Lissabon – Aussicht en masse

Wenn es ein Rezept gäbe für Städte, damit man sie sich nach Lust und Laune kochen und zurechtzaubern kann, dann wären meine liebsten Zutaten: Nähe zu Wasser, Hügel, Aussichtspunkte, bunte Häuser, Treppen und schmale Gassen. Ein Glück, dass es einige dieser Städte schon gibt. Man muss nur hinfahren und sich in die Gassen fallen lassen. Lissabon hat bei mir tiefe Abdrücke im Herzen hinterlassen. Aber ein Auto nehme ich dahin nicht mehr mit.

Schon lange bevor ich Lissabon kennengelernt habe, hatte ich das Gefühl, dass mir die Stadt gefallen könnte: Hügel, Wasser, Gassen, bunte Kacheln an den Häusern. Mag ich.

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Inzwischen war ich zwei Mal dort. Diesmal hatten wir die dämliche Idee unser Gepäck erst mit dem Auto zu unserer Ferienwohnung zu bringen. – Quer durch die Altstadt. Ich bin schon auf dem Beifahrersitz durchgedreht. Zum Glück musste ich nicht fahren. Autos von allen Seiten, vor einem schießen plötzlich Poller aus dem Boden und überall Menschen. Als wir schließlich kurz in einer „Parkgasse“ gehalten haben, um unsere Rucksäcke nach oben zu bringen, haben wir schlussendlich verstanden, warum man dort nur ein Auto besitzt, wenn man muss: Huuup Huup drang es nach oben. Die Parktaschen sind nämlich so gebaut, dass man gar nicht anders kann: Man parkt sich immer gegenseitig ein. Das Prinzip also: Möchte jemand spontan raus, startet er ein Hupkonzert, bis der Fahrer am Auto ist und es aus der Gasse hinausfährt und so Platz macht. Verrückt. Aber gängiges Prinzip. Ihr könnt euch also vorstellen, wie froh wir waren, als wir das Auto abgegeben hatten und Lissabon zu Fuß entdecken konnten.

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Ein bisschen unpraktisch, aber leider zu schön

Lissabon. Beim Spaziergang durch das Gassenmeer werden wir immer wieder mit atemberaubenden Ausblicken belohnt. Es ist eine der Städte, wo ich mir nie ein Ziel vornehme. Alles ergibt sich unterwegs. Wer hier Zeit hat und sich treiben lässt, sieht unendlich viel. Nicht nur die Streetart hat es mir angetan. Die vielen unterschiedlich gefliesten Häuser strahlen mit bunten Mustern in der Sonne. Treppe rauf, Gasse runter, stehen bleiben, umdrehen, inne halten und da ist er wieder: Der Ausblick bis runter zum Wasser. Wahnsinn. Natürlich ist es keine praktische Stadt, wenn man mal viel zu tragen hat oder so. Aber die vielen alten Gebäude sind einfach schön. Für einen Städtetrip – Unschlagbar. Lissabon ist der perfekte Ort für Träumer und Querdenker. Für Menschen, die sich gern auf eine Bank setzen, die Aussicht genießen und dabei wilde Ideen in ihr kleines Heft kritzeln. Wir klettern den Berg rauf, immer weiter, bis wir eine ausgezeichnete Aussicht haben: Unter uns das orangene Dächermeer, weit hinten das Wasser und die Brücke, die einen immer an San Francisco erinnert. Das ist übrigens kein reiner Zufall. Die Brücken wurden von der gleichen Firma gebaut.

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Ich denke mir: „Besser kann die Sicht ja wohl nicht werden“, drehe mich um und sehe einige Meter weiter oben noch einen Aussichtspunkt (Mirador). Wir keuchen und gehen weiter bis wir endlich oben sind. Jeder Ausblick hier belohnt einen und schon sind die schmerzenden Füße vergessen. Wir sitzen kurz im Schatten unter einem Baum und versuchen den Ausblick mit unseren Augen abzufotografieren. Ich hoffe immer, dass er so für immer bleibt.

Wohnen in der Altstadt

Unsere Ferienwohnung über Airbnb ist ein echter Glücksgriff: Eine kleine Wohnung in einem urigen alten Haus in der Rua da Bica. Erst muss man über eine schmale Treppe nach oben in den dritten Stock klettern, oben wird man aber belohnt. – Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küche und Esszimmer gehen ineinander über. Die perfekte kleine Wohnung für ein Pärchen, dass auf alte Gebäude steht. Es gibt sogar einen Balkon, der einmal rund um die Wohnung führt. Darauf kann man zwar keine Partys feiern, aber frühstücken geht dort sehr gut. Die Sicht reicht dabei bis hin zum Wasser und zur Brücke. 

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Aussicht vom Balkon

Und unten auf der Straße quietscht immer wieder der „Elevador da Bica“ vorbei. Eine Standseilbahn, die es schon seit 1892 gibt. Die zwei gelb-weißen Wagen sehen der alten Straßenbahn in Lissabon ähnlich und werden jeden Tag vielfach von neugierigen Touristen fotografiert. Es ist ein lebhaftes, schönes Viertel zum Wohnen für alle, die Altstadt, Bars und kleine Restaurants lieben. Nachts stromern wir herum, fallen in die Bars ein als wären wir wieder 19 und nach dem dritten Mojito für 3 Euro fühlen wir uns auch so, vergessen unsere Vornamen und tanzen zu Reggaeton. Ich bin wunschlos glücklich in dieser Stadt. Da kann uns noch nicht einmal der Kater am nächsten Morgen die Laune verderben. Sonnenbrillen auf und erstmal einen Kaffee trinken gehen. Oder zwei oder drei. Und dazu ein paar dieser süßen, leckeren Teilchen (Pastel de Nate), die die Portugiesen einfach unverschämt lecker hinbekommen.

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Lissabon ist für mich keine klassische Urlaubsstadt. Runterkommen stelle ich mir schwierig vor. Aber auf andere Ideen kommen – dafür ist die Stadt perfekt. Perspektive ändern, in den Tag hinein leben, loslaufen und gucken, wo man ankommt.

Hier könnte ich mir vorstellen ein paar Monate zu leben und in der Region surfen zu gehen. Einen Alltag zu haben. Ein Stamm-Café. Und einen Lieblings-Aussichtspunkt. Hier ist es nicht entspannt. Es ist bunt, an manchen Ecken kaputt und immer wieder schaut man dem ganz normalen Leben ins Gesicht. Und das inspiriert mich noch immer am meisten.

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Tipps:

  • Aussichtspunkte erkunden
  • Aquarium besuchen
  • Ferienwohnung in der Altstadt buchen und den Flair der Stadt leben
  • Den Mojito im Studentenviertel am besten erst ab 5 Euro genießen. – Oder den Kater hinnehmen.

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Fotos: Raphael Pi Permantier

Neue Impulse beim Reisen: Wie Gespräche das eigene Leben bereichern

Und wo übernachtet ihr, wenn ihr auf Reisen seid? – Hotel? Appartment?“ – „Am liebsten bei anderen“, antworte ich darauf meistens. Denn so sind wir auf Reisen immer im Austausch – von ganz allein. Und das ist für mich unfassbar wertvoll.

Ich habe festgestellt: Im Alltag umgibt man sich immer mit den gleichen Leuten, geht ähnliche Wege und dadurch dreht sich vieles im Kreis. Auf Reisen, im Kontakt mit anderen Menschen ergibt sich von ganz alleine die Chance neue Perspektiven auf unser Leben zu bekommen. – Oder andere Denkansätze. Und das einfach nur, weil ein Gespräch entsteht und aus diesem Gespräch gibt es am Ende einen Satz. Und der bleibt für immer. Der verändert vielleicht sogar etwas – für immer.

Und manchmal liegt es einfach daran, dass Urlaub ist und da nehme ich mir mehr Zeit zuzuhören und gelernte Muster in Frage zu stellen. Und dabei müssen es gar nicht immer die tiefgründigen Gedanken sein. Manchmal reicht es, wenn einem ein Fremder seine Wahrheit und Weltsicht vor den Latz knallt – und schon schwimmen die Gedanken in eine neue Richtung. Hier habe ich ein paar Beispiele für euch, von Menschen, die meine Gedankenwelt durch ihre kleinen Sätze verändert und bereichert haben.

Unser Surfmobil in Kalifornien mit den Boards von Carlos Santana

You have to commit to the wave“ – Carlos Santana, Huntington Beach, Kalifornien

Huntington Beach ist einer der Orte in Kalifornien, wo viele Schüler noch morgens vor der Schule Surfunterricht bekommen. Surfen, Entwicklung und Wellenreiten – das gehört hier einfach dazu. Wir haben bei Christine und Carlos Santana gewohnt, ein sehr außergewöhnliches Pärchen. Sie ist gelernte Opernsängerin, die inzwischen ihr Geld verdient, indem sie Möbel im Dawanda-Style upcyclet. In ihrer Garage stehen abgebeizte Tische, die sie zum Beispiel mit Silberfolie verziert. Sehr… originell! Carlos ist Unternehmer, verkauft Autos und er ist leidenschaftlicher Surfer. (Ja, er heisst wirklich Carlos Santana, ist mit besagtem aber weder verwandt noch verschwägert). Gleich zu Beginn unseres Besuchs hat Carlos uns seine Surfboards ausgeliehen, uns gesagt wohin wir am besten fahren und um wieviel Uhr. Diese Boards haben wir in unseren Mietwagen gepackt und los.

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Die Gespräche mit ihm waren lang und ausgiebig. Er ist eine dieser schillernden Persönlichkeiten, die man unbedingt öfter um sich herum haben will, weil sie einem ein gutes Gefühl geben und neue Ideen. Von ihm kam der Satz, den ich mir JEDES Mal beim Surfen wieder ins Gedächtnis rufe. Als er uns eines morgens eine Trocken-Surfstunde auf dem Boden gegeben hat, sagte Carlos auf einmal: Wenn du es nur halb willst, dann kannst du es auch lassen. Du wirst die Welle nicht bekommen, sie wird dich umschmeissen. Um eine Chance zu haben, dass es klappt gibt’s nur einen Weg: „You always have to commit to the wave.“ Es liegt auf der Hand, es ist so logisch. Und doch erklärt es mir so viele Surftage, an denen ich Weißwasser (Schaum gebrochener Wellen) gefressen hab und mich gefragt hab, warum es gerade nicht läuft. Es lag meistens an mir und meinem Einsatz und Willen. Danke Carlos für diesen Satz.

Bigger board more fun“ – Andy, Bali

Auf Bali hatten wir einen Surfguide, der war die personifizierte Grumpy Cat. Andy lebt mitten im Paradies, hat aber leider trotzdem meistens miese Laune. Außerdem war er insgesamt kein besonders guter Surflehrer. Selten hat er es geschafft einen zu motivieren, eine etwas größere Welle anzupaddeln. Ich hatte immer den Eindruck er hat keinen Bock auf uns und seinen Job. Nach der Session fiel ihm immer ein Satz ein, mit dem er uns einen reinwürgen konnte, wenn er einem gesagt hat: „Wenn du davor schon Angst hast, wie willst du jemals besser werden? Eigentlich hatte ich mir vorgenommen hinterher keinen müden Gedanken mehr an grumpy Andy zu verschwenden. 

Die Boards auf Bali

Aber dann kam der eine Tag, als er meinen Surfboardstolz durch einen Satz für immer verändert hat. Es gab kleine Wellen, eigentlich perfekt zum Üben – vor allem mit einem großen, langen Surfboard. Aber ich hab mich aus Stolz mit einem kleineren Board abgekämpft und die Wellen nicht bekommen. Sie wollten mich einfach nicht mitnehmen. Es lag natürlich auch an meiner fehlenden Kraft. (Ich gehe zwar ins Fitness-Studio und trainiere gezielt die Arme, dennoch surfe ich einfach zu selten) Nach der Session sagte Andy dann (etwas schnippisch): „Well, bigger board more fun.“ Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich später noch an Irgendwas von ihm erinnern würde, aber dieser Satz hat sich eingebrannt. Einen Tag später habe ich mir am Strand einfach ein großes Board geliehen und es hat einfach gewuppt. Auf einer Welle nach der anderen bin ich Richtung Strand gesurft und es war einfach großartig. Natürlich ist das keine große Philosophie. Und doch hat es etwas bei mir verändert. Wenn ich am Strand bin, möchte ich möglichst viel Spaß haben. Und das klappt bei mir – bisher – mit großem Board besser. Und daher bin ich froh, Andy getroffen zu haben.

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It´s always fun if you proceed.“ Ste`en aus Raglan, Neuseeland

Ste`en – was für ein außergewöhnlicher Typ! Der hat verstanden, dass es im Leben nicht um die große Karriere geht. Er lebt im verschlafenen Surferort Raglan in Neuseeland, arbeitet nebenher für ein Snowboardmagazin und er surft sooft er kann. Hauptberuflich kümmert er sich allerdings um sein Haus, hält es instand und vermietet ein kleines Apartment daraus an Reisende. Da sind auch wir gelandet und hatten die Chance ihn kennenzulernen. Ste´en verkörpert für mich den perfekten Surferlebensstil, wie er sich in der Realität leben lässt. Er läuft zum Beispiel 20 Minuten mit dem Board über Klippen, um an die eine geheime Stelle zu gelangen, wo die Wellen besonders schön brechen. Mit dem Snowboarden hat er vorerst aufgehört, weil er dort nicht mehr weitergekommen ist – er hat sich nicht mehr entwickelt, sagt er selbst. Und dadurch vorerst die Motivation dafür verloren. In diesem Zusammenhang fiel auch sein Satz: Es macht immer so lange Spaß, wie du dich entwickelst, wie du einen Prozess spürst, besser wirst oder eine innere Weiterentwicklung bemerkst: „It´s always fun if you proceed.“

Entwicklung im Surfkurs: Glücksmoment

Wie recht er hatte. Das sage ich mir immer wieder. Jedes Mal, wenn ich am Anfang eines Surfurlaubs wieder das Gefühl habe, eine neue Sportart zu erlernen. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nichts mehr kann, weil die letzte Welle viel zu lange her ist. Eigentlich ist es gar nicht schlecht, dass surfen eine so große Herausforderung ist. So bleibt sie mir immer erhalten – es bleibt für immer einzigartig, neu und aufregend – genauso wie die Wellen. Unberechenbar – und plötzlich, wenn man gar nicht mehr damit rechnet, wächst man über sich hinaus und steht eine – für die eigenen Verhältnisse – besonders große Welle.

Solche Sätze sammeln ist inzwischen meine kleine Passion. Ich schreibe sie auf, damit sie nicht plötzlich verpuffen und freue mich schon auf die nächsten Reisen. Und die nächsten Impulse.

Habt ihr von euren Reisen auch schon inspirierende Sätze mitgebracht? Sätze, die euer Leben oder eure Sichtweise verändert haben? Schreibt sie mir gern in die Kommentare!

Wellenzauber in Neuseeland

Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Von Panama Stadt auf die San Blas Insel Chichime: Ein echtes Paradies

Das kleine Boot bahnt sich seinen Weg durch das flache Wasser. Es glitzert in blau-türkis Tönen. Rechts und links von uns eine kleine Insel neben der anderen: Kleine Tupfer im Meer – vollbepackt mit Palmen. Und schon auf dem Weg zu unserer Insel steht fest: So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen! Kommt mit nach Chichime.

Ausblick von Chichime auf Chichime chico

4:30 am Morgen – eine Stunde früher als ausgemacht – klopft es an unsere Tür im Hostel in Panama Stadt: „Euer Transfer zu den San Blas Inseln ist da!“ ruft eine verschlafene Frau. Im Halbschlaf setzen wir uns in den Jeep mit Allradantrieb und noch ehe wir richtig wach sind, hat das Abendteuer begonnen: Unser Fahrer hat einen sehr eigenen „Fahrstil“, Whatsappt am laufenden Meter, überholt, gibt Gas und bremst abrupt ab. „Schlaf nachholen“ können wir auf dieser Fahrt vergessen. In einem riesigen Supermarkt decken wir uns mit Getränke- und Snackvorräten für die 3 Tage auf „Chichime“ ein: Chips, viel Wasser und Rotwein; und schon geht die Fahrt weiter. Zweieinhalb Stunden lang folgen wir einer Straße, die viel mit einer Achterbahn gemeinsam hat. Wir fahren einmal quer durchs Grüne. Wir halten zur Passkontrolle als wir das semi-autonome Gebiet der indigenen Bevölkerung „Kuna“ erreicht haben und bald darauf erreichen wir den kleinen Hafen. Ein Auto nach dem anderen spuckt Touristen aus. Sie suchen sich einen Platz im Schatten, bis sie auf ein kleines Boot verfrachtet werden, das sie zur Insel bringt. Immer wieder legen Boote an, bringen Touristen zurück und nehmen kurz darauf ein paar von uns Neuankömmlingen mit zu ihren Inseln.

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Die Bootsfahrt zur Insel

Als wir endlich an der Reihe sind, hatte ich fast vergessen, dass ich aufgeregt war wegen der anstehenden Bootsfahrt. Wir hatten echt lange gewartet und ich war unfassbar gespannt auf die Insel. Anfangs ging es gemütlich los – einmal tanken an einer improvisierten Tankstelle und danach haben die Jungs Vollgas gegeben. „Uuuuuiii“ kommt immer wieder wie automatisch aus meinem Mund. Denn manchmal fühlt es sich kurz an, als würden wir fliegen. Ich gebe zu: Vor jeder Achterbahn habe ich Schiss. Und das Gefühl, das in meinem Magen aufkommt, wenn es in der Achterbahn plötzlich nach unten geht, ähnelt dem bei dieser Bootsfahrt. Aber meine Angst ist vergessen, als ich die ersten von mehr als 360 San Blas–Inseln sehe: Kleine Häufchen Sand im Meer, voll bepackt mit Palmen. Auf manchen stehen kleine Holzhütten – andere sind unbewohnt.

Ich mache die Augen zu und öffne sie wieder – nur um sicher zu gehen, dass ich mich nicht getäuscht habe. Da sind sie: Die vielen Inseln, die Träume von einem Leben im Robinson Crusoe–Style wahr werden lassen. Die kleine Insel „Pelicano“ zum Beispiel. Da stehen ca. fünf Palmen und eine Hütte. Sie sieht aus wie eine Spielzeuginsel – die jemand dort vergessen hat – mitten im Meer. Jede Insel an der wir vorbeifahren, sieht anders und einzigartig aus und immer wieder denke ich: „Ohhhh die ist schön! Ob das unsere ist?“ Wir fahren weiter bis wir ganz vorne an der vordersten Reihe der Inseln am offenen Meer angekommen sind, vorbei an einigen Segelbooten. Wir werden zwischendurch sehr langsam, weil das Wasser an manchen Stellen keinen Meter tief ist. Unser Kapitän Adrian und sein Steuermann kennen hier jeden Zentimeter im Meer – das merkt man sofort. Schließlich halten wir nach 40 Minuten am Strand von „Chichime.“

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Die Insel „Chichime“

Wow. Einfach wow denke ich, als wir vom Boot klettern und die Insel von nahem sehen: Wir wohnen in einer kleinen Hütte, einer sogenannten Cabaña. Sie ist aus Bambus und Holz, ungefähr zehn Meter vom Meer entfernt und hat eine kleine Veranda. Innendrin: Kein Schnick Schnack, sondern einfach drei Einzelbetten. Zwei davon wurden für uns zusammengeschoben und darüber hängt ein Moskitonetz. Vor der Tür stehen zwei Plastikstühle in der „front row“ am Wasser. Mit bester Aussicht auf die Nachbarinsel und das Angeber-blaue-Wasser.

Unsere Hütte

Ja, diese Unterkunft ist rustikal und einfach. Ehrlich gesagt gehöre ich zu den Menschen, die an einem solchen Ort allein durch die Umgebung schon so geflasht sind, dass sie keinen Luxus mehr brauchen. Die sanitären Anlagen sind gewöhnungsbedürftig, aber es gibt wenigstens fließendes Wasser zum Duschen.

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Fünf Hütten gibt es hier insgesamt, die eine Kuna-Familie vermietet. Außerdem ein paar Zelte und das wars. Es gibt ein Volleyballfeld, wir haben eine eigene Piratenflagge und natürlich viele Palmen.

Auf den San Blas–Inseln bucht man die Unterkünfte immer inklusive Essen, aber ohne Getränke. Das heisst: Morgens, mittags und abends gibt es frisches Essen aus dem Meer. In der Mitte der Insel befindet sich das Haupthaus mit dem kleinen Restaurant: Hier bereitet die Kuna-Familie die Gerichte zu, die alle an langen Tischen im Schatten genießen. Zu Mittag gibt es für jeden einen gebratenen Fisch und dazu Salat und frittierte Bananen. Unfassbar lecker und frisch.

Wer sind die Kuna?

Die Kuna sind eine indigene Ethnie. Sie sind ursprünglich vom Festland in Kolumbien gekommen und machen ihr eigenes Ding auf den San Blas–Inseln. Seit 1930 ist das Gebiet der Kuna „Guna Yala“ semi-autonom. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Kuna eigene Verwaltungsrechte haben. Außerdem haben sie eine eigene Sprache.

Massentourismus gibt es auf den San Blas–Inseln bisher nicht, weil die Kuna dagegen sind. Sie erlauben zum Beispiel nicht, dass große Investoren Hotels auf ihren Inseln bauen. Bisher werden die Touristen registriert und erleben die traditionelle Lebensweise auf den Inseln: Dafür werden sie in einfachen Unterkünften untergebracht und bekommen eben auch Essen vor Ort.

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Auf „Chichime“ wohnen mehrere Familien, da diese Insel etwas größer ist. Ganze zwanzig Minuten kann man damit verbringen einmal rund herum zu laufen. Wir wohnen bei der Familie von Aaron. Bei ihnen ist gerade viel los, weil die Kinder noch Sommerferien haben. Während unserer Zeit auf der Insel lernen wir Beatriz kennen. Sie arbeitet mit den Kuna und kümmert sich unter anderem um Programme, die die Kultur der Ethnie schützen soll. Sie hat uns erklärt, dass inzwischen nicht mehr alle Familien die eigene Sprache der Kuna sprechen. Mit den Programmen soll die Kultur erhalten werden.

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3 Tage auf einer Insel im Paradies

Chichime berauscht uns schnell mit seiner Schönheit: Feiner Sand, viele Palmen und egal wohin man schaut diese Aussicht auf das türkise Meer. Auch wenn es auf dieser Insel im Vergleich zu einigen anderen Strom gibt, gehen wir abends früh schlafen: Nach dem Abendessen mit Languste und Fisch sitzen wir vor unserer Hütte und schauen der Sonne zu, wie sie in unendlichem Kitsch im Meer versinkt. Gelb – orange – rosa – blau. Ich frage mich: „Wie kann man einen Sonnenuntergang schon so oft gesehen haben und doch noch so benebelt davon sein?“ Ich merke, wie ich durch die Ruhe auf der Insel in mir drin immer ruhiger werde. Heimlich wünsche ich mir, ich könnte ewig bleiben und jeden Abend dieses Sonnenschauspiel sehen.

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Morgens wache ich vor dem Sonnenaufgang auf und mache vor der Hütte im Sand Yoga während die Sonne den Tag einläutet. Von Langeweile keine Spur. Ich bin da aber auch nicht der Typ für. Es ist für mich der größte Genuss, wenn ich mich der kompletten Entschleunigung hingeben kann: Aufstehen, Yoga, Frühstück, Meer, lesen im Schatten, Aussicht genießen, Meer, Mittagessen…, an ausgefallenen Tagen mal ein Spaziergang über die Insel und wieder ins Meer. Es ist so warm wie eine Badewanne. Auf der einen Seite der Insel kann man ewig ins Meer laufen, sich hinsetzen und vorstellen wie hier früher Piratenschiffe auf Grund gelaufen sind.

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Am zweiten Tag nimmt uns Adrian mit auf eine kleine Tour. Wir fahren zu einer sogenannten „Piscina natural“ – natürliches Schwimmbad. Es heisst so, weil das Wasser hier so flach ist, dass es einem nur bis zur Hüfte geht. Und für den Wow-Effekt sorgen die vielen Seesterne: Einer liegt neben dem anderen auf dem Grund. Kein Wunder, dass wir alle wie kleine Kinder im Wasser planschen und um die Sterne tanzen.

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Mitten im Meer in der Mittagssonne

In diesen Tagen auf Chichime merke ich, wie schnell Stress und Alltagsprobleme aus dem Herzen verbannt werden können. Die immer wieder endlos schöne Aussicht auf das Meer und die Ruhe auf der Insel polieren die dunklen Flecken des Alltags aus meinem Herzen und hinterlassen ein Gefühl von: Alles ist gut – manchmal ist das Leben einfach perfekt. Also dann: Zulassen, Foto mit den Augen machen, Gefühl im Herzen für schlechte Tage speichern.

Sobald ich kann, werde ich wieder auf die San Blas Inseln reisen, denn für mich sind sie das absolute Paradies.

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Tipps zur Reise auf die San Blas Inseln

  • Man kann unterschiedliche Pakete buchen. Wegen der Buchung aus der Ferne haben wir uns für ein Paket entschieden, bei dem der Transfer mit organisiert wurde. Man kann es aber auch einzeln buchen und dabei wohl sparen. Wir waren auf Aarons Seite der Chichime Insel: Pro Person pro Nacht 65 US-Dollar, inklusive 3 Mahlzeiten pro Tag und einer Tour.
  • Hinzu kommt: Transfer von Panama-Stadt im Allradjeep für 60 US Dollar pro Person hin und zurück. (Abholung angeblich zwischen 05:30 und 06:00 morgens, aber bei uns stand er schon um 04:30 vor der Tür.)
  • Der Eintritt ins Guna Yala Gebiet – für Ausländer 22 US-Dollar pro Person
  • Bootstransfer zur Insel und wieder zurück: 30 US-Dollar pro Person
  • Wichtig: Genügend Wasser (Mindestens 1,5 Liter pro Person/Tag) und andere Getränke mit zur Insel nehmen. Es gibt dort zwar welche zu kaufen, sie sind aber vergleichsweise teuer
  • Außerdem: Mückenschutz und Sonnenmilch einpacken
  • Praktisch ist eine Wasserschutzhülle fürs Handy und Tüten für andere Elektrogeräte, da Gepäck auf der Bootsfahrt nass werden kann.

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Fotos: Raphael Timm

Bocas del Toro – Panama: Karibik, Piratenfeeling und Surfen

Panama ist Vielfalt! In Bocas del Toro gibt es Ecken für alle:  Naturliebhaber, Surfer, Partyfans und Menschen, die es ruhig mögen. Allerdings sollte man kein Problem mit Boot fahren haben: Von Insel zu Insel kommt man nur mit dem Wassertaxi. Packt eure Boards unter den Arm, legt Reggae auf und kommt mit nach Bocas.

Übertrieben glitzer-bau und klar strahlt uns das Meer entgegen als wir auf der Isla Colon in Bocas del Toro ankommen. Bocas del Toro – den Namen trägt die Region offenbar, weil sie Christoph Kolumbus an das Maul eines Stieres erinnerte. – Damals als dort im Jahr 1502 auf seiner vierten Reise an Land gegangen ist. Später soll die Gegend vor allem bei Piraten beliebt gewesen sein, die auf den Inseln ihre Schiffe repariert und Schätze versteckt haben sollen. Wenn ich die Augen zusammenkneife, kann ich mir einbilden die Piratenschiffe durch das klare Wasser gleiten zu sehen.

Eins der typischen Boote vor der Isla Carenero

Wir stehen an einem der vielen Stege, um ein Boot auf die Insel Bastimentos zu nehmen. Da werden wir sechs Tage lang wohnen.

Bastimentos oder Jamaika?

Unsere Rucksäcke werden auf ein kleines Boot geworfen und schon klettern wir hinterher in dieses einfache Wassertaxi. Mir ist ein bisschen mulmig im Bauch als wir losfahren und das Boot bei jeder kleinen Welle mit einem großen „Rums“ auf das Wasser schlägt. Für jemanden mit so viel Schiss, wie ich welche hab, war diese kurze Fahrt von 10 Minuten wie eine Achterbahnfahrt. Um uns herum sitzen viele Afropanamaer und auch als wir auf der Insel Bastimentos ankommen, fühlt es sich an als wären wir auf Jamaika angekommen – laute Reggae-Bässe dröhnen aus den Boxen in den Holzhäusschen, die waghalsig über das Wasser gebaut sind. Tatsächlich leben in der Region Bocas del Toro viele Nachkommen von jamaikanischen Sklaven. Wir sind in Panama und doch eröffnet sich uns in Bocas eine völlig neue Welt. Auf Bastimentos gibt es keine richtigen Straßen und keine Autos – nur Fußwege und Trampelpfade durch den Wald.

Bastimentos und seine Häusschen vom Boot aus

Wir laufen die Küste entlang, biegen irgendwann rechts ab und kommen schließlich in unserer Unterkunft am an: Eine kleine Herberge mit Einzelzimmern und Holzhütten direkt am Meer. Eine davon haben wir in dieser Woche gebucht. Die Unterkunft ist einfach, hat aber alles was ich zum Glücklichsein brauche: Auf der Veranda zwei Holzsessel und eine Hängematte und vom Bett aus Blick bis zum Meer.

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Neben den Nachkommen der Menschen aus Jamaika leben auf Bastimentos auch viele Aussteiger aus Europa und den USA, die sich hier niederlassen, viele erfüllen sich den Traum ein Haus zu bauen und ein Hostel zu eröffnen.

Bei einem davon wohnen wir: Dan hat die Unterkünfte aus Holz am Meer gebaut noch bevor er seine panamenische Frau Lily geheiratet hat. Inzwischen führen beide zusammen ihr kleines Unternehmen. Wie glücklich die beiden dort sind, kann ich allerdings nicht sagen: Im Internet haben wir das Grundstück gefunden, weil es zum Verkauf angeboten wird. Das ist einer der großen Eindrücke aus den Tagen in Bocas del Toro: Viele zauberhafte Häusschen, einige baufällige Gebäude, die dringend eine Renovierung bräuchten und sehr viele Grundstücke, an denen „zum Verkauf-Schilder“ hängen.

Erfahrung: Wasserknappheit

Unser Host Dan hatte uns vorgewarnt: In der Region war seit Wochen kein Regen gefallen. Es gab kein fließendes Wasser als wir auf Bastimentos angekommen sind. Das war auch für mich eine neue Erfahrung. Alle Bewohner sind mehrmals täglich zu einer Quelle gelaufen und haben haufenweise Kanister mit Wasser gefüllt und nach Hause geschleppt. Auch unsere Hosts haben immer wieder dafür gesorgt, dass wir Wasser im Haus hatten. Damit konnten wir uns Eimer mit Wasser über den Kopf kippen und „duschen“ – oder wie ich es nach ein paar Tagen liebevoll genannt habe: abeimern. Klar, das ist keine richtige Dusche, aber man gewöhnt sich schnell daran. Mich haben in diesen Tagen die vielen Familien beeindruckt: Der Weg zur Wasserstelle führte gleich an unserer kleinen Hütte vorbei. Immer wenn wir auf der Terrasse saßen, liefen Mütter, Väter, Geschwister zur Quelle hin und kamen schwer bepackt mit vollen Kanistern zurück. – Auch die Kinder. Mit unendlichem Willen in ihren Augen schleppten kleine Mädchen von ca. 5 Jahren ihre Geschwister im Arm. Andere hatten in jeder Hand Kanister mit je 5 Liter Wasser darin. Tragen – kleine Pause – weitermachen – nicht aufgeben. „Viel stärker als ich je gelernt habe zu sein,“ dachte ich mir und eins steht fest: Sie sind mein Vorbild für immer.

Bastimentos: Typische Bauweise der Häuser auf Stelzen

Old Bank

Der zentrale Ort in Bastimentos – Old Bank – ist auch der Ort, wo die Boote anlegen. Wenn man durch das Dorf schlendert und dem Dock näher kommt, nähert sich irgendwann immer jemand, der fragt: „Wohin wollt ihr? Braucht ihr ein Wassertaxi?“ Ich habe den Eindruck, einer der sichersten Jobs hier ist: Wassertaxi fahren. Denn den ganzen Tag lang müssen hier Menschen von Insel zu Insel gebracht werden. Eine Fahrt nach Bocas kostet für Touristen (Stand Februar 2017) 3 Dollar und und bei Nacht 5 Dollar. So gut wie jedes Hostel im Ort hat eine Terrasse über dem Wasser mit Hängematten für die Gäste und einen Steg, an dem die Taxen sofort anhalten können. Direkt an der Anlegestelle für die vielen Boote befindet sich auch die Polizeistation und ein Supermarkt. Dieser wird geführt von der – und ich übertreibe nicht – schlechtgelauntesten Asiatin der Welt. Diese Frau hat den bösen Blick so gut drauf, dass ich das ständige Bedürfnis hatte sie offensiv anzulächeln. Leider ohne Erfolg. Aber ich werde sie und ihre schlechte Laune niemals vergessen.

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Surfen in Bocas del Toro

Wellen Surfen mit karibischem Flair in kristallklarem Wasser – diesen Traum können sich Surfer in Bocas del Toro erfüllen. Allerdings sind die Bedingungen in der Gegend nicht durchgehend so, dass es surfbare Wellen gibt. Als wir in Bocas angekommen sind, gab es erstmal 4 Tage lang gar keine Wellen. Das Meer lag da, wie der perfekte Swimmingpool und ich konnte mir gar nicht mehr vorstellen, dass es jemals anders sein kann. Wir hatten uns gerade an ruhige Nächte gewöhnt, als wir auf einmal davon geweckt wurden, dass laute Wellen direkt vor unserer Hütte an Land klatschten. Der Swell war da. Ich hatte vorher gehört, dass man in Bocas tatsächlich wie ein Pirat surfen kann: Rein ins Boot, hin zur Welle, ins Wasser springen und los. Für einen Bechbreak-Liebhaber und Schisser wie mich, der die Spots in der Region nicht kennt, war das für einen ersten Surftag nach Monaten allerdings keine gute Option. Also haben wir uns ein Board im Ort geliehen und machten eine Wanderung zum Wizard-Beach.

Die Locals hatten uns vorher versichert, dass man nach 15 Minuten dort sei. Wenn man den Weg allerdings nicht gut kennt, ist das Quatsch! Wir waren ungefähr 40 Minuten unterwegs – einmal quer über die Insel durch den Dschungel über einen Trampelpfad. Der Weg ist einsam, etwas gruselig und gleichzeitig sehr besonders: Wir haben zum Beispiel außergewöhnliche Papageien gehört und gesehen. Auf der Insel gibt es außerdem unter anderem Faultiere, Frösche, Brüllaffen und außergewöhnliche Schlangen. Ich bin froh, dass wir mit letzteren keine Bekanntschaft gemacht haben. Als wir am Wizard Beach ankommen, sind wir völlig erschöpft. Die Aussicht hat mich allerdings komplett umgehauen: heller Sand an einem wilden Strand! Im Rücken der grüne Dschungel mit seinen vielen Geheimnissen und vor uns das plötzlich wilde Meer, das eine Welle nach der anderen an Land peitscht. Niemand außer uns hat so früh den Weg bis an diesen Strand unternommen: Der Strand ist komplett leer und ich fühle mich wie im Paradies. Wir rennen ins unwirklich warme Wasser und kämpfen uns durch die Wellen, die heute einen wilden Tanz ohne geordnete Choreographie aufführen: Es sind keine perfekten Bedingungen, aber wir nehmen das Meer wie es ist. Langsam kommen wir wieder in die Surf-Technik rein: Paddeln, Push abwarten, aufstehen… genießen. Nirgends fühle ich mich so wohl wie im Meerwasser.

Facts und Tipps:

  • Fahrt Wassertaxi Bocas Bastimentos kostet 3 Dollar pro Fahrt bei Tag und 5 Dollar, wenn es dunkel ist. Achtung: Angeblich gibt es die ganze Nacht Taxis. Wir mussten morgens um 5:00 allerdings eine halbe Stunde warten bis eins kam.
  • Tolles Café auf Bastimentos: Up in the Hill Coffee Shop and Organic Farm: Café mitten im Dschungel! Der Weg den Berg hinauf lohnt sich sehr: Hier kann man ruhig sitzen, es gibt tolle Limonade und ausgezeichneten Kaffee.
  • Unterkünfte: Bei Airbnb gibt es viele tolle Angebote für Unterkünfte auf Bastimentos direkt am Wasser. Bei Dan haben wir ca. 35 US-Dollar pro Nacht für unsere Hütte mit eigenem Bad gezahlt. Bastimentos eignet sich für alle, die es gern ruhig und entspannt haben und die Natur lieben.
  • Gutes und günstiges Restaurant auf Bastimentos: Chavela Bar & Restaurante – für ein paar Dollar bekommt man hier tolle (Fish-)Burger und gute Drinks
  • Tipp für Trinkwasser: Wenn gerade keine Wasserknappheit herrscht, kann man sich im Ort im Guesthouse von Tio Tom einen Kanister auffüllen lassen. Kosten: 50 Cent
  • Surfen: Besonders für erfahrene Surfer eignet sich die Region Bocas del Toro. Viele Spots sind nur mit dem Boot zu erreichen. Hier gibt es eine Übersicht über Surfspots in Panama. Auf Bastimentos verleihen manche Hostels Surfboards. Diesen Artikel fand ich sehr hilfreich von „Travelonboards“
  • Party: In Bocas-Town wird viel gefeiert. Da gibt es eine Location neben der anderen. Auf Bastimentos im Ort findet man einige Bars. Montags gibt es Live-Musik in Bubba`s bar.
  • Ausflug: Isla Carenero zwischen Isla Colon und Bastimentos ist klein und zauberhaft! Hier gibt es tolle Strände zum Schwimmen, nette Restaurants und wunderschöne kleine Häusschen, wie dieses:
Isla Carenero

Snowboarden im Kleinwalsertal: Ein Traum im Januar

Ich liebe das Kleinwalsertal! Hier habe ich einige Tipps für euch zusammengefasst.

Meine erste Erinnerung an das Kleinwalsertal stammt aus dem Jahr 2001. Damals waren wir mit der Schule mit der gesamten Stufe in Hirschegg im Schöntalhof und seitdem lässt mich das Kleinwalsertal nicht mehr los. Man fährt an Oberstdorf vorbei, sieht die Schanzen vom Skrispringen von weitem und dann geht es langsam ins Tal hinein. Immer weiter den Berg hoch und schon ist man in Österreich. Rechts und links sieht man ein erst ein paar Schlepplifte und dann auch die großen Gondeln – zum Beispiel hoch zur Kanzelwand. Auch wenn es durchaus größere Skigebiete gibt: Für mich ist das Kleinwalsertal von der Größe her ideal und Ende Januar ist es dort – bisher – ziemlich schneesicher.

Für wen eignet sich das Kleinwalsertal?

Man kann hier sowohl Ski- als auch Snowboard fahren und es gibt ausgezeichnete Strecken für Rodler. So gesehen eignet sich das Kleinwalsertal für alle: Anfänger finden hier genügend blaue Pisten und Fortgeschrittene kommen auf den Bergen auf ihre Kosten: Auf 130 Pistenkilometern kann man die unterschiedlichsten Aussichten genießen. Für Familien gibt es außerdem genügend Skischulen, die extra Angebote für Kinder haben.

Ausblick auf dem Walmendingerhorn

Wie komme ich zu den unterschiedlichen Bergen?

Wenn man im Urlaub im Kleinwalsertal wohnt, bekommt man an der Unterkunft eine „Allgäu Walser Card“. Damit kann man im Kleinwalsertal umsonst mit den Bussen von Bergbahn zu Bergbahn fahren. – Und für die Fahrt nach Oberstdorf gibt es damit vergünstigte Tickets. Außerdem gibt es zwischen manchen Bergen Verbindungswege, über die man – vor allem als Skifahrer – einfach von A nach B kommen kann, ohne in einen Bus zu steigen. Eine Übersicht über die Berge und Lifte findet ihr hier: www.kleinwalsertal.com

Ausblick vom Ifen

Welche günstigen Unterkunftsmöglichkeiten gibt es?

Ich würde jedem empfehlen im Kleinwalsertal eine Ferienwohnung zu mieten. – Auch weil man unfassbar viel Geld sparen kann, wenn man vorher in der Heimat einkaufen geht und vor Ort alles für Frühstück und Abendessen dabei hat: Auf den Hütten ist das Essen – auch wegen der tollen Lage – sehr teuer. Es lohnt sich auf der Piste Müsliriegel oder geschmierte Brote dabei zu haben und Abends was leckeres zu kochen. Die Lifte schließen sowieso gegen 16:30.

Mir persönlich gefällt Mittelberg besonders gut, weil man hier einen tollen Blick auf die Dorfkirche und das Tal hat. Aber in jedem der Orte kann man sich die unterschiedlichsten Ferienwohnungen mieten – viele davon befinden sich direkt an der Piste, so dass man sich nur die Skier oder das Board anschnallen muss und schon geht es los. Auch über Airbnb findet man ein paar Schnäppchen. Viele Ferienwohnungen kann man aber vor allem über die Internetseite vom Kleinwalsertal buchen.

 

Ausblick von unserem Apartment in Mittelberg

Was macht das Kleinwalsertal aus?

Im Kleinwalsertal ist das Leben gemütlich und und die Menschen vor Ort sind tolle Unikate. Unser Gastgeber Thomas zum Beispiel geht oft mit seinem kleinen Hund Billie auf der Schulter rodeln. Das sieht dann aus als wäre der Hund eigentlich ein Papagei und jeder erkennt die zwei schon von weitem. Ein unfassbar netter Host, der einem in seinen Ferienwohnungen das Gefühl gibt zu Hause zu sein. Damals nachdem wir mit der Schule im Schöntalhof waren, hat unsere Sportlehrerin auf einmal verkündet, dass die auswandert. Nach Österreich ins Kleinwalsertal. Sie hatte sich nämlich in den Wirt aus dem Schöntalhof verliebt und wollte von nun an bei ihm wohnen. Geschichten, die das Leben schreibt. Ich hoffe, sie sind glücklich geworden. Diese Menschen und die Berge: Der Ifen, die Kanzelwand und das Walmendingerhorn, die alle total unterschiedlich sind, die für mich das Kleinwalsertal ausmachen.

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Karibische Hochzeit im All-Inclusive Hotel in Punta Cana

Eine der besten Freundinnen heiratet in der Dominikanischen Republik in einem All-Inclusive Hotel in Punta Cana und aus aller Welt reisen Menschen an, um dieses Ereignis zu feiern. Eine unvergessliche, großartige Erfahrung – auch wenn meine eigene Hochzeit anders sein wird. Herzensmomente in traumhafter Kulisse und wieviel eine Hochzeit in der Karibik kostet, findet ihr hier.

Die Sonne brennt, klock klock klock. Ich versuche möglichst aufrecht durch die Hotelanlage zu gehen und komme mir dabei verkleidet vor in meinem türkisen Kleid und in den hohen Schuhen. Der Boden ist uneben, ich schaue immer wieder nach unten, um nicht hinzufallen und stelle mir vor, dass ich aussehe wie ein kleines Trampeltier. „Hätte ich nur damals beim High-Heels Training besser aufgepasst“, denke ich und hoffe anzukommen – im besten Fall bevor ich hinfalle.

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Es ist der große Tag für meine Freundin Vanesa. Sie heiratet hier und heute in diesem riesigen Hotel in Punta Cana, in der Dominikanischen Republik. In einem All-Inclusive Resort am glitzer-blauen Meer. Gleich neben Pool, Bar und Animation. Seit ich hier gelandet bin, fühlt es sich an als wäre ich in eine Fototapete gestolpert. Die Natur ist wirklich unfassbar schön: Heller Sand, das türkise Meer und Palmen soweit das Auge reicht. Das einzige was stört sind die vielen Menschen, die sich hier nebeneinander am Strand auf den Liegen sonnen und kleinen Ölsardinen ähneln. Unser Hotel ist eins von vielen All-Inclusive-Resorts in Punta Cana. Und in fast allen kann man auch Hochzeit feiern. Vanesas Familie kommt aus der Dominikanischen Republik. Und ihr Verlobter stammt aus den USA. Deshalb feiern wir heute hier. In den vergangenen zwei Tagen sind Menschen aus der ganzen Welt angereist, um den großen Tag der beiden mitzuerleben. Wir haben gemeinsam Salsa tanzen geübt, am Strand gelegen und am VIP-Pool vor dem Zimmer des Brautpaares gefeiert. Es hat ein bisschen was von einer Luxus-Klassenfahrt, wenn man sich so umschaut. Sobald man die vorgemixten All-Inclusive-Drinks probiert, allerdings schon nicht mehr: Der „Mojito“ schmeckt bestenfalls nach passiertem Minz-Zuckerwasser an billigem Rum. Aber darum geht es nicht. Die Aussicht und die Freunde entschädigen für alles.

Der große Tag

Während ich quer durch die Anlage stöckle, macht sich Aufregung in meinem Magen breit. Es ist soweit. Sie wird wirklich heiraten. Wir haben und bei ihr auf dem Zimmer verabredet, um im großen Moment der Aufregung bei ihr zu sein. Um ihr ins Kleid zu helfen und um fürs perfekte Styling zu sorgen. Vanesa ist allerdings noch lange nicht soweit. Das Zimmer ist leer, ich finde sie im Spa, wo sie für den großen Auftritt geschminkt wird. „Tschaka, bisher nicht hingefallen! Und schade, dass sie nicht im Zimmer bei Sekt gestylt wird“, denke ich und bewundere Vanesa und ihre Mutter wie sie geduldig da sitzen und sich anmalen lassen – natürlich schon 30 Minuten zu spät. Hora latina. Gehört wohl dazu. Kurz darauf warte ich im Zimmer weiter auf die Dame des Tages, als der Bräutigam hereinstolpert. Null gestylt. Er müsse das jetzt schnell machen, sagt er. Mein deutsches Zeitgefühl und ich wir werden etwas nervös. Da bin ich altmodisch: Der Bräutigam darf die Braut auf KEINEN Fall vor der Hochzeit sehen. Aus dem einfachen Grund, dass sonst die Aufregung und die Vorfreude zerstört ist. Während er sich in aller Ruhe seinen Anzug anzieht und darüber nachdenkt welche Socken wohl am besten zu seinem Anzug passen, habe ich das Gefühl aufgeregter zu sein als er. Endlich nimmt er seinen Hut in die Hand und macht sich auf zum Ort der Trauung.

Der wartende Bräutigam

Eine Stunde nach Plan kommt die Braut dann endlich ins Zimmer gerannt und ich bin beeindruckt wie schnell auf einmal alles geht: Rein ins Kleid, straffen straffen, Korsage hinten festziehen und setzen. Schuhe an und fertig. Wir besten Freundinnen bekommen noch Seestern-Klämmerchen ins Haar, die zu Vanesas Haarschmuck passen und es kann losgehen.

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Jede nimmt ein Stück von ihrem Kleid, damit nichts auf dem Boden schleift und dann heisst es wieder: Stöckeln stöckeln nur nicht fallen. Neben uns zwei Fotografen, die den Tag aus allen Perspektiven festhalten. Immer wieder halten wir an: Foto Foto Foto – zum Beispiel auf der Brücke am Pool. Natürlich geht um uns herum das normale Hotelleben weiter. Menschen mit Handtuch in Badehose und Bikini schlendern an uns vorbei, sie sind auf dem Weg zum Strand oder zum Buffet und schauen neugierig rüber zu der Frau, die heute heiraten wird. Welten prallen aufeinander. Ich stelle mir die Situation von außen vor uns muss grinsen.

Die Zeremonie

Die größte Enttäuschung bei dieser angeblichen Strand-Hochzeit: Der Ort der Zeremonie. Ich war mir vorher so sicher gewesen, dass wir einen feinen kleinen Pavillon am Strand haben würden, wo die Trauung stattfindet. Schließlich hatte ich das so schon in amerikanischen Filmen gesehen. Aber nein. Diese Hochzeit findet mitten im Herz der Anlage statt. In einem Pavillon am Main-Pool – wo an diesem Nachmittag die Miss Bikini gewählt wird.

Nach einer langen Wanderung quer durch die Anlage übergeben wir Vanesa an den Arm ihres dominikanischen Vaters. Showtime.

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Wir sitzen auf weißen Klappstühlen rund um den Pavillon und da läuft sie ihrem neuen Leben entgegen. Mit festen Schritten. Sie weiß was sie tut, das sieht man ihr an. Und genau das erfüllt mich in dem Moment mit Stolz und Freude. Man sieht dem Bräutigam an, dass er lange gewartet hat. – Dort in der Hitze, während sie gestylt worden ist. Aber jetzt sieht er beruhigt aus. Sie hat es sich nicht anders überlegt. Natürlich nicht.

20161203-IMG_9689Ein Dominikaner hält die Zeremonie in gebrochenem Englisch. Ich wünschte er hätte Spanisch sprechen und emotional werden dürfen. Aber darum geht es nicht. Vanesa strahlt mit sich selbst um die Wette und es ist ein Geschenk sie dabei anschauen zu dürfen. So glücklich habe ich sie in all den Jahren nicht gesehen. Nach zwei Bekenntnissen und „Yes I do“, sind die beiden verheiratet.

Eine Frau im Bikini hat extra ihre Liege umgedreht, um zuschauen zu können – jetzt weint sie vor Glück. Alle freuen sich mit den beiden, gratulieren und schmücken das Brautpaar mit Seifenblasen.

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Das ging fast ein bisschen zu schnell, aber auf einmal höre ich wieder die Musik der Animation und bin froh, dass wir nun an den Strand gehen, um da die ersehnten kitschigen Hochzeitsbilder zu machen. Wir ziehen unsere hohen Schuhe aus und springen durch den Sand, wie kleine Mädchen. Der Fotograf macht einen fantastischen Job und nimmt sich alle wichtigen Fotokonstellationen vor bevor die Sonne für heute verschwindet. Dieser Moment bleibt: Auf Fotos und in unseren Herzen – in der Erinnerung. Ich halte kurz inne, blicke aufs Meer und freue mich über so viel Schönheit durch Liebe und Natur, dass es sich anfühlt als würde ich platzen.

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Der Abend

Die Hochzeitsfeier findet in einem der vielen Restaurants des Hotels statt, das wir an diesem Abend nur für uns allein haben. Wir dürfen uns einen Platz an runden Tischen suchen. Das Brautpaar sitzt vorne an einem Tisch zu zweit. – Für alle gut zu sehen, auf dem Präsentierteller. Zwischen Wein und drei Gängen an leckerem Essen verfliegt die Zeit. Vanesas Bruder spielt Songs auf der Gitarre und schließlich steht die Braut selbst auf und schmettert einen Liebessong für ihren Bräutigam. In den Augen der Gäste ist Überraschung zu sehen: Offenbar wussten nur wenige, wie toll sie singen kann. Jetzt ist der Moment gekommen: Ich kämpfe mit den Tränen, denn ich bin unfassbar gerührt. Und Musik bringt mich eh schnell zum Weinen. Als der Brautstrauß geworfen wird, bin ich deshalb gar nicht richtig bei der Sache. Ich fange ihn nicht. Vanesa schimpft hinterher, sie habe ihn extra in meine Richtung geworfen. Es hat nicht sollen sein. Eine andere war schneller. Aber wer muss schon einen Brautstrauß fangen.

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Danach bringt uns Vanesas lateinamerikanische Familie bei wie tanzen wirklich geht. Ein Onkel kann zu jedem Latino-Song eine Choreographie. Wirklich außergewöhnlich und schön anzusehen. Nur eins hat bis hier gefehlt: Ein paar Worte über das Brautpaar. Ich persönlich bin großer Fan von Reden: Für mich ist es ausgezeichnet, wenn Worte über die Verliebten ausgepackt werden. Das muss auch keine lange Rede sein. Einfach eine Anekdote. Der Stiefbruder des Bräutigams bricht schließlich das Eis und spricht den ersten Toast. Es folgen weitere Worte von Freunden aus den USA – vor allem vom Bräutigam. Ich fasse mir schließlich ein Herz und gehe vor, obwohl ich Schiss davor habe Englisch zu reden vor all den Amerikanern. Aber egal. Wenn du weißt: Wenn du jetzt nicht gehst, wirst du es bereuen. Ich schlucke den Kloß im Hals runter und sage ein paar Sätze: Über Vanesas und meine Zeiten im Studium, als wir bei Kakao zusammengesessen und regelmäßig unsere Herzen zusammengeflickt haben. Über den Mut der beiden, den ich sehr bewundere. Ich wünsche ihnen, dass die unwirkliche Schönheit dieser Tage der Hochzeit in der Dominikanischen Republik sie immer begleitet und ihnen Glück bringt. Zu zweit.

Am Ende des Abends steht fest: Diese Reise, um zwei Liebende bei ihrer Hochzeit zu begleiten, hat sich gelohnt.

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Facts:

Kosten für so eine Hochzeit im Hotel kann stark variieren. – Je nach Paket, das man bucht. Diese Hochzeit mit 70 Gästen hat rund 5000 US-Dollar gekostet (inkl. Übernachtungen des Brautpaares im Hotel, Zeremonie, Essen, Kuchen, Cocktailempfang, Häppchen etc – ohne Fotograf, Kleidung, Flüge)

Hier lest ihr im Artikel der Braut, wie sie das organisiert hat:

How to have a dream wedding for 5k

  • Hochzeiten im Hotel lohnen sich vor allem für internationale Paare, um Menschen aus aller Welt zusammenzubringen
  • Wir haben im Be Live Hotel Punta Cana gefeiert. Die Braut kann sehr gut handeln und hat gute Preise für die Zimmer der Gäste ausgehandelt
  • All-Inclusive ist nicht jedermanns Sache und heisst oft nur so. Vieles kostet am Ende extra – in unserem Fall zum Beispiel das WLAN
  • Besonders toll sind die Erinnerungsfotos am Strand mit paradiesischer Kulisse

Fotos: Raphael Timm & Gregory Martinez

Dominikanische Republik: Macao – das etwas andere Punta Cana

Wir lassen Playa de Bavaro rechts liegen und fahren Richtung Norden. Rechts von uns eine Hotelanlage neben der anderen am Meer. Die Oasen, wo die Pauschaltouristen den Alltag vergessen und ihren Jahresurlaub verbringen. Was hat Punta Cana noch zu bieten? Psssst! Einiges!

Wir sehnen uns nach Stränden ohne tausend Liegen, mit weniger Menschen und mehr Natur. Nach 20 Minuten biegt das Auto ab, wir fahren durch ein kleines dominikanisches Dorf und plötzlich ist alles anders: Am Straßenrand kleine Wellblech-Häuser. Essensbuden am Straßenrand und viele Kinder, die auf der Straße spielen. Das ganz normale Leben – nur eben auf dominikanische Art. Noch sind wir aber nicht am Ziel. Kurz darauf biegen wir noch einmal ab und rumpeln über eine unbefestigte Straße weiter – vorbei an grünen, roten und pinken Häusschen – bis wir an ein paar hellblauen Wellblechhäusern ankommen. Wir sind am Ziel. Hier befindet sich das Macao-Beach-Hostel: Mitten im Grünen, mit Blick auf Bäume, Wiesen und Kühe. Vor der Tür chillt ein Hund in der Sonne und ein Hahn patroulliert durch den Garten. Wir waren keine halbe Stunde unterwegs und doch fühlt es sich an, als wären wir auf einem anderen Planeten gelandet. Das Hostel ist einfach, aber eine perfekte Oase für alle, die abseits vom Massentourismus leben wollen. Gastgeber Andrés heißt uns willkommen, zeigt uns den Aufenthaltsraum, unsere Unterkunft und erklärt uns den Weg zum Strand.

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Unsere Unterkunft

Wir wohnen außerhalb vom Hostel in einer kleinen Wohnung. Allerdings darf man sich hier keinen Luxus vorstellen: Wir schlafen auf einer Luftmatratze, in der Küche gibt es fast kein fließendes Wasser und die Temperatur des Wassers im Bad ist wetterabhängig. Aber dafür ist man eben genau da, wo die Menschen leben – weit weg von den Touristenzentren.

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Hier kann man eine andere Seite der Dominikanischen Republik kennenlernen: Das Leben auf dem Land. Es ist kein Leben in einem richtigen Apartment. Es fühlt sich eher an, als würde man in einem großen Zelt wohnen: Nachts fegt der Wind durch die Ritzen am Fenster und morgens werden wir von Hähnen geweckt und dann sitzen wir auf unserer kleinen Veranda auf Campingmöbeln und gucken ins Grüne. Wie beim Campen gewöhnt man sich schnell an die Nächte auf der Luftmatratze. Wenn man keine Lust hat in den Supermarkt zu gehen, kann man da einfach anrufen und bestellen. Schon bald kommt der Lieferdienst auf dem Motorrad angefahren und bringt einem die Waren vorbei. Ganz besonders hier war für mich, dass die Anwohner sich und auch uns als Besucher immer total herzlich gegrüßt haben jeden Tag aufs Neue. Wir haben uns sehr wohl gefühlt.

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Der Strand

Zum Strand laufen wir knapp 20 Minuten, raus aus dem Ort, an der Straße entlang und dann über den Hügel – bis man das Meer sieht. Die Belohnung. Ich bin richtig geflasht, als ich den Strand von Macao zum ersten Mal sehe.

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Das Markenzeichen der Dominikanischen Republik ist wieder da: Palmen soweit das Auge reicht. Und dazu ein wilder Strand. Mit Büschen, kleinen Buden und ein paar Surfboardverleihs. Außerdem kleine Restaurants mit Holztischen im Sand, wo man frischen Fisch essen oder Bier trinken kann. Der Strand ist das Gegenteil der anderen Strände, die wir in Punta Cana kennengelernt haben, weil er sich etwas Ursprüngliches bewahren konnte. Das einzige, was die Schönheit an diesem Strand trübt, sind die Busse, die immer wieder Tourigruppen ausspucken. Eine Stunde lang bleiben sie am Strand und machen Bilder mit einem Papagei – und danach eine Tour mit einem Sand Buggy. Aber danach sind sie immer wieder schnell weg und die Ruhe kommt wieder.

Wir trinken ein Bier, schauen aufs Meer und können es nicht fassen, dass wir hier etwas gefunden haben, was dem Paradies – so wie ich es mir vorstelle – ziemlich nah kommt. Endloses blaues Wasser, wilde Palmen und weicher Sand, der unseren Füßen schmeichelt und dazu viel Platz. Immer wieder tollen wir durch die Wellen wie Kinder, die zum ersten Mal das Meer sehen. Hinterher leihen wir uns Surfboards und freuen uns über die kleinen grünen Wellen, die uns gnädig bis an den Strand tragen. Hier können wir uns einmal fühlen wie ganz große Surfer. Aber darum geht’s nicht. Es ist dieses einzigartige, unvergessliche Gefühl, das sich in einem breit macht, wenn man eine Welle bekommt. Auf einmal fühlt es sich wieder an als könne man fliegen. Es ist praktisch eine Gefühls- und Glücksexplosion auf einmal.

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Nach stundenlangem Surfen kommen die Fischer von ihrer Tagestour wieder und bringen den Restaurants den frischen Fisch. Da feststeht, dass die Sonne bald weg sein wird, geben wir die Boards zurück und setzen uns in eines der kleinen Restaurants. – An einen Tisch am Strand, und wir genießen den Fisch und die frittierten Bananen. Und es ist kein Scherz: Währenddessen geht die Sonne unter. Beim Schreiben find ich es selbst ein bisschen übertrieben, aber genauso perfekt war es. Für mich ist der Strand von Macao einer der schönsten, die ich bisher kennenlernen durfte.

 

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Facts:

Unterkunft: Macao Beach Hostel

Preis Essen am Strand: ca 10 Dollar für einen großen Teller frischen Fisch.

Boardmiete: 10 Dollar für eine Stunde. Handeln lohnt sich.

 

Lieblingsstrand in Portugal: Praia de Odeceixe

Verwöhnt durch die unendliche Schönheit der Costa Vicentina machen wir uns auf den Weg zu einem neuen Surfstrand. Ich habe dieses Gefühl: „Mal sehen, was da kommt! Viel besser kann es ja eigentlich eh nicht werden. Aber kann ja nicht schaden.“ Und es wurde alles noch viel besser.

Portugal meint es gut mit uns. Das Land vereint ungefähr alles, was ich mir von einem Reiseziel wünsche: Viel Küste, Surfkultur, aufregende felsige Natur und eine ausgezeichnete Kaffeekultur. Das einzige was mir fehlt ist „Portugiesisch“. „Sollte ich wohl noch lernen,“ denke ich als wir das Auto auf einem Parkplatz hoch oben auf einem Felsen abstellen, um „mal kurz die Lage zu checken und dann entscheiden wir, ob wir da bleiben.“ Auf einer steilen Straße laufen wir auf ein paar Häuser zu, die an den Felsen hängen. Allesamt mit großartigem Meerblick – nur wir können den Strand noch immer nicht sehen. Wir laufen fast bis unten, bis wir endlich überblicken können, was uns hier erwartet: Dieser Strand ist zur Abwechslung nicht unendlich lang aber dafür sehr tief. – Denn bei Ebbe ist hier besonders viel Platz. Begeistert sehen wir die kleinen grünen Wellen auf den Sandbänken brechen und fest steht: „Gut, dass wir hier noch geschaut haben!“ Da wo der Strand endet, ist ein Fluss, der hier zu einer breiten Lagune wird. Das macht den Strand noch paradiesischer. Auf der Seite des Meeres – Wasser, auf der rechten Seite – Wasser durch den Fluss und im Rücken Wasser durch die Lagune. Auf der anderen Seite hängt das kleine Dorf an den Felsen. Ein traumhafter Ort. Unten am Strand, leihen wir uns Surfboards für den ganzen Tag. Planschen, liegen, surfen. Hier könnte ich ewig bleiben. Die Lagune ist perfekt für alle, die ein Stand-Up Paddle ausprobieren, oder einfach schwimmen wollen. Im Meer bringen ein paar Surflehrer ihren Schülern bei, wie sie sich am besten auf ihr Board stellen können und davor tronen 3 Lifeguards in ihrer Burg. Kein Witz – diese Guards bauen sich jeden Tag aufs neue eine Sandburg, auf der sie auch bei Flut sitzenbleiben können. Das waren übrigens die nettesten Lebensretter, die ich jemals an einem Strand kennengelernt habe. Die erklären und geduldig die Strömungen im Wasser und als wir surfen, feuern sie uns an und freuen sich mit uns über jede Welle, die wir erwischen.

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In einer Surfpause mache ich einen Strandspaziergang und laufe endlos durch den warmen Sand. Es gibt Stellen, da ist er komplett unberührt und ich kann neue Spuren hinterlassen. Ich setze mich hin, fühle wie die feinen Sandkörnchen durch meine Finger rinnen und versuche den Moment in meinem Kopf einzufrieren. Bitte geh nicht. Es ist perfekt. Wüsste ich wie man meditiert, ich würde es tun. Ich danke dem Moment und dem Ort auf meine Weise und sitze lange für mich alleine im Sand. Diese Situation werde ich mir noch zurück in den Kopf rufen, wenn es kalt und nass und fies ist in Deutschland – irgendwann im grauen Winter.

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Auch in diesem Urlaub habe ich beim Surfen wieder viel mit der Angst zu kämpfen gehabt. Aber an diesem Strand in Odeceixe, wachse ich endlich wieder über mich hinaus. Ist es der Ort? Oder einfach, weil ich wieder „eingesurft“ bin und mich daran gewöhnt habe. Ich weiß es nicht, aber ich wünsche mir, dass es eine Mischung aus beidem ist. Die Welle baut soch hinter mir auf und ich merke: Ich bin genau am richtigen Ort. Mit den Augen fixiere ich den Strand, der mir schon so viel Freude bereitet hat, und fange an zu paddeln. „Nicht aufhören“, befehle ich mir. „Nicht nach hinten schauen – das macht dir nur Angst. Weiter, immer weiter“ Immer wieder, bis ich den Push spüre und ohne, dass ich merke wie genau, stehe ich auch schon auf dem Board, neige es leicht nach links und da ist es wieder: „Ich kann fliegen“, keine Ahnung, ob ich das nur gedacht oder geschrien habe. Ist egal. Der Ozean, die Wellen, die er mir geschenkt hat und ich. Wir sind eins für diesen einen Moment. Und der ganze Alltag, all das, was einen abends belastet, ist weit weg. Die Natur – und vor allem das Meer – hat eine unfassbarere Kraft, die die alltäglichen Problemchen verblassen und klein werden lässt. „Das hier ist es, was zählt“, denke ich noch Stunden später, als wir in einem Restaurant auf dem Hügel von Odeceixe sitzen und ausgezeichnete, gegrillte Dorade genießen, während die Sonne ins Meer eintaucht und sich bis morgen verabschiedet.

P.S. Wir haben hinterher festgestellt, dass der Ort uns so geflasht hat, dass wir fast vergssen haben Fotos zu machen. Es gibt nur diese paar. Aber glaubt mir: Es ist zauberhaft.

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Geschichten aus Barcelona

Zum ersten Mal traue ich mich im November nach Barcelona. Koffer packen kommt mir diesmal besonders schwierig vor. Winterjacke? Die App sagt für die kommenden Tage 20 Grad voraus. Aber irgendwie kann ich mir das nicht vorstellen und packe einen Mantel ein. Kommt mit nach Barcelona im Herbst.

Es ist viel zu lange her, denke ich, als ich aus dem Flugzeug steige. Vor zwei Jahren war ich zuletzt hier. Gibt es wohl noch…? Ist es so wie bekannt und geliebt? Sind vielleicht diesmal weniger Touristen da? Noch während ich das denke, fange ich an zu kichern. Das ist Quatsch. Jeder weiß, dass Barcelona zum Dauertrendziel Europas geworden ist. Wer keine Menschen mag, ist hier falsch. Insgesamt war ich inzwischen sehr oft in Barcelona. Ich nenne euch keine genaue Zahl, weil ich nicht sicher bin. Aber fest steht: Viele Geschichten rund um die Stadt haben sich in meinen Kopf gebrannt und mischen sich nun bei jedem neuen Besuch mit den neuen Geschichten.

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Wir steigen in Paral.lel aus der Metro. Unser Airbnb befindet sich im Viertel Poble Sec. Das Viertel hatte ich bisher nicht auf dem Schirm, bin aber sofort begeistert von vielen kleinen Tapas-Bars und Plätzen. Eine echte Entdeckung! Früher war dieses Viertel einmal ein Industriegebiet. Drei Schornsteine von einem Stromversorger erinnern noch heute daran. Ansonsten ist von dem einst „ausgetrockneten Dorf“ nicht viel geblieben. Es befindet sich inmitten des Häusermeeres Barcelonas, am Fuße des Montjuics. Von hier aus können wir laufen: Ins Raval, ins gotische Viertel… oder an den Strand. Klar, man kann inzwischen auch Rikscha fahren, Segway, E-Roller oder mit einem dieser roten Touristenbusse. Aber das ist nicht mein Ding. Zu Fuß zeigen sich so viel mehr Geheimnisse in einer Stadt. Man kann anhalten. In kleine Innenhöfe gehen. Sich umdrehen, die Perskektive ändern und auf einem der vielen malerischen Plätze Pause machen und sitzen. Zu Fuß erschließt sich die Identität dieser Stadt, in der viele Nationalitäten Zusammenkommen. Wir laufen zickzack durch kleine, einsame Gassen im Raval – vorbei an Jungs, die den ganzen Tag vor ihrer Haustüre sitzen, wie Türsteher. Wir passieren Handyshops, Gemüseläden und Geschäfte, in denen es einfach alles gibt. Und dann sind da plötzlich moderne, stylishe Bars, neben alten urigen Cafés an der Rambla del Raval. Und dazu strahlender Sonnenschein.

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Eins der schönen Cafés im Raval

Der Herbst hat die Bäume bunt gefärbt und lässt sie gelbe, orange Blätter auf die Straßen regnen. Barcelona ist wie dieser Freund, der auch nach Jahren neue Geschichten zu bieten hat, die man bisher noch nicht gehört hat. Jedes Mal finde ich hier neue Plätze, neue Perspektiven und neue Aussichten. Beim Tapas essen im Poble Sec erklärt uns der Kellner, dass es keine Karte gebe. Er sei die Karte und überhaupt: Am besten solle man Bier trinken. Wir hören auf ihn und essen viele kleine Happen, also Pinchos, die uns von der Theke anlachen. Beim Essen erinnere ich mich an einen Barcelonaurlaub, als wir in einem Hostel in der Nähe der Pl. Reial untergekommen sind. – Eins dieser Hostels, wo du deinen Namen auf das Essen schreibst, wenn du es in den Kühlschrank stellst.

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Am nächsten Morgen war das Essen weg. Im Kühlschrank lagen dafür gelbe Klebezettel mit Entschuldigungen drauf: „Person X habe Probleme. Sorry. Bitte morgen den Kühlschrank checken, dann läge da Geld drin“. – Es stand kein Name dabei und doch wussten wir gleich, wer es war. Das dünne, junge Mädchen aus unserem Dorm, die allein auf Weltreise war. – Und jeden Abend Party machte. Ihren Namen habe ich vergessen. Aber manchmal denke ich noch heute an sie. Hat sie wohl noch immer Ess-Anfälle? Reist sie noch? Und erinnert sie sich an Barcelona? Ich hoffe es sehr. Das Geld hat sie uns übrigens wirklich wiedergegeben. Und eine Erinnerung für immer.

Barcelona: viele Brauntöne und Gassen. – Dunkle Gassen, bei denen du nie genau weisst, wohin sie dich bringen. Und welche Geheimnisse sich darin verbergen. – Oder welche ausgezeichneten Bars. In manchen Nächten im Sommer 2010 sind wir einfach von Platz zu Platz gezogen und haben gesessen, gesungen, geredet, die Welt verbessert. – Unter dem Einfluss von Dosenbier. Unfassbar. In jenem Sommer haben wir auch besonders viel Zeit im Park und an den Stränden verbracht, weil wir tagsüber zu nichts anderem in der Lage waren.

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Der Strand im Herbst

Besondere Magie haben auf mich seit jeher die Bauten von Gaudí. Der Besuch im Park Güell kostet inzwischen Eintritt. – Man sollte die Ticktes am besten vorher online kaufen. Aber solange diese außergewöhnliche Parkanlage dadurch geschützt wird, ist es mir das wert. Der Park ist zwischen 1900 und 1914 gebaut worden und strahlt so viel Farbe, Verspieltheit und Freude aus, dass ich mich dort fühle wie Alice im Wunderland. Wie gern würde ich mich hier allein hinsetzen und bei dieser Aussicht über die Stadt bis hin zum Meer ein Buch lesen. Leider sind überall Menschen, die versuchen ein bis hundert schöne Bilder zu schießen. Kein Vergleich zu den Aufnahmen aus Filmen wie „L’Auberge Espagnole“ und trotzdem komme ich immer wieder. Diese Architektur ist einfach atemberaubend.

Und dann gibt es da die Geschichte der „Bar 7“. Ich kann euch die Adresse googeln, wenn ihr mögt. Aber ich kenne sie nicht. Die Bar 7 kenne ich seit dem Jahr 2012. Wir waren in einem furchtbaren Hostel in einem Dorm mit 12 Menschen untergekommen. Und Abends kamen da immer selbsternannte Partyexperten vorbei, um die willige Crowd durch Barcelona zu treiben und in große Discos zu schleppen. Wer mich kennt: Das ist überhaupt nicht mein Ding. Aber schön zu sehen: Oft denken sich Menschen, die keinen Job haben hier einfach einen aus. Wie praktisch! Ich hab mich damals kurz mit dem Typen, also dem Partyreiseführer unterhalten. Er war Ende zwanzig und kam eigentlich aus Rumänien. Aber damals feierte er für eine Weile das Leben in Barcelona. Ich erklärte ihm, das ich gern weggehen würde. Aber nicht in einen großen Club, sondern lieber in eine Bar. Gerne urig. Gerne ranzig und normal. Und da erzählte er von der Bar 7. Zur Placa Reial. Und dann abbiegen und dann izquierda, izquierda, izquierda. Also links, links, links. Er hatte nicht zu viel versprochen: Wir haben eine kleine Bar gefunden – gleich neben drei Pollern, die inzwischen rot angemalt worden sind. Warum – keine Ahnung. In der Bar bediente ein Mexikaner und machte mir eine starke Michelada. Im Hinterzimmer spielte eine Band. Perfekt. Jedesmal laufe ich nun durch Barcelona bis ich diese Bar wiedergefunden habe. Es gibt sie noch – und allein das liebe ich.

Barcelona: Eine Stadt voller Geschichten, Menschen, die kommen, eine Zeit bleiben und wieder gehen. Für mich ist und bleibt die Stadt eine der schönsten Europas. Hier fühle ich mich wohl. – Denn Unvollkommenheit gehört hier zum guten Ton.

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Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Portugal: Die schönsten Surf-Strände an der Algarve

Im kleinen Mietwagen rollen wir über endlose Landstraßen in Richtung Süden. Unser Ziel: Surfen und Ruhe. Irgendwo – am besten im Nirgendwo. Da wo man wirklich seine Gedanken hören kann. In diesem Artikel nehme ich euch mit an die schönsten Strände Portugals.

Das erste Ziel: Ein Eco-Apartment in Carrapateira. Dieser Ort ist so klein, dass man ihn leicht übersieht. Ein paar weiße Häuser und eine Windmühle am Hang – irgendwo im Naturpark Costa Vicentina. Ein kleines Fischerdorf, allerdings nicht direkt am Meer, sondern geschützt durch ein paar Dünen. Unsere Unterkunft liegt an der Straße. Liebevoll eingerichtete Wohnungen – perfekt für Naturliebhaber und Surfer. Hippieflair liegt hier in der Luft – der Vibe von: Was braucht man schon? Ein bisschen Meer, ein paar Wellen, ein Bett zum Schlafen und alles ist gut. Wir schlafen lange, frühstücken ausgiebig und entscheiden uns dann für einen der Strände, um aufs Meer zu schauen oder zu surfen. Ohne Mietwagen ist es schwieriger die Gegend zu erkunden, aber wir haben Menschen kennengelernt, die jeden Tag zu Fuß ein paar Kilometer an den Strand gelaufen sind. Es ist also durchaus möglich. Von hier aus haben wir drei Strände lieben gelernt.

Bordeira

Praia da Bordeira

Was für ein unglaublicher und endloser Strand. Auf den Felsen kann man seine gesamte Schönheit genießen. Das ist der Ort, an dem ich in diesem Urlaub zum ersten Mal Schmerzen in der Brust hatte. – Diese Schmerzen bekomme ich immer dann, wenn ich es zu schön finde. – So schön, dass ich es nicht mehr aushalten kann. Ein wilder Strand, direkt an einem Fluss und der bildet kurz vor dem Meer eine Lagune. Rings herum die rauen Felsen, die einem an der Küste immer wieder begegnen. An diesem Strand ist Platz für alle, die sich hierher verirren: Surfer, Familien, Pärchen… Endlos viel feiner Sand, eine Strandbar, wo man sich Surfboards leihen kann und daneben sitzen zur Sicherheit ein paar Lifeguards. Um ans Meer zu kommen, muss sich jeder die Schuhe ausziehen und durch die Lagune waten. Man muss sich den Strand praktisch verdienen. Geflasht sitze ich hinterher stundenlang im warmen Sand, lasse mir vom Wind das Haar zerstrubbeln und schaue auf das Meer und die Sets, die sich immer wieder den Weg auf uns zu bahnen.

Platz für alle

Facts:

  • Parkplätze (auch für Camper)
  • Strandbar und Surfverleih
  • Lifeguards
  • Platz
  • Lagune

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Praia do Amado

Für alle, denen es an der Praia da Bordeira etwas zu einsam war, ist dieser Surfstrand perfekt. Hier werden alle feuchten Surferträume wahr. Ein langer Strand, umarmt von Felsen und überall Surfer und Camper. Von Strandbars aus, kann man den Profi-Surfern dabei zuschauen, wie sie über die Wellen gleiten. Wir leihen uns ein paar Boards und wollen sofort selbst ins Wasser. Die Lifeguards erklären uns von sich aus, worauf wir im Wasser achten müssen. Das ist mir bis dahin auch noch nie passiert. Wir planschen und paddeln bis uns die Kräfte verlassen. Allerdings sind wir hier nie allein im Wasser – hier lernen immer viele Menschen surfen, da es in der Gegend ein paar Surfcamps gibt. Macht aber nichts, das Meer ist für alle da und ich werde definitiv wiederkommen. An der Praia do Amado riecht alles nach Surfertraum und hier kommen Surfer jeden Levels auf ihre Kosten.

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Facts:

  • Mehrere Surfverleihs und Surfschulen
  • Strandbars
  • Toiletten
  • Lifeguards
  • Parkplätze (auch für Camper)

Praia do Beliche

Als die Wellen an der Westküste zu groß für uns werden, machen wir einen Ausflug in die Region Sagres. Durch einen Zufall halten wir Nahe der Praia do Beliche – „um mal eben einen Blick da runter zu werfen.“ Der Weg zu diesem Strand führt über eine lange Treppe ans Wasser. Man muss ihn sich verdienen. Zwei Minuten später sind wir mehr als begeistert. Denn wenn die Wellen im Westen zu groß werden, sind sie im Süden gerade groß genug für uns: Kleine grüne Wellen, die unaufhörlich an den Strand rollen und vielen Surfern Spaß machen. Leider suchen wir vergeblich nach einem Surfrental und müssen uns eingestehen, dass wir hier nicht surfen werden. – Diesmal nicht. Aber nächstes Mal ganz sicher.

Facts:

  • Parkplatz
  • Strandbar
  • Spot funktioniert nur, wenn die Wellen im Westen sehr groß sind. Wellen brechen allerdings nah am Strand.
Beliche

Etwas weiter nördlich:

Unsere nächste Unterkunft befindet sich ein paar Kilometer weiter in Richtung Norden. Ich gebe zu, wir hatten gedacht, dass es nicht mehr ruhiger werden könnte. Aber auf einmal standen wir vor unserer Wohnung in Rogil. Ein Apartment in einem großen freistehenden Haus auf einem riesigen Grundstück mit See und Blick bis zum Meer. „Es geht doch immer noch besser“, denke ich und tanze über das Gelände. Niemand sonst ist im Haus – wir verbringen vier Nächte in der schönsten Einsamkeit. Zwei Mal pro Tag kommt gefühlt ein Auto vorbei. Das wars. Kurz überlegen wir, ob wir nicht einfach einen ganzen Tag in dieser Unterkunft verbringen sollten. Aber die Sehnsucht nach Wellen war stärker. Diese Strände kann ich jedem weiterempfehlen. Ich bin allerdings auch sicher, dass es an der Küste noch einige mehr gibt, die ich in den kommenden Jahren noch finden muss.

Praia da Amoreira

Dieser Strand ist auch wieder endlos und lang. An einem Surfrental sitzen entspannte Surfmenschen und lassen sich die Sonne ins Leben scheinen. „Warum eigentlich nicht?“, denke ich und träume von meinem Leben am Strand. Heller Sand – soweit das Auge reicht und der Atlantik glitzert so einladend, dass wir immer wieder reinspringen wollen.

Facts

  • Parkplatz
  • Strandbar
  • Surfrental
  • Lifeguard
Odeceixe

Praia de Odeceixe

Dieser Strand hat mir für immer mein Herz gestohlen. Ich bin sicher, an dieser Küste gibt es für jeden einen Strand, der ihm alles geben kann. Bei mir war es bei Odeceixe Liebe auf den ersten Blick. Wenn man am Parkplatz ankommt, sieht man erstmal ein kleines portugiesisches Dorf, das sich an die Felsen klammert. – Ein Ort der eine große Gelassenheit ausstrahlt. Am Ende der steilen Straße beginnt der riesige Strand, der von einem Fluß umgeben ist. Das heißt: Man kann hier surfen, Stand-up paddeln, schwimmen – alles was man will. Hier kommt wirklich jeder auf seine Kosten. Besonders für Anfänger ist dieser Strand geeignet, weil es mehrere Sandbänke gibt. Das Wasser schiebt sich also endlos flach auf den Strand zu. So kann man ganz einfach üben die ersten Wellen zu erwischen, ohne endlos im tiefen Wasser paddeln zu müssen. Abends kann man vom Ort oder von einem der ausgezeichneten Fischrestaurants aus den Sonnenuntergang anschauen. Das war bei mir einer der Momente, wo ich mich kneifen musste, um sicherzugehen, dass ich nicht träume.

Facts:

  • Strandbars
  • Toiletten und kalte Duschen
  • Restaurants
  • Parkplätze (auch für Camper)
  • Lifeguards
  • Surfschulen
  • Surfrentals

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Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier