Lissabon – Aussicht en masse

Wenn es ein Rezept gäbe für Städte, damit man sie sich nach Lust und Laune kochen und zurechtzaubern kann, dann wären meine liebsten Zutaten: Nähe zu Wasser, Hügel, Aussichtspunkte, bunte Häuser, Treppen und schmale Gassen. Ein Glück, dass es einige dieser Städte schon gibt. Man muss nur hinfahren und sich in die Gassen fallen lassen. Lissabon hat bei mir tiefe Abdrücke im Herzen hinterlassen. Aber ein Auto nehme ich dahin nicht mehr mit.

Schon lange bevor ich Lissabon kennengelernt habe, hatte ich das Gefühl, dass mir die Stadt gefallen könnte: Hügel, Wasser, Gassen, bunte Kacheln an den Häusern. Mag ich.

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Inzwischen war ich zwei Mal dort. Diesmal hatten wir die dämliche Idee unser Gepäck erst mit dem Auto zu unserer Ferienwohnung zu bringen. – Quer durch die Altstadt. Ich bin schon auf dem Beifahrersitz durchgedreht. Zum Glück musste ich nicht fahren. Autos von allen Seiten, vor einem schießen plötzlich Poller aus dem Boden und überall Menschen. Als wir schließlich kurz in einer „Parkgasse“ gehalten haben, um unsere Rucksäcke nach oben zu bringen, haben wir schlussendlich verstanden, warum man dort nur ein Auto besitzt, wenn man muss: Huuup Huup drang es nach oben. Die Parktaschen sind nämlich so gebaut, dass man gar nicht anders kann: Man parkt sich immer gegenseitig ein. Das Prinzip also: Möchte jemand spontan raus, startet er ein Hupkonzert, bis der Fahrer am Auto ist und es aus der Gasse hinausfährt und so Platz macht. Verrückt. Aber gängiges Prinzip. Ihr könnt euch also vorstellen, wie froh wir waren, als wir das Auto abgegeben hatten und Lissabon zu Fuß entdecken konnten.

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Ein bisschen unpraktisch, aber leider zu schön

Lissabon. Beim Spaziergang durch das Gassenmeer werden wir immer wieder mit atemberaubenden Ausblicken belohnt. Es ist eine der Städte, wo ich mir nie ein Ziel vornehme. Alles ergibt sich unterwegs. Wer hier Zeit hat und sich treiben lässt, sieht unendlich viel. Nicht nur die Streetart hat es mir angetan. Die vielen unterschiedlich gefliesten Häuser strahlen mit bunten Mustern in der Sonne. Treppe rauf, Gasse runter, stehen bleiben, umdrehen, inne halten und da ist er wieder: Der Ausblick bis runter zum Wasser. Wahnsinn. Natürlich ist es keine praktische Stadt, wenn man mal viel zu tragen hat oder so. Aber die vielen alten Gebäude sind einfach schön. Für einen Städtetrip – Unschlagbar. Lissabon ist der perfekte Ort für Träumer und Querdenker. Für Menschen, die sich gern auf eine Bank setzen, die Aussicht genießen und dabei wilde Ideen in ihr kleines Heft kritzeln. Wir klettern den Berg rauf, immer weiter, bis wir eine ausgezeichnete Aussicht haben: Unter uns das orangene Dächermeer, weit hinten das Wasser und die Brücke, die einen immer an San Francisco erinnert. Das ist übrigens kein reiner Zufall. Die Brücken wurden von der gleichen Firma gebaut.

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Ich denke mir: „Besser kann die Sicht ja wohl nicht werden“, drehe mich um und sehe einige Meter weiter oben noch einen Aussichtspunkt (Mirador). Wir keuchen und gehen weiter bis wir endlich oben sind. Jeder Ausblick hier belohnt einen und schon sind die schmerzenden Füße vergessen. Wir sitzen kurz im Schatten unter einem Baum und versuchen den Ausblick mit unseren Augen abzufotografieren. Ich hoffe immer, dass er so für immer bleibt.

Wohnen in der Altstadt

Unsere Ferienwohnung über Airbnb ist ein echter Glücksgriff: Eine kleine Wohnung in einem urigen alten Haus in der Rua da Bica. Erst muss man über eine schmale Treppe nach oben in den dritten Stock klettern, oben wird man aber belohnt. – Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küche und Esszimmer gehen ineinander über. Die perfekte kleine Wohnung für ein Pärchen, dass auf alte Gebäude steht. Es gibt sogar einen Balkon, der einmal rund um die Wohnung führt. Darauf kann man zwar keine Partys feiern, aber frühstücken geht dort sehr gut. Die Sicht reicht dabei bis hin zum Wasser und zur Brücke. 

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Aussicht vom Balkon

Und unten auf der Straße quietscht immer wieder der „Elevador da Bica“ vorbei. Eine Standseilbahn, die es schon seit 1892 gibt. Die zwei gelb-weißen Wagen sehen der alten Straßenbahn in Lissabon ähnlich und werden jeden Tag vielfach von neugierigen Touristen fotografiert. Es ist ein lebhaftes, schönes Viertel zum Wohnen für alle, die Altstadt, Bars und kleine Restaurants lieben. Nachts stromern wir herum, fallen in die Bars ein als wären wir wieder 19 und nach dem dritten Mojito für 3 Euro fühlen wir uns auch so, vergessen unsere Vornamen und tanzen zu Reggaeton. Ich bin wunschlos glücklich in dieser Stadt. Da kann uns noch nicht einmal der Kater am nächsten Morgen die Laune verderben. Sonnenbrillen auf und erstmal einen Kaffee trinken gehen. Oder zwei oder drei. Und dazu ein paar dieser süßen, leckeren Teilchen (Pastel de Nate), die die Portugiesen einfach unverschämt lecker hinbekommen.

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Lissabon ist für mich keine klassische Urlaubsstadt. Runterkommen stelle ich mir schwierig vor. Aber auf andere Ideen kommen – dafür ist die Stadt perfekt. Perspektive ändern, in den Tag hinein leben, loslaufen und gucken, wo man ankommt.

Hier könnte ich mir vorstellen ein paar Monate zu leben und in der Region surfen zu gehen. Einen Alltag zu haben. Ein Stamm-Café. Und einen Lieblings-Aussichtspunkt. Hier ist es nicht entspannt. Es ist bunt, an manchen Ecken kaputt und immer wieder schaut man dem ganz normalen Leben ins Gesicht. Und das inspiriert mich noch immer am meisten.

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Tipps:

  • Aussichtspunkte erkunden
  • Aquarium besuchen
  • Ferienwohnung in der Altstadt buchen und den Flair der Stadt leben
  • Den Mojito im Studentenviertel am besten erst ab 5 Euro genießen. – Oder den Kater hinnehmen.

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Fotos: Raphael Pi Permantier

Lieblingsstrand in Portugal: Praia de Odeceixe

Verwöhnt durch die unendliche Schönheit der Costa Vicentina machen wir uns auf den Weg zu einem neuen Surfstrand. Ich habe dieses Gefühl: „Mal sehen, was da kommt! Viel besser kann es ja eigentlich eh nicht werden. Aber kann ja nicht schaden.“ Und es wurde alles noch viel besser.

Portugal meint es gut mit uns. Das Land vereint ungefähr alles, was ich mir von einem Reiseziel wünsche: Viel Küste, Surfkultur, aufregende felsige Natur und eine ausgezeichnete Kaffeekultur. Das einzige was mir fehlt ist „Portugiesisch“. „Sollte ich wohl noch lernen,“ denke ich als wir das Auto auf einem Parkplatz hoch oben auf einem Felsen abstellen, um „mal kurz die Lage zu checken und dann entscheiden wir, ob wir da bleiben.“ Auf einer steilen Straße laufen wir auf ein paar Häuser zu, die an den Felsen hängen. Allesamt mit großartigem Meerblick – nur wir können den Strand noch immer nicht sehen. Wir laufen fast bis unten, bis wir endlich überblicken können, was uns hier erwartet: Dieser Strand ist zur Abwechslung nicht unendlich lang aber dafür sehr tief. – Denn bei Ebbe ist hier besonders viel Platz. Begeistert sehen wir die kleinen grünen Wellen auf den Sandbänken brechen und fest steht: „Gut, dass wir hier noch geschaut haben!“ Da wo der Strand endet, ist ein Fluss, der hier zu einer breiten Lagune wird. Das macht den Strand noch paradiesischer. Auf der Seite des Meeres – Wasser, auf der rechten Seite – Wasser durch den Fluss und im Rücken Wasser durch die Lagune. Auf der anderen Seite hängt das kleine Dorf an den Felsen. Ein traumhafter Ort. Unten am Strand, leihen wir uns Surfboards für den ganzen Tag. Planschen, liegen, surfen. Hier könnte ich ewig bleiben. Die Lagune ist perfekt für alle, die ein Stand-Up Paddle ausprobieren, oder einfach schwimmen wollen. Im Meer bringen ein paar Surflehrer ihren Schülern bei, wie sie sich am besten auf ihr Board stellen können und davor tronen 3 Lifeguards in ihrer Burg. Kein Witz – diese Guards bauen sich jeden Tag aufs neue eine Sandburg, auf der sie auch bei Flut sitzenbleiben können. Das waren übrigens die nettesten Lebensretter, die ich jemals an einem Strand kennengelernt habe. Die erklären und geduldig die Strömungen im Wasser und als wir surfen, feuern sie uns an und freuen sich mit uns über jede Welle, die wir erwischen.

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In einer Surfpause mache ich einen Strandspaziergang und laufe endlos durch den warmen Sand. Es gibt Stellen, da ist er komplett unberührt und ich kann neue Spuren hinterlassen. Ich setze mich hin, fühle wie die feinen Sandkörnchen durch meine Finger rinnen und versuche den Moment in meinem Kopf einzufrieren. Bitte geh nicht. Es ist perfekt. Wüsste ich wie man meditiert, ich würde es tun. Ich danke dem Moment und dem Ort auf meine Weise und sitze lange für mich alleine im Sand. Diese Situation werde ich mir noch zurück in den Kopf rufen, wenn es kalt und nass und fies ist in Deutschland – irgendwann im grauen Winter.

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Auch in diesem Urlaub habe ich beim Surfen wieder viel mit der Angst zu kämpfen gehabt. Aber an diesem Strand in Odeceixe, wachse ich endlich wieder über mich hinaus. Ist es der Ort? Oder einfach, weil ich wieder „eingesurft“ bin und mich daran gewöhnt habe. Ich weiß es nicht, aber ich wünsche mir, dass es eine Mischung aus beidem ist. Die Welle baut soch hinter mir auf und ich merke: Ich bin genau am richtigen Ort. Mit den Augen fixiere ich den Strand, der mir schon so viel Freude bereitet hat, und fange an zu paddeln. „Nicht aufhören“, befehle ich mir. „Nicht nach hinten schauen – das macht dir nur Angst. Weiter, immer weiter“ Immer wieder, bis ich den Push spüre und ohne, dass ich merke wie genau, stehe ich auch schon auf dem Board, neige es leicht nach links und da ist es wieder: „Ich kann fliegen“, keine Ahnung, ob ich das nur gedacht oder geschrien habe. Ist egal. Der Ozean, die Wellen, die er mir geschenkt hat und ich. Wir sind eins für diesen einen Moment. Und der ganze Alltag, all das, was einen abends belastet, ist weit weg. Die Natur – und vor allem das Meer – hat eine unfassbarere Kraft, die die alltäglichen Problemchen verblassen und klein werden lässt. „Das hier ist es, was zählt“, denke ich noch Stunden später, als wir in einem Restaurant auf dem Hügel von Odeceixe sitzen und ausgezeichnete, gegrillte Dorade genießen, während die Sonne ins Meer eintaucht und sich bis morgen verabschiedet.

P.S. Wir haben hinterher festgestellt, dass der Ort uns so geflasht hat, dass wir fast vergssen haben Fotos zu machen. Es gibt nur diese paar. Aber glaubt mir: Es ist zauberhaft.

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Portugal: Die schönsten Surf-Strände an der Algarve

Im kleinen Mietwagen rollen wir über endlose Landstraßen in Richtung Süden. Unser Ziel: Surfen und Ruhe. Irgendwo – am besten im Nirgendwo. Da wo man wirklich seine Gedanken hören kann. In diesem Artikel nehme ich euch mit an die schönsten Strände Portugals.

Das erste Ziel: Ein Eco-Apartment in Carrapateira. Dieser Ort ist so klein, dass man ihn leicht übersieht. Ein paar weiße Häuser und eine Windmühle am Hang – irgendwo im Naturpark Costa Vicentina. Ein kleines Fischerdorf, allerdings nicht direkt am Meer, sondern geschützt durch ein paar Dünen. Unsere Unterkunft liegt an der Straße. Liebevoll eingerichtete Wohnungen – perfekt für Naturliebhaber und Surfer. Hippieflair liegt hier in der Luft – der Vibe von: Was braucht man schon? Ein bisschen Meer, ein paar Wellen, ein Bett zum Schlafen und alles ist gut. Wir schlafen lange, frühstücken ausgiebig und entscheiden uns dann für einen der Strände, um aufs Meer zu schauen oder zu surfen. Ohne Mietwagen ist es schwieriger die Gegend zu erkunden, aber wir haben Menschen kennengelernt, die jeden Tag zu Fuß ein paar Kilometer an den Strand gelaufen sind. Es ist also durchaus möglich. Von hier aus haben wir drei Strände lieben gelernt.

Bordeira

Praia da Bordeira

Was für ein unglaublicher und endloser Strand. Auf den Felsen kann man seine gesamte Schönheit genießen. Das ist der Ort, an dem ich in diesem Urlaub zum ersten Mal Schmerzen in der Brust hatte. – Diese Schmerzen bekomme ich immer dann, wenn ich es zu schön finde. – So schön, dass ich es nicht mehr aushalten kann. Ein wilder Strand, direkt an einem Fluss und der bildet kurz vor dem Meer eine Lagune. Rings herum die rauen Felsen, die einem an der Küste immer wieder begegnen. An diesem Strand ist Platz für alle, die sich hierher verirren: Surfer, Familien, Pärchen… Endlos viel feiner Sand, eine Strandbar, wo man sich Surfboards leihen kann und daneben sitzen zur Sicherheit ein paar Lifeguards. Um ans Meer zu kommen, muss sich jeder die Schuhe ausziehen und durch die Lagune waten. Man muss sich den Strand praktisch verdienen. Geflasht sitze ich hinterher stundenlang im warmen Sand, lasse mir vom Wind das Haar zerstrubbeln und schaue auf das Meer und die Sets, die sich immer wieder den Weg auf uns zu bahnen.

Platz für alle

Facts:

  • Parkplätze (auch für Camper)
  • Strandbar und Surfverleih
  • Lifeguards
  • Platz
  • Lagune

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Praia do Amado

Für alle, denen es an der Praia da Bordeira etwas zu einsam war, ist dieser Surfstrand perfekt. Hier werden alle feuchten Surferträume wahr. Ein langer Strand, umarmt von Felsen und überall Surfer und Camper. Von Strandbars aus, kann man den Profi-Surfern dabei zuschauen, wie sie über die Wellen gleiten. Wir leihen uns ein paar Boards und wollen sofort selbst ins Wasser. Die Lifeguards erklären uns von sich aus, worauf wir im Wasser achten müssen. Das ist mir bis dahin auch noch nie passiert. Wir planschen und paddeln bis uns die Kräfte verlassen. Allerdings sind wir hier nie allein im Wasser – hier lernen immer viele Menschen surfen, da es in der Gegend ein paar Surfcamps gibt. Macht aber nichts, das Meer ist für alle da und ich werde definitiv wiederkommen. An der Praia do Amado riecht alles nach Surfertraum und hier kommen Surfer jeden Levels auf ihre Kosten.

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Facts:

  • Mehrere Surfverleihs und Surfschulen
  • Strandbars
  • Toiletten
  • Lifeguards
  • Parkplätze (auch für Camper)

Praia do Beliche

Als die Wellen an der Westküste zu groß für uns werden, machen wir einen Ausflug in die Region Sagres. Durch einen Zufall halten wir Nahe der Praia do Beliche – „um mal eben einen Blick da runter zu werfen.“ Der Weg zu diesem Strand führt über eine lange Treppe ans Wasser. Man muss ihn sich verdienen. Zwei Minuten später sind wir mehr als begeistert. Denn wenn die Wellen im Westen zu groß werden, sind sie im Süden gerade groß genug für uns: Kleine grüne Wellen, die unaufhörlich an den Strand rollen und vielen Surfern Spaß machen. Leider suchen wir vergeblich nach einem Surfrental und müssen uns eingestehen, dass wir hier nicht surfen werden. – Diesmal nicht. Aber nächstes Mal ganz sicher.

Facts:

  • Parkplatz
  • Strandbar
  • Spot funktioniert nur, wenn die Wellen im Westen sehr groß sind. Wellen brechen allerdings nah am Strand.
Beliche

Etwas weiter nördlich:

Unsere nächste Unterkunft befindet sich ein paar Kilometer weiter in Richtung Norden. Ich gebe zu, wir hatten gedacht, dass es nicht mehr ruhiger werden könnte. Aber auf einmal standen wir vor unserer Wohnung in Rogil. Ein Apartment in einem großen freistehenden Haus auf einem riesigen Grundstück mit See und Blick bis zum Meer. „Es geht doch immer noch besser“, denke ich und tanze über das Gelände. Niemand sonst ist im Haus – wir verbringen vier Nächte in der schönsten Einsamkeit. Zwei Mal pro Tag kommt gefühlt ein Auto vorbei. Das wars. Kurz überlegen wir, ob wir nicht einfach einen ganzen Tag in dieser Unterkunft verbringen sollten. Aber die Sehnsucht nach Wellen war stärker. Diese Strände kann ich jedem weiterempfehlen. Ich bin allerdings auch sicher, dass es an der Küste noch einige mehr gibt, die ich in den kommenden Jahren noch finden muss.

Praia da Amoreira

Dieser Strand ist auch wieder endlos und lang. An einem Surfrental sitzen entspannte Surfmenschen und lassen sich die Sonne ins Leben scheinen. „Warum eigentlich nicht?“, denke ich und träume von meinem Leben am Strand. Heller Sand – soweit das Auge reicht und der Atlantik glitzert so einladend, dass wir immer wieder reinspringen wollen.

Facts

  • Parkplatz
  • Strandbar
  • Surfrental
  • Lifeguard
Odeceixe

Praia de Odeceixe

Dieser Strand hat mir für immer mein Herz gestohlen. Ich bin sicher, an dieser Küste gibt es für jeden einen Strand, der ihm alles geben kann. Bei mir war es bei Odeceixe Liebe auf den ersten Blick. Wenn man am Parkplatz ankommt, sieht man erstmal ein kleines portugiesisches Dorf, das sich an die Felsen klammert. – Ein Ort der eine große Gelassenheit ausstrahlt. Am Ende der steilen Straße beginnt der riesige Strand, der von einem Fluß umgeben ist. Das heißt: Man kann hier surfen, Stand-up paddeln, schwimmen – alles was man will. Hier kommt wirklich jeder auf seine Kosten. Besonders für Anfänger ist dieser Strand geeignet, weil es mehrere Sandbänke gibt. Das Wasser schiebt sich also endlos flach auf den Strand zu. So kann man ganz einfach üben die ersten Wellen zu erwischen, ohne endlos im tiefen Wasser paddeln zu müssen. Abends kann man vom Ort oder von einem der ausgezeichneten Fischrestaurants aus den Sonnenuntergang anschauen. Das war bei mir einer der Momente, wo ich mich kneifen musste, um sicherzugehen, dass ich nicht träume.

Facts:

  • Strandbars
  • Toiletten und kalte Duschen
  • Restaurants
  • Parkplätze (auch für Camper)
  • Lifeguards
  • Surfschulen
  • Surfrentals

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Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Vergleich: Surfcamps in Nordspanien, Portugal, Fuerteventura und Bali

Surfen ist die beste Entdeckung der letzten Jahre für mein Leben. Da ich im Surfcamp die ersten Aufstehversuche auf einem Brett gemacht habe und ich inzwischen vier Mal Urlaub im Surfcamp gemacht habe, ist es Zeit für einen kleinen Vergleich. Diesen Artikel werde ich in Zukunft erweitern, sobald ich ein neues Camp kennenlerne.

Surfcamp – Aber was wenn ich keine Lust auf Camping habe?

Ein Surfcamp ist erst einmal nur ein Ort, der Leute verbindet, die im Urlaub viel surfen wollen. – Und dabei wohnt man nicht immer auf einem Campingplatz. Es gibt Surfcamps im Hostelstil mit Dorms, in anderen wohnt ihr im Apartment, manche bieten sogar Übernachtungen im Hotel an. In einigen könnt ihr euch aussuchen, wie ihr schlafen wollt und es gibt Surfcamps, wo wirklich gezeltet wird. Wenn ihr also Lust auf einen Surfurlaub habt: Die Auswahl ist riesig, aber auf ein Surfcamp solltet ihr richtig Bock haben. Denn da wird normalerweise jeden Tag mehrere Stunden gesurft – anstrengend, aber es bringt einen meistens weiter. In manchen Camps wohnt ihr zusammen, kocht aber selbst – in anderen wird gemeinsam gegessen. Einige verbindet die Surfschule, die euch jeden Tag zu den verschiedenen Spots bringt und den Rest der Zeit habt ihr eure Ruhe in einem Apartment. Inzwischen habe ich die unterschiedlichsten Erfahrungen gesammelt. Ich liebe den Surfspirit und habe nach ein bis zwei Wochen Surfcamp meistens das Gefühl weitergekommen zu sein in meinen Skills. Dennoch würde ich nicht immer Urlaub in einem Surfcamp machen: Zwischendurch brauche ich Ruhe und das Gefühl, dass ich immer dann surfen gehe, wenn es mir in den Kram passt.

Zu meiner ersten Buchung bei einem Surfcamp kam es, weil ich endlich surfen lernen wollte. Ich hatte vorher einmal auf einem Brett gestanden – ohne Technik und Verstand und ich wollte unbedingt wissen, ob dieses Surfen etwas für mich ist. – Ob es mich beflügelt, oder nur anstrengt. Deshalb habe ich mich hingesetzt und das Netz nach bezahlbaren Möglichkeiten durchforstet – bis ich fündig geworden bin.

Worauf achten, wenn ich ein Surfcamp buchen möchte?

Besonders wichtig ist es mir, dass die Surflehrer ein offizielles Zertifikat haben. Das heißt sie sollten einen entsprechenden Kurs inkl. Prüfung gemacht haben. Außerdem finde ich es wichtig, dass es Theorieunterricht gibt: Da werden die Grundlagen über Wind, beste Surfzeiten und Priorities im Wasser vermittelt – also wer darf welche Welle nehmen und warum. Toll ist außerdem, wenn Yoga angeboten wird. Das ist ein genialer Ausgleich bei Muskelkater. Besonders wichtig ist es, das das Camp nicht zu groß ist. Das sieht man leider nicht immer auf der Homepage. Da würde ich zur Not nachfragen. Mehr als 50 Leute ist nach meiner Erfahrung zu viel. Außerdem würde ich im Netz nachsehen, ob in der Umgebung des Camps gute Spots für Anfänger sind. Manchmal sind die Coaches so in ihrem Alltag drin, dass sie Strände/Riffe mit zu hohen Wellen für den Anfang auswählen. Ich hatte den Eindruck, das ist häufiger der Fall, wenn der Weg zu den kleinen „einfachen“ Wellen besonders weit ist. In manchen Camps wird sogar – aus logistischen Gründen – immer am gleichen Spot gesurft. Der ist zwar oft sehr schön, aber meistens nicht für alle Levels gleich passend. Daher am besten auch vorher nachfragen.

Surflehrer und Lehrerinnen – die sind ein einzigartiges Volk! Wahnsinn, was wir schon für skurrile Menschen kennengelernt haben in Surfcamps: Oft sehr verplant, viele können wenig Englisch, aber alle vereint die große Liebe zum surfen und am Ende könnt ihr euch drauf verlassen: Jeder Lehrer kann euch etwas für euren Weg als Surfer mitgeben.

Das Problem bei Bewertungen im Netz ist, dass sie häufig von Anfängern verfasst werden, die noch keine Vorerfahrung haben. Sie bewerten eine Woche oft positiv, weil sie natürlich Fortschritte beim Surfen gemacht haben. Sobald man mehrere Camps besucht hat, achtet man allerdings automatisch auf viel mehr Dinge.

Planet Surfcamps Nordspanien: San Vicente de la Barquera

Das Surfcamp in San Vicente war neu, als ich 2013 dort war. Ich kann also nicht sagen wie es heute dort ist. (www.planetsurfcamps.com) Mit einer Freundin zusammen kamen wir schwer bepackt auf dem Campingplatz von San Vicente an. Vom Busbahnhof sind es ungefähr 30 Minuten zu Fuß. Das Camp liegt aber gleich am Strand, der Weg lohnt sich. Yamir von „Planet Surfcamps“ hat uns empfangen und wir durften uns ein Zelt aussuchen. – Von denen war ich direkt positiv überrascht: Große, blaue Zelte, in denen man gemütlich stehen kann. Viel Platz für zwei Leute. Wir hatten als einzige ohne Verpflegung gebucht. Das hat sich etwas seltsam angefühlt, weil alle anderen immer gemeinsam gegessen haben, aber es war im Endeffekt auch überhaupt kein Problem. Wir hatten so unsere eigenen Essenszeiten.

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Mitten im Surfcamp in San Vicente

Auf diesem Campingplatz gibt es eigentlich zwei Camps: Eins für Erwachsene und eins für Kinder und Jugendliche. Ich fand das ganz lustig, weil so das Publikum sehr gemischt war. Und wir Erwachsenen hatten außerdem einen Bereich nur für uns mit gemütlichen Sitzsäcken in einem Zelt. Gleich am ersten Abend haben wir da gesessen und uns bei einem Bier kennengelernt. Jeder hat sich einmal vorgestellt. Das hatte schon etwas von Jungendferien – aber es hat auch für gute Stimmung gesorgt. Am nächsten morgen ging es dann auch gleich los mit dem Unterricht. Wir haben Neoprenanzüge bekommen, die Surfboards wurden in einen Wagen gepackt und es ging los. Wir durften nicht gleich am Strand vor dem Surfcamp ins Wasser – den Bereich hatten sich die örtlichen Surfschulen gesichert. Also sind zwei Surflehrer mit den Boards einen guten Kilometer die Küste runtergefahren – wir sind am Strand entlanggelaufen und haben unsere Boards dort wiederbekommen. Im Vergleich zu anderen Camps ist es echt super, dass die Boards bis dorthin gefahren werden.

Dann ging auch schon der Unterricht los. Alle haben sich gemeinsam aufgewärmt (das ist auch nicht in allen Surfcamps Standard – aber sehr wichtig) Und dann haben wir in kleinen Gruppen (max 8) Unterricht bekommen. – Zwei mal 90 Minuten, dazwischen gab es eine kleine Pause. Nach 10 Minuten im Wasser war mir klar: Das ist mein Ding! Ich will mehr: Paddeln, Welle kommt, aufstehen – oder es versuchen – und dann platsch ins Wasser und wieder von vorn. Ein riesiger Spaß!

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Auf dem Weg zum Wasser bei Ebbe
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In diesen großen Zelten haben wir zu zweit gewohnt

In der ersten Nacht habe ich geschlafen wie ein Stein, so müde war ich. Da machte es auch nichts, dass ich nur eine dünne Isomatte dabei hatte. Am zweiten Tag habe ich Muskeln gespürt, von deren Existenz ich bis dahin nichts wusste. – Sogar lachen tat weh! Trotzdem: Das Glücksgefühl war größer. Ich bin wieder zum Strand und habe mit dem Weißwasser gekämft, den Takeoff geübt, versucht nicht hinter der Welle zu bleiben, versucht stehen zu bleiben und weitergemacht. Abends hatten wir hin und wieder Theorieunterricht. Der war wirklich super, denn dort habe ich gelernt den Surf-Forecast zu lesen, zu wissen wer die Welle als erster nehmen darf und und und. Die Woche ist viel zu schnell vergangen. Am dritten Tag waren die Wellen besonders klein. Da hat unser Surflehrer Nando beschlossen, dass wir von dem Moment an grüne Wellen surfen. – Vorher haben wir immer vorne im Weißwasser gestanden – jetzt sind wir nach hinten gepaddelt, wo wir nicht mehr stehen konnten. Das war der aufregendste Moment der Woche, als ich die erste grüne Welle genommen habe. Was ein unfassbar geiles Gefühl! Ich bin seitdem unsterblich in diesen Sport verliebt. – Und ich bin ziemlich sicher, dass das mit dem guten Unterricht in diesem Surfcamp zu tun hatte. Wir waren zwar jeden Tag am gleichen Strand – das ist wahrscheinlich bei so einem großen Camp gar nicht anders machbar – aber ich habe es nie als Nachteil empfunden. Bei zwei Wochen wäre es vielleicht langweilig geworden, aber bei einer Woche ist es super. Ich hatte das Gefühl ich kenne mich am Spot aus – und um am Anfang Vertrauen zum Wasser und zu den Wellen zu bekommen, gibt es doch nichts besseres, oder?Abends sind wir mal zum Feiern in den Ort gegangen, mal gab es eine Party im Camp. Ich persönlich fand dieses Surfcamp perfekt, um mit dem surfen anzufangen.

Facts:

  • Ihr wohnt auf dem Campingplatz zu zweit in großen gemütlichen Zelten, direkt am Strand
  • Der Unterricht findet in kleinen Gruppen bei ausgebildeten Lehrern statt – die meisten sind auf Teneriffa aufgewachsen und surfen schon ihr ganzes Leben lang. Da sind auch spannende Charaktere dabei
  • Ihr bekommt wirklich 24 Surfstunden: Oft zwei Sessions pro Tag á zwei mal 45 Minuten.
  • Es gibt Theorieunterricht
  • In eurer Freizeit könnt ihr zu Fuß an den Strand, in den Ort oder im Camp Tischtennis spielen, Volleyball oder ihr lernt Slacklining
  • Yoga ist inklusive
  • Das Surfmaterial steht euch immer zur Verfügung
  • Anreise mit dem Flugzeug via Santander oder Bilbao möglich
  • Es werden keine Fotos von euch geschossen, die ihr hinterher kaufen könnt.
  • Ihr surft immer am gleichen Spot: Am Strand direkt beim Camp
  • Internet gab es (zumindest damals) nur rund um die Rezeption am Campingplatz

Planet Surfcamps Fuerteventura

Ja, ich bin Wiederholungstäter. Zumindest ein bisschen. Weil ich im Surfcamp in Nordspanien so viel Spaß hatte, bin ich Anfang 2015 im Januar in ein anderes Surfcamp von Planet Surfcamps auf Fuerteventura gereist. (www.planetsurfcamps.com/Fuerteventura) Da habt ihr die Möglichkeit entweder ins Surfhouse zu gehen oder in ein Apartment. Alle Unterkünfte befinden sich in Corralejo – im Norden der Insel. Das Surfhouse ist wie ein Hostel aufgebaut: Es gibt mehrere Dorms mit Doppelstockbetten, einen Pool, einen Fernsehraum und eine große Wohnküche, wo ihr euch Essen zaubern könnt. Ich war mit meinem Freund in einem Apartment. Im Gegensatz zum Surfhouse war unsere Wohnung in einer kleinen Anlage gleich am Strand. Aber da gibt es verschiedene Wohnmöglichkeiten. Wir haben in „Caleta Playa“ gewohnt, einfache Wohnungen mit kleiner Terrasse: Perfekt für Leute wie mich, die gern kochen und gern in der Nähe vom Strand sind. Wir hatten eine eigene Küche und waren in einer Minute zu Fuß am Wasser. Das Internet hat nicht so gut funktioniert, aber wir wollten ja sowieso abschalten.

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Alle aufwärmen!

Am ersten Abend gab es eine sms: Uns wurde gesagt, dass die Surflehrer uns am nächsten Morgen um 8 Uhr abholen würden zum surfen. So war es dann auch – gegen 8, spanische Zeit versteht sich. Das Besondere auf Fuerteventura ist, dass die Surfschule mobil ist. Die Lehrer checken jeden Tag die Bedingungen und bringen uns dann zu den besten Spots. Heisst: Ihr seht viel von der Insel durch die Fahrten. Heisst andererseits: Mal eben Nachmittags spontan ne Rundesurfen, ist schwierig.

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Wir sind am ersten Tag zum Anfänger-Strand nach Cotillo gefahren und der Unterricht ging los. Wie ich es aus meinem letzten Camp kannte, haben wir uns wieder gemeinsam aufgewärmt, dann gab es Trockenübungen auf dem Strand und es ging los. Unsere Surflehrerin war Gala – ein wunderbares spanisches Energiebündel. Die ist durch das Wasser gesprungen, hat geklatscht, wenn wir es geschafft haben aufzustehen und versucht uns in einem Mix aus Spanisch und Englisch Tipps zu geben, was wir besser mach

en können. Nach dem Kurs haben wir alle zusammen an einer französischen Bäckerei gehalten. Sie liegt quasi auf dem Weg und ist berühmt bei Surfern und anderen Kaffee- und Gebäckverrückten. Da haben wir uns den Bauch mit tollen Zitronentörtchen und Kaffee vollgeschlagen – immer mit dem großartigen Gefühl im Hinterkopf: „Man habe ich heute schon viel geleistet!“

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Glücksgefühle, wenn es klappt.

Am zweiten Tag wurden wir aufgeteilt: Diejenigen, die sich schon mehr trauen, sollen mit den Fortgeschrittenen los. Heisst am Ende: Alle Mädels fahren wieder mit Gala an den Strand, für die Jungs geht es mit Marco ans Riff. Ab dem dritten Tag, bin ich dann auch mit den Fortgeschrittenen los – Marco war dann unser Lehrer. Er ist ein Unikat: Er hat mir nochmal viel über die richtige Position auf dem Brett und über das richtige Paddeln beigebracht.

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Aussicht am Strand von Corralejo

Ich hätte mir aber insgesamt gewünscht, dass es etwas mehr Abstufungen gegeben hätte: Im Anfängerkurs waren Menschen, die zum ersten Mal auf einem Brett gestanden haben und Leute wie ich, die bereits im Camp waren. Im Fortgeschrittenen Kurs, waren Leute die mal im Camp waren vorher oder welche, die schon zwei Wochen im Camp in Fuerteventura waren. Aber es gab auch Leute dort, die schon seit Jahren surfen. Da hätte ich mir gewünscht, dass es Anfänger, Intermediate und Advanced Kurse gegeben hätte. Wahrscheinlich gab es um die Jahreszeit im Januar einfach nicht genügend Leute im Camp.

Am letzten Freitag haben wir alle zusammen im Surfhouse gegrillt. Das ist wirklich klasse: Das Haus steht euch auch dann offen, wenn ihr nicht da wohnt. Wenn euch der Sinn nach Gesellschaft und Bier am Abend steht: Da sind immer einige Leute auf der Terrasse, um mit euch anzustoßen und übers Surfen zu reden.

Facts:

  • Ihr sucht euch aus, ob ihr im Surfhouse oder in einem Apartment wohnt
  • Corralejo ist ein angenehmer Surfort, wo man gut entspannen, shoppen und feiern kann
  • Die Surfschule ist mobil und bringt euch jeden Tag zu einem Spot
  • Der Unterricht findet in kleinen Gruppen bei ausgebildeten Lehrern statt
  • Es werden Fotos von euch beim Surfen geschossen, die ihr hinterher kaufen könnt
  • Surfmaterial steht zwar offiziell zur Verfügung, es ist aber nicht so einfach zu einem Spot zu kommen
  • Internet gibt es – im Apartment aber nur langsam, im Surfhouse ist es super

Rapturecamp Bali

Ein Camp in der Natur auf Bali – weit weg von Kuta und allem was Massentourismus ist. Und dann noch top Bewertungen im Netz – das hat uns gleich überzeugt, wir haben uns ein Apartment mit Surfguiding im Rapturecamp, in der Nähe von Padang Padang gebucht. (www.rapturecamps.com) Dieser Teil der Insel ist noch immer ruhig und staubig. Es gibt viele Surfspots – die meisten sind allerdings eher für erfahrene Surfer geeignet.

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Unser zauberhaftes Apartment im Surfcamp auf Bali: Unfassbar schön!

Bei der Ankunft waren wir sofort geflasht von unserem zauberhaften kleinen Apartment: Ein Traum mit Himmelbett, viel Licht, Klimaanlage, offenem Badezimmer unter Palmen. – Einfach wow! Dieses Surfcamp hat ein einzigartiges Gelände. Es liegt zwar im Nichts, also nicht am Strand oder so. Aber das Gelände selbst ist wirklich toll: viel grün, ein schöner Pool, drum herum Liegen und Sonnenschirme, einen Surfshop gibt es auch und ihr könnt euch beim Gärtner einen Roller ausleihen. Das ist in der Gegend sehr zu empfehlen, da ihr sonst schwierig aus dem Camp wegkommt. Es gibt jeden Morgen ein großartiges Frühstück. Ihr sucht euch einfach so viel Essen aus, wie ihr runterbekommt: Eier, Pfannkuchen, Porridge, Obstsalat, Sandwich – ihr habt freie Wahl. An fünf Abenden ist das Abendessen außerdem inklusive.

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Surfcamp-Perspektiven

Beim Abendessen wird auch immer verkündet, wann am nächsten Tag gesurft wird. Die Lehrer/Guides fragen: „Wer will Unterricht?“ Das wollten die meisten nicht. Wir gehörten auch zu denen, die einfach an einen Anfängerspot gebracht werden wollten. Auch diese Surfschule ist wieder mobil: Jeden Morgen wird gecheckt, wo die Wellen am besten sind und wo es hingeht. Die Guides brachten uns am nächsten morgen dann zu Padang Padang right. Das ist der Spot, der besonders nah zum Camp liegt. Hier kann man allerdings nicht gleich ins Wasser gehen und lossurfen. Hier gibt es einen Channel, das heisst man muss erst ein ganzes Stück paddeln und dann kann man Wellen nehmen. Das Schöne ist: Die Wellen brechen dann eine ganze Weile, man kann sie also absurfen. Das Schlechte ist: Sie sind nicht immer klein genug für Anfänger. Oder Anfänger mit Erfahrung, wie ich mich gern nenne. Ich habe mich da am ersten Tag nicht (!) ins Wasser getraut und ich war nicht die einzige. Es war meine erste Erfahrung mit Surfguiding. Ich hatte mir erhofft, dass wir den Spot genau erklärt bekommen und dass die Guides zumindest im Wasser immer in der Nähe bleiben – zur Sicherheit. Aber das war nicht der Fall. Wir haben uns außerdem nie zusammen warm gemacht. Nach ein paar Tagen haben wir die Guides gebeten uns mehr über die Spots zu sagen dann wurde es deutlich besser. Ich hatte den Eindruck, dass sie darunter leiden, dass so wenige Leute den Kurs buchen und die meisten nur Guiding. Allerdings wollten wir keinen Kurs bei Lehrern ohne offizielle Lizenz buchen. – Ein Teufelskreis. An den folgenden Tagen waren wir surfen in Jimbaran, Balangan, Kuta Beach, Thomas Beach und Padang Padang. Das beste war, dass wir so viele traumhaft schöne Strände und Buchten kennengelernt haben. – Ohne die Surfguides wären wir nicht an diese Orte gekommen, die häufig sehr unbekannt sind, aber eine so unfassbar tolle Aussicht haben, dass ich mich immer wieder selbst kneifen musste, um zu wissen: Ist das gerade wahr? Passiert das wirklich? Thomas Beach ist für mich bisher der schönste Strand, den ich kenne.

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Pool im Camp auf Bali

An einigen Abenden gab es Theorieunterricht – wenn Dicky ihn gegeben hat, konnten wir wirklich viel mitnehmen: Er hat uns beigebracht warum „schnell paddeln“ eigentlich „tief paddeln“ heisst und warum „Angst“ nicht immer schlimm sein muss. Einige seiner Tipps werde ich nie vergessen. Die Besucher in diesem Camp waren außerdem einzigartig. Sehr viele Reisende, die nicht auf Massentourismus stehen, die das surfen und die Strände lieben. Wir haben viele Abende bei Bier beisammen gesessen und das Leben genossen.

IMG_863012 Tage waren wir insgesamt in dem Camp – eindeutig zu lange. Auch wenn der Ort und das Apartment wunderschön ist, hat etwas nicht gestimmt. Und das war die Stimmung dort, die vom Manager ausging. Ganz anders als in den anderen Camps, wo ich gewesen bin, hat dieser Manager den Gästen nicht „Hallo“ gesagt. Er hat Gäste und Angestellte vor anderen zur Rede gestellt, wenn ihm etwas nicht gepasst hat, so dass man sich in seiner Gegenwart leider nicht wohlfühlen konnte. Auch wenn ich den Ort, die Menschen im Camp und die Strände – vor allem Thomas Beach – lieben gelernt habe. Ich werde leider nicht wiederkommen.

 

Facts

  • Wunderschöne Anlage in der Nähe von Padang Padang mit Pool
  • Dorms und private Apartments
  • Mobiles Surfguiding
  • Surfguiding/Unterricht nicht bei ausgebildeten Lehrern
  • Surfboards dürfen nur während des Guidings benutzt werden und werden nachher immer genau auf Mängel überprüft. Daher würde ich empfehlen eine Surfboardinsurance abzuschließen.
  • Surfboardinsurance wird zusätzlich berechnet – kannte ich vorher nicht
  • Es werden Fotos von euch beim Surfen geschossen, die ihr hinterher kaufen könnt
  • Ihr solltet euch einen Roller mieten, um die schöne Umgebung erkunden zu können: Uluwatu, Bingin Beach, Padang Padang, Nusa Dua
  • Es gibt langsames Internet
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Thomas-Beach, Bali

Maximum Surfcamp Peniche

Portugal – Surfers Paradise in Europa. Da wollten wir hin und unsere Reise sollte mit einer Woche in einem Camp beginnen – um die Skills aufzufrischen. Durch die Empfehlung eines Freundes und gute Bewertungen im Netz kamen wir auf das Maximum Surfcamp in Peniche, Baleal (Maximum Surfcamp). Unsere Flüge hatten wir lange vorher gebucht – daher kamen wir erst montags im Camp an und nicht wie die meisten anderen schon am Sonntag. Bei der Buchung war uns aber versichert worden, dass das kein Problem sei. Ich war sehr gespannt auf Camp und Unterricht, denn alles im Netz klang fantastisch. Bei der Buchung gab es genaue Infos dazu, wie man sich am besten sportlich auf einen Surfurlaub vorbereitet, welche Versicherungen man abschließen sollte. Wir wurden gefragt, wieviel wir vorher gesurft waren und nach unserer Größe und unserem Gewicht – für die passenden Neoprenanzüge. Das klang alles perfekt. In den Informationen stand sogar drin, an welchen Abenden der Woche es welches Essen geben sollte. Also buchten wir das All-Inclusive-Paket (Epic Deal).

Nach der Ankunft im Camp war ich gleich ein wenig enttäuscht, weil es doch sehr heruntergekommen ist. Aber das wurde wettgemacht durch Alice, die gute Seele des Camps, die uns an der Rezeption herzlich begrüßt und alles erklärt hat. Das Maximum Surfcamp ist in den vergangenen Jahren sehr gewachsen. Überall wimmelte es von Menschen. In unserer Woche waren über hundert Gäste da. Deshalb haben sich zu den Essenszeiten immer lange Schlangen gebildet und es war schwierig als Gruppe entspannt gemeinsam zu essen. Die Portionen waren außerdem nicht besonders groß und das Personal wirkte überfordert.

Die Lage des Camps ist fantastisch: Zum Strand geht man zu Fuß 5 Minuten und dort kann man auch gleich surfen. Außerdem gibt es in der Nähe Bars, einen Supermarkt und Restaurants. Von der Dachterrasse im Camp kann man sogar bis zum Meer gucken.

Es gibt die Möglichkeit im Camp selbst zu übernachten oder in Apartments, die das wachsende Unternehmen dazubucht. Wir haben direkt im Camp gewohnt, in einer einfachen Wohnung. Das hat sich im Nachhinein als schlechtere Variante herauskristallisiert, weil es – wie in Surfcamps üblich – abends lange laut war vor unserem Fenster. Außerhalb soll es deutlich angenehmer gewesen sein. Das Essen gibt es allerdings für alle gemeinsam im Camp. Daher die langen Schlangen und ein weiteres Problem: Es gibt im Camp keine öffentliche Toilette. Das heißt: Alle Menschen, die nicht im Camp übernachten müssen entweder bei anderen im Apartment aufs Klo gehen, oder sie gehen auf ein Dixie-Klo.

Unterricht in kleinen Gruppen

Da wir vorher ja genau angeben sollten wie oft wir schon surfen waren, hatte ich erwartet, dass wir danach in einen Surfkurs eingeteilt werden und dass unser Lehrer schon feststeht. Da hatte ich leider zu viel erwartet. Am Morgen haben wir 5 Leute fragen müssen, wer denn unser Lehrer sei. Nachdem 120 Menschen an den gleichen Strand geshuttelt worden sind, stand irgendwann fest: Keiner weiß es. Mal sehen, welcher Surflehrer noch Zeit hat. Am Ende sind wir als Menschen mit Erfahrung in einem Kurs mit zwei Anfängern gelandet. Wir haben die Problematik die Woche hindurch immer wieder angesprochen, aber den Kurs konnten wir nicht wechseln. Dabei hatten wir bei der Buchung als Level „Intermediate“ angegeben. Das hatte zur Folge, dass ich mich in diesem Kurs leider nicht verbessert habe. – Und das obwohl die Kurse hier sehr klein sind (Maximal 5 Teilnehmer). Ich habe ja schon häufiger über Angst beim Surfen geschrieben. Sie kommt immer wieder und ich brauche einen Lehrer, der mich in meinen Ängsten ernst nimmt. Als ich mich endlich getraut habe eine etwas größere grüne Welle anzupaddeln, ist meinem Surflehrer aber leider nichts besseres eingefallen als mir zu sagen: „Die Welle ist übrigens groß.“ Daraufhin habe ich dichtgemacht, mich verkrampft und bin durchgewaschen worden. Klar, das gehört zum Surfen dazu. Aber Feingefühl gehört zum Job eines Surflehrers meiner Meinung nach auch dazu.

Super war, dass es hier jeden Morgen vorm Surfen ein „Warm-Up“ gab. Außerdem war das Material, also die Surfboards super: Gute Boards für alle Level und gut gepflegt. Wir durften das Material auch alleine benutzen. Da es vom Camp nicht weit an den Strand ist, war das fantastisch und hat viel Spaß gemacht. Leider gab es keinen Theorieunterricht. Nachmittags haben die Coaches Videoanalyse angeboten und dabei sollte man aus den Fehlern aller lernen. Allerdings finde ich Theorieunterricht deutlich wichtiger – gerade am Anfang. Toll ist, dass es viel Unterricht gibt: Zwei lange Sessions pro Tag mit einer Pause dazwischen.

Zwei Surflehrer haben ihren Spaß

Der Strand in Baleal ist ein Traum: Endlos weit uns immer ein bisschen neblig. Ich habe mich gleich in diesen Ort verliebt und werde wiederkommen. Aber in dieses Camp kehre ich wahrscheinlich nicht zurück. Zumindest nicht solange da Expansionspolitik betrieben wird.

Facts:

  • Schöne Lage in Baleal in der Nähe des Strandes
  • Es gibt Dorms und private Apartments (Die außerhalb des Camps sollen schöner und ruhiger sein)
  • Ihr surft meistens am gleichen Spot
  • Ihr bekommt wirklich viele Surfstunden: Zwei Sessions pro Tag
  • Langsames Internet
  • Kleine Gruppen beim Surfunterricht, leider wird nicht genug auf Levels geachtet
  • Sehr viele Menschen im Camp – Besitzer scheint auf Expansionskurs zu sein
  • Man kann Fotos und ein Video der Woche kaufen. Lohnt sich allerdings nicht, denn ich war auf keinem einzigen (!) Foto der Woche zu sehen

Was bleibt: Ich surfe, werde surfen! Immer wieder! Auch im Camp – und zwischendurch. Und wenn spontan nach langer Zeit, dann gerne auch mit einem besonders großen Board – wie am Anfang. Denn wie schon einer meiner Surfguides sagte: „Bigger board – more fun.“ Und da ist was dran. Bis auf weiteres jedenfalls.

P.S. Das beruht alles auf meinen persönlichen Erfahrungen. Ich bin natürlich nirgends eingeladen worden und habe alles selbst erlebt.

Porto – leider bist du zu schön!

Nach Porto bin ich diesen Oktober eher zufällig gekommen. Eine Freundin von mir hatte dort im Studium ein Jahr verbracht und wir hatten Lust auf eine kleine Tour. Es gab günstige Flüge, ich hatte die perfekte Reisebegleitung und bin unvoreingenommen los. Ich hatte keine Ahnung! 

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Nach der Landung hat mich das Licht und der Sonnenuntergang umgehauen, in der Stadt haben wir in der Nähe vom Fluss in einem Airbnb-Zimmer gewohnt. Unsere Gastgeber: ein unfassbar süßes Künstler-Pärchen. Sie wohnen in einer riesigen Albau-Wohnung mit Balkon und Blick in einen typischen Innenhof mit Wäscheleinen. Im Wohnzimmer wird das Sofa gerade noch aus alten Paletten gebaut und der Verstärker der Anlage ist in Form einer Gitarre selbst gebaut worden. Die zwei haben uns – wie sich das gehört – tausend Tipps für die Gegend gegeben: Da gibt es Wein für einen Euro, dort den besten Sangria, Kaffee für 60 Cent, da Fleischbrötchen und und und. Diese Brötchen haben wir gleich am ersten Abend probiert und seitdem nenne ich sie nur noch Fettbrötchen. Der Wahnsinn! Und das meine ich positiv. Schweinefleisch auf einem Brötchen – auf Wunsch noch ein Stück Käse dazu und Pommes. Tausend Kalorien und soooo lecker. Wir haben gleich beschlossen, dass es diese Fettbrötchen noch häufiger geben muss. Leute, die kein fettiges Essen und kein Fleisch mögen, haben es in Porto schwer. Aber es ist nicht unmöglich. Aber das Essen und die günstigen Getränke sind nicht der Grund, warum ich mich unsterblich in diese Stadt verliebt habe.

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Details an den Wänden in der Innenstadt von Porto

Porto trifft genau meinen Geschmack! Als Stadt! Es ist diese Mischung aus angenehm ranzig, alte Gebäude mit bunten Kacheln sorgen dafür, dass man andauernd lächeln muss und dazu kommt dieser unfassbar schöne Ausblick auf den Fluss und das Meer. Städte, die an einem Hang am Wasser gebaut sind, haben es ja generell leichter mein Herz zu gewinnen. Ich liebe Valparaiso in Chile, Lissabon und San Francisco. Und Porto vereint alle Schönheiten dieser Städte. Ihr könnt mit einer alten Straßenbahn quietschend über die Hügel fahren und euch fühlen wie in einer anderen Zeit. Danach lauft ihr stundenlang durch die verschachtelten Straßen – Hügel rauf, Hügel runter. An jeder Ecke gibt es neue Streetart: Mal verträumte Malereien, mal gesprayte Kunstwerke und dazu kommen noch diese vielen verschiedenen bunten Kacheln, die die Hausfassaden zieren. Ich bin großer Fan, vor allem weil es so nie langweilig wird durch die Straßen zu schlendern: Man wird immer wieder überrascht: auf einmal steht ihr im Park und könnt bis zur Flussmündung schauen. Diese Aussicht, die einem das Gefühl gibt von „alles ist möglich“ oder „heute ist mein Neuanfang“. Und wenn die Füße einem sagen „Jetzt reicht’s aber mit den vielen Hügeln“: Unten am Fluss könnt ihr ganz gemütlich weiter schlendern und eine der vielen Portwein – Keller besuchen. – Natürlich MIT anschließender Weinprobe.

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Am Surfstrand Matosinhos

Das ist aber noch nicht alles, denn die Perfektion dieser Stadt wird für mich vollkommen durch das Meer! 25 Minuten Fahrt in der Metro und schon seid ihr in Matosinhos am Strand. Auf den ersten Blick gewinnt dieser Strand keinen Schönheitswettbewerb, aber der Sand ist fein und unendlich hell und dieser Strand ist ein top Spot für Anfänger, um surfen zu lernen. – Und für alle die, die einfach kleine Wellen mögen – wie ich – der perfekte Strand, um Spaß zu haben. Ich habe mir für zwei Stunden ein Board geliehen (inklusive Neoprenanzug habe ich 15 Euro bezahlt) und habe mich in die Wellen gestürzt. Für mich kann es nichts besseres geben: Eine tolle Stadt mit Flair, Bars, gemütlichen Cafés und gleich um die Ecke ist ein Surfspot. Der Wahnsinn. Ich werde in jedem Fall wiederkommen, um die Süße des Portweins in meinem Gaumen zu spüren, um nach einem Fett-Fleischbrötchen satt ins Bett zu fallen und um zwei Stunden pro Tag zu surfen. Porto, für dich fange ich vielleicht sogar an Portugiesisch zu lernen. Tal vez. Ao melhor.

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Einmal über den Fluss und die Aussicht ist der Wahnsinn!