Wedding Diaries 16: Gute Dienstleister für die Hochzeit in Aachen

Wer darf bei der eigenen Hochzeit mitwirken? Wen möchte man dabei haben? Und wem vertraut man, dass er die passende Musik auflegen wird? Oder einen schönen Brautstrauß bindet? Bei der Suche nach Dienstleistern für die Hochzeit in Aachen standen wir erstmal mit vielen Fragezeichen da. Aber ich glaube das gehört dazu – denn die meisten sind ja nur einmal in der Situation, eine große Hochzeit zu planen.

Ich gebe zu: Auch ich kontrolliere gern, mache Dinge im Zweifel selbst und hake zehn Mal nach, um sicherzugehen, dass alles nach Plan läuft. Aber ich wollte auf keinen Fall am Tag der Hochzeit rumlaufen und alles überprüfen. Ich finde: Vorher kann man sein ganzes Herzblut in so ein Projekt stecken, man muss aber auch wissen wann es gut ist – wann es Zeit ist den Freunden, der Familie und den Dienstleistern zu vertrauen.

Zuerst haben wir uns für eine Location entschieden und das Datum festgelegt. Damit stand der Rahmen für unsere Hochzeit: Das Herzstück unserer Feier war die wundervolle Scheune auf Gut Hebscheid. Ein Traum. Danach fehlten nur noch ein paar kleine – große Details: Neben den Basics wie Ringen und Kleid brauchten wir noch einen DJ, einen Trauredner, eine Torte, Blumen, Kleid und Styling… Als ich angefangen habe alles aufzuschreiben, kam die Panik: Woher sollten wir wissen, dass alles klappt? Und was wenn wir einen DJ buchen, der die ganze Zeit einen auf Kirmesansager macht und Schlager auflegt? Hätte hätte… aber ja: Das wäre furchtbar.

Brautpaar
Hochzeit Gut Hebscheid

Wenigstens hatten wir schon einen Fotografen – ein Freund der Familie: Tomek. Eine Sorge weniger. Und so haben wir die restlichen Dienstleister für unsere Hochzeit in Aachen gefunden:

Die Blumen für Frisur und Brautstrauß: Drei Blüten Aachen

Von Anfang an war klar: Ich werde keinen Schleier tragen, aber einen Blumenkranz. Und dazu natürlich einen Brautstrauß. Auf der Suche bin ich in Aachen durch verschiedene Geschäfte gelaufen, bis mir eine Bekannte von „Drei Blüten Aachen“ erzählt hat. Und als ich dort ankam war ich mir gleich sicher: Die haben eine ähnliche Blumen-Philosophie wie ich. Hier ist nicht alles adrett, sondern auch mal wild und bunt. Als ich der Verkäuferin von meinen Wünschen erzählt habe, hatte ich gleich ein gutes Gefühl: Sie verstand meine Idee von einem bunten Strauß mit Wiesenblumen und dem passenden dezenten Kranz. Wir vereinbarten einen Termin für ein Vorgespräch in der Woche der Hochzeit und sahen uns auch erst dann wieder: fünf Monate später.

Gut Hebscheid Aachen
Blumenkranz, Strauß und Anstecknadel von Drei Blüten Aachen

Als ich montags ankam befand sich an der Tür ein Zettel: Frau Pi Permantier bitte klopfen. Inzwischen hatte der Laden seine Öffnungszeiten geändert und war am Montag eigentlich geschlossen. Da mein Termin aber schon so lange stand, wollten sie ihn nicht ausfallen lassen und waren extra für mich gekommen. Wow. Sie zeigten mir, welche Blumen gerade Saison haben und da sind. Und gemeinsam haben wir ein Konzept für Form und Farbe von Kranz, Strauß und passendem Anstecker für Raphael erstellt. Am Morgen der Hochzeit hat mein Bruder alles abgeholt und wir wurden nicht enttäuscht. Als ich das Päckchen mir dem Kranz ausgepackt habe, war es wie Weihnachten. Kranz und Strauß waren schöner als erträumt.

Tipp: Ich kann allen künftigen Bräuten empfehlen mit mehreren Geschäften zu sprechen und euch die Sträuße vor Ort anzuschauen. Dann seht ihr, ob der Blumenladen mit eurem Geschmack übereinstimmt. Und ihr entscheidet euch mit gutem Gefühl für den passenden Dienstleister.

Weißer Saal Aachen
First Look

DJ Christian Deger

Machen wir uns nichts vor: Es ist schwer, einen guten DJ zu finden. Vor allem, wenn man niemanden kennt, aber gleichzeitig sehr genaue Vorstellungen davon hat, was der DJ können soll. Und was er bitte nicht auflegen soll. Das ist fast noch wichtiger. Auf den bisherigen Hochzeiten, auf denen ich war, fand ich die Djs zu 90% schlecht. Keine gute Ausgangslage, um jemanden durch Empfehlungen oder Erfahrungen zu finden. Die Bekannten, denen wir es zugetraut hätten, hatten leider keine Zeit. Also blieb uns nur die harte Suche im Netz. Und da gibt es wirklich viele Djs, – oder selbsternannte Showmaster.

Meine Horrorvorstellung: Ein DJ, der immer dazwischen redet und die Menschen animiert. Und im allerschlimmsten Fall auch noch Schlager auflegt. Ich gebe zu: Eine einfache Kundin bin ich nicht. Ich habe wirklich sehr genaue Vorstellungen davon, wie etwas ablaufen soll. – Oder wie etwas auf keinen Fall ablaufen darf. So eine Hochzeit ist schließlich ein wichtiges Fest und teuer genug.

Gut Hebscheid Aachen
Party auf Gut Hebscheid

Als wir angefangen haben im Netz nach einem passenden DJ zu suchen, waren wir geschockt: Viele Internetseiten sind so abschreckend wie die „Gelben Seiten“ in grell bunt. Wenn eine Seite auf den ersten Blick nach Kirmes aussieht, habe ich schon keine Lust mehr zu lesen was da steht. Und ich bin sicher, dass mir durch meine voreingenommene Art der ein oder andere gute DJ durch die Lappen gegangen ist. Ein paar wenigen habe ich eine unverbindliche Anfrage geschickt und ihnen erzählt wo wir heiraten und was unsere Wünsche an einen DJ sind. Mir war zum Beispiel sehr wichtig, dass auf der Hochzeit viel Reggaeton und andere Latinomusik aufgelegt wird. Und ansonsten Indie-Rock auf den 00er Jahren. Ein bisschen 90er. Gerne Queen und Michael Jackson. Gerne ein paar Songs aus den 60ern. Aber auf keinen Fall Schlager. Helene Fischer zum Beispiel war auf meiner Hochzeit von vornherein verboten.

Nach ein paar E-Mails entschieden wir uns für Christian Deger. Nicht wegen seiner Homepage, sondern, weil er in den Mails einen sympathischen und kompetenten Eindruck machte. Wir hatten das Gefühl, er weiß worum es geht. Außerdem konnten wir bei ihm das Paket für die freie Trauung hinzubuchen. Dadurch hat er sich nicht nur um die Technik in der Scheune, sondern auch um Mikros, Anlage und Technik im Hof gekümmert. Das Bauchgefühl hat gepasst.

In der Woche vor der Hochzeit haben wir Christian dann endlich persönlich kennengelernt. Auch das war mir wichtig: Ein Treffen noch vor der großen Feier. Denn so konnten wir ihm nochmal persönlich sagen, was uns wichtig ist. Vorher hatten wir bei Spotify eine Liste angelegt, mit ca 200 Songs, die wir uns auf unserer Hochzeit vorstellen könnten. – Als Inspiration.

Christian war mir auf den ersten Blick sympathisch. Das hat mir in meinem Panik-Hirn in der Woche vor der Hochzeit sehr beruhigt. Als ich ihm erklärt habe, dass ich wirklich GAR keine Schlager hören möchte, war er sichtlich verwundert. Es schien als wären Helene und Co seine Party-Garanten. Die, die er immer bringen kann, wenn nichts mehr geht. Und bei uns würde das nicht funktionieren. Ich habe ihm in Ruhe erklärt, was er alles stattdessen auflegen kann. Dass keine Moderation von seiner Seite erwünscht ist, da wir dafür einen Zeremonienmeister haben. Dass er aber natürlich unser Gast ist. Essen und trinken soll soviel er mag. Und dass wir uns sehr freuen, ihn an Bord zu haben.

Gut Hebscheid Aachen
Aussicht vom DJ Pult

Am Tag vor der Hochzeit hat er schon sein Equipment aufgebaut und getestet, ob alles funktioniert. Das war wirklich großartig. Und am Abend selbst lief kein einziger Schlager. Am Ende der Party habe ich mit ihm gemeinsam die letzten Songs ausgewählt und dafür gedankt, dass wir komplett ohne Helene und Pur feiern durften. Und Christian hat darauf gesagt, dass es für ihn die erste (!) Party überhaupt ohne Schlager gewesen ist. Und er war sichtlich happy, wie gut es funktioniert hat: Es wurde die ganze Zeit getanzt – alle Altersgruppen wurden mal angesprochen und haben mitgefeiert. Christian würde ich euch auf jeden Fall empfehlen.

Gut Hebscheid Aachen
DJ Christian Deger

Tipp: Trefft euch vorher mit dem DJ und besprecht eure Wünsche und Sorgen mit ihm. Wichtig ist, dass er versteht, was euch wichtig ist. Damit es am Ende EURE Party wird – und nicht seine.Er ist immerhin euer Dienstleister.

Styling: Corinna Hof

Einmal Frisur und Make-Up bitte – aber ich möchte nicht angemalt aussehen, ja“. Ich hatte großen Respekt davor, jemanden mit dieser Aufgabe zu beauftragen. Ich selber schminke mich wenig – und auch meistens nur um die Augen herum. Hier hatte ich das Glück, eine Empfehlung von einer Freundin zu bekommen. Ihr Hochzeitstermin war eine Woche vor meinem und sie hatte eine Friseurin des Vertrauens: Corinna Hof. Sie erzählte mir, dass sie sich bei ihr wohlfühlt und dass sie gleich gute Ideen hatte, was sie mit ihren Haaren anstellen könnte. Da ich nicht in Aachen wohne und dort wirklich keinen Friseur kenne, war ich dankbar darüber. Gemeinsam sind wir zu einem Probestyling zu Frau Hof gegangen und wurden nacheinander gestylt. – Sie mit Löckchen und ich mit Blumenkranz. Hinterher war ich total zufrieden. Alles über diesen außergewöhnlichen Morgen findet ihr hier. 

Stylist Aachen
Brautfrisur

Tatsächlich habe ich mir seit dem Probestyling keine Sorgen mehr darüber gemacht. Ich wusste: Sie würde kommen und eine Braut aus mir machen. Überpünktlich stand sie dann auch am 22.09. bei mir im Hotel und hat in aller Ruhe die Haare gemacht, den Kranz festgesteckt, Haarspray verteilt und das Gesicht hergerichtet.

Tipp: Es ist wirklich ein wundervolles Gefühl, wenn man gestylt wird. Ich rate jeder Braut, sich am großen Tag in professionelle Hände zu geben. – Ohne Stress. Wenn einem die Hände zittern, kann der Lidstrich nichts werden. Die Feier ist teuer genug. Ich finde: Da sollte man nicht am Styling der Braut sparen. Ein Probestyling lohnt sich in jedem Falle, um herauszufinden, ob die Chemie mit dem Friseur stimmt.

Braut-Styling
Beim Styling mit Corinna Hof
Brautstyling
Styling am Hochzeitstag

Die Torte: Café zum Mohren

Auf der Suche nach der passenden Torte kann man einen Zuckerschock bekommen. Vor allem in Aachen, weil es da so viele geniale und traditionelle Konditoreien gibt. Jede einzelne davon macht einzigartige, leckere Torten. Wir hatten quasi die Qual der Wahl. Und haben uns ein paar Tage Zeit genommen, um die passende Hochzeitstorte ohne Fondant zu finden. Schnell war klar, dass es etwas mit Zitrone und Baiser werden soll: Etwas Leichtes, nicht zu schweres. Beim Café zum Mohren war es dann aber Liebe auf den ersten Bissen. Alles über diese geschmackvolle Affäre findet ihr hier.

Lemon Baiser für ca. 100 Leute haben wir bei der Konditorei bestellt.

Bei so vielen Stücken kommt die Torte auf fünf Stockwerken – nicht direkt übereinander, sondern mit etwas Abstand zwischen den Etagen. Denn durch die weiche Oberfläche des Baiser würde das Kunstwerk an Torte sonst in sich zusammenbrechen. All das erklärte uns eine Mitarbeiterin am Telefon als wir die Torte in Auftrag gegeben haben. Die passende Etagere liefert die Konditorei mit zur Hochzeitslocation. Hinterher bringt man sie dann einfach zum Café zurück.

Gut Hebscheid Aachen
Lemon Baiser

Kurz vor der Hochzeit haben wir noch einen passenden Cake-Topper bestellt: Mr & Mrs Pi Permantier sollte oben auf dem süßen Gebäck thronen. Wir erklärten ihnen, dass es die Torte bei uns weder am Nachmittag noch um Mitternacht geben soll – sondern einfach als Dessert und schon war alles besprochen. Die Dienstleister in den Städten kennen die Locations normalerweise und besprechen dann alles Weitere mit ihnen. Die Torte wurde pünktlich geliefert und sah wundervoll aus! Ein süßes Kunstwerk mit Beeren verziert. Wir haben insgesamt drei Tage daran gegessen und kein Stück ist übrig geblieben. Viele Gäste haben die Lemon Baiser Torte gelobt. Und wenn ich jetzt in Aachen bin, bestelle ich sie mir meistens beim Café zum Mohren und denke an den unvergesslichen Tag zurück. Wenn das Leben noch süßer schmeckt als Lemon Baiser.

Tipp: Das Wichtigste an einer Hochzeitstorte ist meiner Meinung nach, dass sie schmeckt. Also: probieren..probieren.. probieren. Und wenn ihr euch einmal für einen Dienstleister entschieden habt: Besprecht mit euren Dienstleistern genau, wann die Torte geliefert wird und ob noch Extrakosten bei Lieferung oder für Verzierung auf euch zukommen.

Hochzeitstorte
Hochzeitstorte: Gut Hebscheid Aachen

Fotos: Tomek Wozniakowski

Wedding Diaries 15: Minimoon Gran Canaria – Tipps für die kanarische Insel

Nach der Hochzeit haben wir beide maximal noch eine Woche frei. Das reicht nie im Leben für Flitterwochen, wie ich sie mir erträumt habe. Einziger Ausweg – wie er zu mir passt: Zwei Mal wegfahren. Einmal kurz. Einmal lang. Minimoon und Honeymoon. – Also sind wir nach der Hochzeit für eine Woche nach Gran Canaria gereist. So konnten wir die ganze Aufregung verarbeiten und das Meer genießen.

Am Flughafen steigen wir in eine kleine Blechbüchse, die an ein Spielzeug erinnert: Unseren gemieteten Fiat 500. Noch nie zuvor habe ich in so einem kleinen Auto gesessen. Wir fahren am Meer entlang in Richtung Norden, lassen Las Palmas hinter uns und fahren an vielen kleinen Orten vorbei bis wir unser Airbnb in „El Roque“ erreichen.

Ein weißes Häusermeer auf einem großen Felsen, der weit ins Meer hinaus ragt. – Die Häuser türmen sich nach oben, rechts und links klatschen die Wellen gegen das Gestein. Am Fuße des Massivs parken wir das Auto. Ab hier gibt es nur noch Fußgängerwege. Wir schlängeln uns vorbei an Leuten, die auf der Veranda ihren Kaffee genießen und den neusten Klatsch austauschen und schieben unsere Koffer bis zur Spitze des Felsens. – Denn hier werden wir drei Nächte verbringen.

Gran Canaria
Der Ausblick von unserer Unterkunft

Die Unterkunft in „El Roque“

Die Wohnung ist unglaublich schön: Große Wohnküche und großer Balkon und daneben ein Schlafraum, den man mit einem Vorhang abtrennen kann. Die perfekte Größe für ein frisch verheiratetes Paar. Abends sitzen wir bei Rotwein am Fenster, essen unsere selbstgemachte Pasta und hören stundenlang dem Meer zu. Fast unwirklich kommt es mir vor, dass wir vor drei Tagen erst geheiratet haben und jetzt schon in einer ganz anderen Welt sind: Auf Gran Canaria.

 

Weit weg vom Vorbereitungsstress und der Angst, ob wohl alles gut gehen wird. An der Küchentür hängt mein Brautkleid. Ich habe es mitgenommen, damit wir Bilder am Strand von Gran Canaria machen können. Ein ewiger Traum von mir. Das Kleid haben wir für den Transport einmal gefaltet und in einen extra Koffer gepackt. Ich freue mich, dass es hier nochmal einen Auftritt bekommt. Nachts schlafe ich tief und fest – und wache morgens mit dem Rauschen der Wellen auf. Als ich aus dem Fenster schaue, traue ich meinen Augen nicht: Direkt neben „El Roque“ gibt es einen Surfspot. Allerdings nicht für mich, sondern für Menschen mit deutlich mehr Erfahrung. Aber mir reicht es schon zuzuschauen, wie die Surfer eine Welle nach der anderen anpaddeln, stehen und auf das Land zusausen.

 

El Roque
Ausblick von El Roque

Der Norden Gran Canarias

Wir setzen uns in das Miniauto, um den Norden Gran Canarias kennenzulernen. Die großen Hotels befinden sich alle im Süden, denn da ist das Klima nochmal deutlich milder – und es gibt mehr Sonnentage. Verrückt oder? Von Las Palmas de Gran Canaria in den Süden nach Maspalomas braucht man 40 Minuten mit dem Auto und trotzdem gibt es verschiedene Klimazonen. Bei uns im Norden ist es oft diesig und neblig am Meer.

An dem Tag verzieht sich der Dunst aber schnell und wir fahren durch den Sonnenschein an der nördlichen Küste. Die Straße erinnert ein wenig an die “Route One” in Kalifornien: Die führt am Meer entlang und hängt immer wieder waghalsig an den großen Felsen am Meer. Der Ausblick ist einfach gigantisch. Immer wieder halten wir an, um die Weite, das Meer und die Höhe auf uns wirken zu lassen. Die meisten Felsen sind kark. Zwischendurch fahren wir aber durch kleine Täler, wo man sieht, dass manchmal ein Bach hindurch führt (je nach Wasser- und Regenlage). Und plötzlich ist es grün und ein paar Häuser stehen herum – in Wassernähe.

Unterwegs mit dem Mini-Auto

Wir begegnen nur wenigen Autos – Ende September scheint hier im Norden wenig los zu sein. Zwischendurch machen wir Halt in Galdar und laufen durch kleine Gassen und sehen Bewohner in der Mittagshitze im Schatten dösen. Und danach fahren wir noch zum Hafen von Agaete: Hier legen Fähren zu anderen kanarischen Inseln ab. Ein ruhiges Örtchen am Wasser: Ich fühle mich rundum wohl.

Waghalsige Straßen auf Gran Canaria

Las Palmas de Gran Canaria

Surfen

Stadt mit Strand, Stadt mit Hafen, Stadt mit historischen Gebäuden. Las Palmas de Gran Canaria entspricht genau meinem Beuteschema. Auf solche Städte fahre ich ab. Verzeiht mir, wenn ich hier mit der verklärten Brille schreibe. Wer verliebt ist, sieht alles ein bisschen heller und schöner.

Braut

Wir wohnen in einer kleinen Ferienwohnung in einem Mietshaus: Ein Zimmer, Küche, Bad: Klein aber nur für uns. Die Strandpromenade befindet sich keine 2 Minuten entfernt. Morgens schlendern wir am Wasser entlang. Sitzen ein wenig am endlosen Sandstrand und laufen schließlich weiter – bis ans Ende der Bucht, denn da befindet sich der Beachbreak für Gelegenheitssurfer wie uns: La Cicer. Und direkt dahinter, neben dem künstlichen Wellenbrecher ist ein Spot für Menschen mit besseren Skills und größerem Surfer-Selbstbewusstsein: Muellitos. Die Kanarischen Inseln sind einfach perfekt, um surfen zu lernen. Oder an seinen “Skills” zu arbeiten.

Wir finden einen kleinen, gemütlichen Surf-Verleih, lassen uns die Spots erklären und laufen mit den Boards über den warmen Asphalt in Richtung Wasser. Wie hatte ich dieses Gefühl vermisst: In die Wellen werfen, alles geben bis ich meine Arme nicht mehr spüren und meine Kehle brennt vor Durst. Und trotzdem will ich nicht aufhören. Surfen ist wie eine Droge. Eine Welle noch. Na gut noch eine. Vielleicht noch eine letzte?

Las Palmas
Der Strand in Las Palmas

Als die Sonne uns zu sehr auf dem Kopf zu brennen beginnt, bringen wir die Boards zurück und schlendern über die Promenade zurück.

In der Gegend unserer Unterkunft ist das Wasser ruhig: Gleiche Bucht, aber ganz andere Aussicht. Hier kann man stundenlang schnorcheln oder mit dem Stand Up Paddle Board herumdümpeln. Verrückt wieviele verschiedene Gesichter das Meer hat.

Allein das reicht mir. Tagelang könnte ich an den Strand gehen, surfen, am Strand sitzen, abends ein Bier trinken, schlafen.. und wieder surfen oder paddeln.

Vegueta – Las Palmas de Gran Canaria

Wir haben den Tipp bekommen, dass wir uns noch das Viertel Triana und die Altstadt Gran Canarias anschauen sollen: Vegueta. Die Calle Triana ist im Grunde eine klassische Einkaufsstraße. – Aber mit einer viel schöneren Architektur als in den meisten anderen Städten: Gebäude, die um das Jahr 1900 erbaut worden sind und verwunschene Fassaden im Jugendstil. Und wie von alleine haben wir auf einmal Vegueta erreicht.

Las Palmas de Gran Canaria
Die Altstadt

Durch die Altstadt Vegueta führen kleine Gassen im zick zack, auf einmal stehen wir vor der Kathedrale Santa Ana aus dem Jahr 1497, sitzen auf gemütlichen Plätzen und bewundern das alte Rathaus. Wir kommen extra am Donnerstag her, denn abends verwandelt es sich in ein kleines Tapas-Paradies. In jeder Kneipe, an jeder Ecke werden die verschiedensten Häppchen aufgebaut und man „isst sich die Straße entlang”. Hier ein Spieß mit Hähnchen, da ein Avocado-Brot-Häppchen, da ein Stück Wurst. Und dazu Bier in Plastikbechern. Es erinnert ein bisschen an eine ausgelassene Studentenparty – nur, dass es hier deutlich besseres Essen gibt. Aus allen Häusern strömen Menschen, die offenbar wirklich das Glück haben dort zu leben und genießen ihren Feierabend an den Tischen neben uns.

Wellness im Süden

Wir sind ja nicht nur zum Spaß hier auf der wunderbaren Insel Gran Canaria. Es ist noch immer unser Minimoon. Da muss es ja wohl auch ein paar kleine Flitterwochenelemente geben, denke ich mir und stelle fest, dass man im Süden der Insel einen guten Wellness-Tag einlegen kann. Rund um Maspalomas stehen viele große Hotelanlagen und in vielen davon gibt es Spas, Pools oder Massage-Tempel. Und die meisten kann man auch für einen Tag besuchen, ohne dass man in einem solchen Hotel schlafen muss. Perfekt. Wir entscheiden uns für ein Thalasso-Paket im Lopesan Villa del Conde Resort & Thalasso. – Vorher hatte ich nie davon gehört. Thalasso ist Heilkraft aus dem Meer und wird auch zur Behandlung von Krankheiten benutzt. Dafür braucht man aber natürlich mehr als einen Tag Zeit.

Im Lopesan Spa machen wir einen Rundgang durch verschiedene Schwimmbecken mit unterschiedlichsten Temperaturen. – Mal mit mehr und mal mit weniger Salz drin. Im ersten werden die Muskeln angenehm entspannt, denn es gibt unendlich viele Wasserstrahlen: Über Wasser und unter Wasser. In einem anderen Becken ist so viel Salz, dass man von alleine oben schwimmt und schwebt. Super entspannend! Zwischendurch entspannen wir auf warmen Liegen, laufen durch das kalte Kneipp-Becken und lassen unsere Füße von kleinen Steinchen massieren, stehen unter Öl-Duschen, oder sitzen im Dampfbad und zum krönenden Abschluss gönnen wir uns noch eine Massage. So tiefenentspannt wie an diesem Tag war ich noch nie.

Maspalomas: Zauberhafte Dünen im Süden

Nicht abschrecken lassen: Im Süden – gleich neben ein paar Luxushotels – befinden sich auch die wundervollen Dünen von Maspalomas. Das ist auch der Ort für unser Honeymoon-Shooting. Endlose Hügel aus Sand, über die man in Richtung Strand und Meer spazieren kann.

Bei Nacht werden sie vom Wind oft wieder hübsch aufgepustet, so dass man durch unberührten Sand laufen und seine Fußabdrücke hinterlassen kann. Es lohnt sich etwas Zeit mitzubringen und mindestens 15 Minuten zu laufen. Die meisten bleiben nämlich in Sichtweite des Hotels. Sobald man Dünen ganz für sich allein hat, ist es wirklich ein unbeschreiblich schöner Ausblick. Das war einer dieser Momente, in denen ich versucht habe, die ganze Umgebung mit den Augen zu fotografieren und einzuatmen. Damit ich dieses wunderbare Gefühl, das mir der Ort gegeben hat, nie wieder vergesse. 

Gran Canaria
Hochzeits-Shooting in Maspalomas

Fotos: Raphael Pi Permantier & Aljosa Petric

Wedding Diaries 14: Warum der Freitag der perfekte Tag für eine Hochzeit ist

Wann sollen wir heiraten? Die Euphorie über den Antrag macht sich breit. Langsam aber sicher realisiert man: Wir werden wirklich heiraten! Schon geht die Suche nach Datum und Location los. Wenn ihr nicht zwei Jahre im Voraus planen wollt, könnte der Freitag der perfekte Hochzeitstag für euch sein. Für uns war er es in jedem Fall! Deshalb möchte ich euch heute den Freitag ans Herz legen, denn er wird häufig unterschätzt.

Kurz nach dem Antrag an Heiligabend 2016 haben wir uns auf die Suche nach einer Location gemacht. Und die anfängliche Euphorie à la „wirschaffendasaufjedenFall2017“ die ist schnell verschwunden.

Die meisten Orte, die wir angefragt haben, konnten nur müde lachen, als wir nach einem Samstag zwischen Juni und Ende September gefragt haben. „Sie meinen aber schon 2018? Da hätten wir noch den ein oder anderen Samstag frei. Im November und Dezember“ Kam dann als Antwort.

Klar: In der Zeit, in der man sich auch in Deutschland mal nicht den Arsch abfriert und eine Chance auf Sommerwetter hat, wollen ALLE heiraten. Irgendwie verständlich. Nur waren wir einfach viel zu spät dran. Nachdem wir einige schöne Locations besucht haben, die allerdings nur noch Freitage frei hatten, haben wir angefangen Pros und Contras zu suchen. Und uns für einen Freitag auf Gut Hebscheid in Aachen entschieden. Da mir viele in den vergangenen Wochen erzählt haben, dass sie gerade vor der gleichen Frage stehen, möchte ich euch die vielen Vorteile des Freitags aufzeigen. Und den einen Nachteil natürlich auch. Vielleicht werdet ihr ja mit dem Freitag genauso glücklich wie wir.

Hochzeit Annastraße
Der perfekte Hochzeitstag: Freitag

Der Nachteil: Die Gäste müssen sich freinehmen

Wenn eine Hochzeit am Freitagvormittag beginnt – erst Standesamt, nachmittags Freie Trauung, danach Essen und dann Party – dann liegt das Grundproblem auf der Hand: Viele müssen sich den Tag freinehmen. Und einen Tag Urlaub für euch opfern. Ja, da brauchen wir nicht drum herum reden. Das ist so. Das gilt zumindest für alle, die ihr bei den frühen Terminen dabei haben wollt. Es gibt ja auch die Möglichkeit erst mit der Familie zu starten und viele Freunde erst später zur Party einzuladen. Aber das ist ein anderes Thema.

Spitzen wir das Ganze zu: Ihr hofft, dass sich eure liebsten Menschen für den wichtigsten Tag in eurem Leben freinehmen. Das kann man doch hoffen, oder?

Fakt ist: Es gibt einige wenige Menschen, die müssen ihren Urlaub sehr lange im Voraus planen. Daher mein Tipp: Schickt so früh wie möglich ein „Save the Date“ raus, damit sich alle die möchten auch wirklich freinehmen können. Bei uns konnte von knapp 100 Gästen genau eine Person nicht kommen, weil es ein Freitag war. Relativ wenig, oder? Die Einladungen haben wir dann entspannt danach entworfen und verschickt.

Unsere DIY-Einladung

Vorteil 1: Der Preis – günstiger heiraten am Freitag

Viele Locations bieten die Termine an Freitagen günstiger an. Das liegt unter anderem daran, dass viel weniger Paare an einem Freitag heiraten wollen. Sogar einige Dienstleister könnt ihr an einem Freitag günstiger buchen. Und es ist wahrscheinlicher, dass euer Lieblings-DJ oder Redner noch verfügbar ist: Die Auswahl ist einfach größer.

Nur durch die Wahl eines anderen Wochentags könnt ihr also die Gesamtkosten etwas reduzieren.

Unsere Tischkarten

 Vorteil 2: Dekoration der Location am Vortag

In den meisten Locations steigen im Sommer am Ende jeden Freitag und Samstag Hochzeiten. Donnerstags allerdings eher selten. Deshalb konnten wir auf Gut Hebscheid zum Beispiel schon Donnerstagvormittag aufbauen und dekorieren. Ein Teil von uns war Blumen schneiden, ich habe Sitzkärtchen und Tischbücher verteilt, wir haben eine Girlande aufgehangen, die Candy Bar aufgebaut… und sogar DJ Christian hat am Vortag schon einen Probeaufbau für sein Equipment gemacht.

Unsere Blumen

Wir hatten viel Zeit eingeplant, waren aber trotzdem schon am Mittag fertig und hatten dann tatsächlich frei. Den ganzen Nachmittag! Das kann ich wirklich jedem Brautpaar empfehlen: Nehmt euch am Tag vor der Hochzeit ein paar Stunden Zeit, um herunterzukommen und zu entspannen. Die Aufregung ist groß genug!

Wir haben uns zum Beispiel nochmal Gedanken über unsere Ehegelübde gemacht. Mit meinen besten Freundinnen war ich noch im Pool im Hotel. Diese entspannte Zeit hat mir persönlich sehr geholfen, um ohne Stress in die Hochzeit am Freitag zu starten. Am Hochzeitstag selbst konnte ich nur an uns, unseren Tag, die Getting Ready Party, das Brautkleid und unser “ja” denken. Ich habe keine Gedanken mehr an den Ablauf oder die Deko verschwendet und konnte jede Sekunde genießen.

Das Paar, das am Samstag nach uns geheiratet hat, konnte erst am Samstagmorgen in die Location und dekorieren. – Nachdem der Raum geputzt war. Dieser Vorteil ist mir tatsächlich erst kurz vor der Hochzeit aufgefallen.

Gut Hebscheid Aachen
Unsere DIY-Deko: Aufgebaut am Donnerstag

Vorteil 3: Freies Wochenende nach der Party

Der schönste Tag im Leben ist zauberhaft, intensiv, emotional, auch mal anstrengend und lang. Hinterher waren wir unendlich glücklich, dass die Hochzeit viel schöner war, als wir es uns jemals erträumen konnten. Wir waren aber auch komplett müde und kaputt.

Das gehört dazu: Ich glaube danach braucht jedes Brautpaar Ruhe und Zeit. Allein wenn ich mir vorstelle danach nur einen Tag – den Sonntag – freizuhaben und nichts zu tun zu haben und danach geht es schon wieder los mit Arbeit… Unvorstellbar! Selbst eine Reise am Tag danach hätte ich mir nicht vorstellen können. Ich wollte nichts tun. Einfach in meinem Bett liegen, mich über die unendlich vielen Gänsehautmomente am Vortag freuen, die Karten der Gäste lesen, schlafen und die Ruhe genießen.

Und so ging es nicht nur mir als Braut. Auch meine Eltern und viele Freunde und Verwandte haben uns hinterher gesagt, dass sie sich sehr über das freie Wochenende danach gefreut haben. Einige haben noch einen Kurzurlaub in Aachen und Umgebung drangehängt. Andere sind am Samstag entspannt nach Hause gefahren und hatten noch am Sonntag Ruhe und Zeit, bevor die neue Woche wieder losging.

Liebe künftige Brautpaare: Ich persönlich kann euch den Freitag als Hochzeitstag wirklich ans Herz legen. Wir konnten dadurch im Wunschjahr in unserer Traumlocation feiern und hatten danach noch ein ganzes Wochenende Zeit den Tag revue passieren zu lassen, uns an kleinen Momenten zu freuen und zu merken: Es ist wirklich passiert! Wir sind jetzt offiziell verheiratet! Wir sind Herr und Frau Pi Permantier.

Wann heiratet ihr? Für welchen Tag habt ihr euch entschieden?

Hochzeit Gut Hebscheid Aachen
Nach unserer Freien Trauung

Fotos: Tomek Wozniakowski

Wedding Diaries 13: Unsere Hochzeit – The Big Day

Augen auf. Ist es tatsächlich schon soweit? Ja! Der große Tag ist da. Der Tag, auf den wir neun Monate hingefiebert haben: Unsere Hochzeit. Ich bin ich schlagartig hellwach und es kribbelt überall: Von den Füßen bis hoch in den Kopf. Als hätte ich alleine eine Flasche Sekt geleert. Aber ich bin stocknüchtern. Ich fange von alleine an vor mich hinzugrinsen und springe aus dem Bett. Auf geht’s.

Was hatte ich mir die Tage vor der Hochzeit den Kopf zerbrochen: Was wenn wir krank werden? Was wenn wir verschlafen? Was wenn es aus Eimern schüttet? Was wenn…

Ich mache die Vorhänge auf und sehe Sonne und ein paar Wolken. Perfekt. Krank sind wir auch nicht und verschlafen haben wir natürlich auch nicht. Ich verschlafe nie. Aber ich mache mir gern Sorgen – auch wegen Sachen, die vermutlich nicht eintreten werden.

Entspannt in den Tag starten

Nachdem ich monatelang alle Brautmagazine auswendig gelernt hatte, war klar: An dem Morgen darf kein Stress aufkommen. Also sind wir früh genug wach, um ausgiebig frühstücken und mehrere Kaffee trinken zu können.

Einige verschlafene Hochzeitsgäste gesellen sich zu uns, darunter meine beste Freundin. Gemütlichkeit vor dem Sturm. Ich merke, dass mich heute nicht viel aus der Bahn werfen kann und schalte um in den „Jetzt geht’s los-Modus“. Monatelang habe ich mich auf diesen Tag vorbereitet und mir vorgenommen die Hochzeit in vollen Zügen zu genießen. Komme was wolle. Denn ich kenne mich: Ich rege mich schnell auf oder steigere mich in Dinge hinein, die es nicht wert sind und hinterher habe ich deshalb eine schlechte Zeit. So weit darf es am Hochzeitstag nicht kommen.

HochzeitAachen
Das Styling von Corinna Hof

Getting Ready Party

Punkt acht Uhr ist die Stylistin da, wir teilen uns auf und beginnen unsere zwei Getting ready – Partys: Eine für die Männer und eine für uns Frauen und meinen Trauzeugen. Meine liebsten Mädels sind dabei – aus aller Welt angereist – meine Mama ist da und mein Bruder. Mein Herz macht einen Purzelbaum vor Freude und Dankbarkeit, als ich mich im Hotelzimmer umschaue. So viele Lieblingsmenschen sind gekommen, um an diesem Morgen schon dabei zu sein.

Die Stylistin stylt erst eine Freundin und meine Mama und danach mich. Es fühlt sich an, als wäre ich ein Filmstar, der für einen großen Auftritt fertiggemacht wird. Und ehrlich gesagt ist es ja auch der größte Auftritt, den ich bisher hatte. Haare werden geglättet, gezupft, hochgesteckt, neben dem Blumenkranz verstaut. Und das Gesicht wird so geschminkt, dass es noch nach Athene aussieht (in wach und frisch und strahlend) und dass das Make – Up trotzdem bis spät in die Nacht hält. Genau wie wir es vorab geübt hatten. Mir fällt es schon schwer einen Lidstrich bei mir zu ziehen. Ganz generell. Ich finde es unendlich bewundernswert, was Frau Hof da für eine Arbeit macht: Seelenruhig und gekonnt.

Hochzeit Aachen
Erst Haare dann Make-Up
Hochzeit Aachen Styling
Der letzte Check

Die Zeit bis zum Standesamt rennt

Wir stoßen mit alkoholfreiem Sekt an und merken nicht, wie sehr die Zeit rennt. Auf einmal wird es dann doch wuselig: 10:30 wollten wir aufbrechen. Es ist 10:30. Zack zack. Rein ins Brautkleid. Mama und ich hatten das geübt, aber wir sind beide keine Expertinnen, was lange Kleider mit mehreren Lagen Tüll und Reifröcke angeht. Und so braucht es ein paar Anläufe bis ich im Kleid stecke und alles sitzt. Einmal durchatmen. Mit Brautstrauß bewaffnen und los – die eigene Hochzeit wartet. Haben wir alles? Ich hoffe. Der Rest muss improvisiert werden, denke ich bei mir. Und bin froh, dass der Personalausweis und die Ringe sicher bei meinem Trauzeugen lagern. Eine Sorge weniger.

Hochzeit Aachen
Die Wahrheit: Jede Braut braucht einen Schleppenträger

Standesamt: Der Märchentraum im Weißen Saal

Ich liebe Aachen, meine Heimat, meine Lieblingsstadt: Wunderbare Architektur, süße Gässchen und ein pompöses gotisches Rathaus, das um 1350 gebaut, mehrfach zerstört und restauriert wurde. In diesem Gebäude befindet sich sogar der alte Krönungssaal, wo heute noch der Karlspreis verliehen wird. Ich war wirklich begeistert, als ich herausgefunden habe, dass man im „Weißen Saal“ standesamtlich heiraten kann. Das ist natürlich etwas teurer als klassisch in einem Trauzimmer im Standesamt zu heiraten, für mich allerdings auch viel schöner. Außerdem kommt hinzu, dass man im „Weißen Saal“ mehr als 70 Leute unterbringen kann. Die meisten davon müssen allerdings stehen.

Zur Sicherheit: Braut und Bräutigam gehen verschiedene Wege

Raphael und seine Jungs sind schon auf dem Weg, als wir um 10:44 endlich im Auto in Richtung Stadt sitzen. Um 11:30 beginnt die Trauung. Allerdings wollte ich eigentlich um kurz vor 11 da sein. Für falls. Fest steht, dass daraus nichts wird. Fest steht allerdings auch, dass trotzdem noch genug Zeit ist. Wir fahren in die Stadt, stellen das Auto im Parkhaus ab und laufen enstpannt in Richtung Markt. – Einmal durch die Annastraße und dann in Richtung Markt bis zum Katschhof. Dort treffen wir meinen Vater, denn er wird mich in den Saal begleiten.

Mit Raphaels Truppe hatten wir vorher ausgemacht, dass sie einen anderen Weg gehen, damit wir uns nicht treffen.

Rathaus Hochzeit Aachen
Auf dem Weg in den Weißen Saal.

Ich genieße jede Sekunde

Als wir auf dem Katschhof ankommen, wartet Thomas da in der strahlenden Sonne. Wo kommt die denn her? Die ganze Woche über hatte es geregnet und auf einmal kämpft sie sich durch. Es ist schon ein besonderes Gefühl im Brautkleid quer durch die Altstadt von Aachen zu laufen: Überall bleiben Menschen stehen, wünschen alles Gute, manche kichern, andere schicken bewundernde Blicke und sagen motivierende Dinge. Das Beste: Ich kann jede Sekunde genießen.

Einzug zu Geigenmusik

Die Gesellschaft auf dem Markt verschwindet mitsamt dem Bräutigam im Rathaus. Auch mein Bruder ist auf einmal weg. Er sollte uns eigentlich ein Zeichen geben, da er aber Trauzeuge ist, wird er nicht mehr aus dem Saal gelassen. Eine Freundin checkt für uns die Lage und gibt uns das “Go”. Langsam steige ich die Treppe zum Rathaus hinauf. Bloß nicht hinfallen, denke ich. Aus dem Saal klingt Geigenmusik, die ein Freund der Familie live für uns spielt. Ich liebe es!

Rathaus Weißer Saal Aachen Standesamt
Unser First Look im Rathaus Aachen

Unser First Look im Rathaus

Mein Herz macht einen dreifachen Salto als ich um die Ecke biege und den Weißen Saal mitsamt der Freunde und Familie sehe: Goldene Verzierungen an der Decke, lächelnde Gesichter und vorne steht er. Raphael. Ich könnte ewig weiterlaufen, aber der Weg bis zu ihm ist zu kurz. Als wir uns zum ersten mal sehen, bin ich wirklich geflasht: Von ihm und von diesem Moment. So oft hatte ich mir ausgemalt, wie es sein würde auf Raphael zuzulaufen. Und plötzlich ist der ersehnte Moment da. Ich sehe Tränen in seinen Augenwinkeln und bin sicher er hat auch welche in meinen erblickt. Liebe, Sonne, Herz, Vertrauen, Freude, Zuversicht, jetzt, du, ich, wir. Alles fügt sich.

Weißer Saal Aachen Standesamt
Der Weiße Saal im Rathaus

Eine aufgeregte Standesbeamtin strahlt uns an

Als ich die Standesbeamtin bemerke, stelle ich fest: Sie ist noch aufgeregter als wir. Vielleicht hat auch sie der Moment gepackt? Vielleicht ist ihr Herz offen für Geigenmusik? Keine Ahnung – aber verständlich wäre es. Jedenfalls muss sie sich erst sammeln, bevor sie anfängt zu sprechen und Worte über uns und unser Kennenlernen zu verlieren. Ich hatte ihr extra vorher ein paar Zeilen über unsere Geschichte zukommen lassen und sie hat sich gut auf diesen Moment vorbereitet: Das ist keine 0815 Rede, die sie hält. Es geht nur um Raphael und mich. Sie hatte keine Ausbildung zur Rednerin, das merkt man schon. Aber ich finde es in dem Moment einfach klasse, wie sie sich ihren Job zu Herzen nimmt und unsere standesamtliche Eheschließung unverwechselbar werden lässt.

Hochzeit Aachen Weißer Saal
The Kiss

Beim Kuss prickelt es mehr als je zuvor

Endlich dürfen wir beide nacheinander „Ja“ zueinander sagen und unterschreiben. Dann ist der große Moment des Kusses da. Wir sind offiziell verheiratet. Wow. Die Zeit steht still. Ist irgendjemand da? Keine Ahnung. Egal. Unter meiner Haut prickelt es stärker als je zuvor. Und in dem Moment wird die Liebe für mich greifbar. Zwischen uns. Einfach da. Einfach gut. Einfach wir.

Wie gern hätte ich in diesen Momenten die Zeit angehalten. Nun schreibe ich sie auf, damit ich mich für immer an diesen süßen Tag – an unsere Hochzeit – mit allen Momenten erinnern kann.

Weißer Saal Aachen Rathaus
Kurz nach dem “Ja-Wort”

Gratulation auf dem Marktplatz – und die Sonne feiert mit

Schon auf der Treppe des Rathauses beginnen Menschen zu gratulieren, langsam arbeiten wir uns vor auf den Marktplatz und nehmen dankbar die vielen guten Wünsche und Umarmungen entgegen. Danach versuchen wir noch alle Konstellationen an Freunden und Familie auf verschiedene Fotos zu bekommen. Denn fest steht: All diese Menschen bekommen wir erstmal nicht mehr an einen Ort. Erst bei der nächsten Hochzeit wieder. Also formieren wir uns auf dem Katschhof auf der Treppe. Die Sonne strahlt fast ein bisschen zu sehr. Manch einer tut sich schwer die Augen offen zu halten. Aber ich hatte mir die Sonne so sehr gewünscht, da will ich sie nicht verteufeln. Schön, dass auch sie mit uns feiert.

Sektempfang in der Annastraße

Mit der ganzen Gruppe laufen wir anschließend gemütlich zum Laden meiner Mutter in der Annastraße. Vor ihrem Geschäft hat ein Freund ein Zelt aufgebaut. Es gibt Sekt und kleines Laugengebäck. Die Familien lernen sich kennen und Raphael und ich können durchatmen. Der erste Schritt ist geschafft! Jetzt stoßen auch wir mit richtigem Sekt an und freuen uns, frisch verheiratet zu sein. Fühlt sich gut an. Und leicht. Und aufregend.

Shooting in der Altstadt

Nach einer Stunde setzen wir uns ab. Gemeinsam mit den engsten Freunden und dem Fotografen machen wir noch ein paar Bilder in der Aachener Innenstadt. Viel zu schön ist es hier, um die Kulisse nicht zu nutzen.

Mit einer Engelsgeduld zubbeln die Mädels mir die Schleppe und die vielen Lagen des Kleids immer wieder zurecht, reichen mir Puder und bringen uns zum Lachen. Ich kann jedem nur empfehlen, sich Leute zu suchen, die einen an jenem Tag unterstützen. Es gibt so viele Aufgaben und wenn man sie auf viele Schultern verteilt wird es für keinen stressig. Die Mädels zum Beispiel hatten einzig die Aufgabe an dem Tag für mich da zu sein. Und das waren sie – von morgens bis abends!

Wir. In Aachen

Freie Zeremonie auf Gut Hebscheid – mein Highlight

Heiratet ihr kirchlich oder standesamtlich?“ „Standesamtlich und am Nachmittag soll es bei unserer Hochzeit noch eine Zeremonie im Freien geben.“ So war unser Wunsch. Und so haben wir es dann auch geplant.

Nach einer Pause finden sich um 17:30 die Gäste an unserer Location „Gut Hebscheid“ ein. Im Hof stehen Bierbänke, ein Pavillon, Tisch, Blumen und Stühle. Der DJ hat Mikrophone und Lautsprecher aufgestellt und an einer Seite hat sich der Chor meiner Mutter formiert. Es sieht viel schöner aus, als ich es mir am Vortag erträumt habe. Romantisch, ein bisschen rustikal und Vintage und gleichzeitig trägt es unsere Handschrift. Ich fühle mich wohl.

Gut Hebscheid Aachen
Unser gemeinsamer Einzug

Einzug des Brautpaars zu „Bridge over troubled water“

Der Chor stimmt „Bridge over troubled water“ an, Raphael und ich nehmen uns bei der Hand und gehen diesmal gemeinsam rein. Vorbei an den vielen bekannten und geliebten Gesichtern der Menschen, die sich freuen uns zu sehen. Vorne wartet Reni – sie ist eine Kommilitonin von Raphael und unsere Hochzeitsrednerin. Im Vorfeld hatten wir sie getroffen und ihr unsere Geschichte bis ins kleinste Detail erzählt, damit sie Stoff hat für ihre Rede heute. Ich wusste vorher, dass sie es perfekt machen würde. Aber als sie anfängt zu reden, haut sie mich wirklich um.

Gut Hebscheid Aachen
Unsere Trauzeremonie

Die Hochzeitsrede mit Liebe zum Detail

Mit viel Liebe, tausend Details und einem Lächeln auf den Lippen erzählt sie, wie Raphael und ich zueinander gefunden haben. Dass uns die Familie und Freunde wichtig sind, immer einen Platz bei uns haben. Sie erzählt von unserer gemeinsamen Passion: Dem Reisen. Und macht unsere Liebe durch ihre Rede greifbar und erlebbar. Immer wieder habe ich Gänsehaut und merke, dass mein Herz vor Glück zu platzen droht.

Hinterher sprechen Raphaels Eltern einen Segen für uns beide und geben uns ihre Wünsche mit auf den Weg und danach singt meine beste Freundin Vanesa „Save the best for last“ für uns. Den Text hat sie an unsere Situation angepasst und spätestens jetzt sehe ich viele Gäste nach Taschentüchern kramen. Auch ich brauche eins. Ihre Stimme trifft mich mitten ins Herz. Gesang bei der Hochzeit toppt alles.

Gut Hebscheid Aachen
Während der Freien Trauung

 Kein “Ja”, aber ein Eheversprechen

Wir haben uns entschieden in dieser Zeremonie nicht noch einmal „ja“ zueinander zu sagen. Stattdessen wollen wir uns im Rahmen der Hochzeit ein paar persönliche Worte sagen: Unsere Eheversprechen, die wir extra füreinander geschrieben hatten. Vor diesem Moment hatte ich besonders viel Angst. Ich habe mich gefragt, ob mir wohl die Stimme wegbleibt. Ob ich stocke und nicht weitersprechen kann. Raphael ging es vermutlich ähnlich. Es ist was ganz anderes im Radio zu sprechen als vor Freunden und Familie, finde ich. Ich war aufgeregt wie noch nie. Aber als der Moment dann da war, hieß es durchatmen und sprechen. Und am Ende ist es ganz einfach. Keine Ahnung welcher Hebel in mir sich da von alleine umgelegt hat. Aber die Worte kamen wie von allein aus mir heraus.

Gut Hebscheid Aachen
Vor unserem Eheversprechen bei der Freien Trauung

Gänsehaut im Herzen

Als Raphael nach mir spricht, ist die Welt einfach perfekt. Ich bin sicher: In diesem Moment bin ich die glücklichste Braut der Welt. Wie kleine Glühwürmchen nehme ich die Liebe zwischen uns wahr. Sie ist greifbar. Da. Warm. Liebevoll. Gütig. Herzlich. Und echt. Nie zuvor habe ich so etwas erlebt.

Beim Auszug danach singt der Chor extra für uns „Your Song“. Und ich kann nicht mehr aufhören zu grinsen. Unsere Gäste pusten Seifenblasen und wir laufen lachend und tanzend an ihnen vorbei. Umgeben von unendlich vielen Blasen, die eine märchenhafte Kulisse zaubern. Die Zeremonie war und ist für mich das Herzstück unserer Hochzeit. Der Unbezahlbar- und Unvergesslich- Moment, den ich sorgfältigst in meinem Herzen verstaut habe.

Gut Hebscheid Aachen
Freie Trauung: Unter Seifenblasen ist das Leben doppelt schön.

Erst Essen, dann Party: Augen zu und tanzen

Von einem langen Tag gibt es viel zu erzählen! Nach der Zeremonie und einem kleinen Sektempfang im Hof dürfen sich die Gäste in der Scheune hinsetzen und ihre Nachbarn kennenlernen. Wir haben versucht die Sitzordnung so zu gestalten, dass jeder bekannte Gesichter in seiner Nähe hatte – aber auch die Chance hatte ein paar neue Menschen kennenzulernen. Die Scheune ist voll: 11 Tische gibt es insgesamt. Jeden einzelnen haben wir dekoriert.

Der Zeremonienmeister kümmert sich um den Ablauf

Durch das Abendprogramm führt unser Freund Kim. Er ist auch unser Zeremonienmeister und damit zuständig für die Programmpunkte, den Ablauf des Abends und die Ansagen. Den Rahmen hatten wir gesteckt: Nicht zu viele Beiträge, jeder Beitrag darf maximal 5 Minuten lang sein und keine klassischen Hochzeits-Spiele. (keinen Baumstamm zersägen etc.)

Unser Zeremonienmeister Kim

Hochzeitsspiele nein – Wortbeiträge gern

Da mag jetzt nach Spielverderbern klingen, aber das kann ja jedes Paar machen wie es möchte. Bei mir ist es so: Auf jeder Hochzeit, wo ich bisher war, habe ich mich bei Spielen wie „Baumstamm sägen“ oder „Bräutigam füttern“ wahlweise gelangweilt oder fremdgeschämt. Warum sollte das dann also am schönsten Tag des Lebens auf unserer Hochzeit stattfinden? Es gibt keinen Grund.

Was ich allerdings sehr gerne mag, sind Reden. Für mich das Highlight auf jeder Hochzeit, wenn sie nicht zu lang dauern. Deshalb hatte ich mir explizit eine solche von meinem Vater gewünscht und die hält er gleich zum Start in den Abend. Einfach toll – das beste Geschenk überhaupt!

Gut Hebscheid Aachen Hochzeit

Gut Hebscheid Aachen

Zwischen den Gängen werden Reden gehalten

Daraufhin gibt es Vorspeise. In dieser Location wird ausschließlich Buffet angeboten. Wenn man genug Zeit und Puffer einplant ist das auch eine schöne Sache, denn so stehen die Gäste immer wieder auf und es gibt Bewegung im Raum. Zwischen Vor- und Hauptspeise halten Raphaels Eltern gemeinsam eine Rede und finden viele zauberhafte Worte für uns.

Immer wieder schaue ich mich in der Scheune um: So viele Menschen sind gekommen, um mit uns zu feiern. Das ist schon außergewöhnlich, finde ich. Und mein Herz hat sich über den Tag hinweg immer mehr mit Dankbarkeit gefüllt.

Ich bin überrascht wie lecker das Essen ist. Italienisches Buffet steht auf der Speisekarte und von Lachs-Lasagne bis hin zu Schnitzelchen schmeckt alles ausgezeichnet. Nach der Hauptspeise gibt es noch zwei Filme für uns, die Freunde vorbereitet haben. Für uns eine komplette Überraschung –und der ganze Saal hat was zu lachen. Natürlich auch auf unsere Kosten. Aber im Guten, falls ihr versteht, was ich meine.

Unsere Lemon Basier Torte

Die Torte gibt es zum Nachtisch

Zum Nachtisch gibt’s die lang ersehnte Lemon Baiser Torte auf mehreren Stockwerken. Ein wahres Kunstwerk. Der DJ legt “Candyman” auf und wir schneiden die Torte an. Beziehungsweise wir probieren es – das ist gar nicht so leicht (so ohne Fondant), denn die Torte fällt schnell auseinander. Schon beim ersten Bissen weiß ich wieder genau, warum wir diese Torte beim Café zum Mohren gewählt haben. Viel zu lecker, leicht und zitronig. Sie hat zum Glück auch den Gästen sehr gut geschmeckt: Am Ende war viel weniger übrig, als erwartet. Und trotzdem konnten wir uns noch am nächsten Tag daran sattessen.

Und die Torte schmeckt auch noch!

Der Eröffnungstanz zu Aschenbrödel

Gegen 22 Uhr ist es Zeit Tische wegzuräumen und mit dem Eröffnungstanz den späten Abend zu beginnen. Denn für diese Zeit haben wir noch mehr Freunde eingeladen. Ein heikler Punkt in der Abendplanung, denn wir wollen natürlich nicht, dass die Gäste auf einmal im Raum stehen, alle essen und für sie gibt es keinen Platz.

Aber Zeremonienmeister Kim hat alles im Blick und kümmert sich darum, dass die Tische zur richtigen Zeit abgebaut werden. Und als die ersten Gäste reinkommen, nimmt er sie noch vor uns in Empfang und schafft die perfekte Überleitung bis wir bereit stehen zu tanzen.

Der Hochzeitstanz – ein Moment nur für uns.

Beim Tanz fühle ich mich wie eine Prinzessin

Ihr wisst: Ich bin kitschig veranlagt und schaue um Weihnachten herum seit der Kindheit „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Also Kitschbox auf: Deshalb hatte ich mir gewünscht auf den Song aus dem Film zu tanzen. – Also auf genau den Song, zu dem Aschenbrödel mit dem Prinzen tanzt. Und so kam es dann auch. Raphael hat sich darauf eingelassen. Auf genau diesen Song haben wir Walzer geübt und meinen Märchentraum wahr werden lassen. Kitschbox zu.

Gut Hebscheid Aachen Hochzeit
Tanzen = Glück

Danach sollte es keine Pause geben. Die Party sollte sofort starten. Und damit der DJ es beim Start leicht hat, hat eine Freundin, die Sounddesignerin ist, uns die folgenden Songs zusammengebaut: Ein Walzer für alle. Und danach ein genialer Übergang zu Fatboy Slim – Rockafeller Skank. Es funktioniert: Viele Leute trauen sich von Anfang an zu uns auf die Tanzfläche. Das war einer dieser Punkte, die ich mir gewünscht hatte: Dass möglichst viele Gäste mit uns tanzen. Ich finde: tanzen macht glücklich. Und an einem solchen Tag, an dem man so viele Erinnerungen sammelt, ist tanzen die perfekte Krönung. Ich schmeiße die Volants von meinem Kleid durch die Gegend, drehe mich wild im Kreis und freue mich über das Leben.

Gut Hebscheid Aachen
Die Wahrheit: Sneakers sind die perfekte Alternative am späten Abend

Sneaker zur Hochzeit – das perfekte Andenken

Irgendwann ist es Zeit für die Hochzeits-Sneaker. Schuhe, die wir uns extra für diesen Tag designt und bestellt haben – mit unserem Datum drauf. Und weiter geht’s. Springen, drehen, ein paar Latino-Songs gröhlen.

Und am Ende des Abends der krönende Abschluss: Queen – Don’t stop me now. Gemeinsam mit den letzten Gästen setzen wir das i-Tüpfelchen auf diesen Abend und feiern das Leben. Ich habe mich noch nie so glücklich und lebendig gefühlt. Es lohnt sich wirklich die Liebe mit einem großen Fest zu feiern. Ich kann es jedem empfehlen. Und während ich den Punkt hinter diese letzten Worte setze, spüre ich wieder dieses Kribbeln. Es ist wirklich passiert. Das war unsere Hochzeit. Und für uns war sie einfach… perfekt. Eine wundervolle Zeit seit dem “Ja” zum Verlobungsring an Weihnachten.

P.S. Tipps packe ich hinter diesen langen Text keine mehr. Aber zu allen Abschnitten wird es noch einzelne Artikel und „How tos“ geben. – Voller Tipps.

Gut Hebscheid Aachen
Für mich ein ganz besonderes Bild: Klassisch, grün und mit der Hochzeitsjacke meiner Oma

Fotos: Tomek Wozniakowski und Martin Permantier

Wedding Diaries 12: Styling für die Hochzeit – Meine Getting Ready Party

“Ein paar Stunden Zeit, um mehrere Frauen zu stylen. Eine davon ist ganz besonders aufgeregt. Denn sie ist die Braut und will in diesen Stunden auf keinen Fall allein sein. Es soll etwas los sein in diesem Raum. Vielleicht wird gekreischt, Musik soll laufen und natürlich gibt es Sekt.”  Ein Auszug aus meinen Gedanken. – Ich nehme an, ich habe zu viele kitschige Filme geguckt. Und in einer Badewanne voller Klischees gebadet. Aber es ist wahr: Genauso habe ich mir den Morgen der Hochzeit und das Styling vorgestellt. Und in etwa so war er dann…

Unser Hotelzimmer in Aachen war kein Zimmer. Es war eigentlich eine Wohnung. Wir hatten ein Upgrade bekommen und wurden in ein Appartment eingebucht mit Schlafzimmer, Badezimmer, Wohnzimmer, Mini-Küche, Balkon und Gäste-WC. Ich wusste gar nicht, dass es solche Hotelzimmer gibt!

Meine liebsten Mädels, meine Mama und meinen Trauzeugen hatte ich zu meiner kleinen Party eingeladen. Und natürlich meine Stylistin Corinna Hof. Sie war auf die Minute pünktlich um 8 Uhr morgens da und hat sofort angefangen eine meiner Freundinnen zu stylen. So konnte ich noch entspannt einen Kaffee trinken bevor die Party richtig losging. Und meine Aufregung im Zaum halten, bevor die Hochzeit gestartet ist.

 

Hochzeit Aachen
Meine Brautschuhe warten auf ihren Auftritt…
Meine Mama wurde auch gestylt. Das habe ich ihr geschenkt.

Styling: Einmal fühlen wie eine Prinzessin

Ich habe mich vorher gefragt, ob dieser Morgen einen ganzen eigenen Artikel verdient. Und ich finde ja: Er war so besonders und so unendlich wichtig für die Hochzeit.

Aber Party ist wahrscheinlich eigentlich das falsche Wort für dieses Event. Mädchen-Morgen könnte man auch sagen. Aber ich hatte diese vorfreudige Party–Gefühl im Bauch und der alkoholfreie Sekt stand kalt. Normalerweise trinke ich gerne auch mal Sekt mit Alkohol. Aber nicht an diesem Tag. Auf keinen Fall wollte ich schon vormittags angetrunken sein. Der Tag würde lang werden. Das stand fest: Standesamt, Sektempfang, Shooting in der Stadt und an der Location. Und dann freie Zeremonie, Empfang, Essen und Party…. und und und.

Diesen Tag wollte ich auf keinen Fall benebelt erleben. – Ein Hoch auf den Sekt ohne Alkohol

Styling Hochzeit Aachen
Corinna Hof beim Styling

Nach und nach sind die Mädels und der Junge (mein Bruder und Trauzeuge) eingetrudelt und wir haben uns kreuz und quer im Wohnzimmer verteilt. Ein paar Freundinnen haben ihr Schminkzeug ausgepackt. Der Fotograf ist um uns herumgesprungen und hat alles dokumentiert. Das Styling ging los. Ich durfte mich auf einen Stuhl in der Mitte setzten, um zurechtgemacht zu werden: Erst Haare und danach Make-Up. Dabei habe ich mich wirklich gefühlt wie eine Prinzessin. Wie Sissi. Oder wie irgendjemand, der öfter auf Bälle geht und vorher stundenlang zurechtgemacht werden muss.

Anekdoten austauschen und an früher denken

Und ich habe festgestellt – Oh Wunder: Das macht unendlich viel Spaß! Vorfreuig Anekdoten austauschen und dazu ein bisschen Blubberwasser aus Plasik-Gläsern, weil keine anderen da waren. Anstoßen. An Geschichten von damals erinnern. Als niemand gedacht hätte, dass so bald Hochzeit gefeiert würde. Und dann ist es doch passiert. Unglaublich. Mir wird klar, dass ich selbst nie geglaubt habe, dass dieser Morgen jemals kommen würde. Ich habe es mir zwar gewünscht, aber nicht für möglich gehalten. – Schon gar nicht, dass all meine liebsten Freundinnen dabei sein würden.

Armbänder als Andenken an diesen Tag

Bei jedem einzelnen, der an diesem Morgen bei mir war, hat es unendlich viel bedeutet: Angereist aus Karlsruhe, Baden-Baden, San Francisco und Kolumbien. 

Für jede Freundin und für meine Mama und mich hatte ich ein Armband besorgt. Natürlich in unserer Hochzeitsfarbe „Lagune“. So hatten wir ein kleines Detail, was uns den ganzen Tag über verbunden hat – und ein Andenken für immer.

Corinna Hof Styling Braut Blumenkranz
Tipp: Beim Styling am Hochzeitstag genug Zeit einplanen
So hatten wir zwischendurch genug Zeit zu lachen…

Ein Traum aus blau und gelb für meine Frisur

Auf einmal kam mein Bruder herein mit Brautstrauß und Blumenkranz. Nicht alle Blumen, die ich mir gewünscht hatte, konnten sie mir vorab im Laden zeigen. Denn bei „Drei Blüten“ hatten sie nicht alles vorrätig. Es war also, als würde ich ein Weihnachtsgeschenk auspacken. Langsam öffnete ich das Packpapier und nahm den Kranz behutsam heraus. Er war zierlich und bunt und ein bisschen frech. Perfekt für mich. Wenn ich ihn mir vorher hätte vorstellen können, hätte ich ihn mir so gewünscht.

Mit geübten Handgriffen hat ihn Stylistin Corinna Hof schnell an meinem Kopf befestigt und meine restlichen Haare drum herum hochgesteckt. Nicht zu locker, nicht zu streng – wie besprochen. Während ich da saß – unter Haarspray, Klämmerchen und Make-up Pinseln – hat meine beste Freundin Vanesa mein Kleid gedämpft und die letzten Falten vertrieben. Es ist wirklich so: Sobald ich mein Brautkleid sehe, macht mein Herz „ooooooh – aaaaah“. Hoffentlich für immer!

Styling Braut Blumenkranz
Mein Style: Sanfte Farben, Undone-Look und dazu ein Blumenkranz

Styling Braut Aachen Flowercrown

Ich glaube es gehört dazu: Aber am Ende wurde die Zeit doch ein bisschen knapp. Wir haben wohl viel Zeit mit Lachen verbracht. Obwohl: Zu viel Zeit kann das ja gar nicht sein. Ich würde es wieder genauso machen.

Die Zeit drängt: Ab ins Kleid und los

Zwei Tage vorher hatte ich bei einem kleinen Test in meinem Elternhaus meiner Mama gezeigt, wie sie mir am Hochzeitstag ins Kleid helfen kann. Als es soweit war, waren unsere Handgriffe aber dann doch zittrig. Und alle mussten mit anpacken. Die Zeit rannte und wir sollten schon auf dem Weg sein zum Standesamt. Zum Glück ist das Kleid unkompliziert. Die einzige Schwierigkeit: Zum Hineinsteigen muss man es einmal breit auf den Boden werfen. Und vorher den Reifrock darunter drappieren. Dafür brauchten wir an jenem Tag ein paar Anläufe. Als wir es geschafft haben, haben Mama und die Mädels das Kleid nach oben gezubbelt und den Reißverschluss zugemacht. Letzter Blick in den Spiegel. Fertig.

Showtime. Und die Vorfreude-Schmetterlinge flattern wie verrückt im Bauch! Wie wird Raphael wohl aussehen? Wie wird der oder die StandesbeamtIn sein?

Blumenkranz Hochzeitsfrisur
Mein Bruder und die Mädels: Beste Helfer in der Aufregung
Was wäre eine Braut ohne Helfer? Absolut hilflos
Brautstyling Blumenkranz und Strauß
Ich liebe dieses Bild: Vivian war die beste Schleppenträgerin der Welt

Ein Morgen für die Ewigkeit

Mit einem Lächeln denke ich an diesen Morgen zurück. Das Besondere war, wie sich die Gruppe zusammengefunden hat: Alles Herzensmenschen von mir: Aus aller Welt gekommen und zusammengewürfelt. Viele kannten sich vorher nicht. Sie waren da, weil ich sie gebeten hatte an jenem Tag bei mir zu sein. – Mein “Girl-Squad” zu sein. Mich zu begleiten. Auf mein Outfit zu achten. Mir ins Kleid zu helfen und mir gut zuzureden, falls ich durchdrehen würde. Letzteres war am Ende gar nicht nötig. Lag aber bestimmt nur daran, dass sie da waren. Es war einer dieser Momente, an denen ich am liebsten die Zeit angehalten hätte. Denn viele dieser Menschen, die da waren, sehe ich viel zu selten. Sie waren von weit her angereist, um bei mir sein zu können. – Und um mit uns zu feiern.

Gut Hebscheid Aachen
Party

Ich könnte sofort heulen vor Freude, wenn ich das schreibe. Es war einfach viel zu schön. Sie waren den ganzen Tag da. Komplett. Haben sich gekümmert, dass ich etwas getrunken und gegessen habe. Mir den Puder gereicht und das Styling überprüft. Die Schuhe gewechselt, die Mini-Schleppe getragen. Und schließlich mit mir getanzt bis die Party vorbei war. Und sich hinterher mit Tränen in den Augen mit mir gefreut, dass es der schönste Tag war.

Danke Vanesa, Vivian, Charlotte, Miriam, Ismael, Mama, Tomek und Corinna Hof für diesen unvergesslichen Morgen.

Hochzeitsshooting Aachen

Fotos: Tomek Wozniakowski

Wedding Diaries 11: How I said yes to my dress – mein Brautkleid

Der Kauf eines Brautkleides hat etwas Magisches. Ich glaube das liegt daran, dass man dabei komplett auf Herz und Bauch hören und den Kopf abschalten muss. Es ist wirklich so, wie sie erzählen: Brautkleid und Braut müssen sich finden. Und während dieses Prozesses habe ich viel über mich gelernt. Hier geht’s zu meinem persönlichen “Wow-Moment”.

Meine Knie zittern, als ich gemeinsam mit zwei Freundinnen auf dem Weg zum Hochzeitshaus in Karlsruhe bin. Es ist so aufregend! Dabei war ich vorbereitet: Wochenlang hatte ich Bilder gesammelt, Links gespeichert und mir überlegt wie das Brautkleid aussehen könnte. Und doch hatte ich keine Ahnung. Denn ich hatte noch nie ein langes Kleid an. Und hier beginnt das Spiel. Das Einzige, was ich sicher wusste, war: Ich wünsche mir ein langes Brautkleid für meine Hochzeit, Farbe Ivory. (nicht reinweiß, sondern elfenbeinfarben)

Ein langes Kleid für eine kleine Frau

Aber steht mir das überhaupt? In meinem Ausweis steht, dass ich 1,60 Meter groß bin. Und wenn ich ehrlich bin, dann sind es höchstens 1,59.

Würde ich ein Kleid finden, das bezahlbar ist, mir gefällt und mir auch noch gut steht? Es fühlt sich an, als wäre ich auf der Suche nach der perfekten Zahlenkombi für einen Lottogewinn. Und wir wissen ja alle, wie unwahrscheinlich es ist diese zu knacken.

Watters Selena Maspalomas Aljosa Petric
Mein Wunsch: Ein Brautkleid zum Tanzen, lieben, wohlfühlen. Hier trage ich es auf Gran Canaria – Bild: Aljosa Petric

Versuch 1 im Februar: Hochzeitshaus Karlsruhe

Das Hochzeitshaus in Karlsruhe ist riesig. Die Verkäuferin bringt uns zu unserer Umkleide und ich bin gleich erstmal enttäuscht: Uns wird kein Sekt angeboten. Bekommt man hier wohl nur, wenn man sein Kleid findet. Dann trinken wir halt Wasser und Kaffee. Um uns herum überall Kleider in verschiedenen Weiß-Tönen. Ein Mädchen-Wunderland aus Tüll. Am liebsten möchte ich sofort losrennen und alle Kleider anfassen. Das ist hier aber nicht erlaubt. Die Verkäuferin fragt mich nach meinen Wünschen und sucht daraufhin Kleider für mich heraus. Also erzähle ich ihr alles, was ich bis dahin weiß: „Ich suche ein schlichtes, langes Kleid. Keine Prinzessin. Kein Mermaid. Kein Godet. Kein Empire. Kein Glitzer. Kein Reifrock. Es soll nicht zu schwer sein. Und unser Budget liegt bei maximal 1.500 Euro.“

Allein über die verschiedenen Schnitte könnte man eine Klausur schreiben. Sehr kompliziert alles für jemanden, der mit langen Kleidern bisher nichts zu tun hatte. Aber die Verkäuferin spricht natürlich meine Sprache und bringt mir ein Kleid nach dem anderen in die Kabine. Sie hat meine Anweisungen genau befolgt und doch fühle ich mich in 80% der Kleider unwohl. Leider durfte man in diesem Laden keine Fotos machen, sonst könnte ich euch zeigen warum. Viele der langen, fließenden, leichten Kleider haben mich aussehen lassen, als wäre ich noch kleiner. Und wenn der Rock unten auf der Hüfte erst breiter wird, sieht es aus, als hätte ich kurze Stummelbeinchen. Und was ich vorher auch nicht wusste: Grobe Spitze steht mir gar nicht.

Die Richtung steht: Es wird eine Prinzessin

Schließlich bringt mir die Verkäuferin ein romantisches Prinzessinnenkleid mit Corsage. Der Tüllrock ist mit kleinen Punkten verziert und als Highlight binden wir einen Seidengürtel in altrosa um die Hüfte. Oh ja. Ich merke wie sich mein Körper von allein aufrichtet und ich anfangen muss zu lächeln. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl: In die Richtung könnte es gehen. Allerdings ist mir das Kleid vom Gewicht her zu schwer. Und der Stoff fühlt sich nicht besonders hochwertig an. Das ist es noch nicht. Aber meine Begleiterinnen und ich sind uns einig: in die Richtung könnte es gehen. Bye bye fließendes Kleid. Es wird wohl eher nichts Schlichtes. Erste Lektion gelernt: Fotos reichen nicht. Am Körper muss man es spüren.

Versuch 2 im April: Rena Sposa, Stuttgart

Mit dem Wissen der ersten Anprobe habe ich weiter recherchiert – nach Kleidern, die mir gefallen könnten. Einen Oooooh-Moment hatte ich, als ich im Netz eine Ballet-Brautkleid-Fotostrecke entdeckt habe mit einem romantischen Kleid mit Volant-Rock. Das ist es!! Ein leichtes Kleid mit einem mehrstufigen Rock. Wie früher, als ich Fee spielen wollte. Leicht und doch viel Stoff, romantisch verspielt. Ich finde Kleider, die mir in dieser Richtung gefallen könnten bei den Marken Watters und Enzoani. Deshalb vereinbare ich den nächsten Termin bei einem Brautladen in Stuttgart, der diese Marken führt. Diesmal ist nur meine Mama dabei. Auf dem Weg nach Stuttgart bitte ich sie darum, mich mit ihrer Meinung bestmöglich zu unterstützen. Nur einen Satz bitte ich sie sich zu verkneifen: „Willst du nicht doch ein kurzes Kleid anprobieren?“ Sie hatte mir vorher schon gesagt, dass sie sich nur schlecht ein langes Brautkleid an mir vorstellen kann. Aber das mit dem langen Kleid hatte ich mir in den Kopf gesetzt. Das stand fest.

Im Rena Sposa darf man Fotos machen und Kleider selbst aussuchen. Gleich zwei Dinge, die mir viel besser gefallen. Auch, dass das Geschäft deutlich kleiner und familiärer ist, mag ich sehr. Ein großer Raum voller unterschiedlicher Traumkleider.

Gemeinsam suchen wir ca 6 Kleider aus und es geht los. Ein Kleid hat es mir besonders angetan, weil es den Kleidern ähnelt, die ich im Netz gefunden habe: Extravaganter Volant-Rock, Herzausschnitt, kurze Corsage, keine Träger, ultra romantisch. – Marke: Watters. Ich verschwinde mit der Verkäuferin hinter einem großen Vorhang, während es sich meine Mama auf der riesigen Couch davor gemütlich macht.

Was wenn mir das Traumkeid nicht steht?

Meine Beraterin fragt mich mit welchem Brautkleid ich anfangen möchte und ich sage: „Mit dem von Watters – mit dem schönsten. Dann kann ich mir meinen Traum gleich abschminken, falls es mir nicht steht.“ Keine Ahnung warum das aus meinem Mund kommt. Irgendwie habe ich Angst: Dieses Kleid ist einfach zu schön für diese Welt. Es kann unmöglich gut an mir aussehen. Und doch ist da dieses kleine Fünkchen Hoffnung, dass es – falls es doch passen sollte – DAS Kleid sein könnte.

Kribbeln im Bauch

Ich hebe die Arme, die Beraterin wirft mit gekonnt das Kleid über, fixiert es hinten mit zwei Klammern an meinem Körper damit es passt und der Vorhang geht auf. Noch bevor meine Mama irgendwas sagen kann. Noch bevor ich mich im Spiegel sehe, habe ich ein unbekanntes Kribbeln im Bauch. „Wow,“ sagt meine Mama. „Dir stehen tatsächlich lange Kleider. Das bist genau du. Wie ich dich immer gekannt habe.“ Und endlich sehe ich es auch. Ein luftiger, langer Traum in Ivory. Durch den stufigen Volant-Rock wirke ich in diesem Kleid nicht zu klein – sondern genau richtig. Vergessen sind die Kleider, in denen ich daherkam. Meine Augen leuchten und ich kann nicht mehr aufhören zu grinsen. „Es passt ja doch,“ stammel ich. Und die Beraterin lacht: „Klar, das ist genau dein Schnitt.“ Und das ist es. Macht euch keine Gedanken über die Größe, die im Kleid steht oder darüber, was nicht gut aussieht. Es gibt Kleider für jede Figur. Man muss sie nur finden. Und das ist schwer genug.

Das Kleid liegt angenehm auf der Haut, ich tanze von rechts nach links durch den Raum und es fühlt sich einfach genau richtig an. Wir stoßen mit Sekt an und es geht weiter.

Aber nur ein Kleid anprobieren, wäre ja öde. Also ziehe ich auch noch ein paar andere Kleider an, die mich immer wieder bestätigen: Selena von Watters. DAS ist mein Kleid. In den anderen wirke ich mal klein, mal breit, mal sind sie mir einfach zu schlicht.

Plötzlich doch Prinzessin

Und tadaaaa: Ich bin tatsächlich zur Prinzessin mutiert! Wie konnte das passieren? War ich das vielleicht insgeheim schon immer? Und wollte es nur nicht wahrhaben? Meine Mama würde jetzt sicher rufen: „Ja.“ Aber im Grunde tut es nichts zur Sache. Wichtig ist nur dieses einzigartige Gefühl im Herzen und im Bauch. Darauf gilt es zu hören.

Am Ende ziehen wir „Selena“ noch einmal an – zur Sicherheit – und schon grinse ich wieder mit mir selbst um die Wette. Nur eine Sorge habe ich: Könnte mir das Brautkleid auf Dauer zu schwer werden? Ich bitte die Schneiderin um Rat und sie zeigt mir, dass man ohne Probleme einige Lagen Stoff aus dem Kleid herausnehmen kann, ohne dass es seine Form verliert. Puh. Perfekt!

Aber einmal drüber schlafen – das muss drin sein. Außerdem haben wir am nächsten Tag noch einen Termin. Gleich danach will ich mich bei „Rena Sposa“ melden, damit sie mir das Kleid bestellen und anfertigen lassen.

Rena Sposa Stuttgart Brautkleid Watters Selena
Kann man sehen, wenn eine Braut “ihr” Brautkleid gefunden hat? Ich denke ja!
Rena Sposa Stuttgart Brautkleidkauf
Und zwar auf den ersten Blick… im Vergleich zu den anderen Kleidern

Versuch 3 im April: Jolie in Bruchsal

Das Jolie in Bruchsal ist ein echter Kitschtraum für Vintage-Bräute. Zu Beginn meiner Brautkleidsuche war ich sicher, hier etwas zu finden. Hier gibt es Kleider von Küss die Braut und Anna Cara. Viel Spitze und leichte Stoffe. Alles was das Boho-Herz begehrt. Nur bin ich zu diesem Zeitpunkt ja längst auf dem Prinzessinnendampfer unterwegs. Ob ich da noch etwas finden kann?

Im Geschäft fühl man sich, als wäre man in eine romantische „Dawanda-Welt“ eingetaucht. Schöne Altbau-Räume, nostalgisch eingerichtet. Die Möbel und die Bilder an der Wand sind allerdings nicht wirklich alt. Irgendwas ist unstimming. Eine Freundin und meine Mama sind dabei und letztere fällt ihr Urteil als Designerin schnell: Die Einrichtung geht ihrer Meinung nach gar nicht. Ganz so drastisch sehe ich es nicht, ist aber auch egal, denn wir wollen ja Kleider shoppen und nicht einziehen. Ein drittes Mal erzähle ich der Beraterin was ich suche. – Auch, dass ich inzwischen einen weiten Tüllrock wünsche. Und, dass das Kleid bitte nicht zu schlicht und fließend sein soll, weil mir das leider nicht steht.

Ein Traum für Vintage-Bräute

Wir laufen durch den Raum mit Kleidern und es ist gar nicht so einfach: Lauter Kleider, die ich mir toll an anderen Frauen vorstellen kann. Aber nicht mehr an mir. Genau zwei Kleider schaffen es in die engere Auswahl. Ein paar andere ziehe ich an um zu sehen, ob es nicht doch etwas sein könnte. Aber nein. Könnte es nicht. Die zwei Prinzessinnenkleider durfte ich euch leider auch nicht fotografieren. Eins davon hätte mir dann doch noch fast mein Herz gestohlen. Wenn Selena da nicht schon einen festen Platz drin gehabt hätte.

Im Zweifel vor der Anprobe nach dem Preis fragen

Hier hat meine Beraterin aber auch nicht gut aufgepasst. Ich ziehe den Tülltraum in Champagner an und tanze in den Raum hinein. Und wir sind uns einig, dass es wirklich toll aussieht – sehr viel Tüll und dabei sehr hochwertig gearbeitet. Toller Stoff, genialer Schnitt. Und als ich die Beraterin frage, was es denn kostet, wird ihr blass um die Nase. Denn das Kleid sieht nicht nur hochwertig aus. Es ist auch noch von einem teuren Designer – Spose di Gio. Und soll eigentlich 4000 Euro kosten. Ich lache und denke mir: Wie praktisch, die Entscheidung ist gefallen. Auch wenn sie mir mit dem Preis noch etwas entgegenkommen wollen, merke ich, dass es das einfach nicht ist. Das Gefühl kommt einfach nicht an das heran, was ich am Tag zuvor in Stuttgart empfunden habe. Wir verlassen den Laden, ich zücke mein Handy und schaue mir das Bild von mir in „Selena“ noch einmal genau an und sage: „Das ist es. Und sonst nichts.“

Rena Sposa Stuttgart Watters
Nach der Entscheidung in “meinem” Brautkleid: Die Volants sind und bleiben für mich das Highlight
Brautkleid Watters Selena
Details des Brautkleids: Die Blumen am Rücken

Die Entscheidung und das Wiedersehen mit dem Brautkleid

Völlig glücklich rufe ich in Stuttgart an und verkünde meine Entscheidung für das Kleid „Selena“. Die Chefin am Telefon freut sich mit mir gemeinsam und verspricht das Kleid zu bestellen. Geschafft! Da ich mich innerhalb weniger Tage entschieden habe, bekomme ich Rabatt auf das Kleid und zahle am Ende ca 1.100 Euro dafür. Hinzu kommen am Ende natürlich noch die Änderungen. Und die Accessoires. Dafür komme ich an einem späteren Termin wieder. Schuhe finde ich hier leider nicht. Aber eine kleine Tasche, die ich mir in unserer Hochzeitsfarbe Lagune einfärben lasse.

Es ist ein tolles Gefühl wieder in dem Laden zu stehen: Mitten zwischen den vielen Kleidern, die mit Sicherheit andere Bräute glücklich machen werden. Manchmal träume ich ganz heimlich davon, nebenher auch Kleider zu verkaufen. Und die wahren Wünsche der Bräute zu verstehen. Ich quetsche die großartige Verkäuferin über ihren Job aus und sehe endlich das Kleid wieder. An dem Tag lerne ich endlich MEIN Brautkleid kennen. Extra für mich gefertigt. Für meinen großen Tag.

Accessoire-Termin

Heute darf ich dazu alle Jäckchen, Boleros, Handschuhe und Haarteile anprobieren. Sogar einen Schleier probiere ich an, um mich dann – wie erwartet – dagegen zu entscheiden. Auch wenn manche Berater bei „Tüll und Tränen“ im Fernsehen behaupten: Ohne Schleier ist man keine echte Braut. Ich sehe das anders. Ich finde Schleier bei anderen manchmal schön. Aber ich persönlich hätte mich damit nur verkleidet gefühlt.

Wieder so ein Shopping-Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Ich habe mich in dem Laden wirklich top beraten gefühlt und die Verkäuferinnen haben mit mir gestrahlt. Es war als würde man mit Freunden shoppen gehen, die viel mehr Ahnung von Mode haben als man selbst. Und die einem dadurch unbezahlbare Tipps geben können – bis ihr euer Brautkleid gefunden habt.

Brautkleid Anpassung Stuttgart
Damit das Brautkleid leichter wurde, haben wir einige Lagen Tüll entfernt
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Das Änderungskonzept der Schneiderin: Alles wurde auseinander genommen.

Änderungen in der Schneiderei

Ein letzter Schritt fehlt noch, bis ich mit dem Kleid auf meiner eigenen Hochzeit tanzen kann. Es muss mir noch passen. Bestellt haben wir das Kleid im April. Ende Juli ist es endlich da. Ende August ist der Termin bei einer Schneiderin, die mit dem Hochzeitsgeschäft kooperiert. Im April hätte es sein können, das mir das Kleid am Ende eine Nummer kleiner passt. Aber genau weiß das keiner. Und ich wollte nicht am Ende vor der Hochzeit hungern müssen, um ins Kleid zu passen. Was für ein schrecklicher Gedanke! Also habe ich das Kleid größer bestellt und wusste: Da ist noch einiges dran zu nähen. Aber Brautkleider müssen zu 99 Prozent geändert werden. Fast niemand trägt Standardgröße.

Als ich im August endlich auf dem Weg nach Stuttgart für den Termin zum Abstecken bin, werde ich angerufen, weil meine Schneiderin einen medizinischen Notfall hat. Der Termin bei ihr kann nicht stattfinden. Da die Verkäuferinnen im Geschäft wissen, dass ich von weit her komme und bald heirate, helfen sie sofort. Sie setzen alle Hebel in Bewegung und besorgen mir einen Termin bei einer anderen Schneiderin ihres Vertrauens. Sie schiebt mich dazwischen. Ich habe nicht einmal Zeit mir Sorgen darüber zu machen. Völlig untypisch für mich, denke ich einfach: Das muss jetzt klappen.

Wenig Zeit – viel Vertrauen

Zusammen mit meiner Mutter gehe ich in das Atelier von Johanna Beerwerth. Urig eingerichtet und verwinkelt. Man merkt, dass Frau Beerwerth viel zu tun hat. Trotzdem nimmt sie sich Zeit und nimmt mir meine Aufregung. Schnell ist klar: Das Brautkleid wird proportional gekürzt, damit der Stil der Volants nicht verloren geht. Außerdem wird es an allen Seiten aufgetrennt und genau auf mich angepasst. Damit ich es am Tag der Hochzeit ohne BH tragen kann und keine Angst haben muss, dass es rutscht. Ich bewundere diese Schneider-Arbeit wirklich sehr. Das Kleid wird an allen Seiten abgesteckt und sie gibt mir noch wertvolle Tipps zum Styling. Meine Angst verwandelt sich langsam in Vorfreude.

Brautkleid Anpassung Stuttgart
Mein Brautkleid von Watters: Endlich in der passenden Größe und Länge

Wenige Tage später darf ich mein Brautkleid anprobieren. Wir haben extra mehr Zeit eingeplant, denn normalerweise gibt es eine zweite Anprobe und später den dritten Termin zur Abholung. Aber weil ich aus Karlsruhe nach Stuttgart komme, habe ich vorher darum gebeten, es am nächsten Termin abholen zu können. Die Auszubildende der Schneiderin hilft mir ins Kleid, erklärt mir wie ich es am Tag der Tage anziehe und wie ich allein auf die Toilette gehen kann. (Ich hatte vorher schon Angst, dass es nicht gehen würde.) Außerdem zeigt sie mir die Knöpfe, mit denen ich die Schleppe hochstecken kann.

Finale Anprobe

Frau Beerwerth begutachtet mich von allen Seiten und stellt fest, wo die Anpassungen noch optimiert werden müssen. Ich hätte es nicht gemerkt. Gut, dass sie vom Fach ist. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben. Daraufhin setzte ich mich ins Café an der Ecke, wo Raphael auf mich wartet und trinke einen Milchkaffee. Es passt genau: Als ich den letzten Schluck nehme, ruft die Schneiderin an und sagt, dass sie nun fertig ist.

Endlich kann ich mein Brautkleid mit nach Hause nehmen! Wir verpacken es in einen blickdichten Kleidersack und es fährt mit uns nach Karlsruhe. – Um auf seinen großen Auftritt zu warten. Dann erst wird Raphael es kennenlernen.

Freie Trauung Gut Hebscheid
Showtime für das Brautkleid
Gut Hebscheid Aachen Freie Trauung
Glück.

Das passende Brautkleid: Real Love

Ich wusste vorher nicht, dass ich Liebe für ein Kleid empfinden kann. Aber es muss Liebe sein. Bis zur Hochzeit habe ich es immer wieder anschauen und bewundern müssen. Wollte seine Volants sortieren und mit dem Tüllrock kuscheln. Mit Schmetterlingen im Bauch und Herzchen in den Augen. Weil es mein Traumkleid ist. Und wenn die Aufregung kommt, weiss ich: Zumindest ist mein Brautkleid für mich perfekt.

P.S. In diesem Brautkleid habe ich mich am Hochzeitstag komplett wohlgefühlt. Seit dem Moment, wo ich es morgens angezogen habe. Und ich finde: Es hat perfekt in unsere Location “Gut Hebscheid” gepasst.

Hochzeitsshooting Aachen
Das Brautkleid durfte auch in der Aachener Innenstadt posieren.

Tipps:

  • Vorab: Pinterest und Zeitschriften bieten endlose Möglichkeiten an Inspiration, was Brautkleider angeht. Es ist gut und wichtig sich vorher darüber Gedanken zu machen, wie das Traumkleid aussehen soll: Länge, Stoff, Schnitt. Dennoch sehen Kleider an einem selbst am Ende oft ganz anders aus. Gebt euch dem eigenen Erfahrungsprozess hin und bleibt offen. Hauptsache ist doch, dass ihr am Tag der Tage strahlt.
  • Fakt ist: Brautkleider sind aufwendig genäht, benötigen viel Stoff und sind daher logischerweise teuer. Überlegt euch vorher genau, wieviel ihr ausgeben wollt und was euch wichtig ist. Zum Beispiel: Wo wird das Kleid produziert, welche Stoffe werden verwendet…
  • Wenn ihr sparen wollt, sind gebrauchte Brautkleider eine gute Option: Deutlich günstiger, nur einmal getragen und wenn ihr es für euch kürzen lasst, ist so ein Kleid wie neu. Sowohl bei ebay Kleinanzeigen als auch in richtigen Second Hand Brautläden gibt es viel Auswahl. Nur bei der Größe muss man Glück haben.
  • Rabatte: Oft gibt es in Brautgeschäften Rabattaktionen, wenn neue Kollektionen kommen. Auch auf die Ausstellungsstücke bekommt man häufig Prozente. Außerdem kann man auf Hochzeitsmessen Kleider günstiger bekommen. In meinem Geschäft gab es außerdem Rabatt, wenn man sich schnell (innerhalb von 3 Tagen) für ein Kleid entscheidet.
  • Vereinbart eure Termine in den Brautgeschäften mindestens 5 Monate vor der Hochzeit, damit ihr Auswahl habt. Wenn ein Kleid in eurer Größe bestellt werden muss, dauert das oft 3-5 Monate. So war es auch bei mir.
  • Die Chemie mit den Brautberatern ist das A und O. Wenn ihr euch unwohl fühlt oder den Eindruck habt, der Berater versteht nicht, was ihr euch wünscht, dann ist es einfach nicht das richtige Geschäft für euch. Fühlt euch nicht unter Druck gesetzt. Es geht um euren großen Tag.
  • Überlegt euch genau, wer zur Anprobe mitkommen darf. Die Meinung von Vertrauten ist wichtig, aber viele Meinungen können einen verwirren. Und das Bauchgefühl trüben. Ich persönlich würde maximal drei Personen mitnehmen zum Brautkleid-Kauf. Denkt immer daran: Das soll EUER Kleid werden und nicht das der besten Freundin, Trauzeugin oder Mama. Jeder hat einen eigenen Geschmack und wenn ihr in eurem Kleid erstrahlt, weil es das richtige ist, dann werden das alle bemerken. Versprochen.
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Das Brautkleid in der Ferienwohnung auf Gran Canaria

Bilder: Martin Permantier, Tomek Wozniakowski, Aljosa Petric, Babette Permantier, Raphael Pi Permantier

Wedding Diaries 9: Unsere DIY – Deko für die Location

Do it yourself. Sobald das in der Beschreibung für ein Produkt steht, mache ich normalerweise einen großen Bogen darum. Vor meinem inneren Auge sehe ich mich voller Kleber und Fäden mit einem hässlichen Papp-Dings in der Hand. Wie früher im Kindergarten. Basteln und Dinge selber bauen, traue ich mir eigentlich nicht zu. Rückblickend bin ich selbst überrascht, wieviel DIY am Ende dann doch in unserer Hochzeit gesteckt hat. Und ich finde, es hat sich sehr gelohnt.

Unsere Location: Eine Scheune, die zu einer Event-Location umgebaut worden ist. Ich gebe zu: Es schreit nach DIY, handmande und ein bisschen Boho. Und am Ende ist es genau das geworden, ohne dass ich es vor hatte.

Und genauso war es gut für uns. Denn hätte ich vorher geahnt, dass ich stundenlang Buchstaben auf Tischkärtchen stempeln würde, hätte ich wohl aufgegeben, noch bevor ich angefangen habe. In diesem Fall hatte ich eine Vision vor Augen: Von einer Scheune mit Girlanden, Platzkarten aus Kraftpapier und Wiesenblumen auf den Tischen. Am besten in vielen Gläsern. Das war es. Und dann haben wir angefangen. Eins nach dem anderen.

DIY Deko Hochzeit
Hochzeitsdekoration – Foto: Tomek Wozniakowski

Wenn ich eins von Anfang an verstanden habe, ist es: Bei der Hochzeitsvorbereitung ist es wichtig, sich Hilfe zu holen. Entweder man bezieht Freunde und Familie ein oder man beauftragt professionelle Wedding Planer und Dekorateure. Alles ist möglich. Je nach Geschmack.

Kreative Hilfe ist unbezahlbar

Ich bin unendlich dankbar, dass wir so viel kreative Hilfe aus der Familie bekommen haben. Als studierte Designerin habe ich meine Mutter schon ganz zu Anfang (kurz nach der Verlobung) gefragt: „Würdest du dich um die Deko kümmern?“ Und sie hat zu unserem Glück gleich „ja“ gesagt. Ich war mir also gleich zu Beginn sicher, dass unsere Deko Stil haben wird. Alles andere haben wir gemeinsam herausgefunden. Vor allem indem ich erst einmal das Moodboard erstellt habe und wir daraufhin die Farben für die DIY-Deko festgelegt haben. Darüber habe ich hier geschrieben. Unsere Farbe ist „Lagune“, wir mögen Kraftpapier und wilde Blumen. Damit standen alle Basics.

DIY Do it yourself Deko Hochzeit
Unsere Deko: Wiesenblumen und Girlanden

DIY: Die Deko der Scheune

In der Woche vor der Hochzeit war es an der Zeit die Deko für den Raum fertigzustellen: Neben den Platzkärtchen sollte ein persönliches Goodie auf jedem Platz liegen. Die Tische sollten nach Ländern benannt werden, die wir schon bereist haben. Außerdem sollten auf jedem Tisch Einmalkameras aufgestellt und Gästebücher aufgestellt werden. Und natürlich Blumen. Als Tüpfelchen auf dem I hatte meine Mutter – Head of Deko – noch die Idee eine Girlande aus Stoffresten selbst zu machen und durch den Raum zu spannen. Schöne Idee dachte ich erst. Und als ich die Girlande schließlich im Raum hängen sah, war es viel perfekter als erwartet. Grün blau bunt. Sie hat den Stil rund gemacht.

Deko Hochzeit Girlande Gut Hebscheid
Foto der Party unter der Girlande von Jan Suchland

DIY: Gestempelte Platzkarten

Damit jeder Gast seinen Platz findet, sollte es Platzkärtchen geben. Dafür hatten wir im Netz einfache Kärtchen aus Kraftpapier bestellt. Und bis zu jenem Tag war ich mir nicht sicher, wie ich sie beschriften sollte. Zum einen hatte ich schwarze, einfache Stifte dafür. Außerdem lagen Stempel bereit, um jeden Buchstaben einzeln auf die Kärtchen zu drücken. Nachdem ich es an einer Karte getestet hatte, stand fest: Namen schreiben, ist zwar möglich. Sieht aber nicht besonders schön aus. Namen stempeln ist unfassbar viel Arbeit. Ich finde es allerdings unendlich schön und passend zu unserem Style. Also habe ich – ohne zu lange darüber nachzudenken – einfach angefangen zu stempeln. Und zu stempeln. Und zu stempeln. Stundenlang. Buchstabe für Buchstabe. Irgendwann brummte mir der Kopf. DIY ohne Ende. Aber ich würde es jederzeit wieder so machen!

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DIY Deko Hochzeit – Foto: Tomek Wozniakowski

Als Andenken: Zeitkapseln und Tischbücher

Um unsere Tische zu benennen und hinterher ein Andenken an die Menschen an dem Tisch zu haben, hatte ich mir eine Kombi-Lösung ausgedacht. Nach dem Motto: Keine tausend Sachen auf einem Tisch. Lieber einzelne Ideen kombinieren. Und hinterher ein schönes Andenken haben. So entstanden die selbstgebastelten Zeitkapsel-Tischbücher. – Wieder ein kleines DIY-Projekt.

Die Idee ist die: Am Eingang gab es eine Übersicht. An einer Wäscheleine hatten wir auf Kraftpapier kleine Listen geschrieben. Darauf standen jeweils die Leute, die an einem Tisch sitzen sollen. Also zum Beispiel: Tisch Neuseeland: Oma, Opa, Iris, Robert usw. So wussten sie, dass sie in der Scheune nach Tisch Neuseeland suchen sollen. Auf Tisch „Neuseeland“ stand ein schwarzes kleines Buch. Darauf ein Bild von Raphael und mir aus Neuseeland und darin viel Platz für die Wünsche unserer Gäste. Auf die erste Seite des Buches hatte ich Ihnen eine kleine Anleitung geschrieben. Ein paar Zeilen über unseren Urlaub in Neuseeland. Und dass dieses Buch noch eine zweite Aufgabe hat: Es soll eine Zeitkapsel für uns in der Zukunft werden. Die Gäste sollten uns Wünsche für einen bestimmten Hochzeitstag schreiben. Und erst dann werden wir sie Bücher wieder öffnen und alle Wünsche lesen.

An jedem Hochzeitstag eine Zeitkapsel öffnen

Wir sind also jetzt versorgt mit Zeitkapseln bis zum 20. Hochzeitstag. Denn jeder Tisch hat einen anderen Jahrestag zugeteilt bekommen. Das ist wirklich sehr spannend! Inzwischen habe ich alle Bücher mit Schleifen versehen, sortiert und in einen Schuhkarton gepackt. Und freue mich sehr darauf, sie durchzublättern.

Ich gebe zu: Etwas schwierig zu erklären. Aber Kombi-Lösung trifft es ganz gut. Und zu uns als Reisemenschen haben diese Bücher einfach gepasst.

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Tischdeko Hochzeit Foto: Tomek Wozniakowski

Andenken für unsere Gäste

Von Gastgeschenken halte ich eigentlich nicht besonders viel. Bei Hochzeiten, wo wir bisher waren, lagen am Ende des Abends immer noch viele Gastgeschenke auf den Tischen herum. So schade darum! Deshalb wollte ich ursprünglich von Gastgeschenken absehen. Dann hatte mich aber die Planungswut gepackt. Unfassbar welche Energie man vor der Hochzeit hat!

Und plötzlich war die Idee da: Warum nicht jedem eine kleine Botschaft an den Platz legen? Und zwar eins unserer Fotos aus dem Land des Tisches. Also ein Foto aus Chile, Indonesien….Panama, USA… mit einer kleinen persönlichen Botschaft auf der Rückseite und mit persönlicher Anrede für den Gast. Schon wieder viel DIY-Arbeit. Aber ich fand es einfach zu passend, um es nicht zu machen. Also haben wir im Internet Fotos im Polaroid-Style bestellt. Und jedes Foto mit einer kleinen Widmung versehen und an den Platz den Gastes gelegt. So hatte jeder eine Kleinigkeit als Andenken. Nichts, was einem die Wohnung voller macht. Einfach eine kleine Aufmerksamkeit. Wir waren uns einig: Dieses Mini-Gastgeschenk hat gut zu uns gepasst, weil es etwas mit uns zu tun hatte und gleichzeitig eine persönliche Botschaft an jeden Gast übermittelt hat. Das hat es für mich „besonders“ gemacht.

Hier noch ein Tipp am Rande: Falls ihr so etwas machen wollt, sucht euch vorher einen Stift, der gut auf Folie schreibt. Ein paar Bilder habe ich versaut, weil ich den falschen Stift verwendet habe.

Foto: Tomek Wozniakowski

Blumendeko: DIY Blumen schneiden und anordnen

Am Donnerstag – also einen Tag vor der Hochzeit – stand „Blumen schneiden“ auf unserer To-Do-Liste. Meine Mutter hatte einen Ort in Aachen gefunden, wo man für eine gewisse Zeit selber Blumen schneiden darf. Man zahlt pro Person und kann alle Blumen mitnehmen, die man geschnitten hat. Viel Arbeit – aber für uns Wiesenblumen-Fans ein Traum. Da ich am Mittwoch allerdings schon bei der Maniküre war und noch tausend andere Dinge zu basteln und zu erledigen hatte, war ich unendlich dankbar, dass meine Mutter mit anderen Blumen schneiden gegangen ist. Mein Bruder und meine Cousine hatten mir noch Hilfe angeboten und ich bin unendlich froh, dass ich sie angenommen und die zwei eingebunden habe. Das hat uns sehr geholfen.

Die drei kamen vollbepackt mit bunten Blümchen bei der Location an. Einzigartig und viel schöner als ich es mir erträumt hatte. Wenn man die Zeit und die Manpower dazu hat, ist es auf jeden Fall eine gute und günstige Alternative Blumen selbst zu schneiden und aufzustellen.

Deko Girlande Gut Hebscheid Vintage Wedding
Foto: Tomek Wozniakowski

Aufbau am Vortag: Der große Vorteil des Freitags

Auf Gut Hebscheid finden den ganzen Sommer bis in den September an den Wochenenden Hochzeiten statt. Am Freitag und am Samstag. Als wir im Januar auf Location-Suche gegangen sind, haben wir noch noch einen Freitag im September auf Gut Hebscheid reservieren können. Alle Samstage waren schon weg. Während wir anfangs noch unsicher waren, ob der Tag eine gute Wahl war, bin ich inzwischen sicher: Er war perfekt! Ein Vorteil zum Beispiel: Wir konnten schon am Donnerstagvormittag an der Location aufbauen. Hätte es an dem Tag eine Veranstaltung gegeben, dann hätten wie nachmittags aufbauen können. Zum Vergleich: Alle Paare, die an einem Samstag heiraten, können natürlich erst Samstagmorgen in die Location. Das macht vieles in der Planung komplizierter und stressiger.

Kein Deko-Stress am Hochzeitstag

Gegen 11 Uhr haben wir uns an der Scheune getroffen: Meine Mutter, ihre Helfer und die Blumen. Der DJ, der einen Probeaufbau gemacht hat. Raphaels Trauzeuge, mein Vater, Raphael und ich. Außerdem waren noch die Mitarbeiter von Gut Hebscheid da, die für den Aufbau und Eindecken der Tische zuständig waren. Der alte, nervige Spruch: „Viele Hände, schnelles Ende“ hat hier auf jeden Fall gut gepasst. Die Blumen-Schneider haben die Blumen angerichtet, auf viele kleine und große Gläser verteilt und schließlich auf die Tische gestellt.

Raphaels Bruder und mein Vater haben Girlanden aufgehangen. Raphael und ich haben die Candy Bar aufgestellt und hinterher noch Tischbücher, Platzkarten und Andenken auf jedem Platz verteilt. Und ganz am Ende ist unser Head of Deko nochmal durch den Raum gelaufen und hat alles wohlwollend geprüft und Blumen zurechtgeschoben. Fertig. Rückblickend hatte ich mir diesen Tag deutlich stressiger vorgestellt. Den Nachmittag über hatten wir frei. Wir sind ins Hotel umgezogen, ich war im Pool, wir konnten uns entspannen und auf den großen Tag freuen.

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Dekoration der Scheune in Gut Hebscheid

Tipps:

  • Macht nur so viel selber, dass es nicht in Stress ausartet. Die Tage vor der Hochzeit werden stressig genug.
  • Wenn euch Freunde und Bekannte Hilfe anbieten: Nehmt sie an und vertraut ihnen.
  • Nehmt euch ein paar Tage vor der Hochzeit Zeit, um alles zu organisieren. So könnt ihr ohne Stress noch letzte Besorgungen machen und eure eigenen spontanen Ideen umsetzen. Wir waren eine Woche früher in Aachen und haben diese Zeit auch gebraucht.

Wedding Diaries 7: Wie wird unser Farbkonzept?

Die Farbe von Anzug und Kleid waren schnell gefunden: Ich werde „ivory“ tragen und Raphael dunkelblau. Aber welches Farbmotto soll die Hochzeit bekommen? Ein Thema, das viel zu oft in den Hintergrund gerät, finde ich. Deshalb bekommt unser Farbkonzept ein eigenes Kapitel.

Welche Farben sind das Spotlight, das sich in Einladung, Accessoires, und auf den Tischen am Abend der Feier wiederfindet? Was passt zu uns? Als Tochter von Designern habe ich mir über diese Frage etwas länger den Kopf zerbrochen. Aber zum Glück habe ich als Kind von meiner Mutter gelernt, was in so einem Fall zu tun ist. – Und wie man sich dem passenden Farbkonzept nähern kann.

 Schritt 1: Hochzeits- und andere bunte Magazine besorgen

Ich habe mich mit unzähligen Hochzeitsmagazinen eingedeckt, sie durchgelesen und danach Seiten markiert, auf denen besonders schöne Farbkombinationen zu sehen waren. (Hochzeitsmagazine kann ich übrigens jedem nur empfehlen, wenn man gerade voller Brauthormone ist. Sie sind einfach sehr inspirierend.)

Schritt 2: Magazine zerstören und Chaos zulassen

Die allerschönsten Stellen habe ich aus den (gelesenen) Zeitschriften herausgerissen und wild im Zimmer verteilt. Und um eine besonders gute Auswahl zu haben, habe ich daraufhin auch noch andere alte und bunte Zeitschriften durchforstet. Das Zimmer war ein einziges buntes Chaos. Aber für jemanden wie mich, der seit der Grundschule nicht mehr gebastelt hat, war es ein sehr befreiender Prozess. Ich hatte so viel Spaß wie lange nicht, ohne zu wissen wohin mich das Chaos führen würde. Und genau da liegt – glaube ich – das Geheimnis.

Das fertige Moodboard

Schritt 3: Sortieren, anordnen, verwerfen

Irgendwann war der Moment von ganz alleine da und ich dachte: Es reicht! Ich habe ein DIN-A3 Papier genommen und darauf angefangen die verschiedenen Schnipsel in allen bunten Farben anzuordnen und hin und her zu schieben. Immer wieder neu und anders. Guter Nebeneffekt: Das macht den Kopf frei! Immer wieder bin ich von dem bunten Allerlei weggetreten und habe es mir aus der Distanz angeschaut. Hier und da optimiert, bis ich schließlich das Gefühl hatte: Ja! Perfekt! Genau so will ich das! Dann habe ich die vielen Schnipsel festgeklebt und hatte mein Moodboard mit den Grundfarben für die Hochzeit fertig. Das Farbkonzept steht.

Vom Moodboard zur Einladung

Ein bisschen Vintage, dank Craft-Papier, ein bisschen türkis, grün, gelb und blau. Die Richtung stand. Raphael hat es zum Glück auch sofort gefallen. Das Ganze habe ich dann an meine Eltern geschickt, denn mein Vater hat uns die Einladungskarten designt und sich an unseren Farbwünschen orientiert. Da kann ich nur sagen: Schwein gehabt, Designer in der Familie zu haben! Die Einladung hätte ich mir schöner nicht wünschen können: Eine braune Karte aus Craft-Papier als Einband und darin weiße Blätter mit den genauen Informationen für die Gäste. Und drum herum Schleifen aus bunten Bändern in braun und hellblau.

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Die Einladung nach unserem Farbkonzept

Der Accessoire-Stoff

Für unsere Outfits habe ich mir einen kleinen Wiedererkennungswert gewünscht. Einen roten Faden (nur eben nicht in rot), der sich bei Raphael, den Trauzeugen und mir wiederfindet. Wir haben uns also auf die Suche nach einem Stoff gemacht, aus dem wir Accessoires und Details nähen können. Eine kraftvolle Farbe sollte es sein, die zu unseren Outfits passt und trotzdem eine starke Wirkung hat. Meine Mutter (Textildesignerin) und ich waren in unzähligen Stoffläden und haben uns dank einer Farbprobe schließlich für einen Stoff aus Wildseide aus dem Internet entschieden. – Farbe “Lagune”, also ein schimmerndes blau-grün. Aus diesem Stoff haben wir jetzt Raphaels Krawatte genäht, ich bekomme einen kleinen Gürtel in der Farbe und die Trauzeugen bekommen Einstecktücher. Und ich habe meine Handtasche in der gleichen Farbe einfärben lassen.

Stoff
Unsere Farbe – unser Stoff (am großen Tag werden es allerdings echte Blumen sein)

Die Tischdeko

Am Tag der Hochzeit sollen sich diese Farben auch auf den Tischen wiederfinden: Zum Beispiel in den Wildblumen, die wir aufstellen wollen. Außerdem sollen Tisch- und Platzkarten in dem gleichen braun sein wie die Einladungskarten. – So wird die alte Scheune auf Gut Hebscheid in Aachen zu unserer persönlichen “Herr und Frau Pi” – Hochzeitslocation.

P.S. Inzwischen ist die Hochzeit vorbei. Und ich möchte euch nicht vorenthalten, wie die Scheune am großen Tag hergerichtet war. Hier ist der Arikel dazu.

Unser Farbkonzept in der Scheune

Tipps

  •  Lasst eurer Phantasie freien Lauf und spielt mit vielen bunten Farben. So werdet ihr herausfinden, welche Farbkombinationen euch besonders gut gefallen
  •  Accessoires aus einem eigens gewählten Hochzeitsstoff runden die Outfits mit einer persönlichen Note ab
  •  Nach der Hochzeit wollen wir neben das Moodboard Fotos von der Hochzeit hängen und eine Erinnerungswand daraus gestalten

Foto: Tomek Wozniakowski

Wedding Diaries 6: Ein Ehering für immer

Die Suche nach den passenden Eheringen für zwei Verlobte ist fast so kompliziert wie die Einrichtung der ersten eigenen Wohnung. Schließlich muss man sich einig werden über zwei Schmuckstücke, die beide den Rest ihres Lebens am Finger tragen wollen. Da treffen Ideologien und Geschmäcker aufeinander und beide können das „Ja-und-zwar-für-immer-sagen“ schon einmal üben: „Hallo Ring, dich nehme ich hiermit als meinen Ehering an. Ich werde dich lieben und ehren und vor allem immer gern am Finger tragen. Egal wie die Mode sich ändert. Versprochen“

Bei der ersten Suche im Netz nach „Ehering“ lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. „Ernsthaft?“ Dachte ich. „So etwas kaufen Menschen und tragen es ab der Hochzeit für immer mit sich herum?“ Tausend glitzernde Steinchen, die in Wellen auf dem Ring verteilt sind. Mischungen aus gelb- rose- und weißgold in den wildesten Mustern. Gepunktete Eheringe, Herzchenringe, geflochtene Ringe. Wow. Ich klappe den Laptop zu und bin sicher: Wir werden nichts finden.

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Auf unserer ersten Reise in Italien – zwei Tage später sind wir offiziell “zusammengekommen”

Erste Inspiration auf der Hochzeitsmesse

Kurz darauf schleife ich Raphael auf die Hochzeitsmesse in Karlsruhe, denn ich habe gelesen, dass dort auch viele Aussteller ihre Eheringe präsentieren. Da bekommt man schnell einen Überblick und kann im Zweifel fix zum nächsten Stand weiterlaufen. Auf der Messe wird mir dann klar, dass ich im siebten Himmel gelandet bin: Traumhafte Kleider, Einladungen, Torten und Ringe soweit das Auge reicht. Der Hochzeits-Virus hat mich inzwischen so sehr gepackt, dass die Endorphine in mir Salsa tanzen, sobald ich nur ein bisschen weißen Tüll sehe. Wir laufen durch die Eingangshalle und am ersten kleinen Stand mit Eheringen bleiben wir stehen. Das kleine Schmuckatelier Egger aus Karlsruhe hat nicht unendlich viele Ringe. Aber ich bin positiv überrascht. Auch wenn uns die Probierringe alle zu groß sind, gibt es hier ein Set, das mir sehr gut gefällt: Breite, schlichte Ringe in Rotgold. Die Variante für die Dame ist mit drei klitzekleinen Brillanten verziert. „Brillanten? Brauch ich nicht“ schreit es mir aus meinem Innersten entgegen. Aber der Ring fasziniert mich. Auf allen Fotos, die ich vorher im Netz gesehen hatte, fand ich Ringe in rose- oder rotgold eher abschreckend. Am Finger sieht das aber ganz anders aus: Im Gegensatz zu den Ringen in gelbgold geht dieser eine viel schönere Symbiose mit meiner Haut ein. – Auch weil der Kontrast nicht so groß ist. Ehrlich gesagt habe ich mich auf den ersten Blick in diesen Ring verliebt. Aber das erstbeste nehmen? Auf keinen Fall. Außerdem gibt es auf der Messe noch so viele weitere Stände.

Massenabfertigung – nein danke

Wir schauen und schauen – und ich werde mir an diesem Tag immer sicherer, was ich nicht will. Das ist ja auch schonmal was. In der Haupthalle herrscht Hochbetrieb bei einem Juwelier. An 10 Tischen werden im Akkord Brautpaare beraten. In mir kommt dieses zwiespältige Gefühl auf: Will ich da unbedingt hin und auch mal gucken, weil es da so viele hinzieht? Oder ist mir das zu sehr Massenabfertigung?

Während ich noch darüber nachdenke, ruft uns ein Mann herüber und weist uns einen Platz zu. Eine Sekunde zu lang vor dem Stand herumgestanden. Wir lassen uns auf das Spiel ein. Ein junger, unerfahrener Typ „berät“ uns. Obwohl, das ist eigentlich zu viel gesagt, denn er stellt uns einfach nacheinander kleine Boxen mit verschiedenen Ringen vor die Nase und sagt: „Sowas? Oder eher sowas?“ Und ich denk mir nur: „Neeeeein! Nichts von alledem“ Ich fühl mich zurück in meine erste Google-Suchanfrage katapultiert und will weglaufen. Raphael geht es ähnlich und so stammeln wir nach wenigen Minuten: „Danke für ihre Mühen. Da war leider nichts dabei.“ Und weiter geht’s.

Am Abend haben wir gelernt: Massenabfertigung wollen wir nicht, 99 % der Juweliere fallen raus und beim offiziellen Fair-Trade-Shop in Karlsruhe gibt es schöne Ringe, aber dennoch nichts, was uns wirklich gefällt. Aber bei der ersten kleinen Goldschmiede, die wir auf der Messe entdeckt haben, schon. Also vereinbaren wir einen Termin beim Schmuckatelier Egger – es ist gleich bei uns um die Ecke.

Unser Wunsch: Keine Ringe von der Stange

 

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Damals in Italien

Bei den Eggers schauen wir mehrmals vorbei. Sie haben eine zauberhafte kleine Goldschmiede in Karlsruhe und strahlen all das aus, was mir gefällt: Es sind normale, nette Leute, die ihr Handwerk verstehen. Geduldig erklären sie uns alles über die verschiedenen Zusammensetzungen des Goldes, das ein Ehering niemals zersägt werden sollte (Unendlichkeit und Kreis und so). Wenn man ihn irgendwann mal von der Größe her anpassen will, dann nur indem man ihn enger staucht oder weiter dehnt. Außerdem beziehen sie in diesem Atelier – zu unserer Begeisterung – nur zertifiziertes Gold. Man kann also genau verfolgen, wo das Gold herkommt und dass niemand dafür ausgebeutet worden ist.

Wir probieren alle Ringe durch und am Ende steht fest: Der erste Ring ist es noch immer. Mir war es von Anfang an klar, aber ich war froh, dass sich auch Raphael für ihn begeistern kann. Anfangs hadert er noch etwas mit sich wegen der breiten, abgerundeten Form. Aber da wir die Ringe genau nach unseren Vorstellungen schmieden lassen können, ist es kein Problem:

Raphael bekommt einen etwas flacheren als ich. Ansonsten sind die aber weiterhin ein Paar, bei dem man sofort sieht: Sie gehören zusammen. Ich bin begeistert, kann mich aber noch nicht entscheiden, ob ich mir Steinchen gönnen möchte oder nicht. „Brauche ich sie wirklich? Nerven sie vielleicht irgendwann? Gehören auf einen Ehering Steinchen? Rotgold ist gerade im Trend – was wenn er uns irgendwann nicht mehr gefällt?“ Seltsame Gedanken, die durch meinen Kopf schwirren. Schließlich weiß ich eigentlich genau: Es ist egal, was „man“ macht. Ist ja schließlich nicht mans Hochzeit, sondern unsere.

Um völlig sicher zu sein gehen wir zum Vergleich noch in einen 0815 Traditionsjuwelier und lassen uns deren Ringe zeigen. Wir fühlen uns ein bisschen vom Schicksal verarscht, als die Ringe, die uns dort am besten gefallen den Namen „Livorno“ tragen. Das ist der Ort, an dem wir uns zum ersten Mal geküsst haben. Und dieser Tag ist seitdem unser „Zusammenkomm-Tag.“ Mist. Aber in diesem Juwelier haben sie leider kein zertifiziertes Gold. Und der Bauch und das Herz verlangen nach diesen jenen anderen Ringen bei den Eggers. Die Entscheidung steht. Sie musste nur untermauert werden.

 

 

 

Und am Ende sollte es Funkeln: 3 Steinchen bitte

Nach unserer Zusage machen sich die Eggers daran, unsere Ringe zu schmieden. Ich habe sie gebeten meinen erst einmal ohne Brillanten herzustellen, damit ich mich bei der Anprobe final für oder gegen die Steinchen entscheiden kann. Bisher kann ich mir den Ring auch gar nicht wirklich vorstellen, denn bisher waren sie immer vieeeeeel zu groß. Das Herz rast vor Freude, als ich ihn mir zum ersten Mal über den Finger streife. WUNDERSCHÖN. Aber etwas fehlt. Ohne Steinchen sieht er tatsächlich etwas nackt aus. Ich hadere mit mir und kann oder will mich (mal wieder) nicht entscheiden, als Frau Egger sagt: „Eigentlich haben sie sich doch schon für die Brillanten entschieden, oder?“ Oha. Sie hat es mir angesehen und ja, sie hat recht. Ich bin ihr unendlich dankbar für diesen Satz.

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Natürlich lassen wir die Ringe auch noch gravieren. Allerdings nicht mit der Maschine (das wäre ohne Aufpreis möglich gewesen). Wir entscheiden uns für die Handgravur beim Fachmann. Eine tiefe Gravur mit Namen und Hochzeitsdatum, die man fühlen kann. Das ist zwar teurer, aber für uns steht fest: Wir wollen nicht an dem sparen, was am längsten bleiben wird nach dieser Hochzeit. Die Ringe sollen für uns perfekt sein.

Zwei Ringe, die der Hand schmeicheln

Zwei Wochen später holen wir sie ab und als ich die funkelnden Steinchen sehe, kommen mir die Tränen. Wow. Einfach perfekt – perfekt für uns: Schlicht, breit, wunderbare Handschmeichler, extra für uns gefertigt und aus zertifiziertem Gold.

Psst – bis zur Hochzeit schaue ich sie mir alle 3 Tage an und freue mich jedes Mal aufs Neue, dass wir im Wust der großen, verrückten Auswahl genau das Richtige für uns gefunden haben.

“Und ja, lieber Ring: Ich werde dich lieben und ehren und vor allem immer gern am Finger tragen. Egal wie die Mode sich ändert. Versprochen. Deine Athene”

Showtime für die Ringe. Foto: Tomek Wozniakowski

Tipps:

  • Hochzeitsmessen sind eine gute Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen
  • Wenn euch Nachhaltigkeit interessiert, fragt unbedingt nach der Herkunft des Goldes. Ist es Fair-Trade und damit zertifiziert?
  • Eine Hochzeit ist teuer. Definitiv. Allerdings sind die Ringe das, was euch am längsten bleibt von diesem Tag. Von daher würde ich sagen: Die Investition in hochwertige Ringe lohnt sich. Unser Ringpaar hat am Ende 1400 Euro gekostet und wurde individuell von Herrn Egger für uns gefertigt.
  • Manche Ateliers bieten an, dass man sich die Ringe selbst schmieden kann. Das ist nichts für ungeduldige Menschen wie mich. Aber eine tolle Idee, oder? Schaut hier

Wedding Diaries 5: Und was mach ich mit den Haaren? Die Testfrisur

Wenn ich diesen Titel so lese, klingt das sehr amerikanisch: Wir machen eine Testfrisur vor der Hochzeit und dann ein Test-Essen und danach am besten noch eine Testparty. So läuft es natürlich nicht. Aber ich muss zugeben, diese eine Sache ergibt schon Sinn, die Frooooooonck da immer in der Fernsehsendung „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ sagt: „Gib dich in die Hände der Leute vom Fach und du hast eine Sorge weniger.“ Das Styling soll schließlich zu mir passen. Warum eine Testfrisur unfassbar Druck von einem nimmt und die Vorfreude steigen lässt, lest ihr hier.

Die Hochzeit findet in Aachen statt – auf Gut Hebscheid – ich allerdings wohne in Karlsruhe und zum Friseur gehe ich eigentlich in Bühl. Komplizierte Sache. Hinzu kommt, dass ich auch gar keine Friseure in Aachen kenne. Also habe ich erst einmal angefangen rumzufragen bis mir eine Freundin ihre Friseurin empfohlen hat und ironischerweise heiratet sie auch noch eine Woche vor uns. Wir konnten aus der Testfrisur also ein kleines Mädels-Event machen. Und das fand im Juni endlich statt. Vorher hatte ich allerdings gefühlt schon alle Brautmagazine der Welt, plus Instagram und Pinterest nach Brautfrisuren und Make-Up durchsucht und erstmal herausgefunden, was ich alles nicht will. – Oder was alles nicht geht: Hallo, ich bin Athene, 160 cm klein, Sommersprossen, wenig bis null Erfahrung mit Make-Up und außerdem habe ich dünne Haare, die einfach nicht wachsen wollen. Ist echt so: Meine Haare wachsen so langsam, dass sich sogar Friseure darüber wundern! Ab der Schulter hören sie einfach auf zu wachsen. Das wird also nichts mit langen, märchenhaften Wellen und offenen Haaren. Und Make-Up-Pinsel und ich, wir kennen uns nur von weitem.

Welche Frisur passt zu mir? Was mache ich mit den Haaren?

Als ich angefangen hab, darüber nachzudenken, was ich machen könnte, ist mir natürlich erst einmal alles eingefallen, was mit meinen Haaren leider nicht geht. Meine Güte, meine Güte, drei Bonbons und keine… (Tüte). Lassen wir das. Was nicht ist, ist nicht. Haarteile, die einem mehr Haar zaubern, konnte ich mir bei meiner Haarlänge auch nicht vorstellen. Streng hochgesteckt, passt einfach nicht zu mir.

Die erste Idee kam in einem Brautladen, als ich zu einem Kleid (das ich nicht genommen habe) einen kleinen Blumenkranz angezogen und meine Haare unordentlich da reingesteckt habe. – “Wild hochgesteckt”, würde ich es mal nennen. In der Fachsprache der Brautmagazine nennen sie es „Undone-Look“ – also so wild, dass es aussieht, als wäre man gerade aus dem Bett aufgestanden und hätte sich nur mal eben die Haare hochgesteckt und gleichzeitig aber so gezaubert, dass es den ganzen Tag hält. Das mag ich, das passt. Ich bin ja auch im normalen Leben nie lange im Bad beschäftigt, dazu fehlt mir einfach die Muße. Außerdem gefällt mir der Bruch durch diese Frisur zu meinem langen Brautkleid sehr.

 

Und dazu soll es ein Blumenkranz sein. Kein Schleier, nur ein Kranz, der nicht zu groß sein darf. Sonst würde es ja aussehen, als ginge der Kranz mit mir spazieren. Die Blumen werde ich mir in der Woche vor der Hochzeit bei “Drei Blüten” in Aachen zusammenstellen. Das steht schon fest. Sonst nichts. Für die Testfrisur brauchte ich aber ja auch einen Kranz, also habe ich das Internet kreuz und quer nach einer günstigen Alternative aus Kunststoff abgesucht und bin bei Amazon fündig geworden.

Und „für falls“ wie ich gerne sage, also falls am großen Tag etwas mit den frischen Blumen schiefgehen sollte, habe ich mir noch einen Ersatzkranz aus getrockneten Blumen bestellt. Denn ich möchte auf keinen Fall Plastik auf dem Kopf haben.

Meine ganzen Ideen habe euch übrigens ich in diese Pinterest-Galerie gepackt.

Und welches Make-Up passt zum Styling?

Das war einfacher! Die einzige Sorge: Kann die Friseurin das so natürlich und schlicht, wie ich mir das wünsche? Also kann sie auf meine Wünsche eingehen und trotzdem dafür sorgen, dass ich von morgens bis abends fit, wach und strahlend aussehe, obwohl ich vermutlich Augenringe bis zum Mars haben werde?

Mädelsmorgen mit Testfrisur

Den Tag der Testfrisur habe ich Ende Juni organisiert, damit ich – falls ich gar nicht zufrieden sein sollte – noch Zeit habe, mir wen anderes zu suchen.

An dem Morgen hakt es aber erst einmal bei uns. Meine Freundin schreibt mir, dass sie verschlafen hat. „Das kann ja noch was werden“, denke ich und muss gleichzeitig lachen. Mit 15 Minuten Verspätung brausen wir nach Horbach, einen Ort bei Aachen zu Corinna Hof. Als wir ankommen fühle ich mich in Teenie-Zeiten zurückversetzt, weil in der Gegend einige Freundinnen von mir gewohnt haben.

Frau Hof nimmt uns die kleine Verspätung nicht übel. Sie hat ihren Friseursalon in ihrem Wohnhaus: Ein Raum, klein und gemütlich mit genau zwei Plätzen für uns. Sofort strahlt sie uns an und auch, wenn ich an dem Morgen sehr aufgeregt war, habe ich bei ihr gleich das Gefühl in guten Händen zu sein. Ich zeige ihr die verschiedenen Bilder aus dem Netz und erkläre ihr bis ins kleinste Detail, was ich mir vorstelle. Zeige ihr den Testkranz und frage sie nach ihrer Meinung zu allem. Das ist mir besonders wichtig, denn ich kenne mich mit Styling und Schminke einfach nicht aus.

In meiner Familie sind die Frauen eher so drauf: Kajal, Mascara, Labello, fertig. Und mit dem Kajal ist das oft schon ein kleiner Kampf. Ich hätte grundsätzlich schon gern mehr Ahnung davon, aber es ist unrealistisch, dass ich das noch vor der Hochzeit lerne. Sie erklärt mir, dass die Frisur auf jeden Fall den ganzen Tag hält, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Und dass wir das Make-Up so hinbekommen, dass ich nicht „angemalt“ aussehe. Puh. Los geht’s.

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Sie glättet mir die Haare, zupft hier und da, setzt mir den Blumenkranz auf und hantiert mit hundert Klämmerchen, um das Maximum aus meinen dünnen Haaren herauszuholen. Das macht sie nicht zum ersten Mal. Das merkt man gleich. Immer wieder fragt sie mich, ob es so passt. Wir ändern Kleinigkeiten ab und am Ende bin ich wirklich zufrieden, mit dem was die mir auf den Kopf gezaubert hat. Wir hoffen allerdings beide, dass meine Haare noch etwas wachsen bis September. Auch meine Freundin ist begeistert – ich bin froh, dass sie dabei ist: Eine zweite Meinung ist einfach unbezahlbar.

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Und dann das Make-Up. Davor hatte ich fast noch mehr Schiss, bin aber sofort beruhigt als sie mir sagt, dass wir im Grunde komplett auf Make-Up verzichten könnten. Das hätte ich nicht gedacht! Weil ich mich aber mental so darauf eingestellt hatte, dass ich an dem Tag unbedingt Make-Up ausprobieren will, lasse ich mich nicht abbringen. Wie ich ohne aussehe, weiss ich ja. Also pinselt sie mir das helle Zeug einmal quer durchs Gesicht. An dieses – gestylt werden – könnte ich mich gewöhnen! Ein tolles Gefühl hergerichtet zu werden.

Beim Test-Styling kann man viel ausprobieren

Nach dem Make-Up, werden die nächsten Entscheidungen getroffen: Welcher Lidschatten soll es sein? Welcher Kajal? Wieviel von alledem? Dabei verlasse ich mich auf das Auge meiner Expertin. Ich habe das Gefühl, dass wir uns verstehen und, dass sie weiß, dass ich nicht zu viel Farbe im Gesicht haben möchte. Mein Ziel: Auch am Hochzeitstag ich selbst sein. Natürlich aufgehübscht und gestylt, aber eben nicht übermalt. Es gibt ja Frauen, die schminken sich jeden Tag und sehen einfach fantastisch so aus, aber ich nicht. Vor allem, weil ich mich so nicht kenne. Am Ende suche ich noch einen matten Lippenstift aus, der gut zum Gesamtbild passt und kaufe ihn auch gleich bei ihr. So kann ich am großen Tag immer nachlegen, wenn mir danach ist.

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Nach eineinhalb Stunden ist alles fertig und ich darf Beweisbilder machen. Jetzt ist meine Freundin an der Reihe. Die bekommt eine lockige Flechtfrisur, die wirklich toll aussieht an ihr. Da sieht man mal wieder was die unterschiedlichen Typen ausmachen. Es macht übrigens mindestens genauso viel Spaß jemandem dabei zuzusehen, wenn er zurechtgemacht wird, wie selbst gestylt zu werden.

Als wir beide fertig sind, wird alles genau zusammengerechnet und ein Zeitplan für den Hochzeitstag erstellt, damit da auf keinen Fall Stress aufkommt.

Am großen Tag wird Corinna Hof zu mir ins Hotel kommen und sich um alles kümmern. Die Vorfreude steigt inzwischen ins Unendliche – besonders weil ich jetzt keine Angst mehr haben muss, mich am Ende doch noch selbst stylen zu müssen.

Das Styling wird in der Stadt getestet

Hinterher laufe ich beschwingt durch die Aachener Innenstadt und fühle mich wie eine Prinzessin. Vielleicht fange ich hier und da aus Versehen sogar an ein wenig zu tanzen. Wer weiß. Es ist ein besonderer Sommertag in Aachen. Alle sind gut drauf, weil die Sonne mal ein paar Tage am Stück scheint. Ich bin wirklich überrascht, wie viele Menschen mich anlächeln und nach Frisur und Styling fragen. So ein Blumenkranz macht echt was aus! Das werde ich mir merken. Auch für andere – nicht-hochzeitliche Feste.

Tipps:

  • Wenn ihr nicht an dem Ort heiratet, wo ihr wohnt: Auf jeden Fall Freunde und Bekannte fragen. Friseure sind so unterschiedlich!
  • Überlegt euch vorher genau, was ihr wollt und was nicht. Der Friseur kann nicht eure Gedanken lesen.
  • Nehmt auf jeden Fall jemanden, dem ihr vertraut zur Testfrisur mit. Eine zweite Meinung ist unbezahlbar.
  • Kosten für ein Braut-Styling variieren stark. Meine Friseurin kostet ca: Frisur 40-55 Euro. Make-Up: 25-35 Euro und dazu kommen natürlich noch Fahrtkosten, wenn sie zu einem ins Hotel kommt.