Tipps für Italien: Der Urlaub lohnt sich auch im Hochsommer

Ach Italien. Einmal durch die Berge und schon eröffnet sich eine malerische andere Welt mit unendlich leckerem Kaffee, azurblauen Seen, Palästen, verwunschenen Bergdörfern und plötzlich steht man auch schon am Meer. Ich liebe Italien seit ich mit 12 Jahren zum ersten Mal dort war. Aber wie malerisch ist so eine Reise durch das Land im August? Wir haben es getestet.

Nachts in Karlsruhe. 23:30. Ein paar müde Gestalten laufen auf dem schmalen Bürgersteig hinterm Hauptbahnhof auf und ab und warten auf den Flixbus nach Mailand. Es ist unsere erste Reise nach Italien mit dem Bus. Unser Auto war kurz vorher zu Schrott gefahren worden – Bus und Bahn waren für uns das beste Fortbewegungsmittel. Auf einen kurzen Flug hatten wir keine Lust – außerdem liebe ich die Reise durch die Alpen. Sie ist für mich so etwas wie meine Vorbereitung im Kopf auf Italien.

Der Bus rollt heran und wir setzen uns in die erste Reihe. So haben wir freie Sicht auf die Fahrbahn – über den Köpfen der Busfahrer. Ich schlafe wenig, aber das war absehbar. Mit zwei Stunden Verspätung erreichen wir am nächsten Morgen Mailand. Denn vor dem Gotthard Tunnel war der übliche Hochsommer-Stau. Unseren ersten Stopp – Pettenasco am Lago d’Orta erreichen wir allerdings erst Stunden später, nachdem wir noch zwei Regionalzüge genommen haben. Es gibt nämlich von Karlsruhe aus keinen direkten Bus, der am Lago d’Orta entlang fährt.

Italien

Pettenasco – der Geheimtipp im Hochsommer

Wir sind zum dritten Jahr in Folge in Pettenasco, diesem kleinen Dorf am Lago d’Orta. Hier treffen wir meine Familie und verbringen eine ruhige Woche am See. Wir wohnen jedes Jahr in einer kleinen Wohnung, die wir über Airbnb mieten. Sie ist wirklich sehr einfach, aber wir sind sechs Personen und kommen in 3 Schlafräumen gut darin unter. Und der See ist gleich um die Ecke. Von der Terrasse aus können wir ihn am Morgen sogar sehen.

Priorität 1: Ausruhen, ausschlafen und runterkommen.

Priorität 2: Schwimmen.

Priorität 3: Essen.

Priorität 4: Lesen.

Darin sind wir inzwischen richtig gut. Und auch, wenn ich diesen Ort am liebsten nur für mich behalten würde, damit er niemals überlaufen sein wird, möchte ich ihn euch ans Herz legen.

In Pettenasco gibt es ein paar Restaurants, eine gute Pizzeria, keine Eisdiele, dafür eine Bar und eine Tankstelle. Außerdem einen ganz kleinen historischen Ortskern (bitte nicht zu viel erwarten) und viele kleine Badestellen am See. Und dieser See ist einfach unbeschreiblich schön. Das Wasser ist klar und weich. Beim Schwimmen habe ich oft das Gefühl: „Hier möchte ich ewig drin bleiben.“ In Hotel Giardinetto haben wir uns Stand-Up Paddle-Boards geliehen. Die beste Entdeckung überhaupt! Wir sind damit kreuz und quer über den See gepaddelt und zwischendurch ins Wasser gesprungen, haben auf den Boards gelegen und in den Himmel geschaut.

In dem Moment war es wieder da, dieses Gefühl von: Alles ist perfekt. Hier würd’ ich einfach bleiben und jeden Tag eine Runde paddeln. Ich brauche kein Entertainment im Urlaub und keine krassen Touren, ich liebe die Natur und wenn ich auch noch genügend Zeit habe, sie zu genießen – dann ist alles top! Vor allem in Italien.

SUP am Lago
Pettenasco: Abschalten und Ruhe genießen

Für mich persönlich ist der Lago d’Orta der Grund nach Pettenasco zu kommen und einfach mal abzuschalten. Hier ist es auch im Hochsommer leer und entspannt. Die Plätze am Wasser hatten wir oft den halben Tag für uns allein – und am Nachmittag sind manchmal nach Feierabend Italiener dazugekommen. Kein Vergleich zu überfüllten Stränden in Italien. Über Pettenasco habe ich euch schon einen längeren Artikel verfasst. Schaut gern vorbei.

Wandern kann man in der Region übrigens auch ausgezeichnet.

Mein Bruder und meine Eltern sind Wanderfans und haben festgestellt, dass man in der Gegend schöne Tagestouren in die umliegenden Berge machen kann.

Zugfahrt nach Levanto

Nach einer Woche aufstehen – Kaffee trinken – Kaffee trinken – lesen – schwimmen – Kaffee trinken – essen – schwimmen – lesen – Kaffee trinken – schlafen …. haben wir den Zug genommen und sind ans Meer gefahren. Zug fahren in Italien ist günstig und für die schnelleren Züge kann man sich vorab im Netz gute Angebote sichern.

 

An jenem Tag hatten wir allerdings Pech. In Mailand haben wir uns in einen Intercity gesetzt, der uns in drei Stunden bis nach Levanto bringen sollte. Und kurz vor Genua standen wir auf einmal im Tunnel und es ging GAR NICHTS MEHR. Die Lok war wohl kaputt und wir standen im Dunkeln. Eine Ansage nach der anderen dröhnte durch die Boxen: „wir brauchen 15 Minuten länger… ach ne nochmal 20 Minuten..nochmal 15… nochmal… „ Und nach einer guten Stunde ging es endlich weiter bis Genua. Da gab es dann die nächste lange Pause: Wegen der Hitze und der fehlenden Luft im Tunnel mussten viele Passagiere ärztlich versorgt werden.

Große Aufregung am Bahnsteig, Wasser wurde verteilt und wir haben wieder gewartet bis es weiterging. Kennt ihr diesen Moment auf Reisen, wenn Zeit auf einmal egal ist? Wenn man sich der Situation hingibt und einfach schaut was passiert? So war das bei uns. Wir haben uns mit Händen und Füßen mit den Italienern unterhalten, viel gelacht und einfach gewartet.

Levanto

Am Abend sind wir dann mit 2 Stunden Verspätung in Levanto angekommen. Wir haben auch hier über Airbnb ein Zimmer gebucht – in einer kleinen, feinen Pension direkt am Strand. Giorgio und seine Tochter führen hier ihr Mini-Familienunternehmen. Einfach, sauber und dazu ein kleines Frühstück. Da wir keinen Luxus brauchen, war die Pension für uns eine gute Wahl. Einzig, dass es zum Frühstück nur Instant – Kaffee gab, kann ich echten Italienern nicht verzeihen.

Levanto – Italien. Ursprünglich hatte ich diesen Ort ausgesucht, weil man hier manchmal surfen kann. Wellenreiten im Mittelmeer. Ungefähr an 100 Tagen pro Jahr kann man hier angeblich surfen. In den drei Tagen, die wir hier verbracht haben, allerdings nicht. Das Meer war flach wie ein See, hellblau und ruhig. Die Aussicht auf das Wasser ist wirklich toll. Nur der Strand selbst hat uns etwas geschockt: Ein schmales Band Sand – vollgestellt mit Liegen und Sonnenschirmen, die man sich mieten muss. Kein natürlicher Schatten. Überall Menschen. Darauf muss man sich einstellen: Die Strände in der Region sind im Sommer einfach voll. Aber auch hier gilt: Wenn keine Wellen da sind, kann man sich am Strand Stand-Up-Paddle Boards ausleihen und aufs Wasser flüchten. Von da aus ist die Perspektive auf den Strand gleich viel besser: Um einen herum viel kühles Blau und wenige Menschen. Man kann hervorragend die Sicht auf den Ort ändern.

Levanto
Der Urlaubsstrand von Levanto

Trotz der vielen Touristen ist Levanto einfach schön: Wundervoller alter Ortskern, prachtvolle Gebäude an den Hängen am Meer, eine Burg. Abends sind die Leute alle auf der Straße und die Stimmung ist sommerlich ausgelassen. Außerdem ist die Stadt der perfekte Ausgangspunkt, um die Dörfer der Cinque Terre zu besuchen.

Cinque Terre – zauberhaft, aber besser nicht im Hochsommer

Riomaggiore

Bunte Häuschen, die waghalsig an Felsen am Meer angebracht sind. Da war doch was: Ja! Als großer Valparaiso-Fan, haben mich Fotos der Cinque Terre Dörfer schon immer umgehauen. Seit 1997 sind die Cinque Terre Weltkulturerbe: Die fünf Dörfer Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore befinden sich alle entlang der steilen Küste. Für alle Wanderer gibt es Wege zwischen den Dörfern. Für die Wanderwege braucht man eine Eintrittskarte – für die Dörfer selbst allerdings nicht. Wir haben zwei der Dörfer mit dem Zug besucht, denn wandern ist einfach nicht meins und bei 33 Grad schon gar nicht.

Italien
Cinque Terre

Als wir am Bahnhof in Levanto in den Zug gestiegen sind, war ich mir aber nicht mehr so sicher, ob ich überhaupt in eins der Dörfer fahren will. Überall Menschen über Menschen. Alle wollten auch ein Foto dieser malerischen Orte abgreifen. (Wie wir ja auch…) Als erstes sind wir nach Riomaggiore gefahren und ich muss zugeben: Der Anblick dieser bunten, malerischen Häuschen hat für alles entschädigt. Unendlich schön dieser Blick auf das kleine Dorf, das da so unpraktisch zwischen den Felsen hängt. Hier und da bröckelt der Putz, aber das ist egal. Riomaggiore ist einfach perfekt unperfekt – und dadurch wunderschön. Unten auf den Hauptstraßen und am Wasser war das Dorf überfüllt, aber sobald wir über ein paar Seitengässchen nach oben geklettert sind, waren wir auch schon unter uns.

Cinque Terre
Riomaggiore

 Vernazza

Geblendet von der Schönheit Riomaggiores sind wir nach Vernazza gefahren. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber dieser Ort war noch viel voller als das vorherige. Auch hier sind wir über kleine Gassen aus dem Zentrum geflohen, um ein bisschen originale Schönheit von Vernazza abzubekommen. In einer Seitengasse haben wir uns auf alte Treppenstufen gesetzt und die frische Brise genossen, die vom Meer durch die Gassen fegt. Mit geschlossenen Augen habe ich mir das Dorf in einer anderen Zeit vorgestellt. Damals vor 1997, als es noch nicht zu den Top-Zielen in Italien gehört hat. Und ein bisschen wehmütig musste ich mir eingestehen, dass man Vernazza wohl nicht mehr so erleben kann. Trotzdem: Wenn man sich auf viele Menschen einstellt, ist es noch immer einen Besuch wert.

Cinque Terre
Vernazza in der Mittagshitze

Zu den Cinque Terre möchte ich unbedingt wiederkommen und die anderen Dörfer kennenlernen. Ich möchte mich hinsetzen und mit Aussicht auf Häuser und Wasser schreiben. Und die Umgebung wirken lassen. Allerdings nicht mehr im Hochsommer.

Mailand im Sommer: Wo sind die Italiener?

Auf Mailand war ich besonders gespannt – vor allem weil ich vorher so viel Unterschiedliches darüber gehört hatte. Die einen jubeln: Zauberhaft – andere rufen: „dreckig… gar nicht so schön wie Rom. Nicht so malerisch wie Venedig und überhaupt. Viel zu voll.“

Ich kann euch gleich sagen: Im Hochsommer ist Mailand das Gegenteil von voll. – Weil die Mailänder selbst Urlaub machen, wegfahren und ihre Lokale schließen. Die paar Touristen, die übrig bleiben, tummeln sich in der Innenstadt rund um den Dom. Sobald man das Zentrum verlässt, ist es im August ziemlich leer und angenehm. Und ich muss sagen: Mailand hat mich sofort gepackt: Mit seiner Unperfektheit, seinen alten Gebäuden und ruhigen Vierteln habe ich mich total wohlgefühlt. Es ist einfach keine Angeberstadt.

Mailand

Brera

Wir haben uns kreuz und quer durch die Stadt treiben lassen und sind durch das wunderschöne Viertel Brera flaniert. Hier lohnt sich ein Abstecher in die Kunstakademie. Es gibt Vintage-Shops (die allerdings im Hochsommer geschlossen sind) und malerische Gassen mit kleinen Obst- und Gemüsegeschäften. Das ist ein Viertel komplett nach meinem Geschmack: Entspannte Stimmung, wunderschöne alte Gebäude und man weiß nie welche Geheimnisse sich hinter der nächsten Ecke verbergen.

Zwischendurch gab es natürlich unendlich viel Cappuccino für uns an jeder Ecke. Bei Preisen um 1,30€ pro Tasse gab es Kaffee zum satt trinken. Und für mich kann es nie genug guter Kaffee sein.

Mailand
Die Kunstakademie in Mailand

Milano

Dom

Kein Besuch in Milano ohne ein Foto vom Dom. Auch wenn ich grundsätzlich eine Abneigung gegen typische Touristen-Orte habe, muss ich zugeben: Der Dom in seiner riesigen Pracht hat mich umgehauen. Dagegen kann der Kölner Dom einpacken. Echt. Und das sage ich, obwohl Köln meine Lieblingsstadt ist.

Duomo
Dom Mailand
Navigli

Am späten Nachmittag sind wir dann weiter in Richtung Navigli gelaufen: Durch dieses Viertel ziehen sich viele Wasserkanäle, an denen entlang man flanieren kann. Sie geben Mailand einen ganz eigenen Flair. Abends öffnen am Wasser viele Bars, in denen man Cocktails trinken und dazu vom Buffet naschen kann. Fast alle bieten einen Kombi-Preis an: Cocktail und Buffet 8 Euro. Für alle, die vom Laufen Hunger bekommen haben, ist das wirklich ein guter Deal. Und die Wasserkanäle werden in der Abendsonne noch schöner als tagsüber!

Navigli

Abends mussten wir uns erst an die sommerliche Stimmung in der Stadt gewöhnen: Viele der Restaurants, die wir uns im Netz rausgesucht hatten, waren wegen der Ferien geschlossen. Als wir nach einem langen Tag mit schmerzenden Füßen vor verschlossener Tür standen, haben wir schon geflucht. Aber schließlich sind wir losgezogen und einfach weitergelaufen und haben den alten Trick angewendet: Da wo Italiener sitzen, muss es gut sein. Und so war es auch. Lecker!

Shoppen in Mailand

Ey am Wochenende bin ich shoppen in Mailand.“ Aha. Ich weiß schon warum ich kein Fashion-Blogger geworden bin. Ich beschäftige mich gern mit Mode. Aber ich bin darin kein Profi und ich stehe einfach nicht auf 0815 Modegeschäfte a la Zara, H&M und Co. Immer dasselbe. Deshalb hatte ich gehofft in Mailand, der Modestadt auf einen Haufen außergewöhnlicher Läden zu treffen. Ganz so einfach war das am Ende aber nicht, denn im Zentrum gab es vor allem die typischen Geschäfte – eins nach dem anderen, wie wir es aus den Einkaufsstraßen hier bei uns in Köln, Berlin, Karlsruhe oder Düsseldorf kennen. Viele der vielversprechenden Vintage-Shops in den umliegenden Vierteln hatten den Sommer über geschlossen.

Im Navigli bin ich schließlich fündig geworden. In der Vintage Boutique „Porquimoivintage“ von Juliana. Ein kleiner bunter Shop mit Klamotten-Juwelen aus den unterschiedlichsten Jahrzehnten. Das Besondere ist hier, dass man der Inhaberin anmerkt, dass sie jedes einzelne Stück mit Liebe auswählt: Egal ob Rock oder Kleid, alles top in Schuss und kein bisschen „Fast Fashion.“ Für alle, die auf Vintage und Nachhaltigkeit beim Shoppen stehen, ist das mein Tipp. Wer Flohmarkt-Preise sucht, braucht allerdings nicht herzukommen. Die vielen Markenteile haben ihren Preis. Den ganzen Sommer über hatte ich nach einem Maxikleid gesucht und bin hier endlich fündig geworden.

Mailand
Unser Zimmer im Hotel Delizia
Unser Hotel in Mailand

Ich achte bei den Unterkünften immer auf Bewertung, Preis und Flair, der sich auf den Fotos im Netz erahnen lässt. Und das Hotel Delizia war ein echter Glücksgriff. Ca 60 Euro haben wir pro Nacht für ein Doppelzimmer (inkl. Frühstück) gezahlt und uns total wohlgefühlt. In dem kleinen Hotel gibt es maximal 10 Zimmer. Nach einem Tag kannten wir alle drei Mitarbeiter, die sich im Schichtdienst abgewechselt haben. Zwar ist dieses Hotel nicht im Zentrum, aber man kann dahin laufen. Ich persönlich bevorzuge charmante Hotels in normalen Wohngegenden, wo es nachts auch meistens deutlich ruhiger ist. Außerdem bekommt man so mehr davon mit, wie die Menschen in Mailand wirklich leben. Hierher würde ich sofort wiederkommen! Und nach Italien und Mailand im Hochsommer sowieso.

Mailand

Tipps:

  • Der Hochsommer ist der perfekt Zeitpunkt für eine Reise nach Italien an den Lago D’Orta. Auch wenn in ganz Europa Sommerferien sind, wird es dort einfach nicht voll.
  • Auch Mailand ist einen Besuch im Hochsommer wert, da die Stadt in der Zeit zur Ruhe kommt. Viele Mailänder machen Urlaub oder renovieren ihre Restaurants. So lernt man ein ruhiges, entspanntes Mailand kennen.
  • Unser Hoteltipp: Hotel Delizia – kleines, feines Hotel in einer entspannten Gegend. Zum Dom kann man in 20 Minuten zu Fuß laufen.
  • Am italienischen Mittelmeer ist es im Hochsommer einfach voll. Viele Menschen drängen sich an die Strände. Wer das nicht mag und kein Geld für eine Liege am Strand ausgeben will, sollte lieber off Season fahren.

Fotos: Raphael Pi Permantier & Athene Pi Permantier

Kurztrip Tschechien: Wellness in Karlsbad

Warum immer Wellness-Wochenenden in Deutschland machen? In Tschechien geht das wirklich außerordentlich gut! Wir haben uns für ein Wochenende in Karlsbad entschieden.

Oaaaaooooaaaaaaoooooww. Als wir Karlsbad in der Ferne gesehen haben, war ich sofort begeistert. Wie schön können Gebäude sein? Ist das hoffentlich wirklich unser Ziel? Über die Hügel verteilen sich Prachtbauten im Jugendstil. Und auch die Gebäude dazwischen sind einfach schön.

Karlovy Vary
Ausblick auf Karlsbad

Ich finde die Wirkung eines Ortes ändert sich nochmal komplett, wenn man ihn im realen Leben sieht. – Und nicht nur auf Bildern im Netz. Denn natürlich hatte ich mir vorher schon unendlich viele Bilder angesehen. Aber ich hätte niemals damit gerechnet, dass ich mich auf den ersten Blick in Karlsbad verlieben könnte: In diesen Kurort im Bäderdreieck von Tschechien. Dass wir uns nicht für Marienbad oder Franzensbad entschieden haben, lag vor allem am ausgezeichneten Wellness-Angebot in Karlsbad. Nach unserer Reise nach Prag wollten wir uns ein Wochenende lang erholen und nichts tun. – Außer darüber nachdenken, ob wir lieber noch eine Weile rumliegen, in den Pool gehen oder einen Kaffee trinken. Wichtig war uns vor allem das Hotel.

Unser Hotel

Lazensky Hotel Smetana

Wenn ich Urlaub am Strand mache, bin ich kein Fan von „All inclusive-Angeboten“, aber bei einem Wellness-Wochenende hat es Vorteile: Man weiß welche Behandlungen und Massagen „inklusive“ sind und braucht sich keine Sorgen über eine krasse Rechnung am Ende machen. Finde ich bei Wellness echt perfekt. Im Netz habe ich das Angebot für unser Hotel gefunden und wir wurden nicht enttäuscht: Das Hotel Smetana ist urig, historisch und total gemütlich. Natürlich ist es kein Boutique-Hotel oder ähnliches. Es ist einfach ein schönes Traditions-Hotel mit Pool und ausgezeichnetem Wellness-Bereich. Leider kann ich euch nicht erzählen, wie unser eigentliches Zimmer war. Denn wir hatten das unfassbare Glück ein Upgrade zu bekommen und haben das ganze Wochenende in einer Suite verbracht: Flur, Wohnzimmer, Badezimmer, Schlafzimmer und natürlich ein Balkon. Die Decken in unserer Suite sind hoch und es ist eingerichtet, wie ich mir die Suite von einem alten Manager vorstelle: Inklusive Macher-Couch!

(Das hat entschädigt für die vielen Male, in denen ich gehofft habe ein Upgrade im Flugzeug zu bekommen.)

Hotel

Karlsbad
Unsere Suite: Schlaf- und Wohnzimmer separat.

 Wellness-Paket in Karlsbad

In unserem Paket enthalten waren Übernachtung, Halbpension und ein Begrüßungsgetränk. Außerdem natürlich verschiedene Wellness-Anwendungen: Massage, Sprudelbad und normaler Pool. Außerdem konnte man sich jeden Tag eintragen für einen Aufenthalt im Wellness-Bereich mit Dampfbad, Saunen und einem großen Whirlpool. Mir hat es an fast nichts gefehlt. Nur einen Ruheraum hätte ich zusätzlich klasse gefunden. Aber dafür hatten wir ja unsere Suite! Gefühlt ewig haben wir im Whirlpool gesessen und das Leben genossen. Da wäre ich jetzt gern wieder. Es entspannt zusätzlich sehr, wenn man vom Whirlpool aus nur einen Aufzug nach oben in die Suite nehmen muss. Ein großer Vorteil im Vergleich zu Ein-Tages-Wellness-Erfahrungen – zum Beispiel auf Gran Canaria.

Morgens gab es ein ausgezeichnetes Frühstücksbuffet. Das einzige was mir hier gefehlt hat war „Cappuchino.“ Denn der war leider nicht inklusive. Abends konnte man zwischen verschiedenen Gerichten wählen. Es ist keine 5 Sterne Küche, aber – für den guten Preis – vollkommen ok.

Kirche

Kurort Karlovy Vary

Dieser Kurort wurde einst schon von Kaiser Karl dem IV. geliebt. Bekannt wurde Karlsbad durch seine heißen Quellen: Das warme Wunderwasser aus dem Boden. Man erzählt sich, dass die Heilwirkung der Quellen schon im 14. Jahrhundert bekannt geworden ist: Erst für Bäder und etwas später auch für Trinkkuren.

Besonders hübsch finde ich hier aber die ganzen Gebäude, die im 19. Jahrhundert im Jugendstil erbaut worden sind. Ich weiß nicht was es ist: Die Schönheit dieser Gebäude treibt mir manchmal Tränen in die Augen, so sehr geht sie mir ans Herz: Diese Farben und Formen und Türmchen und verspielten Fassaden. Jedes dieser architektonischen Meisterwerke ist perfekt. Gemeinsam sind viele Jugendstil-Gebäude der totale Schönheits-Overload. Meine Augen tun weh, so schön finde ich diese Häuser. Keine Ahnung, ob ihr dieses Gefühl nachempfinden könnt.

Übrigens: Karlsbad ist nicht nur als Kurort berühmt, sondern auch als Drehort: Zum Beispiel James Bond – Casino Royale wurde zum Teil hier gedreht.

Karlsbad

Karlovy Vary
Wunderschönes Karlsbad

Lustwandeln durch Karlsbad

Karlsbad ist ein alter Kurort, unendlich schön und sehenswert. Falls ihr auch in einem sehr gemütlichen Hotel dort absteigt: Geht trotzdem unbedingt in den Ort. Es lohnt sich!

Vorbei an Kirchen und Jugendstil-Häusern sind wir hinunter in den Ort gelaufen. Über die Promenade – hin zu den heißen Quellen. Überall neben uns: Menschen mit kleinen Trinkbechern in der Hand. – Becherchen für das Wunderwasser aus den Quellen. Daran hatten wir natürlich nicht gedacht. Wir waren aufgeschmissene Touristen, die von einem Stand zum Nächsten gelaufen sind, um ein „günstiges“ Becherchen zu finden. Denn, wenn wir schonmal in Karlsbad sind, wollten wir natürlich auch das Wasser probieren. Fast hätte Raphael sich beide Hände verbrannt – beim Versuch mal eben das Wasser in der Hand zu probieren. Macht das bloß nicht, denn es ist viel zu heiß. Die wärmsten Quellen haben etwa 60°C.

Schließlich haben wir uns für einen teuren Becher mit Tierchenaufdruck entschieden und so viel Wasser getrunken, wie in uns passt. Soll ja gesund sein!

Karlsbad
Mit dem Becher in der Hand durch den Ort flanieren.

Es schmeckt nach Rost und riecht nach faulen Eiern (ähnlich wie die heißen Quellen in Aachen). Aber man gewöhnt sich an den seltsamen Geruch. Und nach dem dritten Becher hat es mir tatsächlich fast geschmeckt.

Unsere Schritte wurden mit der Zeit in Karlsbad immer langsamer. Man passt sich automatisch dem Spazierschritt im Ort an. Es ist gemütlich hier. Lauter ruhige Urlauber und Kurgäste. Und währenddessen hat man die ganze Zeit das Gefühl, durch eine gemalte, perfekte Jugendstil-Kulisse zu laufen. Ich träume noch heute manchmal von diesen Gebäuden und werde definitiv wiederkommen.

Karlsbad

Fotos: Raphael Pi Permantier

Tschechien: Städtetrip nach Prag im Winter

Tschechien meint es gut mit uns. Prag ist ein Traum. Das hatte ich schon vor unserer Reise immer wieder gehört und geglaubt. In Wahrheit ist es sogar noch schöner als erhofft. Sogar mitten im Winter.

Als wir am Rande von Prag ankommen ist es schon spät und dunkel. Wir hatten den Tipp bekommen, das Auto auf einem Park & Ride Parkplatz zu lassen und mit der Metro in die Stadt zu fahren. Spart Geld und Nerven! Ein bisschen mulmig ist mir schon, als wir unseren geliebten Wagen auf dem Parkplatz zurücklassen. Aber ich rede mir gut zu. Es gibt einen Zaun und der Parkplatz ist bewacht. So kann ein Auto in der Stadt gar nicht bewacht werden. Auf geht’s!

Unsere Unterkunft

Nach 45 Minuten erreichen wir unsere Ferienwohnung.

In Prag kann man wirklich schöne Altbau-Wohnungen via Airbnb finden. Wir haben uns dort mit einer befreundeten Familie getroffen und haben uns deshalb für eine zentrale Wohnung entschieden, die gut eingerichtet ist und zwei große Schlafzimmer mit jeweils einem Badezimmer hat. Außerdem gibt es eine top ausgestattete Küche – perfekt für gemütliche Frühstückssessions oder Kaffeepausen. Wir fühlen uns sofort wohl, denn es gibt genug Platz, um gemeinsam Zeit zu verbringen, gemütliche Schlafzimmer und jeder kann sich zurückziehen.

Auch im Januar etwas blauer Himmel

Prag zu Fuß erkunden

Prag ist eine Stadt, die ich immer wieder zu Fuß erkunden würde. An jeder Ecke eröffnet sich einem ein überraschender Blick auf wunderschöne Gebäude, Kirchen, Brücken oder einfach die Moldau. Es lohnt sich immer wieder anzuhalten, den Blick schweifen zu lassen und zu genießen.

Ihr wisst: Ich bin keine von denen, die in eine Stadt kommt und erstmal anfängt Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Das ist einfach nicht mein Ding. Ich genieße es, zu Fuß durch eine Stadt zu laufen. Ich möchte die Stadt genießen und dabei kennenlernen. – Und währenddessen bekomme ich langsam aber sicher ein Gefühl für Stadt und Menschen.

Wir laufen über Kopfsteinpflaster, durch kleine Gassen, vorbei an Restaurants, Geschäften und Cafés. Und wir bewundern alte Galerien und Straßenbahnen. Prag hat Charme. Und mit Charme meine ich: Die Stadt ist nicht gerade, nicht perfekt. Sie ist kantig und bunt und überhaupt nicht aus dem Ei gepellt: Es wird gebaut, repariert oder auch einfach für ok befunden, wenn etwas vor sich hin gammelt. Perfekt unperfekt. Das Gefühl ähnelt meiner Liebe zu Valparaiso. Ein bisschen. Ich liebe es.

Auf dem Weg zur Burg

Die Prager Burg

Es ist DAS Touristen-Ziel ist Prag. Gemeinsam mit vielen anderen Urlaubern drängeln wir uns die Wege zur Burg hoch. Immerhin ist die Prager Burg angeblich das größte geschlossene Burg-Areal der Welt und im 9. Jahrhundert entstanden. Noch vor dem Eingang haben wir eine unfassbar schöne Aussicht über Prag. Allein dafür hat sich der Aufstieg gelohnt: Ein endloser Blick über Dächer, Stadt und Wasser. Eins meiner Highlights in diesen Tagen.

Am Eingang gibt es einen Sicherheitscheck. Durch das Areal kann man umsonst laufen. Für Kirchen und besondere Wege, muss man aber doch Eintritt zahlen. Ich gebe zu: Mir ist es da oben zu voll. Überall Menschenmassen, teurer Kaffee, teure Andenken. Und wenn ich ein Foto machen will, ist meistens ungewollt noch jemand Fremdes darauf zu sehen. An den Kirchen müssen wir anstehen und werden regelrecht durchgeschoben.

Am besten gefällt mir in diesem Burg-Areal das “Goldene Gässchen”.

Erbaut worden im 16. Jahrhundert für die Unterkünfte der Burgwachen. Später hat hier sogar mal der große Schriftsteller Frank Kafka gewohnt, gedacht und geschrieben. Die Häuschen in dieser Straße sind bunt und wirklich sehr hübsch und malerisch.

Auch wenn man vorher weiß, dass es ein großes Burgareal ist, bin ich überrascht davon wieviele Höfe es gibt. Es kommt mir unwirklich vor: Immer wieder eröffnet sich vor uns ein neuer Hof, eine neue Kirche, ein neuer Ausblick. Und jedes einzelne Gebäude ist beeindruckend!

Im Goldenen Gässchen

Die Karlsbrücke

Diese Brücke war wohl das erste, was ich lange vor meinem Besuch in Prag von Bildern kannte: Das Wahrzeichen der Stadt. Die Steinbrücke besteht aus sechzehn Bögen und ist einfach schön anzusehen. Deshalb würde ich vor allem empfehlen, die Brücke von den Nachbar-Brücken aus zu bewundern. Denn auf der Karlsbrücke selbst ist unglaublich viel los: Viele Touristen und am Straßenrand Künstler, die ihre Werke anbieten.

Brücken regen mich immer zum Träumen an: Von neuen Zielen, Wegen und Entscheidungen. Ich könnte stundenlang am Wasser stehen und auf Brücken schauen! Und währenddessen über verpasste und kommende Chancen nachdenken. Diese Brücke ist wirklich ein außergewöhnliches Exemplar.

Vermutlich werden Frühaufsteher mit einem besonderen Brückenerlebnis belohnt: Ich nehme an, dann ist weniger los und man kann entspannter darüber flanieren.

Blick auf die Karlsbrücke

John Lennon Wall

Mein Streetart-Herz kichert und wird belohnt, als wir an der John Lennon Wall ankommen. Eine Wand mitten in der Stadt von Prag, die einem in allen erdenklichen bunten Farben entgegen strahlt. Seit den 80er Jahren wird sie immer wieder neu bemalt – und das alte Bild von John Lennon ist unter vielen neuen Farbschichten verschwunden. Die Mauer leuchtet einen wild an und sieht nach Kreativität, Ideen und Inspiration aus. Ich mag die Idee, dass die Wand beim nächsten Besuch vermutlich schon ganz anders aussehen wird!

John Lennon Wall

Cafés und Restaurants

Wer Fleisch isst, hat es leicht in Prag! Es gibt unendlich viele gute Restaurants, in denen man leckeren Gulasch bekommt. Etwas abseits der Touristen-Straßen, ist das Essen auch noch unfassbar günstig und gut. – Genauso das obligatorische Bier dazu! Das tschechische Bier schmeckt einfach fantastisch. Wir haben im Ferdinanda gegessen und haben zu zweit für 20 Euro mega lecker gegessen und haben 2 große Bier getrunken.

Für mich wird ein Städtetrip genau dann entspannt, wenn ich ein ruhiges Café finde, in dem ich mich wohlfühle und Kaffee nach meinem Geschmack bekomme. Ich weiß, ich bin da anspruchsvoll. Aber in Prag gibt es wirklich viele schöne und gemütliche Cafés. Besonders gefällt mir das Tricafe: Ein bisschen abseits der großen Straßen, in der Nähe der Karlsbrücke befindet sich dieses kleine Café, wo es unfassbar guten Cappuccino gibt.

Wenn ich wieder nach Prag komme, möchte ich die Stadt gerne im Sommer kennenlernen. Ich möchte draussen sitzen und den Flair des Sommers dieser Stadt atmen. Den Blick über Prag genießen – ohne dass meine Füße zu Eis werden. Fest steht: Ich komme wieder. Und unser Auto wird in jedem Fall wieder auf dem Park & Ride Platz stehen.

Städte: Am liebsten zu Fuß

Fotos: Raphael Pi Permantier

Tipps für Lissabon – Aussicht en masse

Wenn es ein Rezept gäbe für Städte, damit man sie sich nach Lust und Laune kochen und zurechtzaubern kann, dann wären meine liebsten Zutaten: Nähe zu Wasser, Hügel, Aussichtspunkte, bunte Häuser, Treppen und schmale Gassen. Ein Glück, dass es einige dieser Städte schon gibt. Man muss nur hinfahren und sich in die Gassen fallen lassen. Lissabon hat bei mir tiefe Abdrücke im Herzen hinterlassen. Aber ein Auto nehme ich dahin nicht mehr mit.

Schon lange bevor ich Lissabon kennengelernt habe, hatte ich das Gefühl, dass mir die Stadt gefallen könnte: Hügel, Wasser, Gassen, bunte Kacheln an den Häusern. Mag ich.

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Inzwischen war ich zwei Mal dort. Diesmal hatten wir die dämliche Idee unser Gepäck erst mit dem Auto zu unserer Ferienwohnung zu bringen. – Quer durch die Altstadt.

Ich bin schon auf dem Beifahrersitz durchgedreht. Zum Glück musste ich nicht fahren. Autos von allen Seiten, vor einem schießen plötzlich Poller aus dem Boden und überall Menschen. Als wir schließlich kurz in einer „Parkgasse“ gehalten haben, um unsere Rucksäcke nach oben zu bringen, haben wir schlussendlich verstanden, warum man dort nur ein Auto besitzt, wenn man muss: Huuup Huup drang es nach oben. Die Parktaschen sind nämlich so gebaut, dass man gar nicht anders kann: Man parkt sich immer gegenseitig ein. Das Prinzip also: Möchte jemand spontan raus, startet er ein Hupkonzert, bis der Fahrer am Auto ist und es aus der Gasse hinausfährt und so Platz macht. Verrückt. Aber gängiges Prinzip. Ihr könnt euch also vorstellen, wie froh wir waren, als wir das Auto abgegeben hatten und Lissabon zu Fuß entdecken konnten.

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Lissabon: Ein bisschen unpraktisch, aber unendlich schön

Lissabon. Beim Spaziergang durch das Gassenmeer werden wir immer wieder mit atemberaubenden Ausblicken belohnt. Es ist eine der Städte, wo ich mir nie ein Ziel vornehme. Alles ergibt sich unterwegs. Wer hier Zeit hat und sich treiben lässt, sieht unendlich viel. Nicht nur die Streetart hat es mir angetan. Die vielen unterschiedlich gefliesten Häuser strahlen mit bunten Mustern in der Sonne. Treppe rauf, Gasse runter, stehen bleiben, umdrehen, inne halten und da ist er wieder: Der Ausblick bis runter zum Wasser. Wahnsinn. Natürlich ist es keine praktische Stadt, wenn man mal viel zu tragen hat oder so. Aber die vielen alten Gebäude sind einfach schön. Für einen Städtetrip – Unschlagbar.

Der perfekte Ort für Träumer und Querdenker

Lissabon ist der perfekte Ort für Träumer und Querdenker. Für Menschen, die sich gern auf eine Bank setzen, die Aussicht genießen und dabei wilde Ideen in ihr kleines Heft kritzeln. Wir klettern den Berg rauf, immer weiter, bis wir eine ausgezeichnete Aussicht haben: Unter uns das orangene Dächermeer, weit hinten das Wasser und die Brücke, die einen immer an San Francisco erinnert. Das ist übrigens kein reiner Zufall. Die Brücken wurden von der gleichen Firma gebaut.

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Ich denke mir: „Besser kann die Sicht ja wohl nicht werden“, drehe mich um und sehe einige Meter weiter oben noch einen Aussichtspunkt (Mirador). Wir keuchen und gehen weiter bis wir endlich oben sind. Jeder Ausblick hier belohnt einen und schon sind die schmerzenden Füße vergessen. Wir sitzen kurz im Schatten unter einem Baum und versuchen den Ausblick mit unseren Augen abzufotografieren. Ich hoffe immer, dass er so für immer bleibt.

Unterkunft in der Altstadt von Lissabon

Unsere Ferienwohnung über Airbnb ist ein echter Glücksgriff: Eine kleine Wohnung in einem urigen alten Haus in der Rua da Bica. Erst muss man über eine schmale Treppe nach oben in den dritten Stock klettern, oben wird man aber belohnt. – Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küche und Esszimmer gehen ineinander über. Die perfekte kleine Wohnung für ein Pärchen, dass auf alte Gebäude steht. Es gibt sogar einen Balkon, der einmal rund um die Wohnung führt. Darauf kann man zwar keine Partys feiern, aber frühstücken geht dort sehr gut. Die Sicht reicht dabei bis hin zum Wasser und zur Brücke. 

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Aussicht vom Balkon

Und unten auf der Straße quietscht immer wieder der „Elevador da Bica“ vorbei. Eine Standseilbahn, die es schon seit 1892 gibt. Die zwei gelb-weißen Wagen sehen der alten Straßenbahn in Lissabon ähnlich und werden jeden Tag vielfach von neugierigen Touristen fotografiert. Es ist ein lebhaftes, schönes Viertel zum Wohnen für alle, die Altstadt, Bars und kleine Restaurants lieben.

Party geht immer

Nachts stromern wir herum, fallen in die Bars ein als wären wir wieder 19 und nach dem dritten Mojito für 3 Euro fühlen wir uns auch so, vergessen unsere Vornamen und tanzen zu Reggaeton. Ich bin wunschlos glücklich in dieser Stadt. Da kann uns noch nicht einmal der Kater am nächsten Morgen die Laune verderben. Sonnenbrillen auf und erstmal einen Kaffee trinken gehen. Oder zwei oder drei. Und dazu ein paar dieser süßen, leckeren Teilchen (Pastel de Nate), die die Portugiesen einfach unverschämt lecker hinbekommen.

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Wer Inspiration sucht, findet sie in Lissabon

Lissabon ist für mich keine klassische Urlaubsstadt. Runterkommen stelle ich mir schwierig vor. Aber auf andere Ideen kommen – dafür ist die Stadt perfekt. Perspektive ändern, in den Tag hinein leben, loslaufen und gucken, wo man ankommt.

Hier könnte ich mir vorstellen ein paar Monate zu leben und in der Region surfen zu gehen. Einen Alltag zu haben. Ein Stamm-Café. Und einen Lieblings-Aussichtspunkt. Hier ist es nicht entspannt. Es ist bunt, an manchen Ecken kaputt und immer wieder schaut man dem ganz normalen Leben ins Gesicht. Und das inspiriert mich noch immer am meisten.

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Tipps:

  • Aussichtspunkte erkunden
  • Aquarium besuchen
  • Ferienwohnung in der Altstadt buchen und den Flair der Stadt leben
  • Den Mojito im Studentenviertel am besten erst ab 5 Euro genießen. – Oder den Kater hinnehmen.

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Fotos: Raphael Pi Permantier

Wedding Diaries 5: Und was mach ich mit den Haaren? Die Testfrisur

Wenn ich diesen Titel so lese, klingt das sehr amerikanisch: Wir machen eine Testfrisur vor der Hochzeit und dann ein Test-Essen und danach am besten noch eine Testparty. So läuft es natürlich nicht. Aber ich muss zugeben, diese eine Sache ergibt schon Sinn, die Frooooooonck da immer in der Fernsehsendung „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ sagt: „Gib dich in die Hände der Leute vom Fach und du hast eine Sorge weniger.“ Das Styling soll schließlich zu mir passen. Warum eine Testfrisur unfassbar Druck von einem nimmt und die Vorfreude steigen lässt, lest ihr hier.

Die Hochzeit findet in Aachen statt – auf Gut Hebscheid – ich allerdings wohne in Karlsruhe und zum Friseur gehe ich eigentlich in Bühl. Komplizierte Sache. Hinzu kommt, dass ich auch gar keine Friseure in Aachen kenne. Also habe ich erst einmal angefangen rumzufragen bis mir eine Freundin ihre Friseurin empfohlen hat und ironischerweise heiratet sie auch noch eine Woche vor uns. Wir konnten aus der Testfrisur also ein kleines Mädels-Event machen. Und das fand im Juni endlich statt. Vorher hatte ich allerdings gefühlt schon alle Brautmagazine der Welt, plus Instagram und Pinterest nach Brautfrisuren und Make-Up durchsucht und erstmal herausgefunden, was ich alles nicht will. – Oder was alles nicht geht: Hallo, ich bin Athene, 160 cm klein, Sommersprossen, wenig bis null Erfahrung mit Make-Up und außerdem habe ich dünne Haare, die einfach nicht wachsen wollen. Ist echt so: Meine Haare wachsen so langsam, dass sich sogar Friseure darüber wundern! Ab der Schulter hören sie einfach auf zu wachsen. Das wird also nichts mit langen, märchenhaften Wellen und offenen Haaren. Und Make-Up-Pinsel und ich, wir kennen uns nur von weitem.

Welche Frisur passt zu mir? Was mache ich mit den Haaren?

Als ich angefangen hab, darüber nachzudenken, was ich machen könnte, ist mir natürlich erst einmal alles eingefallen, was mit meinen Haaren leider nicht geht. Meine Güte, meine Güte, drei Bonbons und keine… (Tüte). Lassen wir das. Was nicht ist, ist nicht. Haarteile, die einem mehr Haar zaubern, konnte ich mir bei meiner Haarlänge auch nicht vorstellen. Streng hochgesteckt, passt einfach nicht zu mir.

Die erste Idee kam in einem Brautladen, als ich zu einem Kleid (das ich nicht genommen habe) einen kleinen Blumenkranz angezogen und meine Haare unordentlich da reingesteckt habe. – “Wild hochgesteckt”, würde ich es mal nennen. In der Fachsprache der Brautmagazine nennen sie es „Undone-Look“ – also so wild, dass es aussieht, als wäre man gerade aus dem Bett aufgestanden und hätte sich nur mal eben die Haare hochgesteckt und gleichzeitig aber so gezaubert, dass es den ganzen Tag hält. Das mag ich, das passt. Ich bin ja auch im normalen Leben nie lange im Bad beschäftigt, dazu fehlt mir einfach die Muße. Außerdem gefällt mir der Bruch durch diese Frisur zu meinem langen Brautkleid sehr.

 

Und dazu soll es ein Blumenkranz sein. Kein Schleier, nur ein Kranz, der nicht zu groß sein darf. Sonst würde es ja aussehen, als ginge der Kranz mit mir spazieren. Die Blumen werde ich mir in der Woche vor der Hochzeit bei “Drei Blüten” in Aachen zusammenstellen. Das steht schon fest. Sonst nichts. Für die Testfrisur brauchte ich aber ja auch einen Kranz, also habe ich das Internet kreuz und quer nach einer günstigen Alternative aus Kunststoff abgesucht und bin bei Amazon fündig geworden.

Und „für falls“ wie ich gerne sage, also falls am großen Tag etwas mit den frischen Blumen schiefgehen sollte, habe ich mir noch einen Ersatzkranz aus getrockneten Blumen bestellt. Denn ich möchte auf keinen Fall Plastik auf dem Kopf haben.

Meine ganzen Ideen habe euch übrigens ich in diese Pinterest-Galerie gepackt.

Und welches Make-Up passt zum Styling?

Das war einfacher! Die einzige Sorge: Kann die Friseurin das so natürlich und schlicht, wie ich mir das wünsche? Also kann sie auf meine Wünsche eingehen und trotzdem dafür sorgen, dass ich von morgens bis abends fit, wach und strahlend aussehe, obwohl ich vermutlich Augenringe bis zum Mars haben werde?

Mädelsmorgen mit Testfrisur

Den Tag der Testfrisur habe ich Ende Juni organisiert, damit ich – falls ich gar nicht zufrieden sein sollte – noch Zeit habe, mir wen anderes zu suchen.

An dem Morgen hakt es aber erst einmal bei uns. Meine Freundin schreibt mir, dass sie verschlafen hat. „Das kann ja noch was werden“, denke ich und muss gleichzeitig lachen. Mit 15 Minuten Verspätung brausen wir nach Horbach, einen Ort bei Aachen zu Corinna Hof. Als wir ankommen fühle ich mich in Teenie-Zeiten zurückversetzt, weil in der Gegend einige Freundinnen von mir gewohnt haben.

Frau Hof nimmt uns die kleine Verspätung nicht übel. Sie hat ihren Friseursalon in ihrem Wohnhaus: Ein Raum, klein und gemütlich mit genau zwei Plätzen für uns. Sofort strahlt sie uns an und auch, wenn ich an dem Morgen sehr aufgeregt war, habe ich bei ihr gleich das Gefühl in guten Händen zu sein. Ich zeige ihr die verschiedenen Bilder aus dem Netz und erkläre ihr bis ins kleinste Detail, was ich mir vorstelle. Zeige ihr den Testkranz und frage sie nach ihrer Meinung zu allem. Das ist mir besonders wichtig, denn ich kenne mich mit Styling und Schminke einfach nicht aus.

In meiner Familie sind die Frauen eher so drauf: Kajal, Mascara, Labello, fertig. Und mit dem Kajal ist das oft schon ein kleiner Kampf. Ich hätte grundsätzlich schon gern mehr Ahnung davon, aber es ist unrealistisch, dass ich das noch vor der Hochzeit lerne. Sie erklärt mir, dass die Frisur auf jeden Fall den ganzen Tag hält, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Und dass wir das Make-Up so hinbekommen, dass ich nicht „angemalt“ aussehe. Puh. Los geht’s.

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Sie glättet mir die Haare, zupft hier und da, setzt mir den Blumenkranz auf und hantiert mit hundert Klämmerchen, um das Maximum aus meinen dünnen Haaren herauszuholen. Das macht sie nicht zum ersten Mal. Das merkt man gleich. Immer wieder fragt sie mich, ob es so passt. Wir ändern Kleinigkeiten ab und am Ende bin ich wirklich zufrieden, mit dem was die mir auf den Kopf gezaubert hat. Wir hoffen allerdings beide, dass meine Haare noch etwas wachsen bis September. Auch meine Freundin ist begeistert – ich bin froh, dass sie dabei ist: Eine zweite Meinung ist einfach unbezahlbar.

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Und dann das Make-Up. Davor hatte ich fast noch mehr Schiss, bin aber sofort beruhigt als sie mir sagt, dass wir im Grunde komplett auf Make-Up verzichten könnten. Das hätte ich nicht gedacht! Weil ich mich aber mental so darauf eingestellt hatte, dass ich an dem Tag unbedingt Make-Up ausprobieren will, lasse ich mich nicht abbringen. Wie ich ohne aussehe, weiss ich ja. Also pinselt sie mir das helle Zeug einmal quer durchs Gesicht. An dieses – gestylt werden – könnte ich mich gewöhnen! Ein tolles Gefühl hergerichtet zu werden.

Beim Test-Styling kann man viel ausprobieren

Nach dem Make-Up, werden die nächsten Entscheidungen getroffen: Welcher Lidschatten soll es sein? Welcher Kajal? Wieviel von alledem? Dabei verlasse ich mich auf das Auge meiner Expertin. Ich habe das Gefühl, dass wir uns verstehen und, dass sie weiß, dass ich nicht zu viel Farbe im Gesicht haben möchte. Mein Ziel: Auch am Hochzeitstag ich selbst sein. Natürlich aufgehübscht und gestylt, aber eben nicht übermalt. Es gibt ja Frauen, die schminken sich jeden Tag und sehen einfach fantastisch so aus, aber ich nicht. Vor allem, weil ich mich so nicht kenne. Am Ende suche ich noch einen matten Lippenstift aus, der gut zum Gesamtbild passt und kaufe ihn auch gleich bei ihr. So kann ich am großen Tag immer nachlegen, wenn mir danach ist.

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Nach eineinhalb Stunden ist alles fertig und ich darf Beweisbilder machen. Jetzt ist meine Freundin an der Reihe. Die bekommt eine lockige Flechtfrisur, die wirklich toll aussieht an ihr. Da sieht man mal wieder was die unterschiedlichen Typen ausmachen. Es macht übrigens mindestens genauso viel Spaß jemandem dabei zuzusehen, wenn er zurechtgemacht wird, wie selbst gestylt zu werden.

Als wir beide fertig sind, wird alles genau zusammengerechnet und ein Zeitplan für den Hochzeitstag erstellt, damit da auf keinen Fall Stress aufkommt.

Am großen Tag wird Corinna Hof zu mir ins Hotel kommen und sich um alles kümmern. Die Vorfreude steigt inzwischen ins Unendliche – besonders weil ich jetzt keine Angst mehr haben muss, mich am Ende doch noch selbst stylen zu müssen.

Das Styling wird in der Stadt getestet

Hinterher laufe ich beschwingt durch die Aachener Innenstadt und fühle mich wie eine Prinzessin. Vielleicht fange ich hier und da aus Versehen sogar an ein wenig zu tanzen. Wer weiß. Es ist ein besonderer Sommertag in Aachen. Alle sind gut drauf, weil die Sonne mal ein paar Tage am Stück scheint. Ich bin wirklich überrascht, wie viele Menschen mich anlächeln und nach Frisur und Styling fragen. So ein Blumenkranz macht echt was aus! Das werde ich mir merken. Auch für andere – nicht-hochzeitliche Feste.

Tipps:

  • Wenn ihr nicht an dem Ort heiratet, wo ihr wohnt: Auf jeden Fall Freunde und Bekannte fragen. Friseure sind so unterschiedlich!
  • Überlegt euch vorher genau, was ihr wollt und was nicht. Der Friseur kann nicht eure Gedanken lesen.
  • Nehmt auf jeden Fall jemanden, dem ihr vertraut zur Testfrisur mit. Eine zweite Meinung ist unbezahlbar.
  • Kosten für ein Braut-Styling variieren stark. Meine Friseurin kostet ca: Frisur 40-55 Euro. Make-Up: 25-35 Euro und dazu kommen natürlich noch Fahrtkosten, wenn sie zu einem ins Hotel kommt.

 

Wedding Diaries 4: Eine Hochzeitstorte bitte – aber ohne Fondant

Die Wahl der Hochzeitstorte ist kompliziert und mächtig. Aber das geht vorbei sobald man sich eingesteht, aufs Herz und den eigenen Geschmack zu hören – und nicht auf die Bilder in amerikanischen Hochzeitsfilmen. Es geht schließlich um eine Torte – und keine Skulptur.

Ich sitze an einem großen runden Tisch. Immer wieder kommt eine mütterliche Konditorin rein und stellt mir ein neues Tellerchen mit Häppchen von einem anderen Kuchen vor die Nase. Die Aufforderung ist klar: „Bitte probieren, bitte probieren.“ Natürlich schmecken alle Füllungen fantastisch und hinterher weiß ich noch immer nicht, welche Torte ich haben möchte. So lief das ab. In meinem Traum.

In echt leider nicht. Ich gebe zu, ich bin kein großer Tortenfan. Mit Marzipan, Sahnecreme oder Fondant kann man mich jagen. Und Raphael geht es da ähnlich. Uns findet man nicht in der Konditorei an der Ecke am Wochenende. Wir essen lieber Eis. Oder salzig. Aber eine Hochzeitstorte gehört ja irgendwie schon dazu, fanden auch wir. Kurz haben wir überlegt, ob es eine Torte aus Käse sein soll. Oder aus Sushi. Möglich ist das alles, hat es schließlich auch alles schon gegeben.

Aber so ein mehrstöckiges Kuchendings, das das Brautpaar gemeinsam anschneidet, wollten wir dann doch haben. In süß. Aber bitte ohne Sahne und nicht zu süß. Uns war also schnell klar, dass wir uns nicht einfach für eine Torte in der Auslage entscheiden können, ohne sie probiert zu haben. Also rufe ich in der Konditorei „Lammerskötter“ in Aachen Burtscheid an und vereinbare einen Termin. Das ist immerhin eine Traditionskonditorei und ein Familienbetrieb mit gutem Ruf. Da muss es doch etwas Passendes für uns geben. Wir hoffen sehr auf diesen Termin, überlegen dann aber noch „inkognito“ in anderen Konditoreien ein paar Stücke Torte zu probieren, um uns ein besseres Bild zu verschaffen.

Rathaus
Auf der Suche nach Torte in der Aachener Altstadt

Die heimliche Kostprobe möglicher Hochzeitstorten

Café zum Mohren

An einem sonnigen Tag flanieren wir also durch die Altstadt von Aachen und setzen uns als erstes ins Café zum Mohren. Auch mich Nicht-Torten-Fan lachen hier viele süße Stücke an: Eistorten, Obst-, Schoko-Torten und die Baiser-Torten sehen ausgezeichnet aus. Wir entscheiden uns für ein Stück fruchtige Eistorte und Lemon-Baiser. Bei der Eistorte dachte ich: Ok! Lecker – aber keine Hochzeitstorte für mich. Es fehlte der gewisse Kick.

Wir haben uns fast ein bisschen geschämt, dass wir Lemon-Baiser ausgewählt hatten, obwohl wir eigentlich auf der Suche einer Hochzeitstorte waren. Denn die seltenen 0815 Besuche in einer Konditorei laufen bei uns immer so ab:

Was willst du?“

Hmmmmm. Weiß nicht. Sieht mir alles zu sahnig-süß aus. Haben die was mit Zitronencreme und Baiser?“

Ja, schau da!“

Ah geil. Nehm ich.“

Ok ich auch.“

Echt? Beide das gleiche?“

Ja. Ist das einzige, was mich anlacht.“

Na gut.“

So ist es tatsächlich jedes Mal. Daher kennen wir uns mit Lemon-Tartes ganz gut aus. Geschmacklich zumindest. Als wir die erste Gabel dieser Lemon-Baiser-Torte probieren, schauen wir uns ungläubig an. Kann es sein, dass diese Torte 100 Mal genialer schmeckt, als all jene, die wir bisher von Chile über Neuseeland bis Deutschland probiert haben? Ja, es kann. Und ja, es ist so. Diese Lemon-Baiser-Torte ist der absolute geschmackliche Wahnsinn. Locker-leicht und fast tänzerisch verziert das Baiser die Torte oben drauf. Unten drunter leichte schichten Zitronencreme und Teig, die sich aneinanderschmiegen als wüssten sie, wie gut sie harmonieren und zusammenpassen.

Ich fühle mich wie auf einem Kuchentrip. Noch nie war ich so happy nach einem Stück Torte. Ich war immer die, die auf Omas Geburtstag gesagt hat: „Für mich bitte nur ein halbes Stück! Oder ein ganz schmales!“ Für die Torten-Fans dieser Welt sicher unvorstellbar, aber wahr. Und ich fange schon an zu bezweifeln, dass wir noch was leckereres finden können. Aber ist eine Lemon-Baiser-Torte nicht etwas unpassend für eine Hochzeit? Stapeln kann man sie ja schonmal nicht.

Lemon-Baiser: Das wird unsere Hochzeitstorte

Café Middelberg

Danach steht bei uns das Café Middelberg auf dem Programm: Hier trifft Caféhaus auf Tradition – und das gleich neben dem Marktplatz. In Aachen ist es wirklich überraschend, wieviele Menschen unter der Woche mittags im Café sitzen und Kuchen genießen. Das scheint hier ein großer Markt zu sein. Wir gesellen uns dazu. Mir fällt es allerdings schon in der Auslage schwer einen Kuchen zu finden, den ich überhaupt probieren möchte: Überall Marzipan, Buttercreme und Schokolade. Jedes Stück wirkt übermächtig deftig süß. Wir bestellen trotzdem zwei Stücke mit unterschiedlichen Füllungen: Einmal Käse- Sahnetorte und einmal Himbeercreme.

Nach zwei Bissen steht für mich fest: Hier bestellen wir keine Torte. Gegen den Geschmack an sich kann ich nichts sagen – außer dass ich einfach kein Fan bin von zu viel süßer Creme in einer Torte. Kurz überlege ich, ob andere vielleicht genau das von einer Hochzeits-Torte erwarten. Aber selbst wenn. So what. Das können sie auf ihrer eigenen Hochzeit gerne anbieten, wenn sie mögen. Überzuckert verlassen wir das Café. In dem Moment bin ich froh, dass wir hier keinen Termin vereinbart hatten.

Café Middelberg, Aachen: Keine Hochzeitstorte für uns

Lammerskötter

Die letzte Konditorei auf unserer Liste ist in meiner Heimat Burtscheid – ein kleines Familienunternehmen mit gutem Ruf in der Region und einer ausgezeichneten Homepage. Davon können die anderen nur träumen. Die Chefin – eine echte Lammerskötter – begrüßt uns freundlich im Konditoreiladen. Allerdings bleiben wir auch genau da während der gesamten Beratung stehen. Sie holt ihr iPad und zeigt uns die verschiedenen Optionen, die wir auch schon vorher auf der Internetseite gesehen haben. Auf die Frage, welche Sorten wir denn jetzt mal probieren können, wird klar: Keine. Also Torten gibt es schon, aber keine einzige Füllung der typischen Hochzeitstorten ist gerade vorrätig da. Das ist natürlich schade, weil wir extra aus Karlsruhe angereist waren – auch um diese Torten zu probieren und eine Entscheidung zu treffen. Auch hier gibt es eine Torte mit Zitronencreme und Baiser, die auf der Homepage ausgezeichnet aussieht. Außerdem haben sie wunderschöne Naked-Cakes im Angebot. Aber ohne sie zu probieren, würde ich keine mehrstöckige Hochzeitstorte bestellen.

Hinterher waren wir etwas geknickt: Wir wurden zwar super nett beraten, aber ich hatte es mir einfach anders vorgestellt. Als wir abwägen, ob wir noch einen neuen Termin vereinbaren, gehen wir auch nochmal alle Torten durch, die wir gegessen haben und stellen fest: Eigentlich haben wir längst einen Favoriten.

Die Entscheidung: Es wird eine Lemon-Baiser-Torte

Wir rufen in der Konditorei des „Café zum Mohren“ an und fragen, ob sie die Lemon-Baiser-Torte für uns als mehrstöckige Hochzeits-Torte herstellen würden. Und ja, sie wollen und werden! Natürlich wird diese Torte nicht direkt übereinander gestapelt. Das ist bei Baiser wohl nicht so einfach möglich. Sie würden sie uns aber auf einer Etagère servieren und damit unseren Geschmackstraum wahr werden lassen.Am großen Tag liefern sie die Torte direkt zu unserer Location.

Ich bin begeistert und tanze durch die Küche. Klar: Eigentlich hätte ich mir schon vorher denken können, dass es keine klassische Torte bei uns wird. Aber jetzt bin ich mir sicher. Und es fühlt sich einfach fantastisch und richtig an. Warum nicht einfach das bestellen, was zu uns passt? Auf der ganzen Welt haben wir die Zitronen-Tartes schon probiert. Hier schließt sich der Kreis. Während ich das hier schreibe, bekomme ich Hunger. Das wird toll!

Wir werden unsere Hochzeits-Torte übrigens nicht am Nachmittag servieren und auch nicht an Mitternacht. Wir servieren sie einfach als Nachtisch, damit hinterher nichts die Party unterbricht. “Zucker und Sitzen” am späten Abend kann nämlich zum Partykiller Nr. 1 werden, schreibt Hochzeits-Dj Thomas Sünder. Und das glaube ich sofort.

Jetzt hoffen wir, dass unsere Gäste diese Torte ebenso gern wie wir essen werden. Wenn nicht, esse ich sie eben drei Tage lang. Kein Problem.

P.S. Wir wurden nicht enttäuscht: Die Gäste und wir haben die Torte geliebt. Die hat unsere Hochzeit perfekt abgerundet.

Hochzeitstorte
Unser Stolz: Unsere Hochzeitstorte

Facts:

  • Testet auf jeden Fall den Geschmack verschiedener Torten und fragt bei den Konditoreien, ob die extra Probier-Termine anbieten (Wir konnten bei unserem Termin leider nicht eine Füllung probieren.)
  • Auch salzige Alternativen, wie ein Käseturm anstelle einer Hochzeitstorte kann überzeugen. Nehmt nur das, was euch schmeckt.
  • Ein Stück Torte hat in und um Aachen immer ca 4 Euro gekostet. Je nachdem wieviele Stücke man braucht, kann man sich leicht ausrechnen, warum eine Hochzeitstorte schnell 500 Euro kostet
  • Uhrzeit: Zu welcher Zeit wollt ihr die Torte servieren? Nachmittags oder als Dessert? Warum die Mitternachtstorte nicht die beste Option ist, kann man sehr unterhaltsam im Hochzeits-Bestseller von Thomas Sünder nachlesen: Er beschreibt anschaulich, wie die Mitternachtstorte die Party-Stimmung unterbricht, die danach oft nur noch schleppend in Gang kommt. Das Buch heißt: „Wer Ja sagt, darf auch Tante Inge ausladen.“ Dieses Buch kann ich generell nur jedem ans Herz legen.

Fotos: Raphael Pi Permantier & Athene Pi Permantier

Panama – Santa Catalina: Der perfekte Surferort

Ach Santa Catalina. Hast du einen Platz für mich? Einen für immer? Ich würde ja bleiben.

Ja, ich bin ein richtiges Fan-Girl von diesem kleinen Ort. Das ist einer der Orte, wo ich mir wirklich vorstellen könnte zu leben. Kommt mit, ich erkläre euch warum.

Boot-Boot-Taxi-Bus-Bus-Minibus. Einen ganzen Tag sind wir von Bocas del Toro nach Santa Catalina unterwegs und gegen Nachmittag werden die Busse immer kleiner. Als wir im Minibus über die Hügel in Richtung Santa Catalina fliegen, während Reggaeton aus den Boxen dröhnt, steigt meine Aufregung. Wird der Ort so schön sein, wie ich ihn mir ausgemalt habe?

Ein umwerfender Sonnenuntergang begrüßt uns

Schließlich – nach vielen Stunden – halten wir an einer Häuseransammlung an der Straße und wir sind da. Neben uns: Hostel, Tour-Agency… Supermarkt.. Hostel.. Restaurant. Wir verlassen den Ortskern und laufen mit den Rucksäcken bepackt in Richtung Playa Estero. Unsere Unterkunft befindet sich neben dem Strand, angeblich 15 Minuten zu Fuß. – Latino-Minuten versteht sich. Nach 25 Minuten laufen wir endlich auf das Grundstück der „Rancho Cosa Mia.“ Rechtzeitig um mit unserem Gastgeber Billy von der großen Terrasse aus den Sonnenuntergang und die Aussicht auf das Meer zu genießen. „Wow. Einfach wow.“ denke ich und bin begeistert von dem kleinen Holzhaus auf Stelzen, das einer der ersten bekannten Surfer in Santa Catalina gebaut hat.

Die Aussicht von der Terasse des “Rancho Cosa Mia” – allerdings bei Sonnenaufgang

Santa Catalina: Eine bewegense Surf-Geschichte

Ein Rückblick

In der Surferszene ist Santa Catalina inzwischen ein Brett. Menschen kommen aus der ganzen Welt hierher um ein paar Wellen am berühmten Surfspot „La Punta“ zu erwischen. Auch große Surfwettbewerbe haben hier schon stattgefunden.

Vor vielen Jahren war Santa Catalina allerdings einfach nur ein kleines Fischerörtchen in der Nähe der früheren Gefängnisinsel „Coiba“. Hierher kam nur, wer sich durch den Dschungel und über rote unbefestigte Matsch-Straßen seinen Weg gebahnt hat. Vor mehr als 45 Jahren – im Jahr 1970 – haben ein paar junge Männer die berühmte Welle in Santa Catalina entdeckt. Sie hatten sich auf eine große Reise begeben – die Küste von Panama entlang. Auf der Suche nach perfekten Wellen. Wie krasse Surfer es so an sich haben, müssen sie alle ein bisschen verrückt und ein bisschen zu abenteuerlustig gewesen sein, denn der Weg nach Santa Catalina war wild und gefährlich – auch wegen der Schlangen und Skorpione im Dschungel. Im Dorf heisst es, dass eine Fahrt von Panama-Stadt nach Santa Catalina damals 12 Stunden gedauert hat. Heute ist die Fahrt mit den Bussen ungefähr halb so lang.

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Diesen Ausblick in Santa Catalina habe ich stundenlang genossen

Die vier ersten Surfer sind – so erzählt man es sich – in Santa Catalina angekommen, standen am Strand und waren wohl erstmal enttäuscht, weil es dort keine Wellen gab. Daraufhin entdeckten sie in der Ferne hinter ein paar Felsen eine Welle – und „Punky“, der eigentlich Ricardo Icaza hieß, hat es sich nicht nehmen lassen ins Wasser zu gehen und loszusurfen. Angeblich hat er eine perfekte „Righthander“ nach der anderen genommen. Die Geschichten, die ich im Dorf erzählt bekommen habe, konnte ich mit dieser Erzählung vervollständingen.

Es muss ein geniales Gefühl sein, einen Surfspot zu finden

Wenn ich mich heute in die vier Entdecker hineinversetze, muss es ein unglaubliches Gefühl gewesen sein: Sie hatten tatsächlich einen bis dahin unbekannten Surfspot gefunden. Sie haben also als erste diese Wellen in Santa Catalina gesurft und waren die einzigen im Line-up. Der weite Weg durch den Dschungel hatte sich gelohnt. Ihren Surfspot wollten sie wohl nicht sofort mit der ganzen Welt teilen. Santa Catalina blieb lange ein echter Geheimtipp. Aber diese Jungs haben nach und nach Land gekauft, Surfcamps eröffnet und den Spot ihren Freunden gezeigt und so wurde der Ort immer bekannter. Aus dem Geheimtipp wurde irgendwann ein echter Tipp.

Wir wohnten im Haus des Machers der “Cosa Mia Boards”

Mit unter den ersten, die nach Santa Catalina kamen, dort Land gekauft und ein Business gegründet haben, waren zwei Kenneth: Kenneth Myers und Kenneth O’Brian. Der letztere war einer der ersten Surfboard-Shaper in Panama, der seine eigenen Boards gefertigt hat: Cosa Mia Surfboards.

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Santa Catalina im März 2017

Wir wussten es bei unserer Airbnb – Buchung nicht, aber wir haben tatsächlich im Haus von „Kiki“ Kenneth O’Brian gewohnt. Er selbst lebt allerdings inzwischen in Italien. Kiki besitzt ein großes Grundstück gleich neben der Playa „Estero“ mit einem Trampelpfad runter an den Strand. Auf dem Grundstück steht kleines Haus aus Holz mit einer Bomben-Aussicht, weil er es auf Stelzen gebaut hat. Im Schatten unter dem Haus hängen alte „Cosa Mia – Surfboards“ und einige Hängematten, in denen wir viele Stunden verbracht haben. Im ersten Stock gibt es eine Wohnküche, eine große Terrasse und darüber zwei Schlafzimmer. Als wir dort waren, wurde die Unterkunft von Billy und Ollie verwaltet.

Heute ist dieses wunderschöne Haus leider keine Airbnb-Unterkunft mehr. Wir waren die letzten Gäste. Vom Rancho Cosa Mia aus waren wir in fünf Minuten am Strand. Und auch wenn es in den Ort länger gedauert hat, war die Lage für uns perfekt: Geniale Aussicht, Ruhe, Strand und einige Restaurants in der Nähe. Übrigens: In den meisten Unterkünften in Santa Catalina gibt es kein WLAN. Das macht es einem tatsächlich noch leichter runterzukommen.

Rancho Cosa Mia – wunderschönes Häusschen auf Stelzen

Im gemütlichen Gang ist man in einer knappen halben Stunde im Ort, wo man einkaufen oder eine Tour zur Isla Coiba machen kann. Und die ist wirklich zu empfehlen: Wir waren einen Tag lang unterwegs, haben an vier verschiedenen Orten geschnorchelt und eine beeindruckende Unterwasserwelt gesehen: Riffhaie, Rochen, wunderschöne Schildkröten und tausend bunte Fische. Oft habe ich hingeschaut und konnte gleichzeitig nicht glauben, was ich da sehe: Sobald man unter Wasser umher schaut, ist es als hätte man eine andere Welt betreten. Auch wenn die Bootsfahrt zur Insel ungefähr 90 Minuten dauert, lohnt sie sich sehr.

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Auf dem Weg nach “Coiba”

Die Surfspots in Santa Catalina

La Punta

Die Wellen am Point-Break „La Punta“ sind weltberühmt. – Und alle erfahrenen Surfer lieben sie. Für alle anderen ist der Spot schön anzusehen – vor allem bei Sonnenuntergang lohnt es sich ein Bier im Surfcamp „Surfers Paradise“ zu trinken und dabei die Aussicht zu genießen.

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Playa Estero

Für Anfänger und Intermediates ist die Playa „Estero“ als Surfspot perfekt. An diesem Beachbreak kann man sowohl im Weißwasser surfen lernen, als auch grüne Wellen surfen. An diesem Strand liegt sich auch das Oasis Surfcamp, wo man Soft-Tops ausleihen kann. Leider haben sie keine anderen Boards.

Der Strand ist lang und dadurch gibt es im Wasser genug Platz für alle. An unserem letzten Tag waren die Bedingungen für unsere Surf-Level perfekt: Viele kleine grüne Wellen liefen in die Bucht hinein: Jede einzelne war eine perfekte Option für einen Ritt zum Strand. Wie jedes Mal musste ich meine Angst überwinden und habe auf mich eingeredet: „Das ist JETZT deine Chance. Nimm sie. Du kannst das. Du willst das. JETZT.“ Und als mich der Push der Welle erreicht hat, war alles andere vergessen. Glück – überall in meinem Körper haben sich die Glücksgefühle ausgebreitet und sind bis in die letzten Winkel gekrabbelt. Es hat sich angefühlt als könne ich fliegen. Als die Welle vorbei war und ich wieder auf dem Brett lag, habe ich die Freudentränen auf meinen Wangen gespürt. Diese perfekten Momente sind mein Antrieb immer wieder aufzustehen und es nochmal zu versuchen.

Playa Estero

Gekommen, um zu bleiben

In Santa Catalina geht die Zeit anders. Alles ist ruhig und entspannt. Viele kommen hierher und wollen bleiben: Host Ollie aus England versucht es jetzt zum Beispiel mit einem Stand-Up-Paddle Unternehmen und den kleinen Surfshop leitet eine Frau aus Deutschland, die vor Jahren hergekommen ist. In den Hostels, Hotels und Reiseagenturen arbeiten Volunteers aus der ganzen Welt, um eine Zeit in San Cat verbringen zu können. Und natürlich gibt es hier Restaurants mit Essen aus aller Welt. Dieser Ort hat etwas Magnetisches: Wer sich in Santa Catalina wohlfühlt, versucht alles, um bleiben zu können. Die Stimmung nimmt dich ein und zeigt dir eine andere Art zu leben: Ohne Hektik und Stress. Ohne schnelles Internet und ohne großen Supermarkt. Aber dafür mit unbeschreiblich schöner Natur, Gelassenheit und mit unendlich vielen schönen Wellen.

 

Tipps für Santa Catalina:

  • Günstige Unterkünfte kann man über Airbnb finden. Außerdem habe ich mir das Oasis Surfcamp genauer angeschaut und fand es sehr schön.
  • Es gibt sehr viele tolle Restaurants. Zum Beispiel das argentinische Restaurant „Los Pibes“ ist ausgezeichnet. Außerdem solltet ihr unbedingt das mexikanische Restaurant an der Straße zur Playa „Estero“ besuchen. Es ist ein süßer Familienbetrieb in bunten Farben mit tollem Essen.
  • Falls ihr Internet haben wollt, kauft euch am besten vorher eine SIM-Karte.
  • Wer ein eigenes Surfboard hat, ist klar im Vorteil. Denn die meisten Rentals verleihen vor allem Soft-Tops.
  • In Santa Catalina gibt es (noch) keinen ATM. Hebt also unbedingt vorher genügend Bargeld ab. Im kleinen Supermarkt und in vielen Restaurants kann man mit Karte zahlen.

Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Wedding Diaries 3: Der Tanz mit den Behörden

Wir sagen „Ja“ zueinander – vor unseren Freunden und Verwandten und hinterher ein rauschendes Fest. Ich gebe zu, ich habe es mir deutlich einfacher vorgestellt den Papierkram bei den Behörden zu erledigen. Nach dem ersten Anruf beim Standesamt dachte ich echt: Das schaffen wir nie. Aber lest selbst.

Antrag an Heiligabend, Location-Suche zwischen den Jahren und der Versuch alle Papiere möglichst schnell zusammenzubekommen. Die Feiertage rund um Weihnachten haben mich und meine Nerven stark herausgefordert. Ich dachte bei mir: „Geh ich halt kurz ins Internet auf die Seiten des Standesamtes und finde heraus, welche Unterlagen wir so brauchen“. Tja. Und dann steht da sinngemäß: Wer im Ausland geboren ist, findet hier keine Infos und muss erst einmal bei uns vorsprechen. Ganz schön lange können Feiertage dauern, wenn man darauf wartet, jemanden im Amt zu erreichen. Als es endlich soweit ist, haben wir eine Dame am Telefon, die uns erklärt, dass sie keine Beratung am Telefon macht. Der nächste freie Termin sei in 5 Wochen.

“Der nächste freie Termin beim Standesamt – in 5 Wochen”

Ich war – mal wieder – kurz vorm Ausrasten. Ungerecht. Da will man nur seine Hochzeit planen und alle stehen einem im Weg mit ihren Regeln und ihrer Bürokratie. Klar, auch 5 Wochen gehen zugegebenermaßen irgendwann vorbei. Aber in der Zeit bis dahin konnten wir uns um nichts kümmern. Und all das, weil man in einem anderen Land – in meinem Fall in Chile – geboren worden ist. Wenn beide Partner deutsche Staatsbürger sind, nicht im Ausland geboren wurden und noch nicht verheiratet waren, ist es deutlich einfacher. Die Facts dazu habe ich euch unten zusammengefasst.

Anmeldung zur Eheschließung

Im Wesentlichen sind es die folgenden Schritte, bis man in Deutschland heiraten kann: Frühestens sechs Monate vor dem Hochzeitstermin kann man die sogenannte „Anmeldung zur Eheschließung“ im Standesamt vornehmen lassen. Ab dem Termin hat man dann sechs Monate Zeit auch wirklich zu heiraten. Wenn man einfach in einem normalen Trauzimmer unter der Woche heiraten möchte, ist das normalerweise auch kein Problem. Wer etwas Spezielles möchte oder an einem besonderen Ort heiraten will, muss den natürlich länger im Voraus reservieren. Ihr seht: Hier ist viel Orga nötig und wie so oft ist der, der genau weiß was er will, klar im Vorteil.

Der “Weiße Saal” im Aachener Rathaus

Wunschort: Der Weiße Saal im Aachener Rathaus

Nachdem wir uns dazu entschieden haben auf Gut Hebscheid zu feiern, wollten wir auch standesamtlich in Aachen heiraten – und zwar an einem besonders historischen Ort: Dem „Weißen Saal im Rathaus“. Ein wunderschöner, leuchtender Raum im Rokoko-Stil: Ab 1727 haben ihn italienische Stukkateure zum kleinen Festsaal des Rathauses verziert. Ich könnte mir wirklich keinen märchenhafteren Ort im Zentrum Aachens für meine Hochzeit vorstellen!

Es gibt mehrere besondere Trau-Orte in Aachen. Diese sind allerdings schnell ausgebucht und reserviert. Und im Aachener Standesamt ist es nicht leicht jemanden ans Telefon zu bekommen. Eines Freitags habe ich innerhalb von 4 Stunden ca. 50 Mal dort angerufen, bis ich endlich eine Dame am Telefon hatte, die mir den Saal für den Vormittag unseres Wunschtermins reserviert hat. Allerdings nur bis Ende April. Bis dahin sollten unsere Unterlagen beim Aachener Standesamt vorliegen. Das heißt: Bis dahin musste es mit der Anmeldung der Eheschließung beim Karlsruher Standesamt geklappt haben.

Das Rathaus

Als der Termin im Standesamt in Karlsruhe endlich gekommen war, hat uns dort eine bezaubernde Mitarbeiterin empfangen. All meine Vorurteile, die sich nach dem ersten Telefonat breitgemacht hatten, waren wie weggeblasen. Endlich ein netter Mensch hinter der Behörde. Sie hat uns Mut gemacht, dass wir früh genug dran sind und, dass das sicher alles klappen würde. Puh. Gut für meine Nerven. Meine verschiedenen Unterlagen aus Chile und Deutschland sind daraufhin geprüft worden und Raphael musste sich eine Abschrift aus dem Geburtenregister im Amt seines Geburtsortes besorgen. Das hat sogar funktioniert ohne, dass er hinfahren musste. 2017er Style: Online beantragen und per Online-Überweisung bezahlen. Fertig.

Sechs Monate vor dem geplanten Hochzeitstermin waren wir wieder beim Standesamt: Ich konnte es kaum glauben, aber unsere Unterlagen haben soweit gepasst. Und der große Berg an Arbeit, der im Januar vor uns zu liegen schien, war auf einmal gar nicht mehr so groß.

Der Eingang vom Rathaus. Das wird der Ausblick nach der Eheschließung im “Weißen Saal” sein – auf den Marktplatz

 Soll es ein Familienname sein?

 

Am Morgen dieses Termins hat Raphael mich beiseite genommen und mir erklärt, dass er sich Gedanken über unseren künftigen Namen gemacht hat. Ich war aufgeregt wie damals an Heiligabend, als er sich auf einmal vor mich gekniet und mir den Antrag gemacht hat. Wenn man über 30 ist und heiratet, ist es -meiner Meinung nach – nochmal eine viel größere Entscheidung, ob man einen Familiennamen haben möchte, einen Doppelnamen, oder ob jeder weiterhin seinen Namen behält.

Man hat sich so oft mit Nachnamen vorgestellt, unterschrieben und seinen Namen am Telefon diktiert. Ein Name ist ja auch ein großer Teil der eigenen Identität.

Wie oft habe ich schon folgendes Gespräch geführt:

Ich: „Athene Pi Permantier heiße ich.“

Irgendjemand: „Athene Pi was?“

Pi Permantjeeeee – Pi, neues Wort, kein Bindestrich. P E R M A N T I E R.“

Oha! Das habe ich ja noch nie gehört. Woher kommt der Name? Ist das ein Künstlername?“

Ne, ein Künstlername ist es nicht. Ich bin in Chile geboren worden. Da bekommen alle Kinder den ersten Nachnamen des Vaters und den ersten der Mutter. Mein Vater heißt Pi Garcia mit Nachnamen und meine deutsche Mutter heisst Permantier. So bin ich zu den zwei Nachnamen ohne Bindestrich gekommen.“

Ach krass! Und Athene? Warum kein deutscher oder chilenischer Vorname?“

Ehrlich gesagt einfach so: Die zwei haben Homer gelesen, als meine Mama schwanger war und da haben sie über Athene gelesen und sich für diesen Vornamen entschieden.“

Familie Pi Permantier

Das ist die Kurzversion. Dadurch, dass der Nachname international zusammengesetzt ist, hat ihn niemand anderes. Und deshalb habe ich mir gewünscht, meinen Namen behalten zu können. Ich kann aber auch jeden anderen verstehen, der seinen Namen nicht ändern möchte und das hatte ich Raphael auch so gesagt. Umso geflashter war ich, als er beim morgendlichen Kaffee zu mir gesagt hat, dass er sich wünscht, dass wir einen gemeinsamen Familiennamen haben. Und dass er sich deshalb vorstellen kann, seinen Namen zu ändern.

Natürlich habe ich vor Freude Rotz und Wasser geheult, als er mir das eröffnet hat.

Und später als die Standesbeamtin uns nach Namenswünschen gefragt hat und Raphael sein Vorhaben wiederholt hat, da habe ich gleich nochmal geweint – Ganz viele Freudentränen. Es ist einfach viel zu schön: Wir werden eine Familie. Mit einem Familiennamen. Wir werden die „Pi Permantiers“. Hihi.

Nachdem wir alles auf dem Amt unterschrieben haben, ging unser Papierkram auf die Reise nach Aachen.

Aachener Altstadt

Einmal bezahlen bitte und die Trauung kann kommen

Anfang April bekamen wir endlich Post aus Aachen. Im Brief stand, dass unsere Unterlagen angekommen sind und wir nun die letzten Formalitäten erledigen können. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Aachener Standesamt war klar: Auch da müssen wir nochmal persönlich vorbei. Wer im „Weißen Saal“ heiraten will, zahlt dafür nämlich zusätzlich 200 Euro Raummiete. Außerdem kosten Heiratsurkunden und die Eheschließung selbst nochmal Geld und das Aachener Standesamt „möchte gern, dass das in bar oder mit Karte bezahlt wird. Online Überweisung geht leider nicht.“

Im Nachhinein bin ich aber froh, dass wir auch nochmal dort waren. Der lustige Standesbeamte hatte noch viele nützliche Infos für uns. Zum Beispiel wünsche ich mir, dass ich etwas später als die restlichen Gäste in den Raum komme. (Wie man es sonst aus der Kirche kennt.) Und uns wurde versichert, dass das möglich ist. Und: Wir können auch den Standesbeamten vorher Infos über uns schicken. Zum Beispiel darüber wie der Antrag war und wie wir uns kennengelernt haben. Das wird dann in die Rede bei der Eheschließung einfließen. Das hätte ich bei einer standesamtlichen Trauung gar nicht für möglich gehalten und finde es großartig! Ich bin sehr gespannt, was der Standesbeamte aus den Infos machen und wie er die Eheschließung im „Weißen Saal“ gestalten wird.

Und damit haben wir den Tanz mit den Behörden geschafft – der große Tag kann kommen.

Der Katschhof in Aachen

Facts

  • Unterlagen, die in Karlsruhe für die “Anmeldung der Eheschließung” nötig sind: Gültiger Personalausweis oder Reisepass, Auszug aus dem Geburtenregister, Aufenthaltsbescheinigung
  • Sobald einer der EheparterInnen im Ausland geboren worden ist oder schon verheiratet war, wird es deutlich komplizierter.
  • Kosten in Karlsruhe: Anmeldung der Eheschließung mit Einbezug der ausländischen Dokumente 80 Euro. – Und für den Abgleich mit der Meldedatei 11 Euro
  • Kosten für Trauung in Aachen im Weißen Saal: 200 Euro Raummiete, Eheschließung selbst 40 Euro und drei Eheurkunden 20 Euro
  • Wichtig: Früh anfangen, Nerven bewahren und immer freundlich bleiben.

Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Dominikanische Republik: Macao – das etwas andere Punta Cana

Wir lassen Playa de Bavaro rechts liegen und fahren Richtung Norden. Rechts von uns – typisch Dominikanische Republik – eine Hotelanlage neben der anderen am Meer. Die Oasen, wo die Pauschaltouristen den Alltag vergessen und ihren Jahresurlaub verbringen. Was hat Punta Cana noch zu bieten? Psssst! Einiges: Macao zum Beispiel. 

Wir sehnen uns nach Stränden ohne tausend Liegen, mit weniger Menschen und mehr Natur. Nach 20 Minuten biegt das Auto ab, wir fahren durch ein kleines dominikanisches Dorf und plötzlich ist alles anders: Am Straßenrand kleine Wellblech-Häuser. Essensbuden am Straßenrand und viele Kinder, die auf der Straße spielen. Das ganz normale Leben – nur eben auf dominikanische Art. Noch sind wir aber nicht am Ziel. Kurz darauf biegen wir noch einmal ab und rumpeln über eine unbefestigte Straße weiter – vorbei an grünen, roten und pinken Häusschen – bis wir an ein paar hellblauen Wellblechhäusern ankommen.

Wir sind am Ziel. Hier befindet sich das Macao-Beach-Hostel: Mitten im Grünen, mit Blick auf Bäume, Wiesen und Kühe. Vor der Tür chillt ein Hund in der Sonne und ein Hahn patroulliert durch den Garten. Wir waren keine halbe Stunde unterwegs und doch fühlt es sich an, als wären wir auf einem anderen Planeten gelandet. Das Hostel ist einfach, aber eine perfekte Oase für alle, die abseits vom Massentourismus leben wollen. Gastgeber Andrés heißt uns willkommen, zeigt uns den Aufenthaltsraum, unsere Unterkunft und erklärt uns den Weg zum Strand.

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Die zauberhaften Häuser in Macao

Unsere Unterkunft

Wir wohnen außerhalb vom Hostel in einer kleinen Wohnung. Allerdings darf man sich hier keinen Luxus vorstellen: Wir schlafen auf einer Luftmatratze, in der Küche gibt es fast kein fließendes Wasser und die Temperatur des Wassers im Bad ist wetterabhängig. Aber dafür ist man eben genau da, wo die Menschen leben – weit weg von den Touristenzentren.

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Bunte Wäscheleine

Hier kann man eine andere Seite der Dominikanischen Republik kennenlernen: Das Leben auf dem Land. Es ist kein Leben in einem richtigen Apartment. Es fühlt sich eher an, als würde man in einem großen Zelt wohnen: Nachts fegt der Wind durch die Ritzen am Fenster und morgens werden wir von Hähnen geweckt und dann sitzen wir auf unserer kleinen Veranda auf Campingmöbeln und gucken ins Grüne. Wie beim Campen gewöhnt man sich schnell an die Nächte auf der Luftmatratze.

Der Supermarkt kommt bei Bedarf zu dir

Wenn man keine Lust hat in den Supermarkt zu gehen, kann man da einfach anrufen und bestellen. Schon bald kommt der Lieferdienst auf dem Motorrad angefahren und bringt einem die Waren vorbei. Ganz besonders hier war für mich, dass die Anwohner sich und auch uns als Besucher immer total herzlich gegrüßt haben jeden Tag aufs Neue. Wir haben uns sehr wohl gefühlt.

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Viele Tiere wohnen bei uns

Der Strand

Zum Strand laufen wir knapp 20 Minuten, raus aus dem Ort, an der Straße entlang und dann über den Hügel – bis man das Meer sieht. Die Belohnung. Ich bin richtig geflasht, als ich den Strand von Macao zum ersten Mal sehe.

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Macao

Das Markenzeichen der Dominikanischen Republik ist wieder da: Palmen soweit das Auge reicht. Und dazu ein wilder Strand. Mit Büschen, kleinen Buden und ein paar Surfboardverleihs. Außerdem kleine Restaurants mit Holztischen im Sand, wo man frischen Fisch essen oder Bier trinken kann. Der Strand ist das Gegenteil der anderen Strände, die wir in Punta Cana kennengelernt haben, weil er sich etwas Ursprüngliches bewahren konnte. Das einzige, was die Schönheit an diesem Strand trübt, sind die Busse, die immer wieder Tourigruppen ausspucken. Eine Stunde lang bleiben sie am Strand und machen Bilder mit einem Papagei – und danach eine Tour mit einem Sand Buggy. Aber danach sind sie immer wieder schnell weg und die Ruhe kommt wieder.

Dieser Strand hat etwas

Wir trinken ein Bier, schauen aufs Meer und können es nicht fassen, dass wir hier etwas gefunden haben, was dem Paradies – so wie ich es mir vorstelle – ziemlich nah kommt. Endloses blaues Wasser, wilde Palmen und weicher Sand, der unseren Füßen schmeichelt und dazu viel Platz. Immer wieder tollen wir durch die Wellen wie Kinder, die zum ersten Mal das Meer sehen. Hinterher leihen wir uns Surfboards und freuen uns über die kleinen grünen Wellen, die uns gnädig bis an den Strand tragen. Hier können wir uns einmal fühlen wie ganz große Surfer. Aber darum geht’s nicht. Es ist dieses einzigartige, unvergessliche Gefühl, das sich in einem breit macht, wenn man eine Welle bekommt. Auf einmal fühlt es sich wieder an als könne man fliegen. Es ist praktisch eine Gefühls- und Glücksexplosion auf einmal.

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Nach dem Surfen: Frischer Fisch

Nach stundenlangem Surfen kommen die Fischer von ihrer Tagestour wieder und bringen den Restaurants den frischen Fisch. Da feststeht, dass die Sonne bald weg sein wird, geben wir die Boards zurück und setzen uns in eines der kleinen Restaurants. – An einen Tisch am Strand, und wir genießen den Fisch und die frittierten Bananen. Und es ist kein Scherz: Währenddessen geht die Sonne unter. Beim Schreiben find ich es selbst ein bisschen übertrieben, aber genauso perfekt war es. Für mich ist der Strand von Macao einer der schönsten, die ich bisher kennenlernen durfte.

 

IMG_1591Facts:

Unterkunft: Macao Beach Hostel

Preis Essen am Strand: ca 10 Dollar für einen großen Teller frischen Fisch.

Boardmiete: 10 Dollar für eine Stunde. Handeln lohnt sich.

 

Lieblingsstrand in Portugal: Praia de Odeceixe

Verwöhnt durch die unendliche Schönheit der Costa Vicentina machen wir uns auf den Weg zu einem neuen Surfstrand. Ich habe dieses Gefühl: „Mal sehen, was da kommt! Viel besser kann es ja eigentlich eh nicht werden. Aber kann ja nicht schaden.“ Und es wurde alles noch viel besser am Strand von Odeceixe.

Portugal meint es gut mit uns. Das Land vereint ungefähr alles, was ich mir von einem Reiseziel wünsche: Viel Küste, aufregende Städte, ausgelassene Surfkultur, aufregende felsige Natur, Portwein und eine ausgezeichnete Kaffeekultur. Das einzige was mir fehlt ist „Portugiesisch“. „Sollte ich wohl noch lernen,“ denke ich als wir das Auto auf einem Parkplatz hoch oben auf einem Felsen abstellen, um „mal kurz die Lage zu checken und dann entscheiden wir, ob wir da bleiben.“

Begeistert von kleinen grünen Wellen

Auf einer steilen Straße laufen wir auf ein paar Häuser zu, die an den Felsen hängen. Allesamt mit großartigem Meerblick – nur wir können den Strand noch immer nicht sehen. Wir laufen fast bis unten, bis wir endlich überblicken können, was uns hier erwartet: Dieser Strand ist zur Abwechslung nicht unendlich lang aber dafür sehr tief. – Denn bei Ebbe ist hier besonders viel Platz. Begeistert sehen wir die kleinen grünen Wellen auf den Sandbänken brechen und fest steht: „Gut, dass wir hier noch geschaut haben!“ Da wo der Strand endet, ist ein Fluss, der hier zu einer breiten Lagune wird. Das macht den Strand noch paradiesischer. Auf der Seite des Meeres – Wasser, auf der rechten Seite – Wasser durch den Fluss und im Rücken Wasser durch die Lagune. Auf der anderen Seite hängt das kleine Dorf an den Felsen. Ein traumhafter Ort: Praia de Odeceixe.

Praia de Odeceixe

Unten am Strand, leihen wir uns Surfboards für den ganzen Tag. Planschen, liegen, surfen. Hier könnte ich ewig bleiben. Die Lagune ist perfekt für alle, die ein Stand-Up Paddle ausprobieren, oder einfach schwimmen wollen. Im Meer bringen ein paar Surflehrer ihren Schülern bei, wie sie sich am besten auf ihr Board stellen können und davor tronen 3 Lifeguards in ihrer Burg. Kein Witz – diese Guards bauen sich jeden Tag aufs neue eine Sandburg, auf der sie auch bei Flut sitzenbleiben können. Das waren übrigens die nettesten Lebensretter, die ich jemals an einem Strand kennengelernt habe. Die erklären und geduldig die Strömungen im Wasser und als wir surfen, feuern sie uns an und freuen sich mit uns über jede Welle, die wir erwischen.

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Mein Lieblingsstrand

Ich sitze am Strand und versuche den Moment einzufrieren

In einer Surfpause mache ich einen Strandspaziergang und laufe endlos durch den warmen Sand. Es gibt Stellen, da ist er komplett unberührt und ich kann neue Spuren hinterlassen. Ich setze mich hin, fühle wie die feinen Sandkörnchen durch meine Finger rinnen und versuche den Moment in meinem Kopf einzufrieren. Bitte geh nicht. Es ist perfekt. Wüsste ich wie man meditiert, ich würde es tun. Ich danke dem Moment und dem Ort auf meine Weise und sitze lange für mich alleine im Sand. Diese Situation werde ich mir noch zurück in den Kopf rufen, wenn es kalt und nass und fies ist in Deutschland – irgendwann im grauen Winter.

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An diesem Ort wachse ich endlich wieder über mich hinaus

Auch in diesem Urlaub habe ich beim Surfen wieder viel mit der Angst zu kämpfen gehabt. Aber an diesem Strand in Odeceixe, wachse ich endlich wieder über mich hinaus. Ist es der Ort? Oder einfach, weil ich wieder „eingesurft“ bin und mich daran gewöhnt habe. Ich weiß es nicht, aber ich wünsche mir, dass es eine Mischung aus beidem ist. Die Welle baut soch hinter mir auf und ich merke: Ich bin genau am richtigen Ort.

Mit den Augen fixiere ich den Strand, der mir schon so viel Freude bereitet hat, und fange an zu paddeln. „Nicht aufhören“, befehle ich mir. „Nicht nach hinten schauen – das macht dir nur Angst. Weiter, immer weiter“ Immer wieder, bis ich den Push spüre und ohne, dass ich merke wie genau, stehe ich auch schon auf dem Board, neige es leicht nach links und da ist es wieder: „Ich kann fliegen“, keine Ahnung, ob ich das nur gedacht oder geschrien habe. Ist egal. Der Ozean, die Wellen, die er mir geschenkt hat und ich. Wir sind eins für diesen einen Moment. Und der ganze Alltag, all das, was einen abends belastet, ist weit weg. Die Natur – und vor allem das Meer – hat eine unfassbarere Kraft, die die alltäglichen Problemchen verblassen und klein werden lässt. „Das hier ist es, was zählt“, denke ich noch Stunden später, als wir in einem Restaurant auf dem Hügel von Odeceixe sitzen und ausgezeichnete, gegrillte Dorade genießen, während die Sonne ins Meer eintaucht und sich bis morgen verabschiedet.

P.S. Wir haben hinterher festgestellt, dass der Ort uns so geflasht hat, dass wir fast vergssen haben Fotos zu machen. Es gibt nur diese paar. Aber glaubt mir: Es ist zauberhaft.

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