Tschechien: Städtetrip nach Prag im Winter

Tschechien meint es gut mit uns. Prag ist ein Traum. Das hatte ich schon vor unserer Reise immer wieder gehört und geglaubt. In Wahrheit ist es sogar noch schöner als erhofft. Sogar mitten im Winter.

Als wir am Rande von Prag ankommen ist es schon spät und dunkel. Wir hatten den Tipp bekommen, das Auto auf einem Park & Ride Parkplatz zu lassen und mit der Metro in die Stadt zu fahren. Spart Geld und Nerven! Ein bisschen mulmig ist mir schon, als wir unseren geliebten Wagen auf dem Parkplatz zurücklassen. Aber ich rede mir gut zu. Es gibt einen Zaun und der Parkplatz ist bewacht. So kann ein Auto in der Stadt gar nicht bewacht werden. Auf geht’s!

Unsere Unterkunft

Nach 45 Minuten erreichen wir unsere Ferienwohnung.

In Prag kann man wirklich schöne Altbau-Wohnungen via Airbnb finden. Wir haben uns dort mit einer befreundeten Familie getroffen und haben uns deshalb für eine zentrale Wohnung entschieden, die gut eingerichtet ist und zwei große Schlafzimmer mit jeweils einem Badezimmer hat. Außerdem gibt es eine top ausgestattete Küche – perfekt für gemütliche Frühstückssessions oder Kaffeepausen. Wir fühlen uns sofort wohl, denn es gibt genug Platz, um gemeinsam Zeit zu verbringen, gemütliche Schlafzimmer und jeder kann sich zurückziehen.

Auch im Januar etwas blauer Himmel

Prag zu Fuß erkunden

Prag ist eine Stadt, die ich immer wieder zu Fuß erkunden würde. An jeder Ecke eröffnet sich einem ein überraschender Blick auf wunderschöne Gebäude, Kirchen, Brücken oder einfach die Moldau. Es lohnt sich immer wieder anzuhalten, den Blick schweifen zu lassen und zu genießen.

Ihr wisst: Ich bin keine von denen, die in eine Stadt kommt und erstmal anfängt Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Das ist einfach nicht mein Ding. Ich genieße es, zu Fuß durch eine Stadt zu laufen. Ich möchte die Stadt genießen und dabei kennenlernen. – Und währenddessen bekomme ich langsam aber sicher ein Gefühl für Stadt und Menschen.

Wir laufen über Kopfsteinpflaster, durch kleine Gassen, vorbei an Restaurants, Geschäften und Cafés. Und wir bewundern alte Galerien und Straßenbahnen. Prag hat Charme. Und mit Charme meine ich: Die Stadt ist nicht gerade, nicht perfekt. Sie ist kantig und bunt und überhaupt nicht aus dem Ei gepellt: Es wird gebaut, repariert oder auch einfach für ok befunden, wenn etwas vor sich hin gammelt. Perfekt unperfekt. Das Gefühl ähnelt meiner Liebe zu Valparaiso. Ein bisschen. Ich liebe es.

Auf dem Weg zur Burg

Die Prager Burg

Es ist DAS Touristen-Ziel ist Prag. Gemeinsam mit vielen anderen Urlaubern drängeln wir uns die Wege zur Burg hoch. Immerhin ist die Prager Burg angeblich das größte geschlossene Burg-Areal der Welt und im 9. Jahrhundert entstanden. Noch vor dem Eingang haben wir eine unfassbar schöne Aussicht über Prag. Allein dafür hat sich der Aufstieg gelohnt: Ein endloser Blick über Dächer, Stadt und Wasser. Eins meiner Highlights in diesen Tagen.

Am Eingang gibt es einen Sicherheitscheck. Durch das Areal kann man umsonst laufen. Für Kirchen und besondere Wege, muss man aber doch Eintritt zahlen. Ich gebe zu: Mir ist es da oben zu voll. Überall Menschenmassen, teurer Kaffee, teure Andenken. Und wenn ich ein Foto machen will, ist meistens ungewollt noch jemand Fremdes darauf zu sehen. An den Kirchen müssen wir anstehen und werden regelrecht durchgeschoben.

Am besten gefällt mir in diesem Burg-Areal das “Goldene Gässchen”.

Erbaut worden im 16. Jahrhundert für die Unterkünfte der Burgwachen. Später hat hier sogar mal der große Schriftsteller Frank Kafka gewohnt, gedacht und geschrieben. Die Häuschen in dieser Straße sind bunt und wirklich sehr hübsch und malerisch.

Auch wenn man vorher weiß, dass es ein großes Burgareal ist, bin ich überrascht davon wieviele Höfe es gibt. Es kommt mir unwirklich vor: Immer wieder eröffnet sich vor uns ein neuer Hof, eine neue Kirche, ein neuer Ausblick. Und jedes einzelne Gebäude ist beeindruckend!

Im Goldenen Gässchen

Die Karlsbrücke

Diese Brücke war wohl das erste, was ich lange vor meinem Besuch in Prag von Bildern kannte: Das Wahrzeichen der Stadt. Die Steinbrücke besteht aus sechzehn Bögen und ist einfach schön anzusehen. Deshalb würde ich vor allem empfehlen, die Brücke von den Nachbar-Brücken aus zu bewundern. Denn auf der Karlsbrücke selbst ist unglaublich viel los: Viele Touristen und am Straßenrand Künstler, die ihre Werke anbieten.

Brücken regen mich immer zum Träumen an: Von neuen Zielen, Wegen und Entscheidungen. Ich könnte stundenlang am Wasser stehen und auf Brücken schauen! Und währenddessen über verpasste und kommende Chancen nachdenken. Diese Brücke ist wirklich ein außergewöhnliches Exemplar.

Vermutlich werden Frühaufsteher mit einem besonderen Brückenerlebnis belohnt: Ich nehme an, dann ist weniger los und man kann entspannter darüber flanieren.

Blick auf die Karlsbrücke

John Lennon Wall

Mein Streetart-Herz kichert und wird belohnt, als wir an der John Lennon Wall ankommen. Eine Wand mitten in der Stadt von Prag, die einem in allen erdenklichen bunten Farben entgegen strahlt. Seit den 80er Jahren wird sie immer wieder neu bemalt – und das alte Bild von John Lennon ist unter vielen neuen Farbschichten verschwunden. Die Mauer leuchtet einen wild an und sieht nach Kreativität, Ideen und Inspiration aus. Ich mag die Idee, dass die Wand beim nächsten Besuch vermutlich schon ganz anders aussehen wird!

John Lennon Wall

Cafés und Restaurants

Wer Fleisch isst, hat es leicht in Prag! Es gibt unendlich viele gute Restaurants, in denen man leckeren Gulasch bekommt. Etwas abseits der Touristen-Straßen, ist das Essen auch noch unfassbar günstig und gut. – Genauso das obligatorische Bier dazu! Das tschechische Bier schmeckt einfach fantastisch. Wir haben im Ferdinanda gegessen und haben zu zweit für 20 Euro mega lecker gegessen und haben 2 große Bier getrunken.

Für mich wird ein Städtetrip genau dann entspannt, wenn ich ein ruhiges Café finde, in dem ich mich wohlfühle und Kaffee nach meinem Geschmack bekomme. Ich weiß, ich bin da anspruchsvoll. Aber in Prag gibt es wirklich viele schöne und gemütliche Cafés. Besonders gefällt mir das Tricafe: Ein bisschen abseits der großen Straßen, in der Nähe der Karlsbrücke befindet sich dieses kleine Café, wo es unfassbar guten Cappuccino gibt.

Wenn ich wieder nach Prag komme, möchte ich die Stadt gerne im Sommer kennenlernen. Ich möchte draussen sitzen und den Flair des Sommers dieser Stadt atmen. Den Blick über Prag genießen – ohne dass meine Füße zu Eis werden. Fest steht: Ich komme wieder. Und unser Auto wird in jedem Fall wieder auf dem Park & Ride Platz stehen.

Städte: Am liebsten zu Fuß

Fotos: Raphael Pi Permantier

Neue Impulse beim Reisen: Wie Gespräche das eigene Leben bereichern

Und wo übernachtet ihr, wenn ihr auf Reisen seid? – Hotel? Appartment?“ – „Am liebsten bei anderen“, antworte ich darauf meistens. Denn so sind wir auf Reisen immer im Austausch – von ganz allein. Und das ist für mich unfassbar wertvoll. Andere Menschen und ihre Perspektiven auf das Leben. – Was für eine große Bereicherung. Manche Sätze können die eigene Sichtweise für immer verändern.

Ich habe festgestellt: Im Alltag umgibt man sich immer mit den gleichen Leuten, geht ähnliche Wege und dadurch dreht sich vieles im Kreis. Auf Reisen, im Kontakt mit anderen Menschen ergibt sich von ganz alleine die Chance neue Perspektiven auf unser Leben zu bekommen. – Oder andere Denkansätze. Und das einfach nur, weil ein Gespräch entsteht und aus diesem Gespräch gibt es am Ende einen Satz. Und der bleibt für immer. Der verändert vielleicht sogar etwas – für immer.

Und manchmal liegt es einfach daran, dass Urlaub ist und da nehme ich mir mehr Zeit zuzuhören und gelernte Muster in Frage zu stellen. Und dabei müssen es gar nicht immer die tiefgründigen Gedanken sein. Manchmal reicht es, wenn einem ein Fremder seine Wahrheit und Weltsicht vor den Latz knallt – und schon schwimmen die Gedanken in eine neue Richtung. Hier habe ich ein paar Beispiele für euch, von Menschen, die meine Gedankenwelt durch ihre kleinen Sätze verändert und bereichert haben.

Unser Surfmobil in Kalifornien mit den Boards von Carlos Santana

„You have to commit to the wave“ – Carlos Santana

Huntington Beach, Kalifornien

Huntington Beach ist einer der Orte in Kalifornien, wo viele Schüler noch morgens vor der Schule Surfunterricht bekommen. Surfen, Entwicklung und Wellenreiten – das gehört hier einfach dazu. Wir haben bei Christine und Carlos Santana gewohnt, ein sehr außergewöhnliches Pärchen. Sie ist gelernte Opernsängerin, die inzwischen ihr Geld verdient, indem sie Möbel im Dawanda-Style upcyclet. In ihrer Garage stehen abgebeizte Tische, die sie zum Beispiel mit Silberfolie verziert. Sehr… originell! Carlos ist Unternehmer, verkauft Autos und er ist leidenschaftlicher Surfer. (Ja, er heisst wirklich Carlos Santana, ist mit besagtem aber weder verwandt noch verschwägert).

Gleich zu Beginn unseres Besuchs hat Carlos uns seine Surfboards ausgeliehen, uns gesagt wohin wir am besten fahren und um wieviel Uhr. Diese Boards haben wir in unseren Mietwagen gepackt und los.

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Ein ganz normaler Tag in Kalifornien

Die Gespräche mit ihm waren lang und ausgiebig. Er ist eine dieser schillernden Persönlichkeiten, die man unbedingt öfter um sich herum haben will, weil sie einem ein gutes Gefühl geben und neue Ideen. Von ihm kam der Satz, den ich mir JEDES Mal beim Surfen wieder ins Gedächtnis rufe. Als er uns eines morgens eine Trocken-Surfstunde auf dem Boden gegeben hat, sagte Carlos auf einmal: Wenn du es nur halb willst, dann kannst du es auch lassen. Du wirst die Welle nicht bekommen, sie wird dich umschmeissen. Um eine Chance zu haben, dass es klappt gibt’s nur einen Weg: „You always have to commit to the wave.“

Es liegt auf der Hand, es ist so logisch. Und doch erklärt es mir so viele Surftage, an denen ich Weißwasser (Schaum gebrochener Wellen) gefressen hab und mich gefragt hab, warum es gerade nicht läuft. Es lag meistens an mir und meinem Einsatz und Willen. Danke Carlos für diesen Satz.

„Bigger board more fun“ – Andy

Bali, Indonesien

Auf Bali hatten wir einen Surfguide, der war die personifizierte Grumpy Cat. Andy lebt mitten im Paradies, hat aber leider trotzdem meistens miese Laune. Außerdem war er insgesamt kein besonders guter Surflehrer. Selten hat er es geschafft einen zu motivieren, eine etwas größere Welle anzupaddeln. Ich hatte immer den Eindruck er hat keinen Bock auf uns und seinen Job. Nach der Session fiel ihm immer ein Satz ein, mit dem er uns einen reinwürgen konnte, wenn er einem gesagt hat: “Wenn du davor schon Angst hast, wie willst du jemals besser werden? Eigentlich hatte ich mir vorgenommen hinterher keinen müden Gedanken mehr an grumpy Andy zu verschwenden. 

Die Boards auf Bali

Aber dann kam der eine Tag, als er meinen Surfboardstolz durch einen Satz für immer verändert hat. Es gab kleine Wellen, eigentlich perfekt zum Üben – vor allem mit einem großen, langen Surfboard. Aber ich hab mich aus Stolz mit einem kleineren Board abgekämpft und die Wellen nicht bekommen. Sie wollten mich einfach nicht mitnehmen. Es lag natürlich auch an meiner fehlenden Kraft. (Ich gehe zwar ins Fitness-Studio und trainiere gezielt die Arme, dennoch surfe ich einfach zu selten) Nach der Session sagte Andy dann (etwas schnippisch): „Well, bigger board more fun.“ Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich später noch an Irgendwas von ihm erinnern würde, aber dieser Satz hat sich eingebrannt.

Einen Tag später habe ich mir am Strand einfach ein großes Board geliehen und es hat einfach gewuppt. Auf einer Welle nach der anderen bin ich Richtung Strand gesurft und es war einfach großartig. Natürlich ist das keine große Philosophie. Und doch hat es etwas bei mir verändert. Wenn ich am Strand bin, möchte ich möglichst viel Spaß haben. Und das klappt bei mir – bisher – mit großem Board besser. Und daher bin ich froh, Andy getroffen zu haben.

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It´s always fun if you proceed.“ Ste` en

Raglan, Neuseeland

Ste`en – was für ein außergewöhnlicher Typ! Der hat verstanden, dass es im Leben nicht um die große Karriere geht. Er lebt im verschlafenen Surferort Raglan in Neuseeland, arbeitet nebenher für ein Snowboardmagazin und er surft sooft er kann. Hauptberuflich kümmert er sich allerdings um sein Haus, hält es instand und vermietet ein kleines Apartment daraus an Reisende. Da sind auch wir gelandet und hatten die Chance ihn auf unserer Reise durch das wunderschöne Neuseeland kennenzulernen.

Ste´en verkörpert für mich den perfekten Surferlebensstil, wie er sich in der Realität leben lässt. Er läuft zum Beispiel 20 Minuten mit dem Board über Klippen, um an die eine geheime Stelle zu gelangen, wo die Wellen besonders schön brechen. Mit dem Snowboarden hat er vorerst aufgehört, weil er dort nicht mehr weitergekommen ist – er hat sich nicht mehr entwickelt, sagt er selbst. Und dadurch vorerst die Motivation dafür verloren. In diesem Zusammenhang fiel auch sein Satz: Es macht immer so lange Spaß, wie du dich entwickelst, wie du einen Prozess spürst, besser wirst oder eine innere Weiterentwicklung bemerkst: „It´s always fun if you proceed.“

Entwicklung im Surfkurs: Glücksmoment

Wie recht er hatte. Das sage ich mir immer wieder. Jedes Mal, wenn ich am Anfang eines Surfurlaubs wieder das Gefühl habe, eine neue Sportart zu erlernen. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nichts mehr kann, weil die letzte Welle viel zu lange her ist. Eigentlich ist es gar nicht schlecht, dass surfen eine so große Herausforderung ist. So bleibt sie mir immer erhalten – es bleibt für immer einzigartig, neu und aufregend – genauso wie die Wellen. Unberechenbar – und plötzlich, wenn man gar nicht mehr damit rechnet, wächst man über sich hinaus und steht eine – für die eigenen Verhältnisse – besonders große Welle.

Passion: Wichtige Sätze sammeln

Solche Sätze sammeln ist inzwischen meine kleine Passion. Ich schreibe sie auf, damit sie nicht plötzlich verpuffen und freue mich schon auf die nächsten Reisen. Und die nächsten Impulse.

Habt ihr von euren Reisen auch schon inspirierende Sätze mitgebracht? Sätze, die euer Leben oder eure Sichtweise verändert haben? Schreibt sie mir gern in die Kommentare!

Wellenzauber in Neuseeland

Fotos: Raphael Timm & Athene Pi Permantier

Meine Geschichten über Barcelona

Zum ersten Mal traue ich mich im November nach Barcelona. Koffer packen kommt mir diesmal besonders schwierig vor. Winterjacke? Die App sagt für die kommenden Tage 20 Grad voraus. Aber irgendwie kann ich mir das nicht vorstellen und packe einen Mantel ein. Kommt mit nach Barcelona im Herbst.

Es ist viel zu lange her, denke ich, als ich aus dem Flugzeug steige. Vor zwei Jahren war ich zuletzt hier. Gibt es wohl noch…? Ist es so wie bekannt und geliebt? Sind vielleicht diesmal weniger Touristen da? Noch während ich das denke, fange ich an zu kichern. Das ist Quatsch. Jeder weiß, dass Barcelona zum Dauertrendziel Europas geworden ist. Wer keine Menschen mag, ist hier falsch. Insgesamt war ich inzwischen sehr oft in Barcelona. Ich nenne euch keine genaue Zahl, weil ich nicht sicher bin. Aber fest steht: Viele Geschichten rund um die Stadt haben sich in meinen Kopf gebrannt und mischen sich nun bei jedem neuen Besuch mit den neuen Geschichten.

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Zu jeder Jahreszeit schön

Wir steigen in Paral.lel aus der Metro. Unser Airbnb befindet sich im Viertel Poble Sec. Das Viertel hatte ich bisher nicht auf dem Schirm, bin aber sofort begeistert von vielen kleinen Tapas-Bars und Plätzen. Eine echte Entdeckung! Früher war dieses Viertel einmal ein Industriegebiet. Drei Schornsteine von einem Stromversorger erinnern noch heute daran. Ansonsten ist von dem einst „ausgetrockneten Dorf“ nicht viel geblieben. Es befindet sich inmitten des Häusermeeres Barcelonas, am Fuße des Montjuics. Von hier aus können wir laufen: Ins Raval, ins gotische Viertel… oder an den Strand. Klar, man kann inzwischen auch Rikscha fahren, Segway, E-Roller oder mit einem dieser roten Touristenbusse. Aber das ist nicht mein Ding.

Barcelona – am liebsten zu Fuß

Zu Fuß zeigen sich so viel mehr Geheimnisse in einer Stadt. Man kann anhalten. In kleine Innenhöfe gehen. Sich umdrehen, die Perskektive ändern und auf einem der vielen malerischen Plätze Pause machen und sitzen. Zu Fuß erschließt sich die Identität dieser Stadt, in der viele Nationalitäten Zusammenkommen. Wir laufen zickzack durch kleine, einsame Gassen im Raval – vorbei an Jungs, die den ganzen Tag vor ihrer Haustüre sitzen, wie Türsteher. Wir passieren Handyshops, Gemüseläden und Geschäfte, in denen es einfach alles gibt. Und dann sind da plötzlich moderne, stylishe Bars, neben alten urigen Cafés an der Rambla del Raval. Und dazu strahlender Sonnenschein.

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Eins der schönen Cafés im Raval

Der Herbst hat die Bäume bunt gefärbt und lässt sie gelbe, orange Blätter auf die Straßen regnen. Barcelona ist wie dieser Freund, der auch nach Jahren neue Geschichten zu bieten hat, die man bisher noch nicht gehört hat. Jedes Mal finde ich hier neue Plätze, neue Perspektiven und neue Aussichten.

Beim Tapas essen im Poble Sec erklärt uns der Kellner, dass es keine Karte gebe. Er sei die Karte und überhaupt: Am besten solle man Bier trinken. Wir hören auf ihn und essen viele kleine Happen, also Pinchos, die uns von der Theke anlachen. Beim Essen erinnere ich mich an einen Barcelonaurlaub, als wir in einem Hostel in der Nähe der Pl. Reial untergekommen sind. – Eins dieser Hostels, wo du deinen Namen auf das Essen schreibst, wenn du es in den Kühlschrank stellst.

Hostelgezwitscher im Kühlschrank

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Am nächsten Morgen war das Essen weg. Im Kühlschrank lagen dafür gelbe Klebezettel mit Entschuldigungen drauf: „Person X habe Probleme. Sorry. Bitte morgen den Kühlschrank checken, dann läge da Geld drin“. – Es stand kein Name dabei und doch wussten wir gleich, wer es war. Das dünne, junge Mädchen aus unserem Dorm, die allein auf Weltreise war. – Und jeden Abend Party machte. Ihren Namen habe ich vergessen. Aber manchmal denke ich noch heute an sie. Hat sie wohl noch immer Ess-Anfälle? Reist sie noch? Und erinnert sie sich an Barcelona? Ich hoffe es sehr. Das Geld hat sie uns übrigens wirklich wiedergegeben. Und eine Erinnerung für immer.

Ein Meer aus Gassen

Barcelona: viele Brauntöne und Gassen. – Dunkle Gassen, bei denen du nie genau weisst, wohin sie dich bringen. Und welche Geheimnisse sich darin verbergen. – Oder welche ausgezeichneten Bars. In manchen Nächten im Sommer 2010 sind wir einfach von Platz zu Platz gezogen und haben gesessen, gesungen, geredet, die Welt verbessert. – Unter dem Einfluss von Dosenbier. Unfassbar. In jenem Sommer haben wir auch besonders viel Zeit im Park und an den Stränden verbracht, weil wir tagsüber zu nichts anderem in der Lage waren.

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Der Strand im Herbst

Besondere Magie üben auf mich seit jeher die Bauten von Gaudí aus. Der Besuch im Park Güell kostet inzwischen Eintritt. – Man sollte die Ticktes am besten vorher online kaufen. Aber solange diese außergewöhnliche Parkanlage dadurch geschützt wird, ist es mir das wert. Der Park ist zwischen 1900 und 1914 gebaut worden und strahlt so viel Farbe, Verspieltheit und Freude aus, dass ich mich dort fühle wie Alice im Wunderland. Wie gern würde ich mich hier allein hinsetzen und bei dieser Aussicht über die Stadt bis hin zum Meer ein Buch lesen. Leider sind überall Menschen, die versuchen ein bis hundert schöne Bilder zu schießen. Kein Vergleich zu den Aufnahmen aus Filmen wie „L’Auberge Espagnole“ und trotzdem komme ich immer wieder. Diese Architektur ist einfach atemberaubend.

Abendsonne

Abends zeigt Barcelona ein anderes Gesicht

Und dann gibt es da die Geschichte der „Bar 7“. Ich kann euch die Adresse googeln, wenn ihr mögt. Aber ich kenne sie nicht. Die Bar 7 kenne ich seit dem Jahr 2012. Wir waren in einem furchtbaren Hostel in einem Dorm mit 12 Menschen untergekommen. Und Abends kamen da immer selbsternannte Partyexperten vorbei, um die willige Crowd durch Barcelona zu treiben und in große Discos zu schleppen.

Wer mich kennt: Das ist überhaupt nicht mein Ding. Aber schön zu sehen: Oft denken sich Menschen, die keinen Job haben hier einfach einen aus. Wie praktisch! Ich hab mich damals kurz mit dem Typen, also dem Partyreiseführer unterhalten. Er war Ende zwanzig und kam eigentlich aus Rumänien. Aber damals feierte er für eine Weile das Leben in Barcelona. Ich erklärte ihm, das ich gern weggehen würde. Aber nicht in einen großen Club, sondern lieber in eine Bar. Gerne urig. Gerne ranzig und normal. Und da erzählte er von der Bar 7. Zur Placa Reial. Und dann abbiegen und dann izquierda, izquierda, izquierda. Also links, links, links.

Die Bar 7

Er hatte nicht zu viel versprochen: Wir haben eine kleine Bar gefunden – gleich neben drei Pollern, die inzwischen rot angemalt worden sind. Warum – keine Ahnung. In der Bar bediente ein Mexikaner und machte mir eine starke Michelada. Im Hinterzimmer spielte eine Band. Perfekt. Jedesmal laufe ich nun durch Barcelona bis ich diese Bar wiedergefunden habe. Es gibt sie noch – und allein das liebe ich.

Streetart

Barcelona: Eine Stadt voller Geschichten, Menschen, die kommen, eine Zeit bleiben und wieder gehen. Für mich ist und bleibt die Stadt eine der schönsten Europas. Hier fühle ich mich wohl. – Denn Unvollkommenheit gehört hier zum guten Ton.

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Athene

Fotos: Raphael Pi Permantier & Athene Pi Permantier

Skurrile Geschichten aus Bali

Bali: Was eine verrückte, touristische und doch magische Insel. Am meisten beeindruckt haben mich – neben der Natur – die kleinen Geschichten, die ich von den Menschen dort erfahren habe. Auf einer Fahrt von Kuta nach Ubud haben wir viel mit unserem Fahrer gesprochen. Er hat uns erzählt wie er sich seinen Führerschein gekauft hat und warum es auf Bali keine Wolkenkratzer gibt. Und auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass das alles so stimmt: Diese Geschichten sind es, an die ich mich noch in vielen Jahren erinnern werde. Sie sind das was bleibt und das was mich für immer mit den Menschen auf Bali verbindet: Unsere Gespräche, der Austausch über die Kultur, handeln an den Ständen und die Freude wenn wir uns einig geworden sind.

Im Grunde nehmen wir ja immer wieder Geschichten mit, behalten sie und wenn wir sie oft genug erzählen, bleiben sie uns immer erhalten.