Gedanken: Was ich gelernt habe und worauf ich mich 2018 freue

Eigentlich ist gar nichts passiert. Zeit ist vergangen. Sonst nichts. Aber trotzdem fühlt sich so ein neues Jahr immer nach einem neuen Abenteuer an. Es kribbelt. Als hätte jemand den reboot-Knopf gedrückt und wir könnten alle nochmal loslegen. Nicht von vorn. Aber zumindest etwas anders. An der Kreuzung eine neue Abbiegung nehmen. Die Weichen im eigenen Leben neu sortieren. Deshalb freue ich mich immer, wenn ein neues Jahr startet. Hier gibt es meine Gedanken über das vergangene Jahr, über die ständige Suche und die Entscheidung nebenher Freie Traurednerin zu werden.

2017 – Gänsehautjahr

Auch wenn wir uns noch Ende 2016 verlobt haben, wird 2017 für immer mein Gänsehautjahr bleiben. Hochzeitsplanung und alles was dazugehört, hat mich komplett durchgewirbelt und meinen Emotions-Haushalt auf den Kopf gestellt. Meistens im positiven Sinne. Manchmal auch, weil ich meinem eigenen Kritiker und Perfektionismus nicht gerecht werden konnte. Von der Suche nach der Location, dem Brautkleid, der Torte, der Deko… es gibt so viel mehr zu beachten bei einer Hochzeit mit 100 Gästen, als ich mir je erträumt hätte. Und auch, wenn ich zwischendurch dachte, dass das alles zu viel wird, war es am Ende eine tolle Erfahrung.

Was hast du gelernt, Athene?

Im vergangenen Jahr habe vieles gelernt: Zum Beispiel, dass die Familie im Fall der Fälle komplett hinter uns steht. Wir sind nicht allein. Sie sind da. Für falls. Und, dass es sich lohnt, viel Liebe in einen Ablaufplan zu stecken. Auch wenn alle Menschen um einen herum sich fragen, was dieser Perfektionismus soll. Ich sage es euch: Wenn das Gerüst steht, kann man im Zweifel besser auf Änderungen reagieren. Das kenne ich so vom Radio. Und auch bei der Hochzeit hat es sich bewährt.

Vertrauen lohnt sich

Vor allem habe ich gelernt, dass es gut ist an Menschen zu glauben. Und ihnen zu vertrauen. Auch wenn sie etwas zum ersten Mal machen. Wie unsere Freie Traurednerin Irene. Um es mit den Worten der Sportfreunde Stiller zu sagen: Ihre Rede und die Freie Trauzeremonie war für unsere Hochzeit „die Schaumkrone der Woge der Begeisterung.“

Unsere Freie Trauung

Wisst ihr noch? Vor der Hochzeit habe ich mir eine Sorge nach der anderen gemacht und mir ausgemalt, was alles schief gehen könnte. Was wenn das Wetter nicht mitmacht? Die Torte nicht schmeckt und am Ende keiner tanzt. Dann habe ich mich hingesetzt. Meine Ängste aufgeschrieben und mich mit ihnen beschäftigt. Habe mich darauf vorbereitet, dass sicher nicht alles perfekt wird. Und es hat tatsächlich geholfen. Am Ende war die Hochzeit tausend Mal schöner als erträumt. Und auch das Baugerüst am Aachener Rathaus konnte mich nicht aufregen, obwohl ich dort wo es stand gerne Familienfotos gemacht hätte.

Ich habe gelernt, dass es sich lohnt anderen zu vertrauen. Eine tolle Erfahrung.

Ein Highlight bei der Hochzeit: Die Trauzeremonie

Manche Freunde kommen und gehen. Die besten bleiben

Ich habe ein Problem mit dem Vergessen und dem Verzeihen. Jetzt ist es raus. Darin bin ich einfach nicht gut. Und das ist einer der Gründe, warum ich früher mal Freundschaften habe gehen lassen, um die es sich gelohnt hatte zu kämpfen. Manchmal waren es Enttäuschungen. Manchmal aber auch nur Entfremdung. Schritt für Schritt. Und auf einmal merkst du, dass ihr nicht mit in der selben Richtung sitzt. Auseinandergelebt – wie mit einem Exfreund, wo du eines Tages aufwachst und dich fragst: Warum sind wir je zusammengekommen?

Natürlich kann man nicht jede Freundschaft reparieren. Auch das habe ich letztes Jahr mit Schmerzen gemerkt und darüber getrauert. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, zu investieren. Und jemanden nicht sofort abzuschreiben. Einer Freundschaft bin ich 2017 regelrecht hinterhergelaufen. Habe mich immer wieder gemeldet, in regelmäßigen Abständen. Irgendwas hat mir gesagt, dass ich das nicht aufgeben will. Und es hat funktioniert. Als ich kurz davor war aufzugeben, hatte ich plötzlich eine Nachricht im Postfach. Ich habe geheult vor Glück. Freundschafts-Glücks-Gefühle, die mich geflasht haben. Diese Erfahrung ist eine von denen, die ich aufschreibe, um niemals zu vergessen: Es lohnt sich um gute Freunde zu kämpfen.

Ein Geschenk: Freundinnen bei der Hochzeit

Die besten Freundinnen sind zur Hochzeit gekommen

Zwei meiner besten Freundinnen leben weit weg: In Kolumbien und in Kalifornien. Wir sehen uns nicht jedes Jahr. Aber inzwischen wissen wir, dass unsere Freundschaft bleibt. Kilometer spielen keine Rolle mehr. Wir reden nicht jeden Tag, oder jede Woche. Aber wenn wir sprechen, ist alles wie immer: Gut und entspannt. Ein Gefühl von: Ich weiß, dass du da bist. Und ich weiss, dass ich mich immer bei dir melden kann. Und wenn etwas wichtiges passiert, werde ich da sein.

An meinem Hochzeitstag waren sie alle da. Angereist, um das Erlebnis mit mir zu teilen. Mein schönstes Hochzeitsgeschenk.

Las amigas

Vom Suchen und Suchen

Ich bin ständig auf der Suche. Das gehört zu mir dazu. Im Jahr 2017 habe ich besonders viel gesucht und mir Gedanken gemacht.

Ich liebe Geschichten, spreche mit Menschen und möchte wissen was andere bewegt. Warum sie tun was sie jeden Tag tun. Und gleichzeitig lerne ich viele verschiedene Lebenskonzepte kennen. Merke: Ach? Das kann man auch machen? Damit kann man Geld verdienen? Spannend. Die Wahrheit ist: Ich finde vieles interessant. Deshalb habe ich auch schon viele Nebenjobs ausprobiert: Komparsin bei Verbotene Liebe am Set, auf Messen habe ich für die unterschiedlichsten Firmen gearbeitet, habe Zahnbürsten verkauft, Workshops gegeben und und und. An jedem Job gab es etwas, das mir Spaß gemacht hat.

Aber nichts flasht mich so sehr wie Menschen und deren Geschichten. Immer wieder finde ich mich an einem Tisch mit Freunden. Mit Essen und einem Glas Wein. Die Nacht wird immer dunkler und die Geschichten spannender. Die Augen leuchten und ich merke, wenn Menschen für etwas brennen. Wenn sie etwas wirklich bewegt. Wunderschön. Inspirierend. So hatte ich einige Gänsehautmomente mit Freunden im vergangenen Jahr.

2018 wird aufregend!

Eigentlich hatte ich gedacht, dass kein Jahr mehr so spannend werden kann wie 2017. Immerhin haben wir vergangenes Jahr geheiratet. Was soll da noch kommen? Aber wir fahren im Februar nach Sri Lanka auf Hochzeitsreise. Allein das ist schon der Wahnsinn!

Und ihr habt hier auf dem Blog mitbekommen: Die ganze Hochzeit und deren Planung hat mir unendlich viel Spaß gemacht. Das Thema geht mir einfach mitten ins Herz. Wusste ich vorher gar nicht. Habe ich währenddessen erst gelernt.

Athene wird Traurednerin

Und so kam es, dass ich nach der Hochzeit überlegt habe, wie ich weiterhin mit dem Thema zu tun haben könnte. Als Wedding Planner habe ich mich nicht gesehen. – Aber bei den Geschichten und bei den Menschen. Ich finde, dass Liebesgeschichten die schönsten Geschichten sind, die das Leben schreibt. Es sind Geschichten, die es sich lohnt zu erzählen.

Ich war so froh, dass wir uns für eine Freie Trauung entschieden haben, denn so konnten wir unserer Liebe einen ganz persönlichen Rahmen geben – vor Freunden und Familie. Und genau das ist es. Das möchte und werde ich in Zukunft nebenher machen! Ich werde Freie Traurednerin und helfe anderen Paaren, damit sie mindestens eine so schöne Hochzeit haben wie wir.

Wie wird man denn Freie Traurednerin?

Einen klassischen Weg gibt es nicht. Ich habe im Netz recherchiert und bin auf Martin gestoßen. Er ist schon länger im Business und kennt sich bestens aus. Mein Bauch hat gesagt: Mach! Also habe ich einen Kurs bei ihm gebucht und er hat mir alles beigebracht, was ich für den Job als Freie Traurednerin wissen muss: Vom ersten Kontakt mit den Paaren bis zum Traugespräch, Verfassen der Rede und schließlich der Präsentation.

Ich kann die neue Saison kaum erwarten. Die ersten Paare schenken mir bereits ihr Vertrauen – einige Buchungen stehen. Ich freue mich aber natürlich auf viele weitere. In Deutschland… und der Welt.

Momentan arbeite ich an einer neuen Homepage. Bisher kann man mich als Traurednerin “Frau Pi” nur bei Instagram finden. Aber falls ihr zufällig auf der Suche seid, schreibt mir gerne hier über den Blog.

Ich freue mich sehr auf dieses Jahr, die neuen Chancen, die echten Momente und die Emotionen.

Auf geht’s: Gänsehautmomente bescheren.

Fotos: Tomek Wozniakowski

Wedding Diaries 13: Unsere Hochzeit – The Big Day

Augen auf. Ist es tatsächlich schon soweit? Ja! Der große Tag ist da. Der Tag, auf den wir neun Monate hingefiebert haben: Unsere Hochzeit. Ich bin ich schlagartig hellwach und es kribbelt überall: Von den Füßen bis hoch in den Kopf. Als hätte ich alleine eine Flasche Sekt geleert. Aber ich bin stocknüchtern. Ich fange von alleine an vor mich hinzugrinsen und springe aus dem Bett. Auf geht’s.

Was hatte ich mir die Tage vor der Hochzeit den Kopf zerbrochen: Was wenn wir krank werden? Was wenn wir verschlafen? Was wenn es aus Eimern schüttet? Was wenn…

Ich mache die Vorhänge auf und sehe Sonne und ein paar Wolken. Perfekt. Krank sind wir auch nicht und verschlafen haben wir natürlich auch nicht. Ich verschlafe nie. Aber ich mache mir gern Sorgen – auch wegen Sachen, die vermutlich nicht eintreten werden.

Entspannt in den Tag starten

Nachdem ich monatelang alle Brautmagazine auswendig gelernt hatte, war klar: An dem Morgen darf kein Stress aufkommen. Also sind wir früh genug wach, um ausgiebig frühstücken und mehrere Kaffee trinken zu können.

Einige verschlafene Hochzeitsgäste gesellen sich zu uns, darunter meine beste Freundin. Gemütlichkeit vor dem Sturm. Ich merke, dass mich heute nicht viel aus der Bahn werfen kann und schalte um in den „Jetzt geht’s los-Modus“. Monatelang habe ich mich auf diesen Tag vorbereitet und mir vorgenommen die Hochzeit in vollen Zügen zu genießen. Komme was wolle. Denn ich kenne mich: Ich rege mich schnell auf oder steigere mich in Dinge hinein, die es nicht wert sind und hinterher habe ich deshalb eine schlechte Zeit. So weit darf es am Hochzeitstag nicht kommen.

Das Styling von Corinna Hof

Getting Ready Party

Punkt acht Uhr ist die Stylistin da, wir teilen uns auf und beginnen unsere zwei Getting ready – Partys: Eine für die Männer und eine für uns Frauen und meinen Trauzeugen. Meine liebsten Mädels sind dabei – aus aller Welt angereist – meine Mama ist da und mein Bruder. Mein Herz macht einen Purzelbaum vor Freude und Dankbarkeit, als ich mich im Hotelzimmer umschaue. So viele Lieblingsmenschen sind gekommen, um an diesem Morgen schon dabei zu sein.

Die Stylistin stylt erst eine Freundin und meine Mama und danach mich. Es fühlt sich an, als wäre ich ein Filmstar, der für einen großen Auftritt fertiggemacht wird. Und ehrlich gesagt ist es ja auch der größte Auftritt, den ich bisher hatte. Haare werden geglättet, gezupft, hochgesteckt, neben dem Blumenkranz verstaut. Und das Gesicht wird so geschminkt, dass es noch nach Athene aussieht (in wach und frisch und strahlend) und dass das Make – Up trotzdem bis spät in die Nacht hält. Genau wie wir es vorab geübt hatten. Mir fällt es schon schwer einen Lidstrich bei mir zu ziehen. Ganz generell. Ich finde es unendlich bewundernswert, was Frau Hof da für eine Arbeit macht: Seelenruhig und gekonnt.

Erst Haare dann Make-Up
Der letzte Check

Die Zeit bis zum Standesamt rennt

Wir stoßen mit alkoholfreiem Sekt an und merken nicht, wie sehr die Zeit rennt. Auf einmal wird es dann doch wuselig: 10:30 wollten wir aufbrechen. Es ist 10:30. Zack zack. Rein ins Brautkleid. Mama und ich hatten das geübt, aber wir sind beide keine Expertinnen, was lange Kleider mit mehreren Lagen Tüll und Reifröcke angeht. Und so braucht es ein paar Anläufe bis ich im Kleid stecke und alles sitzt. Einmal durchatmen. Mit Brautstrauß bewaffnen und los – die eigene Hochzeit wartet. Haben wir alles? Ich hoffe. Der Rest muss improvisiert werden, denke ich bei mir. Und bin froh, dass der Personalausweis und die Ringe sicher bei meinem Trauzeugen lagern. Eine Sorge weniger.

Die Wahrheit: Jede Braut braucht einen Schleppenträger

Standesamt: Der Märchentraum im Weißen Saal

Ich liebe Aachen, meine Heimat, meine Lieblingsstadt: Wunderbare Architektur, süße Gässchen und ein pompöses gotisches Rathaus, das um 1350 gebaut, mehrfach zerstört und restauriert wurde. In diesem Gebäude befindet sich sogar der alte Krönungssaal, wo heute noch der Karlspreis verliehen wird. Ich war wirklich begeistert, als ich herausgefunden habe, dass man im „Weißen Saal“ standesamtlich heiraten kann. Das ist natürlich etwas teurer als klassisch in einem Trauzimmer im Standesamt zu heiraten, für mich allerdings auch viel schöner. Außerdem kommt hinzu, dass man im „Weißen Saal“ mehr als 70 Leute unterbringen kann. Die meisten davon müssen allerdings stehen.

Zur Sicherheit: Braut und Bräutigam gehen verschiedene Wege

Raphael und seine Jungs sind schon auf dem Weg, als wir um 10:44 endlich im Auto in Richtung Stadt sitzen. Um 11:30 beginnt die Trauung. Allerdings wollte ich eigentlich um kurz vor 11 da sein. Für falls. Fest steht, dass daraus nichts wird. Fest steht allerdings auch, dass trotzdem noch genug Zeit ist. Wir fahren in die Stadt, stellen das Auto im Parkhaus ab und laufen enstpannt in Richtung Markt. – Einmal durch die Annastraße und dann in Richtung Markt bis zum Katschhof. Dort treffen wir meinen Vater, denn er wird mich in den Saal begleiten.

Mit Raphaels Truppe hatten wir vorher ausgemacht, dass sie einen anderen Weg gehen, damit wir uns nicht treffen.

Auf dem Weg in den Weißen Saal.

Ich genieße jede Sekunde

Als wir auf dem Katschhof ankommen, wartet Thomas da in der strahlenden Sonne. Wo kommt die denn her? Die ganze Woche über hatte es geregnet und auf einmal kämpft sie sich durch. Es ist schon ein besonderes Gefühl im Brautkleid quer durch die Altstadt von Aachen zu laufen: Überall bleiben Menschen stehen, wünschen alles Gute, manche kichern, andere schicken bewundernde Blicke und sagen motivierende Dinge. Das Beste: Ich kann jede Sekunde genießen.

Einzug zu Geigenmusik

Die Gesellschaft auf dem Markt verschwindet mitsamt dem Bräutigam im Rathaus. Auch mein Bruder ist auf einmal weg. Er sollte uns eigentlich ein Zeichen geben, da er aber Trauzeuge ist, wird er nicht mehr aus dem Saal gelassen. Eine Freundin checkt für uns die Lage und gibt uns das “Go”. Langsam steige ich die Treppe zum Rathaus hinauf. Bloß nicht hinfallen, denke ich. Aus dem Saal klingt Geigenmusik, die ein Freund der Familie live für uns spielt. Ich liebe es!

Unser First Look

Unser First Look im Rathaus

Mein Herz macht einen dreifachen Salto als ich um die Ecke biege und den Weißen Saal mitsamt der Freunde und Familie sehe: Goldene Verzierungen an der Decke, lächelnde Gesichter und vorne steht er. Raphael. Ich könnte ewig weiterlaufen, aber der Weg bis zu ihm ist zu kurz. Als wir uns zum ersten mal sehen, bin ich wirklich geflasht: Von ihm und von diesem Moment. So oft hatte ich mir ausgemalt, wie es sein würde auf Raphael zuzulaufen. Und plötzlich ist der ersehnte Moment da. Ich sehe Tränen in seinen Augenwinkeln und bin sicher er hat auch welche in meinen erblickt. Liebe, Sonne, Herz, Vertrauen, Freude, Zuversicht, jetzt, du, ich, wir. Alles fügt sich.

Der Weiße Saal im Rathaus

Eine aufgeregte Standesbeamtin strahlt uns an

Als ich die Standesbeamtin bemerke, stelle ich fest: Sie ist noch aufgeregter als wir. Vielleicht hat auch sie der Moment gepackt? Vielleicht ist ihr Herz offen für Geigenmusik? Keine Ahnung – aber verständlich wäre es. Jedenfalls muss sie sich erst sammeln, bevor sie anfängt zu sprechen und Worte über uns und unser Kennenlernen zu verlieren. Ich hatte ihr extra vorher ein paar Zeilen über unsere Geschichte zukommen lassen und sie hat sich gut auf diesen Moment vorbereitet: Das ist keine 0815 Rede, die sie hält. Es geht nur um Raphael und mich. Sie hatte keine Ausbildung zur Rednerin, das merkt man schon. Aber ich finde es in dem Moment einfach klasse, wie sie sich ihren Job zu Herzen nimmt und unsere standesamtliche Eheschließung unverwechselbar werden lässt.

The Kiss

Beim Kuss prickelt es mehr als je zuvor

Endlich dürfen wir beide nacheinander „Ja“ zueinander sagen und unterschreiben. Dann ist der große Moment des Kusses da. Wir sind offiziell verheiratet. Wow. Die Zeit steht still. Ist irgendjemand da? Keine Ahnung. Egal. Unter meiner Haut prickelt es stärker als je zuvor. Und in dem Moment wird die Liebe für mich greifbar. Zwischen uns. Einfach da. Einfach gut. Einfach wir.

Wie gern hätte ich in diesen Momenten die Zeit angehalten. Nun schreibe ich sie auf, damit ich mich für immer an diesen süßen Tag – an unsere Hochzeit – mit allen Momenten erinnern kann.

Kurz nach dem “Ja-Wort”

Gratulation auf dem Marktplatz – und die Sonne feiert mit

Schon auf der Treppe des Rathauses beginnen Menschen zu gratulieren, langsam arbeiten wir uns vor auf den Marktplatz und nehmen dankbar die vielen guten Wünsche und Umarmungen entgegen. Danach versuchen wir noch alle Konstellationen an Freunden und Familie auf verschiedene Fotos zu bekommen. Denn fest steht: All diese Menschen bekommen wir erstmal nicht mehr an einen Ort. Erst bei der nächsten Hochzeit wieder. Also formieren wir uns auf dem Katschhof auf der Treppe. Die Sonne strahlt fast ein bisschen zu sehr. Manch einer tut sich schwer die Augen offen zu halten. Aber ich hatte mir die Sonne so sehr gewünscht, da will ich sie nicht verteufeln. Schön, dass auch sie mit uns feiert.

Sektempfang in der Annastraße

Mit der ganzen Gruppe laufen wir anschließend gemütlich zum Laden meiner Mutter in der Annastraße. Vor ihrem Geschäft hat ein Freund ein Zelt aufgebaut. Es gibt Sekt und kleines Laugengebäck. Die Familien lernen sich kennen und Raphael und ich können durchatmen. Der erste Schritt ist geschafft! Jetzt stoßen auch wir mit richtigem Sekt an und freuen uns, frisch verheiratet zu sein. Fühlt sich gut an. Und leicht. Und aufregend.

Shooting in der Altstadt

Nach einer Stunde setzen wir uns ab. Gemeinsam mit den engsten Freunden und dem Fotografen machen wir noch ein paar Bilder in der Aachener Innenstadt. Viel zu schön ist es hier, um die Kulisse nicht zu nutzen.

Mit einer Engelsgeduld zubbeln die Mädels mir die Schleppe und die vielen Lagen des Kleids immer wieder zurecht, reichen mir Puder und bringen uns zum Lachen. Ich kann jedem nur empfehlen, sich Leute zu suchen, die einen an jenem Tag unterstützen. Es gibt so viele Aufgaben und wenn man sie auf viele Schultern verteilt wird es für keinen stressig. Die Mädels zum Beispiel hatten einzig die Aufgabe an dem Tag für mich da zu sein. Und das waren sie – von morgens bis abends!

Wir. In Aachen

Freie Zeremonie auf Gut Hebscheid – mein Highlight

Heiratet ihr kirchlich oder standesamtlich?“ „Standesamtlich und am Nachmittag soll es bei unserer Hochzeit noch eine Zeremonie im Freien geben.“ So war unser Wunsch. Und so haben wir es dann auch geplant.

Nach einer Pause finden sich um 17:30 die Gäste an unserer Location „Gut Hebscheid“ ein. Im Hof stehen Bierbänke, ein Pavillon, Tisch, Blumen und Stühle. Der DJ hat Mikrophone und Lautsprecher aufgestellt und an einer Seite hat sich der Chor meiner Mutter formiert. Es sieht viel schöner aus, als ich es mir am Vortag erträumt habe. Romantisch, ein bisschen rustikal und Vintage und gleichzeitig trägt es unsere Handschrift. Ich fühle mich wohl.

Unser gemeinsamer Einzug

Einzug des Brautpaars zu „Bridge over troubled water“

Der Chor stimmt „Bridge over troubled water“ an, Raphael und ich nehmen uns bei der Hand und gehen diesmal gemeinsam rein. Vorbei an den vielen bekannten und geliebten Gesichtern der Menschen, die sich freuen uns zu sehen. Vorne wartet Reni – sie ist eine Kommilitonin von Raphael und unsere Hochzeitsrednerin. Im Vorfeld hatten wir sie getroffen und ihr unsere Geschichte bis ins kleinste Detail erzählt, damit sie Stoff hat für ihre Rede heute. Ich wusste vorher, dass sie es perfekt machen würde. Aber als sie anfängt zu reden, haut sie mich wirklich um.

Unsere Trauzeremonie

Die Hochzeitsrede mit Liebe zum Detail

Mit viel Liebe, tausend Details und einem Lächeln auf den Lippen erzählt sie, wie Raphael und ich zueinander gefunden haben. Dass uns die Familie und Freunde wichtig sind, immer einen Platz bei uns haben. Sie erzählt von unserer gemeinsamen Passion: Dem Reisen. Und macht unsere Liebe durch ihre Rede greifbar und erlebbar. Immer wieder habe ich Gänsehaut und merke, dass mein Herz vor Glück zu platzen droht.

Hinterher sprechen Raphaels Eltern einen Segen für uns beide und geben uns ihre Wünsche mit auf den Weg und danach singt meine beste Freundin Vanesa „Save the best for last“ für uns. Den Text hat sie an unsere Situation angepasst und spätestens jetzt sehe ich viele Gäste nach Taschentüchern kramen. Auch ich brauche eins. Ihre Stimme trifft mich mitten ins Herz. Gesang bei der Hochzeit toppt alles.

Während der Freien Trauung

 Kein “Ja”, aber ein Eheversprechen

Wir haben uns entschieden in dieser Zeremonie nicht noch einmal „ja“ zueinander zu sagen. Stattdessen wollen wir uns im Rahmen der Hochzeit ein paar persönliche Worte sagen: Unsere Eheversprechen, die wir extra füreinander geschrieben hatten. Vor diesem Moment hatte ich besonders viel Angst. Ich habe mich gefragt, ob mir wohl die Stimme wegbleibt. Ob ich stocke und nicht weitersprechen kann. Raphael ging es vermutlich ähnlich. Es ist was ganz anderes im Radio zu sprechen als vor Freunden und Familie, finde ich. Ich war aufgeregt wie noch nie. Aber als der Moment dann da war, hieß es durchatmen und sprechen. Und am Ende ist es ganz einfach. Keine Ahnung welcher Hebel in mir sich da von alleine umgelegt hat. Aber die Worte kamen wie von allein aus mir heraus.

Vor unserem Eheversprechen

Gänsehaut im Herzen

Als Raphael nach mir spricht, ist die Welt einfach perfekt. Ich bin sicher: In diesem Moment bin ich die glücklichste Braut der Welt. Wie kleine Glühwürmchen nehme ich die Liebe zwischen uns wahr. Sie ist greifbar. Da. Warm. Liebevoll. Gütig. Herzlich. Und echt. Nie zuvor habe ich so etwas erlebt.

Beim Auszug danach singt der Chor extra für uns „Your Song“. Und ich kann nicht mehr aufhören zu grinsen. Unsere Gäste pusten Seifenblasen und wir laufen lachend und tanzend an ihnen vorbei. Umgeben von unendlich vielen Blasen, die eine märchenhafte Kulisse zaubern. Die Zeremonie war und ist für mich das Herzstück unserer Hochzeit. Der Unbezahlbar- und Unvergesslich- Moment, den ich sorgfältigst in meinem Herzen verstaut habe.

Unter Seifenblasen ist das Leben doppelt schön.

Erst Essen, dann Party: Augen zu und tanzen

Von einem langen Tag gibt es viel zu erzählen! Nach der Zeremonie und einem kleinen Sektempfang im Hof dürfen sich die Gäste in der Scheune hinsetzen und ihre Nachbarn kennenlernen. Wir haben versucht die Sitzordnung so zu gestalten, dass jeder bekannte Gesichter in seiner Nähe hatte – aber auch die Chance hatte ein paar neue Menschen kennenzulernen. Die Scheune ist voll: 11 Tische gibt es insgesamt. Jeden einzelnen haben wir dekoriert.

Der Zeremonienmeister kümmert sich um den Ablauf

Durch das Abendprogramm führt unser Freund Kim. Er ist auch unser Zeremonienmeister und damit zuständig für die Programmpunkte, den Ablauf des Abends und die Ansagen. Den Rahmen hatten wir gesteckt: Nicht zu viele Beiträge, jeder Beitrag darf maximal 5 Minuten lang sein und keine klassischen Hochzeits-Spiele. (keinen Baumstamm zersägen etc.)

Unser Zeremonienmeister Kim

Hochzeitsspiele nein – Wortbeiträge gern

Da mag jetzt nach Spielverderbern klingen, aber das kann ja jedes Paar machen wie es möchte. Bei mir ist es so: Auf jeder Hochzeit, wo ich bisher war, habe ich mich bei Spielen wie „Baumstamm sägen“ oder „Bräutigam füttern“ wahlweise gelangweilt oder fremdgeschämt. Warum sollte das dann also am schönsten Tag des Lebens auf unserer Hochzeit stattfinden? Es gibt keinen Grund.

Was ich allerdings sehr gerne mag, sind Reden. Für mich das Highlight auf jeder Hochzeit, wenn sie nicht zu lang dauern. Deshalb hatte ich mir explizit eine solche von meinem Vater gewünscht und die hält er gleich zum Start in den Abend. Einfach toll – das beste Geschenk überhaupt!

Zwischen den Gängen werden Reden gehalten

Daraufhin gibt es Vorspeise. In dieser Location wird ausschließlich Buffet angeboten. Wenn man genug Zeit und Puffer einplant ist das auch eine schöne Sache, denn so stehen die Gäste immer wieder auf und es gibt Bewegung im Raum. Zwischen Vor- und Hauptspeise halten Raphaels Eltern gemeinsam eine Rede und finden viele zauberhafte Worte für uns.

Immer wieder schaue ich mich in der Scheune um: So viele Menschen sind gekommen, um mit uns zu feiern. Das ist schon außergewöhnlich, finde ich. Und mein Herz hat sich über den Tag hinweg immer mehr mit Dankbarkeit gefüllt.

Ich bin überrascht wie lecker das Essen ist. Italienisches Buffet steht auf der Speisekarte und von Lachs-Lasagne bis hin zu Schnitzelchen schmeckt alles ausgezeichnet. Nach der Hauptspeise gibt es noch zwei Filme für uns, die Freunde vorbereitet haben. Für uns eine komplette Überraschung –und der ganze Saal hat was zu lachen. Natürlich auch auf unsere Kosten. Aber im Guten, falls ihr versteht, was ich meine.

Unsere Lemon Basier Torte

Die Torte gibt es zum Nachtisch

Zum Nachtisch gibt’s die lang ersehnte Lemon Baiser Torte auf mehreren Stockwerken. Ein wahres Kunstwerk. Der DJ legt “Candyman” auf und wir schneiden die Torte an. Beziehungsweise wir probieren es – das ist gar nicht so leicht (so ohne Fondant), denn die Torte fällt schnell auseinander. Schon beim ersten Bissen weiß ich wieder genau, warum wir diese Torte beim Café zum Mohren gewählt haben. Viel zu lecker, leicht und zitronig. Sie hat zum Glück auch den Gästen sehr gut geschmeckt: Am Ende war viel weniger übrig, als erwartet. Und trotzdem konnten wir uns noch am nächsten Tag daran sattessen.

Und die Torte schmeckt auch noch!

Der Eröffnungstanz zu Aschenbrödel

Gegen 22 Uhr ist es Zeit Tische wegzuräumen und mit dem Eröffnungstanz den späten Abend zu beginnen. Denn für diese Zeit haben wir noch mehr Freunde eingeladen. Ein heikler Punkt in der Abendplanung, denn wir wollen natürlich nicht, dass die Gäste auf einmal im Raum stehen, alle essen und für sie gibt es keinen Platz.

Aber Zeremonienmeister Kim hat alles im Blick und kümmert sich darum, dass die Tische zur richtigen Zeit abgebaut werden. Und als die ersten Gäste reinkommen, nimmt er sie noch vor uns in Empfang und schafft die perfekte Überleitung bis wir bereit stehen zu tanzen.

Der Hochzeitstanz – ein Moment nur für uns.

Beim Tanz fühle ich mich wie eine Prinzessin

Ihr wisst: Ich bin kitschig veranlagt und schaue um Weihnachten herum seit der Kindheit „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Also Kitschbox auf: Deshalb hatte ich mir gewünscht auf den Song aus dem Film zu tanzen. – Also auf genau den Song, zu dem Aschenbrödel mit dem Prinzen tanzt. Und so kam es dann auch. Raphael hat sich darauf eingelassen. Auf genau diesen Song haben wir Walzer geübt und meinen Märchentraum wahr werden lassen. Kitschbox zu.

Tanzen = Glück

Danach sollte es keine Pause geben. Die Party sollte sofort starten. Und damit der DJ es beim Start leicht hat, hat eine Freundin, die Sounddesignerin ist, uns die folgenden Songs zusammengebaut: Ein Walzer für alle. Und danach ein genialer Übergang zu Fatboy Slim – Rockafeller Skank. Es funktioniert: Viele Leute trauen sich von Anfang an zu uns auf die Tanzfläche. Das war einer dieser Punkte, die ich mir gewünscht hatte: Dass möglichst viele Gäste mit uns tanzen. Ich finde: tanzen macht glücklich. Und an einem solchen Tag, an dem man so viele Erinnerungen sammelt, ist tanzen die perfekte Krönung. Ich schmeiße die Volants von meinem Kleid durch die Gegend, drehe mich wild im Kreis und freue mich über das Leben.

Die Wahrheit: Sneakers sind die perfekte Alternative am späten Abend

Sneaker zur Hochzeit – das perfekte Andenken

Irgendwann ist es Zeit für die Hochzeits-Sneaker. Schuhe, die wir uns extra für diesen Tag designt und bestellt haben – mit unserem Datum drauf. Und weiter geht’s. Springen, drehen, ein paar Latino-Songs gröhlen.

Und am Ende des Abends der krönende Abschluss: Queen – Don’t stop me now. Gemeinsam mit den letzten Gästen setzen wir das i-Tüpfelchen auf diesen Abend und feiern das Leben. Ich habe mich noch nie so glücklich und lebendig gefühlt. Es lohnt sich wirklich die Liebe mit einem großen Fest zu feiern. Ich kann es jedem empfehlen. Und während ich den Punkt hinter diese letzten Worte setze, spüre ich wieder dieses Kribbeln. Es ist wirklich passiert. Das war unsere Hochzeit. Und für uns war sie einfach… perfekt. Eine wundervolle Zeit seit dem “Ja” zum Verlobungsring an Weihnachten.

P.S. Tipps packe ich hinter diesen langen Text keine mehr. Aber zu allen Abschnitten wird es noch einzelne Artikel und „How tos“ geben. – Voller Tipps.

Für mich ein ganz besonderes Bild: Klassisch, grün und mit der Hochzeitsjacke meiner Oma

Fotos: Tomek Wozniakowski und Martin Permantier

Wedding Diaries 8 – Endspurt und Panik: Was soll schon schiefgehen?

Der September hat angefangen und damit unser großer Monat. Der Countdown läuft, es ist Zeit die letzten Dinge zu erledigen: Sitzordnung, Walzer lernen, Outfits fertigstellen, Deko organisieren, hoffen, dass das Wetter mitmacht… und und und. Die Zeit rennt. Und die Gedankengänge in meinem Kopf schlagen Purzelbäume. Was wäre wenn? Hier gibt’s die ganze Wahrheit über den schön-schaurigen Wahnsinn in diesen Tagen.

Ich wollt doch noch. Hab ich eigentlich schon? Und was ist eigentlich mit? Und wer macht eigentlich? Schaffen wir das alles? Und was, wenn das Brautkleid nicht mehr passt? Was wenn ich hinfalle? Was wenn Leute nicht kommen, ohne abzusagen? Was wäre wenn?

Kein Scheiß. So geht das seit Wochen in meinem Kopf ab und seit der September begonnen hat, ist es noch ein bisschen schlimmer geworden. Auch wenn wir uns diverse Ratgeber durchgelesen haben und ich sämtliche Brautmagazine in diesem Jahr gekauft und durchgearbeitet habe: Es hört nicht auf. Die Aufregung bleibt. Irgendwie auch logisch: Immerhin hat keiner von uns Eventmanagement studiert noch haben wir je so ein Großevent organisiert. Und auch, wenn ich unfassbar viel Spaß an der Planung der Hochzeit habe. Die Angst gehört auch hier einfach dazu. Sie wird immer da sein, wenn ich meine Komfortzone verlasse und etwas neues ausprobiere oder kennenlerne. Seit ich das über mich gelernt habe, ist vieles einfacher. Ich muss die Angst nicht mehr kleinreden, ich kann mit ihr umgehen. Damit sie mich nicht lähmt.

Einatmen. Ausatmen. Hier hilft nur noch ein Realitätscheck. Malen wir uns den Worst-Case aus.

Realitätscheck: Was wäre wenn?

Nehmen wir uns die Szenarios vor: Es kann vieles schief gehen. Ist so.

Was wenn es den ganzen Tag nur regnet und mein Kleid schon zu Beginn des Termins beim Standesamt klatschnass ist? Und wenn der Sektempfang ins Wasser fällt?

Was wenn die Torte nicht geliefert wird?

Oder wenn das Buffet nicht schmeckt? Oder der Wein?

Was wenn der DJ nicht kommt. Oder fast schlimmer: Was wenn er Schlager auflegt?

Was wenn wir uns beim Hochzeitstanz auf die Füße treten – obwohl wir extra zwei Privatstunden genommen haben?

Was wenn am Ende um 1 Uhr morgens keiner mehr tanzen will und die Party vorbei ist?

Und was wenn Plätze leer bleiben, weil Menschen spontan nicht kommen?

Ok, ich merke es selbst: Vieles davon ist unwahrscheinlich und bei einigen Dingen heisst es dann am Tag der Tage einfach: Deal with it. Tanz im Regen. Tanz weiter, schieb die Tische zur Seite und lach dem Tag ins Gesicht.

Denn das schlimmste wäre doch: Was wenn Raphael und ich am 22.09.2017 keinen Spaß an unserer eigenen Feier hätten? Oder Kopfschmerzen vor zu viel Stress in den Tagen davor?

Nein. Das geht gar nicht. Und ich werde alles dafür tun, dass es nicht soweit kommt.Deshalb schreibe ich diesen Text.

Ich muss damit klarkommen, dass wir noch so viel planen können und am Ende doch alles anders wird. Alles wird gut. Aber auf seine ganz eigene Art und Weise. Und wenn wir jetzt schon genau wüssten, wie es uns in einer Woche am Tag nach der Party geht, dann wäre das ziemlich langweilig, oder?

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Gedankensamba

So sieht das im Moment in meinem Kopf aus. Es ist aufregend. Es ist unbekannt. Es ist neu. Es brennt und es wärmt.

Aber am Ende ist leicht zusammengefasst, was wirklich zählt. Was ich mir für uns und die Gäste wirklich von unserem Hochzeitstag wünsche. Und dabei geht es nicht mehr um Tanzschritte oder Essen. Und auch nicht um Regen.

Ich wünsche mir, dass unsere Familien danach keine Fremden mehr sind.

Dass wir gemeinsam lachen.

Und am Abend: Schmerzende Füße von stundenlangem Tanzen.

Ich wünsche uns einen Regen aus Seifenblasen.

Gänsehaut im Herzen.

Und Spontanität und Großherzigkeit.

Ich wünsche uns Schmetterlinge im Bauch.

Liebe, die uns zu Kopf steigt.

Und Freudentränen.

Ich wünsche uns einen unvergesslichen Tag, der unser Herz mit zauberhaften Erinnerungen füllt.

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Nachtrag: Und am Ende wurde alles gut! Sowohl am Morgen als auch am Tag der Hochzeit. Die Hochzeit war viel schöner als jemals erträumt. Liebe Bräute: Habt keine Angst. Genießt euren schönsten Tag.

Was wäre wenn am Ende alles gut wird? Inklusive Meer aus Seifenblasen

Tipp:

Den gibt’s überall. Aber er ist wirklich immer brauchbar! Bindet viele Leute ein. Holt euch Hilfe! So konnte ich mich zumindest immer darauf besinnen, sobald Stress aufkam: Wir sind nicht allein! Viele Verwandte helfen uns. Alles wird gut.

Foto: Martin Permantier

Neue Impulse beim Reisen: Wie Gespräche das eigene Leben bereichern

Und wo übernachtet ihr, wenn ihr auf Reisen seid? – Hotel? Appartment?“ – „Am liebsten bei anderen“, antworte ich darauf meistens. Denn so sind wir auf Reisen immer im Austausch – von ganz allein. Und das ist für mich unfassbar wertvoll. Andere Menschen und ihre Perspektiven auf das Leben. – Was für eine große Bereicherung. Manche Sätze können die eigene Sichtweise für immer verändern.

Ich habe festgestellt: Im Alltag umgibt man sich immer mit den gleichen Leuten, geht ähnliche Wege und dadurch dreht sich vieles im Kreis. Auf Reisen, im Kontakt mit anderen Menschen ergibt sich von ganz alleine die Chance neue Perspektiven auf unser Leben zu bekommen. – Oder andere Denkansätze. Und das einfach nur, weil ein Gespräch entsteht und aus diesem Gespräch gibt es am Ende einen Satz. Und der bleibt für immer. Der verändert vielleicht sogar etwas – für immer.

Und manchmal liegt es einfach daran, dass Urlaub ist und da nehme ich mir mehr Zeit zuzuhören und gelernte Muster in Frage zu stellen. Und dabei müssen es gar nicht immer die tiefgründigen Gedanken sein. Manchmal reicht es, wenn einem ein Fremder seine Wahrheit und Weltsicht vor den Latz knallt – und schon schwimmen die Gedanken in eine neue Richtung. Hier habe ich ein paar Beispiele für euch, von Menschen, die meine Gedankenwelt durch ihre kleinen Sätze verändert und bereichert haben.

Unser Surfmobil in Kalifornien mit den Boards von Carlos Santana

„You have to commit to the wave“ – Carlos Santana

Huntington Beach, Kalifornien

Huntington Beach ist einer der Orte in Kalifornien, wo viele Schüler noch morgens vor der Schule Surfunterricht bekommen. Surfen, Entwicklung und Wellenreiten – das gehört hier einfach dazu. Wir haben bei Christine und Carlos Santana gewohnt, ein sehr außergewöhnliches Pärchen. Sie ist gelernte Opernsängerin, die inzwischen ihr Geld verdient, indem sie Möbel im Dawanda-Style upcyclet. In ihrer Garage stehen abgebeizte Tische, die sie zum Beispiel mit Silberfolie verziert. Sehr… originell! Carlos ist Unternehmer, verkauft Autos und er ist leidenschaftlicher Surfer. (Ja, er heisst wirklich Carlos Santana, ist mit besagtem aber weder verwandt noch verschwägert).

Gleich zu Beginn unseres Besuchs hat Carlos uns seine Surfboards ausgeliehen, uns gesagt wohin wir am besten fahren und um wieviel Uhr. Diese Boards haben wir in unseren Mietwagen gepackt und los.

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Ein ganz normaler Tag in Kalifornien

Die Gespräche mit ihm waren lang und ausgiebig. Er ist eine dieser schillernden Persönlichkeiten, die man unbedingt öfter um sich herum haben will, weil sie einem ein gutes Gefühl geben und neue Ideen. Von ihm kam der Satz, den ich mir JEDES Mal beim Surfen wieder ins Gedächtnis rufe. Als er uns eines morgens eine Trocken-Surfstunde auf dem Boden gegeben hat, sagte Carlos auf einmal: Wenn du es nur halb willst, dann kannst du es auch lassen. Du wirst die Welle nicht bekommen, sie wird dich umschmeissen. Um eine Chance zu haben, dass es klappt gibt’s nur einen Weg: „You always have to commit to the wave.“

Es liegt auf der Hand, es ist so logisch. Und doch erklärt es mir so viele Surftage, an denen ich Weißwasser (Schaum gebrochener Wellen) gefressen hab und mich gefragt hab, warum es gerade nicht läuft. Es lag meistens an mir und meinem Einsatz und Willen. Danke Carlos für diesen Satz.

„Bigger board more fun“ – Andy

Bali, Indonesien

Auf Bali hatten wir einen Surfguide, der war die personifizierte Grumpy Cat. Andy lebt mitten im Paradies, hat aber leider trotzdem meistens miese Laune. Außerdem war er insgesamt kein besonders guter Surflehrer. Selten hat er es geschafft einen zu motivieren, eine etwas größere Welle anzupaddeln. Ich hatte immer den Eindruck er hat keinen Bock auf uns und seinen Job. Nach der Session fiel ihm immer ein Satz ein, mit dem er uns einen reinwürgen konnte, wenn er einem gesagt hat: “Wenn du davor schon Angst hast, wie willst du jemals besser werden? Eigentlich hatte ich mir vorgenommen hinterher keinen müden Gedanken mehr an grumpy Andy zu verschwenden. 

Die Boards auf Bali

Aber dann kam der eine Tag, als er meinen Surfboardstolz durch einen Satz für immer verändert hat. Es gab kleine Wellen, eigentlich perfekt zum Üben – vor allem mit einem großen, langen Surfboard. Aber ich hab mich aus Stolz mit einem kleineren Board abgekämpft und die Wellen nicht bekommen. Sie wollten mich einfach nicht mitnehmen. Es lag natürlich auch an meiner fehlenden Kraft. (Ich gehe zwar ins Fitness-Studio und trainiere gezielt die Arme, dennoch surfe ich einfach zu selten) Nach der Session sagte Andy dann (etwas schnippisch): „Well, bigger board more fun.“ Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich später noch an Irgendwas von ihm erinnern würde, aber dieser Satz hat sich eingebrannt.

Einen Tag später habe ich mir am Strand einfach ein großes Board geliehen und es hat einfach gewuppt. Auf einer Welle nach der anderen bin ich Richtung Strand gesurft und es war einfach großartig. Natürlich ist das keine große Philosophie. Und doch hat es etwas bei mir verändert. Wenn ich am Strand bin, möchte ich möglichst viel Spaß haben. Und das klappt bei mir – bisher – mit großem Board besser. Und daher bin ich froh, Andy getroffen zu haben.

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It´s always fun if you proceed.“ Ste` en

Raglan, Neuseeland

Ste`en – was für ein außergewöhnlicher Typ! Der hat verstanden, dass es im Leben nicht um die große Karriere geht. Er lebt im verschlafenen Surferort Raglan in Neuseeland, arbeitet nebenher für ein Snowboardmagazin und er surft sooft er kann. Hauptberuflich kümmert er sich allerdings um sein Haus, hält es instand und vermietet ein kleines Apartment daraus an Reisende. Da sind auch wir gelandet und hatten die Chance ihn auf unserer Reise durch das wunderschöne Neuseeland kennenzulernen.

Ste´en verkörpert für mich den perfekten Surferlebensstil, wie er sich in der Realität leben lässt. Er läuft zum Beispiel 20 Minuten mit dem Board über Klippen, um an die eine geheime Stelle zu gelangen, wo die Wellen besonders schön brechen. Mit dem Snowboarden hat er vorerst aufgehört, weil er dort nicht mehr weitergekommen ist – er hat sich nicht mehr entwickelt, sagt er selbst. Und dadurch vorerst die Motivation dafür verloren. In diesem Zusammenhang fiel auch sein Satz: Es macht immer so lange Spaß, wie du dich entwickelst, wie du einen Prozess spürst, besser wirst oder eine innere Weiterentwicklung bemerkst: „It´s always fun if you proceed.“

Entwicklung im Surfkurs: Glücksmoment

Wie recht er hatte. Das sage ich mir immer wieder. Jedes Mal, wenn ich am Anfang eines Surfurlaubs wieder das Gefühl habe, eine neue Sportart zu erlernen. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nichts mehr kann, weil die letzte Welle viel zu lange her ist. Eigentlich ist es gar nicht schlecht, dass surfen eine so große Herausforderung ist. So bleibt sie mir immer erhalten – es bleibt für immer einzigartig, neu und aufregend – genauso wie die Wellen. Unberechenbar – und plötzlich, wenn man gar nicht mehr damit rechnet, wächst man über sich hinaus und steht eine – für die eigenen Verhältnisse – besonders große Welle.

Passion: Wichtige Sätze sammeln

Solche Sätze sammeln ist inzwischen meine kleine Passion. Ich schreibe sie auf, damit sie nicht plötzlich verpuffen und freue mich schon auf die nächsten Reisen. Und die nächsten Impulse.

Habt ihr von euren Reisen auch schon inspirierende Sätze mitgebracht? Sätze, die euer Leben oder eure Sichtweise verändert haben? Schreibt sie mir gern in die Kommentare!

Wellenzauber in Neuseeland

Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Bocas del Toro – Panama: Karibik, Piratenfeeling und Surfen

Panama ist Vielfalt! In Bocas del Toro gibt es Ecken für alle:  Naturliebhaber, Surfer, Partyfans und Menschen, die es ruhig mögen. Allerdings sollte man kein Problem mit Boot fahren haben: Von Insel zu Insel kommt man nur mit dem Wassertaxi. Packt eure Boards unter den Arm, legt Reggae auf und kommt mit nach Bocas.

Bocas – da wo die Piraten waren

Übertrieben glitzer-bau und klar strahlt uns das Meer entgegen als wir auf der Isla Colon in Bocas del Toro ankommen. Bocas del Toro – den Namen trägt die Region offenbar, weil sie Christoph Kolumbus an das Maul eines Stieres erinnerte. – Damals als dort im Jahr 1502 auf seiner vierten Reise an Land gegangen ist. Später soll die Gegend vor allem bei Piraten beliebt gewesen sein, die auf den Inseln ihre Schiffe repariert und Schätze versteckt haben sollen. Wenn ich die Augen zusammenkneife, kann ich mir einbilden die Piratenschiffe durch das klare Wasser gleiten zu sehen.

Eins der typischen Boote vor der Isla Carenero

Wir stehen an einem der vielen Stege, um ein Boot auf die Insel Bastimentos zu nehmen. Da werden wir sechs Tage lang wohnen.

Bastimentos erinnert an Jamaika

Unsere Rucksäcke werden auf ein kleines Boot geworfen und schon klettern wir hinterher in dieses einfache Wassertaxi. Mir ist ein bisschen mulmig im Bauch als wir losfahren und das Boot bei jeder kleinen Welle mit einem großen „Rums“ auf das Wasser schlägt. Für jemanden mit so viel Schiss, wie ich welche hab, war diese kurze Fahrt von 10 Minuten wie eine Achterbahnfahrt. Um uns herum sitzen viele Afropanamaer und auch als wir auf der Insel Bastimentos ankommen, fühlt es sich an als wären wir auf Jamaika angekommen – laute Reggae-Bässe dröhnen aus den Boxen in den Holzhäusschen, die waghalsig über das Wasser gebaut sind.

Tatsächlich leben in der Region Bocas del Toro viele Nachkommen von jamaikanischen Sklaven. Wir sind in Panama und doch eröffnet sich uns in Bocas eine völlig neue Welt. Auf Bastimentos gibt es keine richtigen Straßen und keine Autos – nur Fußwege und Trampelpfade durch den Wald.

Bastimentos und seine Häusschen vom Boot aus

Unsere Unterkunft: Eine süße Holzhütte

Wir laufen die Küste entlang, biegen irgendwann rechts ab und kommen schließlich in unserer Unterkunft am an: Eine kleine Herberge mit Einzelzimmern und Holzhütten direkt am Meer. Eine davon haben wir in dieser Woche gebucht. Die Unterkunft ist einfach, hat aber alles was ich zum Glücklichsein brauche: Auf der Veranda zwei Holzsessel und eine Hängematte und vom Bett aus Blick bis zum Meer.

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Neben den Nachkommen der Menschen aus Jamaika leben auf Bastimentos auch viele Aussteiger aus Europa und den USA, die sich hier niederlassen, viele erfüllen sich den Traum ein Haus zu bauen und ein Hostel zu eröffnen.

Bei einem davon wohnen wir: Dan hat die Unterkünfte aus Holz am Meer gebaut noch bevor er seine panamenische Frau Lily geheiratet hat. Inzwischen führen beide zusammen ihr kleines Unternehmen. Wie glücklich die beiden dort sind, kann ich allerdings nicht sagen: Im Internet haben wir das Grundstück gefunden, weil es zum Verkauf angeboten wird. Das ist einer der großen Eindrücke aus den Tagen in Bocas del Toro: Viele zauberhafte Häusschen, einige baufällige Gebäude, die dringend eine Renovierung bräuchten und sehr viele Grundstücke, an denen „zum Verkauf-Schilder“ hängen.

In Bastimentos wird manchmal das Wasser knapp

Unser Host Dan hatte uns vorgewarnt: In der Region war seit Wochen kein Regen gefallen. Es gab kein fließendes Wasser als wir auf Bastimentos angekommen sind. Das war auch für mich eine neue Erfahrung. Alle Bewohner sind mehrmals täglich zu einer Quelle gelaufen und haben haufenweise Kanister mit Wasser gefüllt und nach Hause geschleppt. Auch unsere Hosts haben immer wieder dafür gesorgt, dass wir Wasser im Haus hatten. Damit konnten wir uns Eimer mit Wasser über den Kopf kippen und “duschen” – oder wie ich es nach ein paar Tagen liebevoll genannt habe: abeimern. Klar, das ist keine richtige Dusche, aber man gewöhnt sich schnell daran.

Mich haben in diesen Tagen die vielen Familien beeindruckt: Der Weg zur Wasserstelle führte gleich an unserer kleinen Hütte vorbei. Immer wenn wir auf der Terrasse saßen, liefen Mütter, Väter, Geschwister zur Quelle hin und kamen schwer bepackt mit vollen Kanistern zurück. – Auch die Kinder. Mit unendlichem Willen in ihren Augen schleppten kleine Mädchen von ca. 5 Jahren ihre Geschwister im Arm. Andere hatten in jeder Hand Kanister mit je 5 Liter Wasser darin. Tragen – kleine Pause – weitermachen – nicht aufgeben. „Viel stärker als ich je gelernt habe zu sein,“ dachte ich mir und eins steht fest: Sie sind mein Vorbild für immer.

Bastimentos: Typische Bauweise der Häuser auf Stelzen

Bastimentos Old Bank

Der zentrale Ort in Bastimentos – Old Bank – ist auch der Ort, wo die Boote anlegen. Wenn man durch das Dorf schlendert und dem Dock näher kommt, nähert sich irgendwann immer jemand, der fragt: „Wohin wollt ihr? Braucht ihr ein Wassertaxi?“ Ich habe den Eindruck, einer der sichersten Jobs hier ist: Wassertaxi fahren. Denn den ganzen Tag lang müssen hier Menschen von Insel zu Insel gebracht werden. Eine Fahrt nach Bocas kostet für Touristen (Stand Februar 2017) 3 Dollar und und bei Nacht 5 Dollar.

Hostels mit Terasse am Wasser

So gut wie jedes Hostel im Ort hat eine Terrasse über dem Wasser mit Hängematten für die Gäste und einen Steg, an dem die Taxen sofort anhalten können. Direkt an der Anlegestelle für die vielen Boote befindet sich auch die Polizeistation und ein Supermarkt. Dieser wird geführt von der – und ich übertreibe nicht – schlechtgelauntesten Asiatin der Welt. Diese Frau hat den bösen Blick so gut drauf, dass ich das ständige Bedürfnis hatte sie offensiv anzulächeln. Leider ohne Erfolg. Aber ich werde sie und ihre schlechte Laune niemals vergessen.

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Surfen in Bocas del Toro

Wellen Surfen mit karibischem Flair in kristallklarem Wasser – diesen Traum können sich Surfer in Bocas del Toro erfüllen. Allerdings sind die Bedingungen in der Gegend nicht durchgehend so, dass es surfbare Wellen gibt. Als wir in Bocas angekommen sind, gab es erstmal 4 Tage lang gar keine Wellen. Das Meer lag da, wie der perfekte Swimmingpool und ich konnte mir gar nicht mehr vorstellen, dass es jemals anders sein kann. Wir hatten uns gerade an ruhige Nächte gewöhnt, als wir auf einmal davon geweckt wurden, dass laute Wellen direkt vor unserer Hütte an Land klatschten. Der Swell war da.

Ich hatte vorher gehört, dass man in Bocas tatsächlich wie ein Pirat surfen kann: Rein ins Boot, hin zur Welle, ins Wasser springen und los. Für einen Bechbreak-Liebhaber und Schisser wie mich, der die Spots in der Region nicht kennt, war das für einen ersten Surftag nach Monaten allerdings keine gute Option. Also haben wir uns ein Board im Ort geliehen und machten eine Wanderung zum Wizard-Beach.

15 Minuten zu Fuß sind gerne mal eine Stunde

Die Locals hatten uns vorher versichert, dass man nach 15 Minuten dort sei. Wenn man den Weg allerdings nicht gut kennt, ist das Quatsch! Wir waren ungefähr 40 Minuten unterwegs – einmal quer über die Insel durch den Dschungel über einen Trampelpfad. Der Weg ist einsam, etwas gruselig und gleichzeitig sehr besonders: Wir haben zum Beispiel außergewöhnliche Papageien gehört und gesehen. Auf der Insel gibt es außerdem unter anderem Faultiere, Frösche, Brüllaffen und außergewöhnliche Schlangen. Ich bin froh, dass wir mit letzteren keine Bekanntschaft gemacht haben.

Als wir am Wizard Beach ankommen, sind wir völlig erschöpft. Die Aussicht hat mich allerdings komplett umgehauen: heller Sand an einem wilden Strand! Im Rücken der grüne Dschungel mit seinen vielen Geheimnissen und vor uns das plötzlich wilde Meer, das eine Welle nach der anderen an Land peitscht. Niemand außer uns hat so früh den Weg bis an diesen Strand unternommen: Der Strand ist komplett leer und ich fühle mich wie im Paradies. Wir rennen ins unwirklich warme Wasser und kämpfen uns durch die Wellen, die heute einen wilden Tanz ohne geordnete Choreographie aufführen: Es sind keine perfekten Bedingungen, aber wir nehmen das Meer wie es ist. Langsam kommen wir wieder in die Surf-Technik rein: Paddeln, Push abwarten, aufstehen… genießen. Nirgends fühle ich mich so wohl wie im Meerwasser.

Tipps:

  • Fahrt Wassertaxi Bocas Bastimentos kostet 3 Dollar pro Fahrt bei Tag und 5 Dollar, wenn es dunkel ist. Achtung: Angeblich gibt es die ganze Nacht Taxis. Wir mussten morgens um 5:00 allerdings eine halbe Stunde warten bis eins kam.
  • Tolles Café auf Bastimentos: Up in the Hill Coffee Shop and Organic Farm: Café mitten im Dschungel! Der Weg den Berg hinauf lohnt sich sehr: Hier kann man ruhig sitzen, es gibt tolle Limonade und ausgezeichneten Kaffee.
  • Unterkünfte: Bei Airbnb gibt es viele tolle Angebote für Unterkünfte auf Bastimentos direkt am Wasser. Bei Dan haben wir ca. 35 US-Dollar pro Nacht für unsere Hütte mit eigenem Bad gezahlt. Bastimentos eignet sich für alle, die es gern ruhig und entspannt haben und die Natur lieben.
  • Gutes und günstiges Restaurant auf Bastimentos: Chavela Bar & Restaurante – für ein paar Dollar bekommt man hier tolle (Fish-)Burger und gute Drinks
  • Tipp für Trinkwasser: Wenn gerade keine Wasserknappheit herrscht, kann man sich im Ort im Guesthouse von Tio Tom einen Kanister auffüllen lassen. Kosten: 50 Cent
  • Surfen: Besonders für erfahrene Surfer eignet sich die Region Bocas del Toro. Viele Spots sind nur mit dem Boot zu erreichen. Hier gibt es eine Übersicht über Surfspots in Panama. Auf Bastimentos verleihen manche Hostels Surfboards. Diesen Artikel fand ich sehr hilfreich von “Travelonboards”
  • Party: In Bocas-Town wird viel gefeiert. Da gibt es eine Location neben der anderen. Auf Bastimentos im Ort findet man einige Bars. Montags gibt es Live-Musik in Bubba`s bar.
  • Ausflug: Isla Carenero zwischen Isla Colon und Bastimentos ist klein und zauberhaft! Hier gibt es tolle Strände zum Schwimmen, nette Restaurants und wunderschöne kleine Häusschen, wie dieses:
Isla Carenero

Wedding Diaries 1: Der Antrag – wenn das eigene Leben süßer schmeckt als Schokolade

Oh hi! Eine kleine Warnung vorweg – Zu Risiken und Nebenwirkungen sozusagen: Es wird kitschig. Ab jetzt. Dieser Text ist voller rosaroter Gefühle. Also einfach mal gar nichts für alle, die es rational und analytisch mögen. Obwohl – sowas bekommt man bei mir ja eh nie. Aber diesmal ist es besonders krass. Romantik-Overload an Weihnachten 2016: Als ich an Heiligabend den Heiratsantrag bekommen habe.

Ich habe schon immer davon geträumt mal zu heiraten. In einem langen Kleid. Obwohl ich mir das eigentlich ja gar nicht vorstellen kann, weil ich es noch nicht gemacht habe. Es ist wohl auf der einen Seite der Traum davon, dass einen jemand anderes so einzigartig findet, dass er sein Leben mit dir verbringen will. Auf der anderen Seite aber natürlich auch, dass ich so für jemanden empfinde. Und dass sich genau das für mich in genau diesem Moment perfekt anfühlt.

Ich gebe zu: Mit der Zeit habe ich nicht mehr so wirklich daran geglaubt, dass es wirklich passiert. Es ist eine unpraktische Eigenschaft von mir, dass ich manchmal vom Schlechten ausgehe – nur um nicht schlimmer enttäuscht zu werden.

Was ich allerdings sicher wusste, als er in meinem Leben angekommen war: In Raphael hatte ich einen Gefährten gefunden. Einen Freund, Liebhaber, Kindskopf, Reisenden und besten Freund in einem. Manchmal lernt man Menschen kennen und alles ist einfach: Kochen, reisen, schlafen, sitzen, Filme schauen und auch mal schweigen. Den anderen im Leben zu haben fühlt sich einfach angenehm und kuschelig warm an. Und dadurch zu gut um wahr zu sein.

Der Disney-Moment beim Heiratsantrag

Seit wir zusammen sind verbringen wir Weihnachten beispielsweise wie selbstverständlich zusammen. An Heiligabend sitzen wir immer in meinem Elternhaus im Wohnzimmer. So auch im Dezember 2016. Bei uns ist es Tradition, dass jeder nacheinander ein Geschenk auspacken darf. Einer nach dem anderen. Ganz am Ende stand da noch ein relativ großes Päckchen mit meinem Namen darauf. Ich öffne es, es ist so unwirklich leicht, als wäre eine wertvolle Feder darin versteckt. In diesem Päckchen drin versteckt sich ein etwas kleineres Päckchen – und da steht „Raphael“ drauf geschrieben. Also reiche ich das Paket weiter und er beginnt zu erzählen:

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Als alles begann: Roadtrip Italien

Vor drei Jahren haben wir uns kennengelernt. Auf der Arbeit – in der Redaktion. Als „die neue“ habe ich an Weihnachten und Silvester einige Schichten übernommen und war auf einmal ziemlich einsam in Baden-Baden. Ich kannte da ja fast niemanden! – Außer Raphael. Wir haben uns von Anfang gut verstanden und so haben wir uns verabredet Silvester zusammen zu feiern. Keine große Party. Silvester wird meiner Meinung nach eh überbewertet. Raphael hat nur gesagt: „Du und ich wir machen was an Silvester. Das steht fest.“ Und das war das beste was er mir sagen konnte. Unsere Freundschaft bestand damals nur aus kleinen Fäden, die schnell durchtrennt werden können. Aber wir haben nicht nur Silvester zusammen verbracht. Wir haben gekocht, Tatort geschaut, uns unsere Geschichten und unsere kleinen Monster anvertraut und so wurden aus den kleinen Fäden erst Bänder und dann immer festere Seile.

Aus Freundschaft wurde Liebe

Zusammengekommen sind wir auf einem spontanen Roadtrip nach Italien: Wir hatten genau vier Tage Zeit zu verreisen, haben das Auto genommen und Richtung Süden gefahren. Im Februar. Übrigens ein echter Geheimtipp: Genua und Livorno im Februar. Aber das ist ein anderes Thema. Wir saßen am Strand, haben Eis gegessen und natürlich viel Pizza und dazu gab es Wein und Geschichten aus dem Leben: Am letzten Abend der Reise haben wir uns an der Promenade geküsst und sind seitdem fest zusammen. Es ist abends passiert – auf der Promenade von Livorno, die nichts mit den prunkvollen anderen Städten in der Gegend, wie Pisa gemeinsam hat. Livorno ist bodenständig und als großer Hafen-Fan finde ich es ausgezeichnet, dass unsere Liebe genau dort begonnen hat.

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Ich schweife ab. Raphael hat sich da an Weihnachten deutlich kürzer gefasst. Vom Grundstein unserer Liebe kam er zu den vielen unterschiedlichen Reisen, die wir unternommen haben: Chile, Bali, Kalifornien, Neuseeland und und und. Und während er gesprochen hat, war ich wie im Trance. Ich kann mich nur daran erinnern, weil meine Familie zum Glück auch da war und mir hinterher geholfen hat alle Puzzleteile dieses Abends zusammenzubekommen.

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Auf Bali

Raphael hat mit seiner warmen Stimme von unseren bisherigen gemeinsamen Reisen erzählt und dann sagte er auf einmal: „Aber eigentlich ist es egal wohin wir gereist sind, denn das einzig wichtige war, dass wir zusammen sind. Und dann: Jetzt steh bitte auf“. Und während ich seiner Bitte gefolgt bin, ist er auf die Knie gegangen und hat die großen Worte gefragt:

Willst du mit mir gemeinsam auf die Reise dieses Lebens gehen? Willst du mich heiraten?“

„Ja“ – das habe ich sofort gesagt. – Allerdings nicht mit der festen Stimme, mit der ich es mir vorgenommen habe. Rotz und Wasser habe ich geheult und „Ja“ gestammelt. Dieser Moment als der Heiratsantrag da war, hat mich einfach komplett umgehauen. Ich bin nicht oft sprachlos. Da war ich es fast. Ich habe mich gefühlt, als würde ich fliegen. Und dann hat er mir auch noch einen zauberhaften Prinzessinnen-Ring an den Finger gesteckt. – Viel schöner als alle anderen Ringe, die ich bisher gesehen habe. Erst hinterher, viel später habe ich realisiert, was da an diesem Abend passiert ist.

Atacama Wüste Chile

Das war die größte Magie in meinem Leben bisher. Dieser Moment, diese Gefühle und die Gewissheit: Das ist genau das richtige. Das ist Liebe. Wahre Liebe. Und in meinen Romantik-Filmen hatten sie doch ein bisschen recht. Manchmal ist das Leben genauso kitschig und großartig. Zum Glück. Das macht Mut. Wir werden heiraten. Wahnsinn.

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P.S. Ja, viele Selfies – die sind in diesem Fall auch mal erlaubt.

Karibische Hochzeit im All-Inclusive Hotel in Punta Cana

Eine meiner besten Freundinnen heiratet in der Dominikanischen Republik in einem All-Inclusive Hotel in Punta Cana und aus aller Welt reisen Menschen an, um dieses Ereignis zu feiern. Es wird eine richtige Destination Wedding. Eine unvergessliche, großartige Erfahrung – auch wenn meine eigene Hochzeit anders sein wird. Herzensmomente in traumhafter Kulisse und wieviel eine Hochzeit in der Karibik kostet, findet ihr hier.

Die Sonne brennt, klock klock klock. Ich versuche möglichst aufrecht durch die Hotelanlage zu gehen und komme mir dabei verkleidet vor in meinem türkisen Kleid und in den hohen Schuhen. Der Boden ist uneben, ich schaue immer wieder nach unten, um nicht hinzufallen und stelle mir vor, dass ich aussehe wie ein kleines Trampeltier. „Hätte ich nur damals beim High-Heels Training besser aufgepasst“, denke ich und hoffe anzukommen – im besten Fall bevor ich hinfalle.

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Der Ausblick von den Zimmern aus

Der Plan: Destination Wedding im Hotel in Punta Cana

Es ist der große Tag für meine Freundin Vanesa. Sie heiratet hier und heute in diesem riesigen Hotel in Punta Cana, in der Dominikanischen Republik. In einem All-Inclusive Resort am glitzer-blauen Meer. Gleich neben Pool, Bar und Animation wird sie “ja” sagen.

Es fühlt sich an wie in einer Fotokulisse

Seit ich hier gelandet bin, fühlt es sich an als wäre ich in eine Fototapete gestolpert. Die Natur ist wirklich unfassbar schön: Heller Sand, das türkise Meer und Palmen soweit das Auge reicht. Das einzige was stört sind die vielen Menschen, die sich hier nebeneinander am Strand auf den Liegen sonnen und kleinen Ölsardinen ähneln. Unser Hotel ist eins von vielen All-Inclusive-Resorts in Punta Cana. Und in fast allen kann man auch Hochzeit feiern. Menschen aus der ganzen Welt kommen hierher um so eine Destination Wedding zu feiern. 

Vanesa macht das allerdings nicht nur, um im Urlaub “Ja” zu sagen. Ihre Familie kommt aus der Dominikanischen Republik. Und ihr Verlobter stammt aus den USA. Deshalb feiern wir  hier. In den vergangenen zwei Tagen sind Menschen aus der ganzen Welt angereist, um den großen Tag der beiden mitzuerleben. Wir haben gemeinsam Salsa tanzen geübt, am Strand gelegen und am VIP-Pool vor dem Zimmer des Brautpaares gefeiert. Es hat ein bisschen was von einer Luxus-Klassenfahrt, wenn man sich so umschaut. Sobald man die vorgemixten All-Inclusive-Drinks probiert, allerdings schon nicht mehr: Der „Mojito“ schmeckt bestenfalls nach passiertem Minz-Zuckerwasser an billigem Rum. Aber darum geht es nicht. Die Aussicht und die Freunde entschädigen für alles.

Getting Ready hora latina

Während ich quer durch die Anlage stöckle, macht sich Aufregung in meinem Magen breit. Es ist soweit. Sie wird wirklich heiraten. Wir haben und bei ihr auf dem Zimmer verabredet, um im großen Moment der Aufregung bei ihr zu sein. Um ihr ins Brautkleid zu helfen und um fürs perfekte Styling zu sorgen. Vanesa ist allerdings noch lange nicht soweit. Das Zimmer ist leer, ich finde sie im Spa, wo sie für den großen Auftritt geschminkt wird. „Tschaka, bisher nicht hingefallen! Und schade, dass sie nicht im Zimmer bei Sekt gestylt wird“, denke ich und bewundere Vanesa und ihre Mutter wie sie geduldig da sitzen und sich anmalen lassen – natürlich schon 30 Minuten zu spät. Hora latina. Gehört wohl dazu.

Mein deutsches Zeitgefühl und ich werden nervös

Kurz darauf warte ich im Zimmer weiter auf die Dame des Tages, als der Bräutigam hereinstolpert. Null gestylt. Er müsse das jetzt schnell machen, sagt er. Mein deutsches Zeitgefühl und ich wir werden etwas nervös. Da bin ich altmodisch: Der Bräutigam soll die Braut auf KEINEN Fall vor der Hochzeit sehen. Aus dem einfachen Grund, dass sonst die Überraschung und die Vorfreude zerstört wird. Während Alan sich in aller Ruhe seinen Anzug anzieht und darüber nachdenkt welche Socken wohl am besten zu seinem Anzug passen, habe ich das Gefühl aufgeregter zu sein als er. Endlich nimmt er seinen Hut in die Hand und macht sich auf zum Ort der Trauung dieser Destination Wedding.

Auch bei einer Destination Wedding: Der wartende Bräutigam

Eine Stunde nach Plan kommt die Braut dann endlich ins Zimmer gerannt und ich bin beeindruckt wie schnell auf einmal alles geht: Rein ins Kleid, straffen straffen, Korsage hinten festziehen und setzen. Schuhe an und fertig. Wir besten Freundinnen bekommen noch Seestern-Klämmerchen ins Haar, die zu Vanesas Haarschmuck passen und es kann losgehen.

Einmal quer durch die Anlange zum Ort der Trauung

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Jede nimmt ein Stück von ihrem Kleid, damit nichts auf dem Boden schleift und dann heisst es wieder: Stöckeln stöckeln nur nicht fallen. Neben uns zwei Fotografen, die den Tag aus allen Perspektiven festhalten. Immer wieder halten wir an: Foto Foto Foto – zum Beispiel auf der Brücke am Pool. Natürlich geht um uns herum das normale Hotelleben weiter. Menschen mit Handtuch in Badehose und Bikini schlendern an uns vorbei, sie sind auf dem Weg zum Strand oder zum Buffet und schauen neugierig rüber zu der Frau, die heute heiraten wird. Welten prallen aufeinander. Ich stelle mir die Situation von außen vor uns muss grinsen.

Die Zeremonie neben dem Main Pool

Die größte Enttäuschung bei dieser angeblichen “Strand-Hochzeit”: Der Ort der Zeremonie. Ich war mir vorher so sicher gewesen (oder hatte es gehofft), dass wir einen feinen kleinen Pavillon am Strand haben würden, wo die Trauung stattfindet. Schließlich hatte ich das so schon in amerikanischen Filmen gesehen. Aber nein. Aber unsere Destination Wedding findet mitten im Herz der Anlage statt. In einem Pavillon am Main-Pool – wo genau an diesem Nachmittag die Miss Bikini gewählt wird.

Direkt neben der Trauung wird die Miss Bikini gewählt

Nach einer langen Wanderung quer durch die Anlage übergeben wir Vanesa an den Arm ihres dominikanischen Vaters. Showtime.

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Die Braut und ihr Vater auf dem Weg zur Trauung

Wir sitzen auf weißen Klappstühlen rund um den Pavillon und da läuft sie ihrem neuen Leben entgegen. Mit festen Schritten. Sie weiß was sie tut, das sieht man ihr an. Und genau das erfüllt mich in dem Moment mit Stolz und Freude. Man sieht dem Bräutigam an, dass er lange gewartet hat. – Dort in der Hitze, während sie gestylt worden ist. Aber jetzt sieht er beruhigt aus. Sie hat es sich nicht anders überlegt. Natürlich nicht.

Eine Zeremonie in gebrochenem Englisch

20161203-IMG_9689Ein Dominikaner hält die Zeremonie in gebrochenem Englisch. Ich wünschte er hätte Spanisch sprechen und emotional werden dürfen. Aber darum geht es nicht. Vanesa strahlt mit sich selbst um die Wette und es ist ein Geschenk sie dabei anschauen zu dürfen. So glücklich habe ich sie in all den Jahren nicht gesehen. Nach zwei Bekenntnissen und „Yes I do“, sind die beiden verheiratet.

Eine Frau im Bikini schaut zu und weint

Eine Frau im Bikini hat extra ihre Liege umgedreht, um zuschauen zu können – jetzt weint sie vor Glück. Alle freuen sich mit den beiden, gratulieren und schmücken das Brautpaar mit Seifenblasen.

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Glück unter Seifenblasen

Bevor die Sonne weg ist: Fotos am Strand

Das ging fast ein bisschen zu schnell, aber auf einmal höre ich wieder die Musik der Animation und bin froh, dass wir nun an den Strand gehen, um da die ersehnten kitschigen Hochzeitsbilder zu machen.

Wir ziehen unsere hohen Schuhe aus und springen durch den Sand, wie kleine Mädchen. Der Fotograf macht einen fantastischen Job und nimmt sich alle wichtigen Fotokonstellationen vor bevor die Sonne für heute verschwindet. Dieser Moment bleibt: Auf Fotos und in unseren Herzen – in der Erinnerung. Ich halte kurz inne, blicke aufs Meer und freue mich über so viel Schönheit durch Liebe und Natur, dass es sich anfühlt als würde ich platzen.

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Girl Squad

Der Abend und die kurze Feier

Die Hochzeitsfeier unserer Destination Wedding findet in einem der vielen Restaurants des Hotels statt, das wir an diesem Abend nur für uns allein haben. Wir dürfen uns einen Platz an runden Tischen suchen. Das Brautpaar sitzt vorne an einem Tisch zu zweit. – Für alle gut zu sehen, auf dem Präsentierteller.

Zwischen Wein und drei Gängen an leckerem Essen verfliegt die Zeit. Vanesas Bruder spielt Songs auf der Gitarre und schließlich steht die Braut selbst auf und schmettert einen Liebessong für ihren Bräutigam. In den Augen der Gäste ist Überraschung zu sehen: Offenbar wussten nur wenige, wie toll sie singen kann. Jetzt ist der Moment gekommen: Ich kämpfe mit den Tränen, denn ich bin unfassbar gerührt. Und Musik bringt mich eh schnell zum Weinen. Als der Brautstrauß geworfen wird, bin ich deshalb gar nicht richtig bei der Sache. Ich fange ihn nicht. Vanesa schimpft hinterher, sie habe ihn extra in meine Richtung geworfen. Es hat nicht sollen sein. Eine andere war schneller. Aber wer muss schon einen Brautstrauß fangen.

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Der Brautstrauß fliegt – Athene ist weit weg

Kurz tanzen – die Dominikaner geben den Takt vor

Danach bringt uns Vanesas lateinamerikanische Familie bei wie tanzen wirklich geht. Ein Onkel kann zu jedem Latino-Song eine Choreographie. Wirklich außergewöhnlich und schön anzusehen. Nur eins hat bis hier gefehlt: Ein paar Worte über das Brautpaar. Ich persönlich bin großer Fan von Reden: Für mich ist es ausgezeichnet, wenn Worte über die Verliebten ausgepackt werden. Das muss auch keine lange Rede sein. Einfach eine Anekdote. Etwas Echtes. Der Stiefbruder des Bräutigams bricht schließlich das Eis und spricht den ersten Toast. Es folgen weitere Worte von Freunden aus den USA – vor allem vom Bräutigam.

Worte an das Brautpaar mit zitternden Knien

Ich fasse mir schließlich ein Herz und gehe vor, obwohl ich Schiss davor habe Englisch zu reden vor all den Amerikanern. Aber egal. Wenn du weißt: Wenn du jetzt nicht gehst, wirst du es bereuen. Ich schlucke den Kloß im Hals runter und sage ein paar Sätze: Über Vanesas und meine Zeiten im Studium, als wir bei Kakao zusammengesessen und regelmäßig unsere Herzen zusammengeflickt haben. Über den Mut der beiden, den ich sehr bewundere. Ich wünsche ihnen, dass die unwirkliche Schönheit dieser Tage der Hochzeit in der Dominikanischen Republik sie immer begleitet und ihnen Glück bringt. Zu zweit.

Am Ende des Abends steht fest: Diese Reise, um zwei Liebende bei ihrer Hochzeit zu begleiten, hat sich gelohnt.

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Braut und Bräutigam am Strand

Facts:

Kosten für so eine Hochzeit im Hotel kann stark variieren. – Je nach Paket, das man bucht. Diese Hochzeit mit 70 Gästen hat rund 5000 US-Dollar gekostet (inkl. Übernachtungen des Brautpaares im Hotel, Zeremonie, Essen, Kuchen, Cocktailempfang, Häppchen etc – ohne Fotograf, Kleidung, Flüge)

Hier lest ihr im Artikel der Braut, wie sie das organisiert hat:

How to have a dream wedding for 5k

  • Hochzeiten im Hotel lohnen sich vor allem für internationale Paare, um Menschen aus aller Welt zusammenzubringen
  • Wir haben im Be Live Hotel Punta Cana gefeiert. Die Braut kann sehr gut handeln und hat gute Preise für die Zimmer der Gäste ausgehandelt
  • All-Inclusive ist nicht jedermanns Sache und heisst oft nur so. Vieles kostet am Ende extra – in unserem Fall zum Beispiel das WLAN
  • Besonders toll sind die Erinnerungsfotos am Strand mit paradiesischer Kulisse

Fotos: Raphael Pi Permantier & Gregory Martinez

Warum ich alle zwei Jahre Fußball mag

Bundesliga? Nicht mein Ding. Aber auch ich bin nicht komplett immun gegen Fußball. Alle zwei Jahre sitze auch ich vor dem Fernseher und feier die Deutsche Nationalmanmnschaft. Ich gebe es offen zu: Ich bin ein Event-Fan. Und hier erkläre ich euch, warum.

2006. Es ist Sommer und wir stehen in wallenden Röcken und Flip Flops in Köln am Rhein. Während der WM in Deutschland gibt es hier in Deutz ein großes Public Viewing am Wasser. Für Trikots war leider keine Kohle da, deshalb tragen wir schwarz-rot-goldene Blumenketten um den Hals und um die Hüften – diese einfachen Ketten aus Plastik, die nach der WM noch monatelang bei uns in der WG-Küche am Regal rumgehangen haben, weil niemand es übers Herz gebracht hat sie wegzuschmeißen. Zehn Jahre ist das inzwischen her und trotzdem erinnere ich mich an das Spiel im Viertelfinale zwischen Deutschland und Argentinien als wäre es gestern gewesen: Sommerabend, Kölschflaschen in der Hand und diese Leichtigkeit, die wir vor allem mit uns herumtrugen, weil wir studiert haben. Vorlesung morgen um 08:00? Egal. Die Prüfung ist ja erst in vier Wochen.

1 und 2 und 3 und 54.. 74.. 90.. 2006..

Laut haben wir alle zusammen den Song der Sportfreunde Stiller gegrölt und daran geglaubt, dass wir Weltmeister werden. 1 und 2 und 3 und 54.. 74.. 90.. 2006.. ja so stimmen wir alle ein. Hat nicht geklappt damals mit dem Weltmeister werden, aber dieses Spiel gegen Argentinien hat sich wie ein Finale angefühlt. Die Argentinier schießen dieses plötzliche Kopfballtor und gehen in Führung. Ich raste innerlich aus bis Klose endlich den Ausgleich schießt. Auf einmal scheint alles möglich, wir liegen uns in den Armen, feuern die Nationalelf an, als könnten sie uns von Köln bis nach Berlin hören und wir glauben an den Sieg. Beim Elfmeterschießen liegt eine unfassbare Spannung in der Luft.

Der berühmte Spickzettel wandert zu Lehmann. Immerhin hat er uns möglicherweise ins Halbfinale geholfen, weil unser Torwart so vorher wusste welcher Spieler am liebsten in welche Ecke schießt. Beim Elfmeterschießen selbst muss ich immer wieder weggucken. Zu aufregend. Dieses Spiel und die Party danach auf der Zülpicher Straße, das sind einige Wegmarken, die sich für immer in meinen Kopf gemeißelt haben. Geruch nach Sommer und Bier, das Gefühl von leichter Kleidung und wenig Stimme, weil viel gegrölt und dazu Gänsehaut, wenn alle ihre Mannschaft anfeuern und die Sportfreunde Stiller aus den Boxen tönen. Es ist eine einzigartige, zwischenmenschliche Energie, die besonders bei solchen Events entsteht. An die darauffolgende Niederlage gegen Italien erinnere ich mich nicht mehr gut. Wozu auch.

Haminamina eh eh Waka Waka Ehhhhehhh

Vier Jahre später stehen wir in Ehrenfeld auf einem Platz und feuern die Nationalelf gegen England an. Es ist brütend heiss, weil das Spiel am Nachmittag stattfindet. Der Sommer hüllt sich in ein Surren – überall diese nervigen Vuvuzelas, wenn es dauerhaft klingt, als würde jemand ein Wespennest in die Mülltonne werfen. Diese Tröte, das Symbol aus dem südafrikanischen Fußball. – Ich möchte behaupten, dass das niemand vermisst hat. Dazu dieser Shakira-Song, den niemand wirklich mitsingen konnte. „Haminamina eh eh Waka Waka Ehhhhehhh… it’s time for Africa.. lalala.“ Ihr wisst schon. Ich mag diesen Song, obwohl er ein unfassbarer Ohrwurm ist. – Einfach weil er mich an diesen Sommer erinnert, an warmes Bier aus 0,5 Flaschen und die Tänze nach dem Sieg gegen England, als wir den ganzen Ring runter getanzt sind bis nach Hause.

Zum Glück gibt es in Köln eine großartige Kiosk-Kultur mit Bier rund um die Uhr. Alle tanzen gemeinsam, als hätten sie etwas zum Fußballsieg dazugetan – wir bilden uns ein es wäre unser Verdienst, dass Deutschland 4 zu 1 gegen England gewonnen hat. Die Sportfreunde Stiller dichten ihren Song mal eben um und auf einmal heisst es „54.. 74.. 90.. 2010, ja so stimmen wir alle ein. Mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein werden wir Weltmeister sein.“ Oder auch nicht. Noch nicht.

 

2014: Es hat endlich geklappt und ich bin sicher, dass unsere Trikots etwas mit dem Titel zu tun hatten

Wenn ich bei Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften nicht in Köln sein kann, vermisse ich diese wunderbare Stadt besonders. In Köln habe ich gelacht, geweint, gefeiert. Ich habe die Sonne aufgehen sehen, im Park gesessen und das Leben gefeiert. Ich bin von links nach rechts zu den Extremen des Lebens gelaufen. – Von mega happy bis „was mache ich hier eigentlich“ war alles dabei. Diese WM-Momente gehören zu den besten aus dieser Zeit. Deshalb widme ich ihnen gerade jetzt, wo das EM-Fieber hochkocht, ein paar Zeilen. Wie schön, dass die Erinnerung besonders diese Gänsehautmomente in den strahlendsten Farben in unser Gedächtnis meißelt. Damit sie nicht weglaufen. So können wir sie in schlechten Zeiten auspacken und wieder die Wärme und den Jubel spüren. Ich bin sicher, dass das für jede Lebenslage nützlich ist.

Eine Liebeserklärung: Wahre Freundschaft hält Distanz aus

Freundeschaft verändert sich. Manchmal verblasst sie. Manchmal endet sie. Leider. Aber meine Erfahrung hat mir gezeigt: Stimmt die Substanz, bleibt die Freundschaft erhalten – auch wenn einer von beiden weit weg lebt.

Aus den Boxen dröhnt „Lo que paso paso“ von Daddy Yankee. Wir schreien jede Zeile mit. Laut und schief: „Esta noche contigo la paseeee bieeeen. Ooohoooooo….“ Unz tata unz unz, unz tata unz unz. Reggaeton halt. – Der wollte ja noch nie besonders einfallsreich sein, aber mich bringt er immer zum tanzen. Es ist drei Uhr morgens – langsam ist der Club in Santiago voll.

Gemeinsam in der zweiten Heimat “Chile”

Schminken können sie noch üben…

Meine Freundin Miri und ich sind zusammen hier – es ist unsere große gemeinsame Reise im Jahr 2006. Wir tanzen, drehen uns im Kreis, lachen uns an – die Augen etwas glasig vom Escudo-Bier. Die Gesichter dezent überschminkt. Zwischendurch werden wir von ein paar Jungs zum Tanz aufgefordert – wir drehen ein paar Runden mit ihnen, aber finden immer wieder zueinander zurück. Einer dieser unzähligen Momente, die ich nie vergessen werde.

 

Im Canyon del Colca in Peru

Bunte Erinnerungen und ein ewiger Soundtrack

Es sind die Erinnerungen, untermalt von einem besonders guten Soundtrack, die Freundschaften zusammenhalten. Erinnerungen, die uns aneinanderkleben. Sie sind eine Art klebrige Masse, die sich in unseren Köpfen festgesetzt hat – So ähnlich wie der Ahornsirup, der die verschiedenen Lagen einer Pfannkuchentorte zusammenhält, kleben die Erinnerungen zwischen uns und den Menschen, die uns im Leben begleiten.

Kennengelernt: Am ersten Tag der Uni. Die Basis: Chile

Als Miri und ich in Chile waren, kannten wir uns bereits ein paar Jahre. Wir haben uns am ersten Tag an der Uni kennengelernt, als wir nebeneinander zum Geschichtsseminar in der Uni-Bibliothek in Köln gelaufen sind. Beide noch etwas verloren an dieser Massenuni, bereit das Kapitel „Studium“ zu beginnen und doch voller Angst. Unsere Blicke haben sich getroffen: „Gehst du auch zu Geschichte?“ „Ja! Studierst du auch Regionalwissenschaften Lateinamerika?“ „Ja, genau! Ich bin in Chile geboren worden.“ „Ach krass, ich auch.“ Lächeln.

Wie haben gemeinsam geweint, gelacht und Herzen geheilt

Das Eis war gebrochen: Nach zwei Minuten war klar, dass wir uns mögen und Zeit miteinander verbringen wollen. Zu zweit sind wir durch die Kölner Clubs gezogen, haben Kaffee an der Uni getrunken solange wir ihn uns leisten konnten, Schawarma an der Zülpicher Str. gegessen, Tracks von „Muse“ gehört, Karneval gefeiert, Pasta gekocht, „Autogenes Training“ ausprobiert und für uncool befunden und stundenlang über Männer sinniert. Wir haben gemeinsam geweint als Beziehungen zerbrochen sind, haben uns immer wieder gesagt, dass der eine ganz bestimmt noch auf uns wartet und dann haben wir „unabhängig sein“ geübt.

Viel zu lachen in Peru

Eine unkomplizierte Freundschaft

Es ist eine dieser intensiven, unkomplizierten Freundschaften: Ohne Stress – mit viel Wertschätzung. Allerdings hatte ich immer weniger Geduld als Miri. Als ich nach Chile reisen wollte, kam sie erst nicht hinterher. Sie konnte sich nicht entschließen den Flug zu buchen. Also habe ich Fakten geschaffen – meinen Flug gebucht und ein paar Wochen später hatte Miri dann auch ein Ticket.

30 Stunden im Bus

Mit dem Rucksack haben wir uns in Santiago in den Bus gesetzt, sind 30 Stunden bis in die nördlichste Ecke von Chile, nach Arica gereist und das war erst der Anfang. Von Tacna über Arequipa sind wir bis nach Cusco und Machu Pichu gereist. Dort haben wir mittags neben Lamas unter Bäumchen geschlafen – mitten im Weltkulturerbe. Wir waren in San Pedro de Atacama und konnten die Schönheit der Welt nicht in Worte fassen.

Es waren intensive Wochen und doch haben wir uns nur genau einmal angezickt. In Iquique am Strand. Hinterher haben wir übrigens festgestellt, dass wir in dem Moment beide überspannt waren, weil wir BEIDE unsere Periode bekommen hatten. Rückblickend ironisch.

Valle de la Luna, Chile

Wenn ich kurz meine Augen schließe, sehe ich uns im Bus auf einer der vielen langen Fahrten. Miri liegt neben mir auf dem Sitz und schläft. Ich höre Muse oder Coldplay und versuche die sagenhafte Natur mit meinen Augen zu fotografieren.

Mal in Nostalgie schwelgen – mal neue Erinnerungen schaffen

In manchen Jahren haben wir viel Zeit miteinander verbracht – in anderen Jahren waren wir nicht am gleichen Ort. Und in dieser Zeit merke ich immer, welche Substanz eine Freundschaft wirklich hat: Lebt man sich auseinander? Oder ist es nur eine kurze Pause, nach der sich alles wieder wie früher anfühlt? Und: Schafft man es beim Wiedersehen neue Erinnerungen zu schaffen oder dreht man sich im Kreis und quirlt nur die alten Zeiten durch? Ich persönlich glaube, dass beides wichtig ist: In Nostalgie schwelgen und dann gemeinsam Neues erleben, neue Erinnerungen schaffen.

San Pedro de Atacama – Laguna Cejar

Ende des Studiums und am Anfang des Berufslebens hatten Miri und ich noch einmal so eine intensive Zeit in Köln, an die ich gerne zurückdenke: Viele bunte Erinnerungen sind das: Miri, Athene und viel „Gin Tonic“, Filme mit Gael Garcia Bernal, Tage am Rhein, Gespräche über die Serie „Gossip Girl“ (kein Scherz), natürlich immer wieder Reggaeton, Julieta Venegas, manchmal ein Glas Whiskey on the rocks und im Winter mal ein Becher Grog. Ja, echt. Wow. Dazu lange Abende am alten, runden Tisch in der Wohnküche meiner Wg, Gespräche über Männer, darunter welche, die uns gut taten und andere, die vorbeiziehen sollten. Es ging viel um verpasste Chancen und neue Wege.

Natürlich gab es auch gemeinsame Whatsapp-Analysen: „Warum schreibt er nicht?“ Oder: „Warum ist der so wortkarg? Zeig mir den mal, dann kann ich den überprüfen. Ist er vielleicht doch socially awkward?“ Ihr kennt diese Analyseabende mit Sicherheit von Treffen mit euren besten FreundInnen. Diese Abende, an denen man zwar die großen Liebesprobleme nicht lösen kann, dennoch fühlt es sich gut an gemeinsam darüber nachzudenken. – Und hinterher darüber zu lachen! – „Weisst du noch? Als du auf eine Nachricht von DEM gewartet hast?“ „OMG, ja!“

Freundschaft für immer

Miri ist eine dieser Freundinnen fürs Leben. Inzwischen wohnt sie in Kolumbien. Wegen der Liebe – zum Land und zu einem Mann. Ich gebe zu: Ich war traurig als sie mir eröffnet hat, dass sie so weit wegzieht. – Womöglich für immer. Aber nur auf einer Seite des Herzens – auf der anderen Seite habe ich mich diebisch gefreut, dass Miri das gefunden zu haben scheint, was wir uns an jenen langen Abenden erträumt haben: Einen Partner, einen Freund, einen Gefährten, einen Komplizen, einen Menschen, der ihr hoffentlich Herzen und Strahlen in die Augen zaubert.

Miri 2015 in Karlsruhe

Gin al Tony

Seit Miri in Kolumbien wohnt haben wir wenig Kontakt. Aber jede kleine Nachricht von ihr ist ein Geschenk. Umso gerührter war ich, als ich vor kurzem eine lange Nachricht von ihr bekommen habe. Es war ein Text, der mir gezeigt hat, dass Miri unserer Freundschaft den gleichen Wert beimisst wie ich es tue. – Sie hat geschrieben, dass sie oft an mich denkt und dann einen Gin Tonic (oder wie sie ihn dort in einer Bar liebevoll nennen: Gin al Tony) auf unsere Freundschaft trinkt. Sie scheint genauso häufig wie ich unsere Nostalgie-Latino-Playlist zu hören und an unsere Studienzeit zu denken. Sie hat geschrieben, dass ich immer ihre Freundin sein werde. Ganz egal wie selten wir uns sehen. Spätestens an der Stelle habe ich geweint vor Glück. Ein paar Zeilen können unfassbar viel bedeuten: Eine kleine Liebeserklärung und gleichzeitig eine neue Erinnerung für die Zukunft. Ich werde diese Nachricht abschreiben. Nicht, dass irgendwann mein Handy kaputtgeht und ich sie nicht mehr habe.

Herz

Liebe Miri, wenn du da bist, ist das Leben immer ein bisschen leichter, bunter und zauberhafter. Und wenn du nicht da bist, ich aber weiss, dass es dir gut geht, freue ich mich für dich. Jeden Tag. Ich bin froh, dass wir zwei uns haben. Egal, ob du nah bist oder fern. Ich weiss, dass wir für einander da sind. Und wenn wir uns wiedersehen, läuft Daddy Yankee und alles ist wie es sein soll. Gestern. Heute. Morgen. Immer.

Auf die Freundschaft

P.S. Eine solche Geschichte könnte ich über jede meiner liebsten Freundinnen schreiben. Fühlt euch alle geherzt.

Fotos: Athene Pi Permantier, Miriam Heins

P.P.S. Selfies haben wir übrigens schon immer gemacht:

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Ein Sonntag im Mai in Karlsruhe: Alter Schlachthof

Der Sonntag hat sich schön gemacht: Die Sonne scheint, es ist 26 Grad warm und wir sausen in kurzer Hose auf dem Rad quer durch Karlsruhe. – Zum “Alten Schlachthof”, denn da ist Tag der offenen Tür.

Die Haare fliegen, das Leben fühlt sich leicht an. Es ist der erste Tag in diesem Jahr, an dem ich die Wärme so wahrnehme. Ich grinse mit mir selbst um die Wette, strahle jeden an, der mir auf dem Rad entgegenkommt und will damit sagen: ” Ist dieser Tag nicht perfekt? Sollte es nicht immer genau so sein?” Natürlich nicht, denn dann wäre es nichts besonderes mehr. Aber an Tagen wie diesen kann ich mich in meiner Stadt, zu Hause wie im Urlaub fühlen. Es ist ja auch eine Art Mini-Urlaub. Es ist das erste freie Wochenende seit langen. Das macht diesen Moment zum Glück zum Quadrat. Es gibt keinen Ort auf der Welt, wo ich gerade lieber wäre. Das alte graue Fahrrad fährt noch – es hat immerhin drei Gänge. Der Wind lässt die Beine spüren, was sie so lange vermisst haben: Freiheit und Luft.  Über den Winter hatte ich ganz vergessen, wieviel besser es sich in kurzer Hose lebt.

Wir machen einen Ausflug und landen am “Alten Schlachthof”, denn da ist heute Tag der offenen Tür. Die Büro-Gemeinschaften, Cafés und Clubs haben alle geöffnet, um uns zu zeigen was sie normalerweise arbeiten. Ich war bisher noch nie in der Gegend und fühle mich auf dem alten Gelände wie in Fancy-Hausen. Lauter alte Schlachthof-Gebäude, die umgebaut worden sind zu Orten, wo Menschen jeden Tag arbeiten. In der alten Hackerei zum Beispiel erinnern die Kacheln an der Wand noch daran, was da früher einmal gemacht worden ist. Heute finden hier Partys und kleine Konzerte statt. In manchen Gebäuden ist die Essenz der Architektur erhalten geblieben und daneben sind neue Elemente eingezogen worden, damit da Menschen kreativ werden und arbeiten können. – In Containern zum Beispiel.

Auch ein Autor von Surfbüchern hat in einem solchen Gebäude zum Beispiel seinen Schreibtisch stehen und tippt seine Texte, wenn er nicht gerade an der Algarve surfen ist. Ich bin begeistert auf wieviele tolle Ideen Menschen kommen, um alte Räume mit Geschichte so zu modernisieren, dass der Charakter erkennbar bleibt und trotzdem wirkt auf einmal alles urban und modern.

Die Zeit rennt, wir sind stundenlang über das Gelände flaniert, haben Unmengen Kaffee, Eis, Pommes und andere Schweinereien genossen und dann, als es vorbei hätte sein können, haben wir uns in ein Café gesetzt. Einfach so. Wir saßen in der Sonne, bis es spät war. Und es war perfekt. Das war einer dieser Momente, wo das Glück kurz greifbar war.

Heute habe ich Karlsruhe von einer neuen Seite kennengelernt. Dafür bin ich dankbar. Die Schönheit in den Dingen, die so naheliegend sind, beeindruckt mich besonders.

Foto: Raphael Timm