat: „Für mich bitte nur ein halbes Stück! Oder ein ganz schmales!“ Für die Torten-Fans dieser Welt sicher unvorstellbar, aber wahr. Und ich fange schon an zu bezweifeln, dass wir noch was leckereres finden können. Aber ist eine Lemon-Baiser-Torte nicht etwas unpassend für eine Hochzeit? Stapeln kann man sie ja schonmal nicht.

Lemon-Baiser: Das wird unsere Hochzeitstorte

Danach steht bei uns das Café Middelberg auf dem Programm: Hier trifft Caféhaus auf Tradition – und das gleich neben dem Marktplatz. In Aachen ist es wirklich überraschend, wieviele Menschen unter der Woche mittags im Café sitzen und Kuchen genießen. Das scheint hier ein großer Markt zu sein. Wir gesellen uns dazu. Mir fällt es allerdings schon in der Auslage schwer einen Kuchen zu finden, den ich überhaupt probieren möchte: Überall Marzipan, Buttercreme und Schokolade. Jedes Stück wirkt übermächtig deftig süß. Wir bestellen trotzdem zwei Stücke mit unterschiedlichen Füllungen: Einmal Käse- Sahnetorte und einmal Himbeercreme. Nach zwei Bissen steht für mich fest: Hier bestellen wir keine Torte. Gegen den Geschmack an sich kann ich nichts sagen – außer dass ich einfach kein Fan bin von zu viel süßer Creme in einer Torte. Kurz überlege ich, ob andere vielleicht genau das von einer Hochzeits-Torte erwarten. Aber selbst wenn. So what. Das können sie auf ihrer eigenen Hochzeit gerne anbieten, wenn sie mögen. Überzuckert verlassen wir das Café. In dem Moment bin ich froh, dass wir hier keinen Termin vereinbart hatten.

Die Auswahl im Café Middelberg, Aachen

Der Termin bei „Lammerskötter“

Die letzte Konditorei auf unserer Liste ist in meiner Heimat Burtscheid – ein kleines Familienunternehmen mit gutem Ruf in der Region und einer ausgezeichneten Homepage. Davon können die anderen nur träumen. Die Chefin – eine echte Lammerskötter – begrüßt uns freundlich im Konditoreiladen. Allerdings bleiben wir auch genau da während der gesamten Beratung stehen. Sie holt ihr iPad und zeigt uns die verschiedenen Optionen, die wir auch schon vorher auf der Internetseite gesehen haben. Auf die Frage, welche Sorten wir denn jetzt mal probieren können, wird klar: Keine. Also Torten gibt es schon, aber keine einzige Füllung der typischen Hochzeitstorten ist gerade vorrätig da. Das ist natürlich schade, weil wir extra aus Karlsruhe angereist waren – auch um diese Torten zu probieren und eine Entscheidung zu treffen. Auch hier gibt es eine Torte mit Zitronencreme und Baiser, die auf der Homepage ausgezeichnet aussieht. Außerdem haben sie wunderschöne Naked-Cakes im Angebot. Aber ohne sie zu probieren, würde ich keine mehrstöckige Hochzeitstorte bestellen.

 

Wir nehmen das, was zu uns passt: Lemon-Baiser

Hinterher waren wir etwas geknickt: Wir wurden zwar super nett beraten, aber ich hatte es mir einfach anders vorgestellt. Als wir abwägen, ob wir noch einen neuen Termin vereinbaren, gehen wir auch nochmal alle Torten durch, die wir gegessen haben und stellen fest: Eigentlich haben wir längst einen Favoriten. Wir rufen in der Konditorei des „Café zum Mohren“ an und fragen, ob sie die Lemon-Baiser-Torte für uns als mehrstöckige Hochzeits-Torte herstellen würden. Und ja, sie wollen und würden! Natürlich würde diese Torte nicht direkt übereinander gestapelt. Das ist bei Baiser wohl nicht so einfach möglich. Sie würden sie uns aber auf einer Etagère servieren und damit unseren Geschmackstraum wahr werden lassen.

Ich bin begeistert und tanze durch die Küche. Klar: Eigentlich hätte ich mir schon vorher denken können, dass es keine klassische Torte bei uns wird. Aber jetzt bin ich mir sicher. Und es fühlt sich einfach fantastisch und richtig an. Warum nicht einfach das bestellen, was zu uns passt? Auf der ganzen Welt haben wir die Zitronen-Tartes schon probiert. Hier schließt sich der Kreis. Während ich das hier schreibe, bekomme ich Hunger. Das wird toll!

Wir werden unsere Hochzeits-Torte übrigens nicht am Nachmittag servieren und auch nicht an Mitternacht. Wir servieren sie einfach als Nachtisch, damit hinterher nichts die Party unterbricht. „Zucker und Sitzen“ am späten Abend kann nämlich zum Partykiller Nr. 1 werden, schreibt Hochzeits-Dj Thomas Sünder. Und das glaube ich sofort.

Jetzt hoffen wir, dass unsere Gäste diese Torte ebenso gern wie wir essen werden. Wenn nicht, esse ich sie eben drei Tage lang. Kein Problem.

Facts:

  • Testet auf jeden Fall den Geschmack verschiedener Torten und fragt bei den Konditoreien, ob die extra Probier-Termine anbieten (Wir konnten bei unserem Termin leider nicht eine Füllung probieren.)
  • Auch salzige Alternativen, wie ein Käseturm anstelle einer Hochzeitstorte kann überzeugen. Nehmt nur das, was euch schmeckt.
  • Ein Stück Torte hat in und um Aachen immer ca 4 Euro gekostet. Je nachdem wieviele Stücke man braucht, kann man sich leicht ausrechnen, warum eine Hochzeitstorte schnell 500 Euro kostet
  • Uhrzeit: Zu welcher Zeit wollt ihr die Torte servieren? Nachmittags oder als Dessert? Warum die Mitternachtstorte nicht die beste Option ist, kann man sehr unterhaltsam im Hochzeits-Bestseller von Thomas Sünder nachlesen: Er beschreibt anschaulich, wie die Mitternachtstorte die Party-Stimmung unterbricht, die danach oft nur noch schleppend in Gang kommt. Das Buch heißt: „Wer Ja sagt, darf auch Tante Inge ausladen.“ Dieses Buch kann ich generell nur jedem ans Herz legen.

Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Wedding Diaries 3: Der Tanz mit den Behörden

Wir sagen „Ja“ zueinander – vor unseren Freunden und Verwandten und hinterher ein rauschendes Fest. Ich gebe zu, ich habe es mir deutlich einfacher vorgestellt den Papierkram beim Standesamt zu erledigen. Nach dem ersten Anruf beim Standesamt dachte ich echt: Das schaffen wir nie. Aber lest selbst.

Antrag an Heiligabend, Location-Suche zwischen den Jahren und der Versuch alle Papiere möglichst schnell zusammenzubekommen. Die Feiertage rund um Weihnachten haben mich und meine Nerven stark herausgefordert. Ich dachte bei mir: „Geh ich halt kurz ins Internet auf die Seiten des Standesamtes und finde heraus, welche Unterlagen wir so brauchen“. Tja. Und dann steht da sinngemäß: Wer im Ausland geboren ist, findet hier keine Infos und muss erst einmal bei uns vorsprechen. Ganz schön lange können Feiertage dauern, wenn man darauf wartet, jemanden im Amt zu erreichen. Als es endlich soweit ist, haben wir eine Dame am Telefon, die uns erklärt, dass sie keine Beratung am Telefon macht. Der nächste freie Termin sei in 5 Wochen.

Ich war – mal wieder – kurz vorm Ausrasten. Ungerecht. Da will man nur seine Hochzeit planen und alle stehen einem im Weg mit ihren Regeln und ihrer Bürokratie. Klar, auch 5 Wochen gehen zugegebenermaßen irgendwann vorbei. Aber in der Zeit bis dahin konnten wir uns um nichts kümmern. Und all das, weil man in einem anderen Land – in meinem Fall in Chile – geboren worden ist. Wenn beide Partner deutsche Staatsbürger sind, nicht im Ausland geboren wurden und noch nicht verheiratet waren, ist es deutlich einfacher. Die Facts dazu habe ich euch unten zusammengefasst. Im Wesentlichen sind es die folgenden Schritte, bis man in Deutschland heiraten kann: Frühestens sechs Monate vor dem Hochzeitstermin kann man die sogenannte „Anmeldung zur Eheschließung“ im Standesamt vornehmen lassen. Ab dem Termin hat man dann sechs Monate Zeit auch wirklich zu heiraten. Wenn man einfach in einem normalen Trauzimmer unter der Woche heiraten möchte, ist das normalerweise auch kein Problem. Wer etwas Spezielles möchte oder an einem besonderen Ort heiraten will, muss den natürlich länger im Voraus reservieren. Ihr seht: Hier ist viel Orga nötig und wie so oft ist der, der genau weiß was er will, klar im Vorteil.

Der „Weiße Saal“ im Aachener Rathaus

Wunschort: Der Weiße Saal im Aachener Rathaus

Nachdem wir uns dazu entschieden haben auf Gut Hebscheid zu feiern, wollten wir auch standesamtlich in Aachen heiraten – und zwar an einem besonders historischen Ort: Dem „Weißen Saal im Rathaus“. Ein wunderschöner, leuchtender Raum im Rokoko-Stil: Ab 1727 haben ihn italienische Stukkateure zum kleinen Festsaal des Rathauses verziert. Ich könnte mir wirklich keinen märchenhafteren Ort im Zentrum Aachens für meine Hochzeit vorstellen! Es gibt mehrere besondere Trau-Orte in Aachen. Diese sind allerdings schnell ausgebucht und reserviert. Und im Aachener Standesamt ist es nicht leicht jemanden ans Telefon zu bekommen. Eines Freitags habe ich innerhalb von 4 Stunden ca. 50 Mal dort angerufen, bis ich endlich eine Dame am Telefon hatte, die mir den Saal für den Vormittag unseres Wunschtermins reserviert hat. Allerdings nur bis Ende April. Bis dahin sollten unsere Unterlagen beim Aachener Standesamt vorliegen. Das heißt: Bis dahin musste es mit der Anmeldung der Eheschließung beim Karlsruher Standesamt geklappt haben.

Das Rathaus

Als der Termin im Standesamt in Karlsruhe endlich gekommen war, hat uns dort eine bezaubernde Mitarbeiterin empfangen. All meine Vorurteile, die sich nach dem ersten Telefonat breitgemacht hatten, waren wie weggeblasen. Sie hat uns Mut gemacht, dass wir früh genug dran sind und, dass das sicher alles klappen würde. Puh. Gut für meine Nerven. Meine verschiedenen Unterlagen aus Chile und Deutschland sind daraufhin geprüft worden und Raphael musste sich eine Abschrift aus dem Geburtenregister im Amt seines Geburtsortes besorgen. Das hat sogar funktioniert ohne, dass er hinfahren musste. 2017er Style: Online beantragen und per Online-Überweisung bezahlen. Fertig.

Sechs Monate vor dem geplanten Hochzeitstermin waren wir wieder beim Standesamt: Ich konnte es kaum glauben, aber unsere Unterlagen haben soweit gepasst. Und der große Berg an Arbeit, der im Januar vor uns zu liegen schien, war auf einmal gar nicht mehr so groß.

Der Eingang vom Rathaus. Das wird der Ausblick nach der Eheschließung im „Weißen Saal“ sein – auf den Marktplatz

Soll es ein Familienname sein?

Am Morgen dieses Termins hat Raphael mich beiseite genommen und mir erklärt, dass er sich Gedanken über unseren künftigen Namen gemacht hat. Ich war aufgeregt wie damals an Heiligabend, als er sich auf einmal vor mich gekniet und mir den Antrag gemacht hat. Wenn man über 30 ist und heiratet, ist es -meiner Meinung nach – nochmal eine viel größere Entscheidung, ob man einen Familiennamen haben möchte, einen Doppelnamen, oder ob jeder weiterhin seinen Namen behält.

Man hat sich so oft mit Nachnamen vorgestellt, unterschrieben und seinen Namen am Telefon diktiert. Ein Name ist ja auch ein großer Teil der eigenen Identität.

Wie oft habe ich schon folgendes Gespräch geführt:

Ich: „Athene Pi Permantier heiße ich.“

Irgendjemand: „Athene Pi was?“

Pi Permantjeeeee – Pi, neues Wort, kein Bindestrich. P E R M A N T I E R.“

Oha! Das habe ich ja noch nie gehört. Woher kommt der Name? Ist das ein Künstlername?“

Ne, ein Künstlername ist es nicht. Ich bin in Chile geboren worden. Da bekommen alle Kinder den ersten Nachnamen des Vaters und den ersten der Mutter. Mein Vater heißt Pi Garcia mit Nachnamen und meine deutsche Mutter heisst Permantier. So bin ich zu den zwei Nachnamen ohne Bindestrich gekommen.“

Ach krass! Und Athene? Warum kein deutscher oder chilenischer Vorname?“

Ehrlich gesagt einfach so: Die zwei haben Homer gelesen, als meine Mama schwanger war und da haben sie über Athene gelesen und sich für diesen Vornamen entschieden.“

Das ist die Kurzversion. Dadurch, dass der Nachname international zusammengesetzt ist, hat ihn niemand anderes. Und deshalb habe ich mir gewünscht, meinen Namen behalten zu können. Ich kann aber auch jeden anderen verstehen, der seinen Namen nicht ändern möchte und das hatte ich Raphael auch so gesagt. Umso geflashter war ich, als er beim morgendlichen Kaffee zu mir gesagt hat, dass er sich wünscht, dass wir einen gemeinsamen Familiennamen haben. Und dass er sich deshalb vorstellen kann, seinen Namen zu ändern.

Natürlich habe ich vor Freude Rotz und Wasser geheult, als er mir das eröffnet hat.

Und später als die Standesbeamtin uns nach Namenswünschen gefragt hat und Raphael sein Vorhaben wiederholt hat, da habe ich gleich nochmal geweint – Ganz viele Freudentränen. Es ist einfach viel zu schön: Wir werden eine Familie. Mit einem Familiennamen. Wir werden die „Pi Permantiers“. Hihi.

Nachdem wir alles auf dem Amt unterschrieben haben, ging unser Papierkram auf die Reise nach Aachen.

Aachener Altstadt

Einmal bezahlen bitte und die Trauung kann kommen

Anfang April bekamen wir endlich Post aus Aachen. Im Brief stand, dass unsere Unterlagen angekommen sind und wir nun die letzten Formalitäten erledigen können. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Aachener Standesamt war klar: Auch da müssen wir nochmal persönlich vorbei. Wer im „Weißen Saal“ heiraten will, zahlt dafür nämlich zusätzlich 200 Euro Raummiete. Außerdem kosten Heiratsurkunden und die Eheschließung selbst nochmal Geld und das Aachener Standesamt „möchte gern, dass das in bar oder mit Karte bezahlt wird. Online Überweisung geht leider nicht.“

Im Nachhinein bin ich aber froh, dass wir auch nochmal dort waren. Der lustige Standesbeamte hatte noch viele nützliche Infos für uns. Zum Beispiel wünsche ich mir, dass ich etwas später als die restlichen Gäste in den Raum komme. (Wie man es sonst aus der Kirche kennt.) Und uns wurde versichert, dass das möglich ist. Und: Wir können auch den Standesbeamten vorher Infos über uns schicken. Zum Beispiel darüber wie der Antrag war und wie wir uns kennengelernt haben. Das wird dann in die Rede bei der Eheschließung einfließen. Das hätte ich bei einer standesamtlichen Trauung gar nicht für möglich gehalten und finde es großartig! Ich bin sehr gespannt, was der Standesbeamte aus den Infos machen und wie er die Eheschließung im „Weißen Saal“ gestalten wird.

Und damit haben wir den Tanz mit den Behörden geschafft – der große Tag kann kommen.

Der Katschhof in Aachen

Facts

  • Unterlagen, die in Karlsruhe für die „Anmeldung der Eheschließung“ nötig sind: Gültiger Personalausweis oder Reisepass, Auszug aus dem Geburtenregister, Aufenthaltsbescheinigung
  • Sobald einer der EheparterInnen im Ausland geboren worden ist oder schon verheiratet war, wird es deutlich komplizierter.
  • Kosten in Karlsruhe: Anmeldung der Eheschließung mit Einbezug der ausländischen Dokumente 80 Euro. – Und für den Abgleich mit der Meldedatei 11 Euro
  • Kosten für Trauung in Aachen im Weißen Saal: 200 Euro Raummiete, Eheschließung selbst 40 Euro und drei Eheurkunden 20 Euro
  • Wichtig: Früh anfangen, Nerven bewahren und immer freundlich bleiben.

Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Wedding Diaries 2: Die Suche nach unserer Location in Aachen

Nach dem Antrag ist vor dem größten Batzen Planung! Die Location ist eindeutig das Herzstück der Feier und – wenn man zwischen Juni und September feiern will – lange im Voraus ausgebucht. Das mussten auch wir auf die harte Tour lernen. Lest hier, wie wir trotzdem eine geniale Location gefunden haben. Die Facts fasse ich euch – wie immer – unten zusammen.

Am Morgen nach dem Antrag war ich um 6 Uhr hellwach und habe angefangen eine provisorische Gästeliste zu tippen. Ich war voll mit Endorphinen, (und mit Whiskey vom Vorabend – Anmerkung Raphael) die mich wacher machten, als es ein Kaffee jemals könnte! Wach und voller Tatendrang. Es soll ja Paare geben, die sich verloben und danach erstmal ein paar Jahre verlobt sind bis die heiraten. Das kam für uns nicht in Frage: 2017 sollte unser Jahr werden, heiraten wollten wir am liebsten an einem Samstag Ende August oder Anfang September.

Nach einem gemeinsamen Blick auf die erste Gästeliste war klar: Mit kleiner Feier wird das bei uns nichts: Kannste vergessen, unsere Verwandschaft ist groß.

Wo soll die Feier stattfinden?

Wir leben in Karlsruhe, allerdings verbindet uns mit der Stadt nicht viel. Raphaels Familie ist in Deutschland verteilt und der größte Teil meiner Familie wohnt in Aachen. Deshalb – aber auch, weil wir Aachen einfach sehr schön finden, haben wir uns für diese Stadt entschieden: beschauliches, altes, kleines Aachen. Wir sind also nach Weihnachten zurück nach Karlsruhe gefahren, haben uns im Internet einmal quer durch die Aachener Hochzeitsbranche gelesen und diverse Locations in der passenden Größe angefragt. Um dann zu merken: Wir haben uns das zu einfach vorgestellt. Die meisten Orte waren an unseren Wunschdaten schon ausgebucht. Außerdem wollten viele Veranstalter die Preise erst nach persönlicher Besichtigung herausgeben. Und wir saßen in Karlsruhe. Na toll.

Wir sind also zack zack nochmal nach Aachen gefahren, haben Termine bei diversesten Locations vereinbart und einen Besichtigungs-Marathon veranstaltet: Zwei Tage mit jeweils drei Terminen. Das war anstrengend und effizient zugleich. Außerdem konnten wir uns so schnell an den Gedanken gewöhnen, dass eine Party, wie wir sie uns wünschen teuer ist. Denn wenn viele Menschen mit Musik, Essen und Getränken versorgt werden, wird es schnell teuer: Pro Gast kann man mit mindestens 80 Euro Kosten rechen. Aber bei den meisten Locations geht die Rechnung erst ab 100 Euro pro Gast auf und das sind am Ende DIE Kosten, die eine Hochzeitsfeier mit vielen Gästen teuer machen.

Locations besichtigen

Ich kann euch nur raten: Nehmt euch die Zeit und besichtigt die Locations, die für euch in Frage kommen persönlich. So bekommt ihr nicht nur ein besseres Gefühl für den Raum und die Umgebung, sondern auch für die Veranstalter. Hat man das Gefühl im Gespräch mit ihnen gut aufgehoben zu sein? Wie reagiert er auf Fragen nach Extrakosten? Was ist es für ein Gefühl im Raum zu stehen? Passt der Raum von der Größe her? Er sollte ja auch nicht zu groß sein…

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Vaalsbroek

Kleiner Einblick in einige der Besichtigungen:

Das Kasteel Vaalsbroek in den Niederlanden, ein kleines romantisches Schloss mit toller Umgebung. Hier haben wir uns bei der Planerin sofort gut aufgehoben gefühlt und es hätte sogar noch einen freien Termin an einem Samstag im August gegeben. Allerdings waren die Kosten für die Veranstaltung hier für uns einfach zu hoch und uns hat der Partyraum nicht gefallen: Vor allem wegen seines bunten Teppichs: Ich bin mir sicher, dass man vom Anschauen des Musters „high“ werden kann. Eigentlich verwunderlich, denn das Schloss selbst ist wunderschön und ansonsten stilvoll eingerichtet.

Im Hotel zum Walde fanden wir ursprünglich die Idee toll, dass viele Gäste mit uns dort übernachten könnten: Eine Party in einem Hotel im Grünen. Auch hier haben wir mit einer herzlichen Veranstalterin gesprochen, die uns alles gezeigt und erklärt hat. Günstige Hotelzimmer für uns und die Gäste, netter Betrieb. Preislich wäre eine Feier hier im Rahmen geblieben, allerdings war für uns der Partyraum einfach keine Option: Es ist eigentlich eine Kegelbahn, die für Feiern umgebaut wird. Stellt ihn euch vor wie einen großen, dunklen Partykeller. Die Menschen, die den Raum damals in meiner Snapchat-Story bewundern durften, waren sich alle einig – genau wie Raphael und ich: Das ging gar nicht. Für Paare mit kleinerer Gästezahl könnte dieses Hotel aber eine gute Option sein. Es gibt hier nämlich einen wunderschönen antiken Raum, der für uns leider zu klein war.

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Hotel zum Walde: Hier kam bei uns einfach keine Partystimmung auf

Auf der Burg Wilhelmstein hatten wir ein tolles Gespräch mit einem unfassbar netten Veranstalter. Einer dieser Originale, ein Selfmade Man, denen man alles abkauft. Wisst ihr: So ein Mensch, bei dem man aus Prinzip schon gern gebucht hätte. Leider war sein größter Raum dann doch viel zu klein für unsere Partygesellschaft: Wir hätten komplett aufs Tanzen verzichten müssen. Noch heute trauere ich dem kleinen Garten mit Apfelbaum hinterher, wo die freie Trauzeremonie stattgefunden hätte. Seufz. Man kann nicht alles haben.

(Die weiteren Besichtigungen erspare ich euch. Falls ihr Fragen habt, schreibt mir: Vielleicht war ich ja auch bei eurer Traumlocation zu Besuch. Eine Übersicht mit weiteren Möglichkeiten gibt es hier.)

Und so landeten wir schließlich bei der Location, die uns schon im Netz am besten gefallen hatte, die aber keinen Samstag mehr frei hatte: Gut Hebscheid.

Muss es ein Samstag sein?

Natürlich haben auch wir uns gewünscht an einem Samstag zu heiraten und die Feier so mitten an ein Wochenende legen zu können. Nach den vielen Besichtigungen haben wir irgendwann gemerkt, dass wir entweder Ende Oktober feiern oder an einem Freitag. Nach einer kurzen Umfrage in der Familie, bei engsten Freunden und bei Snapchat stand fest, dass nicht viel gegen eine Feier am Freitag spricht, wenn man den Gästen frühzeitig ein „Save The Date“ schickt. Es wird also ein Freitag. Mit viel Zeit hinterher, um mögliche Kater auszukurieren und mit Freunden und Familie noch ein ganzes Wochenende die Feier Revue passieren zu lassen. Inzwischen freue ich mich richtig darüber!

Hier ein paar Eindrücke von Gut Hebscheid:

Die wichtigste Frage: Was wollen WIR als Brautpaar wirklich?

Familie hilft, Familie ist wichtig, aber am Ende soll es doch DIE Hochzeit sein, die wir uns als Brautpaar erträumt haben. Nach den Besichtigungen haben wir dagesessen und rumgerechnet. Die Excel – Tabellen haben uns am Ende eins gezeigt: Es wird teuer. Egal wo.

Hm, dann feiern wir doch einfach da, wo Herz und Bauch sagen: Ja, ich will! Denn darum geht’s doch bei der ganzen Sache, oder? Wir entschieden uns da zu feiern, wo wir komplett hinter stehen können und das war Gut Hebscheid: Ein Biohof, wo etwa hundert Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten. Hier kann man sich eine Biokiste für zu Hause bestellen oder eben Hochzeitsessen für die Feier auf dem Gut zubereiten lassen. Die Zeremonie kann im Innenhof stattfinden und die Feier in der großen, renovierten Scheune. Der Ort, die Idee, der Raum: Es hat einfach alles zu uns gepasst. Und deshalb ist uns die Entscheidung am Ende leicht gefallen. Wir mussten uns nur darauf konzentrieren, was uns wirklich wichtig ist.

Schaut hier, wie schön so eine Hochzeit dort aussehen kann.

Jetzt hoffe ich natürlich, dass die Feier genauso schön wird, wie ich es mir wünsche.

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Wir zwei – übrigens kurz VOR dem Antrag an Heiligabend

Tipps:

  • Falls ihr nicht zwei Jahre im Voraus bucht: Versucht flexibel mit dem Hochzeitsdatum zu sein. So bekommt man oft doch noch die Traumlocation und bisher hat uns niemand abgesagt, weil wir an einem Freitag feiern.
  • Schaut euch die Locations vorher genau an und bewertet sie, um eine leichte Entscheidung fällen zu können.
  • Macht euch vorher klar, wieviel ihr ausgeben wollt und könnt. Im Zweifel ist der Weg bei kleinerem Budget die kleinere Feier.
  • Lest euch die genauen Vertragsbedingungen durch. Bei manchen Locations steigt der Preis ab einer bestimmten Uhrzeit rapide an, zum Beispiel weil der Stundenlohn für die Kellner dann teurer wird.
  • Tipp: Vielleicht gibt es ja jemanden in eurer Familie mit Veranstaltungsraum, einem Bauernhof mit großer Scheune oder großem Grundstück? Da könnte man zum Beispiel ein großes Zelt aufstellen und schon wird die Feier günstiger. Aber das ist vor allem etwas für Menschen, die in der Stadt feiern, wo sie wohnen. Denn bei Self-Made-Hochzeiten ist natürlich mehr Manpower gefragt.
  • Und es sollte eigentlich klar sein, aber wenn sich die Familie einmischt, gerät das schonmal in den Hintergrund. Vergesst nie, dass es eure Feier ist. Es zählt nur, was EUCH gefällt.

Aachen: Das Heimkehr-Gefühl

Kein Geländer wackelt so sehr wie das in meinem Elternhaus. In dem kleinen 50er Jahre Reihenhaus, wo ich aufgewachsen bin, steht noch immer die alte Treppe. Das alte Geländer daneben ist so instabil, dass ich mich aus Gewohnheit nie daran festhalte. Würde ja eh nichts nützen. Das wackelnde Geländer ist eine Daheim-Konstante. Das war schon immer so. Zumindest denke ich das. Auf genau diese Treppe setze ich mich besonders gern, wenn ich ein paar Erinnerungen zusammenkratzen und nochmal im Kopf durchleben will. Es gab Zeiten da war ich nicht so gern zu Hause. Aber seit ich weit weg gezogen bin und in Karlsruhe wohne, genieße ich jeden Heimatbesuch noch mehr.

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Och herm“

Aachen. Das Nest, das ich früher so häufig verflucht habe, wenn ich den letzten Bus um 23:30 nach Hause genommen habe – danach fuhr nämlich keiner mehr. Und die Burtscheider Brücke in der Nacht rauflaufen – dazu hatte ich selten Bock.

Aachen. Die Stadt, wo wir im Sommer auf dem Marktplatz gesessen und Bier vom Kiosk getrunken haben. Angeblich hat meine Mama das damals einst auch schon gemacht.

Die Stadt, mit dem ordinärsten und doch charmanten Dialekt, der uns erlaubt ganz laut „och herm“ zu brüllen, wenn wir das Gefühl haben jemanden bemitleiden zu müssen. Großartig bescheuert.

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Die Zeit als ich kreuz und quer durch die Stadt mit der Aseag und meinem „School & Fun – Ticket“ gefahren bin, ist lange vorbei. – Die Busse fahren ja auch unfassbar selten. Jetzt laufe ich meistens aus Burtscheid über die Burtscheider Brücke in die Innenstadt und ich bin wirklich jedes Mal wieder überwältigt von der zauberhaften Aachener Altstadt. Die Aussicht bis rüber zum Lousberg: Inmitten der uralte, malerische Dom und drum herum die vielen alten Häuser. Dagegen ist Karlsruhe mit seinen 300 Jährchen ein Teenager-Städtchen.

Jedes einzelne Mal, wenn ich über die alte Burtscheider Brücke in die Stadt laufe überkommt mich ein wohliges warmes Gefühl im Bauch. – Aachen kommt mir jedes Mal noch ein bisschen schöner vor. Klar, es gibt immer ein paar eigenwillige Gebäude – wer dachte eigentlich jemals, dass so etwas wie das Globus Center schön sein könnte? Naja. Aber taucht man dahinter in die Altstadt und flaniert durch die Körbergasse, am Hof vorbei zum Dom, dann ist es als wäre die Zeit stehen geblieben. Und genauso fühle ich mich dann. Unter den Füßen das alte Kopfsteinpflaster und im Kopf laufen Szenen ab, die früher in einer anderen Zeit hier und dort passiert sind. – Zum Teil mit Menschen die an einem vorüber gezogen sind und zum Teil mit anderen, die sich für immer einen Platz in meinem Herz erkämpft haben. Diese gewissen Freunde, die man manchmal ewig nicht sieht und wenn man sich wiedertrifft, hat sich nichts geändert. Es fühlt sich gut und richtig an.

Ich muss zugeben: Ich bin Aachen dankbar dafür, dass sich die Altstadt nicht verändert. Denn so kann ich mich immer genauso fühlen wie damals mit 15 als ich zum Bus gerannt bin, weil ich nur bis 22 Uhr draussen bleiben durfte. – Oder mit 19 als wir auf dem Katschhof unser Abi gefeiert haben. Die Kulisse bleibt – sie hilft mir die Erinnerungen einzufrieren und wieder kurz für einen Moment aufzutauen und mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. – Jedes Mal: In der Altstadt und auf der alten Treppe bei uns zu Hause.