Lissabon – Aussicht en masse

Wenn es ein Rezept gäbe für Städte, damit man sie sich nach Lust und Laune kochen und zurechtzaubern kann, dann wären meine liebsten Zutaten: Nähe zu Wasser, Hügel, Aussichtspunkte, bunte Häuser, Treppen und schmale Gassen. Ein Glück, dass es einige dieser Städte schon gibt. Man muss nur hinfahren und sich in die Gassen fallen lassen. Lissabon hat bei mir tiefe Abdrücke im Herzen hinterlassen. Aber ein Auto nehme ich dahin nicht mehr mit.

Schon lange bevor ich Lissabon kennengelernt habe, hatte ich das Gefühl, dass mir die Stadt gefallen könnte: Hügel, Wasser, Gassen, bunte Kacheln an den Häusern. Mag ich.

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Inzwischen war ich zwei Mal dort. Diesmal hatten wir die dämliche Idee unser Gepäck erst mit dem Auto zu unserer Ferienwohnung zu bringen. – Quer durch die Altstadt. Ich bin schon auf dem Beifahrersitz durchgedreht. Zum Glück musste ich nicht fahren. Autos von allen Seiten, vor einem schießen plötzlich Poller aus dem Boden und überall Menschen. Als wir schließlich kurz in einer „Parkgasse“ gehalten haben, um unsere Rucksäcke nach oben zu bringen, haben wir schlussendlich verstanden, warum man dort nur ein Auto besitzt, wenn man muss: Huuup Huup drang es nach oben. Die Parktaschen sind nämlich so gebaut, dass man gar nicht anders kann: Man parkt sich immer gegenseitig ein. Das Prinzip also: Möchte jemand spontan raus, startet er ein Hupkonzert, bis der Fahrer am Auto ist und es aus der Gasse hinausfährt und so Platz macht. Verrückt. Aber gängiges Prinzip. Ihr könnt euch also vorstellen, wie froh wir waren, als wir das Auto abgegeben hatten und Lissabon zu Fuß entdecken konnten.

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Ein bisschen unpraktisch, aber leider zu schön

Lissabon. Beim Spaziergang durch das Gassenmeer werden wir immer wieder mit atemberaubenden Ausblicken belohnt. Es ist eine der Städte, wo ich mir nie ein Ziel vornehme. Alles ergibt sich unterwegs. Wer hier Zeit hat und sich treiben lässt, sieht unendlich viel. Nicht nur die Streetart hat es mir angetan. Die vielen unterschiedlich gefliesten Häuser strahlen mit bunten Mustern in der Sonne. Treppe rauf, Gasse runter, stehen bleiben, umdrehen, inne halten und da ist er wieder: Der Ausblick bis runter zum Wasser. Wahnsinn. Natürlich ist es keine praktische Stadt, wenn man mal viel zu tragen hat oder so. Aber die vielen alten Gebäude sind einfach schön. Für einen Städtetrip – Unschlagbar. Lissabon ist der perfekte Ort für Träumer und Querdenker. Für Menschen, die sich gern auf eine Bank setzen, die Aussicht genießen und dabei wilde Ideen in ihr kleines Heft kritzeln. Wir klettern den Berg rauf, immer weiter, bis wir eine ausgezeichnete Aussicht haben: Unter uns das orangene Dächermeer, weit hinten das Wasser und die Brücke, die einen immer an San Francisco erinnert. Das ist übrigens kein reiner Zufall. Die Brücken wurden von der gleichen Firma gebaut.

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Ich denke mir: „Besser kann die Sicht ja wohl nicht werden“, drehe mich um und sehe einige Meter weiter oben noch einen Aussichtspunkt (Mirador). Wir keuchen und gehen weiter bis wir endlich oben sind. Jeder Ausblick hier belohnt einen und schon sind die schmerzenden Füße vergessen. Wir sitzen kurz im Schatten unter einem Baum und versuchen den Ausblick mit unseren Augen abzufotografieren. Ich hoffe immer, dass er so für immer bleibt.

Wohnen in der Altstadt

Unsere Ferienwohnung über Airbnb ist ein echter Glücksgriff: Eine kleine Wohnung in einem urigen alten Haus in der Rua da Bica. Erst muss man über eine schmale Treppe nach oben in den dritten Stock klettern, oben wird man aber belohnt. – Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küche und Esszimmer gehen ineinander über. Die perfekte kleine Wohnung für ein Pärchen, dass auf alte Gebäude steht. Es gibt sogar einen Balkon, der einmal rund um die Wohnung führt. Darauf kann man zwar keine Partys feiern, aber frühstücken geht dort sehr gut. Die Sicht reicht dabei bis hin zum Wasser und zur Brücke. 

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Aussicht vom Balkon

Und unten auf der Straße quietscht immer wieder der „Elevador da Bica“ vorbei. Eine Standseilbahn, die es schon seit 1892 gibt. Die zwei gelb-weißen Wagen sehen der alten Straßenbahn in Lissabon ähnlich und werden jeden Tag vielfach von neugierigen Touristen fotografiert. Es ist ein lebhaftes, schönes Viertel zum Wohnen für alle, die Altstadt, Bars und kleine Restaurants lieben. Nachts stromern wir herum, fallen in die Bars ein als wären wir wieder 19 und nach dem dritten Mojito für 3 Euro fühlen wir uns auch so, vergessen unsere Vornamen und tanzen zu Reggaeton. Ich bin wunschlos glücklich in dieser Stadt. Da kann uns noch nicht einmal der Kater am nächsten Morgen die Laune verderben. Sonnenbrillen auf und erstmal einen Kaffee trinken gehen. Oder zwei oder drei. Und dazu ein paar dieser süßen, leckeren Teilchen (Pastel de Nate), die die Portugiesen einfach unverschämt lecker hinbekommen.

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Lissabon ist für mich keine klassische Urlaubsstadt. Runterkommen stelle ich mir schwierig vor. Aber auf andere Ideen kommen – dafür ist die Stadt perfekt. Perspektive ändern, in den Tag hinein leben, loslaufen und gucken, wo man ankommt.

Hier könnte ich mir vorstellen ein paar Monate zu leben und in der Region surfen zu gehen. Einen Alltag zu haben. Ein Stamm-Café. Und einen Lieblings-Aussichtspunkt. Hier ist es nicht entspannt. Es ist bunt, an manchen Ecken kaputt und immer wieder schaut man dem ganz normalen Leben ins Gesicht. Und das inspiriert mich noch immer am meisten.

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Tipps:

  • Aussichtspunkte erkunden
  • Aquarium besuchen
  • Ferienwohnung in der Altstadt buchen und den Flair der Stadt leben
  • Den Mojito im Studentenviertel am besten erst ab 5 Euro genießen. – Oder den Kater hinnehmen.

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Fotos: Raphael Pi Permantier

Panama – Santa Catalina: Der perfekte Surferort

Ach Santa Catalina. Hast du einen Platz für mich? Einen für immer? Ich würde ja bleiben.

Ja, ich bin ein richtiges Fan-Girl von diesem kleinen Ort. Das ist einer der Orte, wo ich mir wirklich vorstellen könnte zu leben. Kommt mit, ich erkläre euch warum.

Boot-Boot-Taxi-Bus-Bus-Minibus. Einen ganzen Tag sind wir von Bocas del Toro nach Santa Catalina unterwegs und gegen Nachmittag werden die Busse immer kleiner. Als wir im Minibus über die Hügel in Richtung Santa Catalina fliegen, während Reggaeton aus den Boxen dröhnt, steigt meine Aufregung. Wird der Ort so schön sein, wie ich ihn mir ausgemalt habe? Schließlich – nach vielen Stunden – halten wir an einer Häuseransammlung an der Straße und wir sind da. Neben uns: Hostel, Tour-Agency… Supermarkt.. Hostel.. Restaurant. Wir verlassen den Ortskern und laufen mit den Rucksäcken bepackt in Richtung Playa Estero. Unsere Unterkunft befindet sich neben dem Strand, angeblich 15 Minuten zu Fuß. – Latino-Minuten versteht sich. Nach 25 Minuten laufen wir endlich auf das Grundstück der „Rancho Cosa Mia.“ Rechtzeitig um mit unserem Gastgeber Billy von der großen Terrasse aus den Sonnenuntergang und die Aussicht auf das Meer zu genießen. „Wow. Einfach wow.“ denke ich und bin begeistert von dem kleinen Holzhaus auf Stelzen, das einer der ersten bekannten Surfer in Santa Catalina gebaut hat.

Die Aussicht von der Terasse des „Rancho Cosa Mia“ – allerdings bei Sonnenaufgang

Ein kleiner Rückblick in die Geschichte von Santa Catalina

In der Surferszene ist Santa Catalina inzwischen ein Brett. Menschen kommen aus der ganzen Welt hierher um ein paar Wellen am berühmten Surfspot „La Punta“ zu erwischen. Auch große Surfwettbewerbe haben hier schon stattgefunden.

Vor vielen Jahren war Santa Catalina allerdings einfach nur ein kleines Fischerörtchen in der Nähe der früheren Gefängnisinsel „Coiba“. Hierher kam nur, wer sich durch den Dschungel und über rote unbefestigte Matsch-Straßen seinen Weg gebahnt hat. Vor mehr als 45 Jahren – im Jahr 1970 – haben ein paar junge Männer die berühmte Welle in Santa Catalina entdeckt. Sie hatten sich auf eine große Reise begeben – die Küste von Panama entlang. Auf der Suche nach perfekten Wellen. Wie krasse Surfer es so an sich haben, müssen sie alle ein bisschen verrückt und ein bisschen zu abenteuerlustig gewesen sein, denn der Weg nach Santa Catalina war wild und gefährlich – auch wegen der Schlangen und Skorpione im Dschungel. Im Dorf heisst es, dass eine Fahrt von Panama-Stadt nach Santa Catalina damals 12 Stunden gedauert hat. Heute ist die Fahrt mit den Bussen ungefähr halb so lang.

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Die vier ersten Surfer sind – so erzählt man es sich – in Santa Catalina angekommen, standen am Strand und waren wohl erstmal enttäuscht, weil es dort keine Wellen gab. Daraufhin entdeckten sie in der Ferne hinter ein paar Felsen eine Welle – und „Punky“, der eigentlich Ricardo Icaza hieß, hat es sich nicht nehmen lassen ins Wasser zu gehen und loszusurfen. Angeblich hat er eine perfekte „Righthander“ nach der anderen genommen. Die Geschichten, die ich im Dorf erzählt bekommen habe, konnte ich mit dieser Erzählung vervollständingen. Wenn ich mich heute in die vier Entdecker hineinversetze, muss es ein unglaubliches Gefühl gewesen sein: Sie hatten tatsächlich einen bis dahin unbekannten Surfspot gefunden. Sie haben also als erste diese Wellen in Santa Catalina gesurft und waren die einzigen im Line-up. Der weite Weg durch den Dschungel hatte sich gelohnt. Ihren Surfspot wollten sie wohl nicht sofort mit der ganzen Welt teilen. Santa Catalina blieb lange ein echter Geheimtipp. Aber diese Jungs haben nach und nach Land gekauft, Surfcamps eröffnet und den Spot ihren Freunden gezeigt und so wurde der Ort immer bekannter. Aus dem Geheimtipp wurde irgendwann ein echter Tipp.

Mit unter den ersten, die nach Santa Catalina kamen, dort Land gekauft und ein Business gegründet haben, waren zwei Kenneth: Kenneth Myers und Kenneth O’Brian. Der letztere war einer der ersten Surfboard-Shaper in Panama, der seine eigenen Boards gefertigt hat: Cosa Mia Surfboards.

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Santa Catalina im März 2017

Wir wussten es bei unserer Airbnb – Buchung nicht, aber wir haben tatsächlich im Haus von „Kiki“ Kenneth O’Brian gewohnt. Er selbst lebt allerdings inzwischen in Italien. Kiki besitzt ein großes Grundstück gleich neben der Playa „Estero“ mit einem Trampelpfad runter an den Strand. Auf dem Grundstück steht kleines Haus aus Holz mit einer Bomben-Aussicht, weil er es auf Stelzen gebaut hat. Im Schatten unter dem Haus hängen alte „Cosa Mia – Surfboards“ und einige Hängematten, in denen wir viele Stunden verbracht haben. Im ersten Stock gibt es eine Wohnküche, eine große Terrasse und darüber zwei Schlafzimmer. Als wir dort waren, wurde die Unterkunft von Billy und Ollie verwaltet. Heute ist dieses wunderschöne Haus leider keine Airbnb-Unterkunft mehr. Wir waren die letzten Gäste. Vom Rancho Cosa Mia aus waren wir in fünf Minuten am Strand. Und auch wenn es in den Ort länger gedauert hat, war die Lage für uns perfekt: Geniale Aussicht, Ruhe, Strand und einige Restaurants in der Nähe. Übrigens: In den meisten Unterkünften in Santa Catalina gibt es kein WLAN. Das macht es einem tatsächlich noch leichter runterzukommen.

Rancho Cosa Mia – wunderschönes Häusschen auf Stelzen

Im gemütlichen Gang ist man in einer knappen halben Stunde im Ort, wo man einkaufen oder eine Tour zur Isla Coiba machen kann. Und die ist wirklich zu empfehlen: Wir waren einen Tag lang unterwegs, haben an vier verschiedenen Orten geschnorchelt und eine beeindruckende Unterwasserwelt gesehen: Riffhaie, Rochen, wunderschöne Schildkröten und tausend bunte Fische. Oft habe ich hingeschaut und konnte gleichzeitig nicht glauben, was ich da sehe: Sobald man unter Wasser umher schaut, ist es als hätte man eine andere Welt betreten. Auch wenn die Bootsfahrt zur Insel ungefähr 90 Minuten dauert, lohnt sie sich sehr.

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Auf dem Weg nach „Coiba“

Die Surfspots in Santa Catalina

Die Wellen am Point-Break „La Punta“ sind weltberühmt. – Und alle erfahrenen Surfer lieben sie. Für alle anderen ist der Spot schön anzusehen – vor allem bei Sonnenuntergang lohnt es sich ein Bier im Surfcamp „Surfers Paradise“ zu trinken und dabei die Aussicht zu genießen.

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Für Anfänger und Intermediates ist die Playa „Estero“ als Surfspot perfekt. An diesem Beachbreak kann man sowohl im Weißwasser surfen lernen, als auch grüne Wellen surfen. An diesem Strand liegt sich auch das Oasis Surfcamp, wo man Soft-Tops ausleihen kann. Leider haben sie keine anderen Boards.

Der Strand ist lang und dadurch gibt es im Wasser genug Platz für alle. An unserem letzten Tag waren die Bedingungen für unsere Surf-Level perfekt: Viele kleine grüne Wellen liefen in die Bucht hinein: Jede einzelne war eine perfekte Option für einen Ritt zum Strand. Wie jedes Mal musste ich meine Angst überwinden und habe auf mich eingeredet: „Das ist JETZT deine Chance. Nimm sie. Du kannst das. Du willst das. JETZT.“ Und als mich der Push der Welle erreicht hat, war alles andere vergessen. Glück – überall in meinem Körper haben sich die Glücksgefühle ausgebreitet und sind bis in die letzten Winkel gekrabbelt. Es hat sich angefühlt als könne ich fliegen. Als die Welle vorbei war und ich wieder auf dem Brett lag, habe ich die Freudentränen auf meinen Wangen gespürt. Diese perfekten Momente sind mein Antrieb immer wieder aufzustehen und es nochmal zu versuchen.

Playa Estero

Gekommen, um zu bleiben

In Santa Catalina geht die Zeit anders. Alles ist ruhig und entspannt. Viele kommen hierher und wollen bleiben: Host Ollie aus England versucht es jetzt zum Beispiel mit einem Stand-Up-Paddle Unternehmen und den kleinen Surfshop leitet eine Frau aus Deutschland, die vor Jahren hergekommen ist. In den Hostels, Hotels und Reiseagenturen arbeiten Volunteers aus der ganzen Welt, um eine Zeit in San Cat verbringen zu können. Und natürlich gibt es hier Restaurants mit Essen aus aller Welt. Dieser Ort hat etwas Magnetisches: Wer sich in Santa Catalina wohlfühlt, versucht alles, um bleiben zu können. Die Stimmung nimmt dich ein und zeigt dir eine andere Art zu leben: Ohne Hektik und Stress. Ohne schnelles Internet und ohne großen Supermarkt. Aber dafür mit unbeschreiblich schöner Natur, Gelassenheit und mit unendlich vielen schönen Wellen.

 

Tipps für Santa Catalina:

  • Günstige Unterkünfte kann man über Airbnb finden. Außerdem habe ich mir das Oasis Surfcamp genauer angeschaut und fand es sehr schön.
  • Es gibt sehr viele tolle Restaurants. Zum Beispiel das argentinische Restaurant „Los Pibes“ ist ausgezeichnet. Außerdem solltet ihr unbedingt das mexikanische Restaurant an der Straße zur Playa „Estero“ besuchen. Es ist ein süßer Familienbetrieb in bunten Farben mit tollem Essen.
  • Falls ihr Internet haben wollt, kauft euch am besten vorher eine SIM-Karte.
  • Wer ein eigenes Surfboard hat, ist klar im Vorteil. Denn die meisten Rentals verleihen vor allem Soft-Tops.
  • In Santa Catalina gibt es (noch) keinen ATM. Hebt also unbedingt vorher genügend Bargeld ab. Im kleinen Supermarkt und in vielen Restaurants kann man mit Karte zahlen.

Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Von Panama Stadt auf die San Blas Insel Chichime: Ein echtes Paradies

Das kleine Boot bahnt sich seinen Weg durch das flache Wasser. Es glitzert in blau-türkis Tönen. Rechts und links von uns eine kleine Insel neben der anderen: Kleine Tupfer im Meer – vollbepackt mit Palmen. Und schon auf dem Weg zu unserer Insel steht fest: So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen! Kommt mit nach Chichime.

Ausblick von Chichime auf Chichime chico

4:30 am Morgen – eine Stunde früher als ausgemacht – klopft es an unsere Tür im Hostel in Panama Stadt: „Euer Transfer zu den San Blas Inseln ist da!“ ruft eine verschlafene Frau. Im Halbschlaf setzen wir uns in den Jeep mit Allradantrieb und noch ehe wir richtig wach sind, hat das Abendteuer begonnen: Unser Fahrer hat einen sehr eigenen „Fahrstil“, Whatsappt am laufenden Meter, überholt, gibt Gas und bremst abrupt ab. „Schlaf nachholen“ können wir auf dieser Fahrt vergessen. In einem riesigen Supermarkt decken wir uns mit Getränke- und Snackvorräten für die 3 Tage auf „Chichime“ ein: Chips, viel Wasser und Rotwein; und schon geht die Fahrt weiter. Zweieinhalb Stunden lang folgen wir einer Straße, die viel mit einer Achterbahn gemeinsam hat. Wir fahren einmal quer durchs Grüne. Wir halten zur Passkontrolle als wir das semi-autonome Gebiet der indigenen Bevölkerung „Kuna“ erreicht haben und bald darauf erreichen wir den kleinen Hafen. Ein Auto nach dem anderen spuckt Touristen aus. Sie suchen sich einen Platz im Schatten, bis sie auf ein kleines Boot verfrachtet werden, das sie zur Insel bringt. Immer wieder legen Boote an, bringen Touristen zurück und nehmen kurz darauf ein paar von uns Neuankömmlingen mit zu ihren Inseln.

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Die Bootsfahrt zur Insel

Als wir endlich an der Reihe sind, hatte ich fast vergessen, dass ich aufgeregt war wegen der anstehenden Bootsfahrt. Wir hatten echt lange gewartet und ich war unfassbar gespannt auf die Insel. Anfangs ging es gemütlich los – einmal tanken an einer improvisierten Tankstelle und danach haben die Jungs Vollgas gegeben. „Uuuuuiii“ kommt immer wieder wie automatisch aus meinem Mund. Denn manchmal fühlt es sich kurz an, als würden wir fliegen. Ich gebe zu: Vor jeder Achterbahn habe ich Schiss. Und das Gefühl, das in meinem Magen aufkommt, wenn es in der Achterbahn plötzlich nach unten geht, ähnelt dem bei dieser Bootsfahrt. Aber meine Angst ist vergessen, als ich die ersten von mehr als 360 San Blas–Inseln sehe: Kleine Häufchen Sand im Meer, voll bepackt mit Palmen. Auf manchen stehen kleine Holzhütten – andere sind unbewohnt.

Ich mache die Augen zu und öffne sie wieder – nur um sicher zu gehen, dass ich mich nicht getäuscht habe. Da sind sie: Die vielen Inseln, die Träume von einem Leben im Robinson Crusoe–Style wahr werden lassen. Die kleine Insel „Pelicano“ zum Beispiel. Da stehen ca. fünf Palmen und eine Hütte. Sie sieht aus wie eine Spielzeuginsel – die jemand dort vergessen hat – mitten im Meer. Jede Insel an der wir vorbeifahren, sieht anders und einzigartig aus und immer wieder denke ich: „Ohhhh die ist schön! Ob das unsere ist?“ Wir fahren weiter bis wir ganz vorne an der vordersten Reihe der Inseln am offenen Meer angekommen sind, vorbei an einigen Segelbooten. Wir werden zwischendurch sehr langsam, weil das Wasser an manchen Stellen keinen Meter tief ist. Unser Kapitän Adrian und sein Steuermann kennen hier jeden Zentimeter im Meer – das merkt man sofort. Schließlich halten wir nach 40 Minuten am Strand von „Chichime.“

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Die Insel „Chichime“

Wow. Einfach wow denke ich, als wir vom Boot klettern und die Insel von nahem sehen: Wir wohnen in einer kleinen Hütte, einer sogenannten Cabaña. Sie ist aus Bambus und Holz, ungefähr zehn Meter vom Meer entfernt und hat eine kleine Veranda. Innendrin: Kein Schnick Schnack, sondern einfach drei Einzelbetten. Zwei davon wurden für uns zusammengeschoben und darüber hängt ein Moskitonetz. Vor der Tür stehen zwei Plastikstühle in der „front row“ am Wasser. Mit bester Aussicht auf die Nachbarinsel und das Angeber-blaue-Wasser.

Unsere Hütte

Ja, diese Unterkunft ist rustikal und einfach. Ehrlich gesagt gehöre ich zu den Menschen, die an einem solchen Ort allein durch die Umgebung schon so geflasht sind, dass sie keinen Luxus mehr brauchen. Die sanitären Anlagen sind gewöhnungsbedürftig, aber es gibt wenigstens fließendes Wasser zum Duschen.

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Fünf Hütten gibt es hier insgesamt, die eine Kuna-Familie vermietet. Außerdem ein paar Zelte und das wars. Es gibt ein Volleyballfeld, wir haben eine eigene Piratenflagge und natürlich viele Palmen.

Auf den San Blas–Inseln bucht man die Unterkünfte immer inklusive Essen, aber ohne Getränke. Das heisst: Morgens, mittags und abends gibt es frisches Essen aus dem Meer. In der Mitte der Insel befindet sich das Haupthaus mit dem kleinen Restaurant: Hier bereitet die Kuna-Familie die Gerichte zu, die alle an langen Tischen im Schatten genießen. Zu Mittag gibt es für jeden einen gebratenen Fisch und dazu Salat und frittierte Bananen. Unfassbar lecker und frisch.

Wer sind die Kuna?

Die Kuna sind eine indigene Ethnie. Sie sind ursprünglich vom Festland in Kolumbien gekommen und machen ihr eigenes Ding auf den San Blas–Inseln. Seit 1930 ist das Gebiet der Kuna „Guna Yala“ semi-autonom. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Kuna eigene Verwaltungsrechte haben. Außerdem haben sie eine eigene Sprache.

Massentourismus gibt es auf den San Blas–Inseln bisher nicht, weil die Kuna dagegen sind. Sie erlauben zum Beispiel nicht, dass große Investoren Hotels auf ihren Inseln bauen. Bisher werden die Touristen registriert und erleben die traditionelle Lebensweise auf den Inseln: Dafür werden sie in einfachen Unterkünften untergebracht und bekommen eben auch Essen vor Ort.

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Auf „Chichime“ wohnen mehrere Familien, da diese Insel etwas größer ist. Ganze zwanzig Minuten kann man damit verbringen einmal rund herum zu laufen. Wir wohnen bei der Familie von Aaron. Bei ihnen ist gerade viel los, weil die Kinder noch Sommerferien haben. Während unserer Zeit auf der Insel lernen wir Beatriz kennen. Sie arbeitet mit den Kuna und kümmert sich unter anderem um Programme, die die Kultur der Ethnie schützen soll. Sie hat uns erklärt, dass inzwischen nicht mehr alle Familien die eigene Sprache der Kuna sprechen. Mit den Programmen soll die Kultur erhalten werden.

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3 Tage auf einer Insel im Paradies

Chichime berauscht uns schnell mit seiner Schönheit: Feiner Sand, viele Palmen und egal wohin man schaut diese Aussicht auf das türkise Meer. Auch wenn es auf dieser Insel im Vergleich zu einigen anderen Strom gibt, gehen wir abends früh schlafen: Nach dem Abendessen mit Languste und Fisch sitzen wir vor unserer Hütte und schauen der Sonne zu, wie sie in unendlichem Kitsch im Meer versinkt. Gelb – orange – rosa – blau. Ich frage mich: „Wie kann man einen Sonnenuntergang schon so oft gesehen haben und doch noch so benebelt davon sein?“ Ich merke, wie ich durch die Ruhe auf der Insel in mir drin immer ruhiger werde. Heimlich wünsche ich mir, ich könnte ewig bleiben und jeden Abend dieses Sonnenschauspiel sehen.

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Morgens wache ich vor dem Sonnenaufgang auf und mache vor der Hütte im Sand Yoga während die Sonne den Tag einläutet. Von Langeweile keine Spur. Ich bin da aber auch nicht der Typ für. Es ist für mich der größte Genuss, wenn ich mich der kompletten Entschleunigung hingeben kann: Aufstehen, Yoga, Frühstück, Meer, lesen im Schatten, Aussicht genießen, Meer, Mittagessen…, an ausgefallenen Tagen mal ein Spaziergang über die Insel und wieder ins Meer. Es ist so warm wie eine Badewanne. Auf der einen Seite der Insel kann man ewig ins Meer laufen, sich hinsetzen und vorstellen wie hier früher Piratenschiffe auf Grund gelaufen sind.

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Am zweiten Tag nimmt uns Adrian mit auf eine kleine Tour. Wir fahren zu einer sogenannten „Piscina natural“ – natürliches Schwimmbad. Es heisst so, weil das Wasser hier so flach ist, dass es einem nur bis zur Hüfte geht. Und für den Wow-Effekt sorgen die vielen Seesterne: Einer liegt neben dem anderen auf dem Grund. Kein Wunder, dass wir alle wie kleine Kinder im Wasser planschen und um die Sterne tanzen.

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Mitten im Meer in der Mittagssonne

In diesen Tagen auf Chichime merke ich, wie schnell Stress und Alltagsprobleme aus dem Herzen verbannt werden können. Die immer wieder endlos schöne Aussicht auf das Meer und die Ruhe auf der Insel polieren die dunklen Flecken des Alltags aus meinem Herzen und hinterlassen ein Gefühl von: Alles ist gut – manchmal ist das Leben einfach perfekt. Also dann: Zulassen, Foto mit den Augen machen, Gefühl im Herzen für schlechte Tage speichern.

Sobald ich kann, werde ich wieder auf die San Blas Inseln reisen, denn für mich sind sie das absolute Paradies.

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Tipps zur Reise auf die San Blas Inseln

  • Man kann unterschiedliche Pakete buchen. Wegen der Buchung aus der Ferne haben wir uns für ein Paket entschieden, bei dem der Transfer mit organisiert wurde. Man kann es aber auch einzeln buchen und dabei wohl sparen. Wir waren auf Aarons Seite der Chichime Insel: Pro Person pro Nacht 65 US-Dollar, inklusive 3 Mahlzeiten pro Tag und einer Tour.
  • Hinzu kommt: Transfer von Panama-Stadt im Allradjeep für 60 US Dollar pro Person hin und zurück. (Abholung angeblich zwischen 05:30 und 06:00 morgens, aber bei uns stand er schon um 04:30 vor der Tür.)
  • Der Eintritt ins Guna Yala Gebiet – für Ausländer 22 US-Dollar pro Person
  • Bootstransfer zur Insel und wieder zurück: 30 US-Dollar pro Person
  • Wichtig: Genügend Wasser (Mindestens 1,5 Liter pro Person/Tag) und andere Getränke mit zur Insel nehmen. Es gibt dort zwar welche zu kaufen, sie sind aber vergleichsweise teuer
  • Außerdem: Mückenschutz und Sonnenmilch einpacken
  • Praktisch ist eine Wasserschutzhülle fürs Handy und Tüten für andere Elektrogeräte, da Gepäck auf der Bootsfahrt nass werden kann.

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Fotos: Raphael Timm

Portugal: Die schönsten Surf-Strände an der Algarve

Im kleinen Mietwagen rollen wir über endlose Landstraßen in Richtung Süden. Unser Ziel: Surfen und Ruhe. Irgendwo – am besten im Nirgendwo. Da wo man wirklich seine Gedanken hören kann. In diesem Artikel nehme ich euch mit an die schönsten Strände Portugals.

Das erste Ziel: Ein Eco-Apartment in Carrapateira. Dieser Ort ist so klein, dass man ihn leicht übersieht. Ein paar weiße Häuser und eine Windmühle am Hang – irgendwo im Naturpark Costa Vicentina. Ein kleines Fischerdorf, allerdings nicht direkt am Meer, sondern geschützt durch ein paar Dünen. Unsere Unterkunft liegt an der Straße. Liebevoll eingerichtete Wohnungen – perfekt für Naturliebhaber und Surfer. Hippieflair liegt hier in der Luft – der Vibe von: Was braucht man schon? Ein bisschen Meer, ein paar Wellen, ein Bett zum Schlafen und alles ist gut. Wir schlafen lange, frühstücken ausgiebig und entscheiden uns dann für einen der Strände, um aufs Meer zu schauen oder zu surfen. Ohne Mietwagen ist es schwieriger die Gegend zu erkunden, aber wir haben Menschen kennengelernt, die jeden Tag zu Fuß ein paar Kilometer an den Strand gelaufen sind. Es ist also durchaus möglich. Von hier aus haben wir drei Strände lieben gelernt.

Bordeira

Praia da Bordeira

Was für ein unglaublicher und endloser Strand. Auf den Felsen kann man seine gesamte Schönheit genießen. Das ist der Ort, an dem ich in diesem Urlaub zum ersten Mal Schmerzen in der Brust hatte. – Diese Schmerzen bekomme ich immer dann, wenn ich es zu schön finde. – So schön, dass ich es nicht mehr aushalten kann. Ein wilder Strand, direkt an einem Fluss und der bildet kurz vor dem Meer eine Lagune. Rings herum die rauen Felsen, die einem an der Küste immer wieder begegnen. An diesem Strand ist Platz für alle, die sich hierher verirren: Surfer, Familien, Pärchen… Endlos viel feiner Sand, eine Strandbar, wo man sich Surfboards leihen kann und daneben sitzen zur Sicherheit ein paar Lifeguards. Um ans Meer zu kommen, muss sich jeder die Schuhe ausziehen und durch die Lagune waten. Man muss sich den Strand praktisch verdienen. Geflasht sitze ich hinterher stundenlang im warmen Sand, lasse mir vom Wind das Haar zerstrubbeln und schaue auf das Meer und die Sets, die sich immer wieder den Weg auf uns zu bahnen.

Platz für alle

Facts:

  • Parkplätze (auch für Camper)
  • Strandbar und Surfverleih
  • Lifeguards
  • Platz
  • Lagune

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Praia do Amado

Für alle, denen es an der Praia da Bordeira etwas zu einsam war, ist dieser Surfstrand perfekt. Hier werden alle feuchten Surferträume wahr. Ein langer Strand, umarmt von Felsen und überall Surfer und Camper. Von Strandbars aus, kann man den Profi-Surfern dabei zuschauen, wie sie über die Wellen gleiten. Wir leihen uns ein paar Boards und wollen sofort selbst ins Wasser. Die Lifeguards erklären uns von sich aus, worauf wir im Wasser achten müssen. Das ist mir bis dahin auch noch nie passiert. Wir planschen und paddeln bis uns die Kräfte verlassen. Allerdings sind wir hier nie allein im Wasser – hier lernen immer viele Menschen surfen, da es in der Gegend ein paar Surfcamps gibt. Macht aber nichts, das Meer ist für alle da und ich werde definitiv wiederkommen. An der Praia do Amado riecht alles nach Surfertraum und hier kommen Surfer jeden Levels auf ihre Kosten.

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Facts:

  • Mehrere Surfverleihs und Surfschulen
  • Strandbars
  • Toiletten
  • Lifeguards
  • Parkplätze (auch für Camper)

Praia do Beliche

Als die Wellen an der Westküste zu groß für uns werden, machen wir einen Ausflug in die Region Sagres. Durch einen Zufall halten wir Nahe der Praia do Beliche – „um mal eben einen Blick da runter zu werfen.“ Der Weg zu diesem Strand führt über eine lange Treppe ans Wasser. Man muss ihn sich verdienen. Zwei Minuten später sind wir mehr als begeistert. Denn wenn die Wellen im Westen zu groß werden, sind sie im Süden gerade groß genug für uns: Kleine grüne Wellen, die unaufhörlich an den Strand rollen und vielen Surfern Spaß machen. Leider suchen wir vergeblich nach einem Surfrental und müssen uns eingestehen, dass wir hier nicht surfen werden. – Diesmal nicht. Aber nächstes Mal ganz sicher.

Facts:

  • Parkplatz
  • Strandbar
  • Spot funktioniert nur, wenn die Wellen im Westen sehr groß sind. Wellen brechen allerdings nah am Strand.
Beliche

Etwas weiter nördlich:

Unsere nächste Unterkunft befindet sich ein paar Kilometer weiter in Richtung Norden. Ich gebe zu, wir hatten gedacht, dass es nicht mehr ruhiger werden könnte. Aber auf einmal standen wir vor unserer Wohnung in Rogil. Ein Apartment in einem großen freistehenden Haus auf einem riesigen Grundstück mit See und Blick bis zum Meer. „Es geht doch immer noch besser“, denke ich und tanze über das Gelände. Niemand sonst ist im Haus – wir verbringen vier Nächte in der schönsten Einsamkeit. Zwei Mal pro Tag kommt gefühlt ein Auto vorbei. Das wars. Kurz überlegen wir, ob wir nicht einfach einen ganzen Tag in dieser Unterkunft verbringen sollten. Aber die Sehnsucht nach Wellen war stärker. Diese Strände kann ich jedem weiterempfehlen. Ich bin allerdings auch sicher, dass es an der Küste noch einige mehr gibt, die ich in den kommenden Jahren noch finden muss.

Praia da Amoreira

Dieser Strand ist auch wieder endlos und lang. An einem Surfrental sitzen entspannte Surfmenschen und lassen sich die Sonne ins Leben scheinen. „Warum eigentlich nicht?“, denke ich und träume von meinem Leben am Strand. Heller Sand – soweit das Auge reicht und der Atlantik glitzert so einladend, dass wir immer wieder reinspringen wollen.

Facts

  • Parkplatz
  • Strandbar
  • Surfrental
  • Lifeguard
Odeceixe

Praia de Odeceixe

Dieser Strand hat mir für immer mein Herz gestohlen. Ich bin sicher, an dieser Küste gibt es für jeden einen Strand, der ihm alles geben kann. Bei mir war es bei Odeceixe Liebe auf den ersten Blick. Wenn man am Parkplatz ankommt, sieht man erstmal ein kleines portugiesisches Dorf, das sich an die Felsen klammert. – Ein Ort der eine große Gelassenheit ausstrahlt. Am Ende der steilen Straße beginnt der riesige Strand, der von einem Fluß umgeben ist. Das heißt: Man kann hier surfen, Stand-up paddeln, schwimmen – alles was man will. Hier kommt wirklich jeder auf seine Kosten. Besonders für Anfänger ist dieser Strand geeignet, weil es mehrere Sandbänke gibt. Das Wasser schiebt sich also endlos flach auf den Strand zu. So kann man ganz einfach üben die ersten Wellen zu erwischen, ohne endlos im tiefen Wasser paddeln zu müssen. Abends kann man vom Ort oder von einem der ausgezeichneten Fischrestaurants aus den Sonnenuntergang anschauen. Das war bei mir einer der Momente, wo ich mich kneifen musste, um sicherzugehen, dass ich nicht träume.

Facts:

  • Strandbars
  • Toiletten und kalte Duschen
  • Restaurants
  • Parkplätze (auch für Camper)
  • Lifeguards
  • Surfschulen
  • Surfrentals

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Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Einmal Mexiko und zurück: Welcome to Tijuana

Zehn Dollar für einen Parkplatz? Bisher waren wir auf unserer Reise durch Kalifornien meistens günstiger weggekommen. Als wir unser gemietetes rotes Cabrio auf dem letzten Parkplatz zwischen San Diego und Tijuana abstellen, haben wir nicht die Wahl, denn den Mietwagen können wir nicht mit über die Grenze nehmen. Will ich auch gar nicht: Viel aufregender ist es doch einmal in ein anderes Land zu laufen! Wir bezahlen und ziehen los.

Schilder weisen uns den Weg in Richtung Mexiko. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, dass ich nicht mehr dort war. Einige Jahre sind seitdem vergangen und ich muss zugeben: Ich habe Mexiko sehr vermisst.

Mexiko: Das Land, wo jeder mindestens zwei kitschige Liebeslieder von Luis Miguel auswendig kann und wo du an jeder Ecke mit scharfen, fettigen Tacos versorgt wirst. Ein Land voller Sehnsucht und Stolz. Ich sollte bald länger herkommen, denke ich. Diesmal ist es nur ein kleiner Besuch, ein paar Stunden in dieser Stadt an der Grenze: Das Tor zu den USA.

Der Weg zur „anderen Seite“

Wir laufen durch Gänge, immer den Schildern nach bis wir an einer Drehtür ankommen. Darüber steht groß und breit: Mexico. Irgendwie skurril, dass uns zwei Schritte durch dieses Tor in ein anderes Land bringen sollen. Die Drehtür sieht nicht anders aus als der Ausgang des Freibads in Aachen und doch bedeutet es so viel mehr. Wir schauen uns an und gehen weiter. Hinter dem Tor führt eine ewige Brücke über einen fast ausgetrockneten, stinkenden Fluss. Die Hitze brennt auf unseren Köpfen und auf der Haut und ich stelle mir vor, dass es hier jeden Tag so ist. Auf einmal fallen mir die Menschen auf, die unten am Fluss zu wohnen scheinen. Sie sitzen da unter provisorischen Sonnensegeln und scheinen zu warten. Nur worauf? Auf ihre Möglichkeit in die USA zu kommen? Vielleicht. Allerdings scheint es von dort aus fast unmöglich – andauernd fahren Grenzposten am Fluss entlang. Ich habe einen Kloß im Hals: So oft habe ich schon über die Grenze gelesen, zum Beispiel in Büchern von T.C. Boyle. Aber ich hatte sie mir wohl weniger trostlos vorgestellt. Warum auch immer.

Der „Fluss“

Als wir den „Fluss“ hinter uns gelassen haben, wollen wir ins Zentrum laufen. Immer wieder halten uns Männer an und wollen uns überreden doch lieber das Taxi zu nehmen. Es wäre viel zu weit zu Fuss. Die Karte auf unserem Handy sagt da allerdings was anderes, also lehne ich dankend ab und freue mich über den mexikanischen Singsang in meinem Ohr.

Tijuana scheint ein beliebtes Ziel für Hochzeitsreisen zu sein: „Hello Honeymooners“ dröhnt es uns immer wieder entgegen. Kauft doch bitte hier! Wir haben Alkohol.. und Drogen und Nutten im Angebot! Und Viagra! Und überhaupt. Hier scheint es einfach alles zu geben, was der Mensch gerne günstiger als in den USA kaufen möchte. – Tijuana wirkt in diesem Moment auf mich wie ein großes Einkaufszentrum.

So viele zauberhafte Farben!

Es zieht uns immer weiter in die Stadt hinein, unter bunten Girlanden hindurch – vorbei an den berühmten Zebra-Eseln, die extra so angemalt werden damit Touristen mit ihnen Fotos schießen können. Was denkt wohl ein Esel, wenn er sich im Zebra-Style im Spiegel sieht?, frage ich mich.

Die Hitze drückt, es wird Zeit für eine kleine Pause. Ich bestelle einen Oreo-Eiskaffee in einem kleinen Laden bei einem etwa zwanzigjährigen Mädchen, denn er wird groß und breit auf einer Tafel angepriesen. Anscheinend wird der hier allerdings nicht so oft  bestellt. Das Mädchen reagiert nervös und schickt erstmal ihre Freundin zum Oreo-Kekse shoppen. Ich liebe diese Spontanität: Hauptsache die Karte macht was her. Hinterher vergisst sie vor lauter Aufregung Kaffee in unser Getränk zu tun – dann also Oreo-Milchshake für uns. Gern würde ich mehr von ihr erfahren, frage sie nach Geheimtipps aber da ist nicht viel zu holen. „Tijuana ist nicht schön,“ sagt sie. In den USA sei alles besser. Da wolle sie auch irgendwann hin. Immer wieder habe ich an diesem Tag den Eindruck, dass die meisten weg wollen oder auf der Durchreise sind. Schade.

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Kein Besuch in Mexiko ohne eine große Portion mexikanisches Essen. Nachdem ich mich mit Chili-Süßkram eingedeckt habe und mehrere „Pelon – Pelo Rico“ mit mir herumtrage, setzen wir uns in ein Restaurant. Es gibt frische Säfte und ich bestelle einfach alles quer durch die Karte, was ich vermisst hatte: Tostadas, also getostete Tortillas mit Krabben und Avocado. Außerdem gibt es Enchiladas verdes. Tortillas mit Hühnchen, grüner scharfer Sauce drüber und Bohnenmus. Lecker. Als ich mit den Kellnern ins Gespräch komme, muss ich allerdings feststellen, dass hier eigentlich niemand aus Mexiko ist. Die kommen aus Honduras und aus Nicaragua und sind mehrere Tage zu Fuß unterwegs gewesen. Sie sind geflohen und wollen alle eigentlich in die USA. Nun sind sie in Tijuana, verdienen etwas Geld und warten auf ihre Chance „al otro lado“ zu kommen. – Also rüberzumachen.

Als die Sonne sich senkt und der Tag sich dem Ende zuneigt laufen wir zurück, immer den „USA-Schildern“ nach und dabei im Bauch dieses mulmige Gefühl. Es war mega lecker und es war schön wieder auf mexikanischem Boden unterwegs zu sein. Und doch habe ich das Gefühl: Ich konnte nicht genug von Tijuana selbst sehen. Gerne wäre ich noch an den Strand gegangen und hätte mir die Grenze dort angeschaut. Gerne wäre ich durch abgelegenere Viertel gelaufen und hätte mir das alltägliche Leben angeschaut.

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In einer langen Schlange warten wir darauf wieder in die USA reingelassen zu werden. Es dauert 1,5 Stunden bis wir die Grenze passiert haben. Ironisch: Auf dem Hinweg mussten wir nirgends warten. An der Drehtür war keine Schlange. Auch wollte niemand unseren Ausweis sehen. Verrückte Welt. Verkehrte Welt.

Ich werde wiederkommen.

Erfahrungsbericht: Ein Wochenende Wellness im Odenwald

Nimmst du Handtücher mit?“ – „Ne, oder? Wir gehen doch ins Hotel.“ Ich habe nicht viel Erfahrung mit Hotels. In meiner Kindheit waren wir meistens campen – oft auch wild in der Natur in Griechenland, weil das damals noch erlaubt war. Ich habe zwar wenig Erfahrung mit Hotels, sie haben mich aber schon immer neugierig gemacht. Deshalb musste ich unbedingt ein Wellness-Wochenende ausprobieren.

Als eine Freundin und ich ein Wochenende entspannt wegfahren wollten, sind wir beim Suchen im Netz auf das Natur Kultur Hotel Stumpf gestoßen. Und es machte den Eindruck von: Handtücher muss man keine mitbringen. Nur sich selbst, mindestens zwei Bücher und den guten Willen runterzukommen.

Auf den ersten Blick wirken Hotels auf mich immer etwas steril und ungemütlich. Aber die Vorstellung, dass wir uns ein ganzes Wochenende um nichts kümmern müssen außer darum möglichst gut zu entspannen, das klang genial und darauf hatte ich Bock. Als ich dann abends nach der Arbeit im Hotel angekommen bin, dachte ich aber erstmal: Wo bin ich denn hier gelandet? Freitagabend, 22:30 und niemand sitzt mehr in der Bar? Verstörend. Weil ich lange arbeiten musste, haben aber netterweise die Leute an der Rezeption noch extra auf mich gewartet und – wie ich dann erfahren habe – ihren Feierabend extra nach hinten verschoben und mich freundlich begrüßt.

Das Wochenende

Nach einer ruhigen Nacht stürzen wir uns am Samstagmorgen auf das Frühstücksbuffet. Ein bisschen Freizeitstress kommt dann doch leicht auf, wenn es „nur“ bis 10:00 Frühstück gibt. Diese fixen Zeiten in den Hotels haben mich schon immer abgeschreckt, aber ein Wochenende lang kann ich mich darauf einlassen. Am Tisch eine große Kanne Kaffee – extra für uns und dann probieren wir uns dann durch die Auswahl am Buffet: Brötchen, Rührei, Speck, Birchermüsli. Klar: Nach dem zweiten Gang sind wir satt, obwohl der Bock noch für mehr gereicht hätte. Aber es ist gar keine Zeit darüber zu lange nachzudenken. Wir müssen gleich weiter zu unserem Wellnes-Paket.

Also ziehen wir uns im Zimmer die Bademäntel, die vom Haus gestellt werden, an und los: Zuerst bekommen wir eine Seifenbürstenmassage: Dazu legst du dich auf eine Art Wanne und wirst komplett mit einem Bürstenhandschuh mit Seife abgerieben. Das ist ganz angenehm, denn du hast das Gefühl, dass endlich mal alle überflüssigen Hautschuppen abfallen. Danach gibt es für uns noch eine Öl-Ganzkörpermassage. Ich liebe Massagen! Auf Bali haben wir uns gefühlt durch das komplette Massageangebot von Kuta gewühlt und gemerkt, dass es große Unterschiede gibt. Meine letzte Massage vor dem Wellnesswochenende habe ich allerdings von einer Asiatin hier in Karlsruhe bekommen, die so fest zugreifen konnte, dass selbst meine Verspannungen sich gelöst haben. Das ist eine Kunst! Damit will ich sagen: Was Massagen angeht, bin ich anspruchsvoll. Im Wellnesshotel hatte ich extra mit der Mitarbeiterin vereinbart, dass ich mir eine möglichst starke Massage wünsche.

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Diese Massage war gut und solide. Ich war hinterher entspannter als vorher, aber sie hat in mir nicht diesen „Wow-Effekt“ ausgelöst. Trotzdem: Wenn jemand so eine ganze Stunde dafür sorgt, dass du runterkommst, dann finde ich das sehr genial. Danach verbringen wir den Nachmittag im Wellness-Bereich: Wasser – Dampfbad – Dusche – Lesen – Schlafen – Whirlpool… und wieder von vorne. Endlich schaffe ich es wieder eins der Bücher der großartigen Isabel Allende zu lesen. Dazu komme ich im Alltag einfach viel zu selten.

Am Abend werfen wir uns dann doch einmal in Straßenklamotten, um uns beim Vier-Gänge-Menu nicht zu blamieren. Im Restaurant war unser Platz schon mit einem Kärtchen reserviert, an den anderen Tischen einige ältere Paare, die aussehen, als wäre das ihr romantisches Highlight im Jahr. Dann geht es los: Als erstes gibt es eine kleine Portion Tomate, Mozzarella. Der Käse ist so fein geschnitten, wie ich es zu Hause nie hinbekomme.

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Danach kommt eine fantastische Suppe und dann der Hauptgang: Wir können auswählen und ich als alter Fisch-Fan entscheide mich natürlich für den Lachs. Dazu gibt es fein drappiert Couscous und grünen Spargel. Als ich denke, dass es nicht besser werden kann, kommt der Nachtisch: Ingwer-Creme-Brulée. Wow. Ich liebe ausgefallene Küche und das begeistert mich wirklich. Dazu trinken wir Sekt und Wein und hinterher schlafen wir wie zwei be-wellnesste müde Kinder. Tief und fest.

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Der Hauptgang: Lachs, Spargel und Couscous

Der Sonntag startet sogar noch entspannter als der Samstag, weil es da traditionell in dem Hotel Brunch bis 12:00 gibt. Mit kalten und warmen Speisen und allem, was einem einfallen könnte: Von Tiramisu, über Müsli bis hin zu Spätzle, Weißwürsten und einem Mitarbeiter, der einem sein Rührei extra so zaubert, wie man es gerne möchte – toller Service und lecker.

Nach dem Brunch legen wir uns wieder in die Wellness-Oase und stehen nur auf, um uns im Pool abzukühlen oder in die Sauna zu gehen. Und zwischendrin tun wir ganz viel nichts. Ich kenne keine Langeweile und einfach mal nichts machen können, ist ein großartig.

So ein Wochenende ist ein Geschenk

Das Wochenende war wirklich besonders, ein kleines Geschenk für mich selbst – vor allem, weil ich so etwas noch nie gemacht hatte. Ich war hinterher ruhig und entspannt. – Und gerade in solchen entspannten Momenten, wenn ich gute Gespräche mit einer Freundin führen kann, komme ich auf viele neue Ideen und es tun sich andere Wege auf. Das ist erfrischend für das eigene Leben und in gewisser Weise ist es wie ein Mini-Urlaub, in dem man mal kurz innehalten und die Perspektive wechseln kann. Läuft gerade alles so, wie es soll? Was wünsche ich mir eigentlich? Was könnte anders laufen und an welchen Stellschrauben muss ich drehen, damit ich dahin komme?

Das war ein tolles Wochenende im Hotel – ich glaube aber im Grunde kann man genauso runterkommen, wenn man ein Wochenende in der Natur zeltet. Wichtig ist nur: Nichts vornehmen, Ruhe passieren lassen und sein. Und schon ist alles gut.

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Die Daten:

Natur Kultur Hotel Stumpf, Zeilweg 16, 74867 Neunkirchen

  • Vier Sterne
  • Wellnessbereich mit Pool, Sauna, Whirlpool und Dampfbad
  • Ruheraum
  • Hotel Stumpf
  • Wir haben ein Paket gebucht: Unser „Romantikwochenende“ hat 188 Euro pro Person gekostet. Darin enthalten: Zwei Übernachtungen, Frühstücksbuffet, 4-Gänge-Menu am Abend, Übernachtung im Doppelzimmer (Da ich Freitag so spät angereist bin, konnten wir das zweite Abendessen auf Sonntag verschieben.) Dazu haben wir ein Massagepaket gebucht.

Wir haben alles selbst bezahlt. Das war keine Einladung des Hotels oder eine ähnliche Kooperation.

Gute Gründe für Barcelona – warum ich immer wieder dahin reise

Es ist dunkel, der Bus vom Flughafen spuckt einen Passagier nach dem anderen aus. Pl. Espanya, Universitat, Pl. Catalunya. Endstation. Schon beim Aussteigen umgibt mich wieder dieser ganz besondere Geruch. So riecht es nur in Barcelona.

Ein bisschen modrig, etwas stickig, warm und dazu kommt der Geruch von „alles ist möglich“. Sofort fühle ich mich wohl, lasse die große Straße links liegen und falle ins Gassenmeer: Barri Gótic, Raval…. unterwegs kaufe ich noch mindestens 2 Dosenbier. Das gehört dazu.

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Barcelona ist für mich eine ganz spezielle Stadt. Erst wollte ich unbedingt hin, weil ich der wohl größte Fan des Films „L’Auberge Espagnole“ bin. Ein Semester in Barcelona, Selbstfindung, Angst vorm Erwachsen werden, viele Parties, und außerdem eine wunderschöne Stadt mit Strand. Klingt fast zu perfekt. Dazu kommt diese malerische Kulisse, die kleinen Gassen, die Geschichte, die Künstler und die Architektur. Ich habe auch darüber nachgedacht mein Auslandssemester dort zu machen. Auch wenn es dazu nicht gekommen ist, habe ich seitdem viele zauberhafte Tage in und um Barcelona verbracht.

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Barcelona ist eine dieser Städte: Entweder liebst du sie oder du findest keinen Zugang und kehrst nicht zurück.

Die touristischsten Ziele, wie Gaudís Park Güell würde ich allerdings nur zu Randzeiten empfehlen. Dieser Ort verliert viel seiner Magie, wenn man dort nicht entspannt laufen kann, weil überall andere Menschen stehen, die die gleichen Erinnerungsfotos machen wollen.

Barcelona: Immer in Konstruktion

Der Reiz der Stadt besteht für mich nicht in diesen bekannten Attraktionen. Ich liebe es, mich in den Straßen zu verlieren – ohne Orientierung und ohne Gefühl für Raum und Zeit. Das Tolle im Urlaub ist ja, dass endlich Zeit da ist – auch um zu laufen. Ohne Ziel. Zwischendurch eine kleine Pause auf einem der vielen Plätze, sei es auf der Pl. del Pi, oder auf der eckigen Plaza del Tripi, die eigentlich George Orwell heisst. In der Gegend der vielen Gässchen ist es ganz gleich wo: Überall ist die Aussicht besonders. – Vor allem für alle, die Streetart und alte Gebäude lieben. Am späten Nachmittag lohnt sich ein Spaziergang über die Pl. Reial. – Der Platz strahlt nicht nur in der Abendsonne besonders schön, oft bekommt man dort auch Freikarten für Clubs zugesteckt. Am frühen Abend sitze ich auch gern zwischen vielen anderen auf der Pl. de Joan Coromines am Kunstmuseum „Macba“, genieße die Wärme, die sich in den Steinen den Tag über gespeichert hat und schaue den Skatern zu, als wären wir wieder in den 90ern gelandet.

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Auch wenn der Ort inzwischen in jedem Reiseführer steht: Bei mir gibt es keinen Barcelonabesuch ohne einen Abend in der Champagneria „Can Paixano“, in der Nähe der Metro-Station Barceloneta. Ein uriger Ort, immer voller Menschen, die Sekt aus kleinen Gläsern trinken und dazu Tapas essen. Ihr müsst euch vorstellen: Der rechte Teil des Raums ist gefüllt durch eine lange Theke, die bis zum Ende des schlauchartigen Raums führt. Und links davon tummeln sich stehende Menschen, die irgendwie an die Theke wollen, um noch ein Glas des berühmten rosé Cava eingeschenkt zu bekommen. Das Prinzip ist einfach: Einmal an der Theke angekommen, versucht man seinen Platz zu verteidigen. Aber nur Sekt trinken, ist nicht drin: Du musst dazu immer mal wieder etwas zu essen bestellen. Sonst werden die Jungs hinter der Theke sauer. Ich war mit Sicherheit schon 8 Mal dort und die Mitarbeiter sind immer dieselben geblieben. Sie wissen was sie tun. Die Brötchen mit rohem Schinken und warmem Käse sind besonders lecker. – Und fettig! Aber fettige Brötchen machen nummal glücklich. Manchmal.

Auch im Regen bezaubernd

Die Stadt verwandelt sich am Abend und es beginnen Ecken zu leuchten, die am Tag wie verwaist aussahen. Dann gibt es auf einmal Bars an Ecken, wo du sie niemals erwartet hättest. Nachts um die Häuser ziehen lohnt sich in Barcelona immer. Du wirst jedes Mal überrascht: Von besonderen Menschen, von Bands, die in einer urigen Kneipe spielen oder von dir selbst. – Hier kann man gut neue Seiten an sich entdecken bis die Sonne wieder aufgeht und einen an die Realität erinnert.

Mit Kater und einfacher morgendlicher Müdigkeit kannst du dich besonders gut an einen der vielen Strände oder in einen Park legen. Barcelona gibt dir die Zeit, die du brauchst bis es wieder losgeht.

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Dieses Jahr möchte ich unbedingt nochmal nach Barcelona: Ich habe wieder Fernweh. Auch Auch wenn es in den letzten Jahren immer touristischer dort geworden ist: Bei Barcelona war es Liebe auf den ersten Blick. – Liebe von der guten Sorte! Die, die für immer hält und die einen so sein lässt, wie man ist.

Zusammenfassung:

Perfekte Länge für einen Barcelona Trip: 4-7 Tage

Wohin sollte man unbedingt?

    • Champagneria „Can Paixano“
    • Strand, Barceloneta
    • Park Güell – nur noch mit vorbestellten Karten zu empfehlen
    • Olympiastadion
    • durch die Gassen schlendern
    • Pl. Reial
    • Parks
    • Pl. de Joan Coromines am Kunstmuseum „Macba“
    • Und wenn noch Zeit ist: Strand außerhalb der Stadt

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Fotos: Raphael Timm

Snowboarden im Kleinwalsertal

Sonne oder Schnee oder doch lieber Sonne? Am besten beides und zwar abwechselnd, möglichst häufig und im besten Fall auch mal gleichzeitig! Das Gute am Leben in Karlsruhe: Es ist nie weit bis in die Berge – und das nutzen wir solange wir hier wohnen. Es ging für 6 Tage ins Kleinwalsertal, dahin wo Österreich gerade beginnt. Im Video seht ihr was das Kleinwalsertal ausmacht.

Übrigens: Snowboarden muss gar nicht so teuer sein. Über Airbnb oder Booking kann man viele Ferienwohnungen finden, die relativ günstig sind. Das Gute: Dann kann man selbst kochen und gibt nicht immer Kohle beim Essen auf der Hütte aus. Nur auf den Skipass muss man sparen, denn der ist einfach immer teuer. In vielen Skigebieten kann man allerdings dann auch ohne Aufpreis den Bus nutzen. Das ist sehr praktisch.

To Travel – die Reise-Wunschliste

Die Sache mit dem Fernweh ist ja die: Hast du es einmal kommt es immer wieder. Es ist wie ein Fass ohne Boden. Es ist nie genug. Du sitzt im Zimmer am Fenster und zack: Es beherrscht wieder den Kopf. In so einem Fall analysiere ich gern das Haus gegenüber, bis alles vor meinen Augen verschwimmt und träume mich weg. Dahin, wo ich noch hin muss. Das sind sehr viele Orte!

Obwohl ich immer mehr Länder kennengelernt habe. Obwohl ich an den verschiedensten Orten geflasht stehen und staunen durfte – es reicht nicht. Es ist wirklich wie eine Droge. Oder wie Schokolade. Oder wie Mangosmoothie. Da geht immer noch mehr. Das Problem ist ja auch: Auf jeder Reise kommt wieder jemand um die Ecke und schwärmt dir mit glänzenden Augen von noch mehr neuen, spannenden Orten vor. Deshalb jetzt und hier: Ein kleiner Auszug aus meiner Reiseliste: To Travel! Wo müsst ihr noch hin?

Costa Rica

Nach Costa Rica möchte ich seit Jahren. Leider ist immer wieder etwas dazwischen gekommen. Jetzt ist der Plan, dass es in einem Jahr soweit sein soll. Ich meine: Wie genial muss es sein mal eben so an den Pazifik zu fahren und dann mal eben rüber – eine Runde im karibischen Meer schwimmen. Hinzu kommt, dass ich noch nie in Mittelamerika war. Ich möchte mir eine der längsten linksbrechenden Wellen der Welt aus der Nähe anschauen und in Pavones halten und sein. Es ist auf jeden Fall die nächste große Reise! – Nicht zuletzt, weil ich dann um die Ecke von Panama sein werde. Und wir alle wissen: Oh, wie schön ist Panama!

Hawaii

Welcher Surfer würde nicht gerne einmal nach Hawaii: In O’ahu den besten Surfern zugucken, wie sie riesige Wellen nehmen? Über das staunen, was ich mich niemals trauen würde? Auf den Spuren von Bethany Hamilton reisen – von Strand zu Strand. Ein paar Wochen nichts als rein ins Wasser, paddeln, raus aus dem Wasser, liegen genießen – mit Salz im Haar. Schade, dass Hawaii so weit weg ist! Aber ich werde kommen.

Kolumbien

Kolumbien

Ein Meer aus grün. Kolumbien muss ich unbedingt noch kennenlernen. Natürlich würde ich da gern surfen. Und ich ich freue mich auf übertrieben viel in meiner Lieblingsfarbe grün. Aber es gibt noch einen anderen Grund: Eine meiner besten Freundinnen wohnt dort und sie hat mir schon oft von dem Land vorgeschwärmt.

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Südafrika

Mein Lieblingsort auf der Welt ist Südafrika. Das Licht dort ist einzigartig und besonders.“ Das hat mir eine Stewardess im Zug erzählt, als ich auf dem Weg zum Flieger nach Bali war. Südafrika hatte ich vorher so halb auf dem Schirm. Aber seitdem sie mir davon vorgeschwärmt hat, bin ich sicher: Da muss ich hin! Ich will mich in dieses Licht stellen, die Menschen kennenlernen und ein paar Wellen anpaddeln. Hoffentlich bald.

Sri Lanka

Ich muss dahin! Unbedingt! Zu den Wellen und den Tempeln und der unfassbar schönen Natur. Ja, auch das wird ein Surfurlaub, aber er wird garniert mit Gemütlichkeit mitten im Grünen, mit Geschichte, mit Fahrten mit der Eisenbahn und – ich bin sicher – mit vielen Überraschungen.

Liebe auf den zweiten Blick: Neuseeland

Komm nach Neuseeland,“ sagten sie. „Da ist die Natur unfassbar schön,“ sagten sie. Ich glaube über kein anderes Land hatte ich vor meinem Besuch so viel gehört und gesehen. Deshalb hatte ich Neuseeland eigentlich gar nicht auf meinem Zettel. Ich wollte eigentlich wieder nach Lateinamerika – doch dann kam mein Bruder und hat alles geändert.

Ihr müsst wissen: Mein Bruder wollte schon immer nach Neuseeland. – Wahrscheinlich seit er den Namen aussprechen kann, mit Sicherheit aber seit er die „Herr der Ringe“ Filme gesehen hatte. Es war klar: Nach dem Abi geht’s mit „Work and travel“ nach Neuseeland. Und dann als die Reise immer konkreter wurde und näher rückte, lag er mir in den Ohren: Ich müsse ihn unbedingt besuchen. Das würde mir sicher auch gefallen. Und am Ende habe ich wirklich gebucht. – Ich dachte mir: Wenn nicht jetzt wann dann.

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Drei Wochen habe ich in Neuseeland verbracht: Erst in Auckland, dann ging es weiter nach Raglan, Rotorua und Taupo und schließlich für einen kurzen Besuch auf die Südinsel nach Kaikoura um die Reise in Wellington zu beenden. Jeder, der Bilder aus Neuseeland kennt, weiss: Die Natur dort ist unbeschreiblich. Diese Vielfalt ist fantastisch: Vulkane, Wellen, die einen zum surfen einladen, Geysire, Wasserfälle, Seen, Flüsse. Wahnsinn.

Kaikoura

Wir fuhren mit einem alten gemieteten Auto durch die Natur und waren beeindruckt. Dennoch dachte ich immer wieder: Ah guck – da ist ja der Vulkan, den ich von dem Foto kenne. Und hier die Hügellandschaft, die aussieht wie im Land der Hobbits. Vielleicht ist es, weil Neuseeland Kulisse für so viele Bildbände und Filme war. Ich hatte ständig das Gefühl: Das kenne ich schon! Ich hatte immer wieder das Gefühl Neuseeland mit Chile vergleichen zu müssen: Beide Länder haben Vulkane und überhaupt eine unfassbare Vielfalt in der Natur. Beide Länder sind sehr außergewöhnlich und doch so unterschiedlich. Und das beinhaltet auch, dass ich immer wieder dachte: Hier kommt jeder lang, der einmal in Neuseeland ist. Jeder hat dieses Foto.

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Machen wir uns nichts vor: Im Grunde ist es auch so. Die meisten von uns reisefanatischen Menschen kommen höchstens einmal im Leben nach Neuseeland. Es ist weit, der Flug ist teuer und auch vor Ort ist es nicht günstig. Sogar für eine Flasche Bier zahlst du gerne mal 8 NZ Dollar. So ist es eben. Das gehört dazu. Andauernd laufen deutsche Touristen in Funktionskleidung an dir vorbei und machen die gleichen Fotos wie du. Neuseeland ist top Reiseziel für viele Menschen und ich gebe zu: Das hat mich abgeschreckt. Vor allem während der Reise. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl: Neuseeland – das machste jetzt einmal. Aber mit dem einen Mal wird es das ja wohl dann auch gewesen sein.

Nein.

Ich habe mich geirrt.

Manchmal braucht die Liebe Zeit

Die Reise nach Neuseeland ist jetzt ein Jahr her. Und seit ein paar Wochen hat sich mein Blick auf die Reise nach Neuseeland noch einmal geändert. Mancheiner wird vielleicht denken, dass mein Blick auf die Erfahrung sich einfach verklärt hat durch die Zeit, die vergangen ist. Das mag ein Teil des Ganzen sein, aber ich denke auch: Neuseeland brauchte den Abstand. Und ich brauchte den Abstand von Neuseeland: Das Reflektieren zum Beispiel. Und die zwischenzeitlichen Reisen in andere Länder. Ich habe die Zeit gebraucht, um die Liebe für dieses besondere Land wachsen zu lassen.

Aber was macht sie denn nun aus? Diese neue Liebe?

Kaikoura

Wenn ich jetzt an Neuseeland denke, bekomme ich ein warmes Gefühl im Bauch. Ich sehe den endlosen Strand von Raglan vor mir, ich spüre den Wind, der eigentlich immer in Wellington durch die Straßen pfeift. Und ich sehe den Zug, der einmal am Vormittag durch Kaikoura, die Küste entlang in Richtung Picton fährt. – Den Zug, dem wir immer wieder beim surfen zugewunken haben, während Surflehrer Doug uns von seinem Traum erzählt hat, dass er genau da an diesem Steinstrand ein Surfcamp eröffnen will. Hoffentlich macht er das auch. Ich werde wiederkommen und das überprüfen müssen.

Geniales Land und tolle Menschen

Es ist die Mischung aus Land und Menschen, die meine Liebe zu Neuseeland auch aus der Distanz weiter wachsen lässt. Denn eigentlich ist Neuseeland viel zu schade, um dort nur 3 Wochen durchzureisen und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Egal mit wem ich mich dort unterhalten habe: Ich hatte immer das Gefühl, dass Neuseeland eine große Lebensqualität hat. Viele Menschen wirkten auf mich wirklich zufrieden und gelassen. Etwas was ich mir immer wieder für mein Umfeld und mich wünsche. Außerdem konnten wir sehen und spüren, wie sehr viele die Natur schätzen und im Einklang mit ihr leben.

Bewunderns – und beneidenswert. Das ist es wohl, warum ich heute das Gefühl habe: Newzealand has got it all. Und ja, ich komme wieder. Ganz bestimmt.

Bilder: Raphael Timm

Lieblingsorte Neuseeland:

  • Raglan
  • Kaikoura
  • Wellington