Wedding Diaries 10: Was gehört in die Einladung?

Das Netz schwappt über vor Ideen für eine Hochzeitseinladung. Leider gefällt mir davon wenig bis gar nichts. Daher war ich froh, dass es in der Familie Designer gibt, die meinen Geschmack teilen. Hier habe ich euch zusammengefasst, was alles in einer Einladung stehen kann, damit eure Gäste alle wichtigen Infos bekommen.

„Bitte kommt zu unserer Feier, wir würden uns so freuen. Aber bitte sagt fest zu, ja?! Mit „wahrscheinlich kommen wir“ kann man bei der Hochzeitsplanung so gaaaar nichts anfangen. Ach ja – und bitte schenkt uns einfach Geld für die Hochzeitsreise. Unsere Wohnung ist nämlich leider sehr voll. Und einen gemeinsamen Haushalt haben wir schon.“

Das schwirrte mir im Kopf herum, war aber kein bisschen druckreif. Schon die Gästeliste allein ist die reinste Mammutaufgabe. Wie sollten wir die richtigen Worte für die Einladung finden? Und sicherstellen, dass keine Informationen verloren gegen?

Wenigstens um das Design mussten wir uns keine Sorgen machen: Schnell war klar, dass das mein Vater übernehmen würde. Denn er ist Designer und kann das ausgezeichnet. Wir haben überlegt, was uns wichtig ist. Ein paar Ideen und ein Foto haben wir ihm geschickt, als wir uns generell Gedanken über den Style und das Farbkonzept gemacht haben. Und dann haben wir ihn gebeten einfach loszulegen. Ich selbst kann es nämlich überhaupt nicht leiden, wenn mir jemand eine Aufgabe überträgt und mir danach immer reinredet. – So als würde er es eigentlich lieber selbst machen wollen.

Generell kann ich jedem raten, zuerst ein Farbkonzept für die Feier zu machen und sich zu überlegen wie der Stil der Feier sein soll. Denn es ist wirklich schön, wenn am großen Tag alles zueinander passt: Einladung, Kleidung des Brautpaares, Location und Tischdeko.

Das System mit den Papieren

Schnell war klar, dass wir nicht alle Gäste zu den gleichen Programmpunkten einladen können: Vor allem aus Platzgründen. Also soll der engste Familienkreis mit zum Standesamt kommen, Familie und engste Freunde zu Zeremonie und Essen auf dem Gut und weitere  gute Freunde zur Party am Abend. Weil unsere Familien auf beiden Seiten sehr groß sind, wäre es gar nicht anders gegangen. Also sollte es ein Blatt mit Infos zur Party geben. Und auf weiteren Blättern sollte jeweils etwas zum Standesamt und Essen stehen – oder nur zum Essen. So, dass jeder die für ihn passende Einladung bekommt.

Dieses System eignet sich nicht für jeden. Es ist vor allem praktisch wenn – wie bei uns – klar ist, dass abends viele ältere Menschen gehen werden. Es gleichzeitig aber viele Leute gibt, mit denen man gerne anstoßen und feiern würde.

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Unsere Einladung

Der Text in der Einladung

Über den passenden Worten haben wir lange gebrütet, drüber geschlafen und überarbeitet.

Wichtig ist vor allem, dass die Gäste alle Informationen haben, um euch und die Location zu finden. Dass sie wissen, was sie schenken können. Welche Übernachtungsmöglichkeiten es gibt. Ganz wichtig: Bis wann sie fest zusagen sollen. Und wie ihr mit dem Programm umgehen wollt. Uns war es zum sehr Beispiel wichtig, dass keine klassischen Hochzeitsspielchen stattfinden. Also haben wir unseren genialen Freund und Zeremonienmeister Kim beauftragt, diese Beiträge freundlich und bestimmt abzulehnen. Er war für die Planung des Abendprogramms zuständig und ich kann jedem ans Herz legen, diese Aufgabe abzugeben.

Und weil das doch viele Aspekte sind, die überlegt werden müssen, hat es eine Weile gedauert bis unsere Einladungen endlich fertig waren. Damit am Ende aber trotzdem möglichst viele Menschen Zeit haben und sich den Termin reservieren, hatten wir kurz nach der Verlobung schon „Save-The-Date-Nachrichten“ verschickt. Das hat insgesamt gut funktioniert.

Diese Infos dürfen nicht fehlen:

  • Komplette Namen von Braut und Bräutigam und Kontaktdaten
  • Ort, Datum und Zeit der Trauung, des Essens und der Feier
  • Was wünscht ihr euch? (z.B. Wir freuen uns über einen Zuschuss zu den Flitterwochen. Unsere Wohnung ist bereits ausgestattet, aber wir würden uns über finanzielle Unterstützung freuen, – wir sparen gerade auf ein neues Auto..)
  • Kontaktdaten der Trauzeugen mit Angabe ihrer Aufgabe (Falls ihr etwas zum Programm beitragen möchtet, meldet euch bitte bei XY, Beiträge müssen vorher vom Trauzeugen gecheckt werden)
  • Inspiration zu Übernachtungsmöglichkeiten
  • Datum für Zu- und Absagen (Bitte gebt uns bis zum XY Bescheid, ob ihr dabei sein werdet)
  • Dresscode (z.B. Um festliche Kleidung wird gebeten)
  • Falls zwischen den Programmpunkten viel Zeit liegt: Der Nachmittag steht zur freien Verfügung. So weiß jeder, dass er nicht warten muss und ein Päuschen machen kann.

Besonders der Aspekt mit den Geschenken hat uns beschäftigt. Fest stand: Wir wollen verreisen. Und zusätzlich zu den Hochzeitskosten wird das einfach zu teuer. Also war klar, dass wir uns Geld für diese Reise wünschen wollen. Aber einfach Geld schenken, ist nicht jedermanns Sache. Also haben wir eine Seite eingerichtet, auf der wir unsere ganze Hochzeitsreise in Sri Lanka durchgeplant haben. So konnten sich die Gäste ein Bild davon machen wohin wir genau reisen wollen und Teile davon schenken. Wir selbst fanden das perfekt. Als Hochzeitsgäste hatten wir uns vorher schon sehr darüber gefreut, als Freunde eine solche Seite hatten. So kann man einen konkreten Wunsch erfüllen und nicht „nur“ Geld verschenken.

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Das Design der Einladung haben wir komplett in die Hände meines Vaters gelegt. Er hat uns irgendwann einen Entwurf geschickt. Wir waren wirklich begeistert. Und als das Design vollendet war, hat mein Vater alles ausgedruckt. Aber damit waren sie noch lange nicht fertig. Dann hieß es für uns: basteln! Denn die Idee war, die Blätter in einen Einband aus Kraftpapier einzubinden. – Und die Einladungen mit zwei Schleifen zu versehen. Wunderhübsch finde ich sie bis heute. Aber es war vieeeel Arbeit – und viel mehr DIY als gedacht. Wir zwei haben an jenem Tag so viel gebastelt wie seit der Grundschule nicht mehr. Trotzdem: Ich würde es sofort wieder so machen. Das ist wie früher beim Weihnachtsgeschenke basteln. Man denkt die ganze Zeit an das Event und die lieben Menschen, mit denen man es feiern will. Und das füllt das Herz mit Liebe und Freude.

Tipps:

  • Macht euch keinen Stress mit der Einladung: Verschickt erst die „Save the Date“-Nachrichten und nehmt euch danach Zeit, um die passende Einladung zu finden.
  • Habt die Einladungs-Infos am Ende auch nochmal als pdf parat. Es kann immer sein, dass manche ihre Einladungen zu Hause vergessen oder sie nicht ankommen (Ist mir drei Mal passiert). Dann ist es gut, wenn man sie schnell per Mail verschicken kann, um die Gäste mit der passenden Info zu versorgen.
  • Die Einladung sollte im besten Fall euch und den Stil eurer Feier widerspiegeln. Daher bietet es sich an vorher das Farb- und Dekokonzept zu erarbeiten und die Einladungen daran anzupassen.

Wedding Diaries 9: Unsere DIY – Deko für die Location

Do it yourself. Sobald das in der Beschreibung für ein Produkt steht, mache ich normalerweise einen großen Bogen darum. Vor meinem inneren Auge sehe ich mich voller Kleber und Fäden mit einem hässlichen Papp-Dings in der Hand. Wie früher im Kindergarten. Basteln und Dinge selber bauen, traue ich mir eigentlich nicht zu. Rückblickend bin ich selbst überrascht, wieviel DIY am Ende dann doch in unserer Hochzeit gesteckt hat. Und ich finde, es hat sich sehr gelohnt.

Unsere Location: Eine Scheune, die zu einer Event-Location umgebaut worden ist. Ich gebe zu: Es schreit nach DIY, handmande und ein bisschen Boho. Und am Ende ist es genau das geworden, ohne dass ich es vor hatte.

Und genauso war es gut für uns. Denn hätte ich vorher geahnt, dass ich stundenlang Buchstaben auf Tischkärtchen stempeln würde, hätte ich wohl aufgegeben, noch bevor ich angefangen habe. In diesem Fall hatte ich eine Vision vor Augen: Von einer Scheune mit Girlanden, Platzkarten aus Kraftpapier und Wiesenblumen auf den Tischen. Am besten in vielen Gläsern. Das war es. Und dann haben wir angefangen. Eins nach dem anderen.

Foto: Tomek Wozniakowski

Wenn ich eins von Anfang an verstanden habe ist es: Bei der Hochzeitsvorbereitung ist es wichtig, sich Hilfe zu holen. Entweder man bezieht Freunde und Familie ein oder man beauftragt professionelle Wedding Planer und Dekorateure. Alles ist möglich. Je nach Geschmack. Ich bin unendlich dankbar, dass wir so viel kreative Hilfe aus der Familie bekommen haben. Als studierte Designerin habe ich meine Mutter schon ganz zu Anfang (kurz nach der Verlobung) gefragt: „Würdest du dich um die Deko kümmern?“ Und sie hat zu unserem Glück gleich „ja“ gesagt. Ich war mir also gleich zu Beginn sicher, dass unsere Deko Stil haben wird. Alles andere haben wir gemeinsam herausgefunden. Vor allem indem ich erst einmal das Moodboard erstellt habe und wir daraufhin die Farben für die Deko festgelegt haben. Darüber habe ich hier geschrieben. Unsere Farbe ist „Lagune“, wir mögen Kraftpapier und wilde Blumen. Damit standen alle Basics.

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Deko der Scheune

In der Woche vor der Hochzeit war es an der Zeit die Deko für den Raum fertigzustellen: Neben den Platzkärtchen sollte ein persönliches Goodie auf jedem Platz liegen. Die Tische sollten nach Ländern benannt werden, die wir schon bereist haben. Außerdem sollten auf jedem Tisch Einmalkameras aufgestellt und Gästebücher aufgestellt werden. Und natürlich Blumen. Als Tüpfelchen auf dem I hatte meine Mutter – Head of Deko – noch die Idee eine Girlande aus Stoffresten selbst zu machen und durch den Raum zu spannen. Schöne Idee dachte ich erst. Und als ich die Girlande schließlich im Raum hängen sah, war es viel perfekter als erwartet. Grün blau bunt. Sie hat den Stil rund gemacht.

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Foto der Party unter der Girlande von Jan Suchland

Platzkarten stempeln

Damit jeder Gast seinen Platz findet, sollte es Platzkärtchen geben. Dafür hatten wir im Netz einfache Kärtchen aus Kraftpapier bestellt. Und bis zu jenem Tag war ich mir nicht sicher, wie ich sie beschriften sollte. Zum einen hatte ich schwarze, einfache Stifte dafür. Außerdem lagen Stempel bereit, um jeden Buchstaben einzeln auf die Kärtchen zu drücken. Nachdem ich es an einer Karte getestet hatte, stand fest: Namen schreiben, ist zwar möglich. Sieht allerdings nicht besonders schön aus. Namen stempeln ist unfassbar viel Arbeit. Ich finde es allerdings unendlich schön und passend zu unserem Style. Also habe ich – ohne zu lange darüber nachzudenken – einfach angefangen zu stempeln. Und zu stempeln. Und zu stempeln. Stundenlang. Buchstabe für Buchstabe. Irgendwann brummte mir der Kopf. Aber ich würde es jederzeit wieder so machen!

Foto: Tomek Wozniakowski

Zeitkapseln und Tischbücher

Um unsere Tische zu benennen und hinterher ein Andenken an die Menschen an dem Tisch zu haben, hatte ich mir eine Kombi-Lösung ausgedacht. Nach dem Motto: Keine tausend Sachen auf einem Tisch. Lieber einzelne Ideen kombinieren. Und hinterher ein schönes Andenken haben. So entstanden die Zeitkapsel-Tischbücher.

Die Idee ist die: Am Eingang gab es eine Übersicht. An einer Wäscheleine hatten wir auf Kraftpapier kleine Listen geschrieben. Darauf standen jeweils die Leute, die an einem Tisch sitzen sollen. Also zum Beispiel: Tisch Neuseeland: Oma, Opa, Iris, Robert usw. So wussten sie, dass sie in der Scheune nach Tisch Neuseeland suchen sollen. Auf Tisch „Neuseeland“ stand ein schwarzes kleines Buch. Darauf ein Bild von Raphael und mir aus Neuseeland und darin viel Platz für die Wünsche unserer Gäste. Auf die erste Seite des Buches hatte ich Ihnen eine kleine Anleitung geschrieben. Ein paar Zeilen über unseren Urlaub in Neuseeland. Und dass dieses Buch noch eine zweite Aufgabe hat: Es soll eine Zeitkapsel für uns in der Zukunft werden. Die Gäste sollten uns Wünsche für einen bestimmten Hochzeitstag schreiben. Und erst dann werden wir sie Bücher wieder öffnen und alle Wünsche lesen.

Wir sind also jetzt versorgt mit Zeitkapseln bis zum 20. Hochzeitstag. Denn jeder Tisch hat einen anderen Jahrestag zugeteilt bekommen. Das ist wirklich sehr spannend! Inzwischen habe ich alle Bücher mit Schleifen versehen, sortiert und in einen Schuhkarton gepackt. Und freue mich sehr darauf, sie durchzublättern.

Ich gebe zu: Etwas schwierig zu erklären. Aber Kombi-Lösung trifft es ganz gut. Und zu uns als Reisemenschen haben diese Bücher einfach gepasst.

Foto: Tomek Wozniakowski

 

Andenken

Von Gastgeschenken halte ich eigentlich nicht besonders viel. Bei Hochzeiten, wo wir bisher waren, lagen am Ende des Abends immer noch viele Gastgeschenke auf den Tischen herum. So schade darum! Deshalb wollte ich ursprünglich von Gastgeschenken absehen. Dann hatte mich aber die Planungswut gepackt. Und da war die Idee: Warum nicht jedem eine kleine Botschaft an den Platz legen? Und zwar ein Foto aus dem Land des Tisches, das wir geschossen haben. Also ein Foto aus Chile, Indonesien….Panama, USA… mit einer kleinen persönlichen Botschaft auf der Rückseite mit persönlicher Anrede für den Gast. Schon wieder viel Arbeit. Aber ich fand es einfach zu passend, um es nicht zu machen. Also haben wir im Internet Fotos im Polaroid-Style bestellt. Und jedes Foto mit einer kleinen Widmung versehen und an den Platz den Gastes gelegt. So hatte jeder eine Kleinigkeit als Andenken. Nichts, was einem die Wohnung voller macht. Einfach eine kleine Aufmerksamkeit. Wir waren uns einig: Dieses Mini-Gastgeschenk hat gut zu uns gepasst, weil es etwas mit uns zu tun hatte und gleichzeitig eine persönliche Botschaft an jeden Gast übermittelt hat. Das hat es für mich „besonders“ gemacht.

Hier noch ein Tipp am Rande: Falls ihr so etwas machen wollt, sucht euch vorher einen Stift, der gut auf Folie schreibt. Ein paar Bilder habe ich versaut, weil ich den falschen Stift verwendet habe.

Foto: Tomek Wozniakowski

Blumen schneiden

Am Donnerstag – also einen Tag vor der Hochzeit – war „Blumen schneiden“ auf unserer To-Do-Liste. Meine Mutter hatte einen Ort in Aachen gefunden, wo man für eine gewisse Zeit selber Blumen schneiden darf. Man zahlt pro Person und kann alle Blumen mitnehmen, die man geschnitten hat. Viel Arbeit – aber für uns Wiesenblumen-Fans ein Traum. Da ich am Mittwoch allerdings schon bei der Maniküre war und noch tausend andere Dinge zu basteln und zu erledigen hatte, war ich unendlich dankbar, dass meine Mutter mit anderen Blumen schneiden gegangen ist. Mein Bruder und meine Cousine hatten mir noch Hilfe angeboten und ich bin unendlich froh, dass ich sie angenommen und die zwei eingebunden habe. Das hat uns sehr geholfen. Die drei kamen vollbepackt mit bunten Blümchen bei der Location an. Einzigartig und viel schöner als ich es mir erträumt hatte. Wenn man die Zeit und die Manpower dazu hat, ist es auf jeden Fall eine gute und günstige Alternative Blumen selbst zu schneiden und aufzustellen.

Foto: Tomek Wozniakowski

Aufbau: Der Vorteil des Freitags

Auf Gut Hebscheid finden den ganzen Sommer bis in den September an den Wochenenden Hochzeiten statt. Am Freitag und am Samstag. Als wir im Januar auf Location-Suche gegangen sind, haben wir noch noch einen Freitag im September auf Gut Hebscheid reservieren können. Alle Samstage waren schon weg. Während wir anfangs noch unsicher waren, ob der Tag eine gute Wahl war, bin ich inzwischen sicher: Er war perfekt! Ein Vorteil zum Beispiel: Wir konnten schon am Donnerstagvormittag an der Location aufbauen. Hätte es an dem Tag eine Veranstaltung gegeben, dann hätten wie nachmittags aufbauen können. Als Vergleich: Alle Paare, die an einem Samstag heiraten, können natürlich erst Samstagmorgen in die Location. Das macht vieles in der Planung komplizierter und stressiger.

Gegen 11 Uhr haben wir uns an der Scheune getroffen: Meine Mutter, ihre Helfer und die Blumen. Der DJ, der einen Probeaufbau gemacht hat. Raphaels Trauzeuge, mein Vater, Raphael und ich. Außerdem waren noch die Mitarbeiter von Gut Hebscheid da, die für den Aufbau und Eindecken der Tische zuständig waren. Der alte, nervige Spruch: „Viele Hände, schnelles Ende“ hat hier auf jeden Fall gut gepasst. Die Blumen-Schneider haben die Blumen angerichtet, auf viele kleine und große Gläser verteilt und schließlich auf die Tische gestellt.

Raphaels Bruder und mein Vater haben Girlanden aufgehangen. Raphael und ich haben die Candy Bar aufgestellt und hinterher noch Tischbücher, Platzkarten und Andenken auf jedem Platz verteilt. Und ganz am Ende ist unser Head of Deko nochmal durch den Raum gelaufen und hat alles wohlwollend geprüft und Blumen zurechtgeschoben. Fertig. Rückblickend hatte ich mir diesen Tag deutlich stressiger vorgestellt. Den Nachmittag über hatten wir frei. Wir sind ins Hotel umgezogen, ich war im Pool, wir konnten uns entspannen und auf den großen Tag freuen.

Foto: Tomek Wozniakowski

Tipps:

  • Macht nur so viel selber, dass es nicht in Stress ausartet. Die Tage vor der Hochzeit werden stressig genug.
  • Wenn euch Freunde und Bekannte Hilfe anbieten: Nehmt sie an und vertraut ihnen.
  • Nehmt euch ein paar Tage vor der Hochzeit Zeit, um alles zu organisieren. So könnt ihr ohne Stress noch letzte Besorgungen machen und eure eigenen spontanen Ideen umsetzen. Wir waren eine Woche früher in Aachen und haben diese Zeit auch gebraucht.

Wedding Diaries 6: Ein Ring für immer

Die Suche nach den passenden Ringen für zwei Verlobte ist fast so kompliziert wie die Einrichtung der ersten eigenen Wohnung. Schließlich muss man sich einig werden über zwei Schmuckstücke, die beide den Rest ihres Lebens am Finger tragen wollen. Da treffen Ideologien und Geschmäcker aufeinander und beide können das „Ja-und-zwar-für-immer-sagen“ schon einmal üben: „Hallo Ring, dich nehme ich hiermit als meinen Ehering an. Ich werde dich lieben und ehren und vor allem immer gern am Finger tragen. Egal wie die Mode sich ändert. Versprochen“

Bei der ersten Suche im Netz nach „Ehering“ lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. „Ernsthaft?“ Dachte ich. „So etwas kaufen Menschen und tragen es ab der Hochzeit für immer mit sich herum?“ Tausend glitzernde Steinchen, die in Wellen auf dem Ring verteilt sind. Mischungen aus gelb- rose- und weißgold in den wildesten Mustern. Gepunktete Eheringe, Herzchenringe, geflochtene Ringe. Wow. Ich klappe den Laptop zu und bin sicher: Wir werden nichts finden.

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Auf unserer ersten Reise in Italien – zwei Tage später sind wir offiziell „zusammengekommen“

Große Auswahl auf der Hochzeitsmesse

Kurz darauf schleife ich Raphael auf die Hochzeitsmesse in Karlsruhe, denn ich habe gelesen, dass dort auch viele Aussteller ihre Eheringe präsentieren. Da bekommt man schnell einen Überblick und kann im Zweifel fix zum nächsten Stand weiterlaufen. Auf der Messe wird mir dann klar, dass ich im siebten Himmel gelandet bin: Traumhafte Kleider, Einladungen, Torten und Ringe soweit das Auge reicht. Der Hochzeits-Virus hat mich inzwischen so sehr gepackt, dass die Endorphine in mir Salsa tanzen, sobald ich nur ein bisschen weißen Tüll sehe. Wir laufen durch die Eingangshalle und am ersten kleinen Stand mit Eheringen bleiben wir stehen. Das kleine Schmuckatelier Egger aus Karlsruhe hat nicht unendlich viele Ringe. Aber ich bin positiv überrascht. Auch wenn uns die Probierringe alle zu groß sind, gibt es hier ein Set, das mir sehr gut gefällt: Breite, schlichte Ringe in Rotgold. Die Variante für die Dame ist mit drei klitzekleinen Brillanten verziert. „Brillanten? Brauch ich nicht“ schreit es mir aus meinem Innersten entgegen. Aber der Ring fasziniert mich. Auf allen Fotos, die ich vorher im Netz gesehen hatte, fand ich Ringe in rose- oder rotgold eher abschreckend. Am Finger sieht das aber ganz anders aus: Im Gegensatz zu den Ringen in gelbgold geht dieser eine viel schönere Symbiose mit meiner Haut ein. – Auch weil der Kontrast nicht so groß ist. Ehrlich gesagt habe ich mich auf den ersten Blick in diesen Ring verliebt. Aber das erstbeste nehmen? Auf keinen Fall. Außerdem gibt es auf der Messe noch so viele weitere Stände.

Wir schauen und schauen – und ich werde mir an diesem Tag immer sicherer, was ich nicht will. Das ist ja auch schonmal was. In der Haupthalle herrscht Hochbetrieb bei einem Juwelier. An 10 Tischen werden im Akkord Brautpaare beraten. In mir kommt dieses zwiespältige Gefühl auf: Will ich da unbedingt hin und auch mal gucken, weil es da so viele hinzieht? Oder ist mir das zu sehr Massenabfertigung?

Während ich noch darüber nachdenke, ruft uns ein Mann herüber und weist uns einen Platz zu. Eine Sekunde zu lang vor dem Stand herumgestanden. Wir lassen uns auf das Spiel ein. Ein junger, unerfahrener Typ „berät“ uns. Obwohl, das ist eigentlich zu viel gesagt, denn er stellt uns einfach nacheinander kleine Boxen mit verschiedenen Ringen vor die Nase und sagt: „Sowas? Oder eher sowas?“ Und ich denk mir nur: „Neeeeein! Nichts von alledem“ Ich fühl mich zurück in meine erste Google-Suchanfrage katapultiert und will weglaufen. Raphael geht es ähnlich und so stammeln wir nach wenigen Minuten: „Danke für ihre Mühen. Da war leider nichts dabei.“ Und weiter geht’s.

Am Abend haben wir gelernt: Massenabfertigung wollen wir nicht, 99 % der Juweliere fallen raus und beim offiziellen Fair-Trade-Shop in Karlsruhe gibt es schöne Ringe, aber dennoch nichts, was uns wirklich gefällt. Aber bei der ersten kleinen Goldschmiede, die wir auf der Messe entdeckt haben, schon. Also vereinbaren wir einen Termin beim Schmuckatelier Egger – es ist gleich bei uns um die Ecke.

Persönlich und handgemacht

 

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Damals in Italien

Bei den Eggers schauen wir mehrmals vorbei. Sie haben eine zauberhafte kleine Goldschmiede in Karlsruhe und strahlen all das aus, was mir gefällt: Es sind normale, nette Leute, die ihr Handwerk verstehen. Geduldig erklären sie uns alles über die verschiedenen Zusammensetzungen des Goldes, das ein Ehering niemals zersägt werden sollte (Unendlichkeit und Kreis und so). Wenn man ihn irgendwann mal von der Größe her anpassen will, dann nur indem man ihn enger staucht oder weiter dehnt. Außerdem beziehen sie in diesem Atelier – zu unserer Begeisterung – nur zertifiziertes Gold. Man kann also genau verfolgen, wo das Gold herkommt und dass niemand dafür ausgebeutet worden ist.

Wir probieren alle Ringe durch und am Ende steht fest: Der erste Ring ist es noch immer. Mir war es von Anfang an klar, aber ich war froh, dass sich auch Raphael für ihn begeistern kann. Anfangs hadert er noch etwas mit sich wegen der breiten, abgerundeten Form. Aber da wir die Ringe genau nach unseren Vorstellungen schmieden lassen können, ist es kein Problem:

Raphael bekommt einen etwas flacheren als ich. Ansonsten sind die aber weiterhin ein Paar, bei dem man sofort sieht: Sie gehören zusammen. Ich bin begeistert, kann mich aber noch nicht entscheiden, ob ich mir Steinchen gönnen möchte oder nicht. „Brauche ich sie wirklich? Nerven sie vielleicht irgendwann? Gehören auf einen Ehering Steinchen? Rotgold ist gerade im Trend – was wenn er uns irgendwann nicht mehr gefällt?“ Seltsame Gedanken, die durch meinen Kopf schwirren. Schließlich weiß ich eigentlich genau: Es ist egal, was „man“ macht. Ist ja schließlich nicht mans Hochzeit, sondern unsere.

Um völlig sicher zu sein gehen wir zum Vergleich noch in einen 0815 Traditionsjuwelier und lassen uns deren Ringe zeigen. Wir fühlen uns ein bisschen vom Schicksal verarscht, als die Ringe, die uns dort am besten gefallen den Namen „Livorno“ tragen. Das ist der Ort, an dem wir uns zum ersten Mal geküsst haben. Und dieser Tag ist seitdem unser „Zusammenkomm-Tag.“ Mist. Aber in diesem Juwelier haben sie leider kein zertifiziertes Gold. Und der Bauch und das Herz verlangen nach diesen jenen anderen Ringen bei den Eggers. Die Entscheidung steht. Sie musste nur untermauert werden.

 

 

 

3 Steinchen bitte, danke

Nach unserer Zusage machen sich die Eggers daran, unsere Ringe zu schmieden. Ich habe sie gebeten meinen erst einmal ohne Brillanten herzustellen, damit ich mich bei der Anprobe final für oder gegen die Steinchen entscheiden kann. Bisher kann ich mir den Ring auch gar nicht wirklich vorstellen, denn bisher waren sie immer vieeeeeel zu groß. Das Herz rast vor Freude, als ich ihn mir zum ersten Mal über den Finger streife. WUNDERSCHÖN. Aber etwas fehlt. Ohne Steinchen sieht er tatsächlich etwas nackt aus. Ich hadere mit mir und kann oder will mich (mal wieder) nicht entscheiden, als Frau Egger sagt: „Eigentlich haben sie sich doch schon für die Brillanten entschieden, oder?“ Oha. Sie hat es mir angesehen und ja, sie hat recht. Ich bin ihr unendlich dankbar für diesen Satz.

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Natürlich lassen wir die Ringe auch noch gravieren. Allerdings nicht mit der Maschine (das wäre ohne Aufpreis möglich gewesen). Wir entscheiden uns für die Handgravur beim Fachmann. Eine tiefe Gravur mit Namen und Hochzeitsdatum, die man fühlen kann. Das ist zwar teurer, aber für uns steht fest: Wir wollen nicht an dem sparen, was am längsten bleiben wird nach dieser Hochzeit. Die Ringe sollen für uns perfekt sein.

Zwei Wochen später holen wir sie ab und als ich die funkelnden Steinchen sehe, kommen mir die Tränen. Wow. Einfach perfekt – perfekt für uns: Schlicht, breit, wunderbare Handschmeichler, extra für uns gefertigt und aus zertifiziertem Gold.

Psst – bis zur Hochzeit schaue ich sie mir alle 3 Tage an und freue mich jedes Mal aufs Neue, dass wir im Wust der großen, verrückten Auswahl genau das Richtige für uns gefunden haben.

„Und ja, lieber Ring: Ich werde dich lieben und ehren und vor allem immer gern am Finger tragen. Egal wie die Mode sich ändert. Versprochen. Deine Athene“

Showtime für die Ringe. Foto: Tomek Wozniakowski

Facts:

  • Hochzeitsmessen sind eine gute Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen
  • Wenn euch Nachhaltigkeit interessiert, fragt unbedingt nach der Herkunft des Goldes. Ist es Fair-Trade und damit zertifiziert?
  • Eine Hochzeit ist teuer. Definitiv. Allerdings sind die Ringe das, was euch am längsten bleibt von diesem Tag. Von daher würde ich sagen: Die Investition in hochwertige Ringe lohnt sich. Unser Ringpaar hat am Ende 1400 Euro gekostet und wurde individuell von Herrn Egger für uns gefertigt.
  • Manche Ateliers bieten an, dass man sich die Ringe selbst schmieden kann. Das ist nichts für ungeduldige Menschen wie mich. Aber eine tolle Idee, oder? Schaut hier

Neue Impulse beim Reisen: Wie Gespräche das eigene Leben bereichern

Und wo übernachtet ihr, wenn ihr auf Reisen seid? – Hotel? Appartment?“ – „Am liebsten bei anderen“, antworte ich darauf meistens. Denn so sind wir auf Reisen immer im Austausch – von ganz allein. Und das ist für mich unfassbar wertvoll.

Ich habe festgestellt: Im Alltag umgibt man sich immer mit den gleichen Leuten, geht ähnliche Wege und dadurch dreht sich vieles im Kreis. Auf Reisen, im Kontakt mit anderen Menschen ergibt sich von ganz alleine die Chance neue Perspektiven auf unser Leben zu bekommen. – Oder andere Denkansätze. Und das einfach nur, weil ein Gespräch entsteht und aus diesem Gespräch gibt es am Ende einen Satz. Und der bleibt für immer. Der verändert vielleicht sogar etwas – für immer.

Und manchmal liegt es einfach daran, dass Urlaub ist und da nehme ich mir mehr Zeit zuzuhören und gelernte Muster in Frage zu stellen. Und dabei müssen es gar nicht immer die tiefgründigen Gedanken sein. Manchmal reicht es, wenn einem ein Fremder seine Wahrheit und Weltsicht vor den Latz knallt – und schon schwimmen die Gedanken in eine neue Richtung. Hier habe ich ein paar Beispiele für euch, von Menschen, die meine Gedankenwelt durch ihre kleinen Sätze verändert und bereichert haben.

Unser Surfmobil in Kalifornien mit den Boards von Carlos Santana

You have to commit to the wave“ – Carlos Santana, Huntington Beach, Kalifornien

Huntington Beach ist einer der Orte in Kalifornien, wo viele Schüler noch morgens vor der Schule Surfunterricht bekommen. Surfen, Entwicklung und Wellenreiten – das gehört hier einfach dazu. Wir haben bei Christine und Carlos Santana gewohnt, ein sehr außergewöhnliches Pärchen. Sie ist gelernte Opernsängerin, die inzwischen ihr Geld verdient, indem sie Möbel im Dawanda-Style upcyclet. In ihrer Garage stehen abgebeizte Tische, die sie zum Beispiel mit Silberfolie verziert. Sehr… originell! Carlos ist Unternehmer, verkauft Autos und er ist leidenschaftlicher Surfer. (Ja, er heisst wirklich Carlos Santana, ist mit besagtem aber weder verwandt noch verschwägert). Gleich zu Beginn unseres Besuchs hat Carlos uns seine Surfboards ausgeliehen, uns gesagt wohin wir am besten fahren und um wieviel Uhr. Diese Boards haben wir in unseren Mietwagen gepackt und los.

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Die Gespräche mit ihm waren lang und ausgiebig. Er ist eine dieser schillernden Persönlichkeiten, die man unbedingt öfter um sich herum haben will, weil sie einem ein gutes Gefühl geben und neue Ideen. Von ihm kam der Satz, den ich mir JEDES Mal beim Surfen wieder ins Gedächtnis rufe. Als er uns eines morgens eine Trocken-Surfstunde auf dem Boden gegeben hat, sagte Carlos auf einmal: Wenn du es nur halb willst, dann kannst du es auch lassen. Du wirst die Welle nicht bekommen, sie wird dich umschmeissen. Um eine Chance zu haben, dass es klappt gibt’s nur einen Weg: „You always have to commit to the wave.“ Es liegt auf der Hand, es ist so logisch. Und doch erklärt es mir so viele Surftage, an denen ich Weißwasser (Schaum gebrochener Wellen) gefressen hab und mich gefragt hab, warum es gerade nicht läuft. Es lag meistens an mir und meinem Einsatz und Willen. Danke Carlos für diesen Satz.

Bigger board more fun“ – Andy, Bali

Auf Bali hatten wir einen Surfguide, der war die personifizierte Grumpy Cat. Andy lebt mitten im Paradies, hat aber leider trotzdem meistens miese Laune. Außerdem war er insgesamt kein besonders guter Surflehrer. Selten hat er es geschafft einen zu motivieren, eine etwas größere Welle anzupaddeln. Ich hatte immer den Eindruck er hat keinen Bock auf uns und seinen Job. Nach der Session fiel ihm immer ein Satz ein, mit dem er uns einen reinwürgen konnte, wenn er einem gesagt hat: „Wenn du davor schon Angst hast, wie willst du jemals besser werden? Eigentlich hatte ich mir vorgenommen hinterher keinen müden Gedanken mehr an grumpy Andy zu verschwenden. 

Die Boards auf Bali

Aber dann kam der eine Tag, als er meinen Surfboardstolz durch einen Satz für immer verändert hat. Es gab kleine Wellen, eigentlich perfekt zum Üben – vor allem mit einem großen, langen Surfboard. Aber ich hab mich aus Stolz mit einem kleineren Board abgekämpft und die Wellen nicht bekommen. Sie wollten mich einfach nicht mitnehmen. Es lag natürlich auch an meiner fehlenden Kraft. (Ich gehe zwar ins Fitness-Studio und trainiere gezielt die Arme, dennoch surfe ich einfach zu selten) Nach der Session sagte Andy dann (etwas schnippisch): „Well, bigger board more fun.“ Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich später noch an Irgendwas von ihm erinnern würde, aber dieser Satz hat sich eingebrannt. Einen Tag später habe ich mir am Strand einfach ein großes Board geliehen und es hat einfach gewuppt. Auf einer Welle nach der anderen bin ich Richtung Strand gesurft und es war einfach großartig. Natürlich ist das keine große Philosophie. Und doch hat es etwas bei mir verändert. Wenn ich am Strand bin, möchte ich möglichst viel Spaß haben. Und das klappt bei mir – bisher – mit großem Board besser. Und daher bin ich froh, Andy getroffen zu haben.

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It´s always fun if you proceed.“ Ste`en aus Raglan, Neuseeland

Ste`en – was für ein außergewöhnlicher Typ! Der hat verstanden, dass es im Leben nicht um die große Karriere geht. Er lebt im verschlafenen Surferort Raglan in Neuseeland, arbeitet nebenher für ein Snowboardmagazin und er surft sooft er kann. Hauptberuflich kümmert er sich allerdings um sein Haus, hält es instand und vermietet ein kleines Apartment daraus an Reisende. Da sind auch wir gelandet und hatten die Chance ihn kennenzulernen. Ste´en verkörpert für mich den perfekten Surferlebensstil, wie er sich in der Realität leben lässt. Er läuft zum Beispiel 20 Minuten mit dem Board über Klippen, um an die eine geheime Stelle zu gelangen, wo die Wellen besonders schön brechen. Mit dem Snowboarden hat er vorerst aufgehört, weil er dort nicht mehr weitergekommen ist – er hat sich nicht mehr entwickelt, sagt er selbst. Und dadurch vorerst die Motivation dafür verloren. In diesem Zusammenhang fiel auch sein Satz: Es macht immer so lange Spaß, wie du dich entwickelst, wie du einen Prozess spürst, besser wirst oder eine innere Weiterentwicklung bemerkst: „It´s always fun if you proceed.“

Entwicklung im Surfkurs: Glücksmoment

Wie recht er hatte. Das sage ich mir immer wieder. Jedes Mal, wenn ich am Anfang eines Surfurlaubs wieder das Gefühl habe, eine neue Sportart zu erlernen. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nichts mehr kann, weil die letzte Welle viel zu lange her ist. Eigentlich ist es gar nicht schlecht, dass surfen eine so große Herausforderung ist. So bleibt sie mir immer erhalten – es bleibt für immer einzigartig, neu und aufregend – genauso wie die Wellen. Unberechenbar – und plötzlich, wenn man gar nicht mehr damit rechnet, wächst man über sich hinaus und steht eine – für die eigenen Verhältnisse – besonders große Welle.

Solche Sätze sammeln ist inzwischen meine kleine Passion. Ich schreibe sie auf, damit sie nicht plötzlich verpuffen und freue mich schon auf die nächsten Reisen. Und die nächsten Impulse.

Habt ihr von euren Reisen auch schon inspirierende Sätze mitgebracht? Sätze, die euer Leben oder eure Sichtweise verändert haben? Schreibt sie mir gern in die Kommentare!

Wellenzauber in Neuseeland

Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Blogparade: Neustart nach dem Studium – Wo kann man am besten leben und arbeiten #awaywego

Mein Geburtsort: Santiago de Chile. Mein Lieblingsort auf der Welt: Valparaiso, Chile. Aufgewachsen in: Aachen. Studium und Lieblingsort in Deutschland: Köln. Aktueller Wohnort: Karlsruhe

Wenn man mir das vor zehn Jahren gesagt hätte, dass ich mal in Karlsruhe leben würde, hätte ich laut gelacht. Ich? Weg aus der Nähe von Köln? Weg aus NRW? Niemals. Und dann kam alles anders. In der Blogparade von Marie zum Thema #awaywego tauschen wir uns dazu aus: Warum ist es die Wahlheimat geworden? Und ist sie auch eine Heimat?

Als mich meine Snapchat Freundin Marie von Studentenagenten gefragt hat, ob ich an ihrer Blogparade teilnehmen möchte, war ich sofort begeistert. Auch wenn mir das Thema „weggehen“ noch immer einen Stich ins Herz bohrt. Köln. Wenn ich an diese eine – meine Lieblingsstadt denke, wird mir wohlig warm ums Herz und ich würde am liebsten sofort Umzugskartons packen. Und trotzdem bin ich nach dem Studium nach Karlsruhe gezogen. Marie steht jetzt an genau diesem Punkt. Schon vor einem halben Jahr haben wir bei Snapchat (Nickname atheanie und marie.graener) darüber diskutiert, wo man gut leben kann und warum. Und ob der Moment nach dem Studium genau der richtige für einen Neustart ist. – Ein Reset in einer neuen Umgebung für einen neuen Job. Natürlich ist die Antwort auf die Frage, ob man weggehen sollte, für jeden eine andere. Deshalb diskutieren wir jetzt alle gemeinsam. Also falls ihr auch am Start seid, sagt Marie oder mir unbedingt Bescheid und postet einen Link zu eurem Post unter diesen.

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Lieblingsstadt auf der Welt: Valparaiso

Die Ausgangslage: Welchen Job will ich wirklich?

Ich habe Sozialwissenschaften auf Diplom in Köln studiert. Damit kannst du alles und nichts machen. Auf den ersten Blick fand ich diese Freiheit sehr charmant. Ich konnte mich nach der Schulzeit eh nicht entscheiden, welchen Job ich (womöglich für immer) machen möchte. Eine Mischung aus Politik, Wirtschaft und Soziologie fand ich super und ich denke, ich würde wieder genau das studieren wollen. Und irgendwann in diesen bunten WG-Jahren in Köln stand ich plötzlich im Studio des Hochschulradios „Kölncampus“ und habe angefangen Radio zu machen und zu lieben. Wer weiß, ob ich in einer anderen Stadt, in einem anderen Studiengang jemals zum Radio gekommen wäre. Hätte hätte… Fahrrad..

Also stand ich am Ende meines Studiums da. War viel gereist. Habe im Ausland gelebt, Praktika bei Zeitungen und Sendern gemacht und auf einmal wurde mir klar: Ich möchte Journalistin und Moderatorin sein und zum Radio. Und wenn ich das mit dem Radio wirklich will, muss ich ein Volontariat machen. Das ist die Redakteursausbildung im Rundfunk. An dem Punkt habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass ich vielleicht nicht für immer in Köln bleiben kann. Mein Arbeitgeber im Volo war in Iserlohn. Also habe ich mir einen alten kleinen Corsa gekauft und Kilometer gemacht, um so oft wie möglich in Köln zu sein. Wenigstens am Wochenende. Das war stressig, aber absehbar, denn nach 1,5 Jahren hatte ich das Volo-Zeugnis in der Tasche und stand vor der viel größeren Frage: Und wohin jetzt?

Ach Köln

Der erste richtige Job nach dem Studium

Ich sag es euch gleich: Meine Entscheidung fiel am Ende zugunsten des Jobs. An der Stadt knabbere ich bis heute.

Nach dem Volo habe ich mich bei einigen Sendern in ganz Deutschland beworben: jetzt oder nie, hab ich gedacht. Denn ich wollte gern einen Sender finden, wo ich Moderatorin und Redakteurin sein darf und mich darauf verlassen kann, dass ich von meinem Gehalt gut leben kann. Und ich glaub, viele kennen das: Sobald man einige Ansprüche an den Job hat, wird es schwierig sich auch noch den Ort dazu auszusuchen.

Ich hatte am Ende die Wahl: freie Reporterin in Köln maximal zehn Tage im Monat oder ca. 20 Tage im Monat Redaktion und Moderation in Baden-Baden bei DASDING vom SWR. Anfangs bin ich noch hin und her gereist und dachte, ich könne beides unter einen Hut bekommen. Aber dafür bin ich einfach nicht gemacht. Die Würfel waren gefallen und es hat sich einfach richtig angefühlt: #awaywego. Auf in den Südwesten.

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Sonnenaufgang in Karlsruhe. Vom Turmberg in Durlach aus bewundert

Karlsruhe, warum bist du … nicht wie Köln?

Nach einem kurzen Abstecher nach Baden-Baden bin ich dann mit meinem Freund (inzwischen Verlobten) nach Karlsruhe in unsere erste gemeinsame Wohnung gezogen und hier leben wir bis heute. Ihn habe ich übrigens in Baden-Baden kennengelernt.

Und obwohl ich mir mit meiner Entscheidung für den Job sicher war und bin, werde ich mit Karlsruhe einfach nicht warm. Ich weiß: Karlsruhe kann nichts dafür. Nüchtern betrachtet, ist das eine Stadt mit toller Lebensqualität: Am alten Schlachthof kann man sich fühlen wie in Berlin, am und hinterm Schloss ist es grüner als in Köln, am Rhein gibt es hier sogar ein Freibad, die Wege sind generell kurz, man kann theoretisch überall mit dem Rad hinfahren, im Gegensatz zu Aachen gibt es hier sogar Straßenbahnen… Wir wohnen in einer schönen Altbauwohnung, die wir in Köln nie bezahlen könnten…

Lieblingsort zu Hause in Karlsruhe: Bett mit Durchblick durch die Wohnung

Aber so ist das ja leider häufig mit der Liebe: Sie ist nicht rational. Köln hat mich mit seiner schnodderigen, herzlichen Art gepackt. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich mich Freitagabends danach sehne in Köln von Kiosk zu Kiosk zu tingeln und mir ein Wegbier nach dem anderen zu holen. Aber die Frage ist: Hätte ich daran heute überhaupt noch Spaß? Wer weiß.

Wer arbeitet, hat es schwerer neue Freunde zu finden.

Wenn man arbeitet, lernt man weniger Menschen kennen. Im Studium sind alle auf der Suche nach neuen Menschen. Und jedes Wochenende gab es eine WG-Party. Damals hat sich das von alleine ergeben.

Und heute? Klar: Kollegen lernt man kennen und Freunde von Kollegen. Aber wenn man nicht gerade ein soziales Hobby hat, wird es schwierig. Und wenn man sich immer nur mit Menschen von der Arbeit trifft, drehen sich die Gespräche oft um die Arbeit. Trotzdem muss ich sagen: Es hat Kraft und Mut gekostet. Aber ich habe hier einige gute Freunde gefunden. Mit der Zeit.

Die Zeit in Köln verbinde ich natürlich auch mit den Menschen, mit denen ich dort gelebt und viel Zeit verbracht habe. 90 % von denen, wohnen allerdings seit längerem gar nicht mehr in Köln. Meine Erinnerung verklärt einen Zustand, der gar nicht mehr wiederhergestellt werden könnte. Traurig aber wahr. Gut, das mal aufzuschreiben. Vielleicht verstehe ich es so auch endlich.

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Das Schloss in Karlsruhe

Was hat Karlsruhe zu bieten – und was nicht?

Fangen wir mit dem an, was mich am meisten nervt: In den Parks hier darf man nicht grillen. Das ist sogar mit der Zeit noch schlimmer geworden. Jetzt gibt es in Karlsruhe nur noch ganz vereinzelt offizielle Grillplätze (keine Wiese) und die sind nicht im Zentrum. Grillen gehört für mich zum Sommerfeeling einfach dazu – ganz egal was man da auf den Grill legt. In Köln war der Aachener Weiher mein Garten, weil ich direkt um die Ecke gewohnt habe. Wir waren im Sommer alle zwei Tage da, um zu grillen und mit Aussicht auf den trüben Weiher und die Straßenbahnen über das Leben zu sinnieren.

Shoppen kann man in Karlsruhe auch nicht: Im Einkaufszentrum „Ettlinger Tor“ gibt es nur 0815 Geschäfte und auch sonst kann man die kleinen außergewöhnlichen Geschäfte mit der Lupe suchen. Der Minette Concept Store ist die Ausnahme von der Regel, denn der ist wirklich toll.

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Karlsruhe sieht manchmal aus wie aus einer anderen Zeit

Aber wenn man von diesen zwei Punkten absieht, kann Karlsruhe einiges. Hier nur ein paar meiner Lieblingsaspekte.

Der Markt auf dem Gutenbergplatz gibt einem samstags das Gefühl, dass die Welt noch in Ordnung ist und, dass die Menschen viele Kinder bekommen. Zu einem Barista-Kaffee von Bono kann man da in der Sonne stehen, sinnieren und französische Croissants frühstücken.

Das Freibad „Rappenwörth“ liegt direkt am Rhein und erinnert an andere Zeiten. Das frühere Rheinbad ist noch erhalten und in das Gelände integriert. Da kann man zwar nicht mehr drin schwimmen, aber sich vorstellen wie es früher war.

Im Sommer lässt sich die Stadt immer wieder etwas einfallen: Als Karlsruhe 300 geworden ist, wurde das groß gefeiert. Es gab viele Events, ein eigenes Duschgel bei DM (kein Scherz) und Lichtspiele, die auf das Schloss projiziert wurden. Weil das 2015 so gut gelaufen ist, gibt es die Lichtspiele diesen Sommer zum dritten Mal.

Und in diesem Jahr standen vor dem Schloss auf einmal zwei Riesenräder. – Zum Jubiläum „200 Jahre Fahrrad“ sind die da aufgestellt worden und von oben hatte man wirklich einen genialen Blick über Karlsruhe.

Bei uns um die Ecke gibt es seit neustem ein süßes, gemütliches Café, das unsere Nachbarin eröffnet hat: Lottis Traum. Eins der Cafés, wo man stundenlang sitzen möchte, weil das Ambiente einfach stimmt und der Kaffee auch. Neben der Perlbohne in der Innenstadt eins der wenigen Cafés, die mich in Karlsruhe überzeugen konnten.

Am alten Schlachthof finden jedes Wochenende Partys und Konzerte statt. Also diese Stadt kann definitiv Kultur.

Glücksmoment in Karlsruhe. Gut, dass wir den festgehalten haben.

Ich glaube Karlsruhe und ich, wir haben uns arrangiert. Für den Moment. Denn die Mischung aus Arbeit und Leben ist hier einfach gut: Vor allem, weil ich hier mit Raphael leben kann.

Langfristig wünsche ich mir allerdings schon wieder nach NRW zu ziehen. Und damit näher zu meiner Familie und natürlich nach Köln. Aber nicht jetzt. Irgendwann. Das hat Zeit.

Wie ist das bei euch? #awaywego

Was hat euch dazu bewegt da zu leben, wo ihr jetzt seid? Oder seid ihr auch gerade in der Findungsphase wie Marie?

Fotos: Raphael Timm  & Athene Pi Permantier

Wedding Diaries 1: Der Antrag – wenn das eigene Leben süßer schmeckt als Schokolade

Oh hi! Eine kleine Warnung vorweg – Zu Risiken und Nebenwirkungen sozusagen: Es wird kitschig. Ab jetzt. Dieser Text ist voller rosaroter Gefühle. Also einfach mal gar nichts für alle, die es rational und analytisch mögen. Obwohl – sowas bekommt man bei mir ja eh nie. Aber diesmal ist es besonders krass: Romantik-Overload an Weihnachten.

Ich habe schon immer davon geträumt mal zu heiraten. Obwohl ich mir das eigentlich ja gar nicht vorstellen kann, weil ich es noch nicht gemacht habe. Es ist wohl auf der einen Seite der Traum davon, dass einen jemand anderes so einzigartig findet, dass er sein Leben mit dir verbringen will. Auf der anderen Seite aber natürlich auch, dass ich so für jemanden empfinde. Und dass sich genau das für mich in genau diesem Moment perfekt anfühlt.

Ich gebe zu: Mit der Zeit habe ich nicht mehr so wirklich daran geglaubt, dass es wirklich passiert. Es ist eine unpraktische Eigenschaft von mir, dass ich manchmal vom Schlechten ausgehe – nur um nicht schlimmer enttäuscht zu werden.

Was ich allerdings sicher wusste, als er in meinem Leben angekommen war: In Raphael hatte ich einen Gefährten gefunden. Einen Freund, Liebhaber, Kindskopf, Reisenden und besten Freund in einem. Manchmal lernt man Menschen kennen und alles ist einfach: Kochen, reisen, schlafen, sitzen, Filme schauen und auch mal schweigen. Den anderen im Leben zu haben fühlt sich einfach angenehm und kuschelig warm an. Und dadurch zu gut um wahr zu sein.

Der Disney-Moment

Seit wir zusammen sind verbringen wir Weihnachten beispielsweise wie selbstverständlich zusammen. An Heiligabend sitzen wir immer in meinem Elternhaus im Wohnzimmer. So auch im Dezember 2016. Bei uns ist es Tradition, dass jeder nacheinander ein Geschenk auspacken darf. Einer nach dem anderen. Ganz am Ende stand da noch ein relativ großes Päckchen mit meinem Namen darauf. Ich öffne es, es ist so unwirklich leicht, als wäre eine wertvolle Feder darin versteckt. In diesem Päckchen drin versteckt sich ein etwas kleineres Päckchen – und da steht „Raphael“ drauf geschrieben. Also reiche ich das Paket weiter und er beginnt zu erzählen:

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Als alles begann: Roadtrip Italien

Vor drei Jahren haben wir uns kennengelernt. Auf der Arbeit – in der Redaktion. Als „die neue“ habe ich an Weihnachten und Silvester einige Schichten übernommen und war auf einmal ziemlich einsam in Baden-Baden. Ich kannte da ja fast niemanden! – Außer Raphael. Wir haben uns von Anfang gut verstanden und so haben wir uns verabredet Silvester zusammen zu feiern. Keine große Party. Silvester wird meiner Meinung nach eh überbewertet. Raphael hat nur gesagt: „Du und ich wir machen was an Silvester. Das steht fest.“ Und das war das beste was er mir sagen konnte. Unsere Freundschaft bestand damals nur aus kleinen Fäden, die schnell durchtrennt werden können. Aber wir haben nicht nur Silvester zusammen verbracht. Wir haben gekocht, Tatort geschaut, uns unsere Geschichten und unsere kleinen Monster anvertraut und so wurden aus den kleinen Fäden erst Bänder und dann immer festere Seile. Zusammengekommen sind wir auf einem spontanen Roadtrip nach Italien: Wir hatten genau vier Tage Zeit zu verreisen, haben das Auto genommen und Richtung Süden gefahren. Im Februar. Übrigens ein echter Geheimtipp: Genua und Livorno im Februar. Aber das ist ein anderes Thema. Wir saßen am Strand, haben Eis gegessen und natürlich viel Pizza und dazu gab es Wein und Geschichten aus dem Leben: Am letzten Abend der Reise haben wir uns an der Promenade geküsst und sind seitdem fest zusammen. Es ist abends passiert – auf der Promenade von Livorno, die nichts mit den prunkvollen anderen Städten in der Gegend, wie Pisa gemeinsam hat. Livorno ist bodenständig und als großer Hafen-Fan finde ich es ausgezeichnet, dass unsere Liebe genau dort begonnen hat.

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Ich schweife ab. Raphael hat sich da an Weihnachten deutlich kürzer gefasst. Vom Grundstein unserer Liebe kam er zu den vielen unterschiedlichen Reisen, die wir unternommen haben: Chile, Bali, Kalifornien, Neuseeland und und und. Und während er gesprochen hat, war ich wie im Trance. Ich kann mich nur daran erinnern, weil meine Familie zum Glück auch da war und mir hinterher geholfen hat alle Puzzleteile dieses Abends zusammenzubekommen.

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Auf Bali

Raphael hat mit seiner warmen Stimme von unseren bisherigen gemeinsamen Reisen erzählt und dann sagte er auf einmal: „Aber eigentlich ist es egal wohin wir gereist sind, denn das einzig wichtige war, dass wir zusammen sind. Und dann: Jetzt steh bitte auf“. Und während ich seiner Bitte gefolgt bin, ist er auf die Knie gegangen und hat die großen Worte gefragt:

Willst du mit mir gemeinsam auf die Reise dieses Lebens gehen? Willst du mich heiraten?“

„Ja“ – das habe ich sofort gesagt. – Allerdings nicht mit der festen Stimme, mit der ich es mir vorgenommen habe. Rotz und Wasser habe ich geheult und „Ja“ gestammelt. Dieser Moment hat mich einfach komplett umgehauen. Ich bin nicht oft sprachlos. Da war ich es fast. Ich habe mich gefühlt, als würde ich fliegen. Und dann hat er mir auch noch einen zauberhaften Prinzessinnen-Ring an den Finger gesteckt. – Viel schöner als alle anderen Ringe, die ich bisher gesehen habe. Erst hinterher, viel später habe ich realisiert, was da an diesem Abend passiert ist.

Atacama Wüste Chile

Das war die größte Magie in meinem Leben bisher. Dieser Moment, diese Gefühle und die Gewissheit: Das ist genau das richtige. Das ist Liebe. Wahre Liebe. Und in meinen Romantik-Filmen hatten sie doch ein bisschen recht. Manchmal ist das Leben genauso kitschig und großartig. Zum Glück. >Das macht Mut. Wir werden heiraten. Wahnsinn.

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P.S. Ja, viele Selfies – die sind in diesem Fall auch mal erlaubt.

Fernweh nach Chile: Was tun?

Es ist ein fieses Gefühl. Erst ziept es im Magen. Und dann im Arm. Ich werde traurig und muss kurz überlegen, was eigentlich gerade falsch war und auf einmal sehe ich die Hügel von Valparaiso vor mir und fühle: Da wäre ich gerade am liebsten. Fernweh voller Nostalgie nach der zweiten Heimat. Eine unheilbare Krankheit, die immer wiederkommt.

Cerro Bellavista

In letzter Zeit ist es wieder besonders schlimm, denn ich hatte so viele Chile-Momente. Vor kurzem habe ich hier in Karlsruhe endlich meinen Arsch hochbekommen und bin zu einem Konzert von Chico Trujillo gegangen. – Zum Auftritt einer ganz ausgezeichneten chilenischen Band. Ich wohne seit zwei Jahren in Karlsruhe und habe mir bis dahin erfolgreich eingeredet, dass es hier ganz bestimmt keine Latinos gibt und schon gar keine Chilenen. Ist natürlich absoluter Quatsch. Ich kam am Alten Schlachthof an, um das Konzert zu sehen und überall um mich herum chilenischer Singsang. Diese Sprache, die in mir immer ein Gefühl von „angekommen“ auslöst und allen traditionellen Spanischlehrern Angst macht, weil es im chilenischen Spanisch einfach keine saubere Aussprache gibt. Egal.

Sabi que? Ella también es chilena.“ „No, pero bakan! Wueeeeeenaaaaaaa.“ „Si, tu cachay, po! La misma onda.“

Die Band kommt auf die Bühne und wir fangen an zu tanzen. Alle. Irgendwie. Und egal wie. Jeder wie er kann und wie es ihm Spaß macht. Ich bin verknallt in den Moment und lasse mich in die Musik fallen. Meine Füße folgen automatisch dem Beat der vielen Menschen auf der Bühne. Sie feiern als wäre das der letzte Abend überhaupt. Im Raum ist eine außergewöhnliche Energie. Ein großartiger Moment. Wie gut, dass ich den Arsch doch noch hochbekommen habe, denke ich kurz und dann versuche ich den Kopf auszuschalten und tanze weiter. Mein Herz macht einen doppelten Salto. Das hatte mir so sehr gefehlt.

Die Musik, die Texte, in denen es einfach immer um die Liebe, das Verlassen und das Suchen und Finden geht. Ich liebe das. Immer wieder.

Ahora quién – Chico Trujillo

¿Ahora quién, si no soy yo?

Me miro y lloro en el espejo y me siento estupido,

ilógico, y luego te imagino toda regalando el olor de tu piel,

tus besos, tu sonrisa eterna …..

y en mi alma está el beso que pudo ser.“

Wer ist es jetzt, wenn ich es nicht bin?

Ich schaue mich im Spiegel an, weine und fühle mich wie ein Dummkopf

Unlogisch. Und dann stelle ich mir vor, wie du den Geruch deiner Haut verschenkst.

Deine Küsse, dein unendliches Lächeln……

Und in meiner Seele ist der Kuss der hätte sein können.

Ja, auf Deutsch liest es sich seltsam. Übertrieben. Kitschig. Meine Mama sagt: „Liebe funktioniert besser auf Spanisch – in Songs oder Gedichten.“ Da sind übrigens auch die Werke von Pablo Neruda ein gutes Beispiel für. Übersetzt klingen die nur halb so wahr und gefühlsecht.

Das Konzert geht weiter. Immer wieder wird ein Beat vorgegeben, der alle Herzen nach oben springen lässt und alle tanzen durcheinander, mit strahlenden Gesichtern. Das ist der Moment, um Nostalgie und eben gespürten Kummer über die Dinge, die nicht sein sollten, wegzutanzen.

Hinterher ist mein ganzer Körper voller Endorphine. Bitte bleibt, denke ich bei mir. Geht nicht wieder weg. Es ist ein Teufelskreis. In Chile dauerhaft leben, wollte ich nie. Und das will ich noch immer nicht. Aber ich vermisse das Land aus der Ferne einfach so sehr. Die Musik, Konzerte, chilenische Menschen in Deutschland, Whatsapp-Konversationen mit meinen Freundinnen in Chile und Flugtickets dorthin – das sind meine Pflaster. Sie machen, dass es mir für eine Weile besser geht. Aber de Schmerz. Das Fernweh und die Sehnsucht kommen immer wieder. Dann nehme ich mir meistens ein Buch von Isabel Allende, in dem sie sich liebevoll über die chilenische Kultur lustig macht und in Gedanken sitze ich an de Calle Templeman in Valparaiso, rieche Fisch und Salz und schaue aufs Meer.

Mein Lieblingsplatz in Valparaiso: Calle Templeman

Klar: akzeptiere, was du eh nicht ändern kannst. Ich habe mich damit abgefunden. Es ist Teil von mir. Aber für Menschen in meinem Umfeld ist es nicht immer leicht diese ständige Sehnsucht zu verstehen. Sie wird immer da sein. Sie begleitet mich durch das Leben und drückt mir den unverwechselbaren Stempel auf: Etwas zu impulsiv, Drama-Queen und im nächsten Moment doch so unfassbar analytisch, pünktlich und organisiert. Was ist das denn für eine? Eine Deutsch-Chilenin. Immer auf der Suche.

Ausblick vom Cerro Conepción

Was hilft gegen Fernweh?

Musik

Chico Trujillo

Los Jaivas

Inti-Illimani

Filme

Machuca, mein Freund

No!

Bücher

Das Geisterhaus – Isabel Allende

Fortunas Tochter – Isabel Allende

Portrait in Sepia – Isabel Allende

Von Liebe und Schatten – Isabel Allende

Liebesgedichte – Pablo Neruda

Mit brennender Geduld – Antonio Skármeta

Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Springfotos im Urlaub – wozu?

IAthene_Pi_06ch kann mir nicht helfen! Wenn jemand mir sagt: „Spring mal eben hoch – das wird ein tolles Foto, ein perfektes Andenken.“ Dann zieht sich mein Magen zusammen und meine Foto-Lust ist vorbei. Liegt wohl auch daran, dass ich Leute kenne, die Springfotos lieben und im Urlaub alle paar Minuten welche haben wollen. Ich gebe es zu: Ich bin nicht besonders gut darin: Weder im Springfotos schießen, noch darin auf solchen Fotos springend in der Luft zu sein. Ich glaube, dass es vor allem daran liegt, dass ich wenig Geduld habe. Außerdem: So gut sehen die gar nicht aus, oder?

Aber eine gewisse Faszination müssen diese Bilder ja haben. Immer wieder schwirren Springfotos durch die sozialen Netzwerke – selbst auf diesem Blog sind welche gesichtet worden. Ist es wohl der Wunsch das eigene Leben wie auf einem Werbeplakat abzubilden und auszusehen wie eine locker-leichte Fee in der Luft? – Wie der unbeschwerteste Mensch auf dem Planet, der ein Lächeln für alle Daheimgebliebenen auf Lager hat? Und eine Prise Lockerheit für alle gestressten? Ich denke ja – und habe im Video drüber nachgedacht! Was meint ihr?

 

Fußball-EM: Gänsehautsonntag

Was ein Abend – und was ein Tag danach? Die Nationalelf hat es ins Halbfinale geschafft und wir haben alle unsere Nerven vor den Fernsehern verloren. Und unser Herz vielleicht auch? Was für eine Mannschaft, was für eine Leistung und was für ein Durchhaltevermögen. Ich habe Gänsehaut und ich wünsche mir, dass sie bleibt.

Diesen Abend gestern werde ich nie wieder vergessen: Erst diese Grundspannung: Der Italienfluch muss gebrochen werden. Heute. Bitte. Özil trifft. Endlich! Ich trage nicht umsonst eine 8 auf meinem Trikot, ich gehöre auch zu denen, die Özil immer wieder verteidigen. Und anhimmeln. Auch das gebe ich gern zu. Wir gehen in Führung und kurz darauf: Oh nein! Das darf doch nicht wahr sein! Diese Spannung, wenn du hoffst, dass der Elfmeter nach dem grazilen Sprung von Boateng, um den ihn jede Ballerina beneiden würde, nicht gegeben worden wäre. Hätte hätte. Mist. Die 90 Minuten gehen zu Ende und die Minuten, scheinen auf einmal Sekunden zu sein. So schnell vergehen sie. Wir hoffen auf ein Wunder, damit irgendeiner unserer Spieler doch noch einmal den Ball ins Tor zaubert. Damit wir alle erlöst werden. In diesem Moment scheint es zu stimmen, was Max Giesinger uns seit Wochen ins Gehirn prügelt: „Ihr schafft das schon, hinter euch stehen 80 Millionen.“ Heisst natürlich umgekehrt auch: „Bitteeee, wir wollen einen Sieg, weiter träumen, feiern!! Bitte enttäuscht uns nicht.“

Und dann kommt es doch zum Elfmeterschießen. Oh Mann! 18 Mal wird geschossen. Hingucken, weggucken, weinen, lachen, kreischen…. 18 Mal hoffen wir mit allem was wir haben, wir sehen den Ball im Netz landen, am Pfosten, über dem Tor oder beim Torwart. Bis zu diesem hoffnungsvollen Moment, als Neuer hält. Er verschafft unserem Team die Luft, die es zum Sieg braucht. Dann kommt der entscheidende Schuss. Fast alle haben ihr Glück am Ball schon versucht. Jonas Hector sagt nach dem Spiel im Interview: „Es waren nicht mehr viele übrig. Also bin ich los, habe mein Herz in die Hand genommen und mir vorgenommen zu treffen.“ Hector wird zu recht nach dem Spiel als kleiner Held gefeiert und für diesen zauberhaften, emotionalen und ehrlichen Satz feiere ich ihn noch mehr. Er hat die Nerven behalten und uns alle erlöst – mit einem Tritt gegen den Ball. Die Dämme brechen, wir liegen uns in den Armen. Mir kommen die Tränen, ich kann nicht mehr, kreische und hopse unkontrolliert durchs Wohnzimmer. Aber Kimmich und Draxler sind für mich genauso geniale Helden. Auch sie haben sich nicht beeindrucken lassen und einfach das gemacht, was sie ewig geübt haben und sie sind dabei ruhig geblieben und haben getroffen. – Was für mutige Jungs. Sie erinnern mich alle gemeinsam an meinen kleinen Bruder und seinen fußballverrückten Freund Lenny, weil sie in einem ähnlichen Alter sind. War ich jemals so mutig, wie diese Jungs auf dem Feld? Ich glaube nicht.

Das Spiel im Schnelldurchlauf bei Snapchat: Hoffnung, Nerven am Ende, Freude!

Im Moment kann ich mich in jede Sekunde dieses Spiels zurückversetzen – noch ist alles da. Klar und deutlich. Im Netz stand heute überall: „Fluch gebrochen.“ Und: „Deutschland besiegt Italien im Krimi von Bordeaux.“ Und das war echt der spannendste Krimi, den ich je gesehen habe. Er hat etwas hinterlassen, was ich vorher nur von großer Verknalltheit kannte: Die unendliche Gänsehaut. Immer wieder rufe ich mir die emotionalen Bilder aus dem Spiel in den Kopf und fühle mich als hätte sich in meinem Bauch eine ganze Sonne versteckt. Sie wärmt mich angenehm und neben ihr fliegen Schmetterlinge umher. So fühlt es sich jedenfalls an. Vielleicht bin ich einfach in die gesamte Nationalelf verliebt? Oder einfach in das Spiel? Keine Ahnung, das ist auch am Ende nicht wichtig. Ich wünschte, dass ich diesen Tag nie wieder vergesse und deshalb schreibe ich dies alles auf. – Um das Gefühl hier behutsam zu konservieren und um es wieder bewundern und fühlen zu können, wenn es in Vergessenheit zu geraten droht. Irgendwann.

Das Spiel hat etwas mit uns gemacht. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, aber ich hatte heute den Eindruck, dass alle Menschen auf der Straße mehr gestrahlt haben. Vielleicht haben sie auch Gänsehaut-Tattoos seit gestern? Ich würde es euch allen wünschen: Haltbare Tattoos – nicht so welche, die sich abwaschen lassen.

Danke dafür an „Die Mannschaft“

P.S. Gute Besserung Gomez. Schade, dass du nicht mehr dabei sein kannst

P.P.S. Heute ist der 08.07. Wir sind leider raus. Ich bin sehr traurig, aber ich vertraue darauf, dass Draxler, Hector, Kimmich und Co in zwei Jahren einfach – um es mit Jogis Worten zu sagen – noch viel „überragender“ sein werden. Danke für diese EM. An schlechten Tagen höre ich mir einfach immer wieder die Nachrichten aus dem Halbfinale an.

 

Mehr so verrücktes Zeug immer sofort bei Snapchat:

Eine Liebeserklärung: Wahre Freundschaft hält Distanz aus

Freundeschaft verändert sich. Manchmal verblasst sie. Aber meine Erfahrung hat mir gezeigt: Stimmt die Substanz, bleibt die Freundschaft erhalten – auch wenn einer von beiden weit weg lebt.

Aus den Boxen dröhnt „Lo que paso paso“ von Daddy Yankee. Wir schreien jede Zeile mit. Laut und schief: „Esta noche contigo la paseeee bieeeen. Ooohoooooo….“ Unz tata unz unz, unz tata unz unz. Reggaeton halt. – Der wollte ja noch nie besonders einfallsreich sein, aber mich bringt er immer zum tanzen. Es ist drei Uhr morgens – langsam ist der Club in Santiago voll.

Schminken können sie noch üben…

Meine Freundin Miri und ich sind zusammen hier – es ist unsere große gemeinsame Reise im Jahr 2006. Wir tanzen, drehen uns im Kreis, lachen uns an – die Augen etwas glasig vom Escudo-Bier. Die Gesichter dezent überschminkt. Zwischendurch werden wir von ein paar Jungs zum Tanz aufgefordert – wir drehen ein paar Runden mit ihnen, aber finden immer wieder zueinander zurück. Einer dieser unzähligen Momente, die ich nie vergessen werde.

 

Im Canyon del Colca in Peru

Es sind die Erinnerungen, untermalt von einem besonders guten Soundtrack, die Freundschaften zusammenhalten. Erinnerungen, die uns aneinanderkleben. Sie sind eine Art klebrige Masse, die sich in unseren Köpfen festgesetzt hat – So ähnlich wie der Ahornsirup, der die verschiedenen Lagen einer Pfannkuchentorte zusammenhält, kleben die Erinnerungen zwischen uns und den Menschen, die uns im Leben begleiten.

Zwei aus Chile

Als Miri und ich in Chile waren, kannten wir uns bereits ein paar Jahre. Wir haben uns am ersten Tag an der Uni kennengelernt, als wir nebeneinander zum Geschichtsseminar in der Uni-Bibliothek in Köln gelaufen sind. Beide noch etwas verloren an dieser Massenuni, bereit das Kapitel „Studium“ zu beginnen und doch voller Angst. Unsere Blicke haben sich getroffen: „Gehst du auch zu Geschichte?“ „Ja! Studierst du auch Regionalwissenschaften Lateinamerika?“ „Ja, genau! Ich bin in Chile geboren worden.“ „Ach krass, ich auch.“ Lächeln. Das Eis war gebrochen: Nach zwei Minuten war klar, dass wir uns mögen und Zeit miteinander verbringen wollen. Zu zweit sind wir durch die Kölner Clubs gezogen, haben Kaffee an der Uni getrunken solange wir ihn uns leisten konnten, Schawarma an der Zülpicher Str. gegessen, Tracks von „Muse“ gehört, Karneval gefeiert, Pasta gekocht, „Autogenes Training“ ausprobiert und für uncool befunden und stundenlang über Männer sinniert. Wir haben gemeinsam geweint als Beziehungen zerbrochen sind, haben uns immer wieder gesagt, dass der eine ganz bestimmt noch auf uns wartet und dann haben wir „unabhängig sein“ geübt.

Viel zu lachen in Peru

Es ist eine dieser intensiven, unkomplizierten Freundschaften: Ohne Stress – mit viel Wertschätzung. Allerdings hatte ich immer weniger Geduld als Miri. Als ich nach Chile reisen wollte, kam sie erst nicht hinterher. Sie konnte sich nicht entschließen den Flug zu buchen. Also habe ich Fakten geschaffen – meinen Flug gebucht und ein paar Wochen später hatte Miri dann auch ein Ticket. Mit dem Rucksack haben wir uns in Santiago in den Bus gesetzt, sind 30 Stunden bis in die nördlichste Ecke von Chile, nach Arica gereist und das war erst der Anfang. Von Tacna über Arequipa sind wir bis nach Cusco und Machu Pichu gereist. Dort haben wir mittags neben Lamas unter Bäumchen geschlafen – mitten im Weltkulturerbe. Es waren intensive Wochen und doch haben wir uns nur genau einmal angezickt. In Iquique am Strand. Hinterher haben wir übrigens festgestellt, dass wir in dem Moment beide überspannt waren, weil wir BEIDE unsere Periode bekommen hatten. Rückblickend ironisch.

Valle de la Luna, Chile

Wenn ich kurz meine Augen schließe, sehe ich uns im Bus auf einer der vielen langen Fahrten. Miri liegt neben mir auf dem Sitz und schläft. Ich höre Muse oder Coldplay und versuche die sagenhafte Natur mit meinen Augen zu fotografieren.

In manchen Jahren haben wir viel Zeit miteinander verbracht – in anderen Jahren waren wir nicht am gleichen Ort. Und in dieser Zeit merke ich immer, welche Substanz eine Freundschaft wirklich hat: Lebt man sich auseinander? Oder ist es nur eine kurze Pause, nach der sich alles wieder wie früher anfühlt? Und: Schafft man es beim Wiedersehen neue Erinnerungen zu schaffen oder dreht man sich im Kreis und quirlt nur die alten Zeiten durch? Ich persönlich glaube, dass beides wichtig ist: In Nostalgie schwelgen und dann gemeinsam Neues erleben, neue Erinnerungen schaffen.

San Pedro de Atacama – Laguna Cejar

Ende des Studiums und am Anfang des Berufslebens hatten Miri und ich noch einmal so eine intensive Zeit in Köln, an die ich gerne zurückdenke: Viele bunte Erinnerungen sind das: Miri, Athene und viel „Gin Tonic“, Filme mit Gael Garcia Bernal, Tage am Rhein, Gespräche über die Serie „Gossip Girl“ (kein Scherz), natürlich immer wieder Reggaeton, Julieta Venegas, manchmal ein Glas Whiskey on the rocks und im Winter mal ein Becher Grog. Ja, echt. Wow. Dazu lange Abende am alten, runden Tisch in der Wohnküche meiner Wg, Gespräche über Männer, darunter welche, die uns gut taten und andere, die vorbeiziehen sollten. Es ging viel um verpasste Chancen und neue Wege. Natürlich gab es auch gemeinsame Whatsapp-Analysen: „Warum schreibt er nicht?“ Oder: „Warum ist der so wortkarg? Zeig mir den mal, dann kann ich den überprüfen. Ist er vielleicht doch socially awkward?“ Ihr kennt diese Analyseabende mit Sicherheit von Treffen mit euren besten FreundInnen. Diese Abende, an denen man zwar die großen Liebesprobleme nicht lösen kann, dennoch fühlt es sich gut an gemeinsam darüber nachzudenken. – Und hinterher darüber zu lachen! – „Weisst du noch? Als du auf eine Nachricht von DEM gewartet hast?“ „OMG, ja!“

Freundschaft für immer

Miri ist eine dieser Freundinnen fürs Leben. Inzwischen wohnt sie in Kolumbien. Wegen der Liebe – zum Land und zu einem Mann. Ich gebe zu: Ich war traurig als sie mir eröffnet hat, dass sie so weit wegzieht. – Womöglich für immer. Aber nur auf einer Seite des Herzens – auf der anderen Seite habe ich mich diebisch gefreut, dass Miri das gefunden zu haben scheint, was wir uns an jenen langen Abenden erträumt haben: Einen Partner, einen Freund, einen Gefährten, einen Komplizen, einen Menschen, der ihr hoffentlich Herzen und Strahlen in die Augen zaubert.

Miri 2015 in Karlsruhe

Seit Miri in Kolumbien wohnt haben wir wenig Kontakt. Aber jede kleine Nachricht von ihr ist ein Geschenk. Umso gerührter war ich, als ich vor kurzem eine lange Nachricht von ihr bekommen habe. Es war ein Text, der mir gezeigt hat, dass Miri unserer Freundschaft den gleichen Wert beimisst wie ich es tue. – Sie hat geschrieben, dass sie oft an mich denkt und dann einen Gin Tonic (oder wie sie ihn dort in einer Bar liebevoll nennen: Gin al Tony) auf unsere Freundschaft trinkt. Sie scheint genauso häufig wie ich unsere Nostalgie-Latino-Playlist zu hören und an unsere Studienzeit zu denken. Sie hat geschrieben, dass ich immer ihre Freundin sein werde. Ganz egal wie selten wir uns sehen. Spätestens an der Stelle habe ich geweint vor Glück. Ein paar Zeilen können unfassbar viel bedeuten: Eine kleine Liebeserklärung und gleichzeitig eine neue Erinnerung für die Zukunft. Ich werde diese Nachricht abschreiben. Nicht, dass irgendwann mein Handy kaputtgeht und ich sie nicht mehr habe.

Liebe Miri, wenn du da bist, ist das Leben immer ein bisschen leichter, bunter und zauberhafter. Und wenn du nicht da bist, ich aber weiss, dass es dir gut geht, freue ich mich für dich. Jeden Tag. Ich bin froh, dass wir zwei uns haben. Egal, ob du nah bist oder fern. Ich weiss, dass wir für einander da sind. Und wenn wir uns wiedersehen, läuft Daddy Yankee und alles ist wie es sein soll. Gestern. Heute. Morgen. Immer.

Auf die Freundschaft.

P.S. Eine solche Geschichte könnte ich über jede meiner liebsten Freundinnen schreiben. Fühlt euch alle geherzt.

Fotos: Athene Pi Permantier, Miriam Heins

P.P.S. Selfies haben wir übrigens schon immer gemacht:

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