Tipps für Italien: Der Urlaub lohnt sich auch im Hochsommer

Ach Italien. Einmal durch die Berge und schon eröffnet sich eine malerische andere Welt mit unendlich leckerem Kaffee, azurblauen Seen, Palästen, verwunschenen Bergdörfern und plötzlich steht man auch schon am Meer. Ich liebe Italien seit ich mit 12 Jahren zum ersten Mal dort war. Aber wie malerisch ist so eine Reise durch das Land im August? Wir haben es getestet.

Nachts in Karlsruhe. 23:30. Ein paar müde Gestalten laufen auf dem schmalen Bürgersteig hinterm Hauptbahnhof auf und ab und warten auf den Flixbus nach Mailand. Es ist unsere erste Reise nach Italien mit dem Bus. Unser Auto war kurz vorher zu Schrott gefahren worden – Bus und Bahn waren für uns das beste Fortbewegungsmittel. Auf einen kurzen Flug hatten wir keine Lust – außerdem liebe ich die Reise durch die Alpen. Sie ist für mich so etwas wie meine Vorbereitung im Kopf auf Italien.

Der Bus rollt heran und wir setzen uns in die erste Reihe. So haben wir freie Sicht auf die Fahrbahn – über den Köpfen der Busfahrer. Ich schlafe wenig, aber das war absehbar. Mit zwei Stunden Verspätung erreichen wir am nächsten Morgen Mailand. Denn vor dem Gotthard Tunnel war der übliche Hochsommer-Stau. Unseren ersten Stopp – Pettenasco am Lago d’Orta erreichen wir allerdings erst Stunden später, nachdem wir noch zwei Regionalzüge genommen haben. Es gibt nämlich von Karlsruhe aus keinen direkten Bus, der am Lago d’Orta entlang fährt.

Italien

Pettenasco – der Geheimtipp im Hochsommer

Wir sind zum dritten Jahr in Folge in Pettenasco, diesem kleinen Dorf am Lago d’Orta. Hier treffen wir meine Familie und verbringen eine ruhige Woche am See. Wir wohnen jedes Jahr in einer kleinen Wohnung, die wir über Airbnb mieten. Sie ist wirklich sehr einfach, aber wir sind sechs Personen und kommen in 3 Schlafräumen gut darin unter. Und der See ist gleich um die Ecke. Von der Terrasse aus können wir ihn am Morgen sogar sehen.

Priorität 1: Ausruhen, ausschlafen und runterkommen.

Priorität 2: Schwimmen.

Priorität 3: Essen.

Priorität 4: Lesen.

Darin sind wir inzwischen richtig gut. Und auch, wenn ich diesen Ort am liebsten nur für mich behalten würde, damit er niemals überlaufen sein wird, möchte ich ihn euch ans Herz legen.

In Pettenasco gibt es ein paar Restaurants, eine gute Pizzeria, keine Eisdiele, dafür eine Bar und eine Tankstelle. Außerdem einen ganz kleinen historischen Ortskern (bitte nicht zu viel erwarten) und viele kleine Badestellen am See. Und dieser See ist einfach unbeschreiblich schön. Das Wasser ist klar und weich. Beim Schwimmen habe ich oft das Gefühl: „Hier möchte ich ewig drin bleiben.“ In Hotel Giardinetto haben wir uns Stand-Up Paddle-Boards geliehen. Die beste Entdeckung überhaupt! Wir sind damit kreuz und quer über den See gepaddelt und zwischendurch ins Wasser gesprungen, haben auf den Boards gelegen und in den Himmel geschaut.

In dem Moment war es wieder da, dieses Gefühl von: Alles ist perfekt. Hier würd’ ich einfach bleiben und jeden Tag eine Runde paddeln. Ich brauche kein Entertainment im Urlaub und keine krassen Touren, ich liebe die Natur und wenn ich auch noch genügend Zeit habe, sie zu genießen – dann ist alles top! Vor allem in Italien.

SUP am Lago
Pettenasco: Abschalten und Ruhe genießen

Für mich persönlich ist der Lago d’Orta der Grund nach Pettenasco zu kommen und einfach mal abzuschalten. Hier ist es auch im Hochsommer leer und entspannt. Die Plätze am Wasser hatten wir oft den halben Tag für uns allein – und am Nachmittag sind manchmal nach Feierabend Italiener dazugekommen. Kein Vergleich zu überfüllten Stränden in Italien. Über Pettenasco habe ich euch schon einen längeren Artikel verfasst. Schaut gern vorbei.

Wandern kann man in der Region übrigens auch ausgezeichnet.

Mein Bruder und meine Eltern sind Wanderfans und haben festgestellt, dass man in der Gegend schöne Tagestouren in die umliegenden Berge machen kann.

Zugfahrt nach Levanto

Nach einer Woche aufstehen – Kaffee trinken – Kaffee trinken – lesen – schwimmen – Kaffee trinken – essen – schwimmen – lesen – Kaffee trinken – schlafen …. haben wir den Zug genommen und sind ans Meer gefahren. Zug fahren in Italien ist günstig und für die schnelleren Züge kann man sich vorab im Netz gute Angebote sichern.

 

An jenem Tag hatten wir allerdings Pech. In Mailand haben wir uns in einen Intercity gesetzt, der uns in drei Stunden bis nach Levanto bringen sollte. Und kurz vor Genua standen wir auf einmal im Tunnel und es ging GAR NICHTS MEHR. Die Lok war wohl kaputt und wir standen im Dunkeln. Eine Ansage nach der anderen dröhnte durch die Boxen: „wir brauchen 15 Minuten länger… ach ne nochmal 20 Minuten..nochmal 15… nochmal… „ Und nach einer guten Stunde ging es endlich weiter bis Genua. Da gab es dann die nächste lange Pause: Wegen der Hitze und der fehlenden Luft im Tunnel mussten viele Passagiere ärztlich versorgt werden.

Große Aufregung am Bahnsteig, Wasser wurde verteilt und wir haben wieder gewartet bis es weiterging. Kennt ihr diesen Moment auf Reisen, wenn Zeit auf einmal egal ist? Wenn man sich der Situation hingibt und einfach schaut was passiert? So war das bei uns. Wir haben uns mit Händen und Füßen mit den Italienern unterhalten, viel gelacht und einfach gewartet.

Levanto

Am Abend sind wir dann mit 2 Stunden Verspätung in Levanto angekommen. Wir haben auch hier über Airbnb ein Zimmer gebucht – in einer kleinen, feinen Pension direkt am Strand. Giorgio und seine Tochter führen hier ihr Mini-Familienunternehmen. Einfach, sauber und dazu ein kleines Frühstück. Da wir keinen Luxus brauchen, war die Pension für uns eine gute Wahl. Einzig, dass es zum Frühstück nur Instant – Kaffee gab, kann ich echten Italienern nicht verzeihen.

Levanto – Italien. Ursprünglich hatte ich diesen Ort ausgesucht, weil man hier manchmal surfen kann. Wellenreiten im Mittelmeer. Ungefähr an 100 Tagen pro Jahr kann man hier angeblich surfen. In den drei Tagen, die wir hier verbracht haben, allerdings nicht. Das Meer war flach wie ein See, hellblau und ruhig. Die Aussicht auf das Wasser ist wirklich toll. Nur der Strand selbst hat uns etwas geschockt: Ein schmales Band Sand – vollgestellt mit Liegen und Sonnenschirmen, die man sich mieten muss. Kein natürlicher Schatten. Überall Menschen. Darauf muss man sich einstellen: Die Strände in der Region sind im Sommer einfach voll. Aber auch hier gilt: Wenn keine Wellen da sind, kann man sich am Strand Stand-Up-Paddle Boards ausleihen und aufs Wasser flüchten. Von da aus ist die Perspektive auf den Strand gleich viel besser: Um einen herum viel kühles Blau und wenige Menschen. Man kann hervorragend die Sicht auf den Ort ändern.

Levanto
Der Urlaubsstrand von Levanto

Trotz der vielen Touristen ist Levanto einfach schön: Wundervoller alter Ortskern, prachtvolle Gebäude an den Hängen am Meer, eine Burg. Abends sind die Leute alle auf der Straße und die Stimmung ist sommerlich ausgelassen. Außerdem ist die Stadt der perfekte Ausgangspunkt, um die Dörfer der Cinque Terre zu besuchen.

Cinque Terre – zauberhaft, aber besser nicht im Hochsommer

Riomaggiore

Bunte Häuschen, die waghalsig an Felsen am Meer angebracht sind. Da war doch was: Ja! Als großer Valparaiso-Fan, haben mich Fotos der Cinque Terre Dörfer schon immer umgehauen. Seit 1997 sind die Cinque Terre Weltkulturerbe: Die fünf Dörfer Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore befinden sich alle entlang der steilen Küste. Für alle Wanderer gibt es Wege zwischen den Dörfern. Für die Wanderwege braucht man eine Eintrittskarte – für die Dörfer selbst allerdings nicht. Wir haben zwei der Dörfer mit dem Zug besucht, denn wandern ist einfach nicht meins und bei 33 Grad schon gar nicht.

Italien
Cinque Terre

Als wir am Bahnhof in Levanto in den Zug gestiegen sind, war ich mir aber nicht mehr so sicher, ob ich überhaupt in eins der Dörfer fahren will. Überall Menschen über Menschen. Alle wollten auch ein Foto dieser malerischen Orte abgreifen. (Wie wir ja auch…) Als erstes sind wir nach Riomaggiore gefahren und ich muss zugeben: Der Anblick dieser bunten, malerischen Häuschen hat für alles entschädigt. Unendlich schön dieser Blick auf das kleine Dorf, das da so unpraktisch zwischen den Felsen hängt. Hier und da bröckelt der Putz, aber das ist egal. Riomaggiore ist einfach perfekt unperfekt – und dadurch wunderschön. Unten auf den Hauptstraßen und am Wasser war das Dorf überfüllt, aber sobald wir über ein paar Seitengässchen nach oben geklettert sind, waren wir auch schon unter uns.

Cinque Terre
Riomaggiore

 Vernazza

Geblendet von der Schönheit Riomaggiores sind wir nach Vernazza gefahren. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber dieser Ort war noch viel voller als das vorherige. Auch hier sind wir über kleine Gassen aus dem Zentrum geflohen, um ein bisschen originale Schönheit von Vernazza abzubekommen. In einer Seitengasse haben wir uns auf alte Treppenstufen gesetzt und die frische Brise genossen, die vom Meer durch die Gassen fegt. Mit geschlossenen Augen habe ich mir das Dorf in einer anderen Zeit vorgestellt. Damals vor 1997, als es noch nicht zu den Top-Zielen in Italien gehört hat. Und ein bisschen wehmütig musste ich mir eingestehen, dass man Vernazza wohl nicht mehr so erleben kann. Trotzdem: Wenn man sich auf viele Menschen einstellt, ist es noch immer einen Besuch wert.

Cinque Terre
Vernazza in der Mittagshitze

Zu den Cinque Terre möchte ich unbedingt wiederkommen und die anderen Dörfer kennenlernen. Ich möchte mich hinsetzen und mit Aussicht auf Häuser und Wasser schreiben. Und die Umgebung wirken lassen. Allerdings nicht mehr im Hochsommer.

Mailand im Sommer: Wo sind die Italiener?

Auf Mailand war ich besonders gespannt – vor allem weil ich vorher so viel Unterschiedliches darüber gehört hatte. Die einen jubeln: Zauberhaft – andere rufen: „dreckig… gar nicht so schön wie Rom. Nicht so malerisch wie Venedig und überhaupt. Viel zu voll.“

Ich kann euch gleich sagen: Im Hochsommer ist Mailand das Gegenteil von voll. – Weil die Mailänder selbst Urlaub machen, wegfahren und ihre Lokale schließen. Die paar Touristen, die übrig bleiben, tummeln sich in der Innenstadt rund um den Dom. Sobald man das Zentrum verlässt, ist es im August ziemlich leer und angenehm. Und ich muss sagen: Mailand hat mich sofort gepackt: Mit seiner Unperfektheit, seinen alten Gebäuden und ruhigen Vierteln habe ich mich total wohlgefühlt. Es ist einfach keine Angeberstadt.

Mailand

Brera

Wir haben uns kreuz und quer durch die Stadt treiben lassen und sind durch das wunderschöne Viertel Brera flaniert. Hier lohnt sich ein Abstecher in die Kunstakademie. Es gibt Vintage-Shops (die allerdings im Hochsommer geschlossen sind) und malerische Gassen mit kleinen Obst- und Gemüsegeschäften. Das ist ein Viertel komplett nach meinem Geschmack: Entspannte Stimmung, wunderschöne alte Gebäude und man weiß nie welche Geheimnisse sich hinter der nächsten Ecke verbergen.

Zwischendurch gab es natürlich unendlich viel Cappuccino für uns an jeder Ecke. Bei Preisen um 1,30€ pro Tasse gab es Kaffee zum satt trinken. Und für mich kann es nie genug guter Kaffee sein.

Mailand
Die Kunstakademie in Mailand

Milano

Dom

Kein Besuch in Milano ohne ein Foto vom Dom. Auch wenn ich grundsätzlich eine Abneigung gegen typische Touristen-Orte habe, muss ich zugeben: Der Dom in seiner riesigen Pracht hat mich umgehauen. Dagegen kann der Kölner Dom einpacken. Echt. Und das sage ich, obwohl Köln meine Lieblingsstadt ist.

Duomo
Dom Mailand
Navigli

Am späten Nachmittag sind wir dann weiter in Richtung Navigli gelaufen: Durch dieses Viertel ziehen sich viele Wasserkanäle, an denen entlang man flanieren kann. Sie geben Mailand einen ganz eigenen Flair. Abends öffnen am Wasser viele Bars, in denen man Cocktails trinken und dazu vom Buffet naschen kann. Fast alle bieten einen Kombi-Preis an: Cocktail und Buffet 8 Euro. Für alle, die vom Laufen Hunger bekommen haben, ist das wirklich ein guter Deal. Und die Wasserkanäle werden in der Abendsonne noch schöner als tagsüber!

Navigli

Abends mussten wir uns erst an die sommerliche Stimmung in der Stadt gewöhnen: Viele der Restaurants, die wir uns im Netz rausgesucht hatten, waren wegen der Ferien geschlossen. Als wir nach einem langen Tag mit schmerzenden Füßen vor verschlossener Tür standen, haben wir schon geflucht. Aber schließlich sind wir losgezogen und einfach weitergelaufen und haben den alten Trick angewendet: Da wo Italiener sitzen, muss es gut sein. Und so war es auch. Lecker!

Shoppen in Mailand

Ey am Wochenende bin ich shoppen in Mailand.“ Aha. Ich weiß schon warum ich kein Fashion-Blogger geworden bin. Ich beschäftige mich gern mit Mode. Aber ich bin darin kein Profi und ich stehe einfach nicht auf 0815 Modegeschäfte a la Zara, H&M und Co. Immer dasselbe. Deshalb hatte ich gehofft in Mailand, der Modestadt auf einen Haufen außergewöhnlicher Läden zu treffen. Ganz so einfach war das am Ende aber nicht, denn im Zentrum gab es vor allem die typischen Geschäfte – eins nach dem anderen, wie wir es aus den Einkaufsstraßen hier bei uns in Köln, Berlin, Karlsruhe oder Düsseldorf kennen. Viele der vielversprechenden Vintage-Shops in den umliegenden Vierteln hatten den Sommer über geschlossen.

Im Navigli bin ich schließlich fündig geworden. In der Vintage Boutique „Porquimoivintage“ von Juliana. Ein kleiner bunter Shop mit Klamotten-Juwelen aus den unterschiedlichsten Jahrzehnten. Das Besondere ist hier, dass man der Inhaberin anmerkt, dass sie jedes einzelne Stück mit Liebe auswählt: Egal ob Rock oder Kleid, alles top in Schuss und kein bisschen „Fast Fashion.“ Für alle, die auf Vintage und Nachhaltigkeit beim Shoppen stehen, ist das mein Tipp. Wer Flohmarkt-Preise sucht, braucht allerdings nicht herzukommen. Die vielen Markenteile haben ihren Preis. Den ganzen Sommer über hatte ich nach einem Maxikleid gesucht und bin hier endlich fündig geworden.

Mailand
Unser Zimmer im Hotel Delizia
Unser Hotel in Mailand

Ich achte bei den Unterkünften immer auf Bewertung, Preis und Flair, der sich auf den Fotos im Netz erahnen lässt. Und das Hotel Delizia war ein echter Glücksgriff. Ca 60 Euro haben wir pro Nacht für ein Doppelzimmer (inkl. Frühstück) gezahlt und uns total wohlgefühlt. In dem kleinen Hotel gibt es maximal 10 Zimmer. Nach einem Tag kannten wir alle drei Mitarbeiter, die sich im Schichtdienst abgewechselt haben. Zwar ist dieses Hotel nicht im Zentrum, aber man kann dahin laufen. Ich persönlich bevorzuge charmante Hotels in normalen Wohngegenden, wo es nachts auch meistens deutlich ruhiger ist. Außerdem bekommt man so mehr davon mit, wie die Menschen in Mailand wirklich leben. Hierher würde ich sofort wiederkommen! Und nach Italien und Mailand im Hochsommer sowieso.

Mailand

Tipps:

  • Der Hochsommer ist der perfekt Zeitpunkt für eine Reise nach Italien an den Lago D’Orta. Auch wenn in ganz Europa Sommerferien sind, wird es dort einfach nicht voll.
  • Auch Mailand ist einen Besuch im Hochsommer wert, da die Stadt in der Zeit zur Ruhe kommt. Viele Mailänder machen Urlaub oder renovieren ihre Restaurants. So lernt man ein ruhiges, entspanntes Mailand kennen.
  • Unser Hoteltipp: Hotel Delizia – kleines, feines Hotel in einer entspannten Gegend. Zum Dom kann man in 20 Minuten zu Fuß laufen.
  • Am italienischen Mittelmeer ist es im Hochsommer einfach voll. Viele Menschen drängen sich an die Strände. Wer das nicht mag und kein Geld für eine Liege am Strand ausgeben will, sollte lieber off Season fahren.

Fotos: Raphael Pi Permantier & Athene Pi Permantier

Norditalien – Pettenasco: Geheimtipp zum Entspannen

Spätestens als sich unser Auto auf den klapprigen Autozug in Kandersteg in der Schweiz schiebt, ist das Urlaubsgefühl da. Wie aufregend! Mit dem Auto gemeinsam Zug fahren – durch die Berge hindurch. Das lohnt sich schon allein wegen der Fahrt nach Pettenasco.

Der Weg nach Pettenasco in Italien führt quer durch die Schweiz. Nachdem wir den Zug wieder verlassen, müssen wir nur noch über den Simplon-Pass und schon sind wir fast da. Langsam schlängelt sich unser Auto den Berg hoch. Ich bilde mir ein, dass ich es keuchen höre, denn der Weg ist steil. Wenn man sich den Gotthard-Tunnel sparen will, ist der Weg über Kandersteg und den Simplon-Pass allerdings die beste Möglichkeit um zum Lago d’Orta zu kommen. An der italienischen Grenze steht ein Beamter und raucht – er will nur kurz wissen, wo wir hinwollen, wir dürfen fahren und er wendet sich wieder seiner Zigarette zu. Es war, als wäre er aus einem alten Film entsprungen, wie er da an der urigen Grenze am Felsmassiv in den Bergen stand.

Der See

Lago d’Orta

Es ist unser zweites Jahr in Pettenasco und sobald wir den See sehen, bin ich wieder überwältigt – genau wie vor einem Jahr. Dieses klare blaue Wasser ist unfassbar schön. Am liebsten würde ich sofort anhalten und reinspringen. Pettenasco ist für mich ein echter Geheimtipp. Ich nehme euch mit an den einzigen Ort, wo ich wirklich entspannen kann. – Wenn ich nach einer Woche aus Italien zurückkomme, fühle ich mich wie neu! Dazu müsst ihr wissen: Pauschalurlaub stresst mich, weil ich da das Gefühl habe nicht selbst entscheiden zu können. Und bei langen Backpacker-Urlauben habe ich zwar sehr viel Spaß – aber dadurch, dass man immer wieder packen muss, ist es auch nicht so erholsam wie eine Woche am Lago.

Dieser See liegt direkt neben dem großen, majestätischen Lago Maggiore. Und doch kennen ihn so wenige Leute. Ich auch erst seit einem Jahr. – Dabei ist dieser See so viel schöner, als sein großer Bruder. Rings herum die Berge, wild und grün bewachsen. Wenn du den Blick schweifen lässt, kommen einem die vielen verschiedenen Grüntöne fast unwirklich vor. Das liegt aber vor allem auch daran, dass hier viel weniger los ist.

Der kleine Bahnhof “Pettenasco”

Pettenasco: Mein Ruhepol

Ich beschreibe euch hier exemplarisch einen Tag an meinem liebsten Lago und hoffe, dass ihr so versteht, was den Zauber für mich ausmacht.

Nach dem Aufstehen gibt es erst einmal zwei bis sieben Café Latte, die wir in unserem Apartment kochen und auf der großen Terrasse trinken.

Will jemand noch einen?“
„Na klar“ – es ist so ein Luxus für mich einfach am Frühstückstisch sitzen bleiben zu können – ohne Stress. Sitzen, quatschen, lesen. Wunderbar. Als wir irgendwann dann doch satt sind, oder einfach keine Brötchen oder keine Milch mehr da ist, gehen wir an den See. Zum Glück beginnt er gleich auf der anderen Straßenseite. Es gibt hier leider einige Privatstrände – dazwischen gibt es aber auch Abschnitte für alle.

Unsere liebste Badestelle

Nachmittags geht es an den Steg

An unserem Lieblingsort steht ein Steg aus massivem Holz, der auf den See führt. Die mutigen unter uns – also fast alle außer mir – springen von da aus in den See und zeigen was sie können. Ich kann vor allem eins: Lange liegen, lesen und mich über die Aussicht freuen. Glitzerndes Wasser. Ein paar Boote fahren vorbei, manchmal probiert sich jemand im Wasserski. An solchen Tagen sitze ich oft mit Dauergrinsen am See. Dann kann ich mein Glück nicht fassen: Zeit, Ruhe, ein gutes Buch, Wasser. Das Handy bleibt im Haus, denn ich habe hier eh kein Netz. Einfach sein – das ist am Lago möglich. Hier ist auch nicht viel, was einen ablenken könnte.

Wenn die kleine Fähre zwei Mal am Tag ihre Runde zu den verschiedenen Orten auf dem See macht, dann ist das schon ein riesiges Highlight. Immerhin entsteht dadurch eine süße Welle, die quer über den See bricht. Zumindest deutet sie das an. Es gibt hier ja auch keine großen Wellen, die ihr Konkurrenz machen könnten. In diesen Stunden ist das größte Problem, mit dem ich mich befasse: Sonne oder Schatten? Und ich bin immer wieder überrascht von mir selbst, wie lange ich darüber nachdenken kann. Der Alltag verschwimmt langsam in der Ferne und ich lebe in diesen Tagen in meiner eigenen Offline-Welt. Schwimmen, lesen, über das Buch nachdenken und essen. Genau deshalb komme ich wohl gerade in diesem Urlaub so gut runter.

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Für Mutige: Der Sprung in den Lago d’Orta

Das Wasser im Lago ist immer klar und frisch

Am Nachmittag zieht es uns dann doch mal kurz nach oben zur Wohnung, um etwas zu essen und einen Mittagsschlaf zu machen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Als ich danach wieder im See auf dem Rücken treiben lasse, fühle ich mich endlich frei, entspannt und leicht – so als würde ich gleich losfliegen. Oben der blaue Himmel und um mich herum feinstes Wasser: In diesem See ist es besonders klar und weich. Das habe ich noch nie erlebt. Erst als die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, sehe ich ein, dass es Zeit ist.

Ich gehe nach oben. Wir müssen gleich schließlich in die Pizzeria. Im Ort gibt es genau eine, aber zum Glück ist die sehr gut. Zu sechst quetschen wir uns an einen runden Tisch für vier, damit alle die Weisheiten verstehen können, die unseren leicht angetrunkenen Hirnen entspringen. Bei Aperol, Wein und Steinofenpizza lassen wir den Tag einen Tag gewesen sein und erst als in uns wirklich gar nichts mehr passt, rollen wir zurück ins Bett. Morgen haben wir schließlich was vor: Ausschlafen und an den See gehen. So nämlich. Vielleicht koche ich abends eine leckere Carbonara.

Grüne Oase

Infos Lago d’Orta:

Ruhiger Ort zum Wohnen: Pettenasco

Unterkunft:

Airbnb – wir haben zu sechst pro Nacht ca 80 Euro gezahlt.

Campingplatz: Da gibt es einen direkt am See, wo man mit Blick auf das Wasser campen kann: Campeggio Allegro Via Legro n° 29, cap 28028 Pettenasco (NO)

Pizzeria „Il Cortile“, Corso Roma 44, Pettenasco: Beste Pizza überhaupt zu gutem Preis-Leistungsverhältnis

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Dinge, die man in der Umgebung unternehmen kann, wenn man das Bedürfnis hat:

Orta San Gulio – das ist ein typisches italienisches Dorf und davor liegt eine kleine Insel – nach Orta selbst und zur Insel kann man auch mit dem Boot fahren.

Lago Maggiore – Wenn man die Größe des Sees mal vergleichen will mit einem Riesen.

Fotos: Raphael Pi Permantier

Springfotos im Urlaub – wozu?

IAthene_Pi_06ch kann mir nicht helfen! Wenn jemand mir sagt: “Spring mal eben hoch – das wird ein tolles Foto, ein perfektes Andenken.” Dann zieht sich mein Magen zusammen und meine Foto-Lust ist vorbei. Liegt wohl auch daran, dass ich Leute kenne, die Springfotos lieben und im Urlaub alle paar Minuten welche haben wollen.

Ich gebe es zu: Ich bin nicht besonders gut darin: Weder im Springfotos schießen, noch darin auf solchen Fotos springend in der Luft zu sein. Ich glaube, dass es vor allem daran liegt, dass ich wenig Geduld habe. Außerdem: So gut sehen die gar nicht aus, oder?

Was ist die Faszination dahinter?

Aber eine gewisse Faszination müssen diese Bilder ja haben. Immer wieder schwirren Springfotos durch die sozialen Netzwerke – selbst auf diesem Blog sind welche gesichtet worden. Ist es wohl der Wunsch das eigene Leben wie auf einem Werbeplakat abzubilden und auszusehen wie eine locker-leichte Fee in der Luft? – Wie der unbeschwerteste Mensch auf dem Planet, der ein Lächeln für alle Daheimgebliebenen auf Lager hat? Und eine Prise Lockerheit für alle gestressten? Ich denke ja – und habe im Video in Italien drüber nachgedacht! Was meint ihr?

 

Rezept: Italienische Spaghetti Carbonara

Die Zeit in Italien in Pettenasco haben wir nicht nur genutzt, um am See zu liegen. An einem Abend war ich richtig aktiv und habe Spaghetti Carbonara gekocht. Das Rezept hatte ich von einem Italiener aus einem Feinkostladen. Eigentlich wollte ich nur Speck kaufen, aber das exklusive Rezept gab es ungefragt dazu.

Etwas mehr Geduld als ich sie habe, wäre wahrscheinlich von Vorteil. Seht selbst!

Übrigens: In diesem Video habe ich das Wort “Heidewitzka” versteckt. Wer es zuerst bemerkt kann exklusiv nichts gewinnen.

Zutaten:
Pasta
Pancetta (gewürfelt) (Normaler Speck geht wahrscheinlich auch)
Knoblauch
Grana Padano
Eigelb
Olivenöl
Salz und frischer Pfeffer
(und am besten Geduld beim Rühren)

Wie macht ihr eure Carbonara am liebsten?

Urlaub in Pettenasco: Entspannen in einer Woche in Italien

Urlaub?! Viel zu teuer! Außerdem bekomme ich nur eine Woche frei und dann? Das lohnt sich doch alles nicht bei den Preisen!“ Ein Haufen Ausreden schlägt mir jedes Mal entgegen, wenn ich mit Freunden und Bekannten über meine Lieblingsthema spreche: Reisen. Und ich bin jedes Mal komplett baff und überrascht wie viele Ausreden Menschen sich einfallen lassen, um sich einzureden, dass ein Urlaub ja wohl momentan überhaupt nicht drin ist. Das ist alles Quatsch! Kommt mit nach Pettenasco.

Ich denke: Auf die Einstellung kommt es an, auf den Willen und natürlich auch auf die Ansprüche. Natürlich gibt es Zeiten da ist es schwierig. Wenn wir gerade studieren oder keinen guten Job haben und am Ende des Geldes immer noch viel zu viel Monat übrig ist, dann ist kein Luxusurlaub auf den Malediven drin. Aber ich behaupte: Ein Kurztrip nach Italien geht immer!

Italien geht immer!

Wir brauchen dafür: Eine Woche Zeit, Mitfahrgelegenheit, Auto oder Zugticket (letztens bin ich für rund 80 Euro von Karlsruhe nach Domodossola und wieder zurück gefahren und war nur 5 Stunden unterwegs.) Ich übernachte besonders gern in Airbnb – Wohnungen, noch günstiger geht’s natürlich mit Couchsurfing oder Camping, einen Haufen Bücher oder Zeitschriften und dann kann es eigentlich schon losgehen! Eine Kleinigkeit noch: Ich würde mein Handy für die Zeit komplett abschalten.

Heisst: Wichtig ist, dass vorher Kohle da ist für die Fahrt und die Unterkunft. Vor Ort benötigt ihr das gleiche Geld wie zu Hause, wenn ihr hin und wieder selbst kocht.

Viel ist es definitiv nicht! 

Wir sind Ende Juli zu sechst in zwei Autos von Karlsruhe nach Pettenasco, Italien am Lago d’Orta gefahren. Was ein wunderschöner Weg durch die Alpen. Am Simplon-Pass hatte ich immer das Gefühl: Gleich springt hier wirklich Heidi aus einer Hütte, die Schweiz ist einfach unfassbar grün und malerisch und wie aus einer anderen Zeit. Bei solchen Fahrten lege ich traditionell häufig Vivaldi im Auto auf und gucke ganz ruhig durch die Welt.

Der Urlaub beginnt schon auf der Fahrt. Natürlich nur solange ihr keinem LKW hinterherschleichen müsst, der am Pass nur 30 fährt, weil zu steil. Sobald die Grenze passiert ist, ergreift einen das italienische Flair von alleine und der Durst auf Espresso steigt. Zum Glück kostet der in Italien oft nur 1,30 Euro! Und er schmeckt 10 Mal so gut wie bei uns. Praktisch. 

Italien
Die Aussicht von unserem Schlafzimmer in der Unterkunft: Man kann den Lago d’Orta sehen!

Unsere Wohnung in Pettenasco ist in einem alten italienischen Familienhaus. Von weitem sehen wir schon die große Schattenterasse mit Blick auf den Lago d’Orta. Wir haben uns beim Buchen für die Variante: Günstig, aber nah am Wasser entschieden und sind ehrlich gesagt richtig erleichtert, als wir im Haus festellen: Die Ausstattung ist alt, aber stilvoll italienisch und die Aufteilung der Wohnung ist besser als erwartet: 3 Schlafzimmer, also immer eins für 2 Personen, Küche, Bad, Balkon und eben die besagte Terasse – auch unser zweites Wohnzimmer genannt. Wir wollen in dieser einen Woche vor allem schlafen, baden, italienisch essen und unsere Ruhe haben. Da ist Pettenasco mit rund 1300 Einwohnern im Grunde der perfekte Ort dafür.

Hardcore Italienfans wären allerdings traurig: Der Ort ist so klein, dass die Eisdiele leider geschlossen hat. – Und das in der Hochsaison. Aber es gibt eine urige Pizzeria mit Margarita unter 5 Euro und der See – einfach nur wow! Das Wasser ist weicher, als die Kuscheldecke auf eurem Sofa, und dazu angenehm warm! Außerdem gibt es immer wieder kleine Stege, die direkt ins tiefe Wasser führen: Die perfekten Mini-Sprungtürme!

Kein krasses Freizeitprogramm – einfach entspannen

So ein Urlaub passt natürlich besonders zu allen unter euch, die kein krasses Freizeitprogramm brauchen. Ich finde es gerade bei einem Kurzurlaub von einer Woche genial, wenn meine größten Sorgen sind: Gehe ich jetzt ins Wasser? Trinke ich noch einen Cappuchino? Schatten oder Sonne? Lesen oder schlafen? Diese Gegend in Italien ist aber in jeder Hinsicht perfekt für einen Sommerurlaub, denn auch jetzt in der Hochsaison war es dort unfassbar leer und die Berge sind gleich um die Ecke. Wandern ist also auch möglich.

Das wichtigste um abschalten zu können ist meiner Meinung nach aber: Offline gehen und bleiben! In längeren Urlauben als eine Woche probiere ich es erst gar nicht. Aber bei einer Woche ist es einfach so ein gutes, unabhängiges Gefühl zu wissen: Niemand will was! Niemand wird etwas wollen. Und alle wissen: Ich bin weg! Nachdem ich mich für die Woche offline entschieden hatte, war es gar nicht schwierig. Ich hatte keine dieser „Entzugserscheinungen“. Ich habe mich einfach frei gefühlt. Unbezahlbar!

Entschleunigen in Pettenasco

Nach der Woche und Stunden am See, in denen ich einfach nur baff bin von der Schönheit der Welt und dem Gefühl im glasklaren Lago d’Orta zu schwimmen – ich habe fast schon Angst davor wieder online zu gehen und zu sehen was ich verpasst habe.

Und dann – kurz hinter der deutschen Grenze steht fest: Es ist genau NICHTS passiert! Gar nichts! Ich habe nichts verpasst! Ich habe nur gewonnen: Urlaub, Sonne, und richtige Entspannung – in nur einer Woche. Es lohnt sich einfach immer – und Pettenasco ist der perfekte Ort dafür.